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Full text of "Georg Wickrams Werke"

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Georg 
Wickrams 



Werke 





Jörg Wickram, 
Johannes Bolte, 
Willy Scheel 




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* 



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BlßLlOTIIEli 



DES 

LlTTülRAItlSCHEN VEREINS 

IN STUTTGART. - 

CCXXIX. 



T Ü Ü i ü ü xV. 
1903. 



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\ J 

PßOXKCTÜR 

1)E8 LirrEBARISCHEN VEREINS m 8TÜTTÖART: 
SEINE MAJiCSTÄT DER KÖNIG. 

• 

YEIIWALTÜNÜ; 

r 1 a a i d e M t : 

Or. U. Fischer, |>rofeMor au der iiniveiBiLäl Tübiugeu. 

Kassier: 
RecUnungsrat Rück in Tübingen. 

* 

KjS kl LSC U A FT6 A ü SiSCli ö SS : 

Dr. 0. Y. Below, professor an der unWersitat Tabingen. 
Professor Dr. BOhmer in Lielitenlhnl bei Baden. 

Dr. Bolte, profeasor in Berlin. 
Ob 'vxtndienrat Dr. II .1 r t m an n in Stuttgart. 
Director Dr. W. llejrd in Stuttgart. 
Dr. Martin, profoeior an der aniversit&b Straßburjf. 
Dr. Q. Meyer von Knonan, profeeeor an der nnivenitftfc ZQrich. 
Dr. H. Panl, profeMor an der unirenit&t Mfincben. 
Dr. Sievers, professor an der antTermtllt Leipzig. 
Dr. Steiuiueyor, profeasor ua iLr uiiiveiaitiLt Krlangen. 
Dr. Straucb, professor an der universitilt Halie. 
Dr. Tobler, professor an der universiUt Berlin. 



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GEORG WICKRAMS 

WERKE. 

DBIHEB BASD 

(BpLLWA(ISNBÜCai.BIN. DIE SIEBEN HADrTLA8T£B) 

HERAUSGEGEBEN 
VON 

JOHAJiNES ßOLTE. 



GEDRUCKT FÜR DEN LITTEBARISCHEN VEREIN IN STUTTGART 

TOBINGBK 3903» 



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ALLE BEOHT£ VüBBEUALTEN. 



DUUCiC VON H. LAUfi* JR. IN TÜÜlNGKN. 



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1. Hollwagenbücbieiu (iahalt). 



V 



Vorwort. 

1. RoUwageul>üchleiu. 

a) Der inhalL 

In der zweiten hälfte des jahrea 1554, wie es scheint;, war 
Wickram als stadtschreiber nach dem städtlein Burglieim am 

liheiii übergesiedelt; iiiul zu beginn des lülL-eiuku jahres, 'auf 
Marie' d. h. Maria lichtmess (2. februar) oder Maria veridlii- 
diguDg (25. inilrz) 1555, übersandte er seinem Colmarer freunde 
Martin Neu, der das Wirtshaus asur blume besass und regel- 
mässig 2ur Strassburger messe einen rollwagen^) (Personenwa- 
gen, Omnibus) fahren Hess, sein eben beendetes Rollwagen- 
büchlein : eine Sammlung lustiger schwäuke und histurieii, die 
zur erheiterung der zur messe roisenden kauHeiite oder einer 
in scherliäuseru und badßtubeu versammelten ge.soll.schaft dienen 
sollte* Der gedanke einer solchen lediglich der kurzweil die- 
nenden reiselektare ohne lehrhafte oder satirische tendenz («nie* 
mandis zü underweysung noch leer, auch gar niemandts zfi 
Schmach, hon oder spotf", lieisst es in der widraung s. 3, i^^) 
\\ar etwas neues; denn Bebels facetien lagen novh nicht ver- 
deutscht vor, und Paulis reichlialtige, gewandt erzähl t(; Samm- 
lung Öchimpf und ernst (1522) schöpft höchst selten direkt 
aus dem leben seiner zeit, sondern fast ausnahmslos aus den 
kirchliehen Schriftstellern des mittelalters und lässt den erbau- 
lichen zweck keineswegs hinter dem erheiternden zurücktreten; 
daran haben auch die Umarbeitungen von 1545 und 1550 wenig 

* 

1) Braut fNarren^cliitf. vont^de 17) zählt 'sclilytt, karrheu, stoss- 
bären, rullwagea' auf. Fiscliart (Glückluitit <r\ui\' von Zürich v. 981. 
Werke ed. Hautfeu 1, 161): 'Da fand die gselscliaft sechs roll wägen 
Vor irer herberg gleich zugegen«* 



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VI 



Vorwort. 



geäiuloi L '). So kam es, diiss das bUchlein, in dem sich Wick- 
ram, nicht mchi" durch die rücksicht auf die empfindlichkeit 
des katholisclien Colmarer rates beengt, freimütiger Uber die 
zeitverhältnisse äussern durfte, beim leaepublikum einen noch 
stärkeren beifall fand als sein zu ähnlichem swecke bestimm- 
tes Losbuch Ton 1539. In den beiden folgenden jähren er* 
schienen in der gleichen Strasslmr^^^r druckerei (Kuublüchs), 
die sich hus vorsieht nicht nannte*), zwti weitere auflagen, 
von denen die eine 12, die andere 22 neue schwanke hinzusetzt. 

£8 entsteht nun die frage, ob diese 34 neuen erzäblungen 
ebenfaUs von Wickraro, dem autor der ersten 67 schwanke, 
herrühren oder gleich den Zusätzen der späteren ausgaben ron 
fremder band hinzugefügt sind. Kurz behauptet in seiner für 
seine zeit verdienstlichen ausgäbe des Rolhvagenbüchleuis (1865 
8. XXVIII — XXXII) das letztere : indes sind seine gründe hin- 
fallig, da er nur die 3. ausgäbe (bei ihm Bl) genannt) kennt 
und bei Wickram eine höchst unwahrscheinliche ttberwachung 
des druckes bis auf die Orthographie voraussetzt. Die Sache 
liegt vielmehr so, dass Wickrams Strassburger Verleger, nicht 
ein fremder nachdrucker, zwei weitere vermehrte auflagen noch 
zu lebzeiten des autors veranstaltete. Sollte er für diese Ver- 
mehrung sich an einen andern erzähler gewandt haben, wo 
ihm der weg zu Wickram doch soviel näher lag? Wenn wir 
zudem Wickrams ausdrucksweise und eigentümlichkeiten in 
den nr* 68— -101 wiederfinden, so dürfen wir ohne weiteres 
annehmen, dass Wickram diese geschichten auf die aufforde- 

* 

1) über die beailteitiinj^ *Von schimpft' und enist, vil wt i-cr hrifliclicr 
spriicli' 0. o. 1545. 4" und den 'Scherz mit dn- warhrvt' Frimckfurt, 
Chr. Egenolff 1550 fol. vgl. btieiel, Archiv t. neuere sprachen 95, 61 
und 'ih. 

2) In Freiburg i. Ii. nannten sich damals druokcr und Verleger 
aus furcht vor der strengen censur nicht mehr auf ihren werken (H. 
Schreiber, Gesch. der stadt und univ. Freibarg 2, 245. 1857). 

8) So das hervortreten seiner eigenen person in nr. 82, 89, 100: 
*Ich kenn aelbs eine wirdtin* (s. 108, s); *ieh hab in %u vil malen gehn 
Colmar zn marckt sehen gon* (a. 117, r); 'ich hab eines guten gesellen 
knntschalft gehabt* (s. 127, •)* ferner die erwfthnung von Colmar in 
nr* 85, 89, 97; die mabnung m rechten kinderxncht in nr. 69. In 
ur. 81 wird auf Grünenwalds abenteuer in nr« 58 snrQckverwiesen. 



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1, KoUwagcnbaehlein (inbalt). 



VU 



nin£? seines Verlegers iiiederc?eschrieb<*ii und diesem zur ver- 
fu(riui<^r i^restcllt luit , oluie (luss er danim für die aiiordiiuug 
und Schreibweise der neueu auflagen*) Terantwortlich zu ma- 
chen ist. 

Wickrams schlichter, lehendiger und volksttlmUcher Vor- 
trag entspricht ganz dem plaudertone der mUndlicIien erzHii- 
limtr. 'Dieweil wir yetzund auch autf einer fart oder reila 
sind', leitet er nr. 1, einen schwank von einem Wallfahrer, 
ein*): und wie in einer gesellschaft dem und jenem beim äu- 
bdren eine ähnliche geschichte einfällt, die er der eben ge- 
hörten folgen lässt, 80 stellt Wickram häufig zwei verwandte 
schwanke neben einander (nr. 16 f., 20 f.. 27 f., 35 f., 46 f., 
f., 70 f., 89 f.; vielleicht trehörten auch 80 und 82 ur- 
sprünglich zusammen), einmal so^'ur (hei (64 — 66) und weist 
auf diese verknüpfimg bisweilen (47. 55) ausdrücklich hin. Die er- 
zäfalungen tragen durchweg lustigen Charakter, da unter den 101 
nummem nur drei tragische stofie (die mordgeschichten nr. 55, 
72, 74) erscheinen, und sind aus den dem erziUiler und seinem 
bürgerlichen pnblikuni vertrauten lebeubkreisen entlehnt. Edel- 
leute treten nur auf, wenn sie im wirtshause mit bürgern zu- 
sammeütre£feu (54. 73. 82), auf der landstrasse kaufleute pUln- 
dem (33) oder mit ihren bauern verhandeln (18. 50); eine 
vereinzelte ausnähme ist die uovelle vom grafen zu Paris (75). 
Aurh die gelehrten (73). ratsherren (89 f.) und die band wer- 
ker ikürschner 19. fisclier »u) werden UJis selten vurgei'ührt, 
desto häufiger jedoch streit zwischen eheleuten (16. 17. 44. 
87. 91), ehebruch (4* 25. 45), törichte eifersucht (84), mode- 
narrheit (101), schlechte kinderzucht (70, auch 92. 97), freund- 
schaftliche neckerei (8) und törichter zank (30). Oft ist die 
barliierstube (18. 61. 65. 66) das lokal der handlang, öfter 
das Wirtshaus, wo die guten zechbriider (52. 53. 57. 86. 96) 
und esser (12. 81) einkehren und der listige wirt (M > manch- 
mal von seinen gasten geneckt wird (7. 11. 70. 71). Dort 
erleben oder erzählen die reisenden kaufleute (10. 12. 27. 33. 

1) Auch lür die weiteriübrung der doppelt auftreteudeu geschicbtu 
Bf. 13 und 3«. 

2) Nor der schluss der letzten m. (67; klingt bucbmä&«ig. 



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VIII 



Vorwort 



65. 99), rosstftuscher (31), reiter (71), fuhrleute (41), land- 

fahrer (5. 19. 80. 82), ilire al)enteucr. lläufiL^ ^edeiikt Wick- 
ram der erlebiüsse garit iidtir ') und prahlender laiidsknechte 
(7. 14. 15. 24. 40. 42. 43. 82). Mit den Juden wird nicht 
gerade glimpflich verfahren (48. 83); auch die nasführung 
eines glaubigers (73) oder eines gestrengen vogts (29), ein 
diebsstreich (56), die bitte eines delinquenten (82) gilt als 
belachenswert , weun die tiiat witz und gewandtlieit verrät . 
Namentlich jedoch liefern zwei stäiule stoff zur ver«pottuug, 
bauemschaft und geistlichkeit. Bei der beichte (19. 68. 88) 
und predigt (18. 26. 38. 51. 63) ereignen sich komische Zwi- 
schenfalle; nnd einfalt (34. 47. 67. 80), hahgier (59. 76), 
trunksucht (3. 46), hoffart (21), unkeuschheit (20. 79. 94) 
Avcrdcn vielen })t'aft'cii und münchen nachgesalzt. Es ist, als 
ob unser autor etwas uachholen wollte, was er in seinem fast- 
nachtspiel vom narrengiessen (1538 bi. B3a, v. 324) vorsäumt 
hatte; dort gebietet nämlich der alte narr seinen sendlingen, 
ihm alle arten von narren herbeizuholen, die Idosterrnttnche 
und pfaÖ'eii aber niclil anzutasten; 

Wir gwünnen suust gar vil ü;3 schatten 

Mit in ; druinb wend wir mussig gon, 

Syo wend nit mit in schimpffen Ion. 

Die bauem, längst ein beliebtes ziel für die satire der 

Städter, erscheinen hier teils als einfältig (1. 28. 37. 39. 50. 

58. 60. 68. 81. 93. 95. 98), faul (10. 20) und gefrässig (62. 64), 

teils als zänkisch (6), betrügerisch (43) und pfiüg (9. 13. 

35. 36. 38). Indes fühlt sich Wickram in seiner angeborenen 

gutniütigkeit doch gedrungen, Ungerechtigkeit gci^cn einen 

ganzen stand*) zu meiden und alles zum besten zu keinen: 

ausdrücklich bemerkt er iu ur. 22, 47 und 60, mau finde oicht 

* 

1) Über die e. 47, 9 erwähnten zeichen der landsknechte (burgun- 
dische erütz mit östen) vgl. die gaunerzinken bei Kluge , Rotwelsch 
1, 96 f. HO. 495 (1901) und N. Spiegel, Gelehrtenproletaiiai und gau- 
nertum (progr. Schweinfurt 1902) a. 29. 

2) Wie er im Knabenspic«:^»'!, itn (loldt'aden und im irrereitenden 
pilger da» id(?al einer recht^cbiiÜVia n. H' ii>i<^'on und frommen bauern- 
familie zeichnet, braucht hioi nicht au^L,n tiihit zu werden ; ebensowe- 
ni«,», da»3 er in der zuletzt genauutt ii dichtung einem aufgeklärteu abUi 
die iOsuug aller gewiüseusuöte daa heidea zuweist. 



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1. Roliwagenbflchlein (inbalt). 



IX 



viel so einfältige bauern (Schwaben) oder so ungeschickte prie- 

ster. Und ebenso ersehen wir aus einem in den Colraarer rats- 
akteu iiuflH'wiilirten zui^^o' ). dass er kein radikaler antisemit war. 

Die erzäliiungen des itollwageubüchleins spielen im gegen- 
t<atz6 zu Paulis historien in der jüngsten Vergangenheit. 
Das am weitesten zurückliegende geschichtliche ereignis ist die 
Schlacht bei Marignano oder Mailand v. j. 1518 (77); dann 
der bauemkrieg von 1525 (85), der sicherlich den Zeitgenossen 
Wickranis noch in lebendi<jfer erinnorung war, der Augsburger 
reichstag von 1530 (53) und der liiifall der Franzosen (59). 
Von historischen per.-iuilichkeiten wird der graf Georg von 
Württemberg-Mömpeigard geb. 1498, gest. 1558 (55), der 
Augsbnrger kaufherr Fugger (58), der Bemer buchdrucker 
Apiarius (8), der Kaisersberger ratsherr Schandene (89), der 
Schweizer pfaft' Jos Haß (77. 78) und der .sänger Grünenwald 
(53. 81) erwähnt. Veerse Ii iedeiu^ der auftretcinleii porsonen ver- 
sichert der erzähler selbst gekannt zu haben (s. X und VI*). 

Den Schauplatz der handlang bilden das Elsass und 
die benachbarten gegenden nordwärts bis nach den Nieder- 
landen, südwärts bis nach Italien, dstlich etwa bis Ingolstadt. 
Im Elsass spielen nr. 25, 51, 55, 64; in Colmar 55, (>1, 89, 
97: im nahen Anselsheini 85; in Ilmnienwf ilier und lleicheu- 
weilcr 55; in Kaisersberg 88. 92; in Schletstadt (il; in Za- 
bem 59; am Kochersberg 1. Auch die Stadt am Uheinstrom 
(44) und die namliaftige stadt, deren namen Wickram nicht 
nennen will (90), haben wir uns wohl im Elsass zu denken. 

1) Als 1546 der Iximken vom markte zu Ammerschweier nach Col- 
mar hcimfabreode Jakob Heimburger auf den ricbtplatz kam, wo einige 
mitleidige frauen eiuem zwischen zwei hunden aufs rad geflochtenen 
jaden zn trinken gabeUf höhnte er den Juden. Wickram aber, der da« 
bei stand, verwies ihm das, und als jener erwiderte, es sei ja nur 
ein Judo , sagte er , der sterbende mOchte vielleicht zu der zeit ein 
ebenso frommer und guter christ sein als einer unter ihnen (Waldner, 
Zs. f. d. geseh* des Oberrheins n. f. 7f 825 f. Die jahreszahl nach Billings 
iDeiner chronik der stadt Colmar 1891 s. 65). Übrigens hatte Maxi» 
milian I. in Colmar 1514 ein gemälde von der vt?r!<tümnielunfir eines 
Marieiibildtjä durch die Juden öffentlich anbringen lassen (KhiMsoit, 
Mi lt . über die Micbelstüdter kirchenbibliofcbek. progr. Michelstadt 1902 
s. 19). 



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X 



Vorwort 



Lothringen erscheint 46 und 47, Metz und Langen waseji [7; 
der Breisgau 9G, Baden 43. Froilmrg i. B. 4, Grüniii^riu 72; 
Speier 73; die messstadt Frankfurt a. M. 12, 31, 33, 99; 
Mainz 99. Brabant 27; Friesland 79; Franeker 74; Harlem 
19. Franken 57 ; Poppenried 63 (etwa Poppenreuth hei Nfim- 
herg oder Poppenroth bei Kissingen); Bayern 10, 58; Mön- 
chen 53; Ingolstadt 54. Schwaben 29, 40, GO, (;5, 93; Pforz- 
heim 87 ; Augsburg 53, Hl. Sri iweiki 12; da.s oberland 27, 71; 
Coofitanz 7G: Weesen im kauton St. Gallen 71; Luzern 68; 
EinBiedeln 5; Bern 8; Zürich 7. Italien 23, 26, 85, 65, 83; 
Venedig 23, 25; Rom 93. Paris 75. Verhältnismässig selten 
wird nur ^ein dorf (45, 48, 50, 62) genannt oder die orts* 
bezeichnuiii; *,^:iiiz woggelassen. 

Aus wt'h lien quellen VVickrani seine erzählungen ge- 
schöpft und ^zusammengelesen*, ist nicht ohne weiteres fest- 
zasteiien. Wiederholt versichert er, er habe die handelnde 
person selber gekannt (55. 82. 89. 100; vgl. 54. 61); ander- 
seits citiert er in nr. 2 die Golloquia des Erasmns, ans denen 
er die ganze geschichte entlehnt habe. Wenn wir nun in den 
übrigen fallen die herkiinft prüfen, so ist zwar ohne weiteres 
sicher, dass mehrere geschichten Wickranis schon vor dem er- 
scheinen des RoUwagenbttchleins durch Bebel, Pauli, Waldis, 
Hans Sachs u. a. litterarisch fixiert waren; aber diese fas- 
sun^en stehen zumeist dem Gedankengange und Wortlaute 
Wi(kraiiis so fern, dass eine direkte Ixoiutzung durcli dii'SL'U 
fraglich wird. Sicher scheint mir nur, dass W ickram die nr. 57, 
58 und 60 einem 1536 entstandenen meisterliede von Hans 
Sachs, das wiederum auf Pauli beruht, nacherzählt hat; viel- 
leicht benutzte er fQr nr. 45 ein andres meisterlied desselben 
dichters und für 79 ein solches von Puschmann, ?owie für 
nr. 16, 20 und 94 den 1548 ers( hienenen, aucli von I.iiideiicr 
im(i Montanus herangezugeueu Esopus des Burkhard Waldis. 
Die kenntnis von Scheits Verdeutschung des Dcdekindschen 
Grobianus (1551) leuchtet in einigen nebensächlichen bemer- 
kungen der nr. 52 (und 101) durch '), obwohl ^sant Grobian' 

1) Vgl. die randuoten zu Scbuit v. 27Ö 'leot mit der sewglocken* 
und zu V. 3590. 



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l. KoUwogeulDÜohlein (inhalt). XI 

nnserm erzähler längst aus dem in nr. 84 citierten Nunen- 
schiif Brants 72, i geläufig und 1538 im Itistnachtspiel vom 
Narrengiessen bl. A7b v. 209 angei-ufen worden war. Sonst 
aber liegt wohl zumeist, wie schon Goedeke^) gesehen hat, 
zwischen jenen 'älteren fussungen und Wickram eine im mflnd- 
lichen wiederens&hlen erfolgte Umgestaltung, so dass unser ver* 
fasser nur aufzuzeichnen meinte, was er <;eli(jrt liatte. Auch 
die ähnlichkeil zwi>t htü nr. 97 und einem lateinisclien scliwankf 
Bebels erklärt sich wohl so. Wie reich aber der volksmuud 
damab an derartigen Uberlieferungen war, zeigt uns u. a. 
Wicknuna gelegentlicher hinweis auf zwei sonst nicht bekannte 
schwanke von der Odenwi&lder bäurin mit dem schnee (s. 65, s) 
und vom manne im kastenbolz (s. 67, ss). 

Wenngleich Wickram im Vorworte erklärt, keinen päda- 
gogi sehen oder satirisclien zweck zu verfolgen, so liegt 
es doch im charakter der zeit wie des autors, dass trotzdem 
hie und da auf die sich ergebende lehre hingewiesen wird. 
Eine ansfQhrliche, dreifiich geteilte moial finden wir aller- 
dings nur einmal, am Schlüsse von nr. 1 ; häufig aber eine kurze 
klage Uber al)erglauben (2). <i<jtth)siL^keit (3. lluchtii (67. 
78), schleclite kiiidererziehuii<z ('»'Oi truiik.suclit (72); bisweilen 
auch eine praktische, lustig ausgedrückte uut^anwendung (18. 
25. 30. 65. 75. 80. 85. 91). Wickrams reformationsfreund' 
liehe gesinnung aber offenbart sich weniger in den histörchen 
von zuchtiosen oder tdnchten pfaffen als in dem hier zum ersten- 
male ron ihm frei geäusserten iadel des heiligendienstes (1. 2), 
der ohrenbeichte (40), dcö kircliliuPweihens (76) und der brauche 
der fastenzeit, der karworlie und der üppigen kirchweihfeiern 
(49; vgl. bd. 4, s. 213 f.), endlich in der liervorhebung des 
iiheQren Frantz von Sickingen löblicher gedechtnuß' (33). 

Die im Vorworte ausgesprochene absieht, nur kurzweilige 
geschichten, die auch zOchtige und ehrbare frauen anhören 
dürfen, nicht aber schamlose worte vorzutragen, wird jeder 
billigdenkende leser im RollwagenbUchlein V('r\Yirklieht linden. 
Man prüfe nur, mit welcher decenz und Unbefangenheit Wickram 
Terßingliche stoife (4. 20. 25. 45. 79. 94) behandelt, die ein 

* 

1) Schw&nke des 16. Jahrhunderte 1879 s. ZIX* 



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XII 



Vorwort. 



Lindener, Schumann, Montanus oder Mahrold mit breitem be- 

liairon ausgemalt bätte. Dass man dabui den masöbtab der 
Sitte des 16. jahrhuudertt» aulegen muss, ist selbstverstäudiich. 

Die Verbreitung des KoUwagenbÜchleins erhellt schon 
daraus, dass bis zum dreissigjahrigen kriege mindestens 14 
ausgaben erschienen, in denen die zahl der schwänke bis 

auf III vcriiit lut wind. Neun iiuuimern fügten um 1559 die 
Mülhäuser buclidrucker Hans Schirenbrand und Peter Sclimid 
hinzu (zucyleich zwei erziihlungen streichend), eine weitere ge- 
.schichte stellte 1565 der Frankfurter Verleger Sigmund Feyer- 
abend au die spitze seiner ausgäbe, die er mit Freys Garten- 
gesellschaft und Montanus Wegkilrzer zu einem dreibändigen 
werke vereinigte. 

Ferner wurden eiirzeln(> >( liwänke vielfach abgedruckt, 
übersetzt und bearbeitet. 1560 ciitnaliui der Frankfurter bucli- 
drucker Weygandt H a n zwölf geschichten des Kollwagen- 
büchleins um damit eine neue ausgäbe von ^Schimpf und 
ernst' auszustaffieren; gleichzeitig machte der Strassburger Bern- 
hard H e r t z o g för seine Scbiltwacht *) bei Wickram eine 
anleiho von 7 sf liwiinkcn : 158B fasbte dann Sigmund Fc} Gr- 
abe nd in eiiit iii fuliaiilen u. d. t. 'Kurtzweilig(; viid Lächer- 
liche Geschieht vud Historien'^) erzählungen von Boccaccio, 

» 

1) Nr. l. 11. 18. 14. 26. m. 64. 72. 78. 8H de.s v()rlicfT<-n<U-n 
ntiuihiu ki s. ~ Hans ausgäbe ist betitelt: Scbiinpft" | ynd Kiiiat, 1 Durch 
alle Welthiiu j dtl. Jetyniul von ncwcni | weiter denn vuruials {rciueh- 
ret, I mit viel schonen Figui« u, waihntf | tigen Historien, kurt/ weiligen 
Ex I enipeln, Gleichnissen, vnd inerck- | liehen (Jesehiehten, fnrgestelt» 

I sehr niitzlieh zulesen. | 1560 j . 224 -}- 10 bl. S\ Auf bl. Ff 8a steht: 
Gedruckt zu Franckfurdt | am Mayn , durch Weygandt [ Hau , in der 
SchnurgOAsen» | zu dem Krug. ] (^Uerlin Yt 6526). — Die Interpolationen 
ans Wickram und Frey stehen noch nicht in W. Hans ausgäbe von 
1556 (Yt 6516), wohl aber in den folgenden drucken von 1568, 1588 
und 1597, 

2) Vgl. Hontanus, Schwankbücher 1899 s. 648 f. — Ks sind Wiek« 
rams nr. 14 87. 44. 48. 51. 56. 68. 

3) Beilin Yt 6811. Vgl. Goedeke, GrundrissS 2, 472. — Vielleicht 
sind der von Clessius 2, 249 und Draudius p. 495 citierte *Nev Kol- 
wagen von Schimpff vnd Krnsi ein kurtzweilig vnd lustig Buch, auffs 



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1. Rollwagenbflelilem (inlialt). 



XIU 



Pauli, Frey und Montanus zusammen, iiuleui er das Decameron 
(s. 199 — 526) vollständig abdruckte, die schon frdher von Han 
u. a. interpolierte Sammlung Schimpf und ernst voranstellte 
(s. 1 — 198. 588 nr.) und einen 33 mimmem starken auszug 
aus dem Rollwage n , der Gnrtengesellschaft und dem Weg- 
kOrzrr unliäiiote. Wickrai u ist hierin mit zehn geschichteu^) 
vertreten, unter denen der italienische schwank fuiisro nr. III), 
den Feyerabend 1565 an die spitze seiner vollständigen aus- 
gäbe des Kollwagens gestellt hatte, nicht fehlt. Den schwank 
nr. 22 hat sich der kompilator des Schiltbdrgerbuches (1598) 
skrupt4iüs aiiget'igiu't. 

Übersetzt wurden einzelne g#^schichien ins lateinische, 
niederdeutsche, niederländische, französische und polnische. 
Zuerst 1568 Johannes Hulsbusch in seiner blumen- 
iese aus Montanus, Wickram, Frey, Schumann, Hertzog und 
Pauli: *Sylva sermonum iucnndissimorum' (}>. 37 — 103) 46 
Wickrauii.sche schwanke^) in eincni bisweilen scliiiunigeiii latein 
wieder; aus ihm scliüpfte IS'ikolaus Kej vieles^) fUr seine 
polnischen *Facecye' (1574). 1576 übertrug dann ein unbe- 
kannter ^Niederländer 25 schwänke^) in seine spräche. Zwar 
ist sein 'Clucht boeck, inhoudende vele recreatiue Prepoosten 
ende Gluchten' (Antwerpen, Heyndrick Heyndricsen 1576. 8') nur 
in einem defekten exemplare (s. 1 — 136) aui uns gekommen; 

new zusammengezogen vnnd in ein Ordnung gebnicht. Franckfort 
durch Johann WolÄesn 1508' [ohne foruiatangabe] und 'Kollwagöo von 
Schimpif vnd Emst, ein kurtzweilig vud lustig Buch , auüs ncuw zu- 
sammengezogen vnd in ein Ordnung gebracht. Franckf. 157^ fol.' 
frühere aufhigen dieser siammhmg. 

1) Nr. 4. 12. 53. 73. 75. 79. 94. 105. Ul uiisrer ausgäbe, auf 
s". 527 — 534. — Auf 535 — 542 folgen 13 stücke au.s Fre^.s Glarten- 
ir.-Hl^'-haft (3-6. 9. 12. 131 20. 23. 37. 40. 41. 64), auf 543—551 
leim uns Montanus Wegkürzer (1. 2. 5. 10 — 13. 15. 16. 44). 

2) Nr. 10. 11. IS. 18. 21. 23. 24. 27. 29. 33. 35-37. 4u. 43. 44. 40. 
47. 54. 50. 57. 62. 64. 65. 71. 80—82. 84. 8.5. 91. 94—97. 99. l»J<j, 102 — 
110. Vgl. Vvey 1896 s. XXXIV und Montanu.s 1&99 s. XVill. 

3) Z. b. ni: 21. 85. 94. 10.3. V^fl. Frey s. XXXIV. 

4) Nr. 4. 9. 11. 14. 23. 25. 27. 31. 33. 35. 30. 39.40. 54. 62. 65. 71. 
74. 75. 81—83. 105. 109. III. 



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XIV 



Vonroli. 



aber wir keimen einen späteren abdruck *Groot Klu^-boeck Xn- 

houdc'iide veele recroutiue Exenipelen ende deughdelijcke Verina- 
ninghen' {AnistordaiiK Micliiel de (iruui 1680. 208 s. 8®) und 
ausserdem eine französische Ubersetzung von Antoine Tyron: 
*llecueil de plusieurs plaisantes nouvelles, apophtegmes et re- 
creations diuerses' (Anvers, Martin Uujssens 1591), die aller- 
dings manche stocke ihrer vorläge weglässt und von Wickram 
nur acht erzählungen -) bringt. Aus dem Antwerpener Clucht- 
hoeck schöpfen der Melancolyen-Verdryver (nr. 23) und der 
VVeghkorter (74), aus einer vollständigeren ausgäbe Tyrons 
der Tbresor des recreations (65). Endlich begegnen noch in 
dem aus Wickram, Frey und Montanus zusammengestöppelten 
^Wegekörter von 1592 17 nummem des Roliwagenbttch- 
leins') in niederdeutscher Übertragung. 

1 liter den poetischen b e a r b e i t ii n i< e n stellen obenan 
die des Hans 8 a c h s , dem ja Wi^^kram für einige RHicke 
seines büclileins zu dank verpftichtet war (s. X), den er längst 
als meistersänger verehrte ^) und nach dessen Vaterstadt Nürn- 
berg er eine gewisse selmsucht verspürt sni haben scheint*). 
Von einem brieflichen verkehr beider dichter ist uns freilich 
nichts überliefert; aber möglich wäre es doch, das» Wickram dem 
Nürnberger meister das exemplar der zweiten aiiliage des Roll- 
wagenbiklileiiis zugesandt hätte, aus dem dieser in der zeit 
vom 5. mai bis 14. juli 1556 den stoff zu Ii meistei Hedem ^) 
entnahm. Später, in den jähren 1559 und 1562 — 63, hat er 
fünf von diesen meisterliedem zu spruchgedichten umgeformt'). 
In den übrigen fallen, wo Wickram und H. Sachs gleiche 
Stoffe behandeln, scheinen sie unabhängig von einander ihre 



1) Nr, 9. n, 71. 74. 75. 105. 107. III. — Vgl. Holte, Tijdschrift 
voor nederlandscfae taal- en letierknnde lOj 127 (1891) und Stiefel, Ar- 
chiv f. neuere sprachen 94, 129 und 132 f. 

2) Nr. 10. 14—16. 27. 80. 81. 50. 55. 61. 65. 69. 74. 99. 105. 107. 
109. — Vgl. Boltc, Jahrbuch für nd, »prachforschung 20, 132 (1894). 

'S) Vgl. b(l. 2. 8. XXXIX f. 
I i V-L bd. 4, «. 160» und 177, 
T)) Wickrani nr, 4. 5. l:i 21. 2H. 48-50. G2. 70. 71. 
6) Wickram nr. r>. 28 G2. 70. 71. — Vgl. H. Sachs, Fabeln und 
schwanke hag. von Goetee bd. 2, nr. 259. 275. 284. 814.* 815. 




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1. Rollwagenbflehtoin (inhali). 



XV 



\^ege gewandelt zu sein. Auch andre uieistersäiif^er benutzten 
Wickrauis schwanksanmilung als quelle: A. Pui^cliniann 
1556 (? ? vgl. nr. 79), Georg von H e 1 m s d o r f 15G8 (nr. 74), 
ein anonymus von 1569 (nr. 5) und ein andrer von ungewisser 
zeit (dt. 94), Benedikt Ton Watt 1609 bis 1610 (nr. 9. 11. 
108. 16), Ambrosius Metzger 1626 (nr. 11). Sechs Wick- 
ramsche schwanke^) brachte der Hesse Dietrich Mahrold 
1808 in reime und vorleibte sie seinem unsaubren, gliiekliclier- 
wtise nicht zum druck «gelangten 'Koidniarsch kästen' ein. 

Auf die zahlreichen nach a h m o r , die das erscheinen 
des Rollwagenbachleins zu ähnlicher schriftsteilerei anregte, 
will ich nicht näher eingehen *) ; nur das muss hervorgehoben 
werden, dass sie fast sämtlich ihr vorbild durch gröbere komik 
und pikante zoten in den schatten zu stellen suchten. Daher 
wird Wickrani bei vielen seiner b e ii r t e i 1 e r mit jenen nach- 
folgem ohne weiteres zusamniengcwürt'en und mit gleicher sitt- 
licher entrüstung abgeschätzt. Was ich hier an solchen lit- 
terarischen krttiken aufzähle, lässt sich bei weiterer Umschau 
gewiss yermehren. Die beliebtheit des werkes bezeugt 1556 
Frey'), ein persönlicher bekannter Wickranis, dem das sehr 
kurz\veili<,^e, ehrbare und lustig zu lesende bücblein 'nit ein 
geringen anmüt gebracht und geben bat', 1557 Monta nu s**), 
der seinen Wegkürzer dem Schimpf und ernst, der Uartenge- 
sellschaft und dem Rollwagen, die jedermann gelesen habe 
und kenne, gar nicht gleichzustellen wagt, 1558 ein ungenannter 
Aagsburger kritiker des Montanus'), der zwar ingrimmig 
wettert : ^eorg Wickhram von Colmar habe mit seinem Rol- 
wagen. den er auü' die pan gefüert, ursach geben, das ain 
jeder nar auf seinem karen auch hinnach wilfaren*, aber zuge- 
stehn muss, dass ^derselbe Wickhram etwas beschaidner gwosen 
als der von ihm so stark durchgehechelte Montanus. In dem 

1) Nr. 20. 45. 87. 91. 94. 109. — Vgl. Frey , Gartengesellschaft 
1896 8. 265 f. 

2) Vgl. MontanuB, Schwaakb&Gher 1899 s. YII f. 

3) Gftrtenge«6llachaft 1896 ». 5, «». 

4) Schwankbficher 1899 s. 4, le. 

5) Hontanus, Schwankbilcber 1899 s. 469» 4. 



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XVI 



Vorwort 



1560 zu Freiburg i. U. gehaltenen Faeinachtspiele von doktor 
Ro£achwanz') wird das RoIIwagenbttchlein mit dem 
Ealenspie«,^^, dem pfaffen von Kalenberg, doktor Schmoßmann 

und dem NrtiTciisehitl', in Hicronvinus Uauschors llundort 
au8erwelten papistisch pn liim'ii (1562. fite]) mit dem Eulen- 
spieccpl^ Marcolplius, dem piatfen von Kalenberg, Fortunatas 
und andern ^narrenlügenden', bei Nigrinus*) auaaerdem mit 
dem Neydhard, Jacob Frey, Oentonovell, Schimpf und ernst etc, 
bei Wilh. Sarcerins') mit den schändlichen büchem Eulen* 
Spiegel und Centum novclla, bei dem salzburgischen rat Johanu 
F i c k 1 e r \) mit den Centonovelle, Gartengesellschaft. Cazo- 
pori, Rast- und iSachtbüchlein zusammenfjostelifc, um daran 
meist Warnungen vor solchen possen und zoten zu' knüpfen. 
Ebenso moros äussert sich 1564 der mansfeldische kanzler 
G. L a u t e r b e c k'), der selbst 1559 unter dem titel ^Regen- 
tenbuch' eine trockene kompilation von historien veröffentlicht 
hatte, aus dem Rollwagen lerne die jugend nichts ilcmi s( liaiid 
und Untugend. Hingccfon ruft 1' i s c h a r t*) die guten schluc- 
ker und stallbrüder, die Garten ti cs eil sc Ii aft vom liuU wagen, 
vom Marckschiff, von der Spigeleulen als sein publikum an 
und stellt den schwankbttchem Boccaccios, Straparolas und 
Jaques Hyvers *der beiden stattschreiber zu Barckheim und 

« 

1) Baeehtold, Vjschr. f. litgesch. 212: 'Merckt auff, das eeind 
die khineten mein, Von d^ man glesen hett vil mer Im Eylenspiegel 
bin und her, Bey Kallemberg und dem Scbmosemani Von den lert ich 
mein khonat veratan . . . Das NarrenBchiif, der KoUwag ouch M&ch 
mich 2a meiner khonst so goucli, In den man fand eins jeden ardt, 
WiirzA der mensch gnaiiirett ward.* 

2) Affenepiel f. Johan Nasen 1571 bl. H2b (abgedruckt in Freys 
Gartengeaellsohaft 1896 s. XlXl *). 

3) Geistlicber herbarius 1573 (H. Beck, Die erbauungsliteratur der 
CT. kirche 1, 316, 1883). 

4) Tractat herrn Gabriel Putherbeien von Thuron \m verbot und 
anfi'hebung derer "büclv r K>81, voni'«l«' bl. 4a (Janssen, Ge;<ehichto des 
deutRCben volkes 6, 425. 1901). — In Tirol wurden gerade damals 6 
exeraplare des 'Rollwugeiibüechlius' kontisciert (J. v. Ziugerle, Siizgsber. 
der Wiener akad. 55, ül 1 nr. 1867). 

5} Cornelius, ein srlinner dialogus von auti'z.iehuug der jugend 1564 
«. lü (Janssen 6. 4'20. l'jnl). 

6) Qeschicbtklittci'img 1575, vorreUu — 1^91 h. 16 uud 5. 



1 



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]. BoUwagenbüchlein (inhalt). 



XVII 



Mauismtlnster Wickram und Jacob Freyeu frey HoUengespii&ch 
und Gaitenzech, auch defi M. Lindem Katzipory-gestech* an 
die Seite, anderer Eulen spiegelischer und Wegkurtzerischer art 

buchern zu goschweigen. Aucli Alhert W i c h g r e v e ^) ver- 
•_n>st in ^sei^er liste unterhRltonfler btluiinii nicht, den Roll- 
wagen neben Fischarts praktik, RoUenhagenä Froscbmeuseier, 
Freys Gartengesellschaft und Dedekinds Grobianus anzuführen. 
YerSchtlich aber meint Rollenhagen*), sein Froschmeu- 
seler solle etwas mehr nutzen schaffen als der ^weitberQhmte 
Enlenspiegel und andere schandbOcher wie der pfaff vom Ka- 
lenberg, Katzinorus, Rollwii'jfr'n etc. Der verhisscr des L a le- 
hn c Ii e s (15l>7 bl. A 3 a) redet von den 'grouen zolteii im 
Rollwagen, Oartengesellschaft, Centoiiovella, Katzipori"; und 
während Matthias Q u a d ^) etwas zurückhaltender vom Roll- 
wagen, Schimpff und ernst, Gentonovella spricht, 'weil dieselbe 
jetzt auch den lodderbuben unnd leichtfertigen leuthen gemein 
worden*, warnt der renaissancepoet Theobald Hock*) geradezu 
vor schlechten iilteren Schriften wie Schimpf und ernst, UoU- 
wagenbilchlein, Garteugesellschaft, Nachtbüchlein, W'endunmut 
u. a. , und der studioaus Lazarus Sandrub'^) rühmt sich, 
keine grobe und zuchtlose narrentheidung und uufläterei aus 
dem Rollwagen, Gartengesellschaft, Schilt wach, Eulenspiegel 
u. du}' entlehnt zu haben. Immerhin erkennt man aua diesen 
▼erzeichnissen u inützer und garstiger bflcher, wie sie auch bei 
den tbeologen Letter*'), Burchart GensschedeF), Cun- 

* 

1» Oiulio pro iivxpavi^ptönotg m. homulhs 1599 bl. Blb (Frey 1896 
». XXXI'). 

2 ' Froschineuseler 1595, vorrede bl. A8a (Goedeke, Gnmdriss 2,458). 
:3) Memorabilia muudi 1601, vorrede (Goedeke 2, 572). 

4) Sch(»iieB blnmenfeldt 1601 bl. 6b s 1899 s. 11, 

5) Delitiae historicae et poeticse 1618 8. 7 =s 1878 s. 6. 

6) Leichenrede auf den hofkammeirat WeckerUn in Stuttgart 1611 
(Birlinger, Alemannia 18, 184). 

7; Ethica christiana rhythmica 1619, vorrede (Hoffmann von Faller«- 
leben, Spenden sur deutseben Uteraturgeschichte 1, 21. 1844). — Ygl. 
aocb Beinhaas, Predig auf das fest der unschuldigen kinder 1617 s. 4 
(Janssen 6^ 428. 1901). 

Wi«knm ZU. b 



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xvm 



Vorwort 



rad Dieterich') und Konrad D a nhftuer ') sowie bei 

Moscherosch^) uns begegnen, dass das niedere volk noch 
zäliP an iltr imfcerhaltiincrsloktüre festhielt, die der von neuen 
ausländischen mustern beeintiusste geschmack der gebiUleten 
und die bosorgnia geistlicher seelenhirten gern verbannt hätte. 
So enthält denn auch die kleine bücheraammlung des Straas- 
burger glasers Lorenz Fritsch zufolge einem um 1625 anfge* 
nonimenen Terzeichnis *) neben anderer Tolksliieratur den Goldt^ 
faden, den liollwagen, die Gartengesellschaft, die Schiltwacht. 

b) Die drucke. 

A) 1555. — Das Roll wagenb&chlin. | Ein neüws, vor vn- 
erborts BneUeiB, | darinn vil gfiter aebwenck vnd Historien begriffen 

[ werden, bo man in achiffen vnd anflf den rollwegen, | deOgleicben in 
acherbe&aeren vnnd badatuben, | langweiligen zeiten erxellen mag, 
die schweren | Melancolischen gemuter damit sil ermanderen, | vor 
aller menigUich Jungen vnd Alien aunder al- | len anatoß s8 lesen 
vnd z& boren, Allen Eaufflett* | ten so die Messen hin vnd wider brau- 
chen, zil | einer Irarteweil an tag bracht vnd ziV | samen gelesen durch 
Jorg Wiek- I rammnn, Stattecbreiber zu | Borckbaiin, Anno 1555. j [Holz- 
schnitt: ein vierspänniger wat»«;n mit einem auf reifen rahenden lei- 
nendache; auf dem linken hinterpferde sitzt der fubrmann mit der 
peitsche; auf der linken seite des wagen« sitzen zwischen vorder- und 
hinterrad 7.\vo\ liärtige nüirnpr im gesprüch.] | (Titel schwarz und rot.) 
Vn hoixru kltMH 8^ ohne aii;j;abe des druckort*^^. Auf bl. H7b steht: 
End deb lioUwagens Bin Iii ui. — (Basel. Wien defekt Wolfenbüttel.) 

Das buch enthält die widniung an Martin Neu zu Colmar (datiert 
Burckhaiuj, Mario 1.5r),')), die vorrede und nicht numerierte schwänke. 
Die ausgaben A. P> und C sind aun di r-. Ihen officin hervorg« rangen» 
nämlich, wie h^ir dr. K. Schorbach mir mitteilt, höchst wahrschein- 
lich aus der dl uckerei K n o b 1 o c h s in Strasshurg, deren typen hier 
erscheinen. In der ausfistattung mit initialen u. dgl. war die druckerei, 
wie Schorbach bemerkt, scheinbar absichtlich zurückhaltend, um sich 
nicht 2u verraten. 

B) 1556. — Titelblatt und bl. A8 sind verloren und durch 

« 

1) Kcclesiastes d. i. der prediger Salome erklärt 1, 105 (1642) = 
Birlingerä Alemannia 12, 89. 

2) Catechismus-milch 1, 413 aG42) = Alenninnia 1;^, 184. 

3) Gesichte Philandera 1642, Venu^-nanen s. 110; Höllenkinder 
a. 305 ((Joedekc 3, 245). 

4) Martin, Jahrbuch f. geschichte Elsass-Lothringeuä 13, 222 (1897). 



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1. RoUwagenbachleiii (drucke^ 



XIX 



photoUtbograpbiMhe kopiea aue C enetst 8Va bogen 8*. 80 zeilen 
anf der eeite. — Aut bl. J7b steht: End deß Rollwagens Bücbltn. • 
(Straubcirger umvenitfttsbibliothek). 

Dm dnickjabr ergiebt sieb ans dem datnm der widmnng (bl. A2b), das 
st^tt 1555 hier 1556 lautet Hans Sachs entlehnte der ausgäbe B am 
4, jani 1556 den 70. und 71. schwank, nachdem er am 5. mai die 4. 
BT. daraus gereimt hatte; vgl. unten s. 386 zu nr. 79. Von A unter- 
scheidet sich diese ansgabe darch die hin/iifügung von 12 neuen er- 
Zählungen (in unsrer ausgäbe nr. 68—79), die aber nicht hinter die 

alten 67 schwilnke, sondern vor diese (bl. A4»— >B4a) gestellt sind. 

Vgl Centralblatt Jfür bibliothekswesen 11« 191. 

€) 1557. ^ Das Rollwagen b^chlin. | Ein neflws, vor -vn- 
erh5rts Büchlein { dariü vil guter schwach vnd Historien begriffen | 
werden . so man in schiffen vü auff den rollwegen, | desgleichen in 
seherbeoserti \ u badstuben, zu lag | \^dligen seite erzellen mag, die 
schweren Melan | roiischen gemut damit zu ernmnderen , vor aller | 
menigklich sunder allen anstos zu lesen vnd hor$: | allen Kanffleuten 
so die Messen hin fil wider | braucht^ zu einer kurtzwtril an tag bracht 
I vnd wideruih emeuwert vn gouieert | dureli J5rg VVickramon, Statt | 
Schreiber zu Burckhaini, | Anno 1557. j [Holzschnitt wie in A ] i (Titel 
»chwar-/ nnd rot). 11 bon-rn 8^ 81 Zeilen auf der seite. — Auf bl. L8a 
steht; M. D. LVir. - (Berlin Yt Ti'Slh 

Iliene itM^L,'aV>r hiin^it ati 'Ii*- 7'.) erzilhlunnrsm von B weitere 22 au, 
enthäH alj^o folgende 101 niiiniiit'rii iinBres ueudruckes: 68 — 79, 1—67, 
öO — IUI S Das datuni der Widmung ist in 1557 abgeändert. 

D) 1557. — Das Rollwagen buchlin. |EJn newes vor vner- 
hortsi Büchlein, dariä vii göter schwen-|cke vnd 
Historien begriffen werden, welche mä ( inn Schiti'eii 
vnnd auff den Rollwägen erzelen | mag, die schweren Melancolischen 
ir» iiifitlifr da ' Tiiit zn erniundtern. Allen Kaufleüthen, 80 die j Me.s5>en 
hin vuikI .vid. 1 brauchen, zu einer kurtz- | weyl an tag bracht, vnd 
wideriiiii <'rii' w*'rt ] vnd LToniehrt, durch .TArg Wickramt>n ! St.itt-rhrei- 
hf>r zu Bui»-'k- I h*»ini, Aiiuu j 1557. j [H -Iz-clmitt : .-iiH' loh«' nachah- 
luang des InlJcs in ABC] (Titel f<chwar/. imd rot). 17 Ik^üih b". 26 
^•ilen auf d»fr Seite. Anfbl. R8a steht: M.D.LVII. — (München). 

Diese ausgäbe 1* i aht auf der vorhergehenden C, der sie «ich 
durchiius anaehliesst, und scheint in derselben (Fraiikfui ti.i V; druckerei 
hergestellt zu aein, aus der die undatierten nachdrucke BCD von Mou- 
tanos Wegkarzer ond Sehumanns Nachtbacbtein stammen. 

E) 1557 bis 1559. — Rollwaj^en. | K i u n •' ii w h V» ^\ c h- ( 1 i n, 
dariun vil guter schwäuekj vnd Historien begntleu werden, 

1) Falsche zahlen giebt H. Kurz 1865 s. XXIX, z. 22 (20 sUtt 13) 
und XXXIV, z. 6 f. (77 statt 67, 24 statt 34, 12 statt 22) an. 



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XX 



Vorwort 



so man in | schiffen vnd auff den RoUw&gen , deOgleycben in scher | 
hefisern vnd badstuben s6 langweyligen zeyten, erze- | len mag, sampt 
einem kurtzen Register. Yet« wi- 1 derumb von neflwem getruckt» ge- 
mee« | ret vnd gebessert. | Durch JArg Wickgrafien, Statt- | 
schreyber %n ßurckhaim. ) [Holzschnitt*): ein anfrecbt ste* 
hender ferge fUhrt einen kahn, in dem drei xnänner und eine frau 
sitzen, den iluss entlang; (Inhinti v auf dem hügligen ufei- ein vier- 
epunniger roll wagen wie in A.] (Tito! schwarz und rot), 2 bl. 4- 192 (Tiel- 
mebr 188) ». -f 4 hl. = I2V2 bogen 8"; die paginiemng springt auK ver- 
sehen von Seite 165 iinf 170, läsat also vier seiten aus. Auf bl. N4a 
steht: Getruckt /.li Mülbuscn im oberen El- ] saß, durch Hans Schiren- 
brand 1 vnd Peter Schinid. I — Auf Id. N4a ein hni,;-rhnitt : « in «ack- 
pfeifer auf einer bank sitzend uml ein sitzender narr mit schweiu«- 
kopf, der sich im 8pi<'g»d bcfnichtot — (Berlin Yt 7'>ni. Wifn.) 

K beruht auf C, lii>ä!*t ulx i nicht nur zwei geschiciiten (nr. 8 und ;>8: 
Iftzter«^. wf'il in. 18 zu ;ilmli<]i) fort, t^ondern schii bt auch neun neue 
scliwiniki' ein und iimliMl die n iii.'nt'ti^r... y, enthält somit 108 nicht 
jiunierierte g«'schichten in die>ei n ihi ululge : nr. 102. C8. 69. 103. 104. 
70. 71. 105. 72—75. 100. 76-78. 107. 79. 1—7. 9—18. 108. 14-87. 
39-67. 80—89. 109. 90—93 110. 94—101. Ein inlialtsver/.eichnis ist 
auf den vier letzten bliittern hinzugefügt, die widmung an Martin Neu 
aber fortgelassen. Statt dieser enthält bl. Alb einen holzscbnitt (drei 
mftgde am brunnen stehend und mit einander redend) und tolgende verse: 

Der jungkfrauwcn gloß über den Rollwagen. 

Ir gspUen mein» ich mAß euch sagen, 

Es ist nit lang, tror wenig tagen, 

Da hab ich ein news buchlin gs&hen, 

Der Rollwagen thfit man im jähen, 
ö Darinnen stehn gar seltzam schwenck. 

Wenn ich aber daran gedenck. 

Wie wir offt treybcn bey dem brunnen 

Gar seltzam zotten an der sannen, 

So magH doch iinsern nit 7.\\ ihon. 
10 Thett etwan einr durhinder ston. 

Ja wenn wir thfm einander Speichen. 

Kr dortl"t vor frouden in d ho.><en seichen 
Peter Sehmid aus WiH»'?)berg legte 1557 in MiillKUif!en zusam- 
men mit H:ins' ,Seliin'n'>r;in'l l iiie druckerei an: am *24 iijiiil 1559 trat 
jed'ii li >i hii riilir.in'l /uiiu k, und Sohniid führte daf ge.'^eliätt bis zum 
frübjahr i5t)4 aHein weiter. Dann siedelte er nach Frankfurt a. M. 

1) Der titelholz^rhnitt kehrt- in der im selben verlage er.x( liienenen 
ausgäbe (; von Freys UartengeseUschaft bl n4b wieder; vgl. meinen 
neudnick 1896 s. XXI. 



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1. Rollwageobftclilein (drucke). 



XXI 



ttber, wo er am SO. mai 1564 das bfirgerrecht erwarb und bis 1588 fttr 
Fejeiabende recbnung druckte ; er etarb vor 1602. GemeiiMam druckien 
H. Schirenbrand und P. Schmid: 1559 J. J. Hnggelin Von 
heüfiameii bSdem; Hath. Erb Von aanffen und fressen; R. Walther 
und 8. Grflbel NabaL — o. j. Wickram Rollwagen; Frey QariengeaeU- 
Schaft (als ander teil des Rollwagens)'); Oengenbach- Wickram Zehen 
alter; History von dem reychen mann vnd armen Lazaro (gespielt 
Zürich 1529); Ruof, Joben ;^i)il; B. Ochino Dialogus d. i. gespräch von 
dem fÄgfeür; G. Pictorius Reisabachlein. — Peter Schmid druckte 
ülJein : 1559 L. Fries Von allerley speyaen. — 1560 Wickram Weltlich 
lossbueh; R. Walthers Nabal deutsch von S. Grübel. — 1502 M. Erb, 
Nunc dimittis. — 1564 Wickram Woltlich lo*»buch. n. j. (i«^nfron>t;i('h- 
Wickrani, Zehen altor; Hi^-tory von dem reychen muu; G. Pictorius 
Von der pestilentz : Salomon und Marcolf*). 

Das l autLt' iif.uniiene inveiiiiir der Rchmidfelten druckerei z!lhlt 
nicht nur ilie hoi'/.>t(jckt^ tu den einzehu-n vt'ilau'f^w rkca j, .-oinl^^rn 
auch die vorhandem ii • xt'Miplare der Iuk Iu t :ui1": darunter belinUen 
sich zu Mülhausen '101 rollwa^nu, tucit 2 rys», 11 bauch; constat 12' > Ü.' 
unJ zu Früükl'urt 'Koüwageu 6 ballen, 2 buch' (= 1204 exeuiplar«* zxi 
100 blättern) 

F) 156*^. — Rollwaffon. | Kin ^('}H• kuit/.w« ilt'^s bfich ! If^in, Darinn 
vil schone Historitni. ] vml j^'iiter vScLwitk k l)e<ifritien: J'it' nrhwer 
rae- I !anfholij»chen gemiit damit 7.n *»rmuiiil< i tu. j Mit viltn Kxriuiioln 
geiiichrt vnd | bessert. Dun h Jorg Wickgram. | [Hol/x lmitt : ein 
rollwai,'! u wie in A.] | Getruckt /ai Straßburg am | KornmarckL, | (Titel 
in l»*^.!.!!!!.-. 1 12 bogen 8*. — Aul" bl. Möa steht: tiude des Rollwa- 
geu ; iJucli]jn><. I ^ Getruckt zu Straßburg bey | Christian Müller, j 
1563. I — (Pari» nationalbibliothek : K/serve 2091.) 

Christian Müller, der söhn des 15:]6— 1562 in Stra^isburg th&- 
tirren dmckers Crafft Müller aus Schlettstadt, druckte von 1562 bis 
1579 (UeitK nnd Barack, Elsässische bQchermarken 1892 9. XXII). 

G) 15C5. — Dt'p Kuliwagen. [Ein hübsch, lu- | ntisr. vnd 
k u r 1 7 w e i 1 i B ü c h - ] l i n , d a r i n vil guter S c h w f • n . Ic v n <l 

i Historien, von allerhandt tröiichem Ge- j sprach, JScbimpti reden, 

1) Frey, Gartenge.sellschait h^g. von Holte 1896 s. XXI: C 

2) J. Coudre, Inventaire inedit d'une imprimerie de Mulhousu (Bul- 
ktin du Musöe historiqne de Mulhonsc 2, 41—92. 1877). Pallmann, 
Archiv f. Frankfurts gesch. n. f. 7, 61 und 112. Ileitz und Barack, 
maSUsiache bQchermarken 1892 s. XXXIII. Stiefel, H. Sachs-forschungen 
IBH 8. 166. 

3) 50 figuren anm wftltlichen Lossbfich mit sampt 8 lysten darzft; 
15 figuren in die Zehen alter; 16 figuren in Marcolfum, 11 figuren in 
des Joben spil etc. (Croudre, BuU. 2. 49 f.). 

4) Coudre, BnUetin 2, 51 f. 70. 90. 



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XXll 



Vorwort. 



Spoywprck vnd Holsen f be^ifffn, AnfF den Rallwägen, oder in Schif- 
) teu, die langweilige •mit viiml vnmnth damit zfl | vertreiben, in drey 
vnterschiedliche theil abge- | theilt | J^t/t von Ti. wt iH vbereehen , 
nifhrt. ) auch mit schonen figuren ge/.iert, saniiit | einem ordonlicheii 
Kt'giister. \ [Holzschnitt: ein horr nnd eine dam«- linken zu pferde am 
ufer eines seeH, über den zwei übtudacbte fähr^eiutle /u einer von einer 
bürg besetzten insel hinfahren.] | Franekt u i t aia Miiyn, M.D.LXV. 
I 2 4- 152 (vielmehr 154, da 45 und 4(> doppelt gezählt sind) -|- 6 bl. 
s= 2OV4 bogen 8» mit holzHchnitten. — Auf bl. X2a steht: Getruckt 
z& I Franckfart am Mayu, bey | Martin Lechler, in vor- | legung Sig- 
mund Fei- I eral>6Qd vnd 8i- 1 mon Hu- 1 ier. | — Auf bi X2b: Anno 
H.D.LXV. I [HolsBchnitt'): fliegende Fama und Yenn« auf xwei del* 
phinen sitzend ; ringsum steht: SIGHVND FEIRABENT. SIMON HVT- 
TER]. — (Berlin Yt 7101 nnd Privatbesitz; vgl. den 224. antiqaartate- 
katalog von A. Cohn nachfolget in Berlin 1902 nr. 104) 

Als anderer teil des Rollwagens erschien 1565 im selben verlage 
Freys Qartengesellschaft (Frey ed. Bolte 1896 a. XXI: D), als dritter 
teil Montanus Wegkfirtxer nnd AndreQtzo (Montonns, Schwankbflcher 
hsg. von Bolte 1899 s. XX: E). Die zierlichen holzschnitte dieser drei 
bände sind sämtlich aii> andern von Virgil Solis, Jost Amman u. a. 
illustrierten verlagswerken Feyerabends (wie Beinicke Fnelis ir»Gl, Der 
alten weisen pxempel 1565, Schoppers Aesop l'GG: Alciato-Held, Em- 
blemata 1566) entlehnt. — Der Frankfurter buchdruckergeselle Michael 
Härder verkaufte in der fastenmesse 1568 ein cxemplar des Rollwa- 
gens (für 4 /Ü); vgl. Palhnaun, Archiv f. Frankfurts «:,'esrh. n. f. 7, 159. 
— Die im januar 1574 von Sigmund Feyernbend an .bdninn Feyerabend 
und Melchior Schwarzenberger verkauften 4 exempiare de» Hollwardens 
(dn7u 25 Wegkur/.er etc.) bildeten offenbar den rest der anflnije G ; 
di*' kihifer veranstalteten darauf eine neue ausgäbe H (Palhuann, Ar- 
chiv 7, 171). 

Der text von G bei iilil auf E, stellt aber an die spitze der schwänke 
eine neue erzabluntj (nn>ie nr. III) und enthält somit 109 nummern. 
Die 'Glosse der junglr.iueu' ist weggelassen, aber Wickrams vorrede 
'Zum gfltigen Icser' und das registcr beibehalten. 

Über die von Goedeke , Kurz nnd Hayn dtierten folio-ansgaben 
von 1568 und 1573 vgl. oben s. XII*. 

H) 1574. — Der Rollwagen. | E i n h ü b .s c h , l u - | s t i g, vnd 
k u r t /. w e i 1 i g B fi e Ii - I 1 i n , «l a r i n n v i 1 g n t e r S c h w e n c k 
vnd I Historien, von alleihuud tVölichem Ge- | fipräeli, SchimpttVeden, 
Speywcrck vnd Bossen, begrief- ( fen , Aull doM Ridlwagen, oder in 
Schiffen, die langwei- | lige zeit vnnd viuuuht damit zuvertreiben, in 
drey vnter- j schiedliche theil abgetheilt. Jetzt von neuwem vberseheu, 
gemehrt, auch mit schönen Figuien ge- | ziert, sampt einem ordent- 

I) Vgl. Andresen. J'eintre-graveur 1, 284: Jost Amman ni. 172. 



P I i cl 1 y Googl 



1. Rollwagenbüchlein ^^druckej. 



XXIII 



lichem 1 Register. | □Gedruckt zu F r a n c k f u r t a lu M u y ii , 
1574. I [Titel schwarz und rot.) 2 -f 152 -f 5 bl. = 19'/» bogen 8« 
mit holzschnitt«!!, Aof bl. V7b steht: Gedruckt zu Franckfurt am | 
Ha} u, dnrdi Panlnm Beffeleru^ | In Verlegung Melchior Schwar | tzen* 
bergen vnd Johaoa | Feyerabends. | M* D. LXXIIII. [ — (Berlin pri- 
Tatbesits ; vgl. E. BUtx, Nener deotscher bflcherachatx 1895 nr. 592). 

EDtbUt: bl. Aij^ Vorrede, Aiyb 109 nicht numerierte scbw&nke, 
Tij b Register. — Den 2. nnd 8. (eil bilden wiedemm Fr^ Garton- 
geaeUtcbaft and Montanas Wegkfirtser; vgl Hontanne, Schwankbttcher 
a XII; F. 

J) 1584. — Der Rollwagen. ) Ein hübsch, l u- | 8 t i g , v n d 
kortzweilig Btich-|lin, darinn vi! g u t e r S c h w e u c k 
rnd I Historien, von allerhand fir51ichem Ge> | sprach, Schimpffreden, 
Speywerck vnd Bossen » be- | grieffen , AufF den Bollwagen , oder in 
Sehiffen. die lang- | weilige zeit vnd ▼nmuth damit zu vertreiben, in 
drey Tnter' f schiedliche theil abgetheilt. Jetst von neuwem vber- 
•eben, ) gemehrt^ auch mit schonen Figaren geziert, | eampt einem or- 
denlichem Re- | gister. ) [Holzschnitt: drei reiter und ein hund; da- 
binter ein eee oder breiter flass, in dem eine insel mit einer bürg und 
>vei Ohrsehiffe sichtbar tind.] I Gedrnckt zu Franckfart am 
M a y n, I M. D. LXXXIIIL | 2 + 105 + 4 bL = Wh bogen 8« mit holz- 
schnitten. — Auf bl. 07a steht: Gedruckt zu Franckfurt am ! Hayn, 
dorch Nicolaum Bae- 1 senm. Im Jar | [Holzschnitt ') : Occasio als nackte 
Jungfrau mit schermesser, auf einem schwimmenden rade stehend. Um- 
schrift : Frünte capülata est post haec Occasio calva.] | M.D. LXXXim. 
— (WeiTiigerode.) 

J enthrilt die vorrede *Zum «gütigen leser' und 109 nicht numerierte 
erxäliliin^;» u; auf bl. 105b tV]^t in legister. 

Zur herbstmesse 1587 kuudigte Nicolaus Bassöo. d^r 1561 — 1601 
in Frankfurt als buchhändler thätig war, den 'Rollwagen in drey iheil 
in an (Fnllmann, Mitt des Vereins f. gesch. in Frankturt a. M. 6, 
105. 1881), und 1588 buhiiujitctc er in einer kla;^«' wifler Sigmund 
Feyerabend, dieser habf ihm in den letzttn i'üui jalntii u.a. den 
Rollwagen, Weghkurtzer und Gartengesellschatt , je 14 bogen stark» 
Bachgedruckt (Pallmann, Archiv f. Frankfurts gesch. u. f. 7, 60. 1881). 
Es mOssen also noch mehr Frankfurter ausgaben d^ Rollwagens exi- 
stiert haben. 

K.; — Titel wie in J, bin auf z. 5: allnhandt ; z. H: vn- [ 

ttrr»*-Liedli- he : z. 9: von neuwen; z. 10: schonen; z. 13: Gedruckt 
z u F r a n c k t u r t am M a y n, | M. D.XC. | 2 -f 10") 5 bl. = Ii 
bogen 8". — Auf bl. 08b steht: (lednickt zu Frnn« ktiut am j Mayn, 
durch Nicolaum Bas- | seuni, Im Jar, | □ | M.D. XC. \ — (Göttingen.) 

* 

1) Vgl. Aadre§«n, Peintre-graveur 1, 286: Jost Amman ur. 177. 



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XXIV 



Vorwort. 



Entbftlt Torrede, 100 niebfc nmiierierte erzäblnngen und register. — 
Gleichseitig ersduenen als Eweiter und dritter teil des Rollwagens 
Freys Oartengesellschafb und tfontanus Wegkaner. 

L) f^trassburg 1591. — Hayu , Bibiiolheca Germanorum eiotica' 
I8i<5 a. 345. 

H) 1597. — Titel wie in J, bis auf z. 2: httpsch; z. 4 viel; x. 5 
ftllerhandt; s. 8 tu« | terschiedliche ; s. 9 vberse* | heu; z. 10 schonen; 
2. 11 ordentlichen I Register. | □ | Gedruckt tu Franckfort 
am H ay n, I H. D. IIIG. | 2 + 105 + 4 bl. ISV« bogen 8<> mit holz- 
schnitten. Auf bL 07a steht: Gedruckt zu Franckfort am | Hayn, 
durch Nicolaam Bas- | ficpttm, Im Jahr | □») | M.D.XCVJI. | —(Berlin 
B.D. 8" S493 und Zwickau.) 

Enthiilt vorrede. 109 nicht nunieriei-to er/rihlungen und register. 
— Gleichzeitig erschienen als ■ ' -1 3. teil lies Rollwagens Freys 
Gartengeseliscbaft mid Hontanui» W egkürzen 

N) 1572^1608. - Der Rollwagen. | EinhDpsch, ln-|stig, 
Tud kurtzweylig Bflch' | lein, darinn vil guter 
schwenck Tnd[ Historien , von allerbandt fr51ichem Gespr&ch« | 
Schimpffreden, Speywerck vnnd Bossen, be- 1 griffen, Auff den Roll> 
wagen, oder in Schiffen, | die langweylige zeyt vnd vnmAth darmit 
zuuertreybeu, Inn drey | Tuderschicdli« Ii« theyl abgetheylet Jetzt von 
newem | vberwehen, gemehrt, auch mit schonen Figuren ' t:> /i» rt. s;impt 
einem ordenlichen | H> i 1 r. j [Holzschnitt wie in .1 K MJ. | (Titel 
schwarz und rot.) 2 j- 117 -j- = 1-^^ « bogen 8" mit hol/.schnit- 

ten. — Auf 1)1. Q3b ntcht: Knde des Registers. | Getruckt zu Auge- 
purg, bey ] Michael Manq-T. | — ( Frankfurt a. M.) 

Knthält 109 nuTTjnK'iii wie G. — Michael MancTf^r dnickte ir>bO 
Wigoieis; o. j. Octaviau, bieben weise meister, Wickrams Galiny. 

O) 1607 (?) ^ Der Rollwagen. jEinhflbsch, lu-|«tigTnd 
knrtzweilig Blich^l lein, darinn vil guter Schwenck vnd | Hi- 
storien, von allerhand frolichen Gesprech, \ Schiiupffreden, Speywerck 
▼nd Possen | begriffen. |Auff den Rollwagen oder in Schif- 
f en l die langweilige zeit vnd vnmuth damit | zuvertreiben. j J e t z o 
von newem Tbersehen, vnd ge mehret, | sampt einem 
Ordentlichen Register. | [Holzschnitt: zwei liebespaare in einer laube; 
der eine jfingling spielt auf der laute.] \Zn Magdeburg, bey Jo- 
h a n F r a n c k e n. | (Titel schwarz und rot.) 2 -|- 180 -|- 4 bl. =: 
17 bogen 8". — (Gotha). 

Enthält 109 nummem wie G. 

P) 1618. — Rollwagen, ibidem [d. h. Basel bey Ludwig Kdnlg] in 

I) Vgl Andresen, Feintre-graveur 1, 2S5: Jost Amman nr. 176. 



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1. Koiiwageiibüchlein ^.drucke, Icüaiten). 



XXV 



8. (Catalogus univcis^uUa pro uundiniti Fraucofurteniäibuä autumualibus 
üe anno 1613, bl. E2a). 

Q) 1865. — Jörg Wit'krani'a Rollwagenbüf hl»'in. Heruutsgegeben 
und mit ErliuittTungt'n versehen von Hoinrich Kurz. LrMpzig. J. J. 
Weber 1665. L, 252 8. 8« (=Deutäcbe ßibliothuk bt>g. vou H. Kurz 7. bU.). 

B) 1881. — Jörg Wickram'ä HoIlwagenbOchlein. Ausgewählt und 
«prachlioh erneuert vou Karl Müller. Staßfart n. Leipzig, A. Pocr- 
st«r 1881. 87 a. kl. S*' (= Sammlung altdeutscher werke in neuen bear- 
beitungen, 12. bändeben). 

EntbS.lt 36 sehwänke, aber in andrer reibeni'olge ala in Q. 

S) 1902. — Schwanke ans dem Rollwagenbüchlein des Georg 
Wicknun, in bildem von IL Bemuth. Berlin, Fischer u. Franke 1902. 
S4 bl. kL 4* (= Jungbrunnen nr. 81). 

Enthält 15 schwünke (nr. 13. 1«. 26. 28. 88. 86. 48w 71. 74. 84. 104. 
105. 106. 109. 110). 



c) Die lesarten. 

Unser text beruht für die numraem 1 — 67 auf A, womit 
B und 0 verglichen sind, für nr. 68—79 auf B, fQr nr. 80— 
101 auf G. Auf die Verzeichnung der Varianten der spateren 
dmcke ist im gegensatz zu Kurzena ausgäbe verzichtet. 

W i d ni u n g : s. 8« • insunders B — 8, la ist] fehlt ABO — 4, ii 
1056 B; 1557 CD. 

Cap. 1—67: s. 5, ss ein] f.lilt BC — 6, i mftüt B — 7, «• er] ich 
A — 8, t» solchen schiffbrüch AB — 8, vüeirht BC — 8, i» rliti'en 
11, sj entdenckt A — 13, ji sich] fehlt AB — 13, Maria AB 
~ 15, 16 bi-^ 16, 3 cap. 8] fehlt KGHJKMNO - 15, ,7 brüderliche Aß 
— 16. J3 tlieiir A — 19. 1 liehebt A — 21, .1 imrj nun AB — 23, h 
zii ein AB — 26. ■ <lit \h,Lig A; iheyssiig B: «In v T — 27, x«. kan] kam 
A — 28, 2s wuHt. A — 20, 3 einen AB — 'ÖV. irt hrinaiif ti-;iiiu' A — 
3*), II schuiUbuch A — 32, i gßtgc.-ifU A — lu.iuw « A — ;i5, jo hiiiiid- 
wercks A — 37, 2 zewyen A — 38, 1 noch] mich A — 39, « gefeck- 
nuü A — 39, s ziilest A, zliletst BC — 41, is geraten] gort/.eu A — 
41, SS erginge A — 42, 1 und] lies da.s? — 43, liii spich A — 44, 34 
bis 45. SS Cap. 38] fehlt EGHJKMNO — 45, zun A — 46, s, hett, 
er als ABC — 46, ti pfarrherr C — 47, 1« tftrer A; tbure BC — bich] 
licht A — 47, grossem A — 47, n kam) kan A — . 27, u vor dem 
mten A; von den lenten BC — 48, 7 dem] den A — 48, i» zelten] 
sielten A — 48, si wend] wenn ABC — 48, «s für A — 48, es myii 
A — 49, • oscoten AB; ostgoten C — 49, » kam] kan A — 51, 10 
aben A — 52, 1« steinenen ABC — 52, i« semlicht AB ; soUtche D — 



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XXVI 



Vorwort. 



58, 4 langknecfat A — 54, n so man im ABC — 56, u oder] fehlt 
ABO — 62, • nur] nun ABC — 62, n by dem A; hey den BC — 62, t« 
einer alte AB — 62, n den sigriaten AB — 64, tt Kägeu 4 — 65, m 
gnäug A — 65, M Bast A 66, i« einen A — 69, a kaman A — 69, la 
darien A — 69, aa 15S0] fehlt ABC ^ 70, ta denen] den A ; denn BC 

— 70, t« anfftragen A — 71, e darffl» A 71, to zeit A ~ 71, ta mir] 
vir A — 71, aT Furcker A ~ 72, « koffp A — 75, aa Beychenwir A 

— 76, I entlch A — 76, wundem A — 77, i» noch] nach ABC — 
gefunden] felilt ABC — 78, 12 irem AB — 81, u peinen D; bennen 
GMN — meisBi:: A : uuVsig BC — 82. 0 den AB — 82, 2 anßgangen 
A — 82, 30 ernchrach A — 84, 9 schütten A — 84, 0 sehi'it A — 85, 1 
disem AB — 86, 97 ei wuscht BO 87^ ta grAß A — S9, u bey BC — 
90, 3a Roll wagen« brulilin A. 

Cap. 68—79: >. IM. Sagt C — 92, 4 xu] fehlt BC — 92, 19 
euwr C — 92, 24 zu jung C — 93, 0 flochschs B — 94, ^ herrlichen 
B — 94. ,0 hr t] lu t e 95, st Welches C — 95. v frnjrt C — 96, 26 
schwftrj fehlt B — 07. i nun] lies nur? — 97, * schw^i^'t C — 97, le 
einen C — 97, 21 georn. t C — 97, 37 aus-sgeriHnen C — 97, so von] 
vu C — 98, 5t dann] «ienn C — 98, 3i dann] denn C — 99, 1 nicht C 

— fctahet C — gehet C — 99,6 gehet C — 99, » gehen C — 99, i«. u 
nidci kiiewen C — 99, jo beide C — 99. S2 dann] denn C — 99, s» 
nicht C — Constentz C — 99, n nicht C — 99. ssj mehr C — Bey- 
derben C — 100, « besunder C — 100, i» dann] denn C — 100, t« 
Pfaff C — 100, 17 gehen — 101, » — messen C — 101, 4 weichwaaser C — 
101, a Welche C 101, m langen C — 101, «« machet C — 101. ta 
gedencket C 101, aa antwortet C — 102, la gehest C — 102, «a 
stehet C — 102, 27 gehet C. 

Cap. 80—101: s. 108, aa etwam C — 105, «a den] denn C ^ 
106, at pfarreu C — 106, sa mir] Wir C 109^ ii bruderj Jaden C 

— 109, 17 im] jn C 109, ar Couent C — III, st solchen] solcher C 
~ 112, 1« imen C — 112, aa erfur C 113, m Eadt für gut C — 
113, 2s» verwüsten] verschwendetten C — 114, a hatt C — 114, ta sein] 
ein C — 114, s7 vmb diirvoTi C — 115. 1 C — 116, 7 wes] was C 
— . 116. II habe C — 117, 4 hüt C — 117, 7 hüt C — 117, 17 allein C 

— 118, 20 den] denen 0 — 119, 13 will] weil C — 123, 7 welcher C — 
123, 3.. bi(>] fehlt C — 125, « schwebelbi C — 125, 10 freundtschaff C 

— 128, 3 malet] fehlt C — so klei^lnn l C. 

Cap. 102—110: 132, u wolt] fehlt K. 

Cap. III: s. 140, \o gedraw] darauf!' G — 140, u fortr-i-fn] fehlt 
G — 140, .0 wolt] fehlt U — 141, j DiG — 141, 1 uamen G — 141, sa 
wes G ; lies das? 



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2. Die sieben bauptluster (inhait). 



2. Die sieben haaptlaster. 

a) Der inhait. 

Ein jähr nach dem lustigen Rollwagenbüchlein sandte 
Wickrani sein langweij^igstes buch in die weit, die sieben haupt- 
laster. Seine in den letzten jähren gewaltig gesteigerte pro- 
daktivitöt hatte nicht einmal während der krankheit, die ihn 
zu sonstigen arbeiten nnföhig machte, nachgelassen; znr tin- 
terweisimg der angehenden jugend (s. 147, lo. 151,1«. 1^2, «) 
stoppelte er aus cmom dutzend älterer bücher ein neues liis- 
torienbüch znsnmnifn, in dem die einzelnen erzUhlungen als 
illustratioaen zur lehre von den sieben haupt- oder todsiln den ^) 
erschienen. Er widmete diese breite kompilation am 14. ja- 
nnar 1556 dem Colmarer stättmeister Ruprecht Kriegel- 
stein*), weil dieser ihm vor langer zeit*) von einer Samm- 
lung schöner exempel berichtet hatte, die Mer ritter vom Turn 
seiiuu .sünen zfitrcevget unnd gemacht hab'. Wickram hatte 
in Frankfurt, wohin er 1542 vom Colmarer rate gesandt war *). 
und anderwärts vergeblich nach diesem werke gefragt und 
nur gehdrt, dass es in französischer spräche mehrfach hand- 
schriftlich in Frankreich existiere; nun machte er sich daran, 

♦ 

1) Diet.e bereits iui 4. jahrliuiiderf 1»pi Knau'iius l'ontii-us und Jo- 
hannes Cass*iami» ttuftrcteiide uikI in der niiti ohilteilicheu do^niKitik 
au*tfebilUcte eiuteilung ist vielfacli moialiöiei enden Vjeispielaammlungen 
(iJrt bücke, progr. Norden 1874 und Nd. Jahrbuch 17, 07. Die spiegel 
der t»onden uitg. dooi' Verdam 1900. Albertinu-s, Lucifers köni^reich 
hsg. von Liliencron b. YI. Goedeke, OrandriBS 2, .127. Bolte, Allgem. 
dtsch. biogr. 44, 679) zu gründe gelegt, im 16. jabrh. aber bftufig durch 
die zehn geböte des katecbismus ersetzt worden. 

2) Der zebn jabre später, am 19. november 1566, zu Colmar er* 
stochen ward (8. Billing, Kleine ebrooik der Stadt Colmar 1891 s. 70). 
Der gleichnamige obristmeister starb am 27. noTember 1559 2U Colmar 
(BiUing 8. 66). 

3) *Lang vor dem grossen sterbet', heisst es s. 150, i«. Damit ist 
▼enntttlich das jähr 1541 gemeint, in welcbem in Colmar 8500 men- 
Bcben an ib-r pest starben (Billing s. 64). 

4') AValduer, Zs. f. d. gesch. des Oberrheins n. f. 7, 824. Vgl. unten 
bd. 4, 280*. 



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xxvm 



Vorwort 



gleich Jean Pauls schulmeisterlein Wuz das ihm unerreich- 
bare buch durch eins eigner mache zu erset/.on. Hierbei nimmt 
es allerdings \\ ujulei', dass Wickrani in dicst-n t'iiiitzehü udur 
mehr jähren das werk des chovalier de ia Tour, dessen Ver- 
deutschung durch Marquard vom Stein seit 1493 mehrfach 
gedruckt ') und z. b. von Hans Sachs benutzt worden war, nicht 
zu gesicht bekommen haben soll; indes mag seine bemühung 
keine langdauernde gewesen und die ganze sache erst während 
der untrt'iwillijLren müsse zu Burglii ini wieder iu sein« ni ge- 
dächtnis iiutLCrtaiitht sein. Von unL^enauer erinneruni^ zt'iigt 
aucil die l>omerkung, der ritter vom Thum habe lUis bucli für 
seine söhne geschrieben, während er es doch fUr seine töchter 
bestimmte. Eigentümlicherweise befinden sich nun unter den 
31 holzschnitten, mit denen Wickrams Verleger Knobloch (oder 
dessen erben) die Hauptlaster verzierte, vier (nr. 13. 14. 2B. 31), 
die aus KnoMofhs druck des ritters vom Timm hListaiiiuien. 

Die.seju niittrlaherlichen voihildt^ entspritlit <iie auswahl 
des Stoßes. Nur eine geschiclite aus der jüngsteu verg.angen- 
heit erscheint (die vom Wormser reiciistage von 1525 auf 
8. 273) neben den zahlreichen historien des alten testaments 
und des klassischen altertums. Als quelle benutzte Wickram 
ausser der Bibel hauptsächlich Josephus Altertümer in 
Caspar liedios vt'ideutschung (Stra>sliiirü- \'üM u. ö.\ sodann 
H e r 0 d o t (s. 275, j) in der Übersetzung dfs Colinarer obrist- 
meisters Hieronymus Boner (Augsburg 1585), P 1 u t a r c h s 
Schriften Von den tugeaden der alten eerUchen weiber*) und 
Von der kinderzucht'), die Michael Herr übertragen hatte, 
8. 196f29 Herodian (deutsch von Hier. Boner, Augsburg 

« 

1) Cioedeke, Grdr. ' 1, 352 verzeichnet lulgemlo ausgaben: Biisol 
1493, Augsburg? 1495 und 1498, Bassel 1513, Strassburg bei Knoblouch 
1519, Straasburg bei Cammerlander Io3Ö etc. Vgl. Roethe , Allgem, 
dtsch. biogr. 85, 666 und Ober die benutsung durch Hans Sachs Stiefel, 
Studioi znr vgl. literaturge&ch. 2, 488. 

2) Plutarchi Guter sitten 21 bücher, deotech von M. Herr, Strass* 
bürg 1585 s. 167. Wickram citiert diese schrift s. 169 ' und 265, sa 
für die erzähittngen von Pithei haußfraw (1535 8< 199) und von Micca 
und Megistona (15S5 s. 180), benutzt aie aber auch b. 173 und 176 für 
die geachichten von Timoclia (1535 a. 194) und Ghiomara (1535 6. 193). 

8) Ebd. 1585 s. 151 ; vgl. Wickram b. 189, m. 



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2. Die sieben hauptlaäter (inhalt). 



XXIX 



w. (>.). s. 152,1 Ciceros Officia, dcMitstli von Johaiin 
von Schwarzenberg (Augsburg 1531 u. ö.) ; ferner s. 190, n. 
198. 16 Petrarcas vielgelesenes werk 'J^e remediis utriasque 
fortonae'^), 8.260' Polydorns Vergilius Von den er- 
findem der ding, durch Marcum Taiiam Alpinnni transferiert 
(Augsburg 1537 und 1544) nnd Leonhard Schertlins ge- 
dieht Künstlich trincken (Strassbiirg 1538), ans dem er s. 276 
— 279 zwei länurere strllen anfuhrt'^). Ndipii diesen von ihm 
ausdrücklich uamliaft gemachten auioren 'zoix Wi( kram auch 
noch einige andre heran; so s. 216 Termntlich den Valerius 
Maxim u 8 (deutsch von Peter Seihet, Strassburg 1533), s. 214 
die Apophthegmata des Erasmus, die Heinrich von E]ipen<- 
dorff als ^Plutarchi ?on Gheronea Tnnd anderer kurte weise 

1) Deutsch von Stabel und Spalatin (Augsburg 1532) und von Ste-' 
phan Vigilius (Augsburg 1589). 

2) Um Wickrams frei nachbessemdes verfahren beim citieren zu 
teigen , setze ich die a b w e i c h u n g e n seiner vorläge (Schertlin 
1538 bl. B2b'— B4a; Clb — C2b> her: h. 276, 25 deine Werbung itat 
— 26 BiH dafi du kunipst darnach — 39 seind — 277, 1 und] feblt — 
2 zwar] fehlt — 3 nnd] fehlt — 4 und] fehlt — Eneus — 8 meint — 
$ itets klinget — 10 hnittet nur, dabras?»er Hein — 12 zun — 13 die- 
ner voll diß — 18 Jha das ist meiner — 20 Gäbt keiner — 21 ich nie 
thfin gwern — 22 Welch mich halten in rechten em — 24 Auß küb- 
l'ri. kanten güt^'n — 25 für] mit — 2ß bis 27 Schon kleyder sampt 

i!i lust verschraaoht — 29 Halt ich in doch — 30 Diß seind — 31 Dann] 
<eült — 32 art] feliit — ioh — 39 Wiewol ich noch kein — 278, 1 
Do^tores, magistri und auch — 3 mich all zi1 irm — 4 farn herumb 
nii iiieinem — 7 Ich sie ntach /m nanen und kind — 8 Mit mein ga- 
bfju ich sie bring — 9 die] der — bracht] thet — 11 wol zerzalen 
seind — hinter 13 Die aeind mir uuib keyn gelt nit feyl — 15 zuil 
oiicb — scbotterend — 20 Olschenkl, auch blattricht — 21 Seh — im 
nun meer gbricht — 23 Die pocken und l&m in wirt bstan — 24 gros- 
sem ^ dann er stirbt — 26 waidlich — 27 diss] solchs — 29 Jha, 
was ist das hie fllr eyn man? — 278, S7 horent -~ 40 und] auch — 
279, 1 selbs — 2 schaw wol an — 7 nSr wie sie schaden thün — 11 
mifttladi] pfui gar — 13 ganße schnattern — 20 Wer — 23 esel grob 
traekt fQr und f&r — 14 Ist das eins — hinter 24 LAgt, das ich ewer 
keynen rOr — 25 der] wer — 26 der äffen gaucklen — 28 jeder hab 
gefallen — anblickt] ersieht — 85 katz murrt, schnürt stets und auch 
fegt ^ 36 spiel alwegsein d best — 37 Des hundes — 88 geschieht — 
40 Die bbaiten w5Uen ir 42 ehe verlassen gar. 



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XXX 



Vorwort 



vud höfliche sprüch' (Strassburg 1584; ohne den namen des 
Erasmus) übertragen batie*), 8. 291 einen mir augenblick- 
lich unbekannten bericht Aber den trojanischen krie^, s. 156 

eine mittelalterliche legende vom stur/, der engel. Ueberall aber 
hat er nur mit deutschen Übersetzungen crearbeitet, da er nach 
8. 154, I*; 'wenig latein in seinem leben stiuliert' hatte, so dass 
er wohl einen Teutschherren abgeben wol]t<'^): auch bekennt 
er ja bereits 1545 in der yorrede zu seiner Ovidbearbeitung 
dass er Mes lateins gar unkundig' sei. 

b) Die drucke. 

A) 1556. ~Die Sibefi Haupt - | lastet, samptjren 
schonen früchjten vnd ey genschafften. | EJn schönes 
ynd kurtzveiligesf Bflchlin , Inn welchem begriffen werden ) 
die Stben Hauptlaster, sainpt jhrein rr- \ gpning, was groseer gefer- 
ligkeit ans einem | yeden entsprungen, vnd noch erwachsen utt* { gen. 
Durch schone Alte Exempel ynd Historien ange | seigt. Auch durch- 
aus mit schonen Figuren geuert Ei- | nem yeden Jungen vnd Alten» 
Mannen vnd Fraw- | en, Knaben vnd Töchtern, kurtzweilig ynd nflts- 
lieh I sAlesen , sunder allen anstos oder ergernig, ynd in son | derheit 
die angende Jugendt darinn anxniTiren. | Neulich mit fleiss sAsammen 
getragen vnd | an tag geben, Durch (ieorg Wickram | von Colmar, 
diser seit .Statschrei | ber sd Bur(;kluiini. ] [drei kleeblattstengel.] | G e- 
druckt zÄ Strasnliurg, In | Knobloch» Druckerei.] 
(Titel schwarz und rot;. 9 107 blülter = '28 bogen 4*, von denen 
A und EE je 6 bliUter enthalten, mit holzschnitten. Auf bl. 107a = 
EE 6a steht: Gedruckt zu Strnssburg , in ] Knoblnrh« dnickerey . Im 
jar, I M. D. TiVI. I -—(Berlin Yu '1141, Uüttiogeu, Kopeuliageii, Luudon, 
Müncheu, Strasäburg, VVoIittiibüttel). 

* 

1) Und zwar stammt der bericht über Agis (1*14, 3^) aus Eppen- 
dorff 1534 9. 29. der über Alcamenes (215. »•) ebendaher h. 82, der über 

Socraten (215, 27) ebendaher s. 552. 

2) Srhcror (Oit« antTmirf (Ifn (b'nt^clK'n prosaroman- 1^77 s^. ver- 
weist dazu aiil" du- in Srli)i(»ii-< Ar< luv f. litgesch. 4, 408 aiitgt t. iit stelle 
aus einem um 1550 t^-Mli ui ktcn L!« 'li' iit <• . in d«n- di*» 'comui- t- r oder 
'^rf'ützhern' nach d^r auiiit bung «Ii - «Uulscheri ordens durch d'-n lioch- 
nieister Albrecht von Preuss«'n klaffen: 'Die leiltHchen Michel 111. lu uns 
nennt, Ist war, kuiiUcu nit vil latein,' Vielleicht luiLlc Wickr.un, der 
seinen Knabenspietrel am preussischcn hofe spielen lies!^ , diesen ver- 
hiiltnisson st-itdem utwas aufmerksamkeit geschenkt. 

3) B.uucU, Albrecht von Halberstadt 1861 s. CXXXII. 



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2. Die sieben haiiptiaster (dnielie, lesarten). XXXI 

B) 1558. — Titel ebenso wie in A. 9 + 106 blfttter 4*. signiert 
wie in A, mit liolsBchnitten. Anf bl. 106b s £E5b steht: Gedruckt 
s& Strassburg, in | .Knoblochs druckerey. Im jax, | M.D.LVIII. | — 
(Berlin Ya 8446 und 3448, Breslau Stadtbibliothek, Nürnberg germ. 
. masenm, Trier). 

Der text yon B stimmt mit A überein; die Verteilung? auf die Sei- 
ten hat sich jedoch infolge der benatzung andrer holzstöcke verscho- 
ben. Andr«^ hulzschnitte als in A erscheinen auf bl. 17a (zu cap. 10), 
20a (12), 22b (13), 23b (14), 41b (22), 51b (20), 54a (28), 70b (36), 75b 
(88), 87a f43\ 93b (47), 98a (19), 99a (50), 102b (53)j »ie fehlen im 
gegenaalUL zu A bei den kupiteln 20, 21 und 30. 

c) Lesarten. 

Unsens abdrucke ist die ausgäbe A zu gründe gelegt 

Widmnng: s. 150, mechtigen A; almechtigen B — 151,4 
wunderbkrlichenj und b&rliehen A — 151, • wird] fehlt AB — 151, 

anfiele B. 

Vorrede: s. 152, 4 gegeben B — 152, i müssgen A — 152, ts 
Nicht B — 152, s3 kindern B — 152, 34 vorgehn werden B — 153, « 
lassent B — 153, s kumpt B — sey dann B — 153, i* gwertig B — 
153. VI kiirtzweil A — 154. 37 werden B — 154, «^czoir^ten B. 

Cap. 1: 8. 156, 2 ward] ft^hlt AB — 156, « mittgehklleren B. 

Cap. 2: 159, 10 verj^tuiul B. 

Cap. 3: 160, s und] fehlt AB — 160. ?i ki^l A — 161. « viche B 

— 161. 4 di iii leben lung B — 161, 9 wann] wenn B — würot, du solt 
deine kiiuler B — 161. j« fehle soll dein B. 

Cap. 4: 163, 1 Ehud B — 163, vnd niiu B — 164, « Hochab 
AB — 164, s het B — 164, 13 wcre B — 164, 29 jagt B - 164, a« her 
B — fliehe B — 165, so Eetiters AB — 165, >» scbmdithammer A. 

Cap. 5: 166, i flbergen B — 166^ 4 setzt B — 166, u gehn B — 
166, n käme B — 166, 99 Jorael AB 167, t Es] Da B — 167, s» 
solchs B — 168, 6 an eim B. 

Cap. 6: 169, t» gwesenB — 169, S4 eygner B — 170, » komen B 
^ 170, 1« wir} fehlt AB — band] fehlt B — 170, le hond B » 170, ts 
▼iebs B. 

Cap. 7: 171, tt gefügt B — 171, u kostliche B 172, to vol- 
bracht B — 172, u erwerö B — 172, u vihe B — 172, s« werden B 

— 172, n arbeiten und B — 172, ss gepflantzet B — 173, 1 geschieht B. 

Cap. 8: 173, is Cap. viij AB — 174, m wolt B — 174, u nichts 

B — 175, I- d linden B — 175, 37 über.^tr. iten B. 

Cap. 9: 176, ti Oriagontin B — 176, t4 gafangnen A — 177, • 
emanten B — 177, 17 solche B. 

Cap. 10: 178, * vßlegt B — 17^. Sie] fehlt B — 170, ,» 1. vermügen? 

— 179, »t num A — 179, m wQrU B — IbO, 10 ytzund A. 



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XXXII 



Vorwort. 



Cap. 11: 181, 4 watr B — 181, tt Anderfi AB. 

Cap. 12: 182, n solcher B • 183, » vff B — 183. tt schaffscher- 
ten B — 184, u Bänder B — 185, n welchem B. 

Cap. IS: 185, » Cap. xiij AB — m, a vbet B — 186. 7 seiner 
sun eyner. Cani genant B — 186, altisten] andern B — 186, 20 er] 
fehlt B — 186. M vetspottang B ^ 186, m trauworten B ~ 187, » 
geht B — nachhauren B. 

Cap. 14: 187, u Cap. xiiij AB — 187, so hinuftfrangen B — 188, » 
wir B — 189, si Moni B — 189, u aufferwcbüsen B — 189, s« ab- 
scheuiiens B. 

C a p. 15 : 109, 30 gezogen B — 189, m werden A — 190, i« er- 
atarten K. 

Cap. 16: 192. 1 /un tln U B — 192, 6 ^olb.^ B - 192. ä einigen] 
eignen B — 192, i.i wenUu B — 19:^, :o schmeiler AB. 

Cap. 17: 191. w oVtersten B — 194, «1 fründ B — 195, u. «4 Maria 
B — 19r>. 17 ver/eitlmeteu B — 195, 32 geiagd B — 195, 32 Matui B 

— 196, -.'7 getreu.sten B. 

Cap. 18: 197, to kindem B — 197, »1 wichtigen] mechtigen B — 
198, t» strengen B. 

Cap. 19: 198, s« zeuch B — 199, 4 gar nit B — 200, t Bolcha B 

— 200, 5 wes] was B — 202, «• vergteilFen B — 202, t» reichen wei* 
sen B 202, s« nicht A ^ 208, 7 nit B — 208, 11 das] am B. 

Cap. 20: 204, 1» frQndtlieb B — 205, 14 Hebräischer B ^ 205, tn 
momdigen B ^ 205, s» vorkummen] Tberkummen B. 

Cap. 21: 206, u geacht B — 206, » herausgefallen B — 207, le 
Brilissen B — 208, a eins B — 209, 14 trftg B — 209, >e wcyts B — 
210, 23 Konig B — 211, ,H betrübt B — 211, »» vff B — 211, n het B 

— 211, r,5 Konig B — 212, » vberwindt P. 

Cap. 22: 215, 3 wiewol er noch B — 215, 12 ansprach B — 215, 29 
frOndstüok B — 216, w appelUeren B — 216, tr eheren A — 217, • 
kriegskntt B. 

Cap. 28: 217, 10 frücht B — 217, n züchten B —219, t« welche» 
AB — 219, SS den menschen B — 220. 7 die] fehlt B. 

Cap. 21: 220. 17 am lU. B 220, -jo nit B — 221, s vttgehort B 

— 221, 3s rcciieii B — 221. irt^chicht B — 222, 7 vft> B - 222, 11 
todts B — 22:^. -.3 widert B — 22:^. 8uchat B — 2_':;. r. vi-h] siin B 

223, ai Ephrar B — 224, n sundcrlich B — 224. « briulcia ergangen 
B — 224. !i d» iu vatter solchs selb B — 224, .i? vrborgen B. 

Cap. 2'»: 226, it /-ü radtschlagen B — 226, 12 abziistehn B — 
226, ewer B - 226, 32 zä letst B — 227, 12 N.iu B — 227, 1« sol- 
chen B. 

Cap. 26: 227, s» der Ordnung gottes nach B — 229, s sein sAn B 

— 229, 9 abgseOndert A. 

Cap. 28 : 231. > wellicher B — 231, 10. 17 lies Philistiner? — 
281, 11 ihr] in B. 



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2. Die Meben hauptiuster (lesarten). XXXIII 

Cap. 30: 241, o geschah B 

Cap. 82: 243, 33 fest B — 244, ,1 ist] ft hlt B — 244, u veracht 
B — 244, ST ergehn B — 244, m stehn B — 244, si gebandelt aey B 

— 244, M welcher B — '245, -i;, -/w^lffsten A. 

Cap. 33 : 246. -,2 Tli. o.loäitus B — 248, 7 ausgen U — 248, »s An- 
tio|,iiiiiT; lies Aetiopiam (vgl 243, t*) — 248, ti gröane B — 24Ö, so 
eiwüü-ten AB. 

Ca p. 34 : 250, u vertiaiitiat^n B — 250, n bolclia B — 251, 0 ver- 
acht B — 251, 23 Auiou AB. 

Cap. 36: 256, 10 f. 'dui-ch' bis 'eutlich' fehlt B — 256, 21 hett 
auffrichten B — 257, u understünde B — 258, ia gertagen A — 258, m 
India] Judea AB — 258, 37 sebs B. 

Cap. 87; 260, • faJlentz B. 

C ap. 88: 260, • besichtiget, findet B. 

Gap. 89: 265, n Arittorimi B — 266, n wQrd B — wil] vÜ AB 

— 266, M hunelein B — 266^ m kommee B ^ 267, w batr A. 

Cap. 40: 268, 11 Aristotomi A 271, 1» lies Tbrasibulu« ^ 
273, t» nnder keiser Carolo dem fünfften B. 

Cap. 41: 278» it einem B — 274, » liee pariison? 

Cap. 42: 276^ 1 mficlut B — 276, «• inn] feblt B — 277, • meinr 
B — 277, ti geweren ß — 277, u lebemaa B — 277, m emphahen A 

— 277, 39 gar] fehlt B - 278, t4 grossem B — einr B — 278^ m 
solcbs B — 278, «o Lew] Sew AB. 

Cap. 43: 280. »o lies poUicey? - 281, s allersterckstea B — 2«1. 4 
»chleckerhafftigen B — 281, 19 rauhen B — 282, * beldin B — 282, s hm- 
dergehn B — 282, 13 atehn B — 282, h wo an B — 282, ?7 Taroiiiirio A. 

Cap. 44: 288. 15 angesiebtem B ^ 283, m uame B — 283, t» 
lost B — 284. 1« Lctus B. 

Ca|'. 40: 286, la ein hniult B. 

Ca 1 i'i: 288, - ^t'hn Ii — 288, s wolt] solt B — 289, » blerhlin B. 

C iip. 47: 289, u verdrostiener B — 291, t Bersahea B — 291, 10 
wend] wölleud B. 

Cap. 48: 291, ?9 Friiiiiii] ryianii AB 291.^0 Antenorem] Nesto- 
rem AB - 291, n und »4 Nestor AB — 292, 2 Ne.^tor AB — 292, is 
Anoanda B — 292, S6 Piliun A, Pilium B — 293, 17 an. heiiUHcU B — 
293, 37 niendcrt B ^ 293, a« verborgnen B — 294, ta oberbandt A, 
oberkeytt B. 

Oap. 49: 295, u Ihr haben B — 296, t» f&r A — 296, ts sfisamen 
B — 296, st vnderstSnd B — 296, t« dem B. 

Cap. 50: 297, 5 Cap. 1. A — 297, • verkauffet B. 

Cap. 51: 299, tt Dilila A — 299, ss warinn B — 299, m gebn B. 

Cap. 58: 802, tt semlicb] soliicbs B. 

Cap. 55: 805, • gebn B — 806, t« beynander B - 806, »7 gwertig B. 
Register: 308, cap. 9 Tbiomare AB — 809, cap. 30 Sabeam (statt 
Seb*) AB. 

Wieknun in. C 



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XXXIV 



Vorwort. 



Pem vorliegenden bände sind einige den erzfthlungen des 
BoUwagenbacbleins verwandte scbwänke, namentlich bisher un- 
gedrackte meisterlieder , und stoffvergleichende anmerkiingen 

anj^ebängt, um Wickraras schwanksaiuniluiig nicht hinter dpu 
neuthuckeii von Frey. Montanus und Schuraanii und liinter der 
1865 durch Heinrich Kurz veranstalteten ausgäbe zuiückstohen 
zn lassen. Gern hätte ich mehr derart geboten, wenn nicht 
meme freie zeit durch mancherlei andere pflichten beschränkt 
worden wäre. Ein paar nachweise durfte ich aus Reinhold 
Köhlers hinterlassenen papieren entlehnen. Für die freund- 
liche beschaffung des bibliographischen niatorials hin ich vielen 
bihliotheksdirektionen, für die besthreibung eines in Paris be- 
findlichen druckes (s. XXi) herm dr. Siegbert Schayer in 
Berlin und für die beantwortung einer frage (s. XVIII) herm 
dr. Karl Schorbach in Strassburg zu dank verpflichtet 

Berlin, im februar 1903. 

Johannes Bolte. 



Bemerkte drockfehler. 

8. 73, 28 lies um-,' ?' — 112, i ügur des — 112, n andren — 179, 19 
veruiligcu — 365 nv. IG füge hinzu H. Sachs ed. Keller-Ooetze 25, 3B9 
nr. 3762 (1552). — 368 nr. 22 füge hinzu BaUadoro, Folkluie veronesc, 
novelline 1900 p. 115 nr. 100. — 869 nr. 26 füge hinzu Siebenbürgisches 
korrespondenzbiiitt 25, 70 (1902). — 381 nr. 64 z. 7 1. Milchsack 1892. 
— ' 891 nr. 107 fttge hinzu A. Rittershaüs, Die nettiBlItJidischen Yolks- 
mftrchen 1902 s. 355. — XVI* l s. 15 üno 6. 



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Inhalt 



XXXV 



Inhalt. 

6*110 

Vorwoft» 1. RoUwagenbQchlein (inhulti drucke, leeuten) ... V 
2. Die sieben haoptlaster (inhalt, draeke, lesarten) XXVII 

Bemerkte dmckfehler XXXIV 

Rollwagenbacblein (1555) 1 

Zusätze späterer aasgaben (BCIäG) 91 

InhaltBQbergicbt 142 

Die sieben li.iuptlnster (15ö6) H7 

KegisUr 308 

Anhang verwandter stftckei 

L Erasmas-AlbertuB, Gelflbde in wassersnot 812 

IL Bromyard, Das gelflbde des Seefahrers und des bauem 813 

ni. Hobertas de Bomaais, Qelflbde in wassersnot . . . 814 

IV. II. Behaim, Vom tot ezempel 814 

y, Meisterlied: Der abenteurer mit der Uaria tu Ainsidel 816 
VL B. von Watt» Einer besalt mit essen eim abt ein schuld 

nnwiseend 818 

Vn. Hulsbnseh, Rusticus fingit se leprosum 819 

Vin. B. ?on Watt, Einer verkanlSi seinen gesten ^n tracht 

umb einen taller 310 

IX. Meisterlied: Von ileü pfaffen drei stuck in der predig 321 

X. B. von Watt, Die schwerbörige acbneidersfrau . . . 322 

XI. Voigtliinder, Von einem bösen widerspiliistigen weib . 324 

XII. Vof^f'l. Der pfiitV mit dem ehcprecher-pongel .... 325 

XIII. M. Behaini, Ein peyspil von eim mesner, und perurt 

des teuMs triegnus 826 

XIV. A^ijiuH Mayer, Der träumende scbat/gräbor .... 328 
XV. Mt isterlied: Der geiczif^ in der schaczgruben , . . 330 

XVI. Der pfaff in der Wolfsgrube 382 

XVII. Hulsbusch, Duo fures pellunt a Haci idote podagram . 333 
XVUI. Bromyard und Job. Junior, Dir lahme und die diebe 

auf dem kirchholt; 334 

XIX Eyriug, Der lahme und die diebe auf dem kirchhofe . 885 



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XXXVI 



Inhalt 



Heif 



XX. Meiflterlied: Die «wen dieb im bainhauß 886 

XXI. Heisterlied: Die zwen Studenten 338 

XXU. Heisterlied: Die swea dieb in der dottengi-ub . . . 83d 

XXIII. Vogel, Der Schwab mit den gotesxehern 341 

XXIV. Hollen, Der singende priester und der tote esel . . 843 

XXV. Bantner, Der Welsclt beim balbierer 343 

XXVI. Weidner, BuUenzech 345 

XXVII. J. von Helmstorff, Schlachtens spielen 346 

XXVin. Heisterlied: Der pfaff, der kOpfe machen konnte . . 349 

XXIX Hahrold, Ein wcib hies ihren man aus dem haus blei- 
ben, biß der bOse rauch und staub in der stuben 

vorginge 350 

XXX. Schreiber, Der lüfinii h mit dem esel 352 

XXXI.. B. von Watt, £in pfutf' und sein mesner werden mit 

einander zn unfriden :■)•"> \ 

XXXII. Hulsbusch, Kx paradiso venit quidam pauper studens 355 

XXX III. Meiöterlied: Der landsknecht von Paria ...... 357 

XXXiy. B. von Watt, Ein Joseph wirt mit seinem Christkind 

zu unfriden 858 

XXXV. Hillsbusch, Quomado sartor intraverit coelum et doic- 

cerit Bcabellum sedis Dei iu vetulam t^uaudam 359 

Anmerkungf'n zum lioll wagen büchleiu 361 

^l^ugabe: Die er^te ausgäbe des WegkQrzers von Martin Montanuä 393 



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Das Holl wagen buchlin. 



Ein nefiws/Tor Tnerhorts Bdchlein / 

darin vil güter schwenck viid Historien begnÜen 
werde / so nmn in schifien vnd auff den wegen / 
defigieichen in scberheuseren vnnd badatuben / zfl 
l&ngweUigen Zeiten erzellen mag / die schweren 
Melancoliflchen gemuter damit zü ermflnderen / 
vor aller menigklich Jungen vnd Alten sunder al- 
len anstoü zü lesen vnd zfi hören/ Allen Küuilicii- 
ten so die Messen hin vnd wider brauchen / zu 
einer kurtzweil an tag bracht vnd z&- 
aamen gelesen durch J6rg Wiek«* 
rammen / Stattscbreiber zft 
Burckbaim / Anno 1555. 



10 



Holzschnitt: ein vienpftoniger wagen mit 
einem auf reifen ruhenden leinendache; auf dem 
linken hinterpferde sitzt der fuhrmann mit der 
peitsche; auf der linken seite des wagens sitzen 
zwischen vorder- und hinterrad zwei b&rtige 
männer im gesprftch. 



Zeile 1 ist rot gedruckt. 



Wjckram III. 



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BoUwageubdchleixi, widmung. 



8 



[A 2*] Dem ersamen fflrnemmen und achtbaren Mar- 

ÜQ Neuen, burger unnd wirdt zö der bl&men zü Col- 
mar, meinem insonders günstigen herren und g&ten 

freündt. 

Es haben sich die alten vor langer zeit eines gemeinen ö 
sprüchwoits gebraucht, daß nnder allen lästeren nndanckbar- 
Üt das gröst ist. Dieweil ich non bekennen mfl6, dafi mir 
nit wenig freOndiscIiaflrt von euch bewisen, unnd ich aber aufi 

gebrechlicheit meines groben Verstands sdmliehs nie verglichen, 
(lainit ich aber nit auch mit dem laster der iindanckbarkeit lO 
behafi't werde, hab ich miili, so vil mir müglich «^^ewesen, er- 
zeigen wollen mit demjenigen, so meins Vermögens ist. 'Dann 
Silber und gold hab ich nit, aber was ich bab, das geb ich;' 
also sagt der heilig Petrus in Actis am 3. capitel. Nicht daß 
ich difi mein schlecht und unachtbares bflchlein oder michi» 
dem lieben Petro oder seinem heiligen wort vergleichen wölle; 
dann (liü mein büchlein allein von guter kiirtzweil wegen :ia 
tag geben [ist], niemants zu underweysung noch leer, auch 
gar niemandts zü scbmach, hon oder spott, wie ir dann selbs 
wol sehen unnd lesen werden. ao 

Dieweil nun menicklich weißt, geistlich und weltlich, fllr- 
sten und herren, die dann t&glich iren aufritt und herberg 
bey euch haben, daß ir mit gftten schwencken und kurtzwei- 
ligen bossen zö yeder zeit und ye denniiu h die per-[A 2'']son 
ist, gefaßt sind , habe ich euch zü widergeltung euwer güt- 25 
that (liß mein klein wercklein zü gefallen an tag geben. So«- 
dann ist auch in euwerem gebrauch, alle Straßbnrger messz einen 
eignen roUwagen anzürichten; alsdann haben ir euch zflsampt 
gAten herren und frettnden mit disem bftchlin zft ergetzen, 

1* 



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4 



Georg Wickram, 



di< weil ir aiitV <li^r t'art sind, welclis auch vor nicnij^klich on 
allen anstois mag gelesen werden. Bitt euch hiemit, somlich 
kleine gaab, dieweil ay mit gütem hertzen und gemüt verert 
wird, nit zt yeischmahen und zA einem glttcksäligen nefiwen 
öjar empfaben, mich auch noch als vor für euweren gflten 
freiind iiud willifjcn dienor erkennen. W iiiisch euch hiemit vil 
gluck unnd heil, outh und enwer n«^nvven epp^cnnihelen und 
nach disoni zergeucklichen leben das ewig himmlisch reich 
und Seligkeit Amen. 
10 Datum Burckhaim auff Marie daß neawjar, nach der ge- 
hurt unsers s&ligmachers 1555. jar. 

Euwer »iUzeit dienstwilliger 

J5rg Wirkram. 
Stattscbreyber zü Burckhaim. 



15 [AS'J Zäm gätlgen lesen 

Es ist von alter har, freündtlicher und gutiger leser. ein 
spriclnvort uiider vilen «gewesen, \\(iin man etwan scliumpero 
und schandtliohe worfc geredt, hat man gesagt: 'Stilla mutz, 
diß gehört auff den roUwagen oder ins schiff!', welches moines 

»bedunckens nit seer wol gesprochen gewesen, dieweii sich zA 
▼il malen zütregt, daß zflchtige, erbare weiber, ja auch jung- 
frauwen auff wagen oder zü schiff faren, deren man gar wenig 
verschonen thftt. Dann man lindt .solche rüchlose leiit, wenn 
sy bey weilen schon al»gestouht werden, sagen sy: 'Hey, sy 

2& haben doch schöch oder stifel an; sy Terstonds niti', faren 
also mit Iren schandtlichen groben zotten fOr, wenig dencken 
an die wort Christi Mathei 18: ^Wer aber ergert diser ge- 
ringsten einen, so an mich glauben, dem wer besser, das im 
ein mülstein un seinen halß crehenckt wer und wurd in die 

aotieitedeß [A3'j meers versenckt. ' Und weiter spricht er: 'Es 
möß ja ergemiiß kommen; aber wee dem menschen, durch 
welchen ergemuß kumpt' 

Nun ist ye s6mlichs ein sondere grosse ergemuß, wo man 
vor züchtigen personen söoiliche unnütze wort übet. Dieweii 



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RoUwBgenbfichleixi, vorrede, eap. 1. 



5 



man aber an solchen orten sich dannocht anch mit knrtzwei* 

ligem gesprech ertxetzen iiiiiLi, luil) ich euwer aller gunst und 
liebe allhiV r-in kurtzweilif^s hi'ichlin für ancrcn gestellt, in 
welchem ir nit wenig kurtzweüig und schimpliiche achwenck 
yernemmen werden , in welchen sich niemants ergeren wirt 5 
Bitt hiemit enwer gnnst und lieb, wos sich zfttrftg, daß etwan 
einer odor eine getroffen, wdllen ewer färb im angsicht nit 
TfiFStellen; sonst werden ir Yon menigklichem in argwon Ter- 
dacht und \" unl niiin sagen: 'Wenn man under die hund wirfft, 
schreit keiner, dann welcher getruüen wirt.' Bewar dich gott, lO 
liettndtlicher leser. 

Dein allzeit williger Jörg Wickramm. 



1. 

fA4'] Wie ein güt frumm mann am Kocherspei g 
einem gftten einfaltigen ein walfart verdinget zdi« 

Sant Veiten zfl wallen. 

Dieweil wir yetzund auch auft' einer fart oder reiß sind, 
so manet mich glejch ein g&ter schwanck, daß ich euch den- 
selbigen erzell. 

Es ist iiienicklicli w ol hewiiit, daü am Kochersj)er'j: . nit 20 
Wfit von Straliburj^ «^adegen , gar vil guter, frommer, t iutal- 
tiger baursleUt wonen, von deren einem ich euch hie schreiben 
wüL Derselb güt mann kam in ein soer grosse kranckheit, 
darch welche er lange zeit hart und Obel gekrenckt ward. 
In solchen seinen n5ten kam im zA gedancken, wann er eins& 
walfart zft Sant Veiten, so daselb am gebirg gelegen, verhiefi 
mit einem silbrin upil'er, veriioüt er gentzlich, sein sach ^^^lrd 
besser werden. Also gelobt und versprach er die fart ; sobald 
er von solcher krauckheit aulkem, wolt er die fart vollbringen. 

Als er aber in kurtzer zeit darnach wider ^esnndt wor- so 
den, ist im tag mmd nacht die gelttbt, so er gethon hat, TOr 
äugen gewesen und im sinn gelegen. Und als er im jetz 
endtlicfaen fdrsatzt, die fart und < »piler zu leisten, hat in die 
arbeit mit hautf überfallen. Alsbald er seine acker geseyt, 



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5 Georg Wickram, 



müßt er in den reben anfahen zA wercken; unnd was der ai^ 
beit 80 TÜ, daß der gAt mann kaum der weil nam, daß er 

ai [A4**] unnd tranck. ZiUetsten kam im zü sinn, damit er 
»ant Veiten nit um .seinem langen anflentzen unwillig machte, 
^ wult er eiuem guten trunmiiu mann von seinetwegen die iart 
verdingen außzerichten. Also fand er einen nach seinem ge- 
iaUen; denselben fertiget er ab mit opffer, wachß und einem 
g6ten feifiten hanen; diß alles befalch er im saut Veiten zfl 
bringen. 

IC Bald macht sich der güt gsell auff die fart , gieng in 
grosser andadit dorn gebirg zü. Wer im bekam, den tragt 
er, wo Huii er den nechsten zü Sant Veiten kern. Er ward 
▼on jedermann tredwlich gewisen. Nun ligt ein groß kloster 
nnden an dem berg, fQr das müßt er hingen. Das kloster 

15 nennt man zft Alleiüieiligen ; darinn wonen etlich mttnch. Er 
ward den berg hinauf gewisen zA Sant Veiten, zog also mit 
grosser mliii und angst liiiiaul. Zuletst gedacht er in im selbs: 
*Nun bin ii Ii warlieh nit weil.t genAif, daß ich mit solcher 
grossen mhh den liohen berg heraufsteig. Nun sagt man doch, 

20 das kloster heiß zö Alienheiligen; sind nun all heiligen in dem 
kloster, so mt& sant Veit aneh gwißlich bey inn seyn, und 
wurd in yetznnd nit anheimisch finden.' 

Mit disen gedancken wendet er sich umb und den berg 
widi'r liinab, als wann man in gejagt hett, kam also an deß 

2;, klu.-ters porten und laut an der glocken gar ernstlich. Der 
portner kam eylentz laulfen, schloß die porten auf, fratrt den 
göten gesellen, was sein begeren und goschefft weren. 'Lieber,' 
sagt der waller, ^sind nit all heiligen da innen V Der portner 
sagt eylentz ja; dann er hat den feiß-[A5']ten hanen bey im 

ao ersehen unnd meint, er wolt in allen heiligen bringen zA einem 
opfifer. 'Lieber portiicr.' sa<rt der waller, *gang hiiieyn /ü 
allen li«-i]i<^cn und heiJ.i mir nur s;int Veiten lierauLikuaimen ; 
dann ich hab gelt unnd disen hanen, so im zügehören.* — 
'lieber güter gesell,' sagt der portner, Svilt du zü sant Veiten, 

S5mAst du dich noch mer den berg hinauf strecken, daün du 
findest in nit hie innen.' — 'Wie wer dann das ein ding?* 
sagt der waller; 'solten alle heiligen bey einander dinnen sein 
und wolten eben sant Veiten auiigesündert haben ':' Wie wer 



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RoUwagenbüohlem, cap. 1. 



7 



daiä ein ding?' Der portaler meiut, der waller trib sein spey- 
werck, erzürnt sich über in und sagt: 'Du h6rst mich wol, 
was ich sag. Sant Veit hat in unsenn kloster nichts zA thfln; 
wir hand all heiligen zfl patronen.' DaranfP sagt der waller: 
^So hehalt dn dir deine all heiligen, so wil ich sant Veiten« 
behalten. Damit zog er wider sein straß heimweiiz zü. 

Als er aber ?inn zu seinem bsiuron kam , empHenji: er in 
^ündilich und tragt, ob er die fart auigericht hett. Der 
waller sagt ja. *Wo hast du dann den gemalten brieif zum 
warzeichen K Der waller hesan sich kurtz imd sagt: *Ich kam 10 
anff den berg in sant Veiten kirch ; do was sant Veit nit an- 
heimisch, sonder was nnden im kloster hey allen heilis^en; 
filso gieng ich herab in das kl(»ster, hieü mir sant N'eiten hor- 
lurkonijuen: also rieht ich mein sach auß, irab im das opö'er. 
Das nam er. den lianen aber hat er mir geben und geschenckt, 
lait dir darbey vil güts sagen. Er aber hat kein brielf, so 
er mir hett geben können; dann sy waren all oben auff 

dem berg/ Also glaubt im der gflt einfaltig banr, gab im 
seinen Ion und ließ in lanffen. Der L(ut waller was wol con- 
tent; 'hiiin er hat drey schantzen mit einer karten uewunnen, 30 

In didem stuck sollen wir dreyerley warnemiuen. Erst- 
lichen die gro£ einfalt, mit deren die weit umbgadt; dann so 
einem etwas kronckheit oder trubsal zühanden gadt, findt man 
gar vil, so deß rechten, waren und gebauten wegs verfelen, 
gedencken wenig an Christum, unseren seligmacher; dann derfl^ 
ein rdfft zfi disem, der ander yenem heiligen, so doch Chri- 
stus im evangelio Juaimis 10. gantz kliirlich mit anßgptmck- 
ten Worten sagt : \So ir etwas den vatter biLteii in meinem 
nammen, das wil er thün.' Item : ^Ich bin der weg, das leben 
und die warheit; niemant kumpt zum vatter dann durch mich.' 80 
Und an einem andren ort sagt er, Matthei 11: ^£6mpt h&r 
zft mir, alle die ir müyselig unnd beladen sind! Ich wil euch 
erfjuicken.' — Zum andren ist sicli auch gnüg zü verwundren, 
dat die weit ao einteltit^^ ist, so daß einer meint, er wolle vil 
verli* isscn . ob er das gleichwol nit thön kan, wolle er das 8ö 
einem andren befelhen au^zöricbten ; als dann zü vil malen 
geschieht, daß einer einem anderen verdingt ein anzal für in 
z4 betten, fasten oder also zü wallen hin und wider. Es lafit 



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8 



Georg Wickmm» 



sich aber nit also verstreichen; sunst wer Adam im paradeiH 
woi bestanden, als er den apfel afi: dann er sagt: *Das weib 

gub mir, und icli aü.' Also wolt bicli auch ilas weil) mit der 
schlangen verantworten. Da lialft* al)er kein außred, mußt 

ö[A6*] ein yegklichs sein burd selb tragen. — Zum dritten 
ist auch ein grosser mißbrauch entstanden mit den opffem. 
Die sind hin und wider getragen worden in die reichen gotts- 
hefiser, nämlich gftt feißt hennen, hanen und kapaunen; 
wem aber die zö trost kommen, weißt gott wol: dimn die ge- 

10 schnit/teü unnd gemalten heiligen band jay nicht genossen. 
Darneben aber haben ^vir die lebendigen heiligen wenig be- 
dacht, auff welche wir bülich sehen solten. Die aber haben 
grossen hunger und mangel in iren kranckheiten leyden müssen, 
so doch Christus spricht Matthei 23: *Was ir gethon habt 

15 den geringsten under disen meinen br&deren, das habt ir mir 
gethon.* Darumb lassen unser walfarten und opfer gericht 
seyn z(i den lebendigen heiligen I Von diseni gnüg. 

2. 

Von einem, 80 in wasseranot sant Christoffel ein 

2D groß wechsln Hecht verhieß. 

Es hat der hochgeleert vnnd lobwirdiger gedechtnufi doc* 

tor Erasmus von Ifottenlain in seinen CoUoquiis beschriben 
ein grawsamen .sclüÜbruch, denselbigen niub derirestalt heraufi- 
geatrichen, also wer den lißt oder hört, dem müti darol^ graw- 
25 8en. Under andren, so in solchem Schiffbruch unnd tortun 
gewesen, setzt er von einem, so vilicht ein kauffmann mocht 
gewesen sein. 

Als derselb von andren seinen mittgeferten ein somlich 
schreyen und räffen bort: der ein rüft't und verhieü .sich zu 

j» sant Jacob, der ander zu sant Niclaus port, (AH''] der dritt 
zil saut Katharinen von Senis. Da waren gar wenig, so 
dem rechten schiffmann räiften, welcher njit seinem betröuwen 
wind und meer augenbUcklich stillen kundt ; dise aber, als sy 
in iren gr6sten n6ten waren, sflcht im ein yeder ein besun- 

8o deren heiligen. Unnd nämlich diser, ab er sieht, daß man 



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Roltwagenbflelileiii, cap. 1 — 8. 



9 



alles göt attß dem schiff wirfft, die mast unnd segel zerrissen, 

die schiffletit gantz verzagen . ein yeder sieht im umb ein 
dielen oder l)r('tt . damit er sicli dem grawsamen wutenden 
meer ergeben wil, so facht der güt kerle auch an mit lauter 
stimm zü niffen: ^0 du heiliger sant Christoifel, hüff mir inö 
disen meinen grossen Wassersnöten, damit ich wider ans land 
kommen mog! Dargegen versprich ich dir ein wechsine kertzen, 
so lang und grotj, als da ist dein bildtnuß zü Pareiß in der 
hohen Idrchen.' Disen viitY emeüwert er zü raermalen. 

Zuletzt sagt einer öehier gesellen: '0 mein lieber com- lO 
pani, du versprichst seer grosse ding ; dann warlich, wann dein 
gantze frettndtschafft mid geschlecht zfisamentheten, haab 
nnd gflt daranstrackten, sj möchten das wachß nit bekommen.' 
Diser aber, so zAvor seer laut geschruwenf sagt zü seinem 
gesellen heimlich in ein ohr: 'Lieber mein gesell, hulff mir 15 
nur sant ChristoflPel ans land, ich wolt mich wol mit im ver- 
tragen; er solt ein schandel oder unschlittliecht dartilr nemmen.' 

Ach der groben einfalt! Er meint, sant Christoffel hett 
gewalt, im anß nöten zA helffen, hett auch sein grawsam 
scfaiejen unnd ruffen, so er gethon, erhört, er aber mÖcht die ao 
wort, so er seinem geseDen heimlich ge-[A7'] sagt, nit ge- 
hören. 0 du arme weit, was thüst dul 

3. 

Wie ein pfaff understflnd mit fanff Worten in himmel 

zu komineu. 25 

In einem dorff saß anff ein zeit ein toller, voller, verlot- 
terter, verspilter. gottloser pt'aff, dem alle zeit seine sinn unnd 
gedancken mer ins wirdtshauli dann in die kirclien r^iuiideii, 
deren man aber yetz zü unseren Zeiten nit bald einen tindeu 
wirt. Derselbig pfaif versach und weidet seine schaff gantz» 
fleisaig, damit inen kein unradt angesehen ward; dann er lag 
gewonlich snmmerazeit mit inn am schatten im wirdtshauß, 
Winterzeit aber in der warmen stuben, damit sj im in der 
kixchen nit ertVnren. 

Zü einer zeit begab es sich, dai3 er von einem andren )t5 



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10 



Georg Wicknini, 



dorfpfaflPen tmS die Irirchwich geladen ward; derselbig was 

ein alter unnd wolbetagter mann. Er hat auch noch ander 
erbar gest geladen, so im bekannt und verwandt waren, deron 
etlich nit gro& wolgefalien an des pfalfen tollen schwencken 
o hatten. Dann er, sobald er über tisch kam, iieng er seine 
faulen bossen an zft treiben mit reupsen, scbreyen und jaacb* 
zen, 80 dafi niemant vor im sü led oder Worten kommen 
mocht. So o^ er ein gl aß , becher oder krausen anfitranck, 
fienge er an mit lauter stiinnicn zu schreyen : *0 lieber wirt, 

lü sehen ck dapffer chil VVarü' damit das gcschiiT in die hohe 
unnd emphengs wider. Dise unfletige weiü treib er .so lang, 
biß es den andren pfaflen antieng verdriessen. Und der in 
geladen hat, hftb an [A?**] den follen pfaffen mit Worten 
straffen und sagt: ^Ach lieber mein herr, wo gedencken ir 

lö doch bin? Nun sind ir ein pastor und Seelsorger über enwere 
gemein; wie wend ir die sach gegen gott verantwurten ? Die- 
weil ir ein sumlich schandtlich leben filren, nemmen docli war- 
lich euwer underthauen ein bola exenipel imd ebenbild voa 
euch. Man sagt gemeinlich: Wie der hirt^ also sind auch die 

20 schaff« Darumb solt ir euch ärmlicher lasterlichen weiß mas- 
sen, sunst werden ir gewifi in grossen gef erden an enwerem 
leisten end ston müssen.* — *Ahha!' sagt der ptaff, 'ich hab 
ein gnedigen liben herren und gott; wann mir an meinem lei- 
sten end nit nur dann so vil zeit werden mag, daü ich t'ünif 

25 wort mit im red, wirdt mir der himmel offen ston. Was wolt 
ich dann grosse not haben! So wil ich auch meiner bauren 
keinen in himmel tragen; w611en sy nit hine3rn, bleiben sj 
herauß. Ich hab inn doch, als sy mich angenommen haben, 
den himmel nit zügcsagt so wol als ir euweren bauren.' Als 
sy nun lan^ mit einander zancktt ii iiinid ahcr der pfaft* alle 
wort in einem gespött verlachet, hat im der ander nicht mer 
in seinen Sachen reden wöllen ; der pt'aäf ist aber gantz truncken 
worden. 

Und als der alt pfaff eben aufhört, von dem er geladen 
85 was, hat er urloub von im genommen; damit im aber nicht 

auff seiner heimfart begegnet, hat im der alt seinen sigristen 
zügegeben. Nun ist underw CLCtn ein seer tieffer bacli gewesen 
imud gar ein schmaler steg darUbergangen, über welchen der 



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Rollwagenbfiehlein, cap. 8—4 



11 



Toll pfaff hat gon mftssen. Als er aber mitten auf [A 8*] 

den steg kumnien ist, sind im seine beiden f&ß entgangen, 
uniiil ist al«o in das wa^sscr ge]ilimi]tet. Bald er ahor nierckt, 
daü im nicmants zd bilfP hat mögen kommen (dann iiu gieng 
das wasser schon in das maul), do hat er angefangen jammer- 5 
liehen schreyen: ^0 lieber wirdt, schenck dapffer eyn!' Bann 
im diß wort zftfordiist im maul lag, und knndt in seinem let- 
sten end die fünff vort nit herausbringen« Also ersanifk der 
voll pfafF. 

Danimb es warlicli nicht giU isi. > ii lirher ü})]ii<:«'ii wort 10 
sicli zu gebrauchen; darzü sollen wir auch mmmer kein solche 
spofctreden und üppige fablen von gott reden, als diaer pfaff 
gethon hat 

4. 

Von eim radtslierren, der mit einem kind gieug. 

In einer statt mit nammen Frejburg saß ein reicher radts- 
herr, welcher mit seiner frawen noch nie in fünfftzehen jar 
kein kind gehebt hat; deihalben ofh etwas Spans bey inen 
sieh erhftb, daß ye eins dem anderen die schuld gab. Auff 

ein zeit dinget die fraw ein haußraagt, welche fast züchtiger 20 
beiden wa«. kumlt aucli dem hauß wol voi stan. Ir mann ge- 
dacht in seinem sinn: 'Mein weib zeicht mich, ich sey kein 
nütz. Wie wer im, so ichs mit meiner magt versüchte, ob 
die schuld mein sej oder nit, nur dafi wir au6 dem zweiffei 
kommen!' Und kart sein müglichen fleifi an, ob er sy k6ntea5 
bereden. Die magt durch vil glatter wort und verheissen ires 
herren vfrwUget und eniplacht von [AB''] im ein kind. 

Nun vermag aber die stattordnnng ahla. so ein radtsln rr 
die ee bricht, wirt [er] von allen eeren gesetzt. Und [erj ge- 
dacht: *Wie ist dem ze thön? Wirdt mans von mir innen^ao 
wird ich übel bestan.' Und gadt hin zft seinem doctor, wel- 
cher ein gescheider man was, entdeckt im sein anügen und 
die grosse gfar, so im drauff stilnde. Der doctor tr68tet in 
und spricht: 'Dem ist wohl ze thün; sind unverzagt! Gond 



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12 



Gteorg Wiekram, 



lioini und legen euch ati6 bett und gehaben euch seer übel im 
bauch, und über ein tag schicken mir den harn bey euwerer 
frawen unnd laßt mich handien 1' 

Der radtsherr thet, wie im der doctor befolhen hat, und 

ö Hc lii( kt Jim aiulLii 11 tag die IVaw zum doctor mit dem wasser. 
Der (iuctur besiclitiget das wasser, und im besehen lachet er. 
Die angsthatftige fraw, so sy den doctor sieht lachen, betrübet 
ay sich fast; dann sy wuüt wol, daß ir mann fast kranck lag. 
Der doctor spricht; *Euwer herr ist seer kranck, undgeschwilt 

10 im der bauch; dann er gadt mit einem kind.' Die fraw ant- 
wortet: *Herr, wie kan das gesein? Treiben kein speywerck! 
Mein mann ist seer kranck,' Antwortet der doctor: 'Ich bageu 
euch die warheit; er gadt mit einem kind.' — 'Herr, sagt 
die fraw, 'wie gadt das züV Es ist unmUglich/ Antwortet 

IS der doctor: 'Ir weiber haben seltsam glasten, versüchens in 
all weg; in dem ist euwer mann schwanger worden/ Undsy 
err5tet, gedacht in ir selbs einfaltigklich: ^Es mag sein.' Unnd 
fasset widerumb das hertz zü beiden henden, fragt den doctor, 
wie irem mann zü lielften wf*re. Gab iren die leer: 'Bestellen 

20 ein junck[B l*Jfraw , die noch keins manns schuldig ist, 
unnd verfflgens zft euwerem mann; alsdenn %virdt die juugfraw 
das kind empfahen.' Die frauw antwortet: *£s wirts keine 
w511en thfin.' Spricht der doctor: ^Keeren fleiß an bey zeit! 
Sunst verdirbt euwer mann. Dann das muß sein.' Noch eins 

2o .spricht der doctor: *Was hüben ir für ein magt?' Antwort die 
fraw: 'Sy ist so '/flclitit h. m;\^^ von denen dingen nichts hftren, 
ich geschwigeu erst thün.' Spricht der doctor: *Ver»üchends 
mit ir, keeren euweren müu'lichen fleiü an imd sagen, sy mog 
den mann beym leben erhalten, mit verheissung einer reych- 

w liehen heimsteOr; und so sy das kind gewinnt, daß irs für 
euwer eigen fleisch und blüt w511en auferziehen!' 

Also schied die fraw vom doctor heimwertz zü ir magt, 
hielt iren den handel für mit frrossem bitten und tieheu. Die 
magt antwortet: ^Liebe fraw, halten ir mich für ein somliche? 

85 Ich wil noch hinnacht auß dem hauü.' Die fraw berwider 
mit grosser bitt und verheissen geradt an sy hin, sy sdlle doch 
irs manns leben ansehen; deßgjeichen w611e sy daß kind fllr 
ir eigen kind erziehen und sy reichlich außstettren zft einem 



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RoUwagenbflchlein, cap. 4 — 5. 



18 



güten gesellen. Nach langer heflPtiger bitt verwilget die magt 
und legt sich zum lierrn. wolcher gleich in kiirtzen tagen wider 
genafe. und die niugt empheng da.s kind. Also ward der sache 
rudt, und die fraw hielt der magt alles, was sy iren verheissen 
hat, und bliben all bey eeren. 

Wie aber die magt so bald gebar und nur die halbe zeit, 5 
20 Wochen, das kind getragen hat, g^wan die fraw ein arg- 
won und gieng wider liin zum doctor und [B I"*] sprach : 
'Herr doctor, wie gadts doch zü, daß die masrt deü kiuüs so 
bald genißt?' Antwortet der doctor: ^Meiu liebe traw, wundert 
ench das ? Gedencken ir nit, daß der mann das kind 20wo€hen lo 
getragen hat nnnd die magt auch 20?' Spricht die fraw: *Ja 
warlich, das ist war,' dancket dem doctor unnd schied von im. 

Etwan ein jar darnach gieng der doctor ungeferd fttr die 
tr;iu . LtruLt sy und lechlet; das treil) er zum dickeren mal. 
Bey dem die fraw jibuamm, daß es mit kreüteren zügangen lo 
was, wie man spricht 

5. 

Von einem abentfaeürer, der bewert, daß der teOfel 

zü Costentz und der groß gott zil Schaphusen, auch 
die Mary zü Kinsidleu und er geschwistert wereo. so 

Zö Einsidlen in dem Schweytzerland hat es [sich] bege- 
ben, daü vil lellt. ir waltart zü vollbringen, dahin kommen 
sind. So hat es sich zügetragen gegen der nacht in einem 
wirdtshaui, wie man a^, dafi die pilgre haben geredt von der 
liebe Marie zü Einsidlen, wie sy so gar gnedig were, anchs& 
TOn ir mmderzeichen, die sy gethan hette. Under den pilgren 
was auch ein guter gesell geradteii, der nit der waltart, sun- 
der seiner gesclioüten halben dahin kommen was, aß auch mit 
inen ze nacht. Als nun die pil^jre so vil göts der liebe Marie 
Terjehen, redt er auch das sein darzü, sprechende : * Wie wir- 80 
dig schetzen ir sy joch, sy ist mein Schwester.' So das die 
pilgre, auch der wirdt erhörten, erstauneten sy über dise red, 
und ward so lautprecht, [ B2"] daß es dem apt auch kundt- 
gefhaii ward, welcher disen guten gsellen . so pr vom tisch 
autstund, fahen und Uber nacht in thum legen lieii. 35 



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14 



Georg Wickram, 



Morndes vor radt mit heffliger klag den Ubeltli&tor be- 
stellen ließ, wie daß diser die liebe wirdige müter gottes ge- 

schniochfc liefcte und s^eredt. sy were sein Schwester. Nach 
langer klag fragt man den ilbeltliater. was er darmit gemeint 

ö hatte. Antwortet er: *Ja, die Marv zü Einsidlen ist mein 
Schwester, und daß noch mee ist, der tettfel zä Ck>8tentE unnd 
der groß gott zft Schaffhauaen meine gebruder.' Der radt 
entsatet sieb ab diser red, unnd stiessen die köpff zAsamen, 
sprechende: 'Gwiß ist diser ein heiligenschmeher.' Der oberist 

törichter fragt in weiter, nmb etwas mer auü im ze bringen: 
'Wie darffst du die scimude wort allhie außstossen, so von 
allen landen yetz pilgre hie sind, welches allenthalben er- 
schallen wirdt Antwortet der übelthäter: ^Ich hab recht ge- 
redt; denn mein vatter ist ein bildhaawer gewesen, der den 

löiefifel zA Gostentz gemacht bat, nnd aucb den grossen gott 
zü Schaftliausen und euwere Mary, auch mich; darumb sind 
wir geschwistert.' Also lachen sy all und Hessen in ledig. 

6. 

Von z Weyen zenckischen bauren, deren einer des bur- 

gemeiäters fraw fragt: Sind ir nit auch ein hAvi 

In einem Hecken sassen zwen bauren, welche nachpauren 
waren, die lagen einanderen filr und für im bar unnd konten 
nit mit einander ge-[B stellen, also daß sy offt den burge- 
meister überluffen, welcher ein unwülen ab inen gewan. 

a& Auff ein zeit kommen s j aber f Or des burgemeisters häufig 
und der ein Idopffet ungest&migklich an. In dem laafft die 
fraw hinal) und lulst sy vyn. AU sy nun die zwen zenckisch 
bauren ersieht, spricht^^: *lr unräwig loüt, snid ir aber vor- 
handen ? Wie gadts doch zü , daß ir bauren so an einander 

SO kommen mit hadern, fetzen und rauffen ? Ir sind doch unrdwig 
leütr Antwortet der ein banr: ^Fraw, sind ir nit auch ein 
bAr?' Die fraw berwider mit scbeltworten an bauren bin: 
^Dn lanr, du scbelm, darumb müßt du mir ein stand tbAn; 
ich wil dich desse nit erlassen.' Der baur antwurtet : 'So 
kommen wir l>aureu an einander. Icli hab euch nur gfragt, 
ob ir ein bür seyen.' 



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RoUvagenbttehlem, cap. 5^8. 



15 



7. 

Von einem lantzknecht und Herr gott beMt uns. 

Im Schweytzerland f^en Zürvcli ist kommen ein lantz- 
knecht in ein wirdt-slumü und den wirtU botrrüüt umb herber^, 
dem <1er wirdt herberg zögesagt. Zü nacht im essen hat der ö 
wirdt dem lantzknecht gar ein sauren wein fOrgestelt, der von 
einem fibelgeradtnen jar was, und so die leüt in trunckeui 
sprachen sj: *Herr goti behfit uns, wie ist der wein so saur!', 
also dafi der wein von dem jar den nammen behielt ^Herr 
gott behüt uns'. Als nun der iiintzkiiecht nniid auch den lo 
sauren wein ver«<acht, spricht er: 'Butts tauben ast, herr wirdt, 
wie ist der wein so aaurl' Antwortet der wirdt: 'Unsere wein 
sind der art, daß sy erst im j^Ü3*J alter güt werden.' Spricht 
der lantzknecht: * Wirdt, ja wenn er so alt wurde, daß er auff 
knicken gienge, wurde nichts gAts darauß.' 15 

8. 

Von brüderiicher treüw. 

Zu Bern haben gewont zwen güt freünd mit nammen 
Mathias Apiarius der ein und Hans ^'pocras der ander. Der 
Y poeras was dem Apiario schuldig etwas gelt. Nun auff ein au 
zeit sclückt der Apiarius sein fraw zum Ypocras, von im gelt 
ze forderen. Der Ypocras gibt ir die antwort: ^Euwer mann 
ist mir auch schuldig.' Sy spricht: ^ Was ist er dir schuldig?' 
Dann 9f hat gdt wttssen . daft es alles verrechnet was und 
irem mann bey der rechuuiiLr schuldig was blibeu. Antwortet 2,j 
der Schuldner: 'Er weiüts wol.' 

Also schied das weib zornigklich von im und klagets irem 
mann. Welcher, sobald er das hört. </ion^ in einem zom 
eylentz selbs zü im und spricht: 'Wie darfiist dus reden, dafi 
ich dir schuldig sye?' Antwortet der Ypocras: ^Du bist mirai) 
schuldig.' Yener herwider: *Du sparst die warheit; ich bin 
dir nichts schuldig.' Und triljen solche zanckwort so hini^^ 
biü daß der Apiarius gar in zorn bowejrt ward, daf.^ der Schuld- 
ner besorgt, es mocht zik streichen geradteu; spricht mit lachen- 



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16 



Georg Wickram, 



dem mund: 'Du bist mir br&derliche lieb unnd treüw schuldig/ 
Von defi wegen der Apiarius, wiewol er seer erzürnt war, 
ward lachen, und Verträgen sich zeletst giitigklich. 

9. 

ö Von zweyen bauren, die einem apt schuldig waren. 

IBS**] AiifF ein zeit waren zwen bauren einem apt schul- 
dicc t'tlicli versessen zinü und wurden zü radt, den apt umb 
lenger zjl ze bitten. Koxumeu fürs cioster und wurden von 
dem portner eyngelassen; es was aber umb essenszeit. Die 

10 zwen eylten der conventstuben zd, vermeinten, den apt alda 
ze finden. Der apt saß mit seinen edlen ze tisch unnd seine 
diener an einem besonderen tisch. Nun wie die zwen bauren 
die thür nnfthaten und den a]»t also ze tisch sitzen sehen, er- 
schrickt der ein baur, tritt hinder sich und gadt hinweg. Der 

15 ander aber gadt tretiich hineyn und trang zwischen die diener 
hinein zum tisch und ab, als hett er zinß bracht. Der apt, 
sobald er das erblickt, spricht er z& einem edlen, der neben 
im safi ; *Da sitzet ein schamper baur. Wie hat er sich hineyn- 
geflickt zum tisch! Er ist mir nichts mer schuldig.' Weichs 

20 fal^t der baur in sein or und macht sich, nachdem er gessen 
hat, witler heim. 

Als er aber nachmals wider von dem apt angesächt ward 
umb die schuld, spricht der baur zum apt: ^Gnediger herr, es 
ist euwer gnaden wol kundt, daß ich euch nichts mer schuldig 

ss&bin. Dann ir zum neheren mal im essen sprachen zum edel- 
mann, der neben euch salä : Der baur ist mir nichts mer schul- 
dig.' Und der apt liela es auch also berüwen. 

10. 

Von eioem beyerischen bauren, der neün tag ein 
80 l&sser was. 

£s begab sich, daü ein reicher kauffmann seiner hand" 
tiemng nach durch das Beyerland reit; [B4*J und wie er un- 
geferd einen gatter antraff bey eines bauren hauß, dardurch 



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RollwageubOcbleiii, cap. 9— U. 



er reiten mütst, den kundt er nit aufthün, rufft dem bauren 
zA, er 8ol im den gatier anftbftn. Der banr schruw mit heller 
stimm: ^Es ist niemant in dem hanß; das gesind ist auff dem 
▼eld, und ich li«^^« u Kinder einem umbhang, bin ein Iftsser.' 

Sprii ht kauttiuaiin : *Wie lang bist ein lasser creweßtV'5 
Arttwort (W baur : 'Moni ist dor neflndt tag.* Also thflt der 
kautiniann mit übel7x>iten den gatter zeleist selb auf und spricht 
vom bauren: 'Sellin, da aufF dem gatter ligt ein taler, und 
thü der l&ssy gnäg!' Hat aber nichts dar gelegt nnnd reit 
hinweg. Wie das der baur erhört, geschwind znm haafi anfi io 
und wolt den taler holen, fand aber keinen. Also ward der 
baur vom kaitti'nmnii aiiü dt-ui hauU genarrt. 

11. 

Von einem wirdt, der seinen gf .sten ein tracht nmb 

eiu taler verkauüt. u 

Es hatten »ich göt narbpauren vereint unnd wurden zft 
nidt, ein güt mal bey einander ze essen, scliliij^en.s an in ein 
wirdtshaui^, da inen alles wol zügertlüt ward. So sy nun ze 
tisch Sassen t trug inen der wirdt tapifer auf, redt sy oM an, 
sy Sölten gftter dingen seyn, es gange noch alles umbsunstao 
zft unnd essen vergebens, bifi daß er ein gAten bratnen ka- 
paunen auftrug, so spricht er: 'Das kostet ein taler.' 

In dem kumpt ein rolhvagen mit kaufFleHten , die gen 
Franckfurt wnlten. Alsbald der wirdt das erhört, laulit hinauli 
und empfacht die gest. Nit ungeschwind der gesten einer, die 85 
da assend, verbirgt den bratnen kapaunen [Bi"] und laßt die 
schttssel also l&r stan. In dem kumpt der hanfiknecht und 
schenckt eyn. Der gesten einer redt in an, sprechend : 'Hauß- 
knecbt. briniri uiee /ft essen!* Der bauüknecbt fordert mee 
sjK'vli in der knohy von der wirdtin und bringt den gesten ein 3u 
reiiimülj mit gebachnen fi.schen umbiegt. 

Nachdem die gest unnd nachpauren wolgelebt hatten, 
hiessen sy den wirdt die zech machen, welcher spricht: *Liebe 
gest und nachpauren, was ir gessen haben, das gesagne euch 
gott und sye euch geschenckt, on allein der braten kapaun » 

Wickr»m Ul. 2 



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18 



Georfif Wicknun, 



kostet ein taler. Unnd haben hiemit vor gflt!' Der aber den 
kapaiinen verborgen hat, spricht v<»n alh r weyen : 'Uns niti 
Wir Wüllen den kapauneii uit so th»-ür kauften.' Und gab 
daimit dem wirdt ^^rinon kapaimen wider, welcher in wider 
&iiftm, was aber nit wol zefriden. 

12. 

Vuii kaulfmauusknethleii, die von Franckturt aufer 
ze ffilS heimzugen, wie sy bey eiDem wirdt nichts 
anders haben wMlen essen dann treaschy-läherle. 

10 Nach einer Franckfaricr memz haben etlich kauifieilt aufi 
dem Schweitzerland ire knecht ze fflß wider heimgeschickt ein 

tag oder zwen . eo sy hernathkanien. Xit weit von Speir in 
ein wirdtshauti sind die diener kommen, weh In s an dor straü 
lag. Und als sy nun wol bezeilit waren, wurdens eins, noch 
15 ein güt mal ze essen, nichts anders dann eytel treilschy-Iaberle, 
fiberredten den wirdt, daß ers inen zflrußte: ließ es im aber 
wol hezalen. Nun so sy mfitwillii^ Renfig waren geweßt, sind 
fB5*] sy dannen verrückt, haben s5mlichs offt gefibt, ee sy 
heimkaiiKn. 

io L l)er ein tag kamen ire hcrren hernach zu rossz und ge- 
riedten nngeferd auch in das wirdtshaulf, da ire knecht die 
trefischy-iiberle gessen hatten. Der wirdt bot^ inen wol nach 
seim vermögen. Einer nnder den kauifherren fraget den wirdt, 
ob er keine treUschen hett<», solte inen ein güt essen visch 

ü,, /ürüsteii. Dor wirdt gcdiu Iii : Mochten dir die trciischen noch 
einmal Itf/alt wonlru." kni li<-i inen di«* tr* Tischen, deren laltcrle 
ire knecht gesseu hatU^-n. So nun die kauilherren essen und 
auch einer under inen die Ikberle suchet, fand er keine. Deß- 
halb er den wirdt zü red stali, sprechend : ^ Wirdt, die trefischen 

ao sehen ich wol, aber die läberle nienen.' Antwortet der wirdt : 
*Ich mäß euch die warheit verjehen. Es sind erst necht et- 
lich jung gesellen liin vt rnu kt, haben nur dir läl)erle wol 
bezalt. Gehen ir unib dir treüschen, was ir wollen!' Also ge- 
dachten die kautiieiit: '(icwiü sinds unsere diener geweüt.' Unnd 

8» bezalten dem wirdt die treüschen gleych , als hetten sy die 



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Bollwagenbachlein, cap. 12—13. 



19 



l^berle behebt. Und speieht yc einer den andern; es gedacht 
aber ein yeder in seinem niöt: *Kunib ich heim, wils meinem 
knecht wol vergelten/ 

13. 

Von einem pfarrherrn, der seine underthanen straffet, 5 

sy Milieu einander uit so Mfenlich heissen liegen; 
so doch einer leügt» solle gleych der ander darza pfeiffen. 

[B5''] In einem dnrff hat» verweent, ftchalckhafft, b66 
bauren, die ofFt im wirdtshauß nnnd mnwt mit «cheltworten 
nnnd einander hoisson liocren, zum oütcrnml /usanu ii schlu^f^n 10 
und stilclicn, wr-lclics der ]>l";irrli(MT zum (licktMcnmal an der 
kantzrl inen hat gewert, nnnd aber leider nichts haltf. 

Autt ein zeit an einem «tnnntag, so der güt herr nit vil 
jttndiert hat unnd seinen bauren 8olt predigen, lieng er aber 
an inen ir Scheltwort zA erzellen , fiprechend : ^Ir sind doch ir* 
nni^lig banren. Hab ench yeiz ein lange zeit «>^0Avert da» 
fluchen, schueron, heissen * üiauder lifi^cn. sclilulu'n wund 
rauti'en ; und es ist ulxT yo lau'^iT yo iHist^-, lieisHt'n einand^^r 
j^o fVafelich liegen, auü dem dann all« r liador und zanck sich 
frliebt. So einer doch leiigt und, ders h6rt, in seiner lügen 20 
halben straffen wil, spreche er nit tnitzlich : *Dn lettgst*, sun- 
der pfeiffe darzö. So wirts dann diser wol mercken unnd in 
einem <•< spntt ziehen. Pfuch, es zimpk euch nit.' Und das 
merckt auch ein schamper baur dahinden in der kin lu ii. 

Der pfarrherr lieü von dem unnd prediget inen von der jö 
eiDchafiung des ersten menschen, sprechende : 'Lieben un<ler- 
thanen, der allmechtig gott, so er himmel und erden gemacht^ 
hat es in gilt gedacht, den menschen ze machen, und hat einen 
leimklotzen zdsamengewaltzei, geformiert wie einen menschen 
und denniacli in an einen zäun j^el ein t. dal": er erkechete.' So 30 
das dor sdiantper baur erhört, pfeifl'et er überlaut. 'Welclies 
der pfarrherr niercket und spricht: *Wie, baur, meinst, ich 
lieg?' — 'Nein, herr,' antwortet der baur, 'wer hat [B6*] aber 
den zäun gemacht, so noch kein mensch anff erden ist gewebt?' 
Man spricht : * Wie der pfaff, also sind auch seine underthanen/ 39 

2* 



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20 



Georg Wickram» 



14. 

Von zweyen lantzknechteD, die mit einander in krieg 

zoben. 

Zwen güt gesellen zolien mit einander in krieg; und als 

5 es sich dann oflPt begibt, wenn man gemustert unnd die knecht 
geschworen haben, daß man die fenlin verschicket, eins hieher, 
das ander dort außhin, also kamen dise zwen gesellen auch 
von einander, daß sy lang nit zAsamenkamen , bi6 daß ein 
scillacht geschach unnd die hänfen geurlaubt wurden. 

10 Als sy aber im heimziehen waren, kamen sy aufF der 
stralä nnfjeforlifh wi<l(»r züsanien unnd reißten also ein tag oder 
zwen mit einatxder. In dem sich vil reden zwischen inn be- 
gaben, wie es eim jeden gan^^on war. Es was aber der ein 
seer reick worden, vil gelts und kleinot überkommen, der ander 

15 hat gar nichts. Deßhalb der reich sein spottet und sprach: 
*Wie hast du im doch gethon, daß du so gar nichts hast (Iber- 
konmien?* Der arm antwortet und sprach: 'Ich hab mich 
meiner besöidung bcholit'en, nit gespilt. noch den armen bauren 
das iren genommen; sy haben mich zu übel gedurt.' Diser 

»sprach: ^So h6r ich wol, du bist der krieger einer, denen 
Joannes in der wfiste prediget, sy solten sich an irem sold 
benügen lassen.* Der arm antwortet: 'Ja, ich meint, es were 
nit ttbel gethan.' Der ander sprach: 'Ach nein, mein Hoher 
])rüder, dieselbig zeit i.st iiümmen, es gadt yetz änderst zü. 

25 Wenn [B6''] du wilt barmhertzig sein und nit drauff greiffen, 
überkompst dein lebtag nichts ; du mAßt im thün, wie ich im 
gethan hab. Ich hab mich nit gsaumpt mis kistenfögen und 
andren rencken; du niiUH es nemnien, wo dös findest, und dir 
niemants lassen zft lieb sein.' Der arm gedacht der red nach. 

£s begab sich, daü sy zü nacht in ein kammer schlaffen 
gewisen wurden, und der arm hat acht, wo der reich sein seckel 
und kleinot hinlegt, stQnd in aller stille umb mittnacht auf 
und erwdtscht auß des reichen t&schen ein guldin kettlein imnd 
etwan tVir zehen gülden indut'/, macht .sieh mit dem darvon 

85 vor tag. Do es aber tag ward , erwachet .sein gesell unnd 
fand seinen brUder nit, gedacht gleich, es wirt nit recht zü- 
gan, unnd ergreifft seine bulgen, l> so manglet er der ketten 



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RollwagcobfiGhleiiii eap. 14—15* 



21 



oimd des gelts. Daruiiib er seini t?esellen auff dem fftß nach- 
eylct lind ergreiff in zä Nörenberg, Üesse in da geteucklich 
aimemmeu. 

Und als ein ersamer radt den gefangnen zfi red stalt, 
waramb er dem die ketten sampt dem gelt entragen hatte, $ 
gäbe er antwort: *Er hats mich geheiesen.* Der ander Ter- 

neineto, er hetts in nit geheisuen; diser bestAnd, er beita in 
geheibÄien. Is nii dio lierren begereten ein rechten boricht vom 
amien, wie eis in geheis8eii liett. Do erzeilet der arm , wie 
er im hette ein leer geben, er solte thön , wie er im gethon lO 
hette, er solt kein barmhertzigkeit mit niemant han, aunder 
«olta nemmen, wo era fUnde ; er hett im auch »lao gethan, ao 
kette era nienen baß kSnnen bekommen und beider dann bey 
Beim gesellen, der bey im in der kammer gelegen were. Al- 
fB7']^^o erkannten die lierrcn , er solt im die kettin wider- lä 
geben iinnd er das gelt behalten, damit er wider heim m5cht 
zerong haben, und diser solt keinen also mer leeren reich 
werden. 

15. 

Von einem lantzkuecht , der nur drey wort begertgo 
mit seinem hauptmatm zü reden. 

Ein armer einfacher lantzknecht leidet gprossen hunger; 
wiewol proviant gnäg im leger war, so hat er doch kein gelt, 
da6 ers kauffet Derhalben treib in die not dahin, dafi er für 
den hanptraann begert in hoffnnng, er solt im etwas fUrsetzen. 

Es liat aber der liaupimann etlich p^ol.j Hansen ze gast ge- 
laden, deisbalben die trabanten di^eu armen knecht uil für in 
lassen wolten. 

Als er aber nun on underlaü batt, man solt in doch für 
den hauptmann lassen, er hette nit mer dann drey wort mitw 
im zfl reden, was da auch ein nasser TOgel nnder den tra- 
banten ; den wundert, was er doch mit drey Worten könte auß- 
richteii, und j<a«ift es dem haH])tmann bey der Ien^^ wie sieh 
die red hat zugetragen. Der hauptmauu mit sampt seinen 
gesten, die auch wol bezecht waren, sprachen: *Lafi in hereyn! m 



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22 



Georg Wickraiu, 



Und redt er uier dann dre^ wuri, so wollen wir in in die 
eysen »chlaben iai»iten/ 

Also ward er Itlr den haupttuann in den sal gelaiMen. 
Der in fragt: ^Was begerst du, das du mit drey Worten wilt 

o auürifUten y' Antwort der lantÄkiitrht : *Gelt oder urlaub.' Do 
ladi« ! 'Irl hituptinaim und ullo seine «^est . und s>etzt im der 
haupLmaiin ein niunai buld iiir biU zur bezaiuiig. 

16. 

[B7^] Von einem Schneider, dem sein frauw fladen 

10 für laden kautil. 

Ein alter karger .sihneider liat ein schone junt,'t' tVaw, 
deren er zQ kein(>r zeit ein schleck vergundt. Und auü' ein 
zeit gab er ir gelt, ay solt faden kaufen; es war eben nach 
ueteren, daß man die güten wannen eyerfladen feil hat Unnd 

10 ab das ]4Öt jung weib für die güten ueQwgebachnen fladen 
liingieng und sie iren also wol in die na.sen ruclien, kam sy 
ein Soll her grosser glust nu. alx» dats sy ir nit kundt abbre- 
chen, uund kautt't umb das gelt tiadon und trug sy zü hauü. 
Der mann ward zornig und sagt: 'ich hub dich geheissen fa- 

2S0 den kauffen.' Und fldcbt ir Obel Die g6t fraw sprach : ^Acli 
mein lieber haußwirt, nit zQme so seer! Es laut fast gleich 
faden und fladen ; ich habs fürwar Qberhori' Der mann schweig 
atill und lieia es also hiuguu unnd kautVt iin selbs faden. 

Es strtnd also an biß umb den herpbt, dati der luaua 

s> aber zö schaffen hat und gab seiner frawen gelt, ay solt im 
zwirn kauffen. Die frauw kam auff den marckt; da waren 
die schönsten biren feil, daß sy nit mocht fürgon und kaufft 
umb das gelt biren. Und als sy die heimbracht, ward der 
mann aber zornig unnd sprach: 'Ich hab dich nit geheissen 

i*j biren, bunder zwirn kaufitn.' Die frauw sprach : 'Lieber Jiaula- 
wirt, ich hab fürwar verstanden biren.' Der mann gedacht in 
im selbs: 'Zwirn birn, zwirn bim, es laut schier gleich', und 
ließ es aber also hingon. 

Es stAnd an biß umb sant Martmstag, do schickt er das 

«weib aber auß [B8"J natz kauffen. Die frauw gedacht: *Du 



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RoUwugenbllchlein» cap. 16—17. 



23 



hast dein manti zwey mal genant; was sicli zweyet, dasdritiet 

sich geni', und k.iuil't ein ganü. Und do die zu Ii luü 
brarbf. verwundert sich der mann und s}»nn li : 'Fraw, hab ich 
dich nit geheisjsen nätz kauÜen?' Die t'raw sprach: ^Ich habs 
ftlrwar überhört. Laut ea nit fast gleich *(*' Der mann sprach : 3 
*Nein, liebe haußfraw; ich md£ dir die oren aulthAn, auffdafi 
du nicht gar daub werdest.' Und erwttscht ein güt schwär 
elleunieia, schhig es iren umb den kopff und sprach zft eim 
vi d^Mi stn ic li ein wort : 'Kadrn, tladen, zwirn, bini, natz^ ganß* 
etc. unud treib da« so lang, biü daß die fraw luordio schruw 10 
und sagt: ^0 h6r auf. lieber mann ! Die oren sind mir numner 
wol dann worden; ich wil nttmmen milihdren.' Also, was er 
ir darnach befalch zA kauffen, rieht sy fleissig au6 und ward 
nfimmen irr in den nammen. 

17. 15 

Einer leidt mit seiner frauwen lieb und leidt. 

Ein Schneider, fast ein zenckischer mensch, welchem die 
trauw, wiewol sie fhimm unnd treüw was, so kundt sy im 
doch ninuner recht thun: er war all weg mit ir zu iiuiVidon, 
schlüg unnd rauö't sy stetz. DeJjhalb die oberkcit darinn 2ü 
sehen m&£t und legt in ein Zeitlang in gefencknufs. Unnd 
als man meint, er hette nun wol gebüßt, er aolt witzig wer- 
den und mit seinem weih furthin freOntlich laben, ließ man 
in wider herauß; er aber mftfit ein eydt schweren, das weib 
niiunuT zu scliiahen. sunder bult t'iLUii^ltlich mit ir k'l>L'ii, <tucli ^ 
lieb und leid mit [B 8'' | leiden , wie sich under eeleüten ge- 
bürt Der Schneider ächwör. 

Als er nun ein zeit lang fridlich mit ir lebt, kam im 
iteine alte weiß wider an, daß er mit ir zanckt; er dorfft sy 
aber nit schlagen, dammb wolt er sy bey dem har erw&tschen. so 
Das weib aber war im zd geschwind und entsprang : do er- 
wutscht er die schar und wai'ils ir nach, jagt sy im hol" 
umb, und was er erwütscht. warft' er ir nach. Wenn er sy 
trafl\ 80 lachet er, unnd weun er iren feit, Hucht er. Das 
treib er so laug, biß ir die nachpauren zA hiitf kamen. 

Der Schneider ward wider für die herren beschickt, die 



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24 



Georg WicknuD* 



hielien im für, ob er nii wufifc, was er geschworen heit Ant- 
wort der Schneider: ^Lieben herren, ich hab mein eyd gehal- 
ten; hab sy nit geschlagen, sunder, wie ir mir befoUien haben. 
8ol lieb und leid mit ir leiden , das hab ich gethan.' Die 

5herren sagten: ^Wie kan das sein? Sy f&rt doch ein grosse 
klag/ Er antwortet unnd sprach: *Ich hab sy nur ein wenig 
bey dem haar w611en ziehen, also ist sy mir entwichen; do 
bin ich ir nachgeilt, nach ir mit benglen und, was ich erwiltscht 
bab, geworffen. Wenn ich sy hab ti utfen. ist es mir lieb ge- 

w weseu und ir leid ; wenn ich hab gefeit, ist es ir lieb gewesen 
mid mir leid. Also hab ich ir lieb und leid mit ir gelitten^ 
wie ir mir befolhen haben/ Solch findt man eiwan fautasten, 
mit denen man ein gantz jar z& scha£Een hett, so man inen 
losete. Die herren geboten im, er seit sy nit mer schlagen, 

15 auch kein lieb noch leid in solcher gestalt mer mit ir leiden, 
sunder lägen, daß das weib kein klag mer Uber in tört, es 
wurde im nttmmen mit einem schertz aufschlitzen. 



18. 

[Cl*] Von einem armen edelmann, der gelt entle- 
so net hett. 

Ein armer edelmann hat von einer gmeind in einem dorff 

etlich gelt entlehnet, und «ich verbrieft, auch aller schirm und 
tVeyheit verzigen; wo er die zinß nit zil ircn zilen erlebet, 
solt man macht haben, auit in zü leisten oder in gefencklich 

25 anzünemmen. Nun ließ er etlich zinii zfisamenkommen, und 
was im die bauren emboten, so gab er nichts darumb, also 
daß sy zdletst auff in leisten Hessen. Aber im lag nichts dar- 
an; dann wenn sy schon lan;^' lei.steten, m nuten sy den kosten 
seibs zulen. Sy konten im nit vil nommen. dann er hat nichts, 

90 also dals sy entlieh zu Kotweil erlaugten, wo sy in ergreiffen 
möchten und er sy uit von stund an augenblicklich zalte , da6 
sy in in gefeugknuß legen möchten. Also fertigten sy ein 
hotten ab, der in sflchen solt, so lang biß er in funde, unnd 
kein leni?er zil solt geben, sunder von stund au gelt oder in 

85 gefengkuuia legen. 



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Rollwa^enbCIchlein, cap. 17—19. 



25 



Der bott ergreiffi den edelmaim in emem dorff under eim 

scherer sitasende, unnd ließ im den bart scheren. Und der 
bütt mit uiifjestiime fftr in an, wolt das *xe\t von im haben. 
Der edeimaun öpracli : *Thä ^emacli, icli will dicli zaleu.' Der 
boU antwortet: Ich hab den bei'eich, euch nit von band zü s 
lassen t sunder von stund an das gelt von euch ssfl empfahen.' 
Der edelmann sprach: ^Magst du warten, bifi ich den hart 
ToHen abschir?' Der bott antwortet: ^Das wil ich thün.' Do 
sagt der edelmann zum scherer: 'H5r auf scheren I' und [CT | 
ließ also den halben hart stan. Do sprach der bott: ^Juncker, lo 
wolt ir nit voiis abscheren?' Der edelmann sagt: 'Nein! Du 
hast mir zAgesagt z& warten, biß ich volls geschoren bab; 
dammb wart, so lang du wilt, wirst nit erwarten, dafi ich den 
hart gar abschur; ich m&fite dich sunst zalen/ Do sähe der 
bott, dai er betrogen war, liefF eylent« zft dem Schultheiß und is 
wolt den edelmann lassen gefengkÜch annemmen ; in dem halft' 
im der weherer darvon. 

Also wai't der bott noch, biß er den bart gar abtichirt, 
und wirt den bauren nichts. Dantmb ist es nit güt, wenn die 
banren den edeileüten leyhen; es ist das widerspU, die edel-ao 
leQt sollen den bauren leyhen. 

19. 

Von einem landfarer, der hundsthonier fOr katze- 
thonier den kürßneren verkauffet. 

Vor Zeiten, als man noch in aller weit patemoster trd^e 35 

luid die katzethonier in hochem wert gehalun wurden. (I lU 
etlich kramei uinid landfarer im land unil)liei/u«ien uniui mit 
den katzethonier haussierten (das ist von hauß zu haiiß läg- 
ten, wo sy mochten gelt bekommen), also war auch ein güt 
gesell, (ich acht, dafi er auch zü Ryblingen gewesen war, wie su 
man dann auch wol schamper knaben under den landfarem 
findt) der kam gen Harlem in Holand. Als er schier die 
gantz statt außgeliausiert bette und aber wenig gelt geloßt, 
bort er an den gassen uugeferd im tur<^an in einem hauß ein 
groß geschrey und jubilieren, ge- |.C2*J dacht: 'Uie hinein 3o 
möfit; es wirt etwas geben.' 



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26 



Georg Wickram, 



Er tritt herein und fragt einen auftrager, was das fttr 
leüt weren. Welcher antwortet : •Das ist der kttrßner trinck- 

Imufj, uiul sind ulUiie vrrsiiiiilt't weil» und iiiaiin . die i^aiitze 
zuiitlt, wie dann ir brauch itst, dali sy zum jar einmal oder 
^ drcyssijjf bey einander gütor dingen sind und hie züsanienkoni- 
men.' das der krämer hört, gedacht er, wurde nit yil 
tfchaifen und were gern mit filg wider hinaufigewest, wüßt 
aber nit wie. Also nam er sich an, er were ein hofierer; 
dann er aucli nieister}^e.san«^ kuudt, das «eer beyn kinüneren 

10 im brauch ist. Wie er nun ein lied (uba- /wcy s^e.sungen hett, 
zuheu in zum tisch, da Li er bey iiien seü und mittzechfce, 
Do er nun audi oin trunck überkam, Iielt auch gern gelt ge** 
Idßt, forcht doch, wo er vil von katsethoniem sagt, sy wur- 
den in die stegen ahwerifen, und fiel im ein, er w61t die stein 

lo hundteethonier heissen. Zoch sein kram herf^r iinnd zeiget 
ineu schone patmutster von katzetlionier und spracli : ^Lieben 
berren, wer kaulit hLiiuue hundtzetbonier ?' Unnd gehuien iiien 
jso wol, daä er etwan vil verkaufte : und macht sich mit dem 
gelt darvon, daucket gott, daß die kUriner nit fast fragten, 

a>was hundtzethonier weren und er ungeschlagen darvon kam. 

20. 

VoQ einem müuchy der einer tochter ein dorn aui.\ 

dem faß zog. 

Ein barfüssermttnch gienge «aS der termeney, umb kaß 
25 unnd eyer zü samlen; der hat in [02**'] einem dorff sunder- 

lichs vertrauwen bev einer alten reichen beürin: .sv «rab un 
allweg mer dann einem andern uiünch. Anff ein zeit kam er 
aber, kiiß zü battlen ; und als sy im ein kaia un<l die ut^ter- 
eyer «^eben hett, t'ra«rt er : ^Müter, wo ist euwer tochter Gredt, 

^adaü ich sy nit siheV Die müter antwortet: ^Ach, sy ligt da- 
oben dm bett unnd ist gar schwach ; sie hat inn ein tom ge- 
tretten, darvon ir der fftß seer j^ruß ir.schwollen ist. Der niönch 
spracli: 'hh inuLi .sy gun besehen, ol» ieli ir lielllen künte.' 
Die muter sa«,H: Ma, lieber heri" Tliiimau, su will ich euch 

Sodieweii ein suppen machen.* 



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BoUwag«:nbüchlfiu, cap. 19-21. 



27 



Der mOnch kam zA df»r f-ocliUu- uuil btgiiil ir dtii fAß 
mit dem dorn, darvoii sich die Uiclitcr ein wenig übel gelnibe; 
aber die luäter lut^int , der inüncli urbevt sich also an dem 
dum unnd schreye der docbter zü : *Leid dich, mein liebs kind ! 
So mt dir gebolffen.' Alß aber der mancb fertig war, ssobe 5 
er die stiegen wider berab, nam sein sack unnd macht sich 
lüin Jiauü iiulj. Die müter sprach : ^Essend vor diu snpp I* 
Der müucli .sprach: 'Nein, es ist heüt mein l'asttag.* Duiui er 
dacht wol, es war nit lang mist da zu machen. 

Und al& die müter zü der tocbter kam , befand sie, daü to 
er anders mit ir gebandlet hett, dann den dorn betraff, und 
nam ein göten bengel unnd wartet, wann der nittnch auff der 
andern Meyten deß dorft's wider lieraMtVkt'iu. Und aib sy in 
öahe kummeu, naui äie den bengel, hub in an iren rucken 
iMind in die ander band ein und räff't dem müuch: 'Herrlu 
Thiliman, kumbt h&r, nembt noch ein kk&V Aber der mttuch 
marckt den [C8*] bossen und sprach: ^Nein, müter, es war 
zu vil. Es ist nit der branch , man gibt nicht zweymal vor 
einer thür.' Also treüwt t im die Ix iirin mit dem bengel unnd 
•sprach : ^Müach , das lolä dir güt sein , das du nit für mein 2u 
ibttr bist kommen! Ich woit dir sunst deß doms han geben.' 

Also droit sich der münch danron und kam nit mer in 
das dorff, kai zü samlen; dann er gedacht wol, die müter 
ward es im nit vergessen. 

21. • 2& 

Von eim außgelauffnen müDch, der mit der gscfarifft 

überwuüileu ward. 

Kill Huügel autln er müiu Ii J.a;ii<' aiitt" die lül>liclj kunst der 
truckertty, versprach bich, vier jur zu lernen; und alß er ein 
kurtze zeyt darbey war, zohe er das gasthütlin bald ab, also so 
da6 schier alles geschwetz sein war; wa£ man sagt, so wolt 
ers baß wissen dann die andern gesellen, unnd sunderlich axJk 
der bibel und testament ; und alle menschen ertaubt er mit 
seim disputieren. Wie aber der brauch auli" iruckerey i.^t. Jas 
man ein andern wol kan vexieren , also waU auch ein setzer, ai 



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28 



GiK>i'g Wickram, 



der ^in grosser vexator und im seer wt)l mit gut«n »cliwencken 
war; der sprach auff ein xeii zü dem mflnch: 'Du treibst all* 
weg vil geschwetz meer dann ander gesellen, und bist doch 
nicht gegrtlndet in der geschrifft Ist es dir gelegen, so wfl 

ö ich biü soiiliig. so wir nitt doril'en arbeiten, ein kurtzo dispn- 
tation mit dir halten; ducli so tVrr. daiä du uiclits i^eliaudlet 
werde dann [CS**] mit der geschriüt, also das sich ein jeder 
mit der geschriffi behelft' unnd were, unnd sollen die andern 
gesellen zAh5ren unnd richter sein.' Der mflnch war wol z&- 

lofriden, und versprachen also einandem die disputation. 

AI£ nun der sontag käme und sie zAsamen sassen, hette 
sich der niünch mit seiner bibel, testanient unnd waß er denn 
vermeint für bücher im darzü dienstlich sein, versehen; der 
Setzer M ein groser speyvogel hatt im in ein sack gethon 

13 ettwan auff fttn£f oder sechs pfundt b&chstaben , welche man 
auch aufiP trnckerey nit anders dann gschrifft heist oder nennt 
Unnd ali sie anfiengen zft disputieren und der mOnch im vü 
hoher imd -grosser fragen, als er meint, aufgab unnd der setzer 
im stetz mit lachendem mund spottliche antwort «jab, also das 

20 der münch verstund , das er in vexiert (wie dann der mUucü 
art ist, waß sie dörffen dencken, d6rffen sie auch thön), wuscht 
er auf und fiele dem setzer infi har. Aber der setzer war 
nicht faul und wuscht mit seim sack herfÜr, darinn die gschrifft 
war und schlüge sie dem mlfnch umb den kopfF unnd lenden, 

25 we ( I III tielit'n kunt, dalä der inünch mordio schrey und die 
geseiieu im zft hilft' musten kummen. 

Also möst diser münch den spott zö den streichen han, 
und erkanten die gesellen, das der setzer solt gewunnen han 
unnd der mttnch mit der gschrifft überwunden w&r. Also 

aoward der niOnch darnach ein wenig still; dann wann er ett- 
waü antieng, trauwct<'n im die gesellen auil die «jfesc hritVt, 
s))rechende : 'M(\ü man aber LC4*J die gschritt't emphndtlich 
mit dir brauchen 'j:*' 

22. 

a» Vüii eiueui baureu, der vvacheudt schlieff. 

Zwen bauren waren gute nachbauren und die heUser zö- 



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Rollwaffeiibilchlftiii, cap. 21—23. 



29 



nedut an eimmder; und anff ein morgen, doch nicht gar zft 
frft, kam der ein för deß andern fenster tmnd klopffet mit 

einem fin^<'r durun. Aber der iukUt lug not Ii luiuler dem ofen 
in der liell und mocht vor laulkeit iiit aufston; und wie diser, 
also am fenster klopfft, achrey er mit lauter stimm herfUr und 6 
sprach: 'Wer da?' Der vor dem fenster sprach: Ich bins. 
Nachbanr CAnrat, waß thflnd ir?' Der imm bett gab im wider 
sutwort : 'Ich lig hie nnd schlaff. Waß wer euch lieh, nach- 
btnr?* Der vor dem fenster sprach: 'Wann ir nit schlieffen, 
wolt ich eOch unib euwern wap^en betten; ich will aber schier, lo 
wann ir erwachen, widerkunimen.' 

Solche einfaltige banren findfc man nit vil al& diser, der 
meint, dammb er noch im bett lege, schlieff er auch. 

23. 

Ton einem abeu teurer zu Venedig, der sich stalt, als lü 
were er todt, damit er sein baußzins zalt. • 

Zu Venedig ist der brauch, wie tWt an andern orten oder 
in vil Stetten auch, also das gewonlich haufizins fdr alle ander 
flchold mflssen zalt werden, unnd hand yast die centelomen 
oder edellat [04"] die hettser zA verleihen; dann man wol ein 20 

edelmann ftndt, der so vil heUser hat und f^rosse zinf't diirauß 
aufhept, d'AÜ er darvou nuij^^ lierrlicli liuiiühalten. Eh war 
aber ein abenteUrer, ein verdorbner w iirt, wolcher züvor man- 
chen seltzamen schwanck gerissen hette, der war inn das viert 
jar in einem hauß gesessen unnd hette noch nie kein zin& & 
darren zalt, sunder den haußherm oder patronen allweg mit 
gflten Worten und betten aufgehalten , biß so lang das er im 
zuletst für gericht bieten iiniid lieli vil kosten daraufi' triben, 
im aiiff die presun oder gefenckmiLi treuwet. 

Domit diser verdorben wUrt wol gedacht, es wurde kein 
g6t end nemmen; deßhalben macht er ein solchen anschlag 
mit seinem weib, weß sie sich halten solt, wann der haufiherr 
wolt bezalt sein. Ünnd auff ein tag, alß er wol wißt, das er 
klimmen wurde, wartet er und sein fraw mit grossem fleiß 
daruff , umid alß sie den centelomen mitsampt den .schergen 



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30 



Qporfif Widcram, 



sahen kummen, nachdem die ziralich Inno was. daß sie 
in wol sehen kuitten, und schon das liaul"; mit Schergen nmh 
ilie tliiir, ol) er wolt cntlaulltii. hewurt. war, hatt er mit sei- 
nem weib <lisen ansclilag gemacht, also das er sicli in der 
kammer auti' die erden an den rucken niderlegt, und deckt 
sein weib ein schwarte tüch mit einem weissen kretttst anff in, 
und Kwojr liecliter also brflnnen zü im, eins zfi haupten und 
das ander zfm fnsson, aller gestali alß ob er gestorben und 
ein leich wiire. 

AVie nun der edehuaun tür die thiir k;iJii und klopttY, und 
sidi die scherijen verborgen lietten [C5"| mit ht H hih. sobald 
die thUr aufgienge, solten sie hernachtrncken und in gefenck- 
lieh annemmen nnd in die presnn füren, alß im aber die fraw 
aufthet, war der edelmann also erzdnit unnd h(»i?irig auif den 
wiht, das er mit der Iruuwt ii nit vil worl nun ht. sunder oy- 
lends die stie^^en hiejiauf'tranif und die s( ht r^vn im gesch\viH(i 
nach. Also Holl' inn die i'rauw oucli höhend nach, nnd mit 
grossem schreien, klagen und weinen stie& stieti sie die kani- 
merthar auf, da der wttrt inn lag aulF der erd, und sohrey 
mit lauter stimm: magnifica mnns<^r. misericordia!* tind 
saj^t dem rentf»lomen, er war an der pestia oder pestilentz ^e- 
storl)(^u. ]h) (las der edrlniun i'ilioit idniin sie die pestilentz 
seer Ühel iorchten), ersduack er sampt seinen scliergen so 
ül)eK das er seiner vor anjxst zurück war die stiegen abge- 
fallen, ejlet auß dem hauiä. Unnd alß er heimkam, name er 
sein register oder schnldbAch, so tlber die haußzin& sagt, nnd 
vor schrecken und zom so thet ers nicht, wie sunst der brauch 
ist . mit einer feder durch , sun«ler weil er an der pestilontz 
war Lii'storlu n. war er s<Miiem nannii* ii also feind. dal.*i er das 
gantz hlatl, darinii alle rechnnuif. die disen würt bctraü', aut* 
dem Schuldbüch reiß und v(>rhrennt. 

Aber der wQrt und sein frauw saumpten sich nit lang, 
sunder hetten ein andere kammer bestanden nnd lerten im sein 
hauß, also das diser centelom nit wißt, wo die frauw hin was 
knniui'ii; dann er versalie sich nüt anders, dann der manu 
w;'ire hejjfrahen. Also Idihe es off w au lanir anstun, das sieh 
diser wiirdt nicht wol dcu'ft't lassen sahen ; und doch zületst 
thet er sich wi*[05''|der herfUr. Und autt' einmal begegnet 



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Ro)lwagi>nbQch1<nn, cap. 2S^24. 



31 



<r dem edelman auf sanct Marx plaiz. So er aber den er- 
nclit, ihöt er geschwind das recht aug hari zft nnd <fadt also 
fort st ill wäg. Der ctlelman stund still und saho im nach nnd 
«pradi widor sich Ht4bs: *A la i'v de diu, (das ist zü teutsch : 
lj<»y der warheit gottes) wann dieser beide äugen hett« , so » 
whw&re ich ein eydt, mein verlorner Schuldner wäre wider 
?om tod aufgestanden.' Alü er im aber zflm offtemmal be* 
f(ff^et ward, orowan der edelman zflletst ein ar(?\von und wun- 
dert sich ye lenger ye nier, das ein man <h'm andern so gleich 
soit sehen. 10 

Und anff ein zeit gieng der würt aber für in, nnd siiessen 
ne beide so koriz aufi' einandem, das der wiirt hatt vergessen, 
das ein ^ug züssethün. Dabey in der edelman ward erkennen 
ond fiele im in »ein kapp und sprach: 'Hey do schaick, gastu 
noch da, und i( h meint, du wärest ofestorlx ii I' nnd schleif!^ 15 
in mit im heim unnd zeucht sein schuldbüch harfür, wil lügen, 
wievil zin£i er im scluildig ist. 8o kan er nicht.«« daiiim ünden 
unnd besann sich erst, das ers herauf bette gezert. Also 
fragt er den würt, wie er im gethon hette; und alß ers im 
enwlt hett-e, nift«t er vor zom lachen «nnd schnnckt im die so 
schuld gleich wütAviiliLC. i):inn f r dat iit dtu h wol, er uirdt 
nit vil kinden nennnen , wo nichts Wiir, wiewol docli diser 
wärt hernach wider reich ist worden unnd noch in kurtzen 
jaren glaubhafftig gelebt hatt. 



24, SKi 
(C6*] Von eini, der dem andern lialff sein anuüt essen. 

Ein guter junger gesell zocli in «len krieg. verhotFt anch 
einsmals reych zA werden; nnd wie aher der krieg nit lang 
wäret, snnder, wie man sagt, ein loch gewan und die knecht 
genrlanbt wurden (alfi dann offt geschieht , das iren vil on m 
gelt wider heinigrschickt werden), also gesehach disem gflten 
bröder auch. Und wie er also hiü In iin ofarden txlrr In ttlen 
möst, käme er für eines bauren hanß, der sai'i ehen über tis« Ii 
und a-sMp mit seim g^'^ind unnd kinden zu morgen. Also klopirt 
in der krieger an dem l'enster und begert ein zerpfonnig, auiT os 



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32 



Georg Wickram, 



das er mit eeren m6cht weiter kummen. Der baur sprach: 
'FOrwar, mein gftt gesell, ich hab nit ?il zerpfemiig hienweg 
zü Bchencken ; daß gelt ist inn meinem haufi fast theQr. Wilt 
du aber vergfit han^ so ktim herein und iß mit mir, so gdt 

ü iclis hab ! So wil ich iiiciii aniiiH, dio mir jafott bosrhert hatt, 
^ern initt dir tbeilpii.* Der kriet^er liatt socr gross» )! Imiiger 
unnd war fro, das er zu essen kam, setzt sich an den tisch 
unnd fraß die armät allein schier gar. 

Alß er aber gessen und schier ein haffen mit milch auß- 

10 getrancken hett (dann da war nit vil wein), sagt er dem bauren 
grossen danck und zoch also darvon. Und alß er anff die 
stniü kanio, gedacbt er erst den Worten nach, il;xs in tlr r l)jiur 
Ülx r sein annAt geladen hett und sy im so wol hatt geschmeckt, 
und ward in im selbs lachen unnd sprach: *Ich besorg, ich 

u wer-[06''Jde lang an diser malzeit müssen thettwen/ Also 
wann er darnach über lang gefragt warde, wie es kerne, das 
er nit einmal reich wurde, gab er allweg zfi antwort, er hette 
eim bauren sein anuAt geholffen essen, da bette er noch an 
zu teüweii ; wann die verteüwt wäre, so hoil't er, damoch reich 

21) zä werden. 

25. 

Von eineui tünuau, der iiit die recht straß gefareu war. 

Ein wflrt (es soll im Elseß geschehen sein) name eines 
andern würts dot htrr, ein hiip.^^c Iii' scliniio jungfrauw , alß er 

2ö meint. Und do er mit ir zu kircheii gangen waß und autt' 
zwen monat oder ein wenig lenger mit ir hauß gehalten, ßenge 
der g&ten jungen fraawen an daß beUchlein aufzügan und 
geschwellen ; dann der schad war lang darvor geschehen. Also 
fieng der gut man ein argwon zö gewinnen, daß die zeit so 

au kurtz was; dami w liatt sy nit lang gehapt, es mochts noch 
nit geben, daß dci- Itaiuh so gnfß snlt aiifgon. 

Und uuff ein zeit, alß er allein by ir waß, sprach er zü 
ir: 'Meitlein, meitlein, die sacli gadt nit recht zil, das dir der 
bauch also bald groß wirt. Ich merck, das du dich übersehen 

Bähast. Darumb wirstfi mir die warheit sagen, wie es zA ist 
gangen; und wenn daß nur kein pfaff oder münch oder jud 



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Rollwagenbüchloin^ cup. 24—26. 33 

\att fjethou, so wil ich dirs verzeihen und bevm nuclixten lassen 
bleiben und dich by eeren behalten. Wo du aber hiugnen 
wili und mir die recht warheit nit wilt sagen, so wil ich dich 
von [07''] mir jagen und vor aller wält zA schänden bringen/ 
Die ^öt jun^ frauw bedacht sich auch kurtz und sprach: *Ach ö 
nu iü hei tzlieber haußwirt , ich bitt dich umb gotts "svdllen, 
wt'Uest ums verzeihen. Ich wil mich alle ineinn Iebta<c d&et 
batj halten und dir by niriuer treüw die recht warheit sagen/ 
Und sprach: 'Es liatts lürwar ein fi\rnian ^cthon, der ist in 
meines vatters hauü zü herberg gelegen/ Der mann sprach: lo 
*Hej da§ dich gott sehend in ffirman hinein! Hasta also ein 
weite strafi und mflstn eben meiner frauwen, ich weiß nit wo- 
hin, faron !' TJnnd ließ es gleich also ein gute sach sein. 

Alxi er unnd sy, auch ir vatter und müter by eeren, 

unnd ward ir schand nit außgeschruwen und den leüten die lä 
mefller mit gefult. Es war schier gät, das mancher also thett; 
man findt aber ettlich narren, wann sy ire weiber genög sehen- 
den und in ir eigen nest scheissen, nemmen sy die denn wider 
inen und sitzen dann beyde ins bad. 



Von einem münch , der die Luterischen mit einem 
Pantoffel wolt geworffen han. 

In einer statt, im £t8chland gelegen^ war ein obseryantzer- 
münch im barfösercloster, wölcher all weg ein groß geschrey 
autF der kantzel treib und allen menschen kiinte, wie man 2.1 
.sai?t. ein spettliii aniioncken, und verdiol.i in seer übel, wann 
man nit zü seiner predig wolt gon; derhalben im [C7''] alle 
menschen, die nicht zü seiner predig kamen, mästen iauterische 
ketzer sein. £s waren aber zwen erliche burger in der statt, 
welche von unfalß wegen in schaden kommen waren« also das 80 
der ein auff der fechtschül war umb ein ang kummen, der 
ander von einer büchßen, die zersprnngen war und im ein 
schenckel hinweggeschiageu hatt, derhalbeu er auff einer stcl- 
tzen gon must. 

Alß nun diser mtlnch aber an die lauterischeu ketzer kam 9a 

Wicknm in. 3 



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34 



Qeorg Wickram, 



und sich seer wild stelt, begab es sieb, das dise zwen yon 

uiifrescliicht auch in die kirchen kamen, villeicht das sy sein 
selUame weiß lioreii wolten. Das iiiarckt ili<t'r niiindi. uuä 
sobald er sy sieht zü der kirchthür hineingon. lieng er beiiend 

5 ein solche matery an und sprach : 'Lieben fründ, ir sehen, wie 
es ein ding umb die lauterischen ketzer ist, das sy sich von 
der mflter, der heiligen christlichen kirchen, und dem heyligen 
stAl zü Rom band abgetheilt und gesündert* welches der recht 
leyb und corper deü heyligen christlichen glaubens ist. und 

10 wir die glidi r. So wir un.s iiuii von dist uj cürper abs:iin<ieru 
und in die lauteri;^ch ketzerey fallen, so hand wir je den cor- 
per geschendt; alti nira ein exempel, wann ein gesunder mann 
umb ein schenckel kumpt, ist nit sein gantzer leyb geschend? 
Oder so ein schöner mann ein aug Yerlürt, ist im nit sein 

15 gantz angesicht verderpt? Darnmb, lieben frtlnd, gond der 
lauterijvclitu k»*tzei( v jiins>igl Ich weiß wol, das ir ettlich 
hierinnen sindt , \\ i» \v(>l sy es hitt geston wollpn.' Unnd mit 
disiin Worten zeüclit er geschwind ein pautt»i-| C 8*]fel von sei- 
nem fuß und spricht: 'Waß gilts, ich wil ir dort ehien treffen!' 

20 Unnd holt ein warff, M ob er wolt werffen. Und alß ein 
jeder forcht, er treffe ihn, tuckten sich iren vil, unnd ward 
ein j^elechter in der kirchen. Also sprach der münch: *Ach, 
das gott erliiirmel Ich stiatf und leere e\\c\i alle tag; aber 
noch wil es nichts erschiessen, wevl idi sihe, das noch so vil 

25 lanterischer ketzer hie sind/ Also liessen sie den mUncb auff 
der kantzel toben ttnd wfiten, unnd giengen alle menschen 
auß der kirchen zü hauls. 

27. 

Von einem, der haiiug teil bat. 

80 Ein junger kauffman fürt haring auß Brabant in das 
Oberlandt. Wie er aber seiner schantz nit wol wamame, oder 
die h&ring sunst Uberf&rt wurden, oder yillicht mer acht bette 
zü schönen frauwen dann zü seinem handel, kan ich nit wissen, 

ja in summa, das er ein nierckliche summa gelt auff dieselbig 
ai reyß veriorn hett, also das er schier nit wider iieim zu hauß 



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KollwiigeabUchleiu, cap. 26—29. 



35 



dortFt kuiiinit'ii: nnnd also in (Miieiu grossen truureu und un- 
mät zoch er zu tiiä Uber feld heimwertz. Unnd autf der stra§ 
tnff er tmgeferd ein gar übel gemacht unnd ungestalt cru- 
oefix AD, stdnd also ein wenig still, den herrgott anzABchauwen, 
Mm eilend und yerlust zA betrachten; zflletst spricht er aufis 
einfalt oder auß grossem unmflt. den er hette : *Ach, du lieber 
herrijott, wann du auch Ii fi ring bettest feyl gehabt, ho kün- 
testu nicht woi iibeier sehen/ 



28. 

[Cd*'] Von einem einfaltigen baaren. lo 

£in einfaltiger baur käme in ein kirchen, und alfi er das 
bfld Christi darinn geschnitzlet fände, mit vfl blfitstropffen 
flbermalt, alfi ob er gegeiselt w&re, unnd er ein groJi mitt- 
leiden mit imserra herrgott hette, bettet er ein vatterunser und 
sprach zület«t : 'Aeli, üi-Ihm- lierrixott. laü ilirs ein witzgung 10 
seiü uund kuiub nit mcr undcr die schnöden bösen Juden!' 

29. 

£in stattvogt tianck laugen fQr branntenwein. 

In einer statt in Schwabenlandt wäre ein abenteUrer, ein 
seltzamer fatzmann; unnd wiewol es nit seines handwercksad 
war« hatt er allen morgen geprenten weyn feil neben seiner 
andern war unnd hette aber semen laden zflnechst an der 

kirchthtiren; unnd alle morgen samleten sich ein göte burß 
Ton bandtwercksffesellen iüüI meistern und allirlev volcks bv 
»cim gebreuten weyn , also daß sy so rnancherlej gcschwetz 2b 
ond neüwer meeren da ausrichteten. Und do die pi'aifen da 
soß und eyngiengen, wurden sy auch ettwann von inn ge- 
speyet; derhalben die pfaffen yerschftffen, das im durch die 
oberkeyt yerpotten warde, auff kein suntag mer hrentenwein 
feyl zü haben. 

Dil; liielt er nit lang, sundor licn'jc jill^<inach wider an, 
den laden am suntag autzüthün; derJiall) im der vogt oflTt 
oreüwet, er woit im die gleser sampt dem brentonwein L^l'J 

3* 



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36 



Georg Wickrani, 



nemmen. Do diser ob^emeltor abontetlrer vernani, rüstet er 
ein groß glaü z\\ mit laugen unntl ein wenig saffr<in oder 
wali er dann darunder thet, woila ich nit, in summa, das er 
aller gestalt eim branntenwein gleich sähe, und stalt das aufl' 

ä ein sontag auif den laden. Solchs warde dem stattvogt durch 
seiner diener einen von stund an zü wissen gethon. Also eilte 
der vogt in einem grossen zorn mit sampt seinen dienern dem 
branntenwein zü. Alü in aber der abenteiirer von verrem sähe 
kommen, thet er alle andere gleser und schülilen hinweg und 

10 ließ das glaß mit dem gemachten tranck ston. Und do der 
vogt zü im käme, für er in mit zornigen Worten an; aber der 
branntenweinmann stalt sich einfaltig, alß ob er erschrocken 
were. In dem erwüst deß vogts diener das glaß unnd meint, 
er hette ein jieut erholt; alß al)er der vogt sampt seinen 

15 knechten zü hauß kamen, brachten sy ein grosse Schüssel her- 
für und schütten den branntenwein dar<*in und savteu zucker 
darauti' und vermeinten ein güte gebrennte suppen zü essen. 
Wie aber der vogt alß der herr den ersten bissen asse, imd 
die knecht geschwind liinnach, sähe einer den andern an, und 

20 warde ein groß ausspeiens und tlüchens under inen ; wie sy 
aber recht lügten, waß inn dem glaß was. so funden sy, das 
es ein alte laugen was. Also schickt der vogt zwen diener 
hinfür, sy solten den schalck fahen; aber er hette sich hin- 
Aveggeraacht. 

25 Morgens verklagt in der vogt vor den herren; also warde 
er beschickt und im geleit geben. Do er für [IH'') die herren 
käme , sagten die herren : *Sag an, du schalck , wie darfstu 
eim solchen erlichen mann ein solch wüst tranck für brannten- 
wein geben?' Er antwortet und spra(*h: 'Gene«Hgen herren. ich 

30 habe im das tranck nit geben, sunder er hatt mir das mit 
gewalt genommen. Hette er mir ein güten brennten wein ge- 
hSyschet, ich wolt im wol ein hau geben: dann das glaß. so 
er mir genummcn hatt, ist nur also ein schawfal, das man 
secli . das ich branntenwein feil hab , auch wo es mir zer- 

35 brochen wurde, das mir nit ein grosser schad geschehe.' Also 
hiessen die herren den abenteürer hcimgon, biß das man wi- 
der nach im schickt; und hett der vogt sampt seinen knechten 
den schleck versücht. 



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Rollwagenbllchlein, cap. 29— SI. 



37 



30. 

Von zw L 3 L a bftsen nachbauren. 

Zwen nachbauren, welche aUweg mit einander zanckten, 
kamen für den bnrgenmeiater einer kleinen nrsach halb, ob 
€8 TÜeieht omb ein henn oder enien zd thön wer, und hetten o 
bf vile viel j^roHser klag, also das sie deu biugenmeister schier 
taub niiuliteii und er ireni «»;o«chwptz ninime mocht zühoren, 
gab er inen gar ein kurtzeu Bescheid. Der ein war aber in- 
sonderheit ein nidige hadermetz, wie man ir wol mer findt; 
und do er sähe, das der bni^enmeiater seim nachbauren nit lo 
dn flundere eaw gab oder geltsiraf aufflegt, ward er so hart 
ei^mpt, das er nit wiste, was er vor zom sagen solt, und 
sprach: *Herr Imr^ennitister , noch ein buü stuck weiß ich 
von [D2''] im: er ist ein widertheuffer.* Der ander sprach: 
'Gnediger herr, er leiigt in sein haiß ; er ist selb«; einer imd 15 
liat mich auch geweit darzft bringen,' und thet darzü ein 
grossen schwtlr oder vier und sprach: *Wenn es nit vor dem 
herr bnrgenmeisier were, ich wolt dir den kopff zerschlagen/ 
Der burgenmeister war fro , das er iren abkam, und sprach : 
*Gond hin. lieben fründt, ninid vertragen eüch selbs mit ein- 20 
andeni ! Dann ich sihe wol an eüwerem scliweren und neidigen 
nachburschaft, das ir beide kein widerteüffer sind ; ich glaub 
nit, das eüwer einer, so er an ein backen geschlagen wirdt, 
das er den andern auch darhielte.' 

Also kan ein herr nit baß mit solchen zenckischen leO- 8& 
ten darvoiikuiiimen, dann kurtz abgewysen und sich selbs 
laasen vertragen. 

31. 

Von zweien rosssstauscbern, die schelmen tauschten. 

Z6 Franckfurt in der meß kamen zwen rossztanscher zü- ao 
sammen in einer herberg, die einandem wol kannten und vor 
zä vilmalen mit einandem rossz getauscht und einandem ab- 

kauffk hetten. Es war aber der ein ein tag vor dem andern in 
«lie herberg kummen, und war im sein pferd gestorben und 



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38 



Georg Wickram, 



von uimiäla des scliinders uder wajseiimeijjtcrs noch nit auü- 
gefurt, lag noch inn eim besimdem nebenstull also todt. 

Wie nun der ander auch aufi' den abend spat in die her- 
berg kam und man achon zdm nachtessen zü tisch gesessen 

5 war, | l)2'] das im nit zeit warde, in die stell zA Iftgen, wie 
ir brauch ist, wafi für pferd darinen stünden, sunder warde 
von stund an zum tisch ht ri» tt züni nachtessen; und alß er 
den andern am tisch sieht sitzen imd einanderu gegrüßt het- 
ten, fragt der, der erst kommen was: 'Hand wir nichts zft 

10 tauschen?' Der ander antwort: 'Ja, ich hab wol schelmen zfl 
tauschen/ Diser sprach: Ich bin zAfriden, ich will dich wol 
geweren mit einem schelmen«' Dann er hatt ein rossz, das 
liiüicke an allen fieren und war an eim aug blind und under 
dem satte! ^ascliunden; in suiiiiiia , er meint nit. das er « in 

lä grosseren schelmen finden mocht, und sprach ; 'Ks gelt wol, 
w61cher den grSsten schelmen hatt, der halj gewonnen?' Nun 
Sassen ander gät erlich kauMeut und fürleut auch am tisch, 
die retten auch darzd, wie man dann thüt, und warde der 
thausch also beschlossen, das der mit dem gr6sten schelmen 

20 solt gewuniK 11 lum, uml solt der ande r das gloch bezalen, alli, 
wa§ di«' kaulileut und alle, so am tiscli .-as>f^^n. vorzeiten. 

Alü man nun gessen hatt und der tiscli auÜgehaben warde, 
giengen sy in den stall, zä besehen, wölcher gewonnen bette. 
Do fände der erst syn rossz in der strettwe Ilgen, und bette 

2« alle viere von im gestreckt und war under dem sattel ge- 
schunden und hett den wurm; in summa, es war ein schelm 
an allen vieren: (ia> alle, so daby uaren. t'iir ein schelmen 
genugsam ei-kaiifen. und diser meint, er heite ^ewiumen. Alter 
der ander sprach: 'Mir nit also! öondt her mit mir, ich will 

noettch ein schelmen weysen. das ein schelm [D3*j heilH.' Und 
f&rt sy in ein nebenstall; da lag sein pferdt jetz hiß an den 
vierten tag todt imnd fieng schon an zA stmcken. Do das 
die erbar leOt sahen und schmackten, wolt ir keiner hinzä, 
sunder tiengen ein groü gelecbter an. unnd erkanten. daü der 

iiö mit dem todten rossz solt gewunneu hau, mid müst der ander 
das gloch bezalen. 



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RoUwAgenbachleui» cap. 81-~8S. 



89 



32. 

Von einem, der ein eerlichs erbieten an die herrn 
thet, er wäre sunst gehenckt worden. 

Ein unnttizer nasser vogel, als man dann solche gesellen 
pflegt zü heissen oder nennen, welcher zA vielmalen nmb kleine o 
diebstal in der gefencknuß gole»?en war, doch sich alle 

mal aui^irercdt liette , das er allvvet^ diirvonkame. altor «loch 
7.ült;^t das also vil tribo. das or niniiuc crlittr'n iiiocht werden, 
Berhalben er wider gelangen warde, und rochen die sacben 
also zfisamen, das er mit keiserlichem rechten zum tod ver- lO 
urteilt ward, das man in solt hencken. 

Do im aber die herren die urtheil brachten, wie man dann 
thfit. ein tag oder drey darvor, ehe das man in abthat. damit 
er sirh koiit darein schicken, iiniid dt) er vernam. das man in 
jsült hencken, stalt er sich iiUo seltzan und greuülich, das sich 10 
die herren verwunderten. Und do er lang mit viel worten 
sich der nrtheil gewidert und angezeiget, wie sie im gar nit 
anzAnemen were, dann sie wer im zü streng, er kündts nit 
erleiden, in summa sprach er: 'Ich wirde die nrteü nit annemen, 

1 -ehe, waß ir machen, so wirde [D3''J ichs nit thüji. Al)ei-2o 
aUu wil ich im thön, damit ir, nioine herrn, sehen, das ich 
selbs nichts unbiiligs liegeren will, thünd eins und schneident 
mir beid oren ab und hawen mich mit rfiton auß, und wil 
euch noch zehen gülden darz& geben. Ist das nicht ein er- 
bers und eerlichs erbieten?' 25 

Des erlichen erbietens mästen die herren lachen, brachten 
es also wider hinder sich an ir oberherrn. Also wurden sie zö radt 
tmnd kaiiK II seim ecrliclion crbietci) nach und satjton im, wo 
er mer kerne, so muste er den gaigen umbreissen oder daran 
erwürgen. Also kam er nimmermer. ao 

33. 

VoQ eim kauffmann, der sein lebtag nie faett ieoger 

elen gesehen. 

In der zeit alß der theür Frantz Ton Sickingeu löblicher 



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40 



Georg Wickram, 



gedechtnu^ mit denen von Wurmbs krie^ fürt, derhaiben es 
ettlicher maß sorglich auff dem Rein z& faren was, entscfalos* 
sen sich ettlich kaufflettt von Anidorff und C51en, daÜ 9j ire 

göter auff der achs ein andere straß auff Franckfurt in die 

ä meü wulten lassen goii und auch soll)s mitreiten und aliwe|4 
darby bleiben, und aliä vii, alü weren sie geleitaleüt. 

Es waren aber etlich güte schlucker, die sich de& sie* 
genreifs dazümal emarten (gott sey bb, das es nimmen ge- 
schieht) : denen warend dise kaufflent Terkundschafftei; die 

10 traffen dise kaufflicrren an einem gelegenen ort nit weit von 
Franckfurt an, und wie dann ir braucli ist, fürend sy [D4*] 
die kauffleilt mit einer solchen ungestüme an, das ir ottlich dar- 
Ton entritten, ettlich fiengens und bunden sy. Und also in 
irem beiwesen heüwen sy die wägen auf, und waß inn gefiel, 

lodas namen sy. AI6 sy aber an die töcher, samat, taffett, 
attlaß und dammast kamen und zerlieiiwi ii inind die mit iren 
reyi^spiessen auümasseu und under einander theilten, grinnen 
ettlich kauffberren; aber sie spotteten iren daran. 

Zületst käme es auch an einen, der gedacht: ^WaH wilt 

sodarauß machen? Du kanst im nit thdn; laß es gleich gon, 
wie uutt will!' Und do sy sein seyden und tücli oder barcbet 
also mit den sjjicsyen außmaö.sen , stund er und lacbt. das er 
schüttlet, des sich die reilter seer verwunderten. Und alü sy 
in fragten, waß er also lacht, sprach er: 'Ich mü& lachen; 

25 dann ich hab kanffmanschafft all mein tag von kind auff ge- 
braucht unnd so manchen marckt imd meß in Tefltsch- und 
Welschlaud besücht, auch zu i'.aiü, da docli v\u lange elen 
ist, aber all mein tag hab ich kiii^cr ehi nit gesehen, dann 
ir da brauchen. Ich glaub, wann ir auf einen marckt keinen 

90 und solch güt maß geben, ir wurden eüwer war bald vertriben 
haben/ Au£ disen güten schwanckreden mAsten die reüter 
lachen, und sprach einer under inn: *Ich glaub, das du auch 
ein gftt gesell seyest.' Unnd wurden retii^, das sy im sein 
war allesampt wider schanckten , unnd machten sy sich mit 

35 dem überigen dar von; dann in sölcheu handien ist nit langer 
mist zA machen. 



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Bollwagenbflehlein, cap. 33—8$. 



41 



34. 

[DV*] Von einem piatfen, der sich erbot, sin luider- 
thonen das sacrament in dreierley gestait za geben. 

Ein armer nngelerter pt'ait' stalt nach einer göten reichen 
pfarr; dann er hört, -wie sy so vil inkommens hette, derhalb p 
87 im 80 wol gefiel; es war im nit umb das schafflinweiden 

zÄ thön. siinder er verhotft, vil j?elts daraiiff zu ttberkommen. 
l'inl :iiß er nun vil und ofFt diinunb gebetteii uiuhI tfololVen 
bette, warde er von den bauren auff ein sontag besciieiden, 
80 wolten sy mit im bandlen und aulf die pfarr anneinnien, 10 

Do nun derselbig sontag käme, erschein der pfaff vor 
dem schnltheyfi und gantzen gericht in beysein des amptmans, 
und alß nun alle ding was bestelt, was er solt zi\ Ion haben, 
alß bebausiuig, den kleinen zehenden und ettlich viertel frisch- 
ten, als rocken, weissen, gersten, habeni, wein uiind gelt. tl» ü lö 
der pfaff seer wol zütriden was, abgeredt und beMchlusiisen 
war, name in <1( r Schultheis aufi' ein ort und sftgt im in einer 
geheimne: 'Lieber herr pfarrer, nachdem ir bisher im baps- 
tnmb edch hand gehalten, solt ir wtlssen, das es in disem dorff 
ein andere gestalt hatt; dann wir sindt hie göt eigenwillisch. SO 
Dammb mößt ir uns das sacrament in zweierlcy gestalt rei- 
chen, nemlich im brot und wein.' T)er *^\\t piarrer forcht. wo 
er sich des w^idert, die bauren geben im wider Urlaub; der- 
lirill)en war er gütwillig unnd sprach zu dem schultlieiü: 'Das will 
£D 5*] ich gern thün. Damit ir solt sehen, das ichs trettwlich 95 
und gAt mit ettch meine, so will ichs eüch in dreyerley ge- 
stalt gehen, als nemblich im brot und wein und dem ka£ 
darziV Das getiel dem schultheissen fast wol und sagt, er 
wolt es au seine buren hiuder sich bringen, ob sy sich damit 
wolten lassen beniegen. 80 

Von einem fackinen, der sich stalt, alt kundt er nicht 

redeu, und darmit einer grosseu straff entgienge. 

ZA Venedig ist der brauch, nach dem das nit pferd und 



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42 



Georg Wickram, 



karren da seincl, und fast alle ding aut» eim hauß ins ander 
oder von eim platz zü dem andern getragen werden mü6. Ks 
hat aber viel und auff allen pletzen gdte arme gesellen, die 
man fackinen nent, das offt einer zwen tcutsch zentiier und 

o mer trajjen mag, imd wirdt inen offt, nianclierl^*y sflt/.ani <Hn«4 
auögeloget zft tragen. Also trug di< ser <^ril urm tackin auch 
ein hau&rad, darunder dann etwas, ick weiü nit, ob es ein 
spissz, trifÄß oder bnmnhacken was; unnd wie ir brauch, 
nachdem dann die gassen seer eng sind , das sie schreiben : 

10 ^Wnrda, wardal* Das ist autl' tentsch : Weicliont. oder schoiKMit 
ewer, odt r wie dii* Srhwaben sjucchon: Autschen ! Wie nun 
diser ^lU fackin ser s( liwer geladen, sclirey er zum offter mal 
und aneinander: ^Warda, warda,' was er schreien mocht. 

Es was aber ein hochmietiger centelam, welcher vor hoffart 

i;y meint, der fackin solt im weichen; unnd sie kamen so nach 
zusa-[D5']in<'n, das der fackin dem edelniami in einem ermel 
mit vorgemeiteui eisen behieng. Darnmb der edeimann so 
seer erzürnet, das er von stundan den fackinen ließ in die 
preson legen; und als dann die edeUeut grossen gewalt haben, 

20 vermeint er, im auff morgen ein stropacorda lassen zü geben. 
Wie er in aber morgens vor dem utliiial oder gericht 
verklaget, do war ein redener. den erbarmet der güt arm fa- 
ckin, uimd bat die herrn, man solt in dem armen gesellen 
lassen das wort thün. Do es im zügelassen ward, name er 

25 den fackinen auff ein ort und sagt zA im: 'Wann du für das 
geiicht kumbst, so stell dich aller gestillt, als k6nstu nit re- 
den, und I il."; Ix'V loih kein wort aufs dir bringen, so man dir 
schon trewet zu .sehlagen! Laü micii machen I' 

Der fackin thet, wie in der fürsprech hieß, und als er 

aofUr die herm käme, kunt man kein wort au& im bringen, 
sundern stalt sich, als ob er nit reden kundt oder ein narr 
were. Do sprach der fiirsprech: 'Lieben berm, was sol ich 
aus im machen? Er kan niclit reden nocli mich Ix iicliten. was 
ich von seinetwegen reden sol.' Do das der edeimann erhurt., 

85 sprach er mit zornigen werten: 'Hey, du schalck, kanstu 
jetzunt nit reden, und necht schrttwest in die gassen, als werestu 
unsinnig: warda, warda!* Do das die herm horten, sprachen 



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BoUwagenbllcliIeui, cap. 85 — 86, 



43 



sie: 'Hfttt er also geschrawen, wanimb s^t ir nit aofi dem 

>vc>^ gangen? und lipotteteii des zentelomen. 

36. 

[Dö'J Von einem, derein lürsprecben überlistet, und 
hatt in der fOrsprech das selbs gelert. & 

Einer ward vor dem gericht umb ein sach angesprochen, 
des er sich wol Yersach, er wurde on gelt nicht darvonkomen. 

Das klaijt er einem fHrsprechen oder redner; der sprach zft 
im: 'Ich will für zn<:i«jci"n miß der sach zft helffen unnd on 
allen kosten nnd tichadLii darvonbringen, so ferne du mir wilt iO 
vier gülden zü Ion filr mein arbeit geben/ Diser war zä- 
friden nnd versprach im, die vier gülden, so verne er im auü 
der sach hnlffe, zA geben. Also gab er im den radt, wann 
.er mit im für das gericht kerne, so solt er kein ander ant- 
wort geben , god gelj , was man in fragt oder schalt , dann 15 
das einiir w(irt *blee.' 

Do sie nun für das genuiit kamen, unnd vii aufl' disen 
geklagt ward, kiuit man kein andpr wort auß im bringen dann 
blee. Also lachten die herren und sagten zü seinem fürspre- 
chen : ^Was w61t ir Ton seinetwegen antworten?' Sprach der so 
fftrsprech : ^Ich kan nichts für in reden; dann er ist ein narr 
nnd kan mich auch nichts berichten, das ich reden sol. Es 
ist Tiirlits mit im aiizüt'alicn ; or sol billicb für ein narren ge- 
halten und ledig gelassen >verden. Also wurden die herrn zu 
rath und Hessen in ledig. 2ä 

Darnach hiesch im der fÜrsprech die vier gülden. Do 
sprach di.ser: *Blee.' Der fÜrsprech sprach: ^Du wirst mir 
das nit abblehen ; ich will mein gelt haben/ nnnd bot im für 
das gericht. Und als sie beide vor dem gericht stunden, sfiixt 
fDB*'] diser alweg: ^Blee.' Do spraelieu die herrn zum fi'ii - 
sprechen: 'Was macht ir mit dem naiTenV Wist ir nit, das 
er nit reden kan?' Also mäst der redner das wort blee für 
seine vier gülden zA Ion han, und traff untrew iren eygen 
herni. 



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44 



Georg Wickmm, 



37. 

Woher es knmpt, das man spricht: £y du armer 

teiiüel, und lierwiderumb : Das ist ebeu deß teüüels 

danck. 

5 Es war in guter oinfaltitjer maim, der käme in ein Idr- 
chen da stunde das bild Christi gemalt aaff das schoniat; 
dem ztmte er ein üechtlin oder ein wachskertzlin an und bettet 
danror. Und wie er also urabhergienge, die kirchen zfl be- 
ßchauwen. dann er zAvor nie darinnen gewesen wäre, so findt 

10 er den tciitiel uuü da.s alK iv^clit iUzlichest in einem finstern 
winckel auch gemalt , das er gleich al) im » r.schracke . und 
also unbedachter weyse sprach er: ^Ey du armer teüffel. wie 
staast du doch so armklich! Ich wil dir recht auch ein liecht 
anzOnden/ 

15 Nitt lang darnach traumbt disem güten mann, wie im 
der tefiffel in einem wald begegnet unnd sprech : 'Öfiter Mnd, 

du li:i-t mir zuuechst ein liecht angezünt: darumb ist billich, 
das i( Ii dir auch widergeltung thii und dir ein ehr beweyse. 
liarunib au kumme her mit mir, so will ich dir ein ort zeigen, 
da ein grosser schätz begraben ligt. Den soltu ausgraben 
und von meinetwegen verzeren/ Unnd färt in mit disen Wor- 
ten zu einem holen bäum unnd sprach: [D7*] ^Gang heim 
und hol bickelf schaufflen und hanwen, damit du in anßgrabst!* 
Den guten mann daucht im schlaft', wie er sprech: Ma, ich 
25 wird alx r di>t n bäum nit wider küniicii finden.' Der teüti'el 
sprach : 'Scheilä darzü, so wirstu in by demselben wider fin- 
* den.' Der mann folgt dem teilil'el unnd vermeint, er schits zö 
dem bäum. 

Unnd do er erwacht, hett er in das bett geschissen und 
»>lag im dreck; derhalb im die fraw warde ttbel flächen, dann 
sy das bett wider müßt weschen. Do sprach diser irummer 

mann: 'l)as ist eben delA teütfels danck!' und sagt seiner 
frauweu, wie es im ergangen were ; die spottet erst sein darzö. 

38. 

\ Oll einem pfafFen, der iiit vvolt leiden, das sein bau- 



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Bollwagenbflchlein, cap» 87 — 39. 



45 



ren einandera hiessen liegen, suiider so einer ettwan 
nit die warlieifc sagt , solt der ander nur mit dein 
maul wispelen oder pfeiffen, damit diser selbs merckt, 
das er darneben geredt bette. 

Bin pfarrer in eim dorif predigt auff ein zeit seinen bau ren a 
jrar beütin" wider ir nnzUchtig lolx n . das sie sich also foU 
soffen: 'Dann aus .lum zütrinckeu kuinpt dann, das ir einan- 
dern heissen liegen; deniDach so .schlagen ir einandem, und 
geradt ettwan zft eim todschlag. Das kuuipt dann M auß 
dem, das ir einandern ali freventlich heissen liegen. Danimb Vi 
will ich eüch gewamet und gebetten haben, ir weit each umb 
ettwer Beelen heil willen darvor hüten und abston. Wann aber 
alß sich etwan be^^ibt, das ettwan [D7''| einer ein imvvarheit 
sagt, so niiig der n«'f'h<jt by im ottwau mit d^m maul pfeiften, 
auff' das der ander mercke, das t r darneben gcrcdt hatt, uund 1» 
darvon abston. Das wer fein und brüderlich.* Wie er nun der 
predigen so tü macht, fiengen die banren sich an zft bessern. 

Und nit lang darnach kam dem pfarrer die materi zA 
predigen, wie gott im anfang alle ding hette geschaffen. Also 
bedacht er sich auch nit weiter (dann er villeicht die nui lit 20 
darvor auch nit vast darauff gestudiert hett) , hüb an unnd 
sagt, wie gott dor lifnr den xVdam antencklich, da noch kein 
mensch noch cruatur auff* erden were gewesen, auß einem leim- 
klotzen geschaffen hett und in an ein zäun geleint, hi& er die 
£Ta auß seim ripp gemacht hette. Also hflb der nechst baur, 25 
so bey im stünde, an und pfiff. Das mercket der ptaff unnd 
sähe in an unnd sprach: *Wie ich mein, du raeinst, ich liege.* 
DtT liaursagt: *Nein, mein herr. Ich wolt al)er gern wyssen, 
wer den zäun gemacht liette.' Der sjuacli: i)o hil.*! ich in 
umb sorgen : villeicht ist er also behend unnd schuel gewachsen.' ao 

Demnach lag dem pfaffen nichts mer daran, die bauren 
lagen oder nit, diewil hj im auch kundten pfeiffen. 

39. 

Von einem eint'eltigeu bawren, der da beicht und 

kund nit betten. »3 



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46 



Georg Wickram, 



lüiii einfoltiger baur beiclit einem pt'ali'eii : iiiul als er 
schier alle seine bose stuck erzelit hett . als nemiich wo er 
sähe ein andern zwen rote nesiel in [DS^J den hüt ziehen, so 
zohe er allweg drey darein, unnd am tantz lägt er allweg, 

5 das im die hüpschte metz aufzfiziehen ward, und so im das 
geriet, lögt er alweg, das er h6her dann ein anderer sprang, 
und solche schwere silnden bekant er im viel, sprach der pfatf 
zü im: "KaiK^jUi aucli betten?' Der ]);iiit'r sprach : 'Neyn.* Der 
pfatt' sprach: 'Dn müst es lernen." Der baur sagt: Ich kans 

10 nit lernen, ich habs oft"t versucht.' — 'Wolan,' sprach der 
pfaff, *80 gib ich dir zür bäi&, das du ein gantz jar lang altag 
wollest sprechen: 0 du lamb gottes, erbarm dich über mich! 
Und wann du das in einem jar lernest, so wü ich dich dar« 
nach mer leeren.* Der bawr sagt: *Ich wils thdn/ Also war 

lö er alisoK icrt. 

Du er nun die bftti an! ml) /u ))efteii. sprach er alweg: 
^Du lamb gottes, erbanu dich mein!' bit; nmb simct Johans- 
tag, do sprach er daniarli : 'O du schaö' gottes, erbarme dich 
mein!' Und do es weiter ins jar hineinkam biß auff den herpst, 

20 sprach er: ^0 da hammel gottes, erbarme dich mein!' 

Auff das ander jar in der fasten kam er wider zA dem 
piaÜen, seinem pfarrer, der t^a^t in, ob er auch seine büß 
bette gebett, wie er im iutt anftVesetz. Der banr sagt im, 
wie er die namen d» m jar nach vci wjindelt bette. Der pi'uti" 

21 sprach: *Warumb liastu es gethanV Der banr sagt: 'Ist es 
nit zum ersten ein lamm und darnach ein schatt' und z&letst 
ein hammel V Do lacht der pfafif und gedacht: ^Hatt dich 
bißher niemant können leeren betten, so will ichs auch nit 
understan.' Und ließ in gl rieh also betten, was er wolt. Es 

ijo stat auch woU darauff, der bawr solt frommer sein geweüt 
dann der pfarrer. 

40. 

[D8^] Wie ein lantzknecht mit seinem wolspringen 

uuib ein schönes meitlin kam und inüst die nacht 
85 neben einer süwäteigen aberuacht Ilgen. 

Es haben die truumien lantzknecht, gott verzcich mirs, 



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KoUwagenbllelileni, oap. 89 — 10. 



47 



einen bninch im land nnd sonderlich im land zii Schwaben 
\intl aiitf dvm Schwartzw ald. das sie Winterszeit aufi' der gard 
uuil)zilien , 8tuniien die armen bauren umb speiß^ brot, eyer, 
saltz und schmaltz; da niüß mancher armer man geben, es 
tej im lieb oder leid, wiewoi sie niemand zwingen, bitten sie 5 
aber offb mit solchen schimpflichen Worten, das sie inn mit willen 
geben; dann sie fürchten irer schüren und stell. Es haben 
aber gemelte lantzknecht ein gemerck, wo sie *ire herher^en 
imclus Iiahpn, malen sie nii die stubenttire l)ur;4iimlische 
criitz iiHi usieii: w(j denn fijur der selileciit tViunmen gart- 10 
brüder inn ein stuben knmpt uund üudet dis zeichen an eine 
wand oder türe ston, begert er gar nicht, sonder wendt sich 
mitt g&ten Worten wider zürOck und sagt: ^Hey, ich sihe wol, 
dafi ist ein lantzknechtherberg. Habt mir nicht zfl ungAt!' 
Knmpt aber einer auff die nacht, so hat er auch die frjheitiö 
vom babst (also wen ich), darff" er nit lang umb herberg 
bitten: der li;niü\ ;itter weißt bescheid, müß im herberg geben 
nach verniog ir privilegia. 

Nun es begab sich autf dem wald, das auch ein gfiter 
junger lantzknecht, so noch nit gar wol gstudiert hatt, im so 
grossen honger und armAt [£ 1*] sich mAfit der gart behellFen. 
Der kam in eines reichen bauren hoff, spracht in umb life* 
mng an. Der baiir saß verr von den lüten uff dem waldt 
hette nit meer dann ein eynige naclit)arin , die waL^ ein witt- 
fraw, die hat ein s( hön«- tociiter, zHt litig und frumb; die wüßt 25 
auch sampt irer müter dise knabon zti herbergen. Daß wüßt 
der baur auch an ihnen beiden, darumb sagt er zü dem gart- 
knecht: ^Lieber kriegßmann, ich habe seer y\\ kind und ge- 
sindt; dammb weiß ich dich auff dißmal nit zü halten. Hie 
liast du gelt , damit du ein maß wein magst bezalen ; daß so 
iiiiii zu gut unnd gang in dalit lianü, so du dort sihest! Da 
v\ii>tu ou zw eilVel güt herberg Ix kounnen ; du luagst dich auch 
1* in und geschickt halten, du magst ein erb und besit^er 
deß hauß und hotfs werden.' 

Der g&tt hach, so noch nit mit dem tettffel zön schälen«^ 
gang^ waß, glaubt dem pauren seiner wort, kamb zfi der 
wittfrawen und sprach sy umb herberg an. Die gAt fraw 
sagt iiu herberg zA mit dem geding, wo er sein eygen brot 



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48 



Oeorg Wickram, 



Lette. ^Ja,' sagt der lantzknecht, 'nff diese nacht hab ich 
brot für unser drey/ Also wurden sie der Sachen einß, sassen 
zü tisch. Inndem aber die tochter zum tisch kam, sähe sj 

dor «rüt ccesell ffantz tVeuncUicli an. Ach,' sa<rt er. 'wer doch 

o vm w riiischeiitk vurhaiidfii I l< li hett noch ein par mati wein 
zu bezaien.' Die niüter aber saj^t: ^Lieber hk in ^mi. hastn 
bist, wein zü beziilou, mein nachbaut anff dem UoÜ" hafct noch 
gäten wein umb gelt z& verkaufen; dann er auch bewejlen 
gest [El^] übemacht umb gelt beherbergt. Darumb wilt du 

10 so milt sein und ein maß wein kauften, so wend ich und mein 
tochter anch eine bezaien; sodann wil ich uns gftte schwe- 
bische zelten darzA l>achen.' Der j^fi'it biiitl. r Veit m* inet. iii«> 
ji^iuck were .s< lioii »(«-'lormbt : sein bfiirel innüt sich •T^ciifii ; 
darin fand er mit aller marter gelt tiir zwo kanten wein. Die 

lö jung lieif bald auü nach wein : die alte bücli zelten; in summa, 
sy sassen zAsammen, waren leychtsinnig. 

A]& nun die alt meint die zeit wer vorhanden, sagt sy: 
'Lieber mein son. ich wil dir nicht ber<j:en, ich und mein toch- 
ter .sind allein in di>< in hauß. halien nit meer dann zwey bett. 

20 Nun kan ich dich alli » incii iiiiltt ii aulii^eber nit allein ligen 
hissen; darumb wend wir drey mitt einander sprini^en. Welche 
zwey dann am weitesten dali ziel erreichen . die sollen diese 
nacht bey einnander schlaften.' Der güt kärle wai der Sachen 
wol content; dann er meinet, wie dann auch geschach, die 

^jung wurd baß dann die alt springen mögen. Sy wurden der 
sach züfriden. Die alt legt daß ziel weit für daß hauß hin- 
aus; sy thet auch den ersten spruiiic und sprang gar ein wenig 
hinani^. Demnach sprang «iit tochit r nnd thet gar ein dapttern 
spniiig; deü fröwet sich der laiit/kuecht auch; er iiieiuet, der 

«utorlih i- daptier zuzuspringen, damit zwey züsamenkamen. 
Also der lantzknecht mit grossen trouden aller seiner armftt 
vergessen, sprang gar weit Uber daß ziel hinauß. In dem 
Schlüssen die roöter unnd tochter die türen vor im zü , boten 
im sein halbspießlin zft einem schlitz[E 2' |fenster hinauß, 

ansagten: 'Mo. ho. du bist gar /ii weit über <laf."! ziel gesprungen.' 
Der gut ariu tropll hat sein galt, müy, arbeit unnd kosten 
umbsunst gehabt; wolt er die nacht nit im regen ligen, mäßt 
er sich under einer sewstigen oder sewstall behelifen. 



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RoUwagenb&chleifi* cap. 40— 4L 



49 



Deß morgens kamb er wider zA dem bauren, so im die 

herberg gewisen hat; der fra<it in, wie im gelungen were. Er 
sai^t im aiit'aiig, niitt« ! und ende. Also hat er in einmal zö 
gast, weiü in darnacli weiter, warnet in aiuh vor solchen 
starcken Sprüngen, damit er nit Uber dalä ziel sprang. 3 

41. 

Von einem fArmann, welcher einem pfarherr nit han- 
delt Oötgoteii iuren wolt. 

Göt, einfeltig, framb leat findt man noch in aller wt lt. 
aljt'i uioiiiL's hedunckens wenig iindor den fürleuten, wie diser lO 
furniann auch gewesen ist. Es fiigt sich, daß p'm fiirman über 
land rollet mit einem leren wagen; der kam iür ein kloster, 
welches entzig im feld lag, darinn hat er ettlich bheff zä 
Hfferen. A1& er nun die brieff überantwortet, befahl der abt 
im kloster, man solt in beiasen anßspannen, die pferd in stall lo 
füren nnd f&ieren, tinderdeß m6cht er auch essen. Diß nam 
der (trüt roller mit ^^nussiiii daiick an. versach stin gcül und 
salA demnach zu den conventljnidi') ii nid«'r, hat einen guten 
mut, zecht im .>ein haut voll; dann er gedacht woi, die ürteu 
wer schon hezalt, wie dann in den klösteren gewonheit ist. SO 

Nun wa6 ein alter brauch in dem kloster, [£2*"] dafi Bj 
im gantzen land uff sechs oder acht meil alle pfarren mit 
ostgoten versahen. ZA der zeit waß eben auch ein pfarherr 
vcui einem dorff, so auff drey oder vier meilen darvon lag, im 
tronieltf'ii kloster. der dazilnial auch ostgott kauft hat: der 25 
hört, das der t'örnian durcli sein dortl' rollen wurd. I)aruuib 
er sich dann ettwas zÄ im gesellet unnd tragt, ob er nit ein 
drinckgelt nem unnd in mitt im rollen lieti. 'Ja,' sagt der 
roller, *gem, liebs herrlin. Was habt ir raeer zA füren?' — 
'Nichts snnders,' sagt der pfarrherr, *dann zweyhondert herr- w 
p^oit' — *So kan ich eüch nit fören; wann ir aber sunst ein 
fctü uder jiack Lettend, solt mir gar nichts daran gelegen sein.' 
- •Warumb?' sagt der pfaÜ"; *\vas inen dich die herrgott 
auf «l<Jm wagen?' — 'Lieber herr,' sagt der roller, 'wann es 
einer oder zehen weren, wolt ich ein überenizigs thön. W080 

WB«ktMB III. 4 



50 



Gr«org Wickram» 



wolt icli aln r zweihundert auft' meinen waj?en setzen?' — *Nein, 
lieber roUer,', sagt der pfaff, 'daverstast mich nit recht. Sy sind 
nit groft; dann ich trag sy allsampt bey mir in meinem ermell 
inn einer kleinen bfichsen.' — 'Ja/ sagt der f Armann, 'smd 

5 es solche geschmidige herrt^ott. so will ich eüch geni fieren.* 
AI» sy mm gessen hatten, iiiren sy miÜeiniimU'rii darvoii. 

Nun hutt der türniunu seer vil getruncken; underwegen 
md^t er über einen bilhell faren; weitä nit. wie er die schantz 
tlbersahe, er warff den wagen umb. Der pfaff ward zornig 

10 aber in und sagt: *Wie kanst du mit einem leeren wagen 
umbwerffen? Wie woltest du erat gethon haben, wann der 
wagen geladen gewesen weer?* — 'Hey,' sagt der [E3*] rollen 
'dunckt er eücli duim nitt gel;uU'n sein, «Iii einer einen soU lien 
la^t herrgott ffirt und ein schweren, giusscu, ieiiäien jitatVeii 

lädarzü? üoud und besehend eUch umb andere für! Ii* kumpt 
mir nit mer auff meinen wagen/ Also fürt er den wagen 
wider auff und rolt darvon; und mfißt der "pfaff zA fii& gon. 

Dem geschach auch halb recht, diewil im nüt widerfaren 
wtts, und dorfl; dem fArman auff die weiß außhippen, so er 

20 im »loch nicht zü Ion gel>eri dorft. Diser iiiidanckbaren leüt 
findt luan noch »ecr vil: man sy schon santt daliar treitt 
biü gen I^om und stult sy unsauber nider. so ist schon aller 
danck, fleiü, müy und arbeit sanipt dem kosten verloren und 
vergessen aller vor gethonen gätthat etc. 

8& 42. 

Von einem grossen marterhanssen , wie er in einen 
gerner oder beinhauü gefallen ist. 

Man findt noch auf diseu lieiltigen tau: semiich groü mar- 
terhanssen und eysenbeisser, thünd dergleichen, als wolten sy 
allen menschen in einem streich die oren abschlagen, so g^r 
hb& sind sy; solt aber einer deü nachts Uber einen kirchhoif 

gon. er sflcht ehe ein tiertelnieil wegs umb. Also was auch 
eiiim;il vm fedei.s« liwinger . der trüg den hüt voller strauß- 
lederen, aber ein hasenbalg zü einem brusttiicli. Autt' ein zeit 
Utiwaia er auli einem speckkrieg wider zü land kummeu; wo er 



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RollwagenbUühlein, cap. 41-^2. 



51 



z& leQten kam, Bagi er von grawsanunen schwertecblegen, so 
er ToU-[E3^]bracht batt; seins blAtvergiessens was kein end 
zA erzellen. Das war aber meines beduuckens (aat aber hüner, 
gens und enteu auÜLCJin^en. 

Eines tags sali er in seer grossem bracht bey seinen ge- ä 
seilen in einer zech, iieng aber tod grossen streichen an z6 
sagen; zfiletst wurden sy den bossen mereken, namens zü einem 
dant aoff. Under anderen reden trüg sieb zd, daß sy an- 
fiengen z& sagen von einem alten abgestorbnen weib, w^lcbe 
eni anf denselbigen abent gestorben, und hett man sy axiüio 
mantfel des tags denselbigen ab* nt nit vergral)eFi kuiideii ; so 
hefcteii sy auch ir hausvolck die iiticht nitt im hauü behalten 
wollen unnd also aufF den kirchhott' getragen, in einer bar in 
das beinhaul» gestelt, damit sy den kttufftigen tag vergraben 
wnrd. Nnn was ir aller weg, wann sy anß dem wirtzhanfi 13 
heimgoo weiten, hatten sy keinen anderen weg dann über den 
kvcbbof ; daromb sy einandem fast mitt dem alten abgestor- 
benen weib speyen wurden. Der gut ki ictrfjniann unnd niaii- 
renl)n*clior h^tt gewölt, er wor zehen meil wci^s von dannen 
gewf'seu: dann im war seer angibt vor dem alten abgestori)nen ai> 
weib, die doch in irem leben gar kümmerlich an einem stecken 
kriechen mocfat unnd im nit einen finger hett mögen biegen. 
Die anderen gflten gesellen marckten difi an im ; daramb triben 
sy ir gefert ye lenger ye meer für sich, biß dem gAten lantz- 
kneclit aahub die stimen zö schwitzen, dorfft sich aber schäm 25 
halben gar nit eygen iU'(b|K-l*| dertrleiclicn thün. Zulefslen 
kam es dahin, das die anderen aatieugeii zü wetten, wolclier 
so kün wer unnd zöm ersten sunder ein Hecht auff den kirch- 
hoff gon ddrft unnd besehen, ob das liecht oder anipel noch 
im beinbans bmnne. Dann die Sachen waren allein dabin» 
geepüt^ daß sy wolten sehen, was hinder dem genßköpffer fttr 
ein mannlich gemfit wer. ZAletst kam die wettung auch an 
in. Er ward gar zornig, stüiid autf" von dem tisch, mocht die 
grausam nien wort nit hören, er zalt die lirten, nam seinen 
manteil unnd gieng heim zu hauis. 85 

Nun wüßt er keinen anderen weg heimzükummen, dann 
er möst ttber den kirchhoff gon, sonst hett er durch einen 
iieffen baeh mftssen watten. Also faßt er im eines mannes 

4* 



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52 



Georg Wickram, 



liertz, uimd mit zittt'ni unii'l grossem sclirocken j^neiii; w auft' 
den kirchhütt*. Und als er nahend zu dem beinliautj kiinipt, 
wand er seinen mantel uiub den köpf!', stieü die ünger in die 
oreot sorgt, er wurd daß alt weib hören schreyen, w61ch in 

5 irem leben alters halben stumm gewesen war. Er gieng mit 
•u^antz schnellen tritten fßr sich, damit er bald von dem kirch- 
liniV kemo. Als er aber nielit selieu kund vor seinem mantel 
und meinet, lerr von dein beinlmuü zü gon, s»o gadt er guutz 
dargegen unnd trift die stegen, t'alt also mit schw&rem fal 

10 hinab ein hohe steinene stieg sunder alle hilff. Nun was ein 
gestiel in dem beinhauß; darinn fiel er gantz ungestumick- 
lichen unnd brach ein bein darinn ab; so hatt er auch den 
kopff unnd angesiclit übel auf der stetren |K4''| zerfallen. Er 
fieng an, gar jemmerlichen zu schreieu; da wais aber nie- 

16 mants, so im kelffen weit, dann in mocht niemans h6ren. Zü> 
letst ombgab in semtliche forcht, angst und schrecken, das im 
das schreyen auch gelag; er hfib aber gar schwerlich an zfl 
seilfftzen vmd lieüleii. 

Als nun seine gesellen genug gezecht, sind sy aucli 

20hauü gangen. Als sy nm\ zd dem beinhauß kamen « horten 
sy den armen tropfEen emstlich seülftzen ; sy aber meinten nit 
anders, daß das alt weib wer wider 2& ir selbs kummen. Unnd 
diewe}! sy ein Hecht hatten, giengen sy hinab, funden also 
iren gesellen mitt zerbiuclmeii l)einen im crestül ligen. Sy 

25 trugen in bald in eines artzetts hauü, iie^ssen in verbmdeu. 
Da erzalt er sein geschieht nach der ienge. Also mößten sy 
lachen zü seinem grossen schaden, so im dann widerfaren und 
zAhanden gangen was, und mAßt, wie man gmeinklich sagt, 
den spott zAm schaden haben. 

9) 43. 

Ein baur understAnd eia kriegßmann umb sein pferd 

zA betriegen; die sach aber gieng vvideröiuus hiuauß. 

Man tindt ?Äi zelten einen listigen künden, so imm kautfen 
und verkauften aller finantzen miderston darff, sücht auch all 
So i'orteil und renck, damit er ein anderen überlisten möge; es findet 



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Rollwagenbüchlein, cap. 42^43. 53 



aber ottt ein trrosser fuchs noch ein crrusseren inim liool. Also 
gitiig es uijfi' ein zeit einem listi<i;en luarckurevLsciien bauivn 
mitt einem commiümetzger [£5"]; derselbig wa£ noch listiger 
dann der baur. Derselbig iBiiizknecht oder commißmetzger 
bm waS einen feirtng in das dorff, m welchem gemelter banr 5 
sein haafihaltung hait. Nim hatt gedachter lantzknecht ein 
schönf^n klepper. danniff er dann was geritten kunmien. Dem 
baureii i»etiei der auiä der massen seer wol, tragt den lantz- 
knecht otft , ob im das pfert nit feil were. *Nein/ sagt der 
lantzknecht, *es ist ein pferd für meinen leib ; wolt nitt, das to 
nun einer doppel bezalet.' Als sie aber jetz in die trinck 
kuninien sind , hatt der banr nichts anders meer wissen zü 
saiTf'n dnnn von dem pferd und nitt abgestanden, den lantz- 
knecht zü bitten, im das pferd züzüstellen. Als nun der lantz- 
knecht semlichs an im vermerckt, hatt er gedacht, deü bauren 15 
begeren zä stillen, und gesagt: ^Ir habt mich im anfang Yer- 
Bonunen, daß mir mein pferd nit feil ist; darzA gebt ir mir 
nit sovil drumb. als irli.s b. gei- zü verkuuü'en.' Antwurt der 
buiir: 'Lieber kriegiänianii, meinst du dann nitt, ich liab ein 
»emlichen klepper so wol zü bezalen als du ? Schlag mir in 20 
umb ein gelt «n; versäch, ob ich in nit kauften dorf!' — 
'Wolan,' sagt der lantzknecht, ^dieweil du je deß sinnes bist, 
90 wifi, daß er mir nit neher feil ist zft verkanffen dann umb 
fflnffzig kiuiien.* Nun WiLs daß pferd fünffundzwentzig kidneii 
wol werdt : semlichs kundt der baur wol abiiemmen. Darumb -jö 
sagt er zä dem lantzknecht: ^ Wol an, mein bräderlin, damit 
da meinen ernst sehest, so will das pferd umb fünf und viertzig 
smmenkronen von dir nemmen und will dir al-[E5'']so bar 
fünffundzwentzig krönen bezalen: die zwentzig will ich dir 
u'it! -anet Ninunarstag auch ge!)on.' Der lantzknecht gedacht: 
Unur. iaü sehen, wer deu andren bescheil^t !' Er sagt: 'Guter 
l'iünd, mir ist nit so hoch oder groß an der bezalung gelegen, 
wann ich den heiigen kant. Stadt er auch im calender?' — 
TreiKch Stadt er darinn, sunst wer er kein heiig/ — 'Ich 
bin zöfriden,' sagt der lantzknecht: *allehi das mir ein ver- 30 
j'chreibung gegen einandern autrichten.' Dilä gieng der baur 
gutwillig ein, draneken den weinkauÖ'. Den wolt der baur 
balb zalen. 'Nein,' sagt der lantzknecht, 4ch hab nunzümal 



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G«org Wickram, 



fünifundzweiitzi«^ krönen enijitangen; billicli soll ich die ürten 
bezalen.' Dem baiireii getitl der liaiulel wol, meint, er hett 
einen hirschen j^cfangen; do was os kum ein reechbock. 

Der lantzknecht nam die 25 krönen sanipt der verschrei- 

obimg, für Bein Straß. Als nun allerheilgentag kam und nii 
^ar acht tag darnach verschinen waren, kam der criU lant«- 
kneoht seine außsh'iuHpren zwcntzig kioiiea zu t'nnlren. 

Er kam wider in das vorig wirtziianiä. schickt nadi seinem 

. banren sanipt den andren, so dann bey disem kauff gewesen; 

10 die kamen all gantz gefiissen. Sobald der baur den lants* 
knecht ersehen ward, empfieng er in frOntlich, fragt in , waß 
in also auft" der Strassen umhliht, 'J )ii8 mögt ir wol eracht4*n/ 
sagt <ler krieglaraann, 'ich kiini, mein auiastendig galt voileiid 
einzüziehen laut eil wer verschrybnng.' — 'Hoho/ sagt der 

15 baur, 'es ist noch niendart das ziel verfallen, wirt euch noch 
lang nit verfallen/ Darauff sagt der lantasknecht : ^lieber 
baur, die sach [^6*1 wirt sich meiner rechnnng nach änderst 
berinden Als wir den kauff mit einandeni gemacht, hab ich 
dicli gfragt, ob sanct Niemar auch ein heiig sey; hast du in 

20 für einen heiligen bekennet und gesagt, er stand auch im jar- 
kaleuder. Nun hab ich allenthalben im kalender gesücht, find 
ich keinen sanct Niemar darinnen. Es ist aber vor acht tagen 
allerheilgentag gewesen. Dieweil nun sanct Niemar auch ein 
licilg ist. hife ich nüvh nit irren, das w nit im kalender stadt: 

2;>dann es sind vil lieilgen, so im Niderlaud, in Italien und an 
andern orten für heiligen gehalten werden, so wir in unseren 
kalendren nit haben/ 

Als sy nun vil und mangerley reden mit einandem hatten, 
hatt sich der baur für den «iiuptmann beriiÜ'et, des dann der 

») lantzkneclit wol zöfriden was. kamen also für den lantzherren 
imd auch für den amptmann und klagten. Als nun klag und 
antwurt von beiden partyen gehört, ist dem bauren erkant 
worden, den lantzknecht zfifriden zd stellen, und batt im der 
herr auch umb seiner feinantz willen einen göten frevel ab- 

3ö genummen. Do ward fuchs mit fuchs gefangen, wie dann 
büiich unud recht ist. 



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Bollwageobttcblein, oap. 43 — 44. 



55 



44. 

Einer vertreib seinem alten vveib das liaupivvee. 

In einer statt , am Kheinstrom glegen , wonet ein seer 
reit he und kar<(e alte witttVaw; deren stalten vi! alter reicher 
wittweling naoli und vernirint^n, sy zü erwerben; ir aber was 6 
gar kein sattel gerecht. Dann sy ^ah allwegen die nntwurt, 
sy wolt selber Uber ir liab und gät meister sein und keinem 
mann iner das nnder[£ 6'']warffiich maeben. 

Es begab sich ttber lang, das ein laotzknecht in die statt 
kam, gar ein schöner, gerader, freidiger junger k&rle : der hört lO 
von diser witttrauwen sovil sagen, das er im entlich iTiniani, 
t-r wolt sein lieil vprfiVhen, Er was wo] außgebutzt mit kl*'i- 
duüg. tratt der guten alten liauwen für da» hauü, Ix crounet 
ir za kirchen unnd Strassen, sprach sy gantz tugentlich und 
frflntlich an. Die göt alt franw, so über ir sechtzig jar was, 15 
meinet, der jung hett ein solchen gunst zü ir, nam aach je 
lenger je meer acht auff in, fieng im auch an gar frttntlieh 
züzösprechen. Der güt schluckrr nirinct. <lit' Lilock wer jetz- 
und sclion halb gegossen, er kautVt eiuon schonen schlover und 
füigt sich mit flyß an ein ort, da er meint, die witttraw aliein 20 
zü betretten. Es geschach nach seinem willen unnd wünsch: 
dann sy kam im gleich zü gesiebt. *Zarte liebe fraw,' sagt 
er, *es hatt mich eUwer frflnÜich mmd tugentlichs ansprechen 
dermaAsen in freundschafft unnd liebe gegen eQch bewegt, wo 
ich in eflwerm verstand, vermögen und wesen wer, und irts 
meine jugent nit scheuhen dorften, vn&t ich in aller statt kein 
weil -'»il l. niitf^^ «Irren ich lieber hauf^halten wolt. Dif.t hab 
ich eiicli nit können verlmlten, wiewol ich weitä, das ir meines 
gunstes ein klein acht haben; aber von wegen meiner ireflen 
wort, so ich jetz so unverschampt mit efich geredt hab, w61- w 
lend dise kleine gab von mir zflr straff nemmen, bitt ettch 
darby, mir zA vergeben/ Die gAt alt vettel, w51che zflvor der 
nan- gegen dem jungen stach, meint im aller Worten [E7*] 
t riist sein. 'Junger,' sagt sy, 'wann ich deinen wprteii ge- 
treiiwen dori't, wolt ich mich der sach nit lang nemmen zfi 3r> 
bedencken, wiewol nit on ist, es werben vil alter eerlicher 
reicher mann umb mich, so mir am alter gleich sind. Was 



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I 



56 Geoxg Wickram, 

wült ich mich aber zeihen, das ich ein alten inaim nemnien 
wolt! Über nacht so legen wir beidsammen da, unnd wi^t 
keins dem andren zü helffen, weren beidsammen kranck und 
schwach. Daromb ich mir langest fbrgennmmen hab« ein 

h güten frummen gesellen zü neninieii , ob er gleichwol nit 'jjo 
gar reich ist, wann er mir nur cfut- thnr. An güt nnd i^elt 
sol im nit nianglen.' In suninia, kurtz davon geredt, sy wur- 
den der Sachen eins; sy versprach im die ee. 

Als nun der kirchgang beschehen was, fieng der göt jung 

10 mann an, gar haufilich zfl sein, versach alle sacken noch dem 
basten; dann er befand, dafi im die fraw ir barschafft und 
kleinot noch nitt gar offenbart hatt. Als er sy aber mit fuchß- 
listen hindersfieng, das sy im j» t/ alles geeigt unnd gezeigt, 
liatt er von tag zü f;i«i* angefangen ubsiüniien, sucht im knrtz- 

15 weil und iroud bey seinesgleichen. \\'ann er dann zü hauls 
gieng. kam er selten allein , er bracht alhveg ein güten ge- 
sellen [oder] zwen mitt im; die sassen dann züsammen bi& 
mittnacht spilen, schlemmen und temmen. Und wann dann 
die göt fraw etwas zfir sach redt, tribend sy nur ir spey« nnnd 

20 fatzwerck mit ir. Darvon die gftt tVaw in grossen widerw'illen 
kam, so dorft sy es iren tVündeu auch nit klagen, diewil sy 
ires radts nit gepflogen halt. 

Was ist zfiletst geschehen? Eiusmals kam er heim [E7' | 
mit einer vollen rott. Hein fraw hatt sy von weitem ersehen, 

syermeint, sy wolt ein andre kunst versAchen, damit sy doch 
einmal semlicher gest abknmmen raScht. Sy nam eylentz ein 
handzwehlen, wand die nmb den kopflF und legt sich anff die 
giiut sehen. Der niaiui mit seiner burti kam in die stnben. 
Mndt sein fraw also ligen ; »t 5j;it/tiL:r zu ir nnd sagt: 'Mein 

30 liebe haut^frauw, was gebricht dir? Liebe, biß güter ding: 
komm, loß uns leichtsinnig sein!' — 'Laü mich zutriden.' sagt 
sy, *du trewloser mann! Hast du mir das zügsagt unnd ver- 
sprochen?* — ^Liebe fraw/ sprach er, *ich wei& doch keinen 
mangel, so du hast. Bistu nit versehen genüg mit megten, 

36 so ding dir noch ein par! Schmackt dir ein wein nit. so stich 
dir em mvh'V fal.! an und kautt" danit lc ii . \v;is dirh histet! 
Was wilt du duch mer haben?' — HValä suU ich hüben wol- 
len?" sagt sy, 'ich wolt, du blibest daheim, versehest dein 



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Rollwagen büchlein, cap. 44 — 45. 



57 



liauß. bo gaast du tag und iiiulit zu deinen gesellen, von 
woicben du nichts gute ihüst ierneu, und laßt dargegen mich 
ume fhiow ligen in angst und schniertzen. Dann mir thiU 
mem kop£f so wee, das Ich nit wei^ wo ich bleiben soll. Wie 
wilt dn doch s5mliche tiiitrew verantworten?' — 'Wie?' sagt > 
er. 'solt ich ein *so liebe alte fraw haben und solt leiden 
von eiuLiii liederlichen köpf, das er sy beleidiget! Dali soll 
einmal nit sein.' Semlichs geredt, riü er ir die handzwehei 
vom köpf, und mit beiden feisten fieng er an zA schlagen und 
agt: ^Hey, köpf, woltest dich der meisterschaft annenunen lo 
ond meiner frawen, von deren ich göt und ehr hab, wee thftn ! 
Ich wolt dich ee zertrimmern.* Diu gut [EB") alt müter wüßt 
öit, wie sy es verston solt; dann sy marckt, das kein auft- 
h6rens da was. Darömb mä&t sy sicli der nechsten freyheit 
behelffen. ^0 lieber manu/ sagt sy, 'lati dein zom ab gegen u 
meinem kopff ! Er thüt mir nimmer wee.' — ^Daß vergelt im,* 
sasft er, "ein spitzholtzlin ! Nun stand auff, mein liebe hauß- 
tVrtw. und loß dich keinen hukiien bösen kopfV luei anlrrliten! 
Ich bin guter hoit'nung, er soll dirs iiit meer tiiün.' Also 
mä^t die güt alt müter von irem angenummenen siechtagen ^ 
aofetoo, zü ires mannes gesten sitzen und ein güten mftt ha- 
ben, es wer ir lieb oder leid. 

Als sy nun zeletst von irem killen abließ und den mann 
niclit mer also irettet , stund er seibs von seiner weiß eins- 
theils ab. 23 

45. 

Ein mäder fiiiKi zweri kopff an seinem bett , als er 
woi'geDs voQ der matten kaui^ seiuea wet^steiu zd 

holen. 

Man sagt gemeinlich , die menner haben das plar am 9U 
morgen und die weiber erst nach mittentag ; semlichs gibt di£ 

iiiitders weid ein gniigj^amme zügnuü. Man sagt von einem 
luader; derselbig saß in emem dorff. Er hatt ein gar schone 
frduwen: deß nam der pfarrer im dorÜ' eben war, geselt sich 
zft dem göten mäder. Der gemeint die sach gar gät und ver- :ü 



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58 



Georg Wickraui, 



trewt di'in ])tarrer rnicl seinem weib nichts arufes. Als nun 
der platt den niiider ott't zü gast Ifid, der trauwen auch niit 
vii gaben und 8clu>ncken begegnet, kam es zületst dahin, das 
sy in weiter kuütechafft mit einandem kamen. Wann dann 

5 der m&der des f E8^] morgens an sein arbeit gieng , kam der 
gdt berr imnd halif im das hatiß verh&ten. 

Nun es beirah sich eines morgens, das der giU mann uhti 
gar fru auügestanden was; er nam sein segseu uund eylet gauiz 
mit grossem ernst auft' die wisen. De6 nam der pfarrherr gar 

10 bald war, f&gt sich zfl der frauwen, wie dann semlichs sein 
gewonheit wai. Als aber der gut meder ein schar oder zwei 
genieigt und im sein seges gar nit nirr schneiden wolt, hatt 
er erst an seinen kunipf gedaclit. ist mit grosser eyl wider zu 
haa& geioiten. Als er a))er an die hau^thür kummen ist. hatt 

lo er gar klein rumor gemacht; dann er sorgt, er ¥mrd sein weib, 
die im seer lieb was, erwecken ; ist gante still in die kammer 
geschlichen. Da fand er eylends seinen knmpf an der wand 
haütren, den iiuiH » r unnd tur wider darvon. Wie er aber zil 
dtr kammer hinaußgadt, blicket er auö sein bett, und er er- 

so sieht zwen köptt', under w61chen der ein oben ein blatten hatt 
Der gdt man nichts arges gedencken thet; so was im auch so 
not an sein arbeit, das er nit weitter schauwen wolt. 

Sobald er aber hinwegkam, macht sich der pfarrer aiiff 
in gi'osseii ('ii'^^steii; dann er meinet, drr nieder wolt in vor dorn 

^ aiuptmann verklagen, damit er getaugeu wurd. Das w« ib aber, 
welche listiger was, tröstet in mid sagt, er solt aller soigeti 
entladen sein, sy wolt die sach wol vertedingen ; im solt nichts 
args widerfaren. — Ab aber nun der gut mann jetzund gantz 
streng an seiner arbeit was. fienii; er er-i m. hm innd wider 

au zü gedencken, insunderheit aji die zwen kopü, so i"J er an 
seinem bett gesehen hatt. 

Umb mittentag aber do hatt im die fraw ein g&ten im- 
bifi bereit; sy nam das essen nnd gieng zft im hinauß auff 
die wisen, und als sy jetzund gar nahend zfl im kam, sagt sy 

[u mit <x',\r fVolicher stimm : Ein göten morgen mit einandem 1 
Der gut manu sähe sich umb uud meint, es wer noch einer 
autt' die wisen kummen. Als er nun nieman sieht, sagt er: 
*Fraw, was gemeinstu mit disen worten?* — ^Ach^' sagt sy, 



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Rollwagenbflchleii), cap. 45^46. 59 



^wie kfuistn also ein mann sein! Hasiu mir nit m6f^en sagen, 
das du ein gesellen bey (Iii' hast ? Sd liett ich doch dester 
meer koclu-t: docli mein icli. ir solt krin nian;x«'l lial)eii.' l)er 
luauu sagt: 'Fraw, wie ist dii-y ich mein, du habest z(i irü 
gednincken. Nun bin ich doch gar einig auft' <ler wisen. und 6 
ist niemants bey mir dann du alleinig.' Die listig fraw gieng 
gegen dem mann und wüschet ir selbs die äugen und sagt: 
^Fürwar. mein gsicbt batt mich betrogen; dann ich hett mit 
einem ein kü verwettet, es weren deiner zwen gewesen.' — 
*Für\var,* sagt der mann, 'es ist mir heiM morgen dergleichen 10 
begegnet. Dann als ich heilt morgen meinen kumptf daheim 
vergessen hat, kam ich heim in imser kanmier uimd reicht 
meinen kumplf. Do hett ich mit eim ein gro£ güt verwett, 
der pDarrer wer bey dir an unserem bett gelegen/ Die firauw 
fieng an gar innicküchen lachen unnd sagt: 'lieber mein Hans, 15 
jetzund glaub ich erst, wie man sagt, das die mann das plarr 
um morgen hah» 11 und die wcilx r erst nach mittentag. Was 
mags doch iilr ein nerrische krai)(klnii sein! Ich kondts nit 
wüssen , es kern dann von übrigem driucken oder schlafi'en/ 
[Fl''] Also Sassen sy zösammen, assen und druncken, waren 90 
leichtsinnig, und behielt der güt m&der das plarr vor als nach. 

46. 

hm voller pfaö' wolt zü einem künigreich gon, falt in 
ein wolffsgrAben, als er vermeint, ein enten zft fahen. 

Es ligt ein durii in Luttringen; darinn wonet ein doli er 2) 
ungeschickter pfail', wie man dann dei-selbigeii nit weuig iu 
liOttringen findet. Er hatt sein brauch an im, das er von 
einem dorff zäm andern lüff; wo er ein gAt mal wufit, da 
lAgt er, das im sem teil auch danron ward. Hab auch von 
glaubwirdigen Ittten gehört, das er zflm oftermal an einem tag 3o 
an zweyen orten u\v\i gfl» seii hab , als in seiner piarr . und 
dfiiiiKu h in » in ander geloffeii, da er ein güt mal gewiöt 

hatt, auch meU gelesen. 

Es begab sich an einem heiligen drykUuigabent , das er 
von Wych in ein ander dorff lauflfen wolt und mit den bauren 8& 
kOnig machen; er hatt aber sich zfl Wych ettwas lang ge- 



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60 



Georg Wickram, 



saumpt, dann er mit seinen bauren vor künig gemacht hat; 
derhidben ward es ettwas spat. Nun hatten die bauren in 
dem dorff, in wSlIichs er ^on wolt, erst am selbigen tag ein 

tiefte woltt'sirrüben nit weit vom dorff rtuflf^ewortl'eii, unH. wie 

ü luaii ]»tlp<_ft y.fi tliuii, in mitte der «rrühen luitten sv ein hmv- 
staiigeii uuttgericht mid ein eiult in einem korb durauli' ge- 
bunden, damit, wann die wölft' oder fiichs die endt horten, das 
Bj dem geschrey zfilouffen solten und in die [F2''] grüben 
fallen. Als nun der gfit hen* nahend zftm dorff kumpt, so 

10 h5rt er die endt im feld etwas vom dorff schreven. Er dacht 
in im selbs: 'Dise endt ist uz dem dorff kumnieii: es mucht 
sy ein fuchs unkiiiuint ii und fressen. Weijer ist, ich fuhe und 
erwih'f^ sy, so mag ich sy behalten an einem heiniliclien end: 
wann ich dann nack dem nachtessen heim gang, so trag ich 

lo sy mit, so hab ich morgen zA nacht auch einen göten braten.' 
In solchen gedancken kam der pfaff als je neher zü der enten, 
und so neher er zü ir kam, so mer und fester sy schreyen 
ward. Nun was die grftb allenthalben mit kleinem gereyß 
und sirow überdecket, das der gut pfuff nichts anders ru einet, 

sodann es wer ein ebner bodiii, eylet bald auf die schreyend 
endt, damit sy im nit entlauffen mocht. In solchem eylenden 
lauff fait er gar ungestilmlich in die wolffsgrOben. Die endt 
aber je mer anhüb zü schreyen; das erhört auch ein hungriger 
wolff, loufft dem endtengcschrey zü und falt auch zü dem 

So pfaffen in die gruben. Der wolff, als er vemam, das er ge- 
fangen was. hatt er sich gaiitz /iu htiklichen in der grüben 
gehalten und dein pfatfen kein leid begeren zCi tliuu. Dem 
pfallen aber was gar angst by dem woltf in der gruben unnd 
h itt sidi allen augenblick seines lebens verwegen. Es stünd 

90 nit gar ein stund, do kam ein fuchs, der meint auch, ein güten 
bissen zü erlangen; dem gieng es gleich wie den vorigen zweien. 
Der fuchs aber, sobald er in die grüben kam, iieng er an den 
pfaffen zü stupfen und zü rupfen an seinem rock. Darvon 
dem plaileii • üi grosse angst ankam: dann er wuUt .seines le- 

jfo ben» IF'i'"! unnd Sterbens kein mittel. N un was er so nach 
bey dem dort^". wann die bauren anhiiiien zä schreien: 'Der 
kilnig drincktr, das maciit erst den güten domine so gar mi- 



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Bollwageubfiebleui, cap. 46 — 47. 



61 



lustig; dann er was gewost z& sein, wo man scblempt und 
dempt. iinnd nit Ober nacht in der wolffsgrflben zfi li^en. 

Alci nun (ieü iiior*^eiis die bauren liifjen wolteii , was ny 
die nacht getan f^eii hetteii, kameiul sy mit seiiern iinnd 
tem, spiessen und kolben zü der grüben, fanden also deno 
pfaffen, wolff und fuchs bey einandem, defs sy sich dann gar 
gröfiliehen verwondren thetten. Der pfaff bat sy gar frünt- 
lich, sy weiten iies fragens abston und zAm fordristen trach* 
ten, wie sy in anß der «^nossen aiig«^t und not brechten; als* 
dann wolte er inn alle ding nach der \ew^ erzelen. Sic Hessen io 
im ein seil in die <jrriiben, der pfaff haud sich selbs daran; also 
zugen sy in lierauff. Der ptaö bat die bauren durch alJer 
heiligen -willen, sy solten den wolff seines lebens verschonen, 
den fuchs aber solten sy umbbringen; darumb so wolt er inn 
einen schnaphanen schencken. Die bauren fragten die ursach is 
an dem pfaffen, warumb er doch dem wolff sein leben also 
erkauften wolt, so doch kein thier in der gantzen weit wer, 
dem all weit so find weer als einem wolt'. Der pt'aü" sagt: 
'Ü iiebeii fründ, der güt frurab wuli ist die gantz nacht so 
züchtig und still bey mir in der gröbeu gesessen und hatt mir 20 
gar kein leidt begert zözöfügen. Aber der schantlich laster- 
lich fuchs 1 sobald er in die grAben kam, fieng er an, nach' 
mir zft springen, meinen rock zerreissen, unnd batt mich 
gantz angsthaft gemacht; darumb beger ich im sein leben 
nit zu iristen.' 2» 

Die bauren namen den schnaphanen von dem jifatfen. 
schlugen aber niit desterweuiger den wollt und den tuchs zit 
todt Ich glaub auch, solten sy gewi^t haben, daß der pfaff 
der meinung gwesen wer, die endten zft steleu, sy betten in 
»ach zA todt geschlagen als wol als den wolff und fuchs. 80 

47. 

Von einem uiigelerteii pfaiien, der deu kalender uit 

verstftad. 

Ich mdfi noch einen pfaffen im land zö Lottringen be- 
schriben, dieweil sichs eben also zfltreit. Es ligt ein dorff im 9» 



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62 



Georg Wicknun, 



Luttringer laiid, mit nammen Langenwasen genant; darin hatt 
zA diser zeit auch ein hochgelerter pfaff j^ewonet, dem manglet 
gar nichts, dann das er nit wissen kund, wann es sambstag 

oder sunt. lg was. Dann er sich g:ir nicht-« antV «Irii kalender 

ö verstäiifie: \eHf>rh liatt or e'm siinder t^eiiK-rt k antV »lif tac?. Er 
was eines soh lieii .sinnriclien verstand^, das er nur von zu- 
sehen hatt glernet die allerbesten besen machen, so man an- 
kommen moeht £r nam im für, allen montag fieng er an 
nnd macht einen besen, am zinatag aber einen, am mittwoch, 

10 dunstag, freitag und sambstag allen tag einen; nnd wann er 
dann der besem si'chs zusammen bracht, so kund er abnemmen. 
das den künftitfen ta<^ suntatr J«ein niftfet. Darumb gieni? er 
allwe^en an dem sambstag ziiii.icht zu seinem si[F 3*'3gristen 
und befaih im, deU morgens zü der met» z4 leüten. 

15 Nun was ein schamparer baur zft Langeuwasen, der wonet 
Til umb den pfaffen; derselbig fand den pfaffen einmal seine 
besen zalen auf solche weifi: den ersten besen nannt er mon* 
ii\<f. den andern zinstag, den dritten mittwoch. den vierdten 
donstag. d* n tiintften tVytaj?: darnach sagt er: 'Morgen niftß 

ao i< h meineu kil< liwart heissen leüten.' An semlirben wortt^n 
kuudfc der baur wol abnemmen, das er »ein gaiitze wucheu- 
'reclmung allein bey den besen hett. AufF ein mittwocli dar- 
nach kam gemelter baur aber in dei pfaffen haufi unnd fand 
in nit daheim, dann er was auigangen nach besenreysem. Der 

25 baur fand drey besen bey einandem in einem winckel ston ; 
er nam eilends den einen und verbarg in hiuder einer alten 
kisten. 

Der gut pfatf urbeit darnach, als er aulä dem holtz kam, 
gantz tteyssig. Am freitag tieng er aber an seine besen zalen 

8ü und fand deren nit mer dann vier. Er sagt zA im selbs: ^Wie 
bin ich doch so gar irr in meinen besamen worden! Nun hett 
ich mit eim ein wettung bestanden, es wer heUt freytag gwe- 
sen, so es doch erst donstag ist.' Also stAnd er am samb- 
stag zu morgens wider autf und macht seinen tVeytag. Am 

3C> buntag zu nitu'gen macht er seinen sambstag. 

Nun hatt der ander baur, so im den besen verborgen 
hatt, dem sigristen alle Sachen geoffenbart. Und als die zeit 
kam , fiengen sy an, zilr meü zü luten. Der pfaff meint , ea 



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RoUwagenbQchloui, cap. 47. 



63 



wer jemans gestorben , und lieff bald in die kirchen , fragt, 
• wafi daß f&r ein geleflt wer. Ich hab zA der mefi geleüt/ 
>mL der sigrist, 'dann es ist beöt sun(F4' |tug/ — 'Wie kan 
das mü^lich seinV sagt der ptaft', 'es ist snniljstag/ Also 
kamen sy hart zö streit beide?>ammen . das zül< ls( dor pt'aÜ ^ 
den signsten liegen hiefi. Der sigrist, dem alle ding von dem 
andren bauren was angezeigt, stalt sich gar zornig nnd sagt; 
'Herr pfarrherr, ir schelten mich einen lugner; defi m&it ir 
mich flberweyssen, oder ich will gon gen Metz nnd will eUch 
vor dem bischoff verklagen/ Derpfaff sagt: *Dfi schalck« so lO 
gang und bring noch einen andern mil dir in ni« in Inaiß! Da 
will ich dir gfito reclinuiiijf nmb einen iVtliclieii tag geben.' 

Bald iieü der nigrist zü dem andern bauren. so im zür 
säcb geholffen, bracht in mit im in des pfafifen hau£. Der 
pfaff fieng an und zalt seine besen und kondt nit mer finden i« 
dann den freitag ; der sambstag was noch nit gar aufigemacht. * 
'Siehstu/ sagt der pfaff, 'da stadt noch der sambstag und ist 
noch nit gar gebunden.' Der sigrist sagt: 'Was gond mich 
iVw lj»'sen an? Zeigen mir den kalendcr!' Der pfaft' sagt; 
*ich acht mich keines kalenders; dann mu lelen die tag nit 20 
an meiner arbeit.' Zöletst söclit der sigrist hin und wider im 
han6 und findt den besem under der kisten, zeUcht in herfÜr 
und sagt: ^Hie secht ir, herr pfarrer von Langenwasen, wol- 
cher under mir und under ettch war gsagt hatt. Nun sind 
nur ketns andren von mir warten, dann das ich den nechsten 25 
gen Metz ziehen, will cüch vur dem bischoff verklagen, der 
wirt eik'h wi8*;eji den kalender zu leren." Wem was engster 
dann dem g&ten pfaÖen V Er sorgt nit allein, das er umb sein 
pfrönd krni. snnder forcht auch die gfencknus ; dammb bat 
er den sigristen nmb Verzeihung, er wolt fUrbaß den kalender so 
lernen und nit mer auff sein besemmachen acht haben. Der 
ander baur, so den besem verborgen hatt, redt auch sein gfits 
darzft: nlso vertrftgen sy sich mit einandeni. Land .als rlie 
meü Millbracht ward, fnrt >y der ptatl" ins wirtshuuL^, zalt die 
ürten und lart iürbafe den kalender. Soicii ungeschickte prie- 33 
ater hand wir nit im teütschen land, es fei dann ettwann. 



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64 



Georg Wicknun, 



4a 

Einem juden b&ßt einer den büsteu. 

Es Sassen miff einmal vil bauren bey einaiideni in riiiem 
«lorft' in dein wirthsliauü. waim leichtsinni<7 und guter (liiiLjcn. 
0 Underdem ho kunipt ein alter jnd reiten ; er saß ab von sei- 
nem pferd, filrt diis in den stall, dannit es ein wentzig er- 
k&let £r satzt sich auch hinein in das summerhauß, sieh zü 
erk&len; dann es war eben im beissen summer. Der jud be- 
gert, man solt im ein kanten mit wasser bringen umb sein 

Wjirelt. Die bauren sagten: *Man verkanfft kein wasser hie. 
Dann wir liaben sunst grossem niangel an wassor. dann uns 
lit i» ist; ulk' l»nnuK'n und becli sind gar vcrdrucknet: aber 
wein mag dir umb galt gnug werden/ Der jud sagt, es wer 
wider sein gesatz, wein mit den Christen z(k drincken; wann 

15 es aber hier wer, hett er syn wol macht 

Also bracht im zAletst der wttrt ein kanten mit wasser; 
der jud dranck auff die bitz einen guten 8tar-[Fr)''J< ken drunck, 
tieng bald daran tl an, heftig zü husten. Als er das nun ein 
güte weil geLiib«'n. hutt einer nnder den bannen gcsat^t: '.lud. 

aü wie liustu dann den ritten mit deinem husten !' Darantt" sagt 
der jud: 'FUrwar, ich häst einen rogeu.' Der baur sagt: 
'Kanstu regen hästen, warnmb bistu nit langest kämmen — 
^Ja,' sagt der jud, 4ch wird gewiß einen regen b Asten; dann 
er ist nun lang in mir gesteckt' Bald wuscht ein ander baur 

L'ü fiutt", wolcher gar bedruncken was. nam den juden bey der 
kurtausen nnd schleift in im sunmu rhaub herumb und tratt 
in mit iü^sen , sagt zü im: 'llt v . du schändlicher jüdischer 
hund, hastu so lang ein ragen in dir gehabt und hast den mit 
gewalt in dir behalten: wats hastu dann güten wein, Irdcht 

90 und füter yerderbet, daii alles fttrkommen wer, wann du einen 
sollichen grossen regen nit in dir behalten bettest!* Der jud 
schrey : *Mordio, belfenio ! Ich hab die sach nit also gemeinet ; 
ir habt mich nit reüit verstanden. Laüt mich eüch der sacliea 
bericht geben !' 

*iö Als nun die andren meinten, deü Schimpfs wer genüg, 
haben sy tiideii gemacht. Der jud aber hat solcher schlappen 
nit mer warten wollen; dann er sorget, im mdcht erst recht 



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Bollwa^enbttoUeiii, eap. 48—19. 



65 



gez^agen werden; auch wa6 im die laugen eebon bereit. Dar- 

umb er auft* sein ptert luind reit seiji strali. Also Ae- 

schach disem jnden mit dem regen, wie der Odeuweider beürin 
mit dem scbnee. 

49. 5 

[F5^] Ein einfältig weib berichtet, wie sie Inn der 

fasten fleysch bett gessen. 

Es int an vileii enden not Ii dor brauch, das man inn der 
färbten das gemein volok za der beiclit vermanet. nandich inn 
der karwochen; so ist man dann ein wenig geystlich. Wenn lO 
nun die osteren hinweg sind, so ist der geist auch hinweg* 
dann so jagen wir den Judas ttber den zäun, unnd gan alle 
kirdiweyhen an ; so mflß sich Zacheus leiden gleich wie Judas 
im. der finster» metten: mit dem und Uber den *eh»»gt, siiigt 
unnd boldert man, weni<jf aber wirt. dal.; Inden Christi bedacht 15 
Alfij )»re<liti;t ninii vom Zaclieo autf allen kirchweihen, niemandt 
aber volget im inn den wercken nach. Zachens steig aufi' den 
feygenbaum, damit er den herren sehen m6cht, unnd als er 
von im herab ward gefordert, verlifi er allen wollust diser 
weit und volget dem herm nach. Wir aber sindt jetzundtao 
eines andern gesinnet; dann sobald ich nnd ander meer das 
evan^elinm vom Zaclieo band huren verkfinden. verlassen wir 
den herrn nnnd wort, iauöen den uechsten aiiLi der kir- 
chen dem schiam zu. Also geht es aucli mit der ])eicht. Ein 
yeder meint, wann er nur den lauten die angen erfüllen mag, s& 
hab er im schon gnftg gethon. 

Also gieng es auch mit diser guten frawen; die kam fUr 
den beichtvatter, erzalte ir sQnd gantz einfeltigklich. ZAletst, als 
sie nit meer wüßt, fieng er sie an zü fragen, aber gantz im- 
notwendiije sachen. fF6*| ündcr andern l'ra^ren was diü die 80 
ein , ob sy auch inu der iahten eyer und tieisch i^t^seii hett. 
Sv sagt : 'Ja, herr, aber nit die gantz fasten.' Der beicbtiger 
sagt: ^Liebe fraw, ir band grosse und schwere stind begangen; 
ir haben dann semblichs von unserm heiigen vatter dem bapst 
erkaufft.' — 'Ach,' sagt sy, üeber mein herr, ich hab nyeiß 

Wiekmn UI. 5 



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66 



Qeorg Wiokcam, 



gevrOßt, das der heylig vatter auch eyer und fleiscli feil hett, 
sunst wolt ich im mein gelt ehe iimid lieber j^egünt haben 
haben dann nnseni metzgern; sy laiul midi aUnial so lang an 
der niotzipf stan, es solt eins das fleisch nit gesthenckt nemen.* 
6 Dilä was gleich ein antwnrt, wie sy gefragt ward : warzfi 
aber semblich beichten dienet, laß ich ein andern, so die sach 
baß verstadt dann ich, außecken. 

50. 

Kill edelmann verbot seiuen bawreu zä schweren. 

10 Es wontt ein gnter, frummer alter edelmann auff einem 
schloß; der hatt unden daran ein ^v(Ai dorft', darin aber so 
bdse angezogene pauren, das er in keinem weg mit inn naher 
kommen knnt; kein frevel was inn zfi groß, mochten den 
▼erküsen, gaben weder nmb gebott noch verbott nit ein wieken. 
lo Und insumli rliPit was inn das gottslestern hoch verbotten. Es 
halff aber niciit^. Züh tst hatt der <?ut juncker ein Im daiuen 
mit weib uund mit kiinlcu ; dann er gedacht, die vatter wur- 
den sy gar um)) daß ir bringen. Also ließ er ein mandat 
außgehn, welcher baur meer gott lestert, den wolt er nit al- 
so lein an seinem gfit, sonder auch an dem leib [F6^] straffen. 
Das bestAnd nit lang, es wurden ettlich fellig und hart an 
irem leib gestratt't, als mit dem thum. branger. die zungen 
beschnitten, nuoh ettliche, so die sach 7.u ifml) übersahen, wurden 
an irem iebea ge^traffet. In suiuuia, es kam die sadi zuletzt 
2b so weit, das die bauren darvon müßten abston . wiewol es sy 
gar hart und saur ankam. Das gsind was auch durch ir vorig 
unordenlich wesen dahin kämmen, das mit gfttem nichts mer 
auß inen was zA bringen ; dann keins wolt in gottes nammen 
nichts angreifPen, es mAßt ein grosser schwAr mittlauffen. 
80 Das was den bauren ganlz beschwerlich, kamen also in 
gantzer i^mein zOsamnien und beschlü^sen in genipinem radt, 
sy woiten sammentliatY tilr den Junckern autt' das schlossz gou 
unnd im den liandel fUrtragen, wie sy das gesind in keinen 
weg wußten zA baschgen, es were dann, das er inn einen 
85 schwOr erlaubet. Also ward dem Junckern die sach durch den 
schultheissen von wegen der graem ftlrgetragen. Als nun der 



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RollwagenbQchlein» cap* 49 — 51. 



67 



Juncker ixen mangel vernam, sugt er z& in, was sy doch fttr 
einen schwtkr bewerten. Der Schultheiß sagt: ^Gnediger jnn- 

cker. wir bitteu eüwer veste, «jjebt uns ein srlnvur. der du iiit 
zü klein, auch nit zu <rro\h sye, damit demnach das o>iiiu mog 
in der ioicht erhalten worden!' — *Wülan»' sagt der Juncker, 9 
'diewal ir eüwer gsind daliin gewendt, das sy umb betten nichts 
w611en geben, so stond all mitt einandem ab und erkiesen 
ettch ein schwAr, jedoch dafi der das liden Christi nit ber&r.' 

Bald standen die bauren ab und wurden der 8a-[F7' |chen 
überein unib die pestilentz. Sy kamen wider zft dem junckeni lO 
in den sah Der Juncker sagt: *Sind ir beduiht?' — Ma, 
sprach der Schultheiß, 'gnediger Juncker, wir stond hie und 
bitten eüch durch gottes willen, gebt uns nur die pestilentzl' 
— 'So gand bin/ sagt der jimcker, 'und habt eüch die Fran- 
tzosen darzft!' Der Schultheiß von wegen der gantzen gemein 1» 
danckt dem Junckern gar Reissig von wegen der reichen be-> 
gabung, zugen also mit frouden zü hauia. 

51. 

Ein geitziger verzagter pfalf kieppert mit beiden 
henden auf der kantzlen züsammen und schrey: 'Öelt«> 

har! Dschü siud pletz/ 

Es ist ein groü dortt' im Elsaß am gebürg gelegen, darinn 
saß ein lan«ijer diUrer pfaff, wie der manu im kästenholtz; 
der was gautz eines verzagten hertzens ; ault' kein kantzei kond 
man in gar nit bewegen, das er dem gemeinen volck das 25 
evangelium Terkündet hett. Das war aber sein brauch, wann 
er mefi hielt, wandt er sich gegen den leOten, sobald er das 
erangelium gesungen oder gelesen hatt, sagt er es dann in 
teütsch. Nun was ein würt oder weinsticher im flecken, ein 
seer guter fatzbrud* r, der sa^t zöm otttri nial an den pfaffen, au 
er solt doch ein mal das evaui^elitim auti" der kantzlen sagen; 
wann er semlichs einmal von im hört, wolt er im einen gülden 
schencken. Das treib er so lang und vil mit im, das sich der 
gftt herr zAletst vor den [F?"] leuten schämen mAst. 

An einem sontag kam es im eben in sinn, das er dens» 

5 * 



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68 



Georg Wiekrun, 



gülden verdienen wolt; er tieft es dem weinstiGiiei* ansagen, 
damit er nachmalen kein außredt sflchen nocb haben mochi. 

Also kam er inii die kirclien mit vil göteu gesellen ; die stalten 
sicli all iiiien gerad gegen der kantzeln, damit sy den pfatfen 

4 understünden zü erschrecken, das er nit hinauffgieng. Als er 
nun kam mid sähe ay also bey einander stan, erscbrack er auß 
der massen Abel; noch dannocbt faßt er im ein herts, steig 
hinauf, at&nd ein gAte zeit, dafi er gar eretummet waa; dann 
der weinsticher mit seiner geselschafft wandten die aogen nit 

10 ab im. ZAletst fieng er doch an, das evangelinm zü verkünden 
nnd thet über gar ein kurtze sermon. 1 )unm( li , alsbaldt er 
liuii dif ottfii scliuld gesprach und die ubsjulution diinitt', sdiliig 
er mit beiden henden ziisamen und pleppert gar laut autt" der 
kantzeln nnd sagt: 'Hingelhart . gelt her! Die schA sind ge- 

ta pletz.' Da mflst yederman hören, ob er Ton wegen der armen 
scheflin oder des guldens halben auff die kantzlen gangen was. 

Als er nmi von der kantzel kam und demnach sein ampt 
inn der kinlifii vollbracht, n.ini in der weinsticher, lüdt ein 
gute bur.st Ii zö ihm inn sein liorbcrL^ , machten dem pfatten 

»i gCit geschirr. Als er nun ein trunck überkam, beretten sy in, 
das er den gülden ins gloch schencket : hat er vor der predig 
nichts, so hat er hinnach aber nichts, allein das er ein vollen 
kropff darvonbringen thet. 

52. 

2» [FS*] Einer satzt seinem gefattern ein hüt mit bruntz 
auff den kopff in einer abenzech. 

Wonderbarliche gesellen findet man offt inn den aben- 
zechen; insonders so es umb die fünffte kanten wirt, so mag 
sich sant Grobianns mt verbergen, knmmt mit seinem seyten- 

30 spil zum ^o^vt^üg geloffen , bald hebt man die sewglocken zft 
leüten; dann kan niemants nit meer verderben: ye grober, ye 
büpscher, ye wüster, ye holdseliger. Also gieng es auch 
in einer abenzech mit zvveyen güten gesellen, die waren 
gefattem unnd eines handwercks, watend mir beid seer wol* 

n&bekandt, als sy dann noch seind. 



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Bollwageiibllohleiii, eap. 51—58. 



69 



Es begab nch eins tags, das sy einen smnfffcbrAder zfl der 
begrebnifi begleiten. Als er nun zö der erden bestattet, wur- 
den cihch under inen zu radt, zujjen mit einander auff ire 
zuntitj^tiihen und fien*^'en rin den sclilcnuner zA singen, damit 
sy des gtiten abgestorbnen karlins dest ehe vergessen möchten. 6 
Als ay aber auff die stuben kameD, funden sy bald irs glychen; 
sy Saasen msammen und Hessen inn anfflragen nach der schwere. 
In aomma, einer under den zweyen ward seer wo! betmncken, 
were derhalben gern Ton dem tisch gewesen, ein wässerlin zo 
machen. Sein geiattt r saü im an der Seiten, den bat er zum lo 
offtemmal, er solk in hert fi Hassen , sairt im darbey sein an- 
Jigen. Diser sagt: 'Hey, wolt ir darumb aulfston? Nempt 
hin meinen hftt, bruntzend darein i' Der was nit unbehend, nam 
den hfit, das snnst kein mensch an dem tisch wamam, [FB^] 
bnmlKt in also under dem tisch mer dann halber toU. Deriö 
hAt üeng an heftig imden dnrchrinnen: der gttt kerle war 
angsthattt und sagt zi1 seinem gefatteren: 'Wo soll ich nun 
mit df'Ui liut liinV" Sein gtattcr sagt: 'VViiät ir nit, wo er 
hingebort y' Diser war nit unbehend, nam den hüt, satzt in 
seinem gefatteren auf mit bruntz und allemt das im daa harn- so 
Wasser über den köpf und hart abran unnd an seinem gantzen 
leib mii bruntz fiberschüttet; dann ehe sy die anderen war- 
gennmmen. ist der schad geschehen, unnd was dem schon ge- 
netzt i.n.l gezwagen. 

Was solt er aber dar/u tluln? Ziinien koiid ei iwi. «lie- & 
weil »M- im den hüt selbs dar hatfc gebotten. So was die ander 
gaelschafft dennassen mit lachen behaft, wann sy gleich ein- 
andern gerupft, betten sy demnach nit frid nemmen kOnden. 
Nach langem gelechter ward ein rachtung antroffen, sy solten 
Keb unnd gAte gefatteren sein, damit sy nit in saut Grobianns so 
brAderschafft ausgetilgt wurden. 

53. 

Ein güter schlemtner dichtet ein liedlin^ damit ward 

sein würt bezalet von deu Fuckern. 

Auff dem reichstag z6 Augspurg anno [15dOJ geschach «3 
ein gflter schwanck ron einem singer an defi hertzog WilU 



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70 



Georg Wickram, 



helmen von München hofP. Er was ein ber&nipter musicus 
und componist, biefi mit seinem nammen N. Gr&nenwaldt. Er 
was ein göter zechbrAder, nara nit vergdt, was im an [<W ] 

seines gnedijüjen fürsten und herren tisch fUrtragen ward, sunder 
6 sucht im anderßwo fifüt gselstlialit . so seiiu^s L''et'allens und 
kopft's waren, mit im daptler demptt'ten und zeciiten: kam so 
weit liinein. das alle schencken und was er in barem gelt mitt 
im dahin bracht, in nasser war und f(üten bißlein dahingienge. 
Noch mA£t die maus bas getaufft werden ; er macht dem würfc 

lobej den acht gülden an die wand. In summa, es kam auff 
die letst dabin, das der hertzog von Mflncben sampt andern 
fürsten, herren vnid Stetten auflj rechen wolfcen. 

Der wärt eriür die sach, kam zu dem göten Grienenwald, 
foidrefc sein aulästendige schuld. 'Lieber wUrt', sagt Grienenwald, 

lö 'ich bitt euch von wegen güter und i'rtlntlicher geselischaft, so 
wir nun lang züsammen gehabt, lassend die sach aufP difimal 
also berflwen, bifi ich gen München kum! Dann ich bin jetzA- 
mal nit verfaßt. Wir haben doch nit so gar weit züsammen : 
ich kans eüch all tag schicken; dann ich hal» noch kleinot 

so uund galt zA Miuk Ik'u. das mir iVw schuld für 1h>/;iU*ii iiuk-lit.' 
— 'Das gunn dir gott,' sagt der wüi t . *mir ist aber damit 
nit geholifen. So wend sich meine gleUbiger mit werten nit 
bezalen lassen, nämlichen die, von denen ich brot, wein, fleisch, 
saltz, achmaltz und ander speiß kauffen und bekummen mfiß. 

25 Es mflß allwegen bargelt da sein; knmm ich auf den flsch- 
marckt, sehen die fischer bald, ol) ich uiiib bargelt oder auff 
borg kauflien wuU. Nimm ichs auf borg . müß ichs doppel 
bezalen. Ir gesellen aber setzt eüch zürn tisch; [Gl'] der 
würt kan eüch nit gnög autftragen, wann ir gleichwol nit ein 

90 pfennig in der täschen band. Darumb merck mich eben, weß 
ich auff düsmal gesinnet bin! Wilt du mich zalen, mit heil; 
wo nit, will ich mich den nechsten zfi meines gnedigen fürsten 
und beiTen von München secretarien verfSgen ; derselbig wird 
mir wül \ve*s uiul stcij anzeigen, *laiiiil ich zalt werd.* Dem 

85 guten Gjienenwuld was der spietä an bauch gesetzt, wuüt nit 
wo auß oder wo an; dann der wflrt, so auch mit dem teüffel 
zA schälen gangen, was im zü schai'lf. Er fleug an, die aller« 
susten und glettisten wort zii geben, so er sein tag je studiert 



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Rollwagdiibilchleiii, cap. 53. 



71 



m\d enleiicken mücht; aber alles umbsunst was. Der würt 
woit sich aber keinswegs nit schweigen lassen und sagt: Ich 
kan nicht vil umbstend; glatt geschlijOTen ist bald gewetz. Da 
hast tag und nacht wöUen voll .seyn; den besten wein, so ich 

in meinem keller gehabt, hab ich dir messen aufftrageii. Drumb 0 
Uiirtis nur nit viel meüfe. Hast du nit galt, so gib mir deinen 
maiitei , dann so wil ii^li dir wol ein zeit lang borgen. Wo 
du aber in bestimptor zeit nitkumpst, wird ich dein mantel antt' 
der gant verkauften lassen. Diß ist der bescheid mit einandem.' 

^Wolan,' sagt Grienenwald, *ich will der Sachen bald radt to 
linden.' Er saß nider, nam sein schreibzeüg, papeir, föder 
und dinten und dichtet nachfolgends liedlin : 



1. I 

Ich stiiiul .mti an oim uiorgen j 
l'and woh gou MiiucLeu gou ' 

ünd war in grossen sorgen: | 
Ach gott, wer ich darvon! ' 

Meim wDrt, dem was ich schul- 
dig Til, 
Ich wolt in gern bezalen. 
Doch aoff [G2a] ein ander ziel. 

Herr ;?a>t, ich hab vemummen, ' 
Dil r.llt'st von hinnen schier; j 

Ich laß dich nit wegkummen, 
l>ie zerung zal vor mir, | 

0<ler J4etz mir duiji iiuintel ein! 
Demnach will ich ^^ i 11 warten 
Aulf die bezalung dein.' 

3. j 

Die red gieng mir herts&en, j 
Betrübt war mir mein mfit; [ 

Ichdoeht : Dahilfft kein schertaen. 
Soll ich mein mantel gilt 

Zfl Angspnrg lassen auff der gant 
Tnd bloß von binnen ziehoi» 
Ist allen singem ein schand. s 



4. 

*Ach vvüit, uau h.ib gedultc 
Mit mir ein kleine zeit ! lö 

£s ist uit groß die schulde, 
Villeicht sich bald begeit, 

Das ich dich aal mit barem gelt 
Darumb laß mich von hinnen! 
Ich zeflch nit aufl der weit/ 90 

5. 

*0 ga-it, das gschichtmtt nichten. 
Das ich dir borg dißmal. 

Dich hilÜ't kein außred dichten; 
Tag, nacht wollst du sein voll. 8S 

Ich tr»"t«» dirautt'den besten wein, 
Drumb mach dich nur uit masig, 
leb wil bezalet sdn/ 

6. 

Der würt, der sach gant/. ;{0' 

krujume ; 
Waß ich sang oder sagt, 

80 gab er nichts darumme. 
Erst macht er mich verzagt. 

Kein gelt wnßt ich in solcher not, 95 
Wo nit der frum herr Fucker 
Uir hilfft mit seinem radt 



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72 



Georg Wickram, 



7, 

Herr Facker, laßt eüch er- 

bfurmen 
Mein klag und groBse peyn 
o Und kumpt z8 bilff mir armen! 
Es will bexalet sein 
Mein wUrt von mir auff disen 

tag. 

Mein maatel thÜt im gfallen, 
10 Mick failfft kein bitt nocb klag. 



8» 

Dem wflrt thet bald bezalen 
Der edel Fucker gAt 
j Mein schuld gantz ttberalle; 
I Das macht mir leichten mftt 

Ich schwang mich zft dem thor 
' hinanß: 
Aide, du lausiger wQrte, 
ich kum dir nimm inß haoO. 

I 



|G2''] Dife liedlin falit GrienenwaKl hald in sein kopit". 
gieng an des Fuckers hof, lieü sicli dem herru ansagen. AU 
er nun für in kam, thet er sein ^ebttrliche reverents, demna^^k 
sagt er: 'Gnediger herr, ich hab TemuiDmeii, das mein gae- 

IS digster fftrsi; und henr allhie aafbrechen und auff München zA 
zielien will. Nim hab icli je nifc von liiiiiitn kindeu scheiden; 
i( h hab mich (hinii mit püwer «rnaden abgeletzet. Habe deren 
zu lieb ein nows liedlin gedieht; so eüwer gnad das begert 
zü hören , wolts ich deren zftr letze singen.' Der göt herr, 

90 80 dann von art ein demfttiger herr was, sagt: ^Mein Qrienen- 
wald, ich Wils gern hdren. Wo suid deine mittsinger, so dir be- 
hilttlidi sein werden? Laß sy kummen!' — *Nein, gnediger 
herr,' sagt er, ich müü allein singen; dann mir kan bierinn 
weder baß nocb discant helffen/ — *So sing har!' sagt der 

2b Fucker. Der gAt Grienenwald hAb an und sang sein lied mit 
gantz fr&licher stimm herauf. Der gAt herr verstftnd sein 
kranrkbeit bald, meinet aber nit. das der sach so gar wer. 

er in seinem singen zü verston geben liatt; darumb schickt 
er evlends nacli ileiu wiUt. Als er nun die warheit erför, be- 

aozalt er dem würt die schuld, errettet dem Grienenwald seinen 
mantel und schanckt im ein gAte zerung darzA; die nam er 
mitt danck an, zöge demnach sein straß. 

Disen Grienenwald kam sein kunst auft' diüinul gar wol: 
suust hett er sein mantel hiiider im lii>sen müssen und nac- 

a^kend auß Augspurg gezogen sein. Darumb kunst nimmer 
zft verachten ist. 



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Rollwagenbüchlein, cap. 58—54. 



73 



54. 

Ein würt zfi Ingelstatt bracht mit listen ein 
ketten von einem jungen edellmaun. 

Icli liali von einem j^fiteu gsellen gehört, vvukliei- bey und 
mit geAV M ii. daß ein jun^ijpr edelniann zft In^elstatt ein sfält ö 
bj einem wUrt verzert hatt: dann er griff die sacli nur bey 
dem dicksten an, hielt vil pancketen und gasterfen. Als nun 
die siunma seer groß ward, fieng dem gftten wtlrt an angst 
z& werden, gedacht im mangeriey, wie er radt finden moeht, 
damit er bezalt ward. lo 

In den dini(en begab e.s sich, das des jun<;en odolraanns 
vatter. wolchor ein ritter w;is . nach seinem sun scliicket, er 
seit onverzogenlich heimkuiumen. Do Heng dem wUrt erst an 
die katz den nicken auffzölanifen ; er wnist nit, wie er seinen 
Sachen thön wolt Z&letst gedacht er im: 'Wolan, ich müß u 
ein aaden tOx die handt nemmen, ob ich doch mit listen zAr 
bezaltmg kommen m^Ücht/ Er rieht ein f^i bancket sd und 
sagt zu dem edelmann: Muncker, ich verstand, wie das ir heiin- 
revteu uullen. Nun müssend wir uns di imocht züvor mit ein- 
andern letzen und einen guten möt haben. Diß gefiel dem üu 
edelmann fast wol und sagt: *Ja, mein herr würt, woicher 
malzeit mAfi aber semlichs geschehen, damitt ich auch andren 
gflten gsellen, so mir lieb sind, darzA verkünden magf Der 
wttrt sagt: ^Juncker, zftm nachtmal bin ich seer wol gerUst. 
Darumb mögt ir wol güt gesellen mitbringen; so wwid wir 8« 
gantz leichLsinnig sein.' [63''J In summa, die sach ward also 
abgeredt. 

Der wUrt beialh allem seinem gesind, sobald man zü. tisch. 
kem, Sölten sy nur nit faul sein mit einschencken ; so was der 
bescheid aach geben, das sy den besten und sterckisten wein, w 
so er im keller hett, aufftragen solten. Das geschach nach 
allem seinem (des wirts) befelch und anschlag. Dann bald es 
imib die zeit ward, das man zii tisch saß, trug man auft' nach 
der ^»cliwüre ; du höh sich ein groü fressen nnnd saiiffeu :ui: 
der wiUt aber lüfi* stetz von unnd zä dem tisch , damit nuui 30 
anfr sein fttmemmen nit achten, dest weniger arckwou haben 
möeht ; er schirt auch dapffer zA, damit dem jungen edelmann 



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74 



Georg Wickram, 



kein luangel an thncken gelassen ward. Nun hatt der jung 
ein schdne guldine ketten am hals hangen, die was zum we- 
nigsten in die dryhundert <j:ulden wert. Als nun der wirt 
niarckt, das tkr junir j?antz uul InMliuiicken was, sagt er zu 
ö im: 'Juncker, wie mögt ir doch ein gantzen tag so schwer am 
hals tragen*:*' Der Juncker sagt: 'Wie so?' Spricht der würt; 
^Mich beschwert den gantzen tag das hembd und wammes am 
leib, deßglichen mein hAt auff dem köpf; ich fvschweig, das 
irli (.'in niintzcii t:ig solt ein S()lliche ketten an iiiii* tragen.* 

iu — '.>ie dhow' sagt der jung, 'hcscliwert midi gar nichts. Ich 
wolt, es koni einer und schanckt mir noch eine zt deren, ich 
trug sie darzt^, ja wann sy noch so schwer sein solt/ Der 
würt sagt: *Ich mocht doch wol wüssen, wie einem wer, der 
ein semliche ketten trüg/ Der edelmann was nit unbehend, 

Ii hanckt dem würt die ketten an den hals; der schhim |G4'] 
aber gieug nicht dest weniger für sich. Der wilrt lüff von 
und zü, wie er dann vormals auch goMion luitt; anff die letst 
aber verlor er sich gar unnd legt sich schlaffen, acht nit, wer 
die Orten macht. Als nun das sauffen biß über die zeit weret, 

L''j bliben ettlich in der stuben auff den bencken ligen. Die sorg 
was .sehoii bv inn allen dahin; der edehnann dacht nit mer 
an seine ketten. 

Als es momdis tag ward, safä mein güter wttrt auü' sein 
roß, reit dahin, nam kein abscheid von seinen gesten. Nit 

Solang darnach stAnd der edelmann auff unnd meint hinwegzA- 
reiten, fragt oft. wann der w fii t aullston wolt, das er im seine 
ketten geh, dann er muüt reitten. Zületst sagt im der stal- 
kneclit, der würt wer des morgens t'ril darvon ; so wüßt er nit 
änderst, dann er wer ins Elses nach wein geritten. Der güt 

Dojung ward der Sachen nit gar wol zÜfriden, wartet^ biH die 
wirtin auffkam, die sagt im gleich semliche bscheidt. Was 
solt er thi'^n? Er müst hinweg autF seines vatters sciueyben; 
s<j kond im die wilrtin gar nichts von seiner ketten sagen; 
also fär er gantz traurig darvon. 

Über ettlich zeit schreib er dem würt umb sein ketten; 
der würt schreib umb sein gelt Als es aber lang umbher 
gieng. miiLU er im sein gelt schicken, da hielt im der würt 
sein ketten auch nit mer vor. 



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BollwagenbOehlem, cap. 54 — 55. 



75 



55. 

Ein grawsame nnnd ersch rockenliche history, 
so sich auch von w egen eines kauffs oder tausche 

zügetragen hatt. 

Didwil wir j^tzund ^bon von koOffon« wettnngfen und tau- 5 
sehen angefangen band zd scbreyben, ursacbt mich auch ein 
graweamme und gantK erscbrockenUche history, so ich dann 
m\h erlebt, auch beide personen, weyb und mann fast wol 
ctkant liab. Neramend war, es ist ein statt im Elses i^eleijen. 
Ueychen Weiler genaiit; iliejielbig ist j^iaf .luii^tMi von Würten- lo 
berg zügehorig. In deren wonet ein wUrt, und hieü man das 
wirtshauß zürn b4ren. Derseibig kam auff einmal in einer 
zech mit einem anderen wttrt in ein red; ein jeder wolt, der 
ander wer reycher. ZAleist kamen sy in eme sÖlliche wet- 
tung und tausch, das ein jeder auß seinem han6 von hab und 15 
gut iiou s<ilt, und der ander in seines tauschs hauß goii. iil»er 
auü :jtin' ni vorioren hauß nichts tragen, weder barschalii, Sil- 
bergeschirr, hauüradt noch kleider; nichts außgenunmien, allein 
was einer von gewand. zü seiner notturft haben müßt Als- 
bald schlügen sy einandem den kauff z6. Do waren von stund 20 
an gesellen, die druncken den weinkanff, damit der tausch be- 
stetigt ward, wie man dann im Elises ein sunderen bdsen brauch 
hatt. Dann so senilicli iinerbare keütl" beschelu'ii. tiiidt maiüi 
bald solche loüc kuiülen. die lielffen zu söklicii luierbaren 
keütfen, damitt sy allein den weinkauff ze tnni ken ha- 25 

ben und inen der kropfi' gefüllt werde, es geradt der kauff 
hernach, wie er w61le. Also gieng es auch mit disem eilenden 
tausch zfi. 

Nim hatten sy beid ein zeit bestimbt, so solt ein yeder 

syn hauß unnd hab verlassen und inn des anderen hauß gan. 
Der ander würt aber, so mit dem vom Reychenwcilur getausclit, 
was nicht in der statt daheim, aber allernechst darbey in einem 
flecken Hunnenweyer genant. Als nun der vonn lieychenweiler 
beymkam und seinem weib den tausch saget, ward sy über 
die maß seer betrttbt , bat iren mann auch offt , er solt von 35 
solchem fOmemen abston unnd sich mit seinem gegenteyl inn 



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76 



Georg Wicknuu, 



ander weg vertragen; dann sy het ir entlieh ftti^enommen, 
ee zä sterben, ee daß sy au6 irem ejgen baufi, von hab unnd 
gflt ziehen wolt Disen zanck nnnd katzbalg triben sy lang 
miteinander; dann der wirt. ir mann, wolt dem andern des 

ö taiischs in keinorlcy weg abitMlt sein; so wolt in auch jenner 
des tau.si Ii*- nnnd rrharon kautlr5 lui Itt «n lassen. Nun priontr 
die wUrtin von Keycheuwiier grois schwängert also das sy gar 
schier gelieren solt 

Auff einen tag hatten sy sich aber gar hart mit einander 

10 gezancket und erhaderet ; zfl dem mal hatt der würt nit son- 
ders gest im haufi, dann ettlich arbeiter, so anfi dem Schwaben 
und \\ < Ischl. and irer arlu it nach an das fifebir^e ins Klsaß 
ziehen: sonst was nyoinainls im hauü dann kiioclit inid iniifft. 
Ah sy yetzt alle nach (hin nachtmal schlaffen gangen, der 

lö hader und zanck [0 b^] fUr und fUr mit dem wirdt und wirttin 
geweret, ist inn der nacht von denen, so im haufi gelegen 
sindt, dergleichen von ettlichen nachbauren, so am nechsten 
gesessen sindt, ein geschrey nnnd tiimult im hauß erhört wor- 
den. Dieweil .aber meniiiLjklich von dem zanck und streyt, so 

20 die zwcy mitt einander gehabt, wi.s.s('n8 getragen, hat jedeiniaii 
gemeinet, der würt Schlahe sein weih. Aber der knecht im 
hauä, als er seinen meister die gantz nacht so hört umbschwir* 
men, ist er zdletst aufPgestanden und seinen meister ange- 
schmwen und gesagt: ^Meister, was ist doch dise nacht ftlr 

So ein ernstliches gefert im hauß? Will euch yemants Oberwel- 
tigen V* Da hat im sein meister geantwurt und gesagt: *Was 
bleibst du nit ligenV Biü zu rlirten und lege dich! Mir thöt 
Ii iiKimlts nichts. Ich hab mein weib ein wenig geschlagen.* 
Also itit der knecht wider zil bett gangen. 

80 Des morgens aber, als alles volck im haufi auffgestanden 
ist, hat weder meister noch fraw aufi der kammem gew^llen 
gan, da6 man doch vor nye ann inn beyden gewon gewesen. 
Als man aber zAletst die kammer anffgethan, hatt man die 
fraw mit vil wunden am Ixtl dun listochen todt Ii gen , den 

SöniMim etthch «ihritt vom bett und ein messer, mit »über be- 
schlagen, in im stecken todt ligen fundeu. Davon dann men- 
nigklich grossen schrecken empfangen, und hatt man semlich 
grawsam geschieht eylentz den amptlüten angesagt. Die haben 



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RollwagenbOelileiii, cap. 55—56. 



77 



^^leieh, dieweil ^er argwon so groß gewesen, alle die, so 
dieselb nacht im luiuü gele<^en. |0H"] «refen^^lirlien angeniim- 
men. Witwol un8chul<li<x <jfev,esen, nucli daiuiuchfc hat sy 
grosser schrecken und torchl umbgeben. Zületst <üs die ent- 
leibten peraonen sind begraben worden , hatt man den nach* i> 
lichter von Colmar beschickt, understanden , die gefangnen 
peinlich zfl fragen. 

Es bat aber der nachricbter, als einer, so diser ding ge- 
jitle^en, auü vilen zeiclien und argwonischen stucken der Sachen 
gar weyt nachdenr-ki iis Li:( h:iht, darzii aucli den amptleüten lO 
geraten, mit den getangnen nit zu eylen; dann es wolt in 
gentzlich beduncken, der wttrtt hett semlichen mordt an seinem 
weib und an im selbe begangen. IHsen reden haben die ampt- 
letlt, als denen die sach hart angelegen ist, zA hertzen ge- 
nommen und nacligedacht , auch ye lenger unnd meer dem 15 
todtschleger als dem würt die sach veitrawet, wie dann a.u& 
gar vilen zeichen abzünciuen gewesen ist. 

Autf diü hatt man sy wider auß der erden lassen graben 
und noch ferrere zeichen an dem morder [gefunden], so dann 
sein eigen fleysch unnd biüt inn mftterleib sampt seinem ehe- » 
gemahel lästerlichen erm6rdet hat; der hat ein solchen b6sen 
geschmack von im gehen, das unglaublichen z& sagen, und isi 
also durch den nachrichter an ander gewonliche staft, da solch 
verzweyfelt coq)ell hingehören , gelurfc wurden. Des weibs 
corpell ist in dem grab beliben. Gott sey ihrer seelen gnedig 2ä 
unod gebe dem andern tauscher grosse rilw, so nit die wenigst 
ursach an disen dreien morden ist gewesen. Wie unrecht ist 
es gethon, eines [06**] andren güt also durch geferiich tau« 
sehen an sich sfi bringen! 

Dise histori hab ich auffs kortzeet hieher m&ssen setzen,«) 
daiuiL menicklicli ein gjjniigen hab an demjenigen, so im vunn 
gott beschert ist, dasselbig nicht also inn windt schhi^en, als 
wann er die gaben gottes wolt veracliten. Üarumb lond uns 
semlich unerbar tauschen und solch geferüche keuff vermeyden l 

56. ^ 

Wie zwen dieb einem pfaffea das podegram vertriben. 

Zwen dieb hatten lauge zeit inn gemein mit einander 



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78 



Georg Wiekram, 



gestolen unnd allweg tngentlichf wa& sy überkamen, mit ein- 
ander getheilt. Auff ein zeit kamen sy in ein kleines stettlin, 
konien darin irer gattuii^ nicht bekummen. Zfiletst wurden 

sy /AI radt, «2rien^<'ii liiii;uiü iiutt' ein ufroLi d«»rtl', bewurlH-n sich 
ö lunl) ir kiiutliiiiiiisi-hat/. diimit sy s-i< li mit elueri ;iul^ möchten 
Itiiiiuo n. »Sy erkunten sich so wol, das der ein einen hauffen 
nUü auff einer liurden ersehen, zä denen er nachts wol knmmen 
mochi. Der ander fand einen aehaffstail im dorff, darinn wa- 
ren vil gflter feister schaff und hemmel; under denen wolt er 

10 einen stelen; des morgens wolten sy nllß und hammel in dem 
stettlin verkauffen. Sy wußten aber kein sicher ort im dorff. 
diilmi sy ii t ii kram, so sy nac litlirlier weylen überkamen. tra«^en 
möchten. Zum letsten besanen sy sich an den ferner oder 
beinhauß; daselbst solt der, so am ersten sein diebstal über- 

idkäm, des andern IQ7^] warten. 

Nun waß ein seer reicher pfaff im dorff, der lag gar hartt 
an dem podegram unnd hat zwen starcker junger knecht, die 
seiner warten mülAten und in hin und wider heben und tragen. 
Es be^ab -idi. als es gantz tifisicr wurden waü. (Jas die zwen 

20 dieb yeder nach seiner wahr gitng. Der mit den nUssen w^as 
mit ersten fertig, trüg einen grossen sack voll auff die todten- 
bein. Der ander aber, weüi nicht, was in verhindert, kondt 
nit zA genist kommen. Sein gesell aber, damit im die zeyt 
vergieng, saß auff den todtenbeinen und aß nflß, warff die 
schalen hin und wider im gemer. 

Nun begab es sich, das dem pi.ilicii in der nacht das 
liecht außlöscliet. Er wardt zornig über seine knecht: dann 
sie waren beidsam eutächlaffen , hatten die ampel nicht ge- 
schieret. Als sy aber kein liecht schhigen kundten. sagt der 

DO pfaff z(k dem einen, er solt ins beinhauß gon und ein liecht 
auffzünden. Der gut gesell was geschwindt auff den f&ssen, 
lieff dem beinhanß zfi, und als er jetzund die stiegen hinnab- 
kuni))t, so hr>ir er den dieb iiüL"; krachen und die schalen hin 
uiiiid wider werffen, davon im ein gmsscr schrecken ziVstundt. 

3* Kr lieff eylens wid. r zu liaiiß on ein liecht. Der pfaff ward 
zornig; als aber der knecht die ursach anzeyget, schickt er 
die beyden knecht mitt einander. Als sie aber auch naliendt 



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RollwageubQchlein, cap. 56 — 57 



79 



Wnzükamen, hörten sy beid den dieb auff den 1>einen. Sie 
Jietien beheiidä wKleiumb zu hauß. 

Als sy aber kein lieclit brarbten. ward der pfaft' ül)er die 
niaü zornig [G7''] und bei'alii seinen knechten, güte weiche 
kflssen auf ein mistberren zü letzen unnd in darauff in den '* 
gemer zA tragen. Das geachach alles nach seinem befelch; 
sy kamen zft dem gemer. Der dieb aoff den todienbeinen 
meint« sein gesell kern mit dem bammel, und schrey von den 
lieinen herab: 'Thö ^inach, thii irniach! Ich will dir in iielffen 
heben.' Die kiieclit meinten, es wer der te^ffel , Hessen den 10 
pfaffen fallen und lieÖen darvon. Der dieb rumplet über die 
todtenbein hor.ih und sagt mit lyser stimm, meint, sein gsell 
wer da und hett den hammel; er fragt: 'Ist er auch feifit?' 
Dem pfaffen ward so angst, das er des podograms vergaß, 
lief dabin^ als wer er ansinnig; der dieb fainach, meint, sein 
gsell wolt den hammell allein behalten , und schrey hinach : 
'Hab itli kein theil daran?* — 'Nein,' sagt der pfaff, *du bo>< r 
geist, dir soll kein theil werden/ — 'So f<oIt du auch kein 
theil an den nassen haben/ — Der pfaö sagt : '0 ich will 
mich gern aller nassen in ewigkeit entzihen/ Defi morgens ^ 
schickt er nach allen bauren und gab inn all die missen wider, 
so im zft zehenden worden waren, und vergieng im also sein 
podogram. 

57. 

Ein Frauck batt sieb auü eim bechei* krauck geti-uuckea. ^ 

Ein frenckischer g&ter stallbrüder was in eim solchen 
brauch kommen, das er meint, er müßt allen tag zflm wein 
gan nnd sich voUsauffen; des [G8*] kam er zAletst in ein 

grosse kranckheit, alles trosts und hoffnung zü leben sich gantz 
verwctren thet. Im ward von ^nten freünden geraten, er solt 
nit so kleinmütig sein, solt doch mittel unnd radt bey dem 
artzet söchen, er raocht nach diser kranckheit woll auffkomnien. 
Der güt gesell volgt disem radt, liefi im den artzet ber&ffen; 
der kam eylents, den krancken zA besichtigen, damit er im 
radt inn seiner kranckheit thün m6cht. 35 



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80 



Georg Wicknuii, 



Als er im nun den harni besehen uml den jmls bei^ritfen 
hatt, da befand er an allen warzeyclien, (UiLi ini solche kraack- 
heyt Vüun grossem trinken zögesfcanden wa«. Der kranck be- 
gert z& wissen, wie im sein knmckheyt gefaiien thet Der 

ö artzet was ein seer gftier schimpflicher mann, der sagt: ^War- 
lich, Heber son, ich kan nichts anders an dir befinden, dann 
das dich der becber f^estochen hatt. Uii möst dir mit glesern 
und bechern abbrechen, wann du wider deiner kranckiieyt auff- 
komniest/ — 'Ja, lieber herr/ sagt der kranck, 'ich bitt, w61- 

V) iend viei& mit mir ankeren, so will ich mich aller becher und 
gleser alle meine tag massen. Und wann ich schon ztbu wm 
und güten gesellen gang, will ich mich auli einer fleschen voll- 
sauffen.' l)iser red lachten all»» nmbstender nnd auch der ar- 
tzet, naui urlob und zocli seins weges wider hau&. 

58. 

[G8^] Ein Bayer aß saltz und brot, damit im der 

trunck schmecken soit* 

Auff ein zeyt fär ein mechtig schiff auff dem meer mit 
grossem pfit und kauffhianschatz beladen. Es begab sich, das 

2u Liji urosse furtnn oder torraent an sy kam, als<j tlali sich me- 
nigkiich zü sterben und zu ertrincken verwegen thet. Auff 
dem ächifl;' waß ein grober und gar ein ungebachner Bayer; 
als er von mennigklich hört, daß sy sich zft versincken unnd 
zü ertrincken verwegen hatten, gieng er über semen lederen 

85 sack, nam daranß ein güt^ grosse schnitten brot, reib ein gftt 
theyl Haitz darautt'. hiib nn nnd aU daü gantz «^utigklichen 
inn sich, iieü ander leUi betten, gott und seine heyligen an- 
räffen. 

Als nun auff die letst der torment vergieng nnd alles 
8(»volck auff dem schiff wider zfl rhilen kamen, fragten sy den 

Bayer, was er mit seiner weyß gemeint hett. Der göt B&yer 
gab auff ir fragen antwuii und sagt: 'Dieweil ich von euch 
allen hört, wie mir undergon und gar ertrincken solten, alä ich 
saltz und brot, damit mir ein solcher grosser tronck auch 
«5 schmecken mocht.' Diser wort lachten sy genäg« 



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Rollwag«nbacb)eiii, cap. 57—00. 



81 



59. 

Von einem, so gott für seiner armüt daucket. 

Inn aller gantzen weit ist ein armer mann nnwert , er 
kninl) «bleich, wo er woll ; hab auch nie von keinem veniüm- 
hien, SU .sieli senier ainiut ge-[H l*Jfr6wet oder getrost hab« ä 
dann eben disen gi\ten companieD, der dann eben zimblich an 
gott seiner armöt halben seer groasen danck gesagt. Das aber 
fugt aich dermasaen. 

Als der Frantzos mit einem grossen volck in das Elsaß 
zogen nnnd yetzt sebon über die Zaberen stei^ kommen was, lo 
ist ein reicht r thumher zu gemelten fresellen kommen und gantz 
ernstlich mit im von den schwel)eiitl( ii louften geredt. 'Ach 
mein Zentins (also hießt der güt t'rtindt), waa meinstu, das 
aoß disem krieg und wesen werden wöll? Ich sorg, der Fran- 
tzos werd uns plagen nnnd zd armen lettten machen. Ich weiß i$ 
nit, wie ich mein dingen thAn soll. Hett ich nnr 14 tag 
lenger zil, ee dann er kern!' — ^Eo' sagt diser, * warnt ich 
inn ewrem hemlxl steckt, ich wüLii mich woll zu halten.' — 
".So radt mir auch, lieber Zentz! Wie soll ich imthönV Diser 
^ah im gar mit ernstlichen geberden, wie er dann in gemeinem 20 
brauch hat : 'Thüd eins,' sagt er, 'und gond zum schultheis.sen, 
bittend ihn omb den stab, ist euch umb zwen pfennig zA thün, 
gebt die einem weibel mid lafit im gebieten, das er diser statt 
zwing und beinen miessig gang, so mftfi er nach der statt 
Ordnung 14 tag warten.' 25 

Der pfaff raarckt den spot, ao diser mit im ti'eib. ward 
etwas darob erzürnt und sai^t: *.Ta, du hast göt darvon zu 
reden, dein sach stadt yetzund wol, dieweil du nichts zu verlieren 
hast.' Darauff sagt diser: ^Das sey gott gelobt ! Yetzund sich 
ich erst, warzA die armdt güt ist; ich wolt aber nit, das ich 80 
meer hett, dann ich hab.' 

60. 

[H 1^] Ein Schwab beklagt sich, das gott nit auch in 

Schwabenland gevveinct hett als wol als in Italien. 

Ein gftt fnimb einfeltig mann aufi dem Schwabenland» 

WiekTMtt in. 6 



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82 



Georg Wickraiii, 



20g gen Kom wallen. Als er mm in Italien kummen ist. hat 
er bey einem wttrt eingekect, der hat in schon empfangen; 
dann er wol gelt zü verzeren hatt. Der wUrt hat im ftlrge- 
tragen, wafi er gAts gehabt hatt, darzA die allerbesten wein, 

5 so man inn Italien hatt, als Veltelin, Roynfall und andre güten 
geschleck: die lialirn de in «^iiren Schwiibeji j^ar woU geschmeckt. 
Derhalben er zületst den würt fragen thet, was doch solches 
liir tranck were: hat im der würt gleich gedacht, er hett 
einen rechten künden außgangen; dann er was auch ein ge« 

lobomer Tentscher und ein grosser spottvogel. ^Liber frfind/ 
sagt er, *dem tranck, so ir nachfragen, sind nnsers herrgotts 
zeher/ — '0,' sagt der Schwab, 'du lieber gott, warumb hastu 
nicht auch im land zft Schwaben geweinet V* 

Diser gäteu eiuleltigen ieüt hudt mau nit vil meer bev 

15 unsem tagen. 

61. 

Ein reisiger kaecht reife ein bflchsenschutz von Col- 
mar, entschlafft, kuiiibt wider hinein, meint, er sey 

zü Schletstatfe. 

so ZA Colmnr züm mldemann hat der würt hochzeyt, und 
was für gest in denselbigen zweyen tagen inn die berberg ka- 
men, vonn denselbigen [H2*] nam er gar kein ftrten, sonder 
hat sy allsamen z(\ gast. Es kam auch eben in der zejt ein 

reisiger knecht von dem wirtenbergischen holf dahin, der nam 
2ö den wein dermassen zu im, als er hinmiuß für die ])orten kam, 
stäüd er vonn dem pt'erdt ab und legt sicli nider, entschlieff. 
Der gaul war ledig, iieü' im feid lunblier, ward vonn eini bur- 
ger gefangen und an die porten geüuret. 

Als nun der gAt reuter erwachet, mangelt er seines gauls, 
ao davon er seer übel erschrack ; er lieff eylens der stattporten 
zö, fragt nach seinem pferdt. Das hat einer auß der statt 
uutfgefangeii iiiul au die porten LC*'tVirt und angeliniidcii : des 
ward das gUt reuterlin fro, sali anÜ" >- in roß, incint nit än- 
derst, dann er wer zö Schletstett unnd reit widerunib inn die 
95 statt. Als er aber wider zü der herberg zum wildenmann kam. 



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RoUwag«nbfich]eiii» csp. 60~'62. 



83 



sähe er erst, wo er was; mfliit also die nacbt blejben, dann 
es schon affler tagzeyt wsls^ unnd ward yederman zfim Spot. 

Von der beünn unnd der süssen Martinsmilcb. 

Ein reicher baner saü Inn einem dorff, der bat gar einü 
grossen brauch von knechten und m&gten. Nun begab sich 
auff Bant Martinsnaclit, das er seinem haufsgesind die MartiuH- 
j^anlj <;h1j. und hat ein seer güt mal zögericht von geijuttens, 
gebiatens , hfmem , gensen und srliweinenbraten. Darzft liat 
er die allerbesten und stercksten newen wein, so er [112^] an- lo 
kummen moclit; daiä gesind miißt allessanien voll sein unnd 
nur dapffer bausen. ZÄletst als der tisch auffgebaben, bracht 
die bettrin erst ein groß kar mit gflter sftsser milch; darinn 
stigen sy mit den l^fflen und hatten gar ein guten schlam. 
Innsonderheyt die hettrin thet nit änderst, dann wann u die U 
milcli entlauÜen vs -lt. Der bauer sagt; Mieraach, mein liebe 
Greta ! Dann dir die milch öiinst wee thün wirdt , wann du 
sclilaifen gast.' Die beürin kart sich nicht an den bauren unnd 
aü nur dester fester. 

Als aber nun die tröscher schlaflPen gangen waren, hattso 
in der nacht den einen tr6scher seer angefangen zü dürsten. 
Als^ber er im bett gelegen und gar findtlich mit dem maul 
geschmatzt, hatt in sein i^oscll zuletst gefragt, wubi im angelegen 
were, hat er ihm seinen grossen durst angezeygt. 'Sciiweig,' 
sagt der ander , 'ich wii dir bald helifen ; dann die milch- ^ 
karamer stadt noch offen. Ich will uns gan ein güten hafen 
mit milch zflwegen bringen.' Nun wai» die milchkammer zft- 
negst an der tr5scherkammer unnd auff der ander seyten des 
bauren kammer; die stdnd auch noch offen. Als nun der ein 
troscher in die milch kumiuer klimmen was, gropet er so lang, ao 
biß er die milcli fand; er trauck im recht goniVr, nam «lar- 
nach ein grosse railchkachlen voll , wolt die seinem geselle» 
bringen, darmit er seinen durst auch loschen möcbt; und als 
er auß der milchkammer gieng, verfelet er des wegs. Dann 
als er meint, er gieng wider zA seinem gesellen, kam er innSo 
des bauren kammer. 

6* 



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84 



Qoorg Wickraiu, 



[HS*] Do lag die beUrin mit blossem hinderen ungedeckt; 
der gAt tr68cher meint, es wer sein gesell, der wer wider ent- 
schlaffen, hüb iren die milch ftlr den arfi. In dem ließ die 

beürin einen blast von ir gan; der troschtT sa^^t : 'Du narr« 

h was blasest du an der kalten milch ? Ich mein, dn sovest noch 
voller wein neyd nechten.' Inn dem empt'ör der beihin nocli 
ein bläjiterliug; do ward der trdscber erzQmet, erwUscht die 
milch, ▼ermeint, die seinem gesellen in das angesiebt zft schüt- 
ten und schQt sy der beürin in den hindern. Davon erwachet 

v> die beürin und wufit nit, wie ir geschehen was ; sy gehfib sieh 
übel darvon; der baur auch auÖ'erwachet, fragt sy, was ir ge- 
schehen wer, *0 wo.' sagt die beürin, ich weifä es nit , ich 
Hg gantz naii um dem bett' Der baur sprach : *iSagt ich dirs 
nit nechten, als du der milch so vü essen thettest? Dir ist 

15 eben recht beschehen.' 

Der tr6scher schlich aufi der kammer, befand erst, das 
er so grob gefalt, kam wider zfi seinem gesellen. Der was 
gar zornig über in, sagt , wo er so lang außblibe; der durst 
mochte einem in so langer zeyt dreynialen vergangen sein. 

'■"^ 'Lieber gsell,* sagt diser, *du weildt nit, wie ea mir gangen ist. 
Ah ich mit der milch auiä der kammeren gon woit, kam mir 
die beürin entgegen, schalt mich ein dieb und gieng mich vast 
Übel auß, wiewol sy mich nit erkant. Damit sy mir aber nit 
nachvolget biß in unser kammer unnd mich erkant, nam ich 

8ö die milch unnd schut ir die in das angesichi Also kumb ich 
üU die milch.' 

Also beselieiti disor trosciier der beürin ir bet [HS**] unnd 
beredt s« inen gesellen auch, das er im glaubt^ wie er im ge- 
sagt hatt 

Von einem laut schreyenden münch auff der kautz- 

len und einem alten weib. 

Zft Poppenried wonet ein münch, der dieselbig pt'arr solt 
versehen. Er hatt ein überauß grobe stimm; wann er auff 
da der kantzlen stfind, wer in vormals nit gehört hatt, der meinet. 



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BoliwagenbUchleiOt cap. 62^64. 



85 



er wer von sinnen knmmen gewesen. Eines tags hatt er aber 
ein seiniichs jämmerlicli geschrej; da was ein gAte alte witt^ 
fnw in der Idrehen, die schlflg beide hend hart zAsanunen und 
weinet gar bitterlichen; deß nam der mOnch gar eben war. 

Als mm die prrdij^ aiißp^f*"ir. ^ler niUnch zö der fiauwon h 
»prach« was sy ki\ seailicher iuuiaclit bewegt hett. '0 lieber 
henr/ sagt sj, *mein lieber haulswürt »elig, als er auß diser 
zejft scheiden wolt, waßt er wol, das ich mit seinen frflnden 
sein Terlassen hab und gät theilen mftSt; dammb begabt er 
mich vorauii mit einem hüpschen jungen esel. Nun stfind es lo 
nit seor lang nacli meine« niunns seligen Unit , der e.sel starb 
mir auch. Als ir nun heilt murgen also mit einer grossen 
imd starcken stimm anff der kantzlen anfiengen zA schreyen, 
gemaneten ir mich an meinen lieben esel ; der hatt gleich ein 
seinliche stimm gehabt wie ir/ 16 

Der münch. so sich einer gar gftten schencken bey [114*1 
(lern alt^n niiiterlin versehen hatt, darbv eines grossen rflnis 
von ir gewertig was, fai^d ein gar verächtliche antwurt, also 
das sy in einem esel verglychen thet. Also geschieht noch 
gemeinlich allen rhAmgirigen; wann sy vermeinen, grossen ao 
rhflm zü erlangen, kummend sy ettwann zA allergrossistem spott. 

64. 

Von einem bauren, wAlchem das maul unwüssend 

aui) dem angel kam, und wie im wider geLuilleu ward. 

In einer statt im Kises gelegen kamen au einem wochen- 25 
marckt ettlich frembd wundartzet, scherer und steinschnider 
zAsammen. Es was einer imder disen meisteren, der wolt einem 
burger sein san das schererhandtwerck leeren; kamen also in 

einem wirtshnul^ zusunien, damit sy des verdings eins wurden. 
Ks war aber ein voller l)riur im wirtshiudA : wiis man retli tnlorao 
bandlet, wolt er allwegen zü allen sachen sein pfeunigwert 
aach reden und mer dann ander leüt vom handel wdssen. Das 
dann nit unbillich die gAten meister verdriessen ward, nnd nttt 
dettminder mit irem handel ftIrfAren. Als nnn der voll baur 
marckt, das man im auß seiner red niclits nit wolt kummen35 



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86 



Georg WickrAin» 



lassen, le^t er sicli zwüschen zwen tisch uider auff einen banck 
unncl ward hart entschlaften. 

In dem wurck-n ilie guten hen en mit irer sach fertig. Bald 
ersieht einer under inen den vollen bauren imfT dorn [H4'*J 
ö banck. £r sagt zü den andren: ^Jetzimd wolticli den bauren 
wissen zA bereiten, das in sein ejrgen weib nit mer kennen müßt/ 
Das begerten sy alle zA sehen, wann es on schaden zfigon mocht. 
Bald nam der scherer seinen rock nmb sich nnd stftnd Aber 
dem bauren. ncht im in einmi aiiLr<'n))li(k das iiiaul nnlj dorn 

lOan^el snnder allen sc Imicrtz . dai von der baur ein sclieitzlich 
ansehen gewan, kein mensch so scheitzlich ye gesehen hatt. 
In dem aber von den andren sich ein gro& gelochter erheben 
thet, kam der würt in die stuben, hett auch die ursach irs 
gelechters gern gewü&t. Bald zeigen sy im den vollen schlaf- 

lafenden bauren mit seinem weiten anffgespanten maul, darvon 
der würt erschrnc k. kond nit wissen, was zftfals diß was. Er 
gieug ylens liiir/.fi. schOtlet den bamcn. so fast er mocht. biß 
das er in von dem schlaff auflPerwec ket . fragt in, was im so 
sclnn ll wer zugestanden. Der banr Jiatt den mangel noch nit 

SO befunden, wolt dem würt antwurt geben, do kundt er gar nit 
mer reden und kein wort aufisprechen. Dann was er sagt, 
was nur A a a. 'Ach gott/ sagt der wOrt , *wie ist doch di- 
se)n gtlt^n mann geschehen ?* Als nun der banr rtndit erwachet 
und lictand. das er gar nit mer reden kundt. darzu das maul 

2:. nit mer züthün, do lieng im an vor «.(rosser angst die truncken- 
heit zü vergon, ward gantz nüchtern, gehöb sich mit wei£ 
und geberden fast übel, kondts aber gar nit zö worten bringen. 
Der würt, so ein sunder groß mitleiden mit dem bauren hatt; 
fragt in, ob er die kranckheit vor mer an [H5*] im gehabt 

ao hett. Der baur sehnt den kopfP, kund aber nichts sagen dann 
A a a. Zill» ist sagt der meister. so im das maul auU den 
schlössen geln l)t hatt: *Tch wität im wol in einem hn helffen, 
wann ich t^f dci hl. das er mir auch lonet für mein kunst.' Der 
baur hüb beide hend gegen im auff. gab mit dem haubt zei- 

85 eben, er wolt im seiner arbeit wol Ionen. Also fordert er 
einen gülden, der maüt vor allen dingen bar ligen. Bald er* 
wüßt der baur einen teller, zalt einen gülden darauff, trög 
den also mit auffgespertem weitem maul zäm tisch, darvon 



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Rollwilgeii'üüchlein, cap. 04—65. 



87 



aber ein ^jioü freleohter fürgien^. Also n;iin in der meister 
wider under den ruck, liatt im augeiililicklioheii das maul an 
f^ein alte statt gericht. iJie andern giften herren üengen au 
zü der - when reden, er solt dem bauren ettwas voim dem 
golden vridergeben, dieweil er Boch das so mit ringer arbeite 
gewmmen hett Zületst ward die rachtung gemacht, das er 
im die zweti dicicpfennig widergab, den dritten verzechten sy. 
Diü was deß unverschämten schwetzigen bauren stratt". 

65. 

Einem ward ein zan wider seinen willen außbrochen, lo 

als er gern gessen hett. 

Ein kauffinann au6 dem Schwabeniand schicket einen jun- 
gen diener in Italien, seine gescheit eines theils darinn anß- 

zCirichten. Dem jungen aber kam es sc» r iilicl: dann er dcLi 
welschen gar nit bericht was. Kr kam in <'in statt, darinn lö 
[H5''I knndt er sich gar nit ertragen aulä mangel der sprach. 
Nun hett er fast gern gessen und wuJat nienan kein wirtzhau& 
Von nngesehicht begegnet im ein Teütscher, den erkant er an 
sein kleidung; er grüßt in au£P göt tefitsch. Diser dancket 
im <]^ar frOntlichen. Also bat er in. er solt im ein wttrteshauß » 
weysen. Der gut gesell was gantz williof, sagt im, wann er 
.stracks für sich gi^ ng die lanu;«' fassen hinan IV. wiu'd er einen 
gemalten schUt vor der herberg hangen üehen; daselbst solt 
er einkeren, dann er fand güt horherg. 

Als er aber die gassen auffgieng, sieht er Tor einem scher- 25 
hanß ein gemalten schilt hangen. Er meinet, er wer des wirts 
hanÖ, von dem im gesagt was, zoch hinein. Bald er in die 
stnhen kam, stönd der mcister \md die knecht gegen im auft". 
iuc-inct. n . er weit zwagen oder scheren. Als sy in aber in 
wel^h fragten, was im angelegen wer, deülcL er auff den ao 
mund mit <h r band , meint, er wolt gern essen. Die scherer 
aber YerstAnden, er litt sehmertzen an eim zan, denselben wolt 
er aofibrechen lassen. Bald satzt man im einen stfil dar und 
ein kttssin, daranff hieß man in nidersitzen; von stund an kam 
der meister mit seinem instrmuent imd wolt im gleich ins^i 



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88 



Geoi^ Wickram, 



maul mit. Do der jiin^ semlichfi marckt, underetflnd er sich 

zü wereii. I)< r mcistcr belalh tlcn knechten, sy soUen in lie- 
ben, dann vr litt groi;?^en sclinif rt/,t-u an zeneii. Alsu vvurften 
sy in z&nick unnd brachen im wider allen seinen willen einen 
5 zan aufi. Derhalben nii gut ist, in ein yedes wirtshaii^ ein* 
zäkeren. 

66. 

[H6*] Von einem scherer, der seiner mdmeu senö' 

under das blAt schiitt. 

10 Es war ein scherer, der hat ein basen, die kam zü vil- 
malen zü im, daß er ir lassen oder ein ader schlagen mAßt, 
w51ches er zfi zeiten mit fi^rossem Unwillen thet. Er wüßt nit. 

wxmiit er iren doch das lassen erleiden moclit. tliuiiit &v in iiit 
so vilmnhü iiberli5ff. Kiiies ta^^s kam >y aber, liel3 auff der 

15 median ein ader 8ülila«(en, bat iren vettem. er solt ir blut 1h'- 
sunder stellen, bit3 dn^ sy widerkeme, dann »y niocht wol 
sehen, was es für ein färb gewinnen wolt. 

Als nun die gflt fraw hinwegkam, da nam er geschwind 
ein 16ffel mit senff und sehnt den under das blfit und rÜrts 

20 umb einander: da ^ewan es «ynr ein wnnderbare scheitzliche 
falb Nit lanjj darnach K ini die gilt tVaw uml wolt ir 
geblut l)esehen. Der mUlili- (oder, wio man sy an an- 
deren orten iif-nt . bali»ierer) fört sy darzu. Als sy das un- 
geschatFrn j^eblüt sähe, erschrack sy über die maß; dann sy 

85 meint sich des tods gantz eygen sein. Der halblerer trost sy 
und sagt: ^Mein liebe baß, du solt nur ein gfiten mftt haben; 
du bist jetznnd von vilen sorgklichen febren erlöset. Solt diß 
geblSt bey dir hüben sein, was meinst <hi , das anders dann 
l?ar sorgkliche feber darunfA entsjtniugxii ucren?' Damit ho- 

30 redt er sie, das im die gut Iraw alier seiner red glaulx ii ^^ab« 
Sie bat in gar früntlichen. er solts noch nit außschUtteu; dann 
sy hett eine gefetterin, [H6*'] deren wolt sy es zeigen, sie 
wirt sich nit wenig darab verwunderen. Bald sy semlichs 
gesagt, lieff sy, samlet ein grosse schar weiber, sagt inn von 

86 irem blfit und wie es so gar ein schedlich ding umb den senfV 
wai, das er das gebliit mit einander vergitl'tet; fürt sy damit 



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Rollwagenbachlein, cap. oe^-e?. 39 

Uber das geblut. ' Abo ward bald ein ^nnts lautprecbt ge- 

schrey in der statt, wie vonn der guten trafen were senff im 
gebliet gewesen. 

Als nun der scherer meint, es wer jetsuud weit genäg 
auiigeschoUeii , hatt er etlichen weibem nnd mannen flarvon ä 
gesagt, wie es sich sögetragen und verloffen hab; dieseibigen 
haben ein seer groß gespey darmit getrihen. Zületsten ist es 
der gdten frawen auch fürkmmnen, die dann auch von man* 
chem verspeit ward. Dise schniacli hatt sy von irem vetter 
so zö hohem zorn angeuummen. daü sy gentzlich verredt hatt. lu 
in sein hauß nit mer zü kummf ii. wölchs im mit gantzoiii lieb 
ist gelebt gewesen. Also kam er ir mit irem lassen ab. 

07. 

Von einem pfaffen, der bj nacht anfiP einem wasser 

seltzam obentbeür erfaren hatt. 15 

Ein guter, frummer, einfaltiger pfatt. so nie mit dem 
teüffel z& schölen gangen waü, gieng auff ein zeit über fild. 
Er was in seinen tagen nit vil gewandret, hatt wenig von welt^ 
liebem brauch erfaren. Das gflt herrlin kam in einen seer 
dicken wald, darinn überfiel in die nacht so gar gachlin-| HT"] 
gen, das er nit wu&t, woanß oder wohin er solt. Es umbgab 
in ein seer grosse angst: er gieng hin und wider in dem wald, 
Zöletst kam er zu einem grossen wasser: da ward er ixewur. 
das leüt vorhanden waren, llrst lüä im die katz den rucken 
auff ; dann er sorgt, es weren morder, so ir auftenthaltung in 25 
dem wald hetten. Der gftt pfaff sanmpt sich nicht lang, kroch 
t& allemechst am wasser in ein dicke hurst, sich vor den leO- 
ten, so er reden hört, zü verbergen. Der mon schein gar hell, 
das er weit autt' das wasser sehen mocht : in dem sieht er vier 
tischer in zweyen weydschirt'en daher scliaiten ; (iic wurftVn ire au 
gam gleich an dem hainmar in das wasser, da der ptatt' in 
der hurst stackt. Als sy die gam wider ziehen wolten, was 
in ein grosser dorn in das gam kummen, darvon sy gantz nn* 
wirsch unnd ungedultig wurden; fiengen gar grawsam an zü 
schweren. Als das der pfaff hort> ward im gar angst, dann 8» 



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90 



(veorg Wickram« 



er gedacht, gott wirt das gantz erdtrich von wegen solcher 
ungebSrlichen schwftr under lassen gan, wie es dann nit ein 

wunder wer. Nun als die fischer die dorn awlä dem garn ge- 
knligt lietten. sfi«reii sy in iren trros^'ii \v;iss»^rstilfien hu das 
land, zogen ire brotätck harfilr; und. ^vi^' ir brauch ist. fien- 
gend sy dapÜer an z\\ sclilenimen. Stigen nach dem schlam 
wider inn ire schüf unnd füren weiter nach irer naning. Di6 
alles hatt der gAt pfaff gesehen und gehört, kundt oder wufit 
sich aber gar nichts darauß zA verrichten. Er erwartet defi 

10 tags mit grossen soi^iren. Als der jetzund vorhanden was, kroch 
er Ullis (kr limst. | H 7''] gieng so lang, bit.i er auli dein wald 
kam. Do sähe ei erst, wo er dalieinieii \val3. 

Den nechsten sunnentag, als er seine predig vollendet und 
nach gemeinem brauch für alle stend, geistlicli und weltlich, 

15 bitten ward, fieng er zöletst an und sagt: ^0 üben fründt, 
heißend mir gott bitten für das volck in den grossen stifflen, 
so zü nacht auff dem wasser faren, das inn kein dorn ins garn 
kumni! Sunst fahen .sy au zu schweren, es niocht der himmel 
heiiiblidlen. Ich sag euch, das es ein immitz vuUk ist: was 

a) ander \\\t deiä tags ersparen, fressen sy zü uaclit. Gott sey g< - 
danckt, so mir von dem unnützen fressigen gesind geholffen hattl' 
Dise fabel sey gleich ein gedieht oder ein geschieht, ao 
ist es doch leider ein solcher b5ser brauch by den fischem 
entstanden (aber nit by allen), das ich glaub, man under allen 

85 hantiemngen nit ein sollich rnchloß volck find, so an irer 
bift«'rn, sauren und sorglichen arbeit gott also lästeren , daii 
warlich nit ein wunder wer. ixott .strieif s\ «rb ieh an der stett. 
Der herr geh sein genjul , damit semlich gotteslesterung by 
disem und anderm volck ein end nemme und sy darfttr seinen 

aoheyligen nammen preyssen uimd eehren! Darzü helff uns gott 
der vatter, gott der sun nnnd gott der heilig geist! Amen. 

End deß RoUwagenbftehlinä. 



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Rellwagenbüchlein, csip. 67—68. 



Zusätze späterer ausgaben. 

B 1556 (nr. 68-79), C 1557 (nr. 80—101), E uro 1560 (nr. 102-llOX 

6 1565 (nr. 111). 

68. 

(Aus B 1556, bl. A4a.) o 

Von einem y der sein schuld beycfatet. 

Im Schweitzer land zA Lncem ist es in der fasten be- 

schehen, »o yclerinan beichten naiLi. daü aiicli nllda iingeferd 
gewerchet hat ein junger iröudiger g^ell mit nammen H. R. E. 
y.ü demselben spricht sein meister: 'Es ist der hraucli allhie, lO 
das jederman mA3 beychten. Daramb so schick dich auch 
darzft!' Welcher antwortet: *Da8 wil ich thdn, mejster.' Und 
iradt in dem hin gen beychten. Als er nun fttr den pfaffen 
iiuierkiicüwet. spricht er: 'Herr, ich geh mich schuMi'^-.' ninid 
schweiget darmit. Der pfaff spricht: 'Sag weyterl' Er beyclitet: 15 
'Ich bin dem wirdt zör krönen anderthalbe gülden schuldig, 
die ich allda verzeeret hab. Weyter dem wirdt zft dem Idwen 
m gnlden^ dem wirdt zum salmen zw51ff batzen.' Nach dem 
besinnt er sich, wo er mee schuldig sey: so spricht der pi'utt : 
'Kanst auch betten?' Antwort »t: 'Nein.' Spricht der pfaff : 20 
Da-s ist l)öß.' Antwortet, der da beychtet : 'Darumb hab ichs 
ntt w611en lernen/ Der pfaff schandtlechlet nnnd sprach: 
*We8 bist?* Er antwortet: ^Meins vatters." Der pfaff sprach: 
'Wie heißt dein vatter?' Er antwortet: 'Wie ich.' Der pfaff 
«prach : 'Wie heißt du?' Er gab aniwurt: 'Wie mein vatter.' ai 
Der platt" tragt in herwider; 'Wie heissen ir all beide?' Er 
antwortet: ^Einer wie der ander.' Der pfatt, wiewol er er- 
gtimpt was, spricht dennocht sennftmütigklich [A4''] gegen 
dem Jüngling: 'Gang hin! Ich kan doch nichts mit dir schaffen.' 



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92 



Georg Wicknim« 



69. 

(Aus B 1556, bl. A4b.) 

VoQ eioein kiiableiD^ das meisterlich wol kegieu kuDdt, 
was aber noch zft jung [zü] lernen b&tten. 

5 Es kam in eines herren wirdtohauß geritten ein reicher 
kauifherr ein stund oder zvro vor dem nachtessen; und als er 
im die Bfciffel hett lassen außziefaen, spricht der wirdt zfim 
kauffmann: *Herr gast, lassen uns ein wenig spacieren gan! 
Es ist doch noch zö fr8, zenacht zft essen/ Alsbald das es 

10 Honßlo, des wirdts sUnle, t*rh(nt, lüttt er: "Vatter, InL^ uii> 
keglenl' Der vatt^r antwortet: *LaU welieii. mein buble, was 
kanst!' JJaniit wolt er dem herren die weil kürtzen. Das 
büble satzt die kegel auf, kundts auch meisterlich umbwei*ffen* 
baß dann der vatter selbst, ließ auch zdn zeiten ein schwfir 

itf darroit lauffen, welches dem vatter alles wol gefiel. 

Der kaufiRierr gedacht: *Der wirt wol geradten', wie man 
spricht. Doch zületst kundt er sich nit überheben und iw\fkt 
dem wirdt ein pfeil sHiieRsen und spriclit: 'Hvvy wirdt. wie 
alt ist euwer l>üble> Er kan balä keglen weder kein alter.' 

SO Der wirdt antwort: *Er gadt erst in das eilfft y.u\' Der kauÜ* 
herr fragt in wejter: ^Kan er auch b&tten?' Antwort der 
wirdt: *Was solt er können hätten? Er ist noch ein kind.' 
Und der kauffherr lechlet in im selbs. gedacht darneben: *Kan 
das bul)le schweren unnd so wol keglen, ist aber noch ze jung 

2ü zü lernen l)!itten!' |A5*| 

Ach du schnöde wrlt. wie bist doch du so blind, unnd 
zeüchst deine kind so schandtlich! Hott das der wirdt von 
einem anderen gesehen, hetts können merckm und den straffen;' 
aber gegen seinem kind was er sehend blind. 

80 70. 

(Ans B bl. A5a.) 

Von einem geseh winden jungen gsellen, der einen 

l6ffel mit silbei* beschlagen in büsen stieß, damit er 
einen gestolnen Idffel hertarbracht. 
s> In einem güten mal waren versamlet ettlich seltsam knaben. 



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RoUwaguibQicblein, oap. 69—71. 



93 



äie den wirdt tapffer hiMsen auftragen unnd aecliteii redlich. 
Nun in aller lech einer imder inen etofit einen I6ffel mit silber 
beschlagnen heimlicher weifi in büeen, damit er der sech halben 

nit zu tlieiir kiiuie. Welclies einer under inen ersehen, stoiat 
aueh einen in luiseii. AU man mm schier iressen hat und der 6 
wirdtaknecht die iöffel aufhüb, bniclit ers dem wirdt. Wel- 
cher spricht: 'Es manglen zwen 15£fel,' und gadt damit in 
die Stuben. 

So der nacfagender, der auch ein löffei in busen gehalten 
hat, den wirdt erblickt, gedenckt er: *Er wirt die 16ffel for- lO 

deren:' und zeucht den seinen herfnr Mößlich, das niun den 
silberen stil kundt üehein Als der wirdt hny (l«'ni den löffei 
ersieht, gadt er herzä und reilit in hertur. spricht: 'iuid ich 
dich dal* Der den lyffel hat gehept, antwortet: 'Ists einem 
anderen rechte so iats mir auch recht!' unnd zeigt damit auff iö 
den, der Ton ersten stelens halben einen in bflsen hat ge- 
schoben. Und werden also dem wirdt die löf^fA 5^]fel wider, 
nnnd bleibt auch der, der den luifel von ersten verschoben liat, 
uugeschmecht. 

71. » 

(Aus B 1566, bl. A5b.) 

Von einem reüter, der seinen hund auch an das 

betth leget. 

Gen Weesen im Oberland gegen der juieht ist kommen 
ein r« üter in ein wirdtshauß der den gunt/en tag von wecfen 25 
deti Wetters hat müssen durchs kaat reiten, welcher bey im 
hatt ein grossen zotteteu vogelhund, der seer beschissen was. 
Als man zü nacht as, warff der retttter zum dickeren mal sei- 
nem hund zfi, etwan ein stuck brots, etwan ein bissen ab- 
scketzigs fleische, etwan ein bein. So das der wirdt ersieht, a» 
gedenckt er bey im selbst: *Ich wil dir die zech wol nnichen/ 

Nachdem sv gessen hatten . unnd der wirdt von yedem 
ga-st die zech eyngenomaiea, spricht er zü dem reUter: 'Herr 
gaät, ir müssen zwo zech geben, eine fUr euch und eine für 
ettweren hund; dann ir haben im wol so vil züher geworffen, 



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94 



Georg Wickram, 



brot, fleisch tinnd anders/ Der reüter lecblet unnd antwortet : 
^Was ich ihün mOß, das wü ich gem thAn;' imnd gab dem 
wirdt die zwo zech, vier Schweitzer batzeti. Als nun der wirdt 

yederman hat nider pewiseii, tVirt er disen reflter in ein be* 
siiiidern herrliche schlaatfkanimer. darinnen zwev schöne betth 
stünden: gedacht : *Er hat die inten wol bezalt; wilt im anch 
eiu eer antliön und in ein güt betth legen;' unnd wünschet 
hiemit dem rettter ein güte nacht. 

Der rettter nit ungeschwind, röfft seinem zotteten hund 

tound le-[A6']gct in an das best betth also beschissen, gedacht: 
'Hab ich die zech för dich müssen sieben . solt billich auch 
AVoi ligen.' Der huiul. wie dann ir geuonheit ist. zersclmrret 
das betth nnd niaclit im ein liger. Morgens . so der reüter 
was aufgestanden und die hausmagt das betth solt macheu, 

15 war es gar geschendt. 

Der wirdt vemimpt das und verklaget den redter vor der 
oberkeit, er solle im das betth bezalen. Der reClter erzalt 
der oberkeit, wie er für den hund hett müssen die ttrtten, zwen 
butzeii, bezaleii, so were es ye billich, daü er auch wol lege. 

20 IHt' l ichter larhe!» zu diser sacli unnd erkannten den reüter 
ledig, 8t riehen darneben den wirdt, duU er keim liuud iu der 
gestalt solt die zech mee machen. 

72. 

(Aus B 1556, bl. A6a.) 

Voü eiuem eiusidel» der sein eigen Schwester ermort. 

Z& Grimingen saü ein seer reycher mann, (hr hat ein 
einigen erwachßnen wolgek t i tt n snn und ein tochter. Dem- 
selben sun kam in sein gedancken, ein einsidel zA werden und 
dardurch in himmel ze kommen ; dasselb kundt im weder vat- 

so Schwester, noch freünd erleiden. Öadt von seinem vatter, 
Schwester, hauls und liot und allem reichthiimb anfl* ändert- 
halbe ineil von der statt in einen eiehwiiM iiiiud macht im 
selb alda ein hdtteu, darinn er, verscheiden von der weit, miit 
hat, got zü dienen. Sein speiß und tranck b&ttlet er in den 

85n&chsten umbligenden flecken und d6rfleren und [AB"] färfe 



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Bollwagenbüchlein, cap. 71—72. 



95 



also ein strenges leben mit b&tten, fasten und arbeiten an den 
gemeinen wägen; da verwarff er die karrenleissen, irdg in die 
tteffe I6cher holtz und stein und füllets auß, bessert also die 

gemein Strassen Aveit und breit. Das treib er ein lange zeit, 
woi zehcn jar lang. * 

Anti ein zeit kam im tilr im tnium zü naclit, so er au 
seinem bettb big und scbliett'. ein stimm sprecbend: 'Der berr 
bat mich z6 dir geschickt, dai ich dir söUe verkflnden diae 
wort: Under disen dreyen lästeren mfi&t eins Volbringen, wel- 
ches dir erw6llen wirdst, nämlich einmal dich yoII trincken, lo 
oder einmal in nnkeüscbbeifc leben, oder ein todtscbbig tbfin. 
Deren eins wil der berr von dir baben.' Unnd in dem ver- 
sciiwmul die stinnn wider. — Der einsidel ersvacbet ab der 
stimm nnnd erscbrack seer ü])el, gedacht im nacb und sprach 
zü im selber : 'Sei und mA6 ich eins auä disen dreyen bösen i.> 
lästeren erw6Uen, daß wirt mir schwer sein; dann ich mein 
lebtagen nie keins im sinn hab gehept. geschweigen erst thfln/ 
Und doch treib in sein gewfissen tag und nacht, fru und spat, 
daß er deß berren befelcb vollbreclite, wie er nicint. Nach 
langem eyfer nnd nacbtraebten, doeb mi;j;ern , erwollet er im 2u 
die trunckeaUeit, vermeint, dieselbige were die ringest. 

Au ff ein zeit schreib er seiner Schwester gen Grüningen 
einen brieff, die in grossen eeren unnd reichthömb sas, sye 
s61te doch einmal z6 im kommen und mit ir bringen ein flesch 
voUer wein unnd sich mit im noch einmal ersprachen ; als* 3r> 
denn wolle er sieb aller freündtscbaft't, miv\\ der «^aiit/A n weit 
eiitzieb' ii und sieb dem Herren gar ergeben. W'tdi lis f A 7*] 
SU die scbwester im schreiben verraercket, begert sy das mit 
gantzem fleiß zu vollbringen; dann .sy nnd alle menseben hiel- 
ten in für ein heiligen mann. Und gadt zä im hinauf al- so 
lein au einem feyrtag, wol geladen mit wein unnd brot und 
anderem gewurtz, sich mit irem brüder allein zü ergetzen. Als 
SV zA im kam. wurden sy beide von bertzen fro. nnd er em- 
pfacht die «cbwest^r in aller zucbt nnd eeren. sitzen also zu- 
«anK ii und t rspracben sich mit eiiiuiuler. Er tVaixet sy . wie 
es dem v;itt('r gange, auch was mauns und wie vü kiiid sy habe. 
Die Schwester beriebt in aller dingen, unnd im scbwetzenscbmocht 
«y im immerdar die fleschen, anff da& sy in mucht frolich machen. 



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96 



Georg Wickram, 



Bey langem wirt der brüder voll (dauu er hat des trin- 
ckena nit gewonet), satst sich auch neher zA der schwester 
und greiff sy etwan an. Die scbweater achtet es nit, dann 
sy gewan ein frfud darab, dafi ir brAder so frölicb war« trewet 

b im auch nichts böses. Doch bey langem wirt der brftder gar 
entzilndt und schendet die Schwester mit gwalt. Xacli der 
that »gedacht er: 'Es wu"t von mir anlsk iiimeu, so ich sy la^ 
wider iieimgan,' gadt hin und ermördets gar. Also vollbringt 
er dise iaster all drey^ vermeint, er hett das ringest erwollet. 

10 0 tninckenheit) was stifftest du! Du bist nit das ring' 
fügest laster under all ander laster. 

73. 

(Aus B 1556« bl. ATa.) 

Von eiuem gar geleerteu mann^ der zü äpeyr mit 
läliBten ein lantzknechtiseheti edelmann strieff seins 

schwereus halben. 

[A?") Es hat sich hegeben, das zösamenkommen sind zü 
Speyr in einem wirdtshaulä , üiim .schwaiieii genannt, ein ge- 
leerter mann mmd auch rauwer kriegischer edelmann, welcher 

20 bey im hat ein gäteu einfeltigen knecht. Im nachtessen war 
die red des edelmanns schier gar allein, welcher immerdar von 
seinem kriegen sagi^, stürmen, schlachten, hauwen unnd ste- 
chen, wie er vor Ofen so mengen Tttrcken bette umbbracht, 
wie er sich so wol in Napels gehalten hett; were er nit ge- 

2ö Wesen, man hette stett und sclilosser verloren. Und [schwAr] 
denn darzä. daü sich der liirnniel mochte l)iK'ken . bey gott 
unnd seinen heiliiron, und vil ander seltzam unerhörte schwiir 
zoch er herfür. Der gät geleert mann mocht nit zü red kom- 
men, hette gern etwas von gott unnd seinem wort einher zo- 

2ü gen, so kundt er nit zd fechten kommen vor dem edelmann. 
Zületst bort der edelmann ein wenig auf schwetzen unnd 
schweeren ; so spricht der geleert manu: 'Fester Juncker, es 
\yit ein feyn ding umb ein kriegsmann. Er erfert vil . sieht 
uud kort vil. diurchzeUclit vii trömbde In id. Es ist kein haudel 

»5 auff erdtricli, der mich mer bat angeiöchten, dann ein kriegs- 



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Hollwagenbilchleiti, cap. 73— -74. 



97 



männ zü werden ; so hat es alle zeit nun ein ding gewendet/ 
Deredelmann spricht: ^Weyserberr« was ist doch das gewesen?* 
Der geleert mann antwortet: *Ich hab allzeit besorget, ich 

müsse auch so übel schweren.' Der edehnann scliweic^ still und 
si'handtk'chlet darzu ; ahor sein kncclit, der \ ov dem tisch stund, ü 
spricht: *Herr, es mag woi einer ein kriegsmann sein, niiü.! 
darumb nit so ttbel schweren.' A1-[A S'jso ward ob dem tisch 
du gantze stille, und schemet sich zum teü der edelmann. 

Warzü ist es leider kommen, das man schier kein wort 
niee reden kan, man lasse dann ( in schwur diiuiii lauffen, und 10 
niisbrauchen also Christi unsers honen ieydeu und sterben zu 
unseren unn5tzen wortenl Wie messen wir gott dem Herren 
so grosse rechenschafft daromb gaben! 

74. 

{Am B 1556, hl. A8a.) 13 

Von einem kiud, das kindtlicher weis ein ander kind 

umbbringt. 

In einer statt, Franiker genannt, gelegen in Westfriesland, 

<la ist es geschehen, das junge kinder, timö-, st chsjerige meitle 
und knaben, haben luit einander gespilt und haben ein büble :ju 
geordnet, das sol der metzger sein, ein anders biible, da>^ sol 
koch sein, ein anders sol ein saw sein. Ein meitle habents 
geordnet, sol k6chin sein, wider ein anders underk6chin, das 
solle in eim gscliiri le das blut von der saw eiupfaiuMi , das 
maii vvur.st könne machen. Nun, der uietzgLT ist an das büble a* 
hiugeradten, das die saw solte sein, hats nidergerisson und mit 
einem messerie die gurgel anffgerissen ; die ander all hüben die 
saw, mmd die onderkSchin empfieng das blut in irem gschirrle. 

In dem gadt nngeferd hinfnr ein radtsherr nnnd sieht dis 
ellendt. Tiini]»t von stundan den metzger mit im und furt in SO 
in des obersten haus, welcher von stundan den gantzen radt 
versanden lies. Sie Sassen all über disen handel, wussten nit, 
wie sie im thun solten. Sie sahen wol , das es kindtlicher 
web geschehen war. Einer ander inen, ein alter weyser mann, 
gab [AS"*] den radt, der oberst richter solt ein schönen roten 35 

Wickinn III. 7 



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98 



Oeoig W^'iekTam, 



optfel in die eine band neniraen , in der ander ein reinBchen 
gnlden, solt das kind zn im riitVen und beide hend gleich gegen 
im strecken. Nem es den 6p fei, soit es ledig erkennt werden: 
nem es aber den gülden, so solt nians auch todten. Dem wirt 
s gefolgt, und das kind ergreifft den 6pii'el lachende, wirt alao 
ledig erkennt. 

75. 

(Aqb B bL A 8b.) 

Von einer grätün, die einem jungen edel mann un- 
10 gewarneter sach vermechlet ward. 

Es hat sich zu Paris begeben, das ein graff hat ein gar 
8ch6ne tochter; die ward eim jungen edelmann hold, der an 
ires Tatters hoff dienet; welches der vatter vemimpt und straffet 

die tochter seer bey verliernng seiner huld , wo sy des edel- 

lü maiHis jiit luüsöig liuiiLC»'. Der edelmann vermeickt die liebe 
der grellin und steit sich ofi't. an oileu und enden, da er dann 
wusst, das sy furgan wurde, das er sj könte zu red stellen, 
welches dann bey langem beschach. 

Auff ein zeyt trifft er sy an, und wie dann die liebe ein 

SDart an ir hat, erraten sy beide. Und doch legt er die schäm 
hindaii, redt sy an mit freuntlichen Worten: '0 ir mein hört, 
mein trost und s( lionste' aulf erden, wie bab ich doch so lang 
begert, mit euch einmal zu reden, und sich nie hat können 
schicken dann yetz! Darumb lassen uns nun gnug nach un- 

25sers hertzen lust mit einander reden!* Die schöne jungfrauw 
sprach: ^Nein, es wirt sich hie nit schicken. Nemmen hin 
den gartenschl&ssel und verftt-[B 1* Igen euch hinnacht in mei- 
nes vatters garten ! Dahin wil ich auch kommen : alsdenn 
wSllen wir nach unst rs hertzeiis begir mit einander reden.' 

30 Der edelman nimpt den Schlüssel imd verfuget sich in den 
garten, dahin dann sia auch gegen der nacht kam. Da tratlen 
die zwey einander an; es mag ein jeder wol gedencken, wie 
trewlich sy einander gemeinet haben; sind auch nach langem 
all bede am lotterbeth entschlaffen, das in dem gai*tenhet1filin was. 

8d Morgens, wie sich dann ein ding schicket, kondt der alt 



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Rollwageubflchlein, cap. 75—76. 



99 



graf. ir vatter, nit schlatfen, sonder stadt aiiff und <^M(U in 
den garten spacieren, sich da als mit dem vogelgsang zu er- 
quicken. Bey langem, so er herummer spaciert, kompt er in 
du gBrtenheüfilin; alda findet er sein tochier und den jungen 
Edelmann beyeinander rfiwen. So er daß ersieht, schweigot, 5 
er still unnd ^adt hindaii heim, spricht zu seiner trauen: 
'Als man zur mes^e lefltet . sollen ir und unser tochter mit 
sainpt euwer frawenzuiuuer in die kirch gan und andechtig 
messz hören/ In dem schied er von Iren und schicket nach 
einem caplan, sagt im: ^Lieber Herr, ir werden hellt mein lo 
tochter unnd den jungen edel mann, den ich an meinem hof 
liab. ziisameiisreben,' — 'Das wil ich gern thün, gnediger herr,' 
»|jra«'li di-v cajdaii. 

es nun umb die zeit ward, schicket der graf einen 
diener zd seiner tochter, laßt ir sagen, sie s611e eylentz zum^u 
altar gan und vor dem caplan niderknQwen; welches sie ey- 
lentz thöt. weißt aber nit, was der vatter darmit meinet. Schi- 
rkot aucii [BP] den diener zum jungen edelman. laf^t im sa- 
gen, er solle zu seiner tochter vor dem caplan niderknüwen, 
das er mit begir seuies hertzens vollbringt. Also gab sy bede so 
der caplan züsamen, und verwundert sich yederman drab. 

Dise that ist zü loben am grafen; dann zu geschechnen 
ilingeu sol muii ullzeit das best radteu. 

76. 

(Aus B bl. Bib.) 2& 

Von eiueiii wvchbischoft', der die kiicli und dea kuch- 
boi gewicht bat, hat aber kein begrebnuß den un- 
schttldigen kinderen geordnet. 

Im Turgaw, nit weit von Gostentz, in einem flecken hat 
ein Obelthater einen inn der kirchen erstochen und die kirch «) 

und dm kircliliof entweicht, also dal'; niaa da nit knu.lt meü 
noch eeremonieu mee halten, ilas nun den byderben leüten alda 
KTOSBe beschwemus was. Werden zä radt und schicken nach 
dem wychbischoff mit grossem kosten, welcher kam und wycht 
die kirch und den kirchhoff wider. 

7* 



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100 



Georg Wieknun» 



Als es nun alles versehen was, falts einem alten bauren 
zö, wo man die unschuldigen kinder sölle vergraben, unnd 

bringends an <lon wychbischoff wider, wo man doch die un- 
schuldigen kiniltr solle begraben, so der gantz kirchhoff ge- 
swychtsyge. Spricht der wychbischoff: 'Wo wollen irs haben?' 
Die bauren fnren in an ein ort besunders und sprechen : 'Gne- 
diger hw, allhie wirt [BiJ*] es göt sein.' Der wychbischoff 
spricht: 'Biß du nit gewjchtT Und die bauren mAfiten im 
das in snnderheit bezalen. 



(Ana B 15S6, bL B2a.) 

Von eineui pfafifen, der spricht: *Herr gott, weer du 
' dich dahiadeu! Ich wil mich dafonieu weereu.' 

An der Meylander schlachi bey den Schweytzeren ist ge- 
idwesen ein pfaff mit nammen Joß Ua^; dann sj im brauch 
haben, so sy 2A feld ziehen, mit inen allzeit ein pfaffen z& 
nemmen. Diser, so man an die schlacht gan solt, bindet 

seinen liti< iiu sack, darinn er die herrgott hat, dahinden auff 
sein ruckt n und spricht: 'Herrgott, weer du dich dahinden I 
solch wil mich taptler davornen weeren.' Und kumpt auch also 
von der schlacht ungeschlagen. 

78. 

(Au8 B 1556, bi. B2a.) 

Voa einem pfaffen, der den 8til vom wyhw&del in 

iü das wj Ii Weisser stieß uud die leüt damit besprenget. 

Auch diser obgenielter pfaff laß allzeit die frnmessz ge- 
^cliwiiid: und auch in (IfrsollHU kirchen war liii «rar secr an- 
dechtigs ptefl'le. welcher gar eben mit scincni hcrrnott niu))- 
gieng und liielt allzeit ein gant/.e stund niessz, also dati die 
^hui gern hinder seiner niessz st&nden. Nun anff ein zeit 
fien-[B 2'']gen die zwen pfaffen an einem morgen mit einander 
fr&messz halten ; es ständen vü leQt hinder des kleinen pfaffen 
messz, gar wenig aber hinder des Jofi Hasen messz. Als nun 



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RoUwagenbücblein, cap. 77 — 79. 



101 



der .lofe öcin meß j^schwind herauia hat, «ribt er den seinen 
das wichwasser. Öo das die ander, die Iiiuder deü kleinea 
pf äffen messz stond, ersehen, lanffen sy lierzü, wdilen bey 
disem auch das wychwasser empfaheui hatten aber yenem ge* 
opfferl;, waren aach gern bald heim gewe£t Welches der Jofi o 
ersieht, stoßt den styl vom wyhwädel in das wychwasser, spre- 
chende: 'Dem ir geopllert liaben, den heissen euch auch das 
wyhwasser geben!' Unnd giengen also verspottet hinweg. 

79. 

(Aus B 1556, bU B2b.) 

Von einem pfaffen, der kdpff kandt machen. 

In Frie&land in einem grossen dorff hats sich begeben, 
daü ein vvolhabender kaufVmann wolt reisen gen Sanct Jacob, 
ein fjirt dahin zü vollbringen. Aull ein zeit redt er mit seiner 
Juau&irauwen, die mit einem kind gieng, welche auch nit aller lö 
dingen geschyd war, von seiner fart, wie er die verheissen hette 
unnd mäße einmal die vollbringen. Die fraw nngem verwil* 
ligei, doch bey langem gibt sy den willen dreyn, unnd der 
man fert dahin. 

So das der pfan t r vernimpt, macht er sich zu dem weih JW 
und j<pricht: 'Liehe traw, wo ist euwer [Bo^J luann?' Sy ant- 
\vort<?t: 'Gen Sanct Jacob.' — 'Ey nein.' spricht der pfaff, 
was gedenckt er, das euch also laiät sitzen mit dem grossen 
bauch unnd fert so weit von euch in fr6mbde land?' Die fraw 
sntwortet: ^£r hat mir haab und güt gnflg gelassen; hoff zilfö 
gott, er werde mit Müden wider heim kommen.' Der pfaff 
spricht: 'Mein liebe fraw, e^; ist nit allein an dcni i^eleiren, 
sonder es ist vil ein anders, das ir nit wüssen , daran euwer 
mann sümig ist; das wirt eu( Ii unnd im grossem scbmer- 
tzen reichen.' Die fraw antwort: 'Was ist doch das, mein 
beber herr? [Was] sind mir doch und meinem mann vor 
tchmerUen?' Der pfaff spricht: Ich darffs nit wol vor euch 
sagen.' Die fraw antwortet: 'Hey, lieber herr, sagends! Es 
schadet nichts.' Er spricht: 'Gadt euwer man so von euch, 
uuüil ir mit einem kind gond, und aber das kind nocii kein 8ö 



102 



Gt'org Wjckram, 



liaiipt liat, wer wil dem kind da« hanpfc atis^etzen?' Die ein- 

tiiltii^«' tV;i\v bpritiit; 'VV^ie soll da^ iii(>li< ii sein, so ich scliier 
«rneseii >ü1":'* — •Ja.' spricht der pfaft", '«It st» i- Ixtst r ists.' Die 
fnunv frajxet in, wie iiii ze thün were. Uer ptati antwortet: 

0 'Ich wüßte wül radt , so ir mir folgen wolten.' Die franw 
antwortet einfettig: *Das were doch gar ein unget»taU, solte 
ich ein kind on ein haupt bringen. Was hat doch mein mann 
gesinnet, daß er von mir hinwegschied! Herr, helffen ir mir, 
so ir können, bey Zeiten!" Unnd der p faß' beschlieft" sy, ver- 

10 schüft* d* m kind ein iuiujit. 

Ktwau in acht wocheu geuuü die fraw und gebar ein 
jungen 8un, des sy seer erfrouwet ward. Über ein zeit [BÜ^J 
kam der mann wider mit gesundtheit heim, dai die fraw noch 
in der kindbette lag, und den nechsten keert er sich zü der 

lofrawen mid spricht: 'Sey ^oit gelobet, mein liebe haußfrauw, 
d.iü ii Ii dicli mit gesundtheit wider sich, nnd du mir ein jungen 
sun gebracltt Itiwt.' FHo fraw m liwrig stil luul duuckt im uii; 
doch nach langem i^pricht sy: *Du bist ein feiner gesell, gaaät 
von mir in ferre land und lalst mich mit meim grossen bauch 

so also sitzen. Were unser pfarrer nit gewesen , ich hette das 
kind on ein haupt mfissen bringen.' Der mann vermarckts 
gleich, wie es ergangen was, und that ir nichts nmb irer ein- 
falt willen nnd .Mprielit : Liebe fraw, ich hab gemeint, die sach 
sey recht vcrxdien;' nnn<l hielt sie lieb unnd werd ; aber dem 

2b pfuü'en treib ers wider ein. 

Auff ein zeit im sommer frii vor tag bey monschein <f;i.lt 
der kauffmann auff von seinem weih, gadt in des pfaifen wi- 
sen ; da weideten zwjJlff des i>faffen schnaff, denen er die kdpff 
all abschneid. Als das der pfaff vemam, schalt er den übel, 

30 der seinen schaalVen die köpft' hett abirschnitten: so ers wiße, 
wolt in auch lassen k-'^iiitlVn. Her kaulViiinnii redet es unver- 
holen, er hette es getlum. Der pfatf verklaget in vor dem 
gantzen radt, wehdier mit hetttiger klag gefengklich vor radt 
gefart wirdt. Nach hinger klag verant\vort sich der kaaff- 

33 mann unnd spricht: *Pfaif, du kanst wol k6pff machen; mach 
deinen schaaffen auch kopff!' Do das der pfaff erhört, er* 
schrack er unnd were gern hinweg geweßt, mdfit aber ver- 
harren. Der kauftmann er-[B4']zetlet dem radt des pfaffen 



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RoUwagenbüchleiii, cap. 79—80. 



loa 



scheliiienwerck vom aafang bi& zum end ; mid sirieffen in umb 
all sein gfit, stiessen in auch von der pfründ und jagten in 

lunweg. 

80. 

(Aus C 1557, bl. J7a) 5 

Einer kennt seine eygene hendtschuch nimmer« 

Man sagt gemeinlicb, und ist auch gewisslich war: Ein 
yeder wtrdi, so einen reyf ausstecken, mus manches setzammen 

jrasts wertijr soin; gut und b6s, wie sio der wo«( bringt, also 
nuis er die aiineniou. Xuii ist ein vedfi- tVitmnior wirt geneygt, lo 
wann ein ga»t etwas in sein haus bringt, dun er im das mit 
allem fleis unnd gern verwaret. damit er sunder klag wider 
m5g vonn im scbeidenn. Noch dannocht dreit sich zum off- 
teren mal zu, das etwan wurmstichig kundenn (ettlich nennenn 
sie wolff, ich wolt in aber wol ein geschickteren nameu geben) i.> 
auch alsbald in ehrlichen wirdtsheusem einkeren: finden sie 
ir guti ung zu spilen , so schicken sie sich gciscluvind dar'/ii; 
wo nicht, (hirtf'end sie wol iiugebettciiii dem wirdt die benck 
auffraumen unnd daruocb wider darvon ziehen. 

Also gieng es einsmals auch zu in einem kaltenn winter. 90 
Da kam ein gute bursch mit einander geritten, hatten sich 
allsammenn auff der rauchenn wind und ungestfim wetter ge- 
rist bis ann einen gutenn einfaltigen priester. Der hatt weder 
kappen noch hendtschucb , derhalben in dniiii g;ir hart I I?"] 
frieren [wardj. er nun in die licrberg kam. sicli .seins 25 

frosts ein wenig abkumen was, iietl' er eylcnts zu einem krämer, 
kaofft im selb auch ein par hendschuch, waren mit beltz un- 
derzogen und gar sauber von gelbem läder gemacht Als er 
nun wider in die herberg kam, fand er seine gesellen schon 
am morgenmal sitzen, dann sie hatten vermeint, er wer etwan so 
zu gast geladen, das er nit bey in in der herberg essen ward. 
Er eylet zum tisch, hieng seine handschuch an die wand zu 
»Uflerem seinem blunder. 

Des hat ein abentheurer wargenumen, so von ungeschicht 
sroeh in die stuben kumen, damit er sich wermet. Als nuna& 



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Georg Wickram, 



die guten herren iiu besten essen und emstlichstem gesprech 
waren, nam er die hendschuch, gieng eylents für den stuben* 
ofen, macht sie gantz russig und scbwartz, als wenn die lang 
umb die benck gan^^en weren; er nam sieb aber gar nichts an, 

5 gic'iig wider in die stuben, behielt die hendschuch in den henden. 
Als mm (lio gest gesson und den w irdt Itezult hebten, sich 
wider anlegten unnd auil den weg niüteii , der gnt lierr nuho 
luub nach seinen hendschuchen, die waren nit mer vorhanden* 
Er sucht hin und wider, sähe den abentheurer offt an und 

10 fragt in , ob er im sein handschuch nit gesehen. Diser nam 
sich zum teil murrens an^ zoch die berussten hendschuch her- 
lur unnd sagt: 'Was hab ich denn mit ewera hendschuchen zu 
thun? Hie hab i( Ii ir zween : sind sie ewer. mf>gt ir sie wol 
nenien.' — 'Nein,' sagt dei- gut herr, 'sie geboren mir nit zu; 

15 dann die meinen sind gar new.' Also musst der | J 8'] gut 
herr ein ander par kauffen, wolt er anders nit gar übel er- 
frieren. 

Derhalben sollen ir allsamen gewamet sem, ewer hend- 
schuch bas zu versorgen ; dann sie im winter gar augrifiig sind. 

20 81. 

(Aus C 1557, bl. J8u,) 

Einer fras für vierzehen batzen krametvögel. 

Gen Augspurg kam ein gut einfaltig mann an einem wo- 
chenniarckt. der bat nit mer dann einen guMin im scckel, dar- 

2ä umb ei" willens was korn zu kautfen . wolt aber dennoch vor 
ein haibs meslin wein trinckeu. Er kam in die herberg, in 
welch or Ornnenwald schier sein mantel verbissen hat. Er hies 
im ein halbs bringen und ein brot darzu. In dem ersieht er 
austragen ettlichen grossen bansen ein blatten mit kramet* 

80 vogel ; er fragt einen, so von ungeschicht in der stuben unnd 
ein grosser speyvogel was. 'Lieber,' sagt der gut mann 
zu ihm. 'was gilt doch ein solcher vogel?' Diser sach wol, 
was er iur einen kuntmau vorhanden hett, unnd sagt; ^Man 
gibt ein umb ein pfenning/ 

% Die Togel ruchen dem guten mann in die nas, bat die 



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HoUwagenbachlein, cap. 81—82. 



105 



wirdtin, so sie mer hett^ solt sie im auch einen bringen. Sie 
was willig, bracht im einen also warm vom spis; der schmackt 
im gar wol. Er gedacht bey im selbs: 'Das sind gut schmutzig 

voffel. l( b mus iiocli mehr pfenning daran wagen. Wann icli 
»» liHji ein liatzen in voglen verschlemm, so hab ich ihr doch ö 
einmal guug gessen.' Er rufft der wirdtin, sagt, hetfc [JS**] 
sie mer vogell, solt sie im mer bringen. Also bracht sie im 
ein nach dem anderen fein also warm Tom spis, bis das er 
viertzehen gessen hatt. 

Do meint er, der schimpffs wer jetznnd gnug, hies im die lo 
ttrten machen. 'Wie viel,' sagt die wirdtin. 'liuht ir wein?* 
Er sagt: 'Ein halbe mas.* — 'Das ist drey kreulzer,* sprach 
sie: 'nu, wie vil habt ir brüt?' Er sagt: 'Für ein kreutzer/ 
— *Das macht zusamen ein bjitzen.' sprach die wirdtin; 'noch 
haben ir vierzehen Togel, thut ein jeglicher ein batzen , wirt lö 
ZQsamen ein gnldin.' Der gnt man erschrack der wort on 
massen sehr, uriewol er erstlich meinet, die wirdtin trib ir 
schertzbossen mit im; er fieng an sich hinder den oren zu 
kratzen. 'Ach,' sagt er, 'wie bin ich so scliaiitlicli lieredt 
worden, es gelt ein solcher vogel nicht mehr denn ein pien- 20 
ningl' £r sähe sich nmb nach dem, so gesagt, es gult ein 
krametTOgel nicht mehr denn ein pfenning; er was aher nit 
mehr vorhanden, sondern hat sich getrolt. In snmma, die 
wirdtin wolt im ein haller nicht nachlassen, sonder holhenpt 
in gnt ding darzu aus und ward nur seinen dapfFer s.pot- & 
teil, sagt: 'Kanstu krametvogel essen . so zal sie auch!' — 
Nun hab ich nicht mehr,' sagt er, 'dann ein guldin bey mir, 
wolt kom fi^r mich und meine kinder dammb kauift haben. 
Sol ich den also anff einmal in voglen verzert haben, so er- 
harms gott' Also gab er der wirdtin die funffzehen batzen j» 
und for traurig imd wol verspott darvon. 

82. 

(Aus C 1557, bl. J8b.) 

Einer nam ein par handschu zu loha und wolt für 
ein edellmann in die hell faren« 35 

£K1*] AaS ein zeit sassen vil gnter gesellen vom adel 



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106 



Georg Wickram, 



und sunst auch in einer /ocli, redten von vilerh v Ii> iidlen und 
guten schwencken* In dem k&m ein guter vogel, ein gart- 
knecht, hinein; nnnd als er so ein gute burs bej einander 

findt> spricht er sie gantz freuntlichen an, wie dann derselben 

ö gnten knaben jj^ewonheit ist, umb ein zeerpfennig, damit er 
mit elin'n weiter iiinclit die init l»("-(lievsseii. Die sputen jiinck- 
lierren liiessen in ;iii cuku ledigen tiseh nid(>rsit/.eu , betiilheii 
dem wirdt, er sult im ein suppen unnd stuck fleisch geben, 
ein mas wein unnd brot darzu. Das geschache also. 

10 Underdem er also sitzt, isst unnd trinckt, sagen die edlen 
von irem einkummen, wiis ein yeder Vermögens sey. Under 
andrem sagt einer mider in: 'Mich benögt an meinem ein- 
kunniieii wol. Mt in vater bat nur sc» vil baiiren verlassen, 
die für mich Iroiien und arbeyten, müssen mir auch koni und 

u weissen, habem unnd geraten zuiiiren, desgleiclien wein und 
butter, cappaunen, gens und enton zusampt allem brennholtz, 
so ich aulT meinem haus oder schlos brauchen mag. Zudem 
hab ich an pfennig gClIten auch so vil einkummens, das ich 
mit guten geseUen mag ein ttrten thun. Und das mir am 

»liebsten ist, so bin ich (niator über ettlich pt'arren und pl'run- 
deu; dieselbigeu ptaiier und ca})l('n niTlssen ffir mich betten. 
So hab ich noch zwo Schwestern in einem trauwenkloster, die 
schreiben mir zu vil malen ir aiulechtig gebett zu. Dieselbigen 
hat mein vatter selig allein darumb Inn das kloster gethan, 

ssdas ich mein stat dester bas mag [Kl**] erhalten, sunst hetfe 
er in vO zur heimsteur geben müssen, so mir ein grosser ab- 
bruch gewesen wer. Mir aber manglet noch eins ; wann ich 
nur einen kiind anknmmen. so t'iir mich in die hell für, dem 
wolt ich gern ein gut Verehrung thun/ 

ao Der gartknecht, von dem oben meidung gethon, hiitt sein 
mas weius schon getruncken und was yetz gantz auifgefroren ; 
dann im der wein ein werme bracht hat. Er fieng an unnd 
sagt: ^Juncker, was wolt ir mir zur besoldung geben? Ich 
nim den kauff mit euch an und far fnr euch in die hell.* Der 
eflelmann sagt: 'Was wilt du n( inen .-' — *Nit mer,' sagt der 
gartkueclit, 'dann gebendt mir ein gut pur hendtschuch, damit 
ich disen kalten wiuter mich fär dem fVost erneren mog, will 
ich den kauü' mit euch eingon/ Der edelmann hat zwen gut 



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RollwagenbüdileiD, cap. 



107 



w6!fin hendtscbnch an der wand Imngen; die nam er liurvoii, 
irah sie (lern voiruehten vogel uimd befalh damit dem wirdt, 
er ^olt im nocli fin ma.s wein bringen, wie dann auch ge- 
öchiilie. Er tranck denseibigen auch aus, ward so voll, das 
er hinder dem tiäch entschlieif. 5 

Nun was ein junger kaufPniann an der iafel, so kurfcz 
darvor in einem spil ein teufel gewesen was, und faab im ein 
gar ungehewers kleid drauff machen lassen. Derselbig sagt 
zu den anderen: 'Mcixt ir das leidtu, wil ich ein fein faßnacht- 
spil mit uiaem oden künden anrichten; ir sollen sein allesam- 10 
raen gnug lachen.* Das liessen sie in allsammen wolgefallen. 
Er schicket nach dem scheutzlichen kleid, legt das an, kam 
in die stuben, erwuscht den lanteknecht oder gartbnider bey 
der kartauseu, [K2'] macht in munder und sagt mit grausamer 
stimm: ^Lantzman, wolauff! Du must mit mir dar von.' Der 16 
vol z;i|>il, sü noch nit gar erniundert was. im auch dpr wein 
noch in dem kopl" stackt, blicket aufl*. Als er den kauÜ'man 
in der gestalt vor im ston saht«, mrinct er nit anders, dann 
es wer der lebendig teufel, erchrack über die mas gar seer 
und anderstund zu entlauffen. ao 

Bald erwischt der kauffmann den tropffen und mit im in 
einen finsteren stal zu, band im alle fier zusamen, darnach 
schmiert er in gar wol mit einem guten brigel, das im seine kiiden 
gar wol nllentlialbeu crbc.'rf nnd '_r<'S( linnerl wurden. Der gart- 
kuecht, wiewol er ein gar verwegener und ieichtiertigei* vogel was, 2ä 
so war im doch so angst in solchen ndten, das er gott unnd alle 
seine heiligen anrftffet und verbies, er wolt hinfdr bas sein 
leben besseren und nit mer so rucblos sein. Der wein was 
im auch Tor lauter und grosser angst aus dem kopff kommen. 
Also band in der kautfmann wider aurt* und jagt in mit guten 3ü 
streichen zu dem stall liinaus. Kr sauMi|)t sich nit lang, sprang 
zu der herberg hinaus, lies seinen tegeu unnd hentschuch da- 
hinden; dann im vor grosser angst der frost vergangen was, 
das in weder an hend noch f&s mer frieren ward ; lugt stetigs 
hinder sich, ob im der teufel nicht nacbkem. Die andren ]io 
herren und gest des schwancks genug lachten, und bliben also 
dem edelman seine hendschnch. 

Diser ruchlosen künden tindt man gar vil, so mit solchen 



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108 



Oeorg Wickram» 



freflen woiien umbgon, das nii ein wunder were, der bellisch 
lebendig teu-[K 2^]fel fori sie an der stett bin. leb kenn selbs 
eine wirdtin; von deren bab ich gehört, und nit nur einmal, 

sun(l«M- otl't, iluH sie sagt: 'Ich weis wol, dius ich lüt verlonvu 
ö bin. W ann mich scIkui unser licrrLCdtt nit will, ist nit'in tler 
tcutel iVo ;' da» mich oüt uuud dick wunder geniuumen, das 
gott der berr so lang mit seiner räch vorzeucht. leb m6cht 
aueb geren ein solcben fasnacbtteufel seben dise verwegne 
baut mit einem guten br&gel beereUi wie diser kauffmann den 
10 gartknecbtt ob sie docb ir Temicbte weiss und verwegne wort 
lassen wolt. 

SB. 

(Aus C 1557. 1)1. K Jb.) 

Wie ein geschwinder kund in Italien die Juden umb 
15 gros gelt bracht, das sie im mit gutem willen gaben 

onverdient. 

In einer statt in Italien was ein niondi predigerordens. 
Derselbig fast wider die Juden auÜ' der cantzlen srlirey und 
in Sonderheit wider ire gebett, so sie täglich der cbristenlicben 

2H oberkeit und gemeinen Christenheit zuwider betten unnd spre- 
chen m&ssen, sampt andren Verfluchungen, so sie in anschawung 
der cbristen sprechen ; und damit ein yeder cbrist selb lesen . 
und vernemmen luai^^. wil idi -ic alle zu end diser historien 
setzen, wiewol idi mir tiirgonumnien hab, ein eygens tractetlin 

& wider solrlic ire bösen gebrench zu schreiben, so mir änderst 
gott fV.i< \c])vn verleicht. Nun diser predicant bracht die sachen 
dahin, das die Juden in gantzem ItaUen solche schm&Uche ge- 
bett aus iren bettb&cblin austbun müssten; [K8'] dann wo 
man von einem gewar ward, das er des orts ungehorsam was, 

30 ward er an seinem leil) gestrattt. Dise ursach bracht die Juden 
alle gar in einen solclicii has gegen ürMloc htem predigermonch, 
das sie alles bo.ses auif in erdachten, domit sie in mecbten 
umbs leben bringen: aber alles umbsunst was. 

Nun was ein Jud an demselbigen ort mit namen Nata, 

s» der batt einen lantzman in dem kloster, der was ein hecken* 



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RoUwagenbüchiein, cap. 83. 



109 



knecht gewesen und hat i.tulkeit halben den ordeii angelegt, 
was ein leybruder worden und buch dem convent alles brot, 
80 sie bedorfften. Diaer brüder was aus Teutschland geboren, 
wie dann auch Nata jud; darumb er dann vil zu dem Juden 
wonel Qinb des willen , das der jud zn zeiten in Teutschland 5 
rev*t't . im der brüder hin unnd wi(hM' hottsrhafft ausrichtet 
Dis hatten etlich Juden wargenummen . geducliten, durch in 
durch ^emelten bruder mittel und weg anzurichten, sich an 
vil gemeltem minch zu rechen. Die fügten sich zu dem teut- 
when joden , boten im ein summa duckaten an zu schencken, lO 
WC er sein lantzman, den bruder, dohin bringen mocht, das er 
dem monch ein venedisch sipplin kochen und zu essen geben 
wuii; im, dem bruder, solten auch nit minder duckaten ge- 
strcken. In summa, der jud bewilliget, ir anmutung auffs 
fleiflsigest auszurichten. u 

Er fügt sich zu dem brAder unnd mit langen umstenden 
zeigt er im zuletst sein nieinung an. Der brAder. so auch 
mit dem teufel zu schulen gangen, .sagt zu dem juden: 'Ach 
mein Heber Nata, wo aber die [K3'' | sach außkummen solt, 
wie wird es mir armen br&der gon?' Drauif sagt der jud: so 
^Bnider, du weist, das ich dich an dem ort nit vermelden wird ; 
nrnst muste [ich] als der, so dich darzn verursachet, in vil 
gros.ser sffar .ston dann du selbs. Dannul» nmi; di<' sach iiie- 
niermer geoffenbaret werden, es sey dann durch dicli oder durch 
mich/ Darauif antwort der brüder: 'Nata, ich wist ein an-2ä 
^ weg, wan dich das gelt nit hieran verhinderet Wir 
haben einen koch im convent, ein gar j^feltgirigen menschen. 
Herselbig mu.s zum offtern mal dem predicanten sondorlicli 
koclien; dann sein brauch ist, vor der predigt nit zu essen. 
Diser koch kund die sach zum basten zu ond bringen.' Diserao 
^n^ag gefiel dem juden fast wol, beschlos also mit dem 
brAder, er solt die sach anff die ban bringen, es solt an keinem 
g^lt erwinden : schieden damit von einander. 

Der bruder was w«d /.uinut ; dann er gedariit , die jiidcii 
unib rlis rrelt zu bringen, und must daunocht dem predicanten 
kein leid widerfaren. £r kam zu dem koch und sagt zu im: 
"Ooropani, wann du es zu danck annemen [wolltest], wolt ich 
dir eb gute zerung zuwegen bringen , so du mit eeren unnd 



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110 



Georg Wickratiit 



frumkeit wol nemen magst/ Sagt im domit die meinung. Die 
beid wurden zu rliat, fu^n sich za dem predicanten und baten 

in inn der Sachen beboltt'eii zu sein, damit sie die Juden uml) 
(las u('lt briiiLT» n iiui litt n. I )os saijf er inen zu; er hat auch 

:» gar Üeissip^ nat iiiifedencken autt die sacli. 

Nun hat der predicaiit auif nechstküntitigen sonnentag 
ein sunderlich zusag geihon, von der Juden 8cbalck[K4']heifc 
zu offenbaren! Dis waren die schantlicben Juden schon innen 
worden; darumb sie dem bruder emstlich anla^ren, mit der 

10 sacli auffs scbnellist fSrznfaren, damit der predicanfe an seinem 
t'iinu'iimien verliindiTt wirdt. Das alles saj?t der bnnl» r dem 
predicanten; dem geliel ihv .such «»ar wol, und Hix^t /u dem 
bruder. er scdt eyleutz zu dem Juden gon unnd im zubereit 
gifl geben heissen, sagen, er wijst sunst keins sunder grossen 

15 arckwon zuwegen zu bringen. Das geschach also nach seinem 
befelch. Der bruder nam das gift, so in einem gle&lin in- 
«jromnchet was , bracht da« dem prediger und sagt: *Domine 
lt'( t(ii-. iii iiiiin i.ii liui diis j/it't lind t sscji dus ! Dardurcli maj^ 
ich vil gelt iibt rkumeH. Aber wo e.s euch zuwider ist. inoirt 

20 ir sein müssig gon. Ich habs euch geben zu essen , wie ich 
den Juden zugesagt; ir aber mögt thun, was ir wolt/ Der 
predicant nam das glas mit dem gift, verwaret das gar woU 
damit er das zu seiner zeit brauchen mocht. 

Auff den kunfftigen sontag nam er sich eines grossen 

2.-, wchtagens an. legt «ich zu bett, gtlmb sich fast übt-l, n.nii auch 
ettlich artzney wider gift ein , als wann er das ge^iseii. Ais 
nun die stund kam, das er predigen soU. vorsamlet sich «in 
grosse njenige in der kirclu'n. Bald kam das geschrey durch 
ein andern m6nch, so auff die kantzlen stund, der leiimeister 

90 hett ein schweren zufal ttberkumen und wer zu sorgen, im wer 
mit gift vergeben worden, deß sich menigklich Abel behub. 
Dise meer kam auch geschwind för die Juden, dium sie ir 
kuntschaftt alle zeit in df i puMÜgt |K4' | lielivu. Sie waren 
wol zu niut, sagten unverh(den, diü w«'r ein sundere straä' von 

85 gott, die weil sich der monch mit so starckem predigen wider 
die Hebreer gelenet. Nun hat er wol gewilit, das gott von 
alter bar alle die, so sich wider die Juden erhebt hatten, hart 
gestrafft; darumb solt er sein m5ssig gangen sein und [die] 



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llollwagenbQclilem, cap. 83—84. 



III 



hebreer uit so gar verfolpft haben. Deren Worten schlugt-ii 
die Juden gar vil aus unnd waren in grossen l'reuden, umb das 
ir widersecher dem tod so nahend sein solt. 

Als aber nun den leßmeister zeit daucht, befalcli er den 
beyden brudem pfister und koch, sie solten sich aller gstalt^ 
risten, als wann sie aller dingen wegfertig weren und darvon 
lanffen wolten, dann der argwon wer gantz anff sie gefallen ; 
soU( II eylentzs zu den juden gon und in solche nieiiiuii«^ an- 
zeigen, liamit ir versprochne belonnn^ fordern. Das •j[;esc]iahe 
also. Sie kamen gantz angsthaltt zu den juden , zeigten inen lo 
solche meinung an, sie mästen sich trollen, dann dan rremiUn- 
mel wolt antt' sie fallen ; wer zu sorgen, wann sie lenger bli- 
ben, mechten sie in gefencknis kummen; alsdann wird man die 
warheit von in erfaren wellen ; wo dann die solt an tag kum* 
men , mochten sie (die juden) solcher fliar auch nit entgon. ih 
Derliulben begertt-ii sie ir versj>roc]nien Ion. Die Juden, so nit 
anders glaubten, dann im wer also, wie die zween anzeigten, 
waren fast wol zu mut; und damit sie nur bald irs pfadä ke- 
rnen, gaben sie in mer, dann in versprochen was. Das namen 
sie mit freuden und zugen den nechsten weg inn das prediger- so 
kloster, [K5*] zeigten difi gold dem leßmeister oder predi- 
canten, der nun des handels halb nit wentzig frend nam, bracht 
auch an einem gantzen convent zuwegen, das beiden brüderu 
ir gelt blib: sun.*?t bets der orden genuuien. 

Des andern tags nam der iector die zween brüder zu im, 
gieng mit in zu marckt spatzieren und simderlich, do am aller- 
meisten juden waren, die solchen anblicks gar seer erschrocken, 
und sunderlich die, so den beiden bräderen das gelt geben 
hatten. Dann sie wol gedachten, ir anschlag und pracktick 
Wird außbrechen. Also habend sie bald das lorli getroffen, :w 
unnd haben die brSder mit dem g<'lt ein guu ji mut haben 
laüäeu, dieweü sie nicht an inen wüsten zu gewinnen. 

84. 

iAuH C ir»'w. bl. Kr,a.) 

Von einem grosseu eylurcr, der uit leiden mocht, das 3i 
andere maDO mit seinem weib guter dingen waren. 

Es schreibt der hochgeleert doctor Sebastianus Brant iu 



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112 



Georg Wickratu, 



seinem Narrenschiff under der figur der 32. narren von den 

groööeu eyferem und spricht: 

Der In'it der hewscbrt'ck ;ui der bünnen 
Und ^( hitlct wa'jsor in ein brunncn, 
5 Der hiitet, da.s soin weib bleib fruiu. 

Domit wil er entlichen zu verston geben, das semliche 
hut gar umbsunst sey; dann es hilfft nichts, oder aber darff 
sein nicht. Darvon merck einen gnten schwanck! 

Es was aurt' ein /.» it ein solcher grosser eyterer inn einem 

lofhikon. der hat ein hiipsdi weih: er forcht aber ir gar übel, 
mocht nit leiden , das andre mann oder auch gsellen tnit ir 
redten oder guter ding weren. Er lies sie auch [Kb^] gar 
kumerlich zu andren nachbauren summerszeit an der gassen 
sitzen; auch kam sie gar selten zu hochzeiten oder andern 

15 wolleben. Der fantast sorgt alzeit, sie werd im lebendig ge- 
fressen. Dilä nanien ettlich speykatzen mit tleiü war, giengtii 
dester iner unib das haus spatzieren ; wann dann die gut fraw 
bey iren nachbauren sass, stunden sie hinzu, triben gute sciiwenck 
und bossen mit iren. Diü und (h rgleichen wolt den üppel 

ao unsinnig machen; er dorfft auch nicht dergleichen gegen seinem 
weib thuUf dann im was unverborgen, was man den weibem 
understadt zu leiden, darnach verlanget sie erst. Die fraw 
aber an allen seinen gi berden wol abnam, weß er gesinnet 
was, lies j^irlis ulx r ye lenger ye weniger bekiunmeren , was 

i»ö nur mit yderiuau dester leichtsinniger. 

Als aber der Stockfisch sendichs auch warnam, gedacht 
er, durch was f&geu er doch solches alles abschaffen mecht. 
Er besann sich kurtz und kanfft ein haus in einem andern 
flecken und machet sein dinglin znsaraen , lüd das auff kerch 

yij und wegen, für also darvon. Die gut fraw, so mer witz hatt 
(hiiin ir mann, lies ir ilit; such wolgefallen . thett auch der- 
gleichen, als wann es ir tust lieb wer. Doniit erför sie feia 
sittlich an irem man, was die ursacli wer seines aufi'brechens. 
Dann er sagt, wie es im so gar zuwider were, das im solche 

33 gesellen teglich umb das liaus glengen ; wiewol er ir nicht» 
arges giinnet noch vertreuwet, mocht er es dannocht nit sehen ; 
snnst hett er gar kein ursach, dammb er hinwegzug, dann 
eben dise. Die fraw [K6'] fasset dise wurt in ir örliii. 



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RoUwagenbflchleui, cap. 84-85. 



113 



Als sie nun mit irem liaiisrat aus dem flecken füren und 
weit liinans inn das iV ld kamen, sprincrt. die tVaw vom wairpn 
und sagt: *0 wee, Hann, ich iiab das allemotwendigst da- 
hinden gelassen. Halt ein wenig still !' Der fantast fragt, was 
sie dann yergessen heit. *£j,' sagt sie, 'ich bab kein fewrs 
mit mir genomen/ — ^Du grosse nerrin/ sprach der mann, 
^meiusta dann, wir ziehen an ein f ewrios ort ? Da wirst fewr, 
holtz tinnd stro gleich so wol dort finden, als da wir har- 
kumuien.* — *So bist du,* sagt die traw, vil nerrechtiger dann 
ich. Findrii wir tewr dort, werden wir on zweifei auch solche lo 
le it rinden, die dein ejferige weis bald erlernen werden <, dir 
gleich den anderen zu bosheit umb das haus gon. Danimb 
wer noch mein rath, du Üessest uns bey dem imseren bleiben 
und an dem ort, do man uns und wir die leut erkennen.' 

Also gieng der dippel inn sich selb, erkannt seiner frawen lo 
radt für gut und zoch wider zurück in sein alte borberg, lies 
hinturl»as seiueu eyfer faren unnd ward ein rechtgeschaffner 
hausnian. 



85. 

(Aus C 1557. bl. K6a.) » 

Wie ein pfaÖ'emnagt im baurenkrieg in einen hunig- 

bafen hofiert. 

Im jar. als man zalt 1525. als die beurisrb auffrur durch 
alle land wütet, begab es sich, das die baureu in einem dorff, 
nit weit von Colmar gelegen, Anselsheim genant, inn dem» 
hielten sie auch haus, wie ir gewonheit was. Wo pfaffeu in 
einem dorff waren, blinderten sie in die heuser; was sie 

Ton essendhaffter speis funden, verschwendeten sie ; was sie zur 
noturtt't nit essen mochten, verwüsten sie. Also gieng es mit 
allen klöstt-ra und pfatfengütern. M 

Nun was ein alter pfaff in gemeltem d(jrÜ', der bat i*ein 
hab mid u:iu . so vil im hat luft mügen werden , in die statt 
gefl^et Aber was von essenthafter speis was, hatt er den 
merer teil im haus gelassen, als ancken, schweinin fleisch, käs 
und eyer. Under anderm hatt die pfaffenmagt einen grossen 
WS«kniB ni. B 



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lU 



Georg Wickram, 



hauffen (mit gunst zu reden) in einen hafen hofiert nnnd ein 

andern hafen mit honig danlber geschit und sich bald darnach 
hinweggefrolt uiiiid in di»> statt gemacht. 

Als nun die bauren in das haus komen, maciite sie raiim- 

o auff, kamen zuletst über den gebiften honighnfen, frassen den 
honig oben ab hi& auff die feig, so die pfaffeukelieiin darinn 
gelegt hat. Als sie aber die bon fiinden, haben sie an ge- 
meinlich zu speyen; man hett ein hafen mit gefilt, der noch 
80 gros gewesen als der, daraus sie den honig fressen hatten. 

10 Also wolt ich, das allen schleckern widertür. 

86. 

(Aus 0 1557, bl K6b.) 

Von eiuem. so seinen t'ründen nnih seine zwentzig- 
j4rige haushaltuug recliuuug gibt. 

U Ein guter zechbrader. so ahvegen gern bey dem schlamp 
sein zeit vertrib, was auch alwegen der erst darbey und zu- 
letst darron. Dameben was er auch so gar ein tugentlicher 
unnd geschlachter mensch, kein schwur hört man nimmer von 
im; sein [K?"] schweren, fluch und schelten was nur Getz 

20 gfite gott, und Getz angstiger angst. In summa, als er yetz 
auft' die zwentzig jar hausgehalten, hatt auch sehou weil» mul 
kiiul. lies er dannocht sein alte weiß nit. Darumb er danii 
zu vilmaleu von seinen freuudeu uud guten gouaereu gestraltt 
mit freuntlichen und guten Worten, vüleicht mer umb seines 

2» nutzes dann ires nutzes und fromens willen. 

Als sie mm irer straff nit wolten abston, begab es sich, 
das der gut schlemmer ein yerdrus und Unwillen darron über- 
kam. *Getz gute gott,' sagt er, 'was gond ir doch stets mit 
Solcher theding xmil)? Was zeiclit ir mir doclv V "Nun lial> ich 

3M doch nitt so gar übel liausgehalten. Dann ir wissend alle- 
sMmeii, das ich erstmals, als ich angefangen hnh hauszuhalten, 
hab ich nie mer dann viertzig guldin in leib und gut vermögt. 
Nun hab ich nun bej zwentzig jaren unnd lenger hausgehalten. 
Wann ich schon mom sterben solt und die sach zum aller 
ablisten hinaus solt oder wolt gon, fund man dannocht in eitn 



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Rollwagonbllchleiii, cap. 85--87. 



115 



and im andern zwentzig gülden wert giits. Nun lond riertzig 

guldin schuldig sein (mer bin ich nit), so hab ich liannockk 
erat jill j;ir v\n guldin aus dem hau}>t,L;ut vortlion. Find «loch 
nrnnclif-ii. so in einer Wochen oder in einem tag hundert guidin 
aus dem hauptgut verthut; was wend ir doch aus mir machen?' 5 
Als sie mm solche seine manung von im vernommen, ward 
aus irer steaff nur ein gelechter, und liessen im sein weis, 
dieweil sie nit anders machen künden. 

87. 

(Aus C 1557, bl. K7l>.) tO 

Ein junger gesell schlug sein braut vor der kirchen 

in das augesicht. 

Zu Pfortzheim was ein junger t^^esell, der hatt ein schone 
to< ht» r zu einem weih ^enonien. Als nun der tag kam. (hi:^ 
sie süiteii zu kirchen j^on, lud er vil eerüelu-r leut zur li«Hh- U 
zeit. Auff die ward ein gutes mal zugericht, wie dann ge- 
meinlich an allen orten brauch unnd gewonheit ist. Des mor- 
gens fört man sie zu der kirchen mit pfeiffen und tmmen, 
und was alle frend da. Als mm der priester under die kirch- 
thflr kam. die braut wolt einsegnen, sähe er die braut gar 20 
acbamperlich mit hüllendem mund an, bewegt sie damit, das 
sie auch lachen ward. Diß <«aoh der breutL''am, meinet, der 
piaÖ hett etwas kuntschalit zu der braut, die doch ein frume 
eerliche tochter was. Der hreutgani aber ou alle weiter er- 
famia zucket die faust, schlug die gut braut ins angesicht, das s 
sie zu der erden fiel; dardurch alle umstender, die so zu der 
hodizeit geladen waren, inn verwunderen kamen, auch der Un- 
zucht des brentgams wenig gefallens hatten. 

Dise geschieht kam bald für die lieijicliatit; die gab bil- 
lichen und ein rechten beteleh, das man die frummen hider- 30 
leüt solt, die zu der hochzeit geladen waren, in die herberg 
füren, darin die malzeit bereit was; und aber sobald dis ge- 
schehen, solte man den breutgam in thuro fieren und sein hoch- 
teit darin haben lassen. Darinen er dann etlich wochen hernach 
sein zeit vertreiben must, das dann auch sm verdienter Ion was. as 

8* 



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Georg Wiekram, 



88. 

(Ans C 15.^7, bl. K Sa.) 

Eiaer hat ein guten fursatz. 

Ein wunderbariicher kund beichtet in der fasten nach 
o altem braucli. Ah er aber dem beichtvater vil seltzam flppiger 
zotten heranssagt, und in der pfaff dartiber schalt und straffet, 

fragt in der abenteurer , wes er sich u.tim lialten solt unnd 
wie er thim solt. das er im reclit teth. Sagt im der beiclit- 
vatter, er solt sein üppige weis lassen, ein fein zuchtig und 

loerbar wesen an sich nemen, goitslesterung und ander laster 
Teimeiden, nnd dameben einen guten fursatz haben. Sagt er: 
^Lieber herr, gond heim in mein haus! Do wert ir ein guten 
nenwen fursatz finden. Dunckt der euch nit gut gnug sein, 
will ich umb einen besseren und sterckeren besehen.' Der gut 

16 beiclitvattL-r knml wol verston. was er für einen vogel ver- 
handen, weys in mit seinem fursatz hinweg. 

89. 

(Aus C 1557, bl. Kga.) 

Einer hat ein heissen köpf. 

90 Im Elsas ligt ein statt am gebtirg mit namen Eeysersperg. 
Darinen wonet ein burger, welcher auch ein ratsfreund was, 

aber ^ar eines wunderbarlirln n kojdfs und gemüts. Er was 
gerechten dingen holt: wann er im ein sa< h fumani. iies er 
sich keius wegs darvon abtribeu. Das erschiue sich an seinem 
leben und absterben. 

Es b^ab sich auff ein zeit, das gemelter Schandene (also 
was sein nam) im ladt zu Keysersperg sas, und ward einer 
sach halben befragt, was sein meinung darinn were. Er feit 
narli seiner gewisne ein urteil, welche in gut bedunckt. und 
ao meinet auch gentz-[K 8'']lich dinltey zu beleihen; was andre 
rhatsherreu darzu sa«jfen. bestünde er für imd für auff seinen 
elif äugen, wolt von seiner meinung umb einii^es bar nit weichen. 
Also sagt einer des radts zu im: ^Hey, nit also, Schandene! 
Ir müst ein wenig gmach traben. Wie kent ir so ein heism 



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RoUwagenbflchlem, cap. d8~90. 



117 



kopff haben!' Diae wort veisclmiacbt den guten Scbandene, 
nam von stand an seinen hut, warff den von im unnd sagt: 

'Wolhin, ist mir dann mein kopff so heis, will ich in lassen 
erkillen.' Also hat er von disem tag an k«'iiien hnt noch an- 
dere bedeckimg seines haupts ninniienner getragon l)is au sein 5 
letstes end. Tun sehne, regen unnd wind hatt er gar keinen 
underscheyd, dann er trug weder hnt noch kappen; dann ich 
hab in zu yil malen gehn Colmar zu marcfct sehen gon on 
ein haubtdecke oder hat 

Als nun sein zeit kam, das er von gott angegriffen und lO 
in das todbeth kamen ist, Ii il)en(l in seine freund ennant. er 
sol beichten und sich zu <Una hot Inviidigen üacranient scliirkon 
wie ein christenmeusch. bagt er: 'Lieben kind und freund, 
bringen mir einen frummen priester, so do unt6dtUchen sey! 
So ir mir den bringen, bin ich urbittig, alles das zu thun, so li 
ir an mich begeren.' Auff solche antwurt wendeten seine freund 
allen fleis an, brachten im etwo manigen priester zuwegen; 
aber kehier uuder den allen wult im anmutig sein, wiewol auch 
der allerfnimbsten und geistlichsten väter der observantzen 
darunder waren, so in englische siessen wort uuderstunden zu 
bereden. Aber alles umbsunst was; dann er sagt, er spürte 
wol ein eusserÜchen [LI*] schein an inen, aber ir hertz wer 
weit anders gesinnet. 

Also starb der gut Schandene und ward von den geist- 
lichen als ein ungleubiger geacht ; verschuffen auch , das man 3ö 
in ausserhalben des geweicliten vertjraben. Wo aber oder wie 
die seel getaren sey, stadt zu gott; der weist, welcher der 
frombst ist, dann er aller hertzen erkundiger unnd eribrschcr 
ist. Der vergeh uns allensamen alle missethat und verleihe 
uns ein seligs end. Amen. so 

90. 

(Aus C 1557, bL L Is.) 

Eine klöge antwurt eines radtsherrn. 

In einer namhafftigen statt, deren nameu ich di&mal von 
des besten wegen zu nennen underlassen will, sas ein reicher 



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118 



Georg Wickram, 



meyer, welc)ier aucli ein radtsfreund was und darbey ein walt- 
weiser geschickter ley. £s was aber ein burgermeyster in 
derselbigen statt gar eines stettigen kopfifs^ grimm unnd ty- 
rannischer art; derhalben im niemants nichts einreden dorfft, 

b nnnd entsatzt sich eine gantze burgerschafft vor im. Was er 
auch in seinem sinn tiini.ini. understund er hindurchzutrucken, 
es wer gleich billirh oder nit. 

Kmi trug es sich auff ein zeit zu, das gedachter burger- 
meister auff einen tag von wegen der statt geschickt ward, 

10 sein ampt und burgenneisterat einem andren bis zu seiner zu- 
kunfft übergab, damit man dannocht in seinem abwesen radt 
nnd gericht halten m6cht. Bs trftge sich in deren zeit zu, das 
iui radt etwas ernstlirhes gebandlct ward, so der statt zwing 
vniml l)aün belan<j:t^t. Al.so ge.schaclie ein gemeine [LI**] umb- 

1"' iVng, und sagt, ein yeder sein gutbeduncken hierzu. Die l'ra<4 
kam auch zuletst an den obgeniolten radtsfreund; der nam sich 
an, als wann er hart entschlaffen were. Als man in aber zum 
andren mal fraget, teth er dergleichen, ab wann er erst aus 
dem schlaff erwacht wer, unnd sagt: ^Ich volgs dem obristen 

20 meyster,' und nant damit den , so auf dem laiultag was , bey 
seiiKMu namen. K-^ ward ye einer den nnibTii ansehen: auch 
deryeiiig, so umbtraget, sagt : 'Wie könnend ir es dem Ober- 
meister volgen, dieweil er nit zugegen ist?' Bald antwurt diser: 
*Darumb,' sagt er, 'volg ichs im. Machend irs, wie ir wel- 

9&lend, unnd wendend nur allen üeis an! Wann er heimkumpt 
und es im nit gefellig sein, wurt er das nach seinem gefallen 
machen. Dammb volge ichs im.' 

Dise wort bedachten unnd erwägen die andren herren gar 
hoch, das ein gantze statt nur autf einen man sollen sehen, 

ao er hets gleich recht oder letz. Und ward diser meyer in nechst- 
volgender endenmg eins radts deren hohen heupter eines, der 
dann dem burgermeyster in unbillicben sachen dapffer einredt 
und die sach zum theil in ein andre Ordnung brachi 

91. 

S5 (Aus C 1557, bl. Llb.) 

Ein weib hies iren man ans dem haus beleiben, bis 

der staub vergieng. 



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Koliwagenbüclilein, cap. 90 — 91. 



119 



£iu kurtzweiliger junger mann, üo erst newlich in die ehe 
kummen was, er batt ein wittfrawen genummen, welche' vor- 
mals ein baursman gehabt. Diser aber was ein maier unnd 
gar ein fisierlicher mensch. Die gut frauw aber hat der [L2*] 
nmlerey gar nit gewonet, blib anff irem alten gebrauch : wann 3 
sie morgens die stuben fegt oder schweiffet, spritzet sie die 
gar nit, davon sich dann ein grosser staub erhnb, weldios dann 
die maier sunderlicli gern iu färben und au der arbeit band, 
Torab wann sie von Ölfarben malen. 

Eins abents hatt der gut man genug getrunchen, also das lo 
er den künftigen morgen etwas lenger schlieflP!, dann sein brauch 
was. Als er aber yetz auffgestanden und sieb angeton, will 
er eylens ilber sein arbeit, eylt in die stuben; die hat die gut 
frauw allererst geiVgt und nhvv nit begossen, also das ein 
grosser staub in der stuben was. Der mann ward zornig, lö 
schalt die frawen darumb. Sie sagt: 'Kanstu nit ein weil 
hinaus spatzieren gon, bis der staub vergadt?' Der gut man 
fasset die wort in sein ^rlin, nam sein tigen und rock, gieng 
aus zu guten gesellen, fieng die sach vrider an, da er sie am 
obend gelossen hat, treib das also auft* acht tag. 20 

Als die versdiineu waren, nam er ein gute bursch zu im, 
furt die mit im heim. Es waren aber seine stub und stuben- 
J^nster auff der erden, das man wol hineinsehen niocht. Als 
er nun filr das haus kam, sties er mit erst den kopff zum 
fenster hinein und schrej: ^Fraw, ist der staub vergangen ?>» 
So wil Ich hineinkumen/ Antwurt das weib : *0 jo, lieber Hans 
(also was sein nam),. er ist gar hinweg. Gang nur harein! 
{(■]] wil dir keinen solchen staub nier iiuiclien und fürbas die 
stuben «It'sf ba*5 b^Lnossen.* Also nam er seine guteu gsellen 
mit im hinein, gab in ein truuck, und waren all Sachen ao 
gericht. 

Darumb^ ir weiber, sind ge-[L 2"] warnet; ir haben rauch 
oder staub im haus, heissen darumb die mann nit hinausgon ! 
Dann in sonst von natur angeboren ist, das sie nit gern da- 

heimen bleiben. * 



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120 



Georg Wickraui, 



92. 

(Aub C 15d7, bl. L2l>.) 

Von einem, den sein eigener vatter in seiner kranck- 

halt nit wolt zu im lassen. 

ö Es wonet zu Keyserspprsr im Elsas ein '^uter alter priester, 
der was j^ar alt; er kam in ein schwere unnd i(ro.sse kranck- 
heit, also das uiuii im stetigs wachen müiat. Als er nun laug 
gelegen iind gantz abkummen was, unnd nichts anders mer 
▼orhanden war dann der tod und jetz in seinen letsten zQgen 

10 lag, tribe auch das auff dray gantz tag, das er weder sterben 
noch genesen kund, nun was ein guter freund, ein burger, bej 
im, 80 «leinen wartet. Es begab sich , das dei-selb eines tags 
under dcLi pfaften haustUren stund, sich zu erkillen uiul den 
guten lütt zu empfahen. Von unge.schiclit gadt für das haus 

uein üppiger, verwänter Togel, der was ein weinleyterer, faü- 
zieher oder, wie man sie an etlichen orten nennet, weinschro- 
ter, ein grosser speyyogel. Derselbig hat von der herben zeit, 
so der kranck priester hat, auch h6ren sagen; dann sein die 
gantz statt voll was. Er fragt den, so under der thüren stund, 

♦20 ob der jiriester iiocli nit vei'scheiden wer. Diser saijt : 'Nein, 
er li<j:t noch in zügen. kan weder sterben noch genesen. Dist-r 
sagt widern nib: ^Lieber, las mich iii besehen!' Also giengeu 
sie mit einander zu dem krancken. Der unnÄtz vogel, bald 
er den krancken ersieht, sagt er: ^La& mich machen! [LS*] 

2o Ich sol im der marter bald abhelflEen/ Damit zuckt er dem 
krancken das kissen^ so er under seinem haupt hatt, gantz 
frevenliclien hinweg; von stund an verschied der kranck. 

Knrtzlich darnach begab sich . das des iaszielu r- \ atter 
auch totliclien kranck ward, also das man im auch warten und 

80 wachen must. Als nun sein sun zu im kam. wolt im wachen, 
ward der vatter laut schreyen: ^Aus, du lecker, du bub, gang 
nur nit zu mir! Du wirdest mir sunst auch das kissen imder 
dem kopff hinwegziehen/ Also must er hin und weg unnd 
dorft bey seinem eigenen vatter nit bleiben. 

4J5 Also mag sich noch muiicher an einem andren kraiükt ii 
versündigen^ das in gott btrati't und im die guad entzieht, das 



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RoUwagenbachlein, cap. 92—93. 



121 



er auch bey seinen eygnen freunden nit sein kan in irer kranck- 
heit und leisten noten. 

93. 

(Aus C 1557t hl L3a.) 

Ein Schwab fragt» was reinfal für ein tranck wer.s 

Ein gut einfältig mann aus dem land zu Schwaben zog 
in dem jubeljar gen Rom mit andren seinen lantzleuten, wolten 
da gnad unnd ablas erlangen und erholen. Als sie nun 

in Italien kamen, hat man in die guten siessen welschen wein 
fürs^etragen. die sie mit grossem hi>;t und begirden «jrotruncken lo 
haben. Eins tags trug siehs zu, Uns sie bey eiueni teutschen 
wirdt, deren es dann auii der Strassen in Italien vil hatt, ein- 
kerten. Derselbig was ein sunder grosser speyvogel, sähe wol, 
das den Schwaben der trunck wol schmackt und anmutig was, 
träg in derhalben den besten [L 3' ] auff, so er im keller hat. 15 

Als in nun der anfieng ins haupt zu riechen, ward ye 
einer den andern fragen . was doch dis fflr ein lianck were. 
Der ein sagt dis, de)- ander das. Ziil<'t>it rntiten sie dem wirdt 
harzu, fragten in, was doch das f&r ein tranck wer, ob es auch 
an reben wuchs, oder ob man das machet wie die andren trenck, so 
als hier, aiet und lautertranck. Als der wirdt ir eiofaltigs 
fragen vemam, sagt er: ^Mein lieben bilger, ich wils euch nit 
▼erhalten; es ist kein gemachtes tranck, sunder kumpt also 
Tom hiramel herabfliessen. Wann die lieben heiligen weinen, 
so gibt es solch siessen treher: die heben wir dann also aull, ai 
und wirt ein solchs sies tranck daraus.' Alsbald tieng ein 
einfaltiger Schwab an inniklichen zu weinen und sagt: *Ach 
ir lieben heiligen, was thund A\ ir Schwaben euch zu leid, das 
ir nit auch über das Schwabenland euwer treher auch aus- 
gieasen !' Dis musten die andern alle lachen, das der gut ein* ao 
faltig mensch dem wirdt seiner worten so bald geglaubt hatt, 
wiewol sie selb auch noch fiu* kein e^gensclialft wüsten, was 
für ein tranck dis gewesen was. 

Aber es iät gemeinlich in aller weit der brauch, welcher 
einfältig, frum, schlecht unnd gerecht ist, da hilft yedermanSa 



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122 



Georg Wickitim, 



zu. damit noch nier j^fefatzt. und unibj^etribeii wirt. Das 
uüu ich bev mir selbs ab ; dann ich meiner einfalt halben auch 
oft mus geiatzt sein. 

94. 

5 (Alls C 1557, bl. L3b.) 

Ein moiich wolt ein sattel heimlich und verborgeu 
in das kloster tragen; den verraten die stegreiff. 

[L4*j In einem kloster was ein grosser banmstarcker mönch, 
der hat ein zeit ein bnlschaffb überkumen, das was gar eine 
10 kleine person. Der gut frater bet sie Gtem im kloster in seiner 

Zellen i^haht, kund sie aber durch kein mittel noch \ve^ hin- 
eiiilirin^en; zu dem w;'.-; im der portnar al)ffinsti'4 , Avolt im 
derhalben nit durch die tiiijer sehen, wie vileiclit den andren 
bnidern. Der monch erdacht im ein sondern list, wie er sie 

16 hineinbringen wolt. Er was procnrator oder Schaffner im kloster, 
darumb er dann mer freyheit hat, über die zeit auszubleiben, 
dann die andren. 

Einsmals nam er sich abemialen gescheft au, kam gar 
spat heim, hat das üfut diemlin anff den kirchhoÖ' bscheiden, 

20 da solt sie sein an einem heimlichen ort warten. Er fand sie 
nach seinem befelch, erwütscht sie mit seiner sterck uuder 
einen arm, trug sie gantz leichtfertig under der kuten dai-von, 
kam an die porten, schellet an. Der portnar lies in ein, fragt, 
was er under der kutten verborgen trug. *Ich mus morgen 

85 reiten': saijt der m^nch, *hat mir ein guter freund ein sattel 
geluhen; dann mein >attel ist mir zerbrochen.' Dem guten 
tochterlin giengen die fus undor der kutten ein wenig herfiir, 
daran hat sie zwey weissen schiiiin; sie aber meint sich gar 
wol verborgen haben. Der portner ersach dit^ aber und sagt 

SO zu dem mönch: ^Herr, hebend die stegreiif ein wentzig bas 
auff ! Sie werden euch sonst den sattel verraten.' Da das der 
mönch erhört, erschrack er fast übel ; dann er sorgt, der port- 
ner wird in verraten, das man den sattel hinder im suchen 
und finden wird. Dar( L4'']unil> er seinen tfuten sattel wider 

]io lautTen lies, bat den portner still zu schweigen ; sein bit aber 
halü' so vil, als sie mocht. 



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Bollwagenbüchlein, cap. 94—96. 



123 



95. 

(Aas C 1557, bl L4b.) 

Ein uarr koud betten, wust aber nit, welches binden 

oder vornen gehört. 

Im Breisgaw wonet ein gar torechtiger, einfältiger mensch, 5 
der ganiz namcht nnd kindisch was, hat aher dannocht von 
guten fromen lenten, bey welchen er tägliche beywonung unnd 
sein underschleiff hatt , lernen betten : galt im aber gleich, 
welche»?» *r zuvor hottet, den glauben oder das vatternnser. 
Waini man in dann fraget : 'Lentz, wie bettest du also dnrch lO 
einander ? Unser herrgott kan nit draus knmen ; ' so antwurt 
er: *Ho, wil er nit draus kommen, so bleib er darinnen stecken.' 
Znletst aber brachten sie in auff die ban, das er ordenlichen 
betten lert, so das, wer in hört, sich darab verwunderet. 

96. 15 

TAus C 1557, bl. L4b.) 

Einer verwart der statporten schlissel im thuren. 

£s ligt ein stetlin im Breisgaw, da haben sie einen brauch 
oder gewonheit, das man alle fronfasten oder quatember einem 
burger die schlissel zu der porten befilcht zu verwaren; derao 
mos dann alwegen abents und morgens, so man die porten 

auÖ' oder zuthut, zni^egen sein nnd demnach die schlissel ver- 
mo«r des eydts, so w darulicr iretliou, wider verwaren. Nun 
\Vii.> einer in gemelteiu .steilin gar ein seltzanu r bnuler. an 
dem was das qnatember, das er die sclilissel verwaren solt. 2& 

Es begab [L5*] sich auff ein zeit, das er die porten hat 
helffen zuschliessen , gieng dennoch zu seiner bursch, tranck 
sich gar voller weins, kam auch mit grosser m&h nach mit- 
temacht zu haus, was dannocht so bedacht, das er sein weib 
nit wecken wolt, ^teig anff einen stall unnd legt sich autf.'w 
^inen hewhauft'en schlaffen, lag also in guter hut. s( lilietf (le>>* 
morgens, [bilaj das die sunn hoch über alle borg autlgangen 
was und gar weit im tag war. i^iemant wust, wo der mit 
den schlissein hinkummen war. Man sucht in hin und wider: 



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124 



Georg Wickram, 



dann die hirten ein <^iite zeit mit dem viecli an den porten 
gehalten. Zuletst fand man den guten schlemmer auff dem 
bew schlaffen; also wackten sie in auff. £r eylet schnell 
seinem befelh nach' und schlos die porten auff, aties dennocht 

5 die sclilissel wider in sciiRii busen. Der bescheid aber was 
<:^egeben. sobald er die porten auti'geschlossen \ivti. solt mau 
in den nechsten in tliuru fureu. Das geschach also. 

AuÜ' den abent, als man die porten wider znschliessen 
wolt, schickt man zu im über den thum umb die schlissel, 

10 das er anzeigen, wo die zu finden weren. Er sagt: ^Wo sollen 
die anders sein, dann da sie sein sollen? Ich hab die hie hej 
mir im l)üseni.' Also sagten die gesanten: 'So gib uns die 
licraus! Dann es ist also der Herren befelch , damit mau die 
porten zuschliehseu könne.' Der gelangen sagt: 'Das woil 

Idgott nit! Ich glaub auch nit. das mir meine berren semlichs 
zumuten werden. Dann wo ich die schlissel anderen solt geben 
zu verwaren, so thet ich ye meinem ejd nit genüg. Sie sind 
mir und keinem andrem bevolhen, hat auch [L5'] auff dismal 
kein andrer dann ich darzu geschworen.* 

20 Dise antwurt zeigt man den lierrn an. Was solten .sie 
tluin. <laim das sie befeleb gaben, man solt in wider aus dem 
thurn nenien und in die porten selb heissen zuiiiim! £s wollen 
auch die herren on das kein ernst mit im brauchen, sunst hett 
man die schlissell wol von im bringen mugen. Also undersagt 

So man im sunst mit ruchen und strefflichen worten, er solt sich 
binf&rbas hüten, sunst wolt man im eins mit dem andren messen. 

(Aus C 1507, hi. Lhb.) 

Einer trüg leid für seinen vatter in einer gelben 
HO kappen. 

Zu Colmar im Elsas waren zwen gebruder; ir vatter was 

ein scbumacher. ein alter betaotcr mann. Der elter sun wi^ 
auch ein sebüniacber, gar t in ix scbeidennt r nninn. Der junger 
was ein maler, gar wild, wunderbarlich und gar verthnii?. wie 
dann der maler brauch ist. Dann sobald er ein batzen ver- 



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Rollwagenbücblein, cap. 96—98. 



125 



dient so wareu sechs krützer zuvor verthaii ; kam oft darzii, 
das er kunst und kunstladen versatzt, domit er gelt zum schlam 
überkeme. 

Es begab sich, das ir vatter mit U)di abgieng und man 
in nach christlicher Ordnung solt za grab tragen. Der elters 
son teth sich gantz schwartz an, hieng ein leitzipfel an sein 
hals, wie sich dann gehurt. Der jung aher, der maier, hat 
ein schwebelgelbi frantzesische kappen, die er gewont was zu 
tragen, kam darinn in i^eines vatters haus gelauÜ'eii, \\\>lt auch 
der leich nachgon. Der bruder und andre freundtschafft sag- lo 
ten, er solt seines vatters [L 6'] seligen schwartzer rock einen 
anthnn; dann es gebOrt sich nit, das er also in der gelben 
kappen der leich nachgon, dieweü sein vatter so ein eerlicher 
mann nnnd des radis gewesen were. Er aber behart in seiner 
kappen. Als aber die frenntschafft nit nachlassen wolt, em 
solt ein schwartze]! rock ank^f^en, sagt er: 'Das euch botz 
marter all mit einander ob einem liaufFen srii«'ii(l! Ks ist mir 
der todt meines vatters wol so kid in meiner gelben kappen 
als meinem bräder, schwager und euch allen mif f^i?iander in 
euweren schwartssen röcken. Ir werdend mir auch keinen an- 90 
deren rock zu disem mal anbringen.' Also musten sie im recht 
sein weis lassen. 

98. 

(Aus C 1557, bl. L6a.) 

Ein irischer falt von einem komstock. & 

In einer schewren waren etlich tr^cher bej einander, so 
ein gemein verding angenummen hatten, den gantzen winter 

zu troschen. Es begab sich aiitt' einen tag. das sie aulVwan- 
neten und yetzund wider anlegen solten. Der tin unik'r in 
stig zu obrist autf den kornstock und warit garben rab aufi'30 
das thenn. Wie er aber die schantz hat übersehen, ist er von 
oben herabgefallen auff die garben, so er zuvor rabgeworffen 
hat, darvon im gar weh beschehen. Seine anderen gesellen 
eracbracken des fals ser übel, lieffen hinzu, meinten, er wer 
den hals gar abgefallen. Dem guten kerle was jetzund die 



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126 



Georg Wickraaif 



omacht wider vergung» n unnd zu im selb knmen. Als er auff- 
blicket und seine geselU ii ersieht, hebt er im mit lauter .«tiium 
zu sclireyen: '0 (L^''] niortl Lieben i^eseileii, lautieu bald, 
bringen schüsael liar und brechend mir das maul auft*!' Der 
5 gut Schweis meint, im wer das maul zu. und schruw doch, 
das es in der gantzen schewren einen schall gab. 

99. 

(Aus C 1557, bL L6b.) 

Ein kauliuiau schüt bruntz in ein gwandkasten, 

10 Etlich kautfleut filren ^en Franckfort inn die meß; zu 
Meiitz kamen sie in eine herbeig, darin sie i!l>er nacht biiben. 
Nun wa.s einer under in, so mer surg^am und angsthatf't war 
daimdie andren alle, derhalben er zu nacht nit schlaffen niocbt; 
und wo sie in einer herberg über nacht lagen, stund er oiü 

15 in der nacht auff unnd Idgt, wann es tagen wolt. 

Nun lagen sie zu Mentz in einer kamer, darinn stund zu- 
nechst bey seinem bett ein gros kensterlin oder gewandkasten 
mit vil tlarlien und türlin. Der gut kauftnian nafh seiner 
gewonheit .stund aber etlich mal in der nacht autt. wolt nach 

2ü dem tag schawen ; und wann er meint . den kamerludt u auf- 
thun, thet er alwegen ein tärlin an dem kensterlin aufl', äties 
den kopff hinein; so was es gar finster. Solchs thet er et* 
liehe mal. Zuletst ward im von noten, das wasser abzuschla- 
gen, stund auff, nam die kachel imder dem bett, thet sein 

25 noturÜt darinn. thut die thur am kästen auft' und sch&t den 
harn gantz t'retenlich in den ka-ten, das er im wider zurück 
in das angsicht spritzet. Erst ward er gewar, wo er die nacht 
hingesehen hatt: er iieug heimlichen an zu tlilchen unnd schel- 
ten. Seine andren gesellen erwachten drab, fragten in, was im 

8obegeg[L7']net wer. Als er in das sagt, verhofft, sie wurden 
ein mitleiden mit im haben, fiengen sie erst an sein spotten, 
und must die gantz reis, biß er wider heimkam, also ir fatz* 
mau sein. 



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Rollwagenbachlem» cap. 99— -101. 



127 



100. 

(Aus C 1557, bL L7a.) 

Ein baiir fand em krentzlin auff einer hochzeit; ge- 
riet im dardurcb, das er ein gut mal aß. 

Ich liab eines guten gesellen kuutscliaüt gehabt, der was 5 
ein baorüman, aber ein schamperer, schertziger und kurtz- 
weiHger mann. £s begab sich auff ein zeit, das er zinskorn 
in ein statt fort, deren namen leb hie underlas anzuzeigen. 

Nnu wa.<t in derselbigen statt ein i^ros liochzeit, darauö" vil 
erliclier leut aus andern Stetten geladen waren. Als nun der lO 
kirchgaug volbracht was und man yetzund zu dem imbis gon 
floit, hat einer der hochzeitmenner seinen krantz vom hfit oder 
paiet fallen lassen ; denselbigen hat gemelter baurfiman funden 
nnd auff seinen hiit gesteckt, ist also dem brautvolck nach- 
jrefolcjet bis an das ort, da der iiubis bereit gewesen ist. Also i.> 
haben die, so darzu verordnet, yedennan einen yeden nach 
seinem stath und wirdin zu tisch gesetzt. Als man aber schon 
gesessen, ersieht einer des brtttgams verwanter den bauren mit 
dem krantz, fftrt in von stimdan hinauff in die stuben, setzt 
in zu einem tisch zu andern kaicheni, so die frembden braut- 20 
leit dargefürt hatten. Der gut baur nams zu grossem danck 
an, zecht und was guts muts. 

Als nun der imbis vollendt was, nam der baur acht auff 
den, so in hat zu [L7^] dem tisch heissen sitzen. Er nam 
freontUch urlaup von im, dancket im des guten mals. ^ Wie 23 
sagt diser, 'will dann ewer volck so bald von hof scheiden?' 
Der baiu: sagt: 'Ich weis von keinem volck gar nichts. Ich 
hab meinem junckeren zins bracht; hat mich unser herrgott 
dis guten mals beratten, hab ich recht mit danck angenummen.' 
— 'Wolan/ sagt diser, Win freund, ist dir etwas guts be-ao 
schert, so nims zu danck an und las es bey dir bleiben!* Das 
beurlin wuscht das maul, nam urlop und iur wider dar von. 

101. 

{kxxa C 1557. bL L7b.) 

Eia malet wüst keinen teutschen man in seiner klei-ss 

dung zu malen. 



uiyiii^Cü üy LiOOQie 



128 



Georg Wiekram, 



Ein edelman verdingt einem maier ein saal zu malen, 
welcher £?ar ein kuiistreirlier ejuter maier was. Des edelmans 
Verding was, d&a er im allerley uationen umid volckur | inaletj 
mit irer kleidung, und wie sie gon mit wehreu uad irer f^e- 

ö wonlichen kriegsrüstung. Das alles malet er im gar artlich 
und künsÜich, ao das Juden, Dattem, Heiden, Tttrcken, Grie- 
chen, Saracener, Araber, Indiener, in summa kein volck aufi- 
^enummen sunder die Teutschen. Als nun der edelman das 
gemsild besichtiget uml im all ding gar wol gefallen, iiai im 

10 alh'in gmaiiglet, das er die Teutschen in ir kieidung nit ge- 
sehen. 

, Darumb er verur.^ncht war, den nieyster zu fragen, was 
die ursach sey, das er die Teutschen ausgelassen hatt. Darauff 
der maier geantwort, es sey im nit möglich, dann er wi£ In 
15 kein kieidung zu machen. Als aber der edelman die auch 

hal)en wellen, hat der nialer einen gant/. | LH"] nackenden mann 
gemacht und im ein grosse bürden dicli uuf\' den nicken ge- 
macht. Hatt der edehuau gefragt, was er damit gemein, das 
er einen nackenden dahin gestelt hab. Darauff er geantwurt: 

20 ^Juncker , die teutsch kieidung zu malen ist keinem maier in 
der gantzen weit m&glich; dann sie allen tag etwas news her* 
fürbringen \ man kan schier teutsch noch welsch vor einander 
erkennen. Dis döch aber hab ich im darumb auff den rucken 
geben, das ein yodcr mag dai voii nenien und iiii, dem nacken- 
den Teutjschen. ein kleid naeli seinem gefallen machen. Mit 
diser verantwurtuiig waä der edelman gesettiget und müst dem 
maier gewunnen geben. 

Dis ist ungefarlich vor 30 jaren geschehen. Nun wolt 
ich gern wissen, wann yetzund einer einen Teutschen malen 

HO wolt, wie er doch die sach angieifFen wolt; also gar ist die 
weit eutwichtert. Man sehe doch mw an den grossen über- 
schwencklu iif'ii muiwillen mid Unkosten der schantlichen und 
lasterlicliou ploderhoseu. 

M. D. LVII. 



RoUwagenbQchleui, cap* 101— 108. 



129 



102. 

(Aus E, B. 1 = bl. A Sa.) 

Von einem schärer, der einer dorfffrauwen einen dorn 

auß einem £ftß zohe. 

Bs begab sich anff em teyt zft Basel m der kleinen statt, » 
da käme ein beürin zft einem schärer, die hett an einen «^nossen 
dorn getratten. Die bat den scharer mit weinenden iiugeaii 
iinnd sprach: *Acli mein liebrr meister, ich bitt euch durch 
gotts und des geits willen, koinniet mir ze hülff!' Do sprach 
der scharer : 'Liebe frauw, wie ist euch geschehen V' Do sprach lO 
die beürin: ^Ach mein lieber meister. ich gieng gestern mit 
meinem Hansen in den wald, und hab im helffen schejrter 
laden nnd mich also übel geletzt an einen dorn.' Do sprach 
der sch&rer: 'Ach liebe franw, sitzet da nider auf das küssen! 
So wil ich euch geschwind <^elioltien liaben." Und inn dem, 10 
wit- er ir zu hülff wil k()nnu<Mi mit t'inem iii>tiutiRiit. du hität 
die g&t frauw ein grossen machtigen t'urtz voji angst und not. 
Do sprach der meister: 'Oho, der ist harauiä! Do meint die 
gät franw, er hette den dorn gmeint. Geschwind sprach die 
beürin: ^Ach keüwet in unnd bindet ihn darüber! So schwirtao 
es nit.' Do sprach der sch&rer: *Keüwe in der teüfel an 
mein* r statt!' Do meinet aber die beilrin, er hette den dorn 
gemeint ; su meint er den furtz. 

103. 

(Auij E, ti. 4 = bl. A4b.) S& 

Von herr Hansen, der würst trüg im sack nnd weit 

messz halten. 

Es war ein mal ein pfaff im Fricktal, der hieß herr Hans, 
der gieng urab sanct Martinstai,^ und wolt messz halten. Als 
er aber durcli die duriier Ljieng, wie es dann ein dortV' an dem 30 
andrrt n liat, und es eben in der zeyt was, daÜ die bauren die 
schweyn metzgen oder schlachten, so knmpt er in ein dorff, 
da bat ein beUrin gemetzget; die rüfft dem pfaffen hinzü und 
sprach: ^Herr Bans, herr Hans, kompt nnd nempt da die 



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130 



Oeorg Wickram, 



würst ! Dann ich hftb die beste »aiiw gemetzget, so ich im stall 
gehabt hab.' Do sprach heiT Uans: *Ach mein liebe frauw, 
ich hab nichts, darinn ich sj trage.' Do gab die bearin dem 
pfaffen ein leinis s&cklin und thet im die w&rst darejn. Also 

ö nain <l< i' platt" diis sacklin mit den Würsten und steckt es binden 
auf den rugken undei- den j^ilrtel, lyebt damit sein straii, seine 
bauren versehen und messz ze halt m< 

Als er nun Uber den altar kumpt und es an der zeyi was, 
daß er elevieren oder den herrgot aufheben solt, kumpt der 

lOgigxist von binden zd und wü im die alb aufheben. Indem 
ers aber also aufhebt, venneint der göt herr, es seye ein hund 
unnd schmucke im nach den wiirsten, und gedenckt nit mer 
an den sigristen, der lilndcr im kniet, st(»s>t derbalbeii mit dt-tn 
einen fflß unnd trifft den sigristen an balü. daß | | er vier 

lö stafHen berunderfiel ; dann er vermeint, es wer ein hund und 
w61te im die wClrst fressen. Do Helten die bauren 2Ü unnd 
meinten, der sigrist hette den hinfallenden siechtagen ; ao stiess 
in aber der pfaff also übel, etc. 

n 

104. 

90 (Aue K, ». 5 s=s bl. A5a.) 

Von einem trummenschlager, dem etlich w61ff nach- 
eylten, er aber mit seiner trummen fiel. 

In vilen d5rfferen ist der brauch, dass die bauren bey ein- 
ander sind umb sanct Martinstag. wann der lieb heilig sanct 

25 Scbweynbardus im leich ist nnder den bauren zu denselben 
zeyton, das dann bey inen weret biü tastnacbt etc. Anti < in 
zeyt begab es sieh, dn>s oin trummenschiaur r ein zevtlang bey 
inen gewesen was und die banren bett leycbtsinnig gemacht, 
und es nun zeyt was, dafi er solt wider heimgehn. 

90 Als er nun sich mit seiner trummen auf den vrkg heim* 
wertz macht, begegneten im etlich wolff, welche im nacheylten 
und gern gössen betten; dann <?y gar hungerig waren unnd 
im auil dem iüü nacbvolirten. FiV uIm i- iin- und für binder 
sich lügt und torcbt, .>.v wurden in zerrev^sen. Und in dem 

35 als er so hiuder sich luget , so tullt er über ein alten stock 



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RoUwagenbüchlein, cap. 103—105. 



181 



mit der tnmimen, (iaü (He truiiinuMi wider vom erdtrich auf- 
sprang und ein efvoLi «^eschrey und irctilinuiel macht, dalä die 
w61ft' von dem geschrey eise hracken unud lieffen wider liinder 
sich gegem wald zö. Do das der tmmnienschlager ersach, 
dai sj Ton dem geih6n erschracken [6], erfasset er sein 6 
irommen uiuid nimpt die schlegel sft seinen banden nnnd 
scKlecht anf die trummen wie tansent tellfel nnnd jaget also 
die wolft" im wald harumb mit grossen tVöudenn, die er dann 
vonn dem fal auß forcht überkam, data die wölff von im wichen. 

105. 10 
(Ans E, B. 8 s bl. A6b.) 

* Von dem narren im sack. 

Der chnrffirst zt Sach^on hett einen narren, der hielä 
Claus: der iiatt auff ein zeyt etwas mißhandlet. Deßhalb die 
churfiirstin z& im kam und sprach: lieber Claus, du weist u 
wol, was da getbon hast. Ich bsorg, es werd dir ttbel gehn; 
dann der fdrst hat dir getr&uwet, er w511e dich lassenn hencken, 
da faelffe nichts darf&r.' Der g&t Clans narr ersehrack so 
Obel, dai er sehier in die hosen gehofiert. Das merckt nun 
die l'ürstin und gedacht: 'Die sacli wirt sich recht «»chicken ; -o 
dann en ein angelegter liandol uiind (laruml> antiotan^enn was. 
Deöhalben sagt die fürst in weyter: '0 lielier Claus, [9] so 
da mir folgen wilt und thi^n , was ioh dich heissen wird , so 
wil ich dir darron helffen.' Der narr was fro and verhieß ir, 
er wftlte folgen. Do hett sy ein edelmann darzA bestellt, der ss 
hat sich verkleidet in baarenkleidem, daß in der narr nit er* 
kannt, sondern vermeint, es wer ein baur. Die fllrstin sagt 

dem bauren : 'BeÜrlin lieber lang dein sack hiir und laß 
mein Clausen darevn srblietien und bind den sack zö und trag 
in bitä fur das thor hinauß Und wenn man dich fragt, was 80 
da tragest, so sag, es seye haber, den habest im schlossz ge- 
fasset T Das beUrlin nam sein sack, stieß Glaus narren darejn, 
band in zft, nam in anf sein achsel und zoch mit im darvon. 

Wie er aber Aber die brugken zum schlossz hinauß wil, 
steht der churfilrst sanipt seinen edelleüten aulf der brugken; % 
der spricht den bauren an imd fragt in, was er im sack trag. 

9 * 



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132 



Georg WiokiHxn, 



Antwort das befirlin: ^GnftcUgster Herr, ich tetg hftb^ni, den 
ich im fichloesz gefasset hab/ Daran der fiBist kein vemügen 
haben wolt und traget in zum anderen mal und sprach : 'Du 
beüiliih *ja^ mir die recht warheit I AVas tregst im sack, das 
6 so schwär ist ':' Das beürlin sprach wie vor: 'Es ist haberu,' 
welches der clmrKirst gar nicht glauben wolt. Do üeng Claas 
narr zum churtürsten an unnd schrej im sack: '^Du narr, er 
tregthabern. Gehörst du nichts? Habem ttegt er. Verstehst 
du nit mer tefStsch? Habem, habem!* Daß lachet der chur- 
19 ftost und seine edelleüt, giengen darron und Hessen den narren 
im sack stecken. 

ior>. 

(Aus £. «. 17 =: bl. B Sa.) 

Von einem, so ein stöten kauffen fwolt] und sein sun 
^ scblüg, so auflf dem füliy reyten wolt. 

Es wollet ein güt^-r rinf^\ltiger mann in einem dorff im 
Scliwabenhind, genannt Feimingen; der was arm und emeert 
sich des taglons. Wenn nun die anderen seine nachbauren 
mit roBSK und karren inns holtz füren, mAßt er das sein mit 

»seiner frauwen auff dem hals unnd rugken heimtragen nnnd 
moeht doch nichts erschiessen ; dann wenn sy schon ein gantzenn 
tag ziisamen trügen, mocht es nit vil auftragen, als er im 
taglon gowUnnen mocht. 

Delihalben er an einem sonutag zu seiner frauwen nider- 

2b saß, mit iren radtschlaget und sprach: *Mein liebe frauw, wie 
ist im doch zü thän? Du siehst, wenn wir schon lang das 
holtz selbst auff unsem achfilen heim fleischen, so versäum 
ich doch am taglon noch so vil, als wir bede geschaffen m5g6n/ 
Do sprach die frauw : *Mein lieber hanßwilrt, es ist waar, wie 

ao du sagst. Wie rathst du docli . «liil't im ze thün sej ?' Der 
göt mann sagt: 'Ich meint, wenn wir etwau uiisrrc zwen ge- 
fattem uns])rachen, daä sy uns t'ürsatzten, da& wir etwann ein 
junge stötou kaufften, so kondten wir auch ins holtz faren 
wie ander leüt. Und ee das jar h&rumbkumpt, so hat es ein 

8;>jung fülly; das wöUenn wir dann aufziehen. So haben wir 



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RoUwagenbttohlein, cap. 105—107. 



133 



dann auch msz wie ander leUt' Der ratii bedunckt die 
fraowen gar gfit 

Nun hatten sy ein kn&blin von acht jaren. Als es den 
rathschlag hört, do fiencr es an und sprach: [18] *Ey Heber 
vatter, so wil ich denn auf dem tülly reyteii. Do ward der ö 
vatter erirrimpt über den knaben unnd sprach: 'Gott geh dir 
saut Veitin! Gelt, du woltest mir dem fttlly den rugken 
cntawey tmcken mit deinem reyten?' Nimpt hiemit den knaben 
beym haar und wil in schlagen. Als es aber die mAter er- 
sieht . wil sy dem kind zA httlff kommen und in dem mann lO 
neiiunen. Der manii i lucht uiibehend nimpt sy bey dem 
schleyr oder tiichlin und schloclit ir die haut recht giiu^ voll. 

Also hatten sy einander iimb das fUily geschlagenn, unnd 
hatten aber weder das gelt, die stöten, noch das fflUy. 

107. 

(Ao8 8. 20 s= bl. B41>.) 

Von einem armen Studenten, so auß dem paradjß 
kam« und einer reychen beOrin« 

Durch ein dorff giengf einmal ein armer student, wollicher 
wenig zeenmg im seckel bey im trüg und aber die fufi lieber so 
tmder dem tisch hatt, dann daß er solt in einem bfich studieren, 
als man deren noch vil findet. Als er aber nun wol in das 

dorff hineynkumpt, geht er gegen eines reychen bauren hauß, 
welcher nitt anh»'ini was, sonder inn das holtz gefaren; die 
trauw aber, welche [21 1 vor auch einen mann gehebt, so Hans 2» 
geheissen und iren vor wenig jaren gestorben was, deßhalben 
|.sy] yetz den anderen mann hatt, dieselbig franw steht in dem 
hof vor dem haus. Und so sy den Studenten ersieht, spricht 
sy in an, fragt in, wer er sey und von wannen er komm. 
Antwort der student: ^Ich bin ein armer Student und komm so 
von Paryß.' Die gut einfaltig franw verstönds nit recht, ver- 
meint, er hett gesagt, er k(»iiim unü dem l^lradyß; deßhalben 
sy in noch einmal fragt: ivumpt ir auß dem Paradyß?' — 
^Ja, liebe ßrauw,' sprach der student; dann er 'narckt von 
gtandan wol, wen er vor im hatt. Do sprach die betlrin:» 



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184 



Georg Wickram, 



^lieber gAier freOnd, kompt mit mir in die «taben! So wil 
icb euch etwas weyters fragen/ 

Als er nun in die stuben kam, do hieß sy in nidersitzen, 

fieng an und sprach: *Mein göter freünd, ich hab vor auch 

i> einen mann gehabt, hat Hans ijeheissen. der ist vor dreyen 
jaren gestorben. Ach <hi mein lieber Hans, gott trnst dein 
liebe seell Ich weiü, dais er im Farad vii ist; er ist wol so 
ein frommer mensch gewesenn. Lieber freünd, habt ir in 
nicht im Paradyß gesähen ? Oder kennt ir in nit?' Der stndent 

10 sagt: ^Wie heißt er mit dem zilnammen?' Sy sprach: 'Man 
hat im nur Hanns Gfttschaaff gsagt; er schilhet ein wenig/ 
Der Student besinnt sich und sprach: *Botz ja, ich kenn ihn 
yetz wül. Die liuuw sprach: 'Ey, lieber freünd, wie gehts 
im. nieira gl\ten Hansen?' Der student autwort und spraeli : 

l» 'Schiechtlich gniig. Der arm tropff hat weder gelt noch 
kieider. Wenn got gsellen nitt das best gethon hettenn biia- 
h&r, er wer wol hun[22Jger& gstorben; dann wo etwan g&t 
gsellen bey einander zechen, so holt er weyn und brot und 
schenckt inen eyn/ Do die frauw das hört, fieng sy an weinen 

aound sprach: *Ach, du mein Hans, nun hast du nie keinen 
mangel bey mir gehabt, unnd möst erst in jener walt mangel 
leyden ! Nett ich das gwüßt, ich wolt dich wol versorgt haben 
mit kleidurn und mit gelt, daß du auch andern gleych bettest 
mögen zeeren ; dann du von gotts gnaden noch güte kieider 

95 hast Uett ich nur ein botton, ich w61t dirs schicken imd ein 
gftten zeerpfenning daizü/ Der student, als er sdlichs bort, 
sprach er zfi der frauwen: *0 liebe frauw, seyt g&ter ding! 
Wenn es nur an einem hotten manglet, so wil ich euch wol 
so vil zti gfallen thün und ims bringen. Dann icli yetz den 

i*u nächsten ^viderunlb ins Puradyl.^ uii : ich hab etlichen mer 
gelt zu bringen.' AU die beürin soliches hört , war sy fro 
und bracht dem Studenten zi'i essen und trincken und hieß in 
redlich zechen. 'Dann ich wil', sprach sy, 'dieweyl ein ding 
zusamensüchen.' 

a» Also geht sy hinauf in die kammer Uber den kästen, da 
des Hansen kieider l^en, unnd nimpt etliche hembder, zwey 

par hosen und den geftlUten rock sampt etlichen fatzenetlin, 

machts auÜ das gschmeydigst eyn, daß es feyn kommlicli zü 



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Rollwagenbficbleiii, cap. 107—108. 



135 



tragen ist. Darnach hat sy etlich alt ungerisch gülden irnd 
gAt alt gstempfft plaphart, bindts in ein weyssz lOmplin, gibis 
dem Studenten mit sampt der hurdy und schenckt im auch 
etwaa, damit ers dest fleyssiger anirichte. Ah er nun gessen 

und truuckeii li itL i iinpt er die burdy mit den kloidrni auf 5 
den halß. [2:'. | daiiekc der tVauwen und zeucht darmit diiivon. 

Xiui Wii^ er< eben umb mittag, dnfi der baur aulk dem 
hoitz heimkam, liefF im die franw entgegen und sprach: ^lieber 
haufivrtürtf aoi ich dir nit wunder sagen? Es ist ein mann 
bey mir gwesen, der kumpt an£ dem Paradyfi und kennt mein lO 
Hansen sälig wol; er hat mir gsagt, wie er so arm sey und 
grossen mangel leyde. Do bin ich hinhängen, hab im seine 
kleider geschickt sampt etlichen ungerisclien guhlin unnd 
irstenipirten plapharten, weliclie du nit ^^ewühU liust, und 8(>lt 
dich der ritt schiften.' Der baur erschrack und sprach: 'Ey, u 
da hast im den teil fei auf den kopff gehen!' sitzt schnell auif 
sein besten Hengst und eylt dem Studenten nach. 

Der Student aber st&ts hinder sich lögende (dann er ver- 
sah sieh wol, es wurd also gehn). als er den bauren sieht 
h&mach eylen , wirfft er gschwind die burdy in ein hag und so 
ftiidt imgferd ein par haghlindtschäch und ein schaufei; die 
legt er an. Als nun der baur zu im kam. fragt er, ob er 
nit einen mit einer burdi gbehen liab. *.Ta. nisbald er euch 
gseheu. ist er über den hag gsprungen imd dem holtz zu ge- 
lauffen.' Der haur sprach: 'Lieber, halt mirs rossz! So wil 2& 
ich im nacheyien.' Springt hiemit über den hag dem holtz 
ssft. Der student nimpt die burdy, sitzt au£fs rossz und reyt 
darron. 

Als nun der baur niemant fand, keert er widemmb, so 
tindt er weder das rossz noch den, ders im gehalten hat ; do 30 
gedacht er wul, wie es zÜLfaiiLr« ii \ver. Als er nun heiiukumpt, 
fragt in die frauw, ob er in gfunden hab. Er sagt: 'Ja, ich 
bab im das rossz darz& geben, dais es im dest beider werde.' 



108. 

(Auä E, 8. 46 SS b). Dlb.) 85 

Vöu eiueiu weyheiiaclitkind und dem Joseph, wie er 



136 



Qeorg Wickram, 



im ein müüihii kochet inn der kirchen und einan* 
deren in der kirchen schlagen. 

Im bistbumb 06Uea beschach es einmal zA den weyhen- 
nachtzeyten in der cbrtsinacbi, dafi sy das kindlein inn der- 
s selben nacht wiegen, unnd namen einen grossen chorschfller, 

der solte das kindlein seyn , und legten das kindlin Jeso in 
ein wiegen; und Maria die wie<]ft es, und das kindlin iieng an 
g'.ir heU'tig zc schroveii. Als es aber nit srliw» vgen wolt, lauö't 
der Joseph gschwind hin und wil dem kindlin Jesu ein miiü- 

10 lin oder brey kochen und im z& essen gebenn, damit es schweyge. 
Ye Tester er aber kochet, ye mer das kind schreyt. Ais es 
aber ye nit schweygenn wil, nimpt der giit Joseph ein Idffel 
ToU heisaes mA6, lau£Et mit zA der wiegen unnd stoßt dem 
kind den lAfFel mit dem heissen mAfi in halfi und verbrannt 

lö dem kuid dus maul also übel , dali im das schreyen unnd 
weinen vergieng. Das kind wüsc ht s^n si lnvind in der wiegen 
auf, tiel dem Joseph ins huur, unnd schlügen einandern. Aber 
das kind was dem gäten Joseph ze starck; dann es wart! in 
ze budenn unnd gienge dennassen mit im umb, daß die lettt, 

90 so in der kirchen waren, dem Joseph zu hilff mAfiten kommen. 

109. 

(Aus 8. 172 = bl. L6b.) 

Von dem narren im taubbauß. 

Es hat der hogebom ftirst, marggraff Emst von Baden 
25 einen narren an seinem hof, der hieß CAntz; der was htlpsch, 
jung und starck und gerad von person. Der gefiel einer reychen 
wittiVauwcn. f«o auch in »lerselben statt wonet. da der marg- 
graü (luzinaien hol" hielt, gar wol: derhalben sy im nachstalt. 
Eins tags begab es sich, daii sy in heimlich in ir haufi bracht, 
so dafi es niemandts gewar ward. Also träg sy im gesottene 
mmd gebratens, deigleychen wein und brot auff und fallet im 
sein haut gar toU, und hielt in also ein zeytlang bey ir im 
hauß heimlich verborgen; dann sy sunst gar einig on ein 
magt oder köchin hauß hielte. 
85 Als nun der fürst des nanen manglet luul in in etlich 



Digitizuu Ly ^'^jkj-^i'^ 



BoUwagenbOchlein, cap. 108—109. 



137 



tag nitf; am hof gesehen. Keß er allenthalben in der statt nach 
dem iKineii tragen, üb in yemants gesehen hette: al)er man 
kond iiit erfarenn. wo der narr hinkomnieii was. Das stund 
also an biß an iinsers herm tronleychnainstag, welches ein 
groß fest ist ; alßdenn tregt man inn der procession den him- 9 
mel und sacrament daninder ttmb. Als nun der tag kam, rust 
sich die gOte wittfrauw, so den narren eyngetiion, auch und 
wolt auch zur Idrchen gehn und einmal geistlich seyn; aber 
sf wüßt nit, wo Bj mit dem narren hin solt. Also besinnt 
sy sich lind versperrt den narren in ein groß taubenhaußf so W 
sy oben im hauü hatt> imd i^elit sy in die kirchen. 

Wie man nun mit der [173] procession anhebt zü gehen, 
fieng man mit allenn glocken an zü leuten; als sy aber filr 
der wittfrauwen hauß, darinn dann der narr im taubenhauä 
stockt, kamen, hielt man da still, und sang man ein evange- lä 
linm* Als nun der narr das erhört, brach er das getter auf 
imd stieß den kopff hinauß und wolt sehen, was es fttr ein 
wesen wer. Als er nun hinaußlüart und das groß volck in der 
procesi>ic)n sieht, so ersieht er 011 alles geferd den raarggraten 
mit seinem hofgesind. AUo hebt er mit lauter stimm an zft «jo 
schreyen und r&fft : 'Marggraf Emst , marggraf Emst V Der 
marggraf löget umb sich . hört den narren wol r&ffen, aber 
wüßt nit, wo er was. Zületst aber erblickt er den narren. So 
das der narr ersieht, spricht er: 'Marggraf Emst, oho, ich 
mein, ich hab ein gAte kleine sach. Man gibt mir guten weyn s 
und trüt brot und göt fleisch, gsottens und gebratens, und das 
mir am basten schmöckt; man bacht mir göte k&chlen unnd 
£ri])t mir alles . was ich nur wil haben. TTnnd wenn icli her 
dir bin, so muß ich holtz und wasser tragen, unnd schleclit 
man mich übel darzü ; mid was ich sunst darzö ze schaffen 80 
hab, das wolt ich dir sunst nit sagen. Ich wil dir aber das 
zQsaiipen, das ich knrtzumb nimmer z6 dir wil. Damach wüß 
dich zn richten!' Der marggraf unnd sein hofgesind sampt allem 
Tolck sahen das hauß an und fiengen an 7.n lachen. 

Des anderen tags schickt der niarg- i at ein diener nach 
dem narren und lieiä in holen. Und ward die gut wittfrauw 
ires entlelmeten dieuers beraubt und darzA verspott. 



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138 



Georg Wicknun, 



110. 

^Au« E, s. 180 = bl. M2b.) 

Wie ein schneyder in himmel kumpt und unsere 
herrgotts füßscbäiuel uaeli einer alten frauwen bl^rab- 
5 wiifTt. 

Es hat sich begeben an einem schönen tag, das unser 
herrgott spatzier^ wolt gehen, unnd nam all seine apostel 
und heyligen mit ihm, also dafi niemand» daheim im himmel 
blieb dann allein sanct Peter; dem befalcb er, daß er ^ed&cbte 

10 und nii'UKinds evnliesse, dieweyl er auü wer. unnd zuch also 
darvon. Nun kam ein schneyder für den himmel; der kloprt'et 
an. Sanct Peter fruLTt t, wer da wer und was er wulte. Der 
schneyder sagt : 'leb hin ein schneyder und wolt gern in him- 
mel/ Sanct Peter sprach : ''Ich darff niemands eynhissen. Dann 

15 unser herrgot ist nit daheimen, und wie er hinweggieng, ver- 
bot er mir, icb solt gedencken unnd niemands eynlassen, die* 
weyl er anfi wer.' Aber der Schneider ließ nit nach sanct 
Petem za bitten und bewegt in mit steinern hmijen bitten da- 
hin, data er ihn ver williget hiiieynzelassen. ducli mit dem ge- 

20 ding, er .solte in einem winckel hinder der thiirenu lein züch- 
tig unnd still sitzeuu, damit, wenn unser iierrgott kerne, da6 
er seinen nit wameme unnd zornig wurde. Das verhieü er im. 

Also satzt er sich hinder die thüren in ein winckel, unnd 
sobald sanct Peter für die thttr hinaufgehet, steht der schnei- 

25 der auf und gebt inn allen wincklen im bimmel härumb und 
besieht eins nach dem anderen. Zöletst so kumpt er zfl vilen 
schonen und kostliclicii -itulen, niider welchen in der mitte ein 
gantz i:id| ISl |(liiier sesscl stöiid . darinn vi! köstliches (mIcI- 
g» >t«'ins versetzt was; er was auch vi! hober dann der anderen 

aostul keiner, vor weldiem auch ein guldiner fäfiscbämel stund; 
auff demselbigen sessel saß unser herrgott, wenn er daheim 
was. Der schneyder stÜnd still vor dem sessel ein güte wei- 
len und sähe in stätigs an ; dann er im am allerbasten under 
den anderen getiel. Also geht er binzA und setzt sich inn 
den sessel. Wie er nun also sitzt, sieht er nid sich und sieht 
alle ding, was auü' erden geschiclit. Lnder anderem aber er- 



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Rollwagenbikelileul, cap. 110^111. 



139 



sieht er ein alte franwen, welche irer nachbetlrin du under- 
band «jfani .^tilt. Darvon tlaiüi der schneyder erzüniet, nimpt 
den iruldinen tüßschamel und wirfft den nach der alten IVauwen 
durch den himmel auff die erden hinab. Do nun der Schnei- 
der den schämel nit mer erlangen mocht, schlich er Indisch- o 
lieh 9xfo dem sessel unnd satzt eich wider hinder die thOr an 
sein altee 6rtlin und thet dergleychen, als wenn er nirgends 
da, gewesen wer. 

Als nun unser herrgott wider heimkam, ward er des schney- 
ders nit gewar; wie er sich aber iiui seinen sessel setzt, mang- 10 
let er seine* schiimels. Also fragt er sanet l'eter, wo sein 
schämel hinkommen sey. Sanct Peter sagt, er wüüte es nit. 
Do firagt er weyter: ^War ist da gewesen? Hast niemand 
hareyngelassenV* £r antwort und sprach: Ich weiü niemandt, 
der hinnen ist gewesen, dann ein schneyder, der sitzt noch da lo 
hinder der ihüren.' Do fraget unser herrgott den schneyder 
und sprach : *Wo hast mir mein sch&mel hingethon ? Hast du 
ihn nicht gesehen V Der |182] Schneider erstlirack, <ral) mit 
forcht imnd zitteren antwurt und .sprach : 'Icli bin in deinem 
sessel gese.-'St II und hab gesahon, wie da undeii auff erden ein 20 
alte frauw irer nachbeUriu ein underband garn gestolen hat; 
daiab ic)^ erzürnet bin worden unnd hab den f&ßschamel nach 
ir geworffen.' Do ward unser herrgott zornig tther den schney- 
der und sprach: 'Hey, du schalck, solt ich somanchs mal ein 
schämel nach dir geworffen haben, als offt du ze vil geren ge- s 
schnitten und ins aug geschoben hast, ich hette weder stdl 
noch bänck mer im hmiiiiel.* 

Also ward der schneyder für den himiuel hiirauLju^estossen 
unci ihm sein brästen unnd mangel auch entdeckt imd aus 
liecht harfürgezogen worden. Es ist auch zik besorgen, man 80 
finde deren noch tü yetz zQ unseren zeyten, so einoi, der in 
einem laster kaum eins strohalms tieff steckt, rechtfertigen 
und straaffen wollen, unnd aber sy gar darinn ersoffen sind. 

11h 

(Aqb G 1565, bl. Ib » A3b.) 3& 

Von emem doctor, der sich zü Venedig underätund, 



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uo 



&eorg Wickram, 



eines hattpimanns bftlschaffb zA beschlaffen; aber es 

fehlet ihin heßlich. 

Zu \'enedig was ein doctor, het ein grossen Imckel, war 
L'iiio klein })erson: der wer irern l)ey einer kordisana gelegnen 

ö unnd macht mit einer röitianerin sein practick, verhieü^ ir ein 
▼erehruncr schencken. Nii es kam derselbigen kordisaneria 
für, wie das klei[2*]ne doctorlein gern bey ir mdcht seyn und 
ihr grosse verheyssung liei thfln , zeyget sie irem hanpimami 
solche sach an, wie einer verbanden wer, wo er ihr weit er- 

lolauben, gedraw sie hundert krönen halt zü bekommen. AufiP 
solche l)itt nnd anhalten ward es ir erlaubt, doch d;iL^ sie vor 
allen diiiijrcn das gelt von ersten auff die saeh bek< in. Nü 
sie lieis dem doctor solches anzeygen, wo er ihr woite lialteri 
nach züsage der alten frawen, so wer sie zufrieden, ihr capit- 
is tan wolte [fortreisen] ; umb deswegen, so er ir hundert krönen 
wolte a bona konda geben, so solt er morgen zä nacht kom- 
men und ir lassen ein sesterol heymtragen, wolt sie es lassen 
auff das best zArichten. Das geschähe baldt ; sie ließ es auffs 
herrlichst bereyten. 

so Da es nü scliier zeit [wolt| seyu, der gute doctor gieng voriu 
haufi hin und wider, verlanp^et im sehr: man ließ ihn auffs 
letzte hinein. Er warde schon empfangen; die madona be- 
gert, das er ir solt geben das gelt. Das thete der doctor 
bald; dann sein hertz fuhr im auff dem schlidten, bedacht das 

U ende nicht. In summa , der doctor 2o[2'']ge sich ab bifi auff 
die hosen und wammes, meynet, die sach hett er gewonnen. 
In dem so kiopfft der capitan am hauß an gar emstlich; die 
madona laulft zum doctor und sjiricht: *Garo signor doctor, 
mein lierr kumpt. Wie sol ieh alle mein sache thÜuV Wo 

3ü er euch wirt vernemmen, müssen wir beyde sterben.* Dem 
güten doctor wirdt so angst, das er begert, sie sol in hinthün, 
wo sie wil; er niocht leiden, er wer wider daheym. Siezeygt 
im ein kästen und thet ihn hinein. 

In dem kompt der hauptmann mit seinen dienern hinauff 

95 inn die kamer unnd stellt sich gar grausam fiber die madona 
und begert, sie soll ihm sagen, warumb sie in so lang vor der 
thfir hett lassen stehn, auch was bedeut, das der bratspieß 



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RollwagenbOchlein, cap. III. 



Ul 



also wol geschmückt sey; da w6U er nit weicben, er w61I 
wissen, wie es zögieng. Die kordisanerin bitt in, er sol doch 
nicht so thiiii . sie wvü vuii jiicht. In sunima, der capitan 
sijriclit zu seinen dienern, sie «ollen die spallini und kästen 
alles nemen und die stiege hinabw» rffeu; er hab der hümfi 
kauät, darumb so woll ers ir wi-[3'Jder nemen. Die diener 
die thän nach g^eheyß des patrons und nemen eine thmen nach 
der andem nnd stellen sich, als wolten sie alles das binden 
mit stricken, nnd kommen auff die thmen, da der arme doctor 
ist gesteckt; der ward vor schrecken halb todt. Dieselbig lo 
tliruen nemmen sie und bindens mit stricken wol zu uinid 
^verftens rlie stiegen hinab Tnnid i^elieji heimlich darmit ninb. 
Und auti?> letzt legen sie die thrnen in ein gundelle und iüii- 
xens die gantse nacht inn der statt unib. bi& der tag an wil 
fahen, faren sie vors doctors vatters hauß, der wäre ein sei* 15 
denferber; klopfften sie hefftig an. 

Der gflt alte vatter erschrickt nnd kompt herab, fragt, 
was das bedeut. Zevgen sie an, da wer ein wahr inn dem 
kästen, die wer kondrebando, die solte er nemen und ein an- 
der mal besser ausheben, sonst ward es übler zÖgehen. Der 20 
firfit vntter erst hrack und wrdts in keinem weg nicht annemen; 
dann er wust nicht, was iur ein wahr im kästen steckt. Also 
schlevfften sie den kästen ins haulä und filhren davon. 

Da nOn der vatter die thruen [3**] auffthet, fand er seinen 
gfiten doctor darinn, wes ihm nit viel fehlt, dann er wer todt, 8& 
liefi in hinanff in ein kammer tragen nnd sein anffs beste war» 
ten. Da nön der doctor wider zu im kam. zeygt er die sach 
an, wie es im gangen wer; und er kundt wol gedencken, es 
wer ein angelegte sach : doch dnrrtt er nicht sagen , das er 
darzU umb die hundert krönen auch kommen wer. 30 

Also bekam die hdr das geld, und blieb der capitan als 
güt. wie er vor aach war. Wie dem doctor umb sein hertz 
in der thmen ist gewest, laß ich ein jedes bey ihm selbs er- 
kennen. Doch sol es denen also gehen, die alle löcher wSllen 
aufisnppen. 



142 



Georg Wickram, 



InlialtsIll^TsiclLt 

Setto 

Widmung 8 

Vorrede 4 

1. Wie ein gut trumm mann am Kocher»pt'i .r einem cjAten 

einfaltigen ein walfart verdingt, saat Veitou m wullou 5 

2. Von einem, so in wassersnot sant Chriatoffel ein groß wechsln 

Hecht verhieß 8 

8. Wie ein pfaif underttAnd mit fünff wortev in himmel zA 

kommen 9 

4. Von eim radtsherren, der mit einem kind gieng .... 11 

5. Von einem abentheflrer, der bewerte daß der teQfel x& Co- 

sients und der groß gott sft Schaffbuaen, auch die Mary 

z& Einsidlen und er geschwiatert weren 13 

6. Von sweyen »enckischen bauren. deren einer de;« burgemei* 

sters fraw fraf^t : Sind ir nit auch ein hfir? 14 

7. Von einem lantzkneeht und Herr gott behftt uns .... 15 

8. Von brüderlicher treüw • • • 15 

9. Von '/.Weyen bauren, dif^ »'in^m npt **chnldiij .vai i m ... 16 

10. Von einem beyerischen bauren, der nefln tag « in l!i>>. i was 16 

11. Von einem wirdt , der seinen gesten ein tracht uuib ein 

talor vrikuatft 17 

12. Von k;iuttnuinnsknechten , die von Franckfurt aufer ze fflß 

heiini'.ugen, wie sie bey einem wirdt nichts anders haben 

-wollen essen dann treflschy-l&berle 16 

1$. Von einem pfarrberm , der seine underthanen straffet, sy 
sollen einander nit so frifenlich heissen liegen ; so doch 
einer leügt, solle gleych der ander darzA pfeiffen ... 19 

14. Von sweyen lantzknecbten, die mit einander in krieg sogen 20 

15. Von einem lantzkneeht, der nur drey wort begert mit sei« 

nem bauptninnn zfi reden 21 

16. Von einem ."-(-hneiUer, dem sein frauw riaden für faden kaufft 22 

17. Einer leidt mit seiner franwen lieb und leidt 23 

IS. Von eiTifin nnnen edelmann, der gelt entlenet hett ... 24 
19. Von pin 1 1 l in.H'nror. der huudsthonier für katzethouier deu 

kürbneren verkauttet 25 



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Rollwagenbfiefalem, inbftltsflberaicht. I43 

Csp. Seite 

20. Von einem mäncb, der einer tochter ein dorn auß dem föß zog 2G 
2L Von pim außgehuiffnen mfinch» der mit der gschrifft 

übenvtirulen ward 27 

22. Von einem bauren, der wachendt Hchlieft* 28 

23. Von eiiu abenteurer Venedig, der sich «talt, als were er 

todt, damit er wein haußzinf zalt 29 

'^'i. Von eiiu, der dem andern haltt «ieia armüt enntn .... 31 

25. Von einem f&rman, der nit die recht atraU gefaren war . 32 

26. Ton daeni mflnch, der die Ifitt6ri8clie& mit einem paatoffel 

wolt geworffen han 88 

27. Von eixiem, der hftiing feil hat 84 

28. Von einem einfaltigen banren 85 

29. Ein stattvogt tranck langen ftlr branntenwein . . . . 85 

30. Von sweyen bftsen uachbauren 87 

31. Von xweien rosstauschern, die schelmen tauschten ... 37 

32. Von einem, der ein eer liehe erbieten an die herm tbet, er 

were sunst gehenckt worden J?9 

33. Von pim kauiFinfinn. der f<f in lel)ta<; nie hpttlen<^f»relon prf^sehen 39 

84. Von einem pfaüVn. der sich erbi»t. sin imderthoneu das sa- 

crament in tlreieiley gestalt zii gcbt n 41 

85. Von einem fackinen, der sich stalt, als kundt er nicht reden, 

und darmit einer grossen straff erginge 41 

36, Von einem, der ein fürsprechen überlistet, und hatt in der 

fUrsprech das edbs gelert * 48 

37. Woher ea knmpt, das man spricht: Ey du armer tettffel, und 

herwidemmb: Das ist eben deß teOffels danck .... 44 
88. Von einem pfaffen , der nit wolt Idden , das sein banren 
einander hiesaen liegen , sunder so einer ettwan nit die 
warheit sagt, solt der ander nur mit dem maul wispelen 
oder pfeiil'en, damit diaer selhs merckt» das er dameben 

geredt hett 44 

39. Von einem einfeltigen bawren, der da beicht und kund nit betten 45 
-40. Wio ein lant/.kneeht mit seinem wolsjiringen nn)b ein scho- 
nes meitliu kam und mü&t die nacht neben einer süwstei» 
gen über nacht Ii gen 46 

41. Von einem t'ürmann, welcher eiueni pfarherr nit hiunlert 

optgoten turen wolt 49 

42. Von einem grossen maiterhansüeu , wie er in einen gerner 

oder beinbaus gefallen ist ... 50 

43. Ein baur understftnd, ein kriegßmann umb sein pferd sA 

besiegen; die sach aber gieng widersinns hinauO ... 52 

44. ISiner Tertreib seinem alten weib das hanptwee 55 

45. mader fand zwen kopif an seinem bett« als er morgens 

von der matten kam, seinen wetxstein sA holen .... 57 



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144 



Qeorg Wickram, 



Cnp Seite 

46. Ein voller piaü woU /n ♦»inpin kfnn;jr<-irh gon, falt in ein 

wolffsgrüben, als er vermeint, oiu cuten zii iahen ... 59 

47. Von einem ungelerten pfaften, der den kalender nit verbtÄnd 61 

48. Einem jaden büßt einer den hfisten 6i 

49. Ein einfältig weib berichtet, wie sie ina der fiuten flejvdi 

hett gesaen $5 

50. Ein eddmami verbot seinen bftwren schweren .... 66 

51. Ein geitziger versagter pfaff kleppert mit beiden henden auf der 

kantslen sfisammen nnd schrej : 'Geld har ! DschA eindplets!* 07 

52. Einer satst seinem gefattem ein hit mit bronts auff den 

kopff in einer abenzech , 6S 

58. £in güter «chlemmer dichtet ein iiedlin, damit ward sein 

würt hezalet von den Fuckern 69 

54. l'.in würt zu In gel statt bracht mit listen ein ketten von 

tiinem junpen edeümann 73 

bh. Ein ^rnwsHiiK' uinitl » rscln o« k< iiliche history. so sich auch 

Voll wegen eiues k.mtVs «ul. r tauschs /.u<:t'trii^'t-ii hatt . 75 

56. Wie 7.wen dieb einem ptatieu das podegram vcrtriben . . 77 

57. Ein Franck hatt s^ich auß eim becber kranck gotruncken . 79 

58. Ein B&yer aß saltz und brot, damit im der tranck schme- 

cken solt 80 

59. Von einem, so gott fOr seiner armfit daacket 81 

60. Ein Schwab beklagt sich, das gott nit anch in Sehwaben- 

land geweinet hett als wol als in Italien 81 

61. Ein reisiger knecht reit ein bachsenschutx von Cohnar, ent- 

schlafft, kummt wider hinein, meint, er >oy s& Schietstatt 82 

61.'. Von der beurin und der süssen Martinnmilch 83 

69. Von einem laut schreyenden mfinch anff der kantslen nnd 

einem alt. n weib 84 

64. Von einfiu liaurt'ii. wolchom da= imiul unwüsncnd auß dem 

antj»*l k uii, und wi'- im widtr geholffen ward .... 85 

65. Euitui ward ein zun wiUer seinen willen außbrochen, als 

er gern gössen hett 87 

66. Von einem scherer, der s^einer nnlmen .senfFunder dii« blät schult 88 

67. Von einem pfaffen, der by nacht auff einem wasser sdtcam 

obentheflr erfaren hatt 89 

Zusätze späterer aasgraben« 
I. Aus der ausgäbe B (1556). 

68. Von einem, der sein schuld bejchtet 91 

69. Von einem kn&blein, das meisterlich wol keglen knndt, was 
aber noch zti Jung [zfi] lernen betten 92 



70. Von einem geschwinden jungen gsellen, der einen loffel 



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RollwagenbdcUeiii, mbaltoflbemcht. 



145 



Cup* S«IU 

tiiit üilber besL-hIa<;i>u iti Vtfisen sties» damit er einen ge- 
etolnen 15tt*el ln-rfurbriiclit 92 

71. Von «■iiit.m reüfctir, der seinen hund auch an dm betth leget 93 

72. Von eiuem einsidel, der sein ei^^n »chwester erniort . , 94 

73. Von einem gar geleerten man, der /.u Speyr mit liaten ein 

lantzknechtischen edelmann »trieff seins scbwerens halben 96 

74. Von einem kind, daa kindtlieher weis ein ander Idnd 

umbbringt 97 

75. Von einer gr&lBn, die einem jungen edelmann nngewameter 

aacb Tennecblet ward 98 

76* Von einem wycbbiscboff» der die kireh und den Idrcbbof 
g. iv v ht bat, bat aber kein begrebnus den unscbaldigen 
kinderen geordnet 99 

77. Von einem pfaffen, der spricht: 'Herr gott, weer dn dich 

dahinden! Ich wil mich da fomen weeren' 100 

78. Von einem pfaffen, der dfn styl vom wyhwädel in das wych- 

wasser ^iie^ nnnd die Ifüt «hiinit hp^pronget 100 

79. Von einem platten, der kopti kondt machen ...... 101 

IL Aas der ausgäbe C (1557). 

80. Einer kennt seine eygene hendtschuch nimmer 103 

81. Einer fra» für vierzeheu batzen krametvogel 104 

82. Einer nam ein par bandsdiu za lobn und wolt für ein «doli- 

mann in die bell faxen 105 

88L Wie ein gesohwinder kund in Italien die Juden umb gros gelt 

bracbt, das sie im mit gutem willen gaben onverdient . 108 
84. Von einem grossen eyferer, der nit leiden moebt, das andere 

mann mit seinem weib guter ilin>j^«^n waren .... III 
8.5. Wie ein pfaffenmagt im bau renkrieg in einen hnnighafen hofiert 118 

86. Von einem , »o »einen frUnden nmb seine awentzigj&rige 

haufähaltinig rcchnung gibt . >14 

87. Kin juni^er gesell schlug sein braut vor der kirchen in das 

angesicht 115 

88. Einer hat ein guten fursatz 116 

89. Einer hat em heisg^n köpf 116 

90. Eine kb"ige antwurt eines raUUhenu 117 

91. Ein weib hies ireu man aua dem haus beleiben, bis der 

staub Tergieng 118 

92. Von einem, den sein eigener Yatter in seiner kranckbeit nit 

wolt zu im lassen 120 

98. £in Scbwab fragt, was reinfal für ein tranck wer .... 121 
94. Ein moneh wolt ein satte! heimlicb und verborgen in das 

Idoster tragen; den verraten die stegreiff 122 

WiekTMü in. 10 



146 Georg Wickram, 

95. Ein uarr kond betten, wubt aber nit, welches binden oder 

vorncn t^ehurt 123 

Einer verwart der statporten schliKsel iiu thurcu .... 123 

97. Einer trug leid für seinen vatter in einer gelben kuppen . i J4 

98. £uk tr&scber falt von einem komttock 125 

d9. Ein kauffman schQtt bninti in ein gwandkaeten .... 126 

100. Ein baar fand ein krentslin auff einer hochzeit; geriet im 

dardnrcb, dou er ein gut mal aß 127 

101. Ein maier wu»t keinen teotachen man in seiner kleidnng 

au malen 127 

HL Aus der ausgäbe £ (um 1560). 

102. Von einem schlrer, der einer dorfffiranwen einen dorn anO 

einem f&ß zobe 129 

103. Von ht'rr Hansen, der wörtjt trug im sack und wolt nieh/: halten 129 

104. Von einem trummenscblager , dem etlicb wolff nacheylten, 

er nhi'T mit seiner trummen fiel 160 

105. Von dem narren im ack 181 

lOß. Von einem, >so ein >tutrii kautlen [wolt] und sein hun schliig, 

so Uli tt' dem fülly ii \t< u wolt lo2 

lu7. Von rim in iu iit» n ^tudt-nten , so auü dem paradyb kam, 

und LiUL-r iLVchen beüron 133 

108. Von einem weyheuachtkiiid und dem Joseph, wie er im ein 

mußlin kocbet in der kirehen und einanderen in der 
kircben schlögen 1S5 

109. Von dem narren im taubbanß 136 

110. Wie ein scbneyder in bimmel kumpt und unsers berrgotts 

fäßscbamel nacb einer alten franwen birabwirfft . . . 188 

rV. Aus der ausgäbe 6 (1565). 

111. Von fiiu ni ducior, der Hxch zu Venedig understund , eines 

hauptmamiä bulschatft zii bcschlatien ; aber es fehlet ihm 
beßUch 189 



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Die Sibeü Haupt- 
laster / sampt jren schonen fracli 

teu Vüd eygeDSchafl'teD. 

Ein schönes ynd kurtzweiligcs 
Bücblin / Inn welchem begriffen werden 
die Siben Hauptlaster / sampt jhrem vr- 
sprung / was grosser geferligkeit ans einem 

yeflen entsprungen / vnd noch erwachsen inü- 
gen. Durch sclione Alto Kxcni}»el vnd Historien ange 
zeigt. Auch durckaus mit schönen i^'iguren geziert. Ei- 
nem yeden Jungen vnd Alten / Mannen vnd Fraw- 
en / Knaben vnd T6chtem / kurtzweüig vnd nützlich 
zü lesen /sunder allen anstos oder ergemis / vnd in son 
derheit die angende Jugendt darinn anzüfüren. 
Neulich mit Heiß zösaninieii betrugen ynd 
au tag geben / Durch Georg Wickram 
von Colmar / diser zeit Sfcatschrei 
her zü BurckliaiuL 

Gedruckt zft Strassburg / In 
Enobloehs Druckerei. 



Zeile 1—4 und 19 — 20 sind rot gedruckt. 

10=^ 



HauptlMter, Widmung. 



149 



Dem ersamen fOrsichtigen weisen herren Ru» 
prechten Kriegelsteio, st&tmeister zA Colmar, meinem 

iusuüderä günstigen gebietendeu liebeu herreu. 

Ersanier weyser j^Cuistii^or lieber hcrr, ich iiiüs bekennen 
uach den alten spricliworton mich yetzniui auch iiaiidlen; dann» 
man sagt gwonlich: 'Übel beritten will zö allen Zeiten den 
Tordrab haben'; auch spricht man: 'Dieblinden, krüppell und 
lammen sind alweg zflerst auff der kircbweihe*. Also mag 
man anck büBch von mir ausgeben, dieweil ich eben in meiner 
kranckheit understanden bab , yedocb mit got^s hilff , etwas lo 
zü schreiben. Dann ich eben diser zeit keiner andren arbeit 
mechtig war. wolte ich dannocht nit die zeit also massig vcr- 
zeren und hiensclilt'iclien liissen. Wievvul ich wais. das Iren 
¥iel, so diss mein bächlin nit gefallen wtlrdt, mich tadiens uit 
erlassen werden , so hab ich doch an discm ort den Spruch 15 
Jeans Sjracb bedacbt, der sagt im 12. capitel : ^Welcher an£f 
den wind achtet, der sewet nit; und welcher auff die wolcken 
achtet, der emdet nit' etc. Darumb hab ich die sach recht 
auch gewaget, gedencke mich auch nit an einen yeden wind 
zü kereu, l»inn «jüter iiotlnung, es werdend daiinodit ctlich i;ut- 20 
hertziL'"*'' «'in discni iiR-iiicin (.'iiit'altiixeii und geringen Liuhlin 
ein genügen haben und mit mt uier eint'nlt für göt nemen, 
dieweil ich doch mein langwirige zeit, t-ag und stunden in 
keinen andren weg [A2''] hab kürtzen mttgen. Das spatzieren 
was mir gew6ret, so was mein meistergsang zerstört; alsofö 
müßt ich dannocht etwas an die hand nemen, damit ich nit 
des m&siggangs gewonet oder in solcher mussigen zeit'anderen 
tinntltzem dingen nachgedenckens het, wie Syrach im 33. ca- 
pitel spricht: Der mussiggang hatt viel Übels gelemet.' So 



150 



Georg Wickram, 



erschreckten mich auch die wort Pauli, als er spricht zön 
Thessalonichem inn der 2. am 3.: 'Welcher nit werckt, der 
soll nit essen.' Zödem sagt auch Christus, der mundt der 
warheit, in seiner parabel Luce am 19. von dem faulen, zag- 

oha£Ften und forchtsammen knecht, welcher sein pfunt in das 
schwaistüch oder fatzanet j?ebunden unnd verknii})fft, bis auff 
die zukuuift seines herren ohn allen wftcher, nutz und <rewinn 
hatt ligen lassen : derselbig aber kleinen danck ge^^en seinem 
herren verdient, dann im das eintzig pfunt genumnicn und 

10 demjenigen, so zflvor zehen pfunt hatt. flohen ward. Derhal- 
ben, weiser herr, hab ich mein klein pfiint nit also im schwais- 
tftch verknüpfft und ohn gewinn wollen ligen lassen. Gott 
wolt, das sollich pfunt bey der jugent grossen wdcher und 
gewinn trftg. damit ich nit auch umb das einig pfunt« so mir 

lö von gott meineui herren j^cben, kunimen mucht ! 

Das aber ich, weyser herr, dises mein schlechts und un- 
achtbars büchlin under ewer ersanien weysheit uanimen und 
titel ausgohn lassen und zä gefallen und ehren an tag bracht, 
ist diss die vomembst ursach. Es hat sich begeben lang vor 

80 dem grossen sterbet, das mir ewer weysheit von einem büch- 
lin anzeig geton, welches der ritter vom Tftm seinen sQnen 
'/ g* eyget unnd gemacht hab, in welchem gar viel [A3*] schö- 
ner exempel stöhn sollend. Auff semlichs habe ich nach seni- 
lichen büchlin gar viel frncr unnd ii:u liseliens gehabt zu Franck- 

aä fort und anderswo inn allen büehledeii , in die ieli kiunnien 
binn, aber nie erfaren mögen ; bin doch so weit in kuntschafft 
kummen, das es in Franckreich an vielen enden in frantzo bi- 
scher sprach noch geschrifftlich funden würt, aber im dniek 
nie ausgangen, auch nit gedruckt werde, ursach das es gar 

so wunderbarlich und alte exempel hab, so diser zeit gar nit mer 
under die weit dienen, gleichwie sant Brandons lUgend. 

Dieweilich nun wais. «las ewer Weisheit von got dem al- 
nieciitigeu mit viel srhönen knaben begabt, die auch zü der 
leer und schül emstlich und fleissig gezogen werden, habe ich 

85 gedacht inen nutz und gät sein , solche alte und schdne hys- 
torien z& lesen und darinn gleich in einem lustigen blfimen* 
gärtlin zfl spatzieren. Dann sie hierinnen maneherley schöner 
blAmlin, so der waichen jugendt ire kräntzlin gar wol zieren, 



Digitized by Goo<?Ic 



Haiiptlaster, widmung. 



151 



abbrechen und auslesen mügend; dann sie dem kränisdiu der 
tngenden mi übel anstohn werden, dieweil hierinnen gemeldet, 
was die last^, damifc die jungen befleckt werden, ffir groesen 
wunderbärlicben schaden mit sich bringend, was für schiidlichen 
h&aen lohn sie geben , dargegen auch der tugent Ion und wi«- 5 
dergeltiiiig hierinnen anzeipft | wirdl- 

Dieweil ich luui, Aveiser günstiger lierr, das obgernelt 
büchlin des ritters zftm Ti^rn nit hab mügen züwegen bringen 
und ich aber mit allem fleis ewerem begeren gern wilfaren 
wolt, das auch durch kein andre weg, dann r^as mir mUglich 10 
ist, Volbringen künden, hab ich ewer Weisheit dise exempel 
also zflsammengelesen, sotU mir milglich [AS^] und die zeit 
▼ergnnt hat. Nit das ich gedenck, ewer Weisheit mit solchem 
schlechten biichlin ir zeit verzeren werd (dann ich dieselb mit 
andren wichtigern geschefften wais beladen sein), allein aber 10 
darunili ist diss bes^ Ii'-lm, das ew<'r weysheit junge siin ir kiirtz- 
weil und lust hierum süchen mügen. Gott wol unnd gebe 
sein gnad hiezö, das sie und alle andre jugent das best hieraus 
klauben und dardurch das arg zfl yermeiden geursacht werden ! 

Bitt hiemit, ewer ersam Weisheit w611e diss mein einfaltso 
im besten aufihemen und mich alzeit als ein dienstwilligen 
erkennen. Befilch hiemit ewer ersam Weisheit, auch deren 
Wfcib und kiiidcr in den schütz, schirm und pfleg got des al- 
mechtiü:en. wiiiiseli euch auch allen nach disem zergeucklichen 
leben die ewige iieud unnd selii!;keit. Amen. 25 

Datum Burckhaim am Itein gelegen den 14. januarii im 
jar nach der gehurt Christi, unsers s&ligmachers, 1556. 

Ewer ersamen Weisheit dienstwilliger 

Georg Wirkrnm, 
statschreiber zü Burckhaim. 0 ao 

* 

1) Dnff im ori<rinaldrucke hier folgende register stellen wir 
an den »düuss des texten. 



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162 



Georg Wickram, 



[B r] Vorrede. 

Inn gottes namen, amen. Hie fabet an eiu seer kuriz- 
weiliges nützliches bücblin, welches der waichen und zarten 
jngendt zft kurtzweiligem nnderricht und Obung an tag geben 
(ist, damit sie mSssigen zeiten sich hierinn erlustigen und 

erflpatziereii nia^j, insunderlieit die jiuiL^on knaben. Denselbigeu 
liieiitin ilir wolfurt, wie sie sii h geu^en got und der weit hal- 
ten sollen, augezeigt uuud iUrgemalet wirt. Dann es mus ye 
die jngendt inn etwas h&ndlen geübt werden; unnd so man 

10 deren, das nutz unnd gilt ist, enziehen thdt, nimpt sie gleich 
das bößist an die handt. 

Derbalben vermanet der weis man .Jesus Syrach ^) seinen 
sün gantz trewlich. wes er sich inn seinem le])en gegen gott, 
der weit, gegen vatter und mütter, auch gegen freunden und 

lö feinden halten soll Also thftt auch der weis Cato, ein heid, 
gegen seinem sün. Nit weniger befleißt sich der wolberet 
Cicero') gegen seinem sAn. Derselbig ward von im der lehr 
nach inn Griechenland geschicket. Als er nön aus seinem 
bauß ferr von im hinweg war. also das er mündlich nit mit 

20 im reden und nach seineiu gefallen underweisen niocht. liat 
er ilim ein eigen bäch gemacht unnd z&geschickt, in welchem 
büch er ihn aller gebttrlichen werck , so eim jeden menschen 
gebären, underweiset Solchen grossen fleis haben die alten beiden 
zfl iren kinden gehabt, welche doch von keiner Seligkeit kein 

2.3 gewisse hoilnung gebabt haben. Wievil nier sulteii wir 
Christen uns in solchem befleissen und üben, damit unsere 
kinder, so [Bl**] uns von gntt ]»escliei*t, in allen fugenden. und 
zür ehr gottes aufferzogen w&rden ! So sieht man leider jetzund 
das widerspiel bej alten unnd jungen; dann sich gar wenig 

Boin allen Stenden der fug« nd befleissen, sonder sich gar viel 
mehr aller laster anniasson. 

Daraus gantz abzuuemen und zü vermüten ist, wie der 
heilig Paulus ganz klerlichen in seiner epistel anzeigt, w;is 
zeichen und vorbotten dem jüngsten tag vorgon werdend. 

1) JcauB Sirach inn seinem b&cb durchaas. 

2) Cicero von den gebürUohen werken. 



» 

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Haaptlaster, vonede. 



Dann er sagt zö den Thessalonichem iim der andren^) also: 
^Aber der züktmfft halben unsefs herren Jeau Christi unnd 
unser Tersamlung zA im bitten wir euch, lieben bruder, das 
ihr euch nicht bald bewegen lasset von ewerem sinn noch 

ei;^chret;ken weder durch gaist noch durch wort iiocli durch 5 

brieve als von uns gesandt, das der tag Christi vorlianden aey. 

Lasset euch niemand vertüien in keinerley wt isf ! Dann er 

kompfc nicht, es seye denn das züvor der abfali kumme und 

offenbart werde der mensch der sUnden unnd das kindt des 

Verderbens, der da ist ein widerwertiger und sich überhebt lo 

Aber allea, das gott oder gottesdienst heisset, also das er sich 

setzt in den tempel gottes und gibt für, er sey gott.' Wer 

aber diß kindt des Verderbens sey, mag ein jeder leit litlich er- 

keimen Dann wir dürfiend des nit mer wertig sein ; er ist 

leider gantz gewaltig in guttes heiligen tempel gesessen mit 

grossem hochmüt unnd bracht. Aber disen und andren hoch- 

mÖt wirt gott gar urblitzlichen ausreuten und zü nicht machen, 

wie Petras in der 2. epistel am S. capitel^) spricht: ^Der tag 

des herren wirt kumen als ein dieb in der nacht, in welchem 

die himel zergeen werden mit grossem krachen; die [B2*] ele- 20 

ment aber werdend vor hitz verschraeltzen , unnd die erd und 

die werck. die drinnen sind, werdend verbrennen' etc. Ilie ist 

<^'iit zü Nerston. wie und welcher j^^estalt alle dini^ uff erden 

beston werden, dieweil die element von grosser hitz schmeltzen 

unnd verbrennen müssen. 25 

Darnmb so laßt uns gott umb gnad und Verzeihung bitten, 

daß wir von disem erschrockenlichen tag nit so gantz unge- 

wamet als von einem dieb überfallen werden! So lond uns in 

erlichen dingen wandlen und unser kurtzweil sflchen in alten 

exemplen . uns zü dem götten weisen und von dem bösen 00 

ziehen! Derselbigen sind ijar vil in distm bfichlin begriÜ'en, 

aus alten uaud newen historien zusameugelesen und ein jede 

au ir ordenliche stadt gesetzt, damit der le.send nit alein kurtz* 

weil darin sflchen^ sonder auch gar vii nützlicher Warnungen 

* 

1) 2. Thess. 2. 

2) Hie luag ein jodor ^elb uiteiien, wer diaes kindt sey; dami es 
ligt heyttcr am tag, got eibarms. 

3) 2. Petri 3. 



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154 



Georg Wiokram, 



daraus la:5Heii und erleiiieu maj?. Bitt liierait ein jedin in<?on- 
derheit, was wurden, Stands oder wesens der seie, mir nit ziL 
argem noch üblen auffnemmen w611e, alein mein güten and 
geneigten willen hierin erkennen. Denn so mein kunst unnd 
o verstand weiteis reichen m6cht, wolte ich mich nit gespart 
haben. Will hiemit also zd meiner arbeit greiffen, wil mich 
aber daimocht zftvor, nachred zü verhütten, gegen menigklich 
entschuldigt haben. 

Ach lieber lescr, wer da biet, 
10 So dia mein buchlin lesen ist, 

Inn welcher wirde oder »tandt, 

Also wil ich dich haben gnandt, 

Bit, mirs im besten zd erachten, [B2b] 

Mein schlechie Itunst hitninn betrachten; 
15 Dann sie bey mir ist »icher klein. 

So hab ich auch wenij^ latein 

G studiert ; dnini ich inn meinem b'ben 

Wolt wol *M*Ti tfut-chf^Tj herren j:^»^V>*'n. 

Diü ni<'iii kl' in Imk hlt-in. so Ich gmacbt, 
20 Von fxierti'U luilitli ^viit vi'iacht, 

Verspott. vernicht»'t uii.l vfi lacht. 

So aber ved« r Kahl betraeht, 

Da« ichs allein der jugent ^lieb 

Hab gmacht, daa die sieh darinn yeb 
2^ Unnd ir kilrtsweil hierinnen sAch 

(Dann es ist nit der gierten bUch), 

So werdend sie es lassen bleiben 

Ein einfattigs und schlechtes schreiben. 
Drauff, o ir jungen, sind ennandt, 
^ So euch diß huchlein knmpt si1 band, 

Ein jeder fleissijf darnuH leer 

Die tugent unnd sich darnach ker. 

Nit seheud seinen meist er an, 

Ob er vil oder wenipr k;in ! 
35 Nenil>t enrh ein exompel der mos 

Bey einem biUliHtock an der stros, 

Ob or cjleich l'aul »tot an dem ort 

Voii vvürmen gfressen unnd durchbort, [B3a] 

Zeigt er dir doch, wiewol Cr ston 
10 Bleibt, welche straG du tolleHt gon. 

Du darßst daraufF nit achten hoch, 

Ob er dir gleich nit gange noch; 

Bleib dannoch du aull' gzeigten weg. 



Digiiizuu Ly Ljt 



HauptlAsier, Toirede. 



So kumbgt du zu dem rechten sieg. 
Also mögt auch ir jungen kntiben 
Mich für ein faulen bildstock haben, 
Der zeigt ein giUten weg acft gon 
Unnd bleibt doch in dem mistpfnl gton 
Mit sfhid nnnd la?«tern gar umbgeben. 
DruMil» "^iM'lit ir iiiiuip:*'! nn meim leben, 
So goüd ir ilnch den gwiiMion pfad, 
Den i<^h i'uch zeij?! Wirt imicIi nit »chnd. 

Habt ixnti frtrcl'.t in tai: unnd nacht» 
Dt'innai'h habt auti' «lic iiltern acht, 
Habts buch in flin ii tVü unnd spodtl 
Das ist warbch dtus Iii rfl gobodt, 
Zii dem gott hat verbeiaiimg grben. 
Spricht: 'Wann du lang im land wilt leben, 
So dir dann geben wirt der her, 
So hab vatter, mfitter inn eer!' 

Demnoch forcht dein schöhneister seer, 
Folg im in gut nnnd grechten dingen ! 
Tbftt er dich schon mit ruten schwingen, [B3b] 
Da in dammb nit hassen solt; 
Bedenck -nlmehr, das er das goldt 
Dir schütten thtit in deinen geeren, 
Yolgest du änderst seinem leeren! 

Das alter solt auch frenntltch ehren 
ünnd im all reverentx beweis ! 
Dann welcher haßt das alter greis. 
Der wirt der jaren nimmer alt» 
Kompt auch dardnrch z(i gspot gar halt 
Die armen auch gar nit verspott! 
So bh&ttet dich vor armtit gott, 
Der macht dich reich an leib unnd seei 
Unnd bhut dich vor der hellen queL 

Diß merkt, ir jungen allesam! 
Yill gütes wOnscht euch Jorg Wickram. 



156 



Georg Wickram, 



[l'=B4*] Wie Lucifer, der schonest under allen eug- 
len, mit seiDem anhang von himel Verstössen [ward] 
von wegen seiner grossen hoffart. 

Das erst capiteP), 

6 Lucifer, einn scli5ne8ter under allen engelen, durcli seine 
8ch6ne und klarheit käme er inn solelie Yermeasenheit und 
hofPart, das er onderst&nde gott seinen siül gleich zü setzen. 
Darumb ihn gott sampt seinen gesellen und mittgehHllem 
aus himels thron Verstössen , ^v^e Jesaia am vierzehenden ca- 

10 pitel ") ineldiin;; tluit und saLrt : 'Wie bist du von himel ge- 
falleji. du sclioncr morgiMistcrii I ^Vie Ijist <lu /.ür enlon ccfellet. 
der du die haiden schweclilest ! bedachtest du doch um deinem 
hertzen: Ich will in den himel steigen und ( 1''] meinen stftU 
über die stemen gottes erhöhen; ich will mich setzen auff den 

Imberg des stiffts an der seitten gegen mittemacht; ich will 
Über die hohen welchen faren und gleich sein dem allerhöch- 
sten. Ja zär hellen ferest du, zär sejtten der grAben/ Item 
Petrus in der 2. um 2. capiteP) : 'Denn so gott der engel, die 
gesttndi<it haben, iiifc verschunefc hat, sonder bat sie mit ketten 

20 der tiusternüß zftr lielle Verstössen und übergeben, das sie 
zürn gericht belialten werden.' Dergleichen bezeugt auch Judas 
inn seiner epistel*) und spricht: ^Zöm andrenmal bracht er 
umb, die da nicht glaubten, auch die engel , die ire fürsten*' 
thumb nicht behielten, sonder verliessen ire behausung, hat er 
behalten zAm gericht des grossen tags mit ewigen banden im 
finstemüB/ 

Hie mussend wir zum eisten besehen, aus wiis virsaeli 
Lucil'er von gott aus seimiii ewigen tliron Verstössen worden. 
So finden wir nichts anders, tlana das im semliclis aus grosser 
m seiner hofi'art begegnet ist, als er got seinen stul fürsetzen 
unnd sich an seiner überme&lichen schönen gestalt, welche 
sonst alle engel übertroffen hat, nit Heß genflgen, wolt auch 

* 

1) Holzschnitt 1: der gefcaseltc teufel wird von einem einen 
scblfiMd tragenden engel su einer grübe geführt 

2) Jesaia U. 8) 2. Petri 2. 4) Judas 1. 



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Haopilaiter, cap. 1—2. 



157 



got in seiner majeetet ObertrefFen« Dammb dann hocbfart von 
gott schwerlich jj:ehaßt wirt, wie dann Jesus Syrach gar prrflnt- 
lich daivou schreibet imrl uns *xantz hertzlichen <1arvor w iniefc 
und spricht inn soineni 10. cajfitel : 'Den hoft'ertigtii isi ^'ott 
und die weit ieind ; denn sie handien vor ihnen beiden un- 6 
recht.' Item im 13. spricht er: 'Wer bech angreifft, der be- 
«adlet sich damit ; und wer sich zü einem hocbfertigen gesellet, 
der lernet hoffart/ Also gieng es unser aller müter Eva^); 
dann sobald sie imi geselschafft mit der boffertigen mid tau- 
sentlistigen [2*=:C 1*] schlangen kommen thet, hat sie von stund lo 
an die hochfurt überfallen, das sie vermeinet gott inn ver- 
stand t gleich werden. Da aber erlangt sie ir selb nicht anders 
dann den ewigen Üüch, wie dann au seinem ort weiter iüevon 
gesagt wirt. 

Jetzund haben ir gnügsamen bericht, wo und wann, lo 
auch durch wen die hoffart ersimai iren urspmng unnd anfang 
bab genummen*}, als nämlich durch Lucifer, der dann auch 
seinen gebftrlichen lohn darumb empfangen hat. NAn wend 

wir weiter besehen durch alte exem])el, was grossen unradts 
ans dem iaster entstanden, als das in alle weit eingewurtz- 20 
let hat 

Wie Adam und Eva von der schlangen bedrogen 

worden sind. 

Das 2. capitel. 

Nachdem Lucifer von gott Terstossen sampt seinem an- ^ 
hang, da hat gott durch sein ewiges wort in sechs tagen er^ 
schaffen himel und erden, auch das meer und alles, was darinnen 
leben unnd schweben thät. Den menschen aber schflff gott 

zöm letsten und beschaff auch denselbigcn nach seiner bildnis, 
damit er über alles, so auii erdon lebt, herschen nioelit. Oot 
ffirt ancli zu ilcm mensehon al'e thier auft* dem fcld. auch 
alles getlügel, so da in den lullten schwebeten, deügleidieu 

* 

1) Eva au8s gesellschaflt der hoffertigen schlangen falt schwerlich. 

2) Durch den tenfel ist erstlich die hofffurt, die Bünde, der todt in 
die weit kummen* 



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158 



Georg Wickram, 



die fisch in des wassere gründen; damit sie der mensch ein 
jedes mit seinem nammen benamset, fürt sie gott zfi dem 
menschen. Der nandt ein jedes mit seinem nammen, also auch 

alles govvuchs auti" i i'ilcn, aU biliinen, kreuter und ^nis ..,.iii}»t 

ö allen fruchtbaifii i)aii| 2 ')nipn ; den allen froh Adam einem 
jeden seinen besun deren namnicji Als aber ein jede.s thier- 
lein geparet zügegen stund und der mensch gantz liiltlos vor 
gott erscheinen thet, sagt gott : ^Es ist nit göt, das der mensch 
allein seje; ich will ihm ein gehilffen machen, so umb ihn 

loseye/ Alsbald lies gott einen tieffen schlaff auff den Adam 
|3"] kämmen, das er hart entschlaffen thet. Da nam gott 
seiner rippen eine und schlos das ort mit fleisch wider zö unnd 
formet ein weib aus dem ripp. so er von »kui menschen ge- 
nuuimeu hat, unnd bracht sie Adajn. Da sagt Adam: 

lö 'Das ist doch bein von meinem bein unnd Heisch von meinem 
fleisch; man wirt sie mennin heissen, darumb sie von dem 
mann gennmmen ist. Dammb wirt ein mann seinen vatter 
nnd seine mütter verlassen und seinem weih anhangen; und 
sie werden sein ein fleisch.' Diser zeit waren sie beide nackend, 

&J schammetten sicli aber gar nit; denn sie hatten noch kein 
sünd begaiiLT^'u. T'nd got satzie >ie in den garten des para- 
deis, erlaulx i in aueli zii e.sseu von allen früchten der beum, 
allein von dem bäum des wissens des guten und des bösen 
ver])ot in got, das sie nicht darvon essen, auch den nicht an- 

f& rürten ; dann welches tags sie von der frucht essen, würden 
sie des todts sterben müssen. 

Als aber got von inen gangon, hat der teuffei wol ge- 
dacht das dem menschen solche wunn nnd freud bereit sein 
wird, von welchen er Verstössen, hat sich derhalben nicht 
lang gesaumet, iöl /.u. dem weih knmen nnd ge.sagt: 'War- 
luub liat gott gesagt, ir sollend nicht essen von aiieriey 

1) Holzschnitt 2: Adam und Eva unter dem apfelbaum. um 
den 8irh die schlantr*' windet. — Aus dem Kitter \on Tarn (Strass* 
bürg, J. Knobloncli 1519) bl. 38a. 

2) Adam giVit allin «»eschöpftcn einem it-(l« n seinen namen, 

8) Von wannen der neid des tculfela auti meuschliches geschlecht 
erwachsen ist. 



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Hauptlasier, eap. 2. 



159 



beumen im garten?' Das weib gantz scbneller antworte ) sagt 
zft der scblangen: 'Wir essen doch von allen benmen im garten, 
allein verl^ot uns gut von dem bäum mitten im garten, des 
tVnrlit selten wir nicht essen, aueli den baiuii nicht anr&ren. 
Dann gott sprach : VV^elches tags ir darvon essen, werdend ir 6 
des todts sterben.' Bald antwort die schlang: *Ir werdet gar 
nit sterben ; aber got weist zfivor wol, welches tags ir von dem 
baom esset, so werden ewere [3**] äugen auffgetbon, und werdet 
sein wie got und wissen, was gut und bös ist.' 

Difi war das gifft , da wircket schon die boffart ir erst lo 
gewirrk imd wepp Dann bahl Eva verstund, das sie gott 
geleieii ^oIten werden, iit-nüget sie nielit an dem, «u ilnien t:<>tt 
underthenig hat gemaciit; sie lies sich auch nit settigen des 
lustigen anblicks, so sie hat in allen geschöpften gottes; die 
wolgestalten, wohlscbmackenden und scbongeferbten bliemlein, 15 
alle fruchtbaren edlen beum, sunn und mon und das gantz 
firmament sabe sie täglich vor äugen. Dis alles mocbt ir 
gesiebt und begird nit erf&llen, sonder meinet, wann sie der 
fecLlaiigeii rat volgen. würd ir gesiebt noeli elarificierter werden 
und gott in allen tlmgen gleichen. 0 du selniude hollart, wo 20 
hastu uns hinbracht! Wie hastu unser aller miiicr so gar 
vi'rgefiUch gemacht ires schopfers befelch unnd gebot! Ach 
Adam, wo ist dein vemunflt und verstand hingewichen, der 
du zAvor allen gescböpfen, bäumen, kreutem und thieren, 
Voglen und fischen irenamen geben*)! Hastu doch dein fleischst 
und bein erkennen kflnnen, wiewol gott das im schlaff von 
dir genumen hat ; wariimb hustu nit hie auch scbarpft' autF- 
cesehen und deinem weib eingeret! Dann durch dein grosse 
ungehorsarakeit sind wir in die grost verderbnüfj gefallen, ja 
das gantz menschliche gescblecht ist aus deinem apfl'elbis mit ^ 
todtlichem gifft hart umbfangen worden, welchem kein artzney 
keinen widerstandt getbün mocbt, bis der arzet kam, welchen 
dir nachmals got im paradeis verheissen bat. [4'] 

1) Weiber bei»'it. vor den niantien antwort zu geben. 

2> Hoffart nnd fürwitz haben um ian eilend bracht. 

3) Adam beuambüt alle creaturea, 80 voa gott erachatten waren. 



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160 



Georg Wickram, 



Wie £va aus anstifftung der schlangen von der frucht 

gessen, auch irem mann darvon geben, und wiegotfc 
der ächlangeu den üüch geben hat. 

Das 3. capiteL 

5 Als nün Eva die wort der .sclilaTigen mit fieissigen obren 
gehört, aber gar wenig verstanden [und], was iinradts ir daraus 
erfolgen mdcht, bedacht hat, sähe sie den lustigen bäum mit 
begirigem gemut an, bedacht auch die susdgkeit der frucht; 
nit minder ward sie nach der falschen schlangen radt betrachten, 

10 was grossen nutz ir das geschleck bringen mochte. Da hat 
sie von stund an von dem bäum die frucht gebrochf^n und 
mit frrosseni lust und begird gessen. Als sie ihr nun ge- 
schmackt und ir lieplichkeit befunden, hat sie der frucht ge- 
numen und irem mann auch gegeben. Adam aber hat sich 

iftnit fast besunnen noch dem verbott seines 8ch6pffers nach- 
getrachtet , sunder seinem weib gehorchet, die frucht von ir 
empfangen und gessen. Bald nAn sollichs geschehen, sind ire 
äugen auftgangen und haben gesehen, das sie nackendt pre- 
weson sind. Da ist die schäm saTii}it dem gewissen voiliiuicU u 

20 gewesen : daim sie hal)on von stund an IV-ygciiljletter von den 
bäumen gebrochen und s( hürtz daraus geniaclit. 

Als es aber jetzund kiil ward unnd iiXie hitz hien was am 
tag, kam gott der herr wider in den garten, und Adam sampt 
seinem weib h5retten die stimm des herren gotts. Sie aber 

2s weiten i^ sch6pffer8 nicht mehr warten, sunder verbargen 
sieb in f4''] die hfirst und standen, meinten, gott wfird sie 
niclit finden. Der herr aber rüffet Adam und sagt: *Adam, 
wo bist du?' Adaiu gantz erschrocken mit zittern sagt zöm 
herren : 'Icli hure deine stimm im garten, unnd ich forchte mich 

30 vor dir; dann ich hinn nackend und schamme mich*. Da sarrf 
got: ^Wer hat dir gesagt, das du nackend bist? Hast du 
nicht gessen von dem bäum, davon ich dir gebotten, du soltest 
nicht darvon essen?' Da antwort Adam: ^0 herr, das weib, 
so du mir zägesellet hast, gab mir von dem bäum, und ich 

35 asse deren frucht.' Da sprach gott zum weib : * Warum bastu 
sollichs gethun "r Das wril) antwortet : 'Die schlang liat mich 
also Ubcrii:5tet und betrogen, das ich gessen hab.' Da sprach 



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Haaptlaater, cap. 8. 



161 



gott der heiT zü der schlangen: 'Die weil du soUichs gethon 
hast, so seyest du verHilclit vor allem viehe und für allen 
thieren auff dem feld. AuHl deinem banch 8oIt da gehen, 
gmnd und erden sol dein speis sein dein gantzes leben. Und 
ich wil ein ewige feindtschaffk setzen zwischen dir und dvm □ 
weib, auch zwischen deinem samen und irem samen ewigklit h. 
Derselb sol dir deinen kopff zertretteii . und du wUrst iin inn 
die Versen stechen.' Züni weib :ibt'r sprach gott: * Ich wil dir 
vil schmertzens schaffen, wann du schwanger bist. Deine 
kinder solfc du mit schmertzen geberen ; du aolt mit deinem lo 
willen deinem mann underworffen sein, und dein mann sol 
über dich herschen Damach sagt gott zü Adam : 'Dieweil 
du hast gehorchet der stimm deines weibs und gessen von 
dem bäum, davon ich dir verbotten hab zü essen, so seye dir 
verliutLt der acker; distlen und dorn m\ er dir tragen. Das 15 
kraut auff dem teld .sol deine speis äuiii, unnd im [5"] schweilä 
deius angesichts solt du dein brofc essen, so lang du wider zü 
erden werdest, daraus du dann genummen bist. Dann du 
wärest erden, und solt auch wider zür erden werden.' 

Alsbald machet in gott der herr zwen r5ck von schafPs- 20 
feilen und zohe Inen die an und si)rach: *Sihe zü, Adam ist 
yetz worden als unser einer und weißt schon das gut und das 
bos. Damit aber er nicht aiiijrecke seine band und breche 
au( h vuii dem bäum des lebens, esse darvon und lebe darnach 
in ewigkeit!' Das zü verkummen, stiesse in gott aus dem 86 
paradeis, aus dem schonen lustigen garten Eden *). Da müst 
der g6t Adam das feld mit grosser arbeit bawen; unnd gott 
ISgert einen engel oder Cherubin mit einem scharpff schneiden- 
den Schwert für den garten Eden, denselbigen zA verwaren 
unnd zd verhüten den weg zA dem bäum des lebens. so 

Dises war der nutz und frueht, su Kv.i aus rhat des teufels 
und irer lioffart bekummen hat. Der gut Adam was zuvor 

* 

1) 0 Eva, iles i^rliweren uiitii-irliclK/ii jochs, so du ■weil)li< ht-iii g*.-- 
schlecht hast aufgelegt I Yedocii wisbt'u hi» h ir vil vor diser bürden 
zu hut' ii. legen <lie ir^n inannen auff den nicken. 

2) Da« was ein sehr bittere spei» gegen der anderen, aus den roson in 
die distelen wandlen. Vor was alles guüg, so sie begerten, dor'fften kein 
aibeit haben; yetzond mftß es mit roher arbeit gepflantset werden. 

Wioknn in. 11 



im 



Georg Wickram, 



ein gesetzter geuaithaber über das gautz pamdeis; jetzuud 
mül» er bienaus, sein narung im schweiß seines angesichts 
überkummen, dem doch vormals die kostbarlichen wolschmacken- 
den frttcht des paradeis flberflfissig vor äugen hangen theten 

d mmd mocht sich auch deren nach allem seinem lust gebrauchen« 
wo der ftlrwitz iind diA hoffart sein weih nit betrogen het. 
Daruini», o ihr niumi, ml ioud euch betrieben das liebk<»seu 
ewor Weiber^), damit. s\o euch nit nucli Inn band und strick 
bnngeii, aus welcliem ir nimmer lul.'; werden mügenl Sehend 

10 hie mit fleiis auti' imsem aller vatter Adam, wohin und in was 
gefor er auß rhat seines weibs klimmen sey! Darumb be- 
trachten zftvor gar wol [5**] das anmüten der weiber, ob das 
zCi nutz oder schaden dienen m5g! Dann hie mocht den 
gAten Adam sein anfired gegen gott seinem sch6pffer nit ent- 

15 schuldigen, da er siigt, sein gesellin. so im gott zugesellet, 
het im die frucht geben; er muüt das kreütz selb tragen und 
die bClJä beston. 

Aber dannocbt mOs ich bekennen, das zi^ zeiten die güten 
rhät der weiber nit zu verwerften sind. Des finden wir genfig-> 

»samer ezempel gar vil beyde in alten und newen testament. 
Dann die fttrsichtigkeit des weibs, welche gewesen ist ein 
mftter Mose % hat auß fttrsichtigem anschlag iren s(kn Mosen 
vor dem grausammen anschlüg Pliiiruonis drey monat laug 
bewart und in eutlirh mit ironi fürsichtigen rhatlichen vor- 

25 betrachten dahien braciit, das er au des konigä hott* erzogen ward. 

Ein faerliche hiatori von zweyen röm würdigen wei- 
beru des alten testaments, Del bore und Jael. 

Das 4. capitel. 

£s duncket mich nicht unbillich sein, dieweil dem gftten 
30 rhat, so underweilen die weiber geben, zfl folgen sey, das ich 
die herlich und dapffer histori der beyden weiber hieher setzt, 
nämlich von der fttrsichtigen und weysen frawen Delbora, die 

da was ein richteriu in Israel. 

l> Das dem rhat der weiber nit alseit sö folgen sey. 
2) Im 2. buch Mose am 2. capiteL 



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Uauptlasier, cap. 3—4. 



163 



]>;inii niemand war, als Ehnti ein sun Gera, lichter inn 
Israel, gei>torl>en was, desgleiclK ii Saiimur, welcher mit einem 
ochsenstah uil" ein schlacht sochsliundert Philister erschlagen 
hat, derselbig was [6''=Ü1'|') auch gestorben. l):i fieng 
gantz Israel an imd sündiget schwerlichen vor gott, also dass 
der herr gar Aber brael erzttmet, thet seine band von inen 
ab, verhengt Jabin, der Gananiter konig; derselhig überzoh 
Israel mit grosser macht und drenget sie mit grossen engsten 
gaiitz gewaltiglich zwentzig jar. Seine macht was sehr groß. 
Sissera, ein grimmer und .>lrfit barer mann, war sein nljri^ter lo 
feldthauptman : wann der zü feld zoh, hat er nennlumdert 
eysere wägen unnd ein sehr grosse menge von kriegsfolck. 
Als nAn Israel mit sedlicher angst so hart gedrengt ward, 
scbrejen sie zft dem herren. Zü den Zeiten war die prophetin 
Delbora Tich[6']terin in Israel; ir wonung was auff dem gebirg u 
Ephraim. Wann dann die kinder Israel etwas zü handien 
hetten, giengen sie zü ihr liit nauif für gericht. 

Als nfm der knnig noch hart mit streit auif was sampt 
seinem feldthauptman Sissera, da sixndi Delhora nach Barak, 
dem sün Abinoam von Kedes aus dem stammen Naphthali, 90 
und sagt zii im: 'ßarak, hat dir nicht der herr. der gott 
Israel, gebotten und gesagt: Zeuch bienaulf auff den berg 
Tabor, nim mit dir zehentansendt mann von den kindren 
Kaphthali und von den kindren Sebulon ! Dann ich wü den 
hauptman des konigs .Tahin mit nammen Sissera zft dir be- a» 
wegen zü ziehen an das wasser Kyson ; tlahien würt pr knm- 
men mit allen seinen wagen und mit seinem gautzin heer. 
Ich aber wil in in deine iiand geben'. Barak aber sagt zü 
der prophetin Delbora: ^Ich wil gern hienauffziehen. aber mit 
dem geding, das da auch mit mir hienauffziehen solt. Woao 
dn aber nit hienauffziehen wilt, wQrstu mich auch nit hienauff- 
bringen.'^) Da antwort Delbora: ^Wolan, ich wil mit dir 
sieheD. Du würst aber auff diser reifi keinen preiß erlangen ; 

1) HoUsehnitt 8t swei frauen stehn am bett eines kranken 
jQngling». — Begegnet auch in Wickrams rotnan Von guten und h^ien 
naehham 1556 hl 12b (oben 1m1. 2, 139 nr. 6). 

2) Ein dapfferer und weidlicher hauptman. 

11* 



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164 



Georg Wickram, 



dann der herr würt Sissera in eines weibs band geben.' Also 
rOstet sieb Delbora und zob mit Barak bien auff den berg 
Tabor. ZA Kedes versamlet Barak zebentansendt streitbaren 

iii.iiHi , mit denen zoli er zö füli atiff den berg Tabor sarapt 

öder prophetin Üelhora. Ks was auch tin mann mit iiamiiivn 
Heber, von den kindern llobab erzogtii, weh in r Moses» Schwa- 
ger gewesen was, der hat seine hütten oder zeit auti'gescblagen 
bey einem eychwald neben Kedes; derselbig Iiat ein weib von 
gar grosser [7*J vemunfft und weysen rhats, die bies mit 

lOnammen Jael. 

In disen dingen ward dem bauptman Sissera angesagt, 
das Barak mit tiuer ;,q-ossen menge des kriegsvolcks aufi* den 
berg 'l'abor gezogen wer. Sissora berüft't zösammen alle seine 
macht, wagen nnd reuter saiupt dem füßvolck : denen gal) w 

Idiren beteich, an das w:i^>er Kison zi\ kommen mit alier macht 
mid Waffen. Da soUicitö Delbora , die lieldin , vcniam , sagt 
sie zü irem bauptman Barack: *Balauff! Jetzund ist die stund 
und die zeit kummen; das ist auch der tag, an welchem dir 
der herr den bauptman Sissera in deinen gewalt geben würt; 

20 dann der herr würt vor dir au&ziehen.' Barak glaubt der pro- 
phetin und zob mit seinem gantzen beer herab von dem berg 
Tabor, nnd das gantz beer was willig mit im zü ziehen. Da 
kam der schreckeu des herren auÖ' Sissera und sein gantzen 
hauifi n sam])t den eyseren wagen nnd deren, so darauff Sassen, 

S5 und richteten sich zü der flucht. Der bauptman imd obrist, 
nämlich Sissera, der sprang schnell von seinem wagen und 
begert zA f As der flucht, damit er dem schwert entrinnen möclit. 
Barak aber jaget mit grosser eyl hienach den wagen und dem 
g.iiit/.t'ii beer Sissera bila gehn Haroseth dvv lu vden. Da ward 

ao da^s g:mt/.e beer liart geschlagen, das iiil eiiuT nl)erlielil). 

lier bauptman aber Hob eylens zu lös darvon nnd kam 
in das gezelt Jael, des weibs Heber des Keniters. Derseibig 
Heber nam sich des kriegs nicht an; denn Jabin hat einen 
anstand und friden mit im angestelt. Als nAn Sissera gegen 

80 der zeit lauffen thet, gieng im Jael entgegen und sagt zü im : 
^Kumme har, mein herr bauptman, flQcb zü mir! [7"] Hie bist 
du wol verwart.' Und er flöhe zu ihr iji ihr gezelt; dann im 
was uuverborgen, das ihr mann Heber im fiiden und des kriegs 



Hftuptlaster, cap. 4—5. 



165 



halben gantz frey was; darumb floh er zil ihr in die htttten 
oder gezelt. Jael nam einen mantel nnd bedecket in damit 
Sissera aber aagt zA ihr: *0 mein fraw, stell dich under die 

thSren der zelten, und so yemands fragen würt, wer hieriiineii 
sey. so verleugne und 8ag, es sey nieniands /A dir gefloh( ii! 0 
Und er bat sie iimb einen di iiiu k \vas^e^s : dann in dürstet 
sehr übel. Und Jael gienjt; über einen milclibalen und gab 
im einen drunck milch und deckte in wider zü mit dem mantel. 
Als es nön das weib zeit daucht, nam sie einen stareken eysenen 
nagel von der hotten und einen eysenen hammer nnd schlich iv 
sfcilschweigend hienzfl, schldg im den nagel durch seinen schlaff 
und bracht in also umb^). 

Barak aber jaget dem Sissevii nuch natli und meinet imni 
zft fanj^'eu. TTnd Jael gi»iiür im entift^gen, sagt: 'Barak, kuni 
har! Ich wii dir den manu zeigen, dem du nachjagst.' Als iö 
er nön zft ir hinein kam , da entdackt sie den Sissera : der 
lag dort, ein nageil stackt im in seinem haupt, und was todt. 
Als nfln diß geschehen was , wurden die kinder Israel gantz 
herizhafft und zogen mit gewalt über Jabin, den konig der 
Cananiter, liessen auch nicht von im ab, bis das er gar ward ao 
ausgeruttefc. Diser weiber fürschl.ag, radt und dapierkeit würdt 
billich in ewiger gedechtnüs behalten. 

£s bat aber nach semlichem sig Delbora dem herren ein 
newes lob gesungen sampt dem gantzen Israel, inn welchem 
auch Jael grSfilich gebrisen würt, also lautend^: ^Gesegnet K 
sey under den weibem Jael, das weib Heber des Keni-f 8']ters> 
gesegnet sey sie in der htttten under den weihen. Milch gab 
«de. da er wasser fordert, und butter bracht sie dar inn einer 
herrlichen schalen. Sie grifte mit irer handt den nagel uiiiid 
mit ilu'er reciiteii den .schmidtliaiiniier. und st lilug Sissera durch ao 
sein haubt unnd zerquetschet und durcliboret seinen Schlatt" 
etc. Also belib Israel im friden viertzig jar. 

Die gemein dim Hahab errettet die zwen kundt- 

scluiffter Zu Jericho. 
* 

1) Hi*' iiimine war. so got einem tirniuuMi laug geuiig zusieht, wie 
fem er in »türtaen kanl 2) Judicum 5. 



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166 



Georg Wickram, 



Das 5. capitel^). [8''] 

Wanimb solten wir verschweigen und ttbergon die für- 
sichtig und gotf6rchtend Rahab ? Ob die schon ist gewesen ein 
^ gemeine dim, setzet sie dannocht der evangelist inn das ge- 

o s( liK'chtregister Christi: so hat sie aucli irer gotsförchtigkeit 
gnugsaiuinc mul st r L'iite kinits( liatit in der schlifft. 

Wir tinden in dem hüdi Josua am andrea capitcl*): Dem- 
nach Most's gestorben und von ^otf begraben, kam sein diener 
Josua an Muse stat Dann got der herr sagt zä Josua: *Mein 

loknecht Moses ist gestorben. Darumb so mach du dich auff 
und ziehe Uber disen Jordan in das landt, so ich dem volck 
geben hab unnd auch meinem knecht Mose verheissen hab. 
\"on der wüteten an bi.s an das irrosso Av.isser Phrat, das u.iiiize 
iand der Hethiter bis an da?» «•russe niter gi-g«"n dem abend 

lö sollendt ewer grentzen sein.' Als nün Josua beteich von gott 
dem herren emptieng, wes er sicli in allen dingen halten solt, 
hat er gleich allen iiauptieuten gebotten, durch das gantz 
lager zA gohn und dem volck zü gebieten, das sie in ein reich* 
liehen vorrhat zurichten solten ; denn sie musten Uber drej tag 

SOftber den Jordan ziehen und einnemmen das Iand, so in der 
herr gott geben wUrd. Da was alles voUli gehorsam, mid 
versähe sieh ein yeder autts best < r im «( Iii . 

Und Josua sandte zwen kiindtscliattter aus seinem beer, 
die solten das landt ailenthalbeu erspehen und wol besichtigen. 

a& Also giengend sie hien und kamen gehn Jericho in die fest« 
statt und funden herberg in dem haus liahab, der gemeinen 
dixnen. Bald kam das geschrey für den kÖnig z& Jericho der 
kuntschaffter halben. Dann im ward angesagt, wie das kunt- 
schaftter [9 "] von den kindren von Israel ins landt kummen 

aoweren, die stett darinn zu besichtigen, diestdbigen wercn zu 
Ji» rlit'i «;- Ix V b'.ihab der dirnen. Also sandt der k«)nig cvIi ikIs 
zü ir mit dem befelch, das weib öolt die menner anzeigen und 
des konigs gesandten übergeben. Kahab aber als ein fürsich- 
tige verbarg die zwen kundtschaffter , hies sie auff das dach 

* 

1) Holzschnitt 4: «mu jün^'liii<^ sehreltot auf eine l. iter /u, auf 
der « in aiuhor /u einer sclieune liinauf'steij^t ; oben ateheii eine frau, 
die die leiter Icsthält, und ein dritter jüngling. 

2) Josua 2. 



Digiiizuu Ly ^i^j^.i-j^i^ 



Uaaptiacter, cap. 5. 



167 



■stvVLTt'ii und verdiickt sie mit HaL'h>^stenglen. Des koiii;^.^ botten 
ab<er wi?*« sie mit wortteii ah und sa^]^: ^Ks sind zwen menner 
zu mir hiureinkommeu ; waher aber die kummen sind, weis ich 
nit Als maa aber die porteu der statt beschliessen wolt nnd 
es jetzt finster was, sind sie hienausgangen ; weis aber gar nit, « 
wohienaus ir we^ gericht ist Dammb eylend inen nach, so 
werdend ir sie «'utlitlu'ii iiuch auÜ' dem wt'ic linden.* Als])ald 
lies in der kitiuLC nacheilen; sie aber waren auff" dem dach 
imder dem tlachs verborgen, weichen Liahab darauif gespreittet 
hat, an der sunoen z& dörren. lo 

Ehe dann aber die zwen menner entschlieffen, stige Rahab 
zö inen anffs dach und sagt zd inen: Ich weis, o ihr menner, 
das euch der herr das landt gegeben hat: so ist auch sehr 
ein grosser schrecken flher uns allesammen i^et'allen. Denn 
alle ein woner des lands sind al> ewer z&kuuÜt erstarret ^ die- ifr 
weil wir haben gehört, das der herr das wasser im schilffmeer 
od« im roten meer ansgedracknet hiU. damit ihr hieiidiirch- 
gangen und aus Egypten gezogen sind. So wissen wir auch 
wol. wie ir mit den zweyen künigen Silion und Og jenseit dem 
loyrlan umbgangen seind. Dann sidher wir soUiclis Vernum- 20 
men haben, sind wir hart erscluocken, und ist auch kein irond 
in keinem menschen mehr, sidher wir von ewer [9' ] zükuntft 
gehört haben. Denn der herr, ewer gott, ist ein gott beyde 
oben im himmei unnd unden auff erden/ Hie sehend, was 
grossen glauben in diser Rahab gewesen seye ! Hat sie nit die Z9 
«duteclitigkeit gottes gantz hertzlichen bedruchtet? Ja, mehr 
dann alles volck zu Jericho. Sie sagt auch zu den zweyen 
^ehern Josue: 'O ihr menner aus Israel, ihr sehend meine 
grosse gütthat, so ich euch hewisen. Ich hab ewer leben vor 
des k6nigs gewalt gefristet unnd mich ewerthalb in grosse so 
migst gesetzt Darumb so schwerend mir bey dem nammen 
des bmen . das ir meiner grossen barudicrlzigkeit eingedenck 
sein wollen und an mir und meines vatters haus barmlierUig- 
keit beweisen I Ir aber wolt mir ein gewiß zeichen geben, das 
ihr meinen vatter und meine mAter, meine briider und meine «6 
Schwestern und alles, was wir haben, Ton dem todt erlösen 
w611end/ 

Da sagten die menner zu ihr: 'Wolan, Kahab , wo wir 



168 



Georg Wickram, 



uifc bannhertzigkeit an dir beweisen und an deines vatters 
gantzen hause, so sol unser soele för euch nlle des todt« sein, 

so ferr das du uns iiit verderbest oder veiihutest in luiMieni 
geschefft.' Also nam das weih *»in rotes seyl, und sie Hessen 

b si( h daran hienab aus dem haus ; dann ihr hauß imd wonung 
stund an einem ort der statt zänecbst au der mauren. Die 
menner aber sagten zä in 'Wolan, wir haben dir einen eydt 
geschworen, wann es darzA kom, das wir dich sampt deinem 
vatter, Schwester nmid bruderen beschirmen w51len. Des sind 

10 wir noch nrbttttig, so ferr das du nemmest das rote seyl, an 
welchem du uns luTubgehissen hast, luia knüpftest das iindcr 
dis fenster. Desijleich soltu deinen vatter. sehwester uiiill)!u- 
der auch [10' = Kl"] zö dir in dein haul3 nemmen. Dann wo 
du an deren einem falen würdest, so wollend wir des eydts 

lö ledig und los sein. Wer auch zfi deinem haus herausgehn 
würt, der wiirt nit mOgen beschirmet werden; aber alle die, 
80 darinnen beleiben, denen sol nit ein har yemickt werden. 
Desgleichen solt du auch unser gesch&fft niemandt 6ffnen; 
sunst werden wir auch den eydt auff'sagen, so du von uns ge- 

20 nunimen hast.' Hahub sagt: *Ini sey also, ^vie ir sagt'. Da- 
mit schieden sie von ir. Sie aber gab in liefelch, wahinaus 
sie Sölten, damit sie denen, so in nachgejagt hatten, nit in die 
h&nd kernen. 

Als aber nün Jericho von Josua gewunnen ward, erwfir- 
% get er alles das, so in der statt was; und ward gar niemant 
verschonet denn der metzen Eahab und ires vatters, irer müter, 

scliwesfcer und brüder: und sie wonet filrbaü under Israel ir 
gantzes leben. 

Bey disen zweyen weiberen iuiii:;»'H wir entlich abnenuueii 
wund erkennen, das der urut rimt der fUrsichtigeu weiber nit 
allemal zfi verachten ist. Deren gleichen sind auch gewesen 
Michal, Davids weib. Dann als in sein schweher mit gewaff- 
neten knechten süchen lies, in zü t^dten, hat sie in auch an 
einem seyl zfl einem fenster hienausgelassen und errettet im 
«5 sein leben. Nit wenigeren fleis brauchet das weib AbigaiT). 
Dann durch ir veruuntft, sorg und sveiülteit erlotit sie ii j^uuizes 

* 

1) 1. Samuelis 25. 



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Hauptlttiter, cnp. 5—6. 



169 



hauß und miltert »^en pfrimnien zorn Davids. Davon an einem 
anderen ort. ^^'lls sol icli sii;^<ii von der i(ottforclitiir<'ii dudith ? 
Hat die nit auch durch ilir l"iirsiehti*(keit gant/ Hctidiani vor 
dem tvrannen Hoiifemo erlöset, denselbigen tyrannen auch mit 
iren weiblichen henden um bracht , davon irem gantzen volcks 
erl^[10**]siii]g zögestanden ? 

Dise weiber wollend wir aus dem alten testament hiehar 
gesetzt haben nnd aber } etsnind auch etliche dapffere und lob- 
wirdige weiber aus alten historien anzeigen, deren herliche 
thaten gar nit anscjeleschet werdeii solk'u; oh sie schon hai- lu 
den «.rowesen. ^t*ll» nd doch hillicli unsere weiber ein ehenl)ild 
an inen haben und mehr der tugeudt dann den lästeren nach' 
trachten. 

Von dem fürsichtigeu räth und anschlag des weibs 
Pithei, dadurch das gantz land zft rhften kernen ist. u 

Das 6. capiteP). 

Wen wolt doch nit zöm höchsten wunder nemen, das in 
eim weiblicheq hertzen ein so ibnbrunstige liebe gegen dem 
jremeinen voick funden wOrdfll'^als in dem gemahel Pithei*)! 

Dann dieselbig schätzt silber, <^old und ^n»sse schätz gantz -ju 
gerini?. damit alU iu dem armen gemeinen volck aus nodt ge- 
hüitien werden moclit. 

Dann nempt war! Es ist gewesen ein mechtiger hnidt- 
herr, der grossen schätz, hab und giU allein aus den berg- 
wercken Überkommen. Uber das fände er ein gros goldechtes 
bergwerck in seinem eigen land; dasselbig bracht im seer 
grosse frewd, bewegt in auch zA solchem geitz, das er ver- 
gass seines gantzen lands und armen gemeinen volcklins. Dann 
er zwang sie dahin, das sie aUe in gemeltem bergwerck ar- 
beiten mAsten'): wenig betracht . wie mnn das fald auch in :jü 
baw und ehren halten müst, damit im allein sein eigner nutz 

1) H o 1x8 chni tt 5: vier fraucn strhn im freien vor einem jQnglinge. 

2) Plutnrchus Ton faerliehen thaten etlicher weiber. 
S) 0 du boaer ejgeoner nntz! 



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170 



Creorg WidmuD, 



fttrgehn mdchte. Sein Tolck aber kam dardureli in grossen 
und mercklichen abgang; dann alle ire guter kamen in imbaw, 
hiffen w&st und mit grass, distlen und dornen verwachsen. Als 

mm rfeniliclis ein lange zeit weren thet. kam es znin letsten 

ö dahin. <las vil seiner nnnen leutli huiiircrs halben eiitlauften, 
sterbt 11 und vercierben niusten: ihr viehe ward von ineu au» 
mangel des brot.s gantzlichen autVj?es.sen und Terkauift. 

Zäletst scblügen sich etliche weiber zösamen, sücbten in 
ein gelegne stund, in deren sie zA der fürstin kumen machten. 

10 Eine nnder in fieng an mit kläglichen Worten der frawen die 
nodt, so sie allgemein erlitten, zö kla<?en und sa<rt: •() j^ne- 
^i^e 1. I \ , das wir euch in <;<'iiu iiier schar also überlautteii, 
dai*zü ilmigt und zwingt iiii> die grola nodt. mit welcher wir 
beschwert sind. Wiewol |wij | alles das, su wir erlitten hand, 

15 gern verklagen wolten, aber leyder unser jamer nit lnet sich 
erst von tag zä tag. Vor band wir noch etwas im [11"] vor* 
rhat gehabt, als nemlich in wein und getreid, dameben ein 
schone anzal viehs, ans dem wir uns und unser kinder mit 
geringer arbeit emereten. Dis alles ist yetz gantz verthon, 

20 haben nichts mehr anzfiuieilfen, kuuiuiend bey grosser arbeit 
umb alle unser hab; dann »las t'aldt ligt gantz wüst und un- 
gebawen, und müssen unsere nianner niil strenger arbeit in den 
goitgrüben arbeiten. Wo solches noch lang solt weren, wUrd 
uns die nodt dahin dringen, das wir unsere niänner in den 

2ö goldgräben verlassen müsten und mit gemeiner schar ans dem 
land ziehen. Darzft haben wir sunst keinen trost mehr dann 
euch, begeren euwer hilff und raht uns in unseren höchsten 
noten mitzutheilen.' 

Die iraw nam dise klag mit schmertzen nff. yedoeh sagt 

au »ie zu gemelten weibern: 'Ihr meine alierliel>steu \vril)er. ir 
solt gemeinlich von mir gedröst sein, das ich evver leid und 
beschwerd von hertzen uit komen laü, wil mich auch tag und 
nacht erinnern, sinnen und nachtrachten, damit ich mittel und 
weg erfinden m6g, durch welche euch geholffen werde. Dar- 

8» umb ziehend hin im friden !' Also sind die güten frenlin mit 
empfangnem trost wider zft haus gangen, göter stunden er- 
wartet. Die fraw aber feiret gar uit, s ander trachtet der 



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Hanptlaater, ca|x 6—7. 



171 



Sachen gar fleissig nach, womit sie doch iren herren ahreden 
wolt. damit er von seinem strengen bawen abstände. 

Kürtzlich darnach hf^ah sichs, das ir ^emahe! Pithens 
ein ferre reifci von wegen « tlkher uiideren bergwerck reiten 
mäst Da er hinwegkäme, gedacht ir die Iraw, die zeityetz-o 
und vorhanden wer. in wellicher sie iren anschlag Volbringen 
mochte. Sie säumet sich nit lang, beschickt alle goldtschmid, 
80 im gantzen für- [12 stenthumb waren, gab einem yeden 
in Sonderheit ein häufen golds, befalhe in, mit künstlicher ar- 
beit zfl machen allerhand arten der speis , alles Yon lauterem lO 
gold. Dem ersten befalli sie, einen jyantzen gnldinen tisch zö 
niaelieii. einem anderen gantze brot. dein dritteii ileiscb. vogel 
und visch; und yo einem yeden gal> sie seine stuck tür, was 
er machen unä arbeiten solt. Die brauchten auch allen iren 
mtlglichen ileifi sampt der kunst, unnd ward solliche arbeit in is 
gar knrtzer zeit voUendet. Ehe dann Pitheus wider z& land 
kam, hat ein jeder der frawen sein befolhen werck gelttfert. 

Von der wuuder barlichen maizeit Pithei. 
Das 7. capitel»). [12"] 

Nachdem ndn Pitheus seine geschefft gantzlichen hat auß* 20 

gericht, hat er sich mit seinen rh&ten wider heim zft land ire- 
ffiget, wenig gedacht, wie im ein inibis 11 nd kostliclie ni;il/eit 
bereit was. Sein haußfraw em]»iieng in mit grossen irenden. 
Und als er jetzund mit allen seinen liebsten rhiiien zö essen 
begert. lios im das weib einen besonderen tisch bringen ; dar* 2s 
ab sich Pitheus nit wenig verwunderen ward , yedoch wolt er 
der Sachen aul&warten. Alsbald trAg man im dar einen gantz 
grnldenen und kunstlichen tisch von lauterem feinem gold ge- 
arbeitet. Das name er von seinem weib zö hohem danck an, 
vt rineinet, sie het di r zeit her sehies al)wesens so wol haus- :;o 
gehalten und su grossen ubers( lud/ ;ui-> drii goldgrüben zusu- 
nienbracht. Demnach lies sie im auch dar tragen tlie gemach- 
ten speisen von gold; sie statt im auch t'ilr schöne guldine 

* 

1) Hol/. HC hui tt 6: könig, königia und greis bei tisch sitzend; 
daneben steht ein jOngling mit fliegenwedei. 



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172 



Georg Wicknuu, 



trinckgeschir, aber sie wurden im ans befelch der frawen al* 
samen lehr dargestelt sonder allen dranck. Pitbeus, wie seer 
ihn der bunger nnibfungen, so bracbt im docb das anscbawen 

des golils tuuiietUiche freiul, also das er nit mehr zö essen })e- 
5 Lr«Tr. bis er seine äugen inn dem ^rold gentzlich ersettiget hat- 
l)a mocht es im doch seinen hunger zäletst nit stillen, und 
hl tiilch. man solt das gold hinwegtragen und im auch zü essen 
bringen. Bald ward durch sein weib verschaffet, dise gemach- 
ten gnldinen speisen wegzfltragen unnd andere trachten auch 

10 von gold gearbeit darzftsetzen. Das ward zAhand volnbracbt. 
Als aber Pitheiis sähe das man im kein menschliche speisen 
bringen wolt, ward er entrüstet und sagt, zü einer andn ii unml 
niussil^cii /Mt wolt er sich mit tlis«'r [l»^"] künstlichen arbeit 
erluötigen, yetzund were sein ztit /.u t ssen. 

13 Da sagt sein weib: '0 mein liebster lurr. es ist zft diser 
zeit nit ander speis mehr vorhanden dann lauter gold« des 
habend wir ein grossen überflus. Die nrsach aber ist, das nfln 
lange zeit in euwerem gantzen land weder acker noch wein* 
berg gebawen worden sind, dieweil alles volck von ench ge- 

L'ozwuii'^tii ward, das gold. crti mind sill)erstatitV'ii /.ii liawen, 
dardiücli ein grosser mangel in ewit-m gimtzen land entstan- 
den ist. Ach wie vil weil) und kinder müssen bungers balbeu 
verschmachten I Wie vil kummen aus dem land, so an ireii 
kinden, an ihrem viehe den grossen hunger unnd mangel nit 

95 mehr mOgen sehen ! Und ist auch ein grosse sorg, wo ir von 
ewerem fUmemmen nit werdend abston, es werd das land gar 
an vieh und leuten grossen mangel überknmmen und die föl» 
der, so in kurtzeii jmea mit frucbt erbaweu, uiÜssl'u zü wüsten 
und agerten werden. Ach m» in lu rr, was hülffe euch dann 

80 ein so grosse anzal des golds, dieweil ir das weder esseu nocii 
drincken kilimen!' 

Dise und dergleiclien vermanungen brachten disen kargen 
und goldgirigen mann dahin, das er zükletst in sich selb gieng 
und mit ernst bedacht die getrew wamung seines weibs war 

S5sein. Also stalt er in gar kurtzen tagen darnach ab, das 
seines volcks nit mer dann der fünft theil in der goldgröben 
arbeiten solten und die (ihrigen solten mit ♦'vii>t verselieii. da- 
mit dixa fiiid wider erbawen und gepÜantzt vvürd. Da uuii 



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Hauptlaater, cap. 7—8. 



173 



solcli gschicht rAchtbar worden, hat sich das gemein volck 

uud in sunderheit die vveil)er VLiisamlet . zft dem weib Pithei 
gangen, ir von wii^en der groiweu gütiiat Meissigea und aüer- 
groäten danck gesagt. 

Uie [l'^>' I mercken ein rechtgeschaffen hertz einer weisen 5 
frawen, welche mer den gemeinen nutz ges&cht, dann das sie 
ihr gold solt gehaufEet haben! 0 ir frawen, sehend an, was 
grossen rhfims das weib erlangt hat von wegen ihres getrewen 
und gAten rhats! Darurob laßt ench die armen auch befolhen 
sein vor allem siiber uud guld. luLH imk Ii die hoft'art uocli die lo 
Crossen reiehtnm ewer bortz iiit von dtr burmherUigkeit ab- 
wenden, volgeud villmeiir dem exempel diser irawenl 

Ein exempel von grossem eyfer unnd rachsal Timoclie 
von wegen irer abgedrungueu eren. 

Das 8. capiteP). [U» = F1»] n 

Dieweil wir gebort^ haben von etlichen hoch und Inbwir- 
digen nützlichen rathen etlicher gedechtnüswirdigen weiben, 
90 duncket es mich auch biUich und recht sein von denen zA 
schreiben, so auch umb zwancksal und beraubung irer ehren 
die gr^t räch gesAcht, haben anch ein semlichs billichen un- 20 
dersianden. Üis aber setz i<di allein umb deren willen liieliar. 
80 zü Zeiten underston das L^antz weiblieh gesehleclit zu ta<llen. 
nemen auch alle zeit luiser niüter Kvam zü ein* in beliilllen, 
umb das sie mit so wenig worten sich den teufel hat bereden 
lassen, meinen darumb allen weiben semliche unslefigkeit zA-85 
zAmessen, so man doch deren gar vil findet, welche mit gros- 
sem tyrannischen gewalt irer ehren beraubt worden, sie aber 
haben mit ernst gedrachtet, wie sie sich an den notzwengeren 
jjerechen mochten. Derselbigen ich etlich nach einander be- 
schreiben wil. 30 

Erstlich von der dapiferen frawen riniüclie, welche ist 
gewesen ein Schwester des teuren mans Theagenis, der dann 

\) Ho U schnitt 7: links steht eine frau mit einem leuchter ne- 
ben einem bett, rechte dieselbe frau vor einem offenen brunnen. 



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174 



Georg Wickram, 



seine manlichen und ritterHchen thaten in sehnte seines vat- 
terlands bewisen hat. Dann als sie den feinden angesigt hatten 
vor der stat Chcroiiea, ist er in nit dest weniger nBcbgelien^ot 
und der feiiid i^Jir vil mit seiner lu.inlichen hand orschlai^en. 

5 Ais aber er von einem seinem teind L^ofrai^t ward, der sa<^t 
zii im: 'Wie weit wilt du uns doch nachhengeu?^ demselbigen 
gab er bald untwort: 'Biss in Macedonien\ sagt Theagenes. 
Also ward er zAletst erschlagen von seinen feinden. Diser ist 
gewesen ein brüder der yorgemelten Timoclie, die nit minder 

10 gedeehtniswirdig ist dann gedachter ihr brüder. 

Dann es begäbe sieb, als Alexander die stat The-[14'']bas 
mit gewillt ercbert, bat er die seini iu kriegsvnU k zu bh'hiderii 
geben. Also namen sie die stat mit gewaltiicer band yn, tind 
ein jeder kriegsuian sucht im ein iosanient nach seinem ge- 

id fallen. Iim disen dingen käme ein mechtiger Tratier, so nach 
dem könig der fttmempst im gantzen h&er was, um das haus 
Timoclie, understönd das keusch weih irer ehren gwaltiglichen 
zü rauben, wiewol er erstmalen mit liebkosen und schalckhaff- 
tigen werten an sie satzt. Als aber sie umb seine sebnieichel- 

2«j Wort nicbts geben wolt , zwang er sie mit gewalt an sein 
schlaf] Ix'tb zu üf'diTi , darab die 'ziu }iti.r unnd edel fraw nit 
wenig beschweruüü num. Nachdem aber der schalck seinem 
willen ein genügen gcthan, hat er an die fraw gesetzt mit 
listigen worten, sie befragt, ob sie niergen kein gold oder 

2& kleinat verborgen het; sie solt im sollichs eigen und zeigen^ 
alsdann wolt er sie für sein eheweib nemmen und haben. Und 
als Timoclie seines zAsagen und Versprechens gar nit achtet 
fieng er an mit trewworten an sie zö wachsen. Als sie ni\n 
verstund an seiner red, das er nit ablassen wiUd na( h verborg- 

3«i nem gelt zu tragen , gebraucht sie sicli irer vernunft't und 
klugen Verstands und sagt: 'Nfln wolte gott, das ich vor diser 
nacht gestorl>en were, so het ich meinen leib vor solUcher 
schand behalten. Yedoch gedenck ich, es sej also der g^tier 
wolgefallen, das du hienfürbaü mein herr imd ehelich mann 

sssein solt. Dieweil im dann also ist, will ich dir gar nicht 
mehr verbergen; dann was ich vormals in meiner gewalt hat 

• 

1) Hie merck ein gerecht weib! 



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Hanptlaster, cap. 8. 



unnd ich allein meister darflber was, das alles ist jetznnd dein 

eigen gut. NÄn solt du wissen, dm mich der ^ros zwancksal 
der statt dermas-| ir>'|s(»n erschreckt hatt, das ich alles mein 
gestüclien Jsilber, nieiiu' Avt'ijilicluii kloyiiat, mein l>ars(liatft, 
ailbrene und güldene miintz zusammengepackt und iu einen 5 
Tersignen bnannen gewortten bab. Derselbig brunnen gar wenig 
leiiten wissen ist; dann er mit vi! unkraut umbwachsen« zd 
dem auch mit einem breiten stein zügedeckt ist. Disen schätz 
wttrstu in deinem gewalt haben, alsdann wttrstu erst erkennen, 
in was reichtumb ich vormals gewesen binn.' 10 

Als der geytig Macedonier semlichs gehurt, hat er des 
tags nit erwarten mögen, suuder gebodt zflstnnd der frawen. 
sie solt in an das ort iiiren und demnacli den garten wol vei- 
sperren, damit er Ton niemands anders ül)erloö'en wUrd. Dises 
geschah von stund an, und nam die fraw mit ihr ixe mägd, u 
damit sie irem anschlag ein end geben mocht. Alsbald ent- 
decket er den brunnen und stig hienab bis an den boden. So- 
bald nön die fraw mercket, das er gar daimden was, hat sie 
mit iren eigiH-ii lieiiden utl' das »^eschwiiidest vil st^in in den 
ijriuinfn gewaltzet; so haiid sK-h [Uich ire magd nit niimiiT 
gearbeit, stein hieueiuzuwerüeu , bis sie den geitzigen haupt- 
man gar umbrachten. 

Des morgens aber ward man nach dem mann fragen; 
dann er was der obrist hauptman über der Tratier reysigen 
zeug. Als man nfln des handele innen ward, fftrt man Timo- k 
cliam gefenckllch fnr den k5nig Alexander, beklagt sie des 
mordts. Alexander a))er sähe an ihrer [»ersou und adelichen 
sifcten unnd geberdeii w ol, das sie aus keiiiom stein entsprungen 
was. fragt sie, wer und von was geschlechts sie were. Timo- 
clie aber mit gantz fr^lichem angesiclit bericht den konig aller so 
seiner frag, sagt im [15^J auch, wie ihr brfider vor Cheronea 
ombkommen und wie sie von dem Tratier, des reysigen zeugs 
obrisien hauptman, wider iren willen irer ehren beraubt wor- 
den ; das wer ihr so gar beschwerlich, so das sie auch ab dem 
todt ein klein abschühens het ; sie wolt auch gar vil lieber 3ä 
sterben dann noch ein solche nacht, wie sie die vergangen ge- 
habt het, überstriten. Ab disen worten verwundert sich nienigk- 
üch. Der konig aber sagt: 'Ich erbarm mich über kein 



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176 



Georg Wickram, 



sollich weib; ich aber kau mich ab diser ihrer grossen tugendt 
und weyßheit nit gnügsam verwunderen/ Alsbald lies der 
k6nJg Alexander allem seinem kriegsrolck verbieten, das sie 
keyner ehrlichen frawen einiehe schm«:h mehr beweysen ,ol- 

5 ten; er befalli ;iu( Ii sonderlich, das uiiiii Timocliam uiiiid ire 
guntze verwautschaÜt mit nichtem wenig uder vil beleidi- 
geu so lt. 

Gott wolt, das zi\ unser zeit semlich gemiiter auch in 
allen kriegsfürsten und herren weren! £s geht aber leider übel 
10 zü an etlichen orten. Ich mag nit nnderlassen, sonder nocb. 
ein weidliche that hieher setzen von einer frawen, so sich auch 
an dem, so ir ihr ehr abgwelti^et. dapffer rechen thet unnd 
geiitzlichen uuib sein leben bracht. 

Gewaltige lach Chioiiiaie an dem, so ihr ir ehre mit 
IS gewalt abdraiig. 

Das 9. capitel. 

( 'hiuiiiure , ein weib gedechtnüs nit niiwirdig, aus dem 
land (iallia oder l i aiu kreich bUrtig gewesen, p'm gemahel Or- 
tiagontis. Es geschah, als 1 16'] die Körner das Gallierlaud 

aojetzund mit grosser macht bestritten, ward ein k5nigin (ver- 
stand Chiomare) von den llomem in gefenckntts gehalten, ein 
gemahel Ortiagontis oder, wie Livius schreibt, Orisgontis. Über 
dieselbig gefencknfis ward ein rottmeister gesetzt, der solt die 
gefangnen genieinlich verwaren. Derselbig gewann ein yn- 

20 bril listigen willen zu der gefangnen königin. .satzt erstlich mit 
gülen Worten an sie; da aber -uliiche nicht an ihr verfahen 
wolteu, legt er gewaltige band an sie. Als aber sie sich der 
Schmach hart beschweret, tröst er sie mit solcher züsag, wo 
sie im versprechen und zäsagen wolt etlichs gelts, so wolt er 

itoihr wider zö irem gemahel und freuntschafft verhelffen. Das 
im die gilt fraw versprach, gedacht sich aber doch heimlich 
an ime zü rechen. Nfin was auch einer bei der frawen im 
getencknils, welcher ir diener was; denselbigen vergunnet ihr 
der rottmeister. dajs sie in zö iren freunden umh das verspro- 

üö eben gelt schicken solt, beschied sie, damit (solchem gelt) an 



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HauptlaBter, cap. 8—10. 



177 



ein wasser z& klimmen, da wolt er samt der frawen auff sie 
warten; jedoch selten nicht mehr dann zwen irer freund auff 
emantem platz erscheinen. 

Also kamen die nech^t naclit darnach die zwen der ko- 
ui*j:in fieuiid mit ilem autlirelegkn gelt an dua wasser. des- 5 
gleiclien kam am-li der ruLtinei?<ter mit 'Iri- pfefangeneii küiii- 
gin. Alü üön die ireund das gold wagen und dem rottmeister 
darzalten, sagt die fraw aufi* ilir sprach zü iren freunden, sie 
selten den lottmeister erstechen* Dises ward Ton stund an 
Tolnzogen. Da uam die fraw das haupt von dem cArpel, ver- 10 
wicklet das in ire klejder und trAgs mit ihr, bracht das xrem 
herren und gemahel [16''] zft haus. Und ehe dann sie in 
uinbfahen thet. scliut sie das haupt aus irem gewandt und 
wa!*tl* da«! zu seinen fn-^seii , des er sich dann grulilich ver- 
wunderet, tiieweil das nit ein weipliche that was. Also be- 15 
kant im die fraw, was gewalt ir in der gefencknUs von disem 
rottmeister angelegt worden und wie sie solliche schmach nit 
änderst an im het wissen zü rechen. 

Also haben ihr zweierley rachsal der weiber, so sie gantz 
ftlrsichtigklich volnbracht hand. Disen aber hat Lucretia, ein ao 
gemahel Colatiui. iiit irleiclie räch gesücht Dann dieselbig 
v«.n \ve<4^en anderer Ivonieiiii, das keine ein entschuldigung mit 
ihr haben ni*»c}it, hat ^ie sich, nachdem sie von Sexto gewal- 
tigklich ii'er ehren beraubt, mit eignem messer in beywesen 
ires gemahels unnd ires yatters erstochen. Weis aber nit,» 
welcher ich under disen dreyen am grasten lob verjeheu sol; 
mich aber beduncket, die zwo gemelten Timoclie und Ohiomare 
haben weißlicher dann Lucretia gehandlet, dieweil sie an den 
notzwäugem und nit an iu selbs die räch begangen. 

Wes sich Adam und Eva gehalten , als sie aus dem 30 

paradeis gestosseu wurden. 

Das 10. capitel. 

Jetzund kummen wir wider an unsem ersten vatter Adam 

und an £yam, unser aller mAter, w611end ihr leben, wandel 

* 

1) Lucretia, die keusch itömerin, hat die räch an irem ejgnen 
leib ge«&cht. 

Wickram III. 12 



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178 



Georg Wickvaui, 



und wesen bf '-oheii. Al.-s sie nüu, wie oben ungezeiu^t, au» dem 
0ch6nen und lustigen garten gestossen worden, hat Adam sein 
weil) erkundi, und sie liat. im einen sün geboren, dem gab sie 
den nam-[17*]^)men Kain, Weichs wort Josephus aufilegt be- 
6 Sitzung. Den andren sdn nach dem Kaiu nant f^ie Abel« dus 
heist 80 Yil teutsch, (las ist nichts. Sie hat im auch tochter 
geboren. Altel aber was gotsforchtig und frunib. bette gott 
stetigs vor äugen, und was er bandlet und .intieiig, lies er sicli 
alle zeit beduncken, gott wer gegenwertig, wie dann auch 

10 gantz gewi^ unnd war ist. Es gieng aber dem güteu Adam 
auch, wie es noch heut zü tags allen alteren, vatter und möter, 
gadt und wie ein alt gemein Sprichwort ist: Ein vatter macht 
neunerlej kind. Dann der alter sün Adams mit nammen Kain, 
der was ein gottloser böser neidischer und zenckischer men^cb, 

15 welches sich nachmalen an seiner bandlung gnügSHUi erschi- 
nen ; dann er was der erst, so meiiscblicbs blüt vergossHi bat ""). 
Diser Kain was dei erst ackerman, &o tleii aekerbaw ertunden ; 
Abel aber underzobe sich des vielis und was ein schafter. 
Es begab sich, das Kain dem herren ein opffer bracht 

20 von den irOchten des felds, Abel aber opfferte gott von den 
erstlingen seiner herden, er op£Fert auch gott von der göteit 
und fätten milch. Da sähe gott auff das opffer Kains gar 
nicht, nams auch nicht zfl danck; das Opffer Abels [17''] aber 
lies im der lierr gott gefallen, sähe Abel und sein opft'er ganty. 

2ö geiit'dig an. Das verdntsse dt ii Kain seer übel, fi( ng an seiiu ii 
brüder zü bassen, seine geberd erzeigten sieb gantz grimmer 
gestalt gegen \m. Oot aber sagt zu Kain: 'Lieber, wanunb 
bistu ergrimmet über deinen brAder? Lst im nicht also: wann 
du auch frumb werest, so were mir das dein opffer auch an- 

ao genem gewesen; dieweil du aber so bös und schalckliafftig 
bist, so bleibt die sHnd vor dir offenbar. Aber las du ihr nit 
z& vil iren willen, souder hersche du i\ber siel'^) Also lies 

* 

1) H o 1 ? i Ii 11 i 1 1 b (kU'in): Kain schlägt mit eiiicr hucke aut 
den zu lioden gefulh-neu AV'ol \oi. 

2) Jüan onnbrt Abel, ^tiaen In'Adcr. 

8) Niemaut sol der süud zu vil nachgt ben und den tosen be- 
girden rotgen. 



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Hauptlastei, cap. iü. 



179 



Kail! von seüieiu murren und erzei«^t bicli im schein wider 
freuntlich gegen seinen inüder, redt wider mit im. 

Aber onlang darnach kamen sie zfiaammeu aufif dem feld, 
da entrQsiet sich Kain gar wider aeinen brftder und schlüg 
ihn zd todt. Josephus schreibt, nachdem er in nftn ersehlagen, i 
hat er den todten leib verborgen, nieint t, iiott trüg seines todt- 
schlags kt iH wiss«'ns. unnd wurde sein t('(lts( lilag heinilith unnd 
verborgen bleyben. Aber g*>tt wüßt züvui alle ding und kam 
zü Kain, fragt iiin nach seinem brüder. Er aber glei£net. als 
wann ihm gar nicht von im kundt oder wissen were. Als im lO 
aber gott noch ernstlicher nachfragt, antwort er als ein b6ser 
schalckhafftiger mensch und sagt : *Soll ich dann meines brft- 
ders hutter seinV Da sagt gott zfi im: *0 Kain, was hastn 
gehandlet I Was grossen mordt hastu begangen I Dann die stim 
des blöts deines brrtders .scliroyot rnch inn himel hiiiautti'' 
Yün der erden: dieselhiix hat ihren nnuid auilgetlion imnd von 
deinen henden verschlungen das blüt deines bruders. Ich sag 
dir, wann du hcIioh ilcn arker bawen wUrst, soll er dir doch 
[18*^GI*J sein vem&gen nicht geben; du solt auch keine bleib- 
liche stat mehr anff erden haben, sonder flüchtig in der weit so 
ombziehen, von einem ort an das ander schwirmen.' 

Da nun Kain seniliche wort von gott vennini, erschrack 
er fj^ixv sf»er. dievvoil er erkandt, das seine Imshcit y<'t/.und ot- 
teuKar worden was. Er sas/t aus grossem schrecken : "Weh 
mir und meiner bosheit ! Duiiu meine sUnd ist grosser und so 
gros, das mir die nit mag vergeben werden. Dann, o herr, 
du vertreibest mich ans dem land, und mfis mich verbergen 
TOT deinem angesicht. Unstet mfls ich sein auff dem gaiitzen 
erdboden, und wOrt mir auch nichts anders daraus erfolgen, 
wer mich finden, würt mich zä todt schlagen. Auch mfis ich » 
meine."^ lebens halben inn grossen sorgen stöhn vor den wihlen 
thieren.' Da sagt gott zft ihm: 'Nein: dann i( h «ag dir, wer 
dich zö todt schlagen würt, der soU sibeuleltig daruuib ge- 
strafft werden.* Damit aber Kain von menigklich erkaiit wird, 
da macht gott ein zeichen an ihn, damit er von niemand er- % 
schlagen wlürde'). 

« 

1) Manatigt, das er sei« lebenlang cm schlottereten kopff gehabt habe. 

12* 



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180 



Georg Wickram, 



Alsv) irieng Kaiii von dem anv^enicht ijottes sampt seinem 
weib und durchwandert gar vil laiid. Demnach lies er sich 
nider inn dem laud Noida oder Nod genandt, da het er seine 
wonuiig. Da ward im erstlich der Hanoch geboren. Da fieng 
»Kain an ein statt zfl bawen und nante die nach seinem sun 
Hanochia ; das was die erst« stat, so anff erden gebawen ward. 
Also fienjr Kum an cvpfennfUzig zu werden^), erdacht maU 
und Lr' wirlit, au< h t^^iK t e> das feld aus, und in summa er 
fieng au alle tinantz unnd bose stuck zü treiben. 

10 Dieweil wir yetzund eben gehöret haben von dem ersten 
mann, so Idnder ttberkummen, [18"] dunckt es mich nit ttbel 
gehandlet sein, etwas von etlichen wolgerhatnen kinden zü 
schreiben, desgleichen auch von denjenigen, so ihr leben in 
mAtwill und b5berey hienbracht band. W6Uen also den Kain 

lö für den ersten iiiaiiüschl' t htigeii niüi der und schalck haben, so 
von menaichen geboren worden ist. 

Kinder geberen ist ein snudere gab gottes, so die 
gerateu; davou etliche exempel. 

Das 11. capittP). [19^J 

so Dieweil wir finden in heiliger schrifft, das gott der al- 
niechtig aus sunderen gnaden den frummen alten v&tteren ver- 
heissen hat, kinder iinil trucht aus irem s;uiic;i /n erwecken, 
wi'lclies dann die irunimen altvfitter f'f^r ein selir grosse sfab 
von gott gehabt und empfangen hand, soiteu wir uns alle zeit 

86 befleissen, das wir ein solche grosse gab, von gott uns geben, 
in seinem lob nnd wolgefallen aufferzOgen, damit die in der 
ehre gottes auffwttchsen und nit das widerspiel hie geapflit 
wttrde; wie man dann leider bei vilen kinden jetzt zfl unseren 
Zeiten sehen thdt, die sich gar keines gdten noch biUiehen 

ao befleissen nocli üben, sunder vil mehr das b6s dann das giU 
an die haudt nemmen. Die schuld aber ist, wanu ichs sagen 

* 

1) M'Tck. wo tlfi' tjygeniiiit/. hevkuuime ! 

2) Hül/-rhnitt 9: liuks aitzi eine frau , die füiil kiiitlcr auf 
tlem schoss hilit, neben ihr steht eine dieneriu; rechts sitzt eine frau 
neben mehr als zwanzig kleinen kindern. 



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Hauptlaster, cap. 10—11. 



18t 



d6rfft, allein der llteren; denen gefalt es also, wdllends auch 
alao haben. So mehr boßheit und büberer nnsere kinder Aben, 

m vil niflir werden sie von ims gelobt und i^eljrvseii ; iiie- 
iii.iini.s <hirrt' inen nichts einroden, suiist wärt er von den iil- 
tereii tast gehabt und geneidet. Nun solt uns billicli bf»- ä 
hertzigen, so wir bedechten, was grossen jamer, schmertzen, 
schrecken, schamm, schand und bitterlichen hertzenleids vilen 
älteren beiweilen zt banden gohn thüt, so Iren kinden nit bei 
Zeiten das biß ins maul legen mid die rfiten zfl lang an ihnen 
sparen, m&ssend sie gar offt an ihren kinden erleben, das sie lo 
der hencker züclitiget. Andere erleben an ihren kinderen. so 
sie ein wenig die jar erreii hcn und yetzund vatter und mütter 
mit irer arbeit nutz und erschieslich sein solten, lauff'end sie 
Ton in inn die kiieg oder haltend sie simst schmälich unnd 
inn Unehren, achten gar nichts aulf ire gebot noch verbot. 15 
Das [19'*] macht allein die zärtliche aufferziehnng. Dann so 
man ein zweig nit büget, dieweil er noch jtmg und schwanger 
ist, mag das im alter gar kimmerlich geschehen. Alsdann 
kumbt gott unnd schicket den älteren ein kreutz ftber das ander. 

Also ging es auch dem Heli Derselbig was ein lioher20 
l>ri*^«tf'i-, y.-tt zwen lieber zartb'ng: die beflissen sich alles 
niuttwilieuä unud bäberey. Dann sie schampten noch scheu- 
beten sich nicht, inn dem tempel dos herren bey den weiben 
zä schlafifen. Darzä misbrauchten sie das opffer on alles scheu- 
hen; dann was ihnen am allerbasten am opffer gefallen thet,S9 
namen sie aus den h&fen und hatten iren lust und geschleck 
damit. Bisen mfitwillen bracht man zü vilmalen fdr den vat- 
ter, damit er sie darurab straften solt. Er aber lies oben 
anhingohn, ütrut^et sie allein mit simtften Worten, ibrcht, er 
würt seine liebe aün erzürnen. 90 

Was geschähe ? Gott straft't ihn gar hart und schwerlich. 
Dann er lies Uber das volck kummen grosse und schwere 
krieg, wurden auff einen tag beyde seine sOn erschlagen unnd 
die arch des herren inn dem streit verloren. Als im aber, dem 
Hell, solche mar und botschafft kummen ist unnd er Ton den 
Worten gar hart erschrecken thet, fiel er hinder sich vunn dem 

1) L Kegum 4. 



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"182 



Georg Wiekram, 



sitz, auff wellichem er damaleii sass, unndfiel das genick ab. 

Semlich gesclirey kam für seines suns frawen. die was gros 
silnviiTi'^'or und der iX^bört fifiir iiuhior. Als iimi irs inaiis todt 
so Mihi Hing i'ür sir kam, ist sie t^loich inu Ipndsuodt kum- 
bmen imad al'^o an der gebürt gestorben. 

Hie sehend, was grossen Übels allein daraus entstanden, 
das Heli seine kinder nit inn der ibrcht gottes erzogen, sonder 
sie inn allem [20*] mütwillen hat lassen auffwachsen. Darumb 
solle man billich Ton anbeginn die jngendt in der straff und 
10 rAt behalten , sie auch Ton b5ser loser geselschafft abziehen. 
Dann aus ])oser ^eselschafft erwachset sehr grosser nuihat, des 
ich euch etliche sciione exempel und beispiel anzeigen wil. 

Vou dem schandtlichen rhat Achitopliels , dadurch 
gros aDgst und nodt eutstandeu ist. 

15 Das 12. capiteP). 

Es ist der uammeii des gotlosen mans nit nammen Achi- 
tophel nit von wegen seiner gfttthaten in erkantnOs beliben, 
seine bosheit aber hat im einen ewigen nammen erworben. 

Dann nemendt war! Als Absalon seinem vatter David iiacli 

20 dem reicli und krönen stellet, hat im <liser Achitophel den 
alierscliaiitlichsten iliat gegeboii : dann sie beidsammen aus 
disem rhat und eres» Isdiafft umkameu. Er riet im, er solt 

^ seines vattcrs kebsweiber beschlaffen , so er in seinem haus 
gelassen het, das haus zfl verwaren. Also [20**] lies im Ab- 

2ö8olon ein hütten machen zA obrist auff dem dach seines vat- 
ters haus und beschlieff darauff in angesicht alles volcks die 
kebsweiber seines yatters; Darzü riet im auch diser schant- 
lich mann auff seines vatters leben, verhies im aiuh. er wolt 
dem David nat li ja«jon bei der nncht . und wann er das volck 

au in die flucht schlageu möcht, woit er in, den k6nig David, 
selb umbbrin'^e]!. 

Aus sollicher geselschafft erwüchs dem Absolon gar wenig 

1) Holzschnitt 10 (klein): Ab&alom, unter dem sein maultier 
entläuft t bleibt am bäum hängen und wird von Joab mit mehreren 
Speeren durchbohrt. 



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Hauptlaster, cap. 11—12. 



183 



deMgleichen aneh dem rliat<^ebeii Achitophel. Dann als 
Htfin i hiirscliliii^ zu nicht ward . hat er sich aus neid selb er- 
hangen. Also ist ixwch i^eschelien dem unucliorsiiiniufn Ahsoh)n. 
Dann als er von Juab geja«i[t worden, ist er in der Üuciit mit 
seinem schonen haar an einer eychen verworren und hangen* 
beiiben, und das maulthier, autt* wellichem er geritten, ist dar- 
von geianffen. Demnach ist dem Joab soUichs verkUndt wor- 
den. Der hat aus sonderem zom und grimmen, so er zA Ab- 
i^olon getragen, drey scharpffer spiee durch in gestochen, dar- 
nach seinen leib von der eychen herabgenummen, in ein grüben lo 
geworden unnd einen sehr grossen Ii an Ifen stein auff in werften 
lassen, damit sein hih iiit in ehrliche begrebnüs kunnnen. 
Dises was sein verdienter Ion, so auch billich sollichen bösen 
ungehorsammen landen werden sol, welche sich an solch* lose 
und böse rhatgeben und geselschafffc hencken; dann sie allzeit 15 
«in solHchen bösen außgang nemmen thAt 

Also ist auch geschehen dem brüder Absolons mit nammen 
Anmon'). Derselbig ward entzOndt in liebe gegen seiner 
Schwester Thamar; da sucht er auch ihat Ixm dem Jonadab. 
der im verwandt was. Er aber riet im auch nicht erbarHch;2a 
dann [21*] aus seinem gegebnen rhat ervolget, das Amnon 
seine Schwester Thamar notzwang. Als sie aber sollichs schmer- 
izenlichen beweinet und klagt das irem brüder Absolon, wel- 
cher was ein stieffbrAder Anmons, hat im Absolon fDrge- 
nummen, sollichs .zA gelegner zeit an seinem brAder zA rechen. 8$ 
Und als jetz zwey jar verschinen sind, hat Absolon seinen 
brüder sampt allen khiden des konigs , seines vatter Davids, 
zu seiner scliaü'scljoretten geladen; und als Auiuon geuiiLi' ge- 
truncken und mit wein laden was, hat Absolon züvor mit 
seinen knechten überlegt, das sie in ob der malzeit vor allen ao 
seinen brüderen solten erwttrgen und gar umbringen*). Dises 
geschähe auch nach seinem willen unnd anschlag, unnd ward 
ihm erst umb seine mißhandlung, so er aus rhat Jonadabs an 
seiner Schwester Thamar begangen hat, gelonet. Diso histori 

* 

1) .\mnon, ein sÖn David, hat notewangt sein eigne «chwester. 

2. Keguiii 18. 

2j Anmon wärt von äeinea brilders knechten ob der malzeit erschlagen. 



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184 



Georg Wickram, 



solt wol biiiich vor gestanden, ehe dann ich Aljsolons Rusgang, 
sterben uimd verderben angezeigt ; die materi aber gibts eben 
also, allein das man merck iinnd Tememm. was böse gesel-. 
schafft und arger radt zfiletst für belonung i^bt. 

5 Also auch ist ^«»hingen dem koni<^ Koboam, welcher nuch 
Saltiiuoiis, seins vuttt rs, todt k'nitr in .Iu<l:i Lr«'\vp.senM. Ihi- 
.sclhig nach spiiies viitters alxstt- 1 Ix-n Ix stlkickt-t die jaulen alten 
freund seines vatteis, ))at sie, inie zu riiateii. was er dem volck 
für ein antwort geben solt auft" ihr anbringen. Als sie im 

10 aber den nützlichsten rhat fOrtrügen, liatt ihm als einem jungen 
derselbig nicht gefallen, sonder begeret die jungen, so seiner 
part waren, auch danunb zfl befragen. Dieselbigen ihm aber 
das widerspil geraten haben. Dann die alten rieten ihm, er 
solt sich [21''| gegen dem volck demutig»*ii und sich erbieten. 

15 er wolt ihn ein genediger koiiiu: sein, «icli Ireiindtlich gegen 
in halten; aber die jünger l)iirsch was solchem rhat zuwider, 
und sagten: "Sag dem volck aulf ir begeren, das sie sagen, 
du solt uns das joch und bürde etwas erleichtem: Mein kleiner 
finger sol stercker unnd strenger gegen euch sein dann meines 

90 vatters lenden. Hat mein vatter ein hart und schwer joch uff 
euch geladen, solt ihr euch nicht anders versehen , dann das 
ichs ei*st meren will; unnd wo euch ni» in vatter mit rüten 
oder mit anderen dingen geztichtiget. au derselben stat will 
ich s( ()i])i()iif'n brauchen.' Disen rhat lies im Koboam für der 

galten rhat gefallen; dann er daiicht in etwas mehr brachtes 
inn im haben, dann der alten rhat fürzäwenden, kam im 
also nach. 

Und am dritten tag, als das volck zAsammenkummen, ein 
antwort auff ir anmuten von dem k6nig begert zft vememen, 

80 hat er ihn gleich der jungen meinnng fürgehalten. Ans sol- 
cher tviiiniiischcn antwort ervolgt ilnu aiidcis uichs. dann das 
sie ein Lirinciiu' antfrör und empuriuig wider in raiftm und 
sagten ihm frey heraus, sie wolten im den tempel zö Jeru- 
salem verlassen unnd ihn glat für keinen könig mehr erkennen. 

4oDa aber Hoboam solchen grossen zom an dem volck späret, 

1) ßoboam , ein sun .Saloiuoiii^, wärt kouig in Jiida, volgt dem 
bösen radt seiner jungen ratgeuen. 8. Regum 12. 



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Hauptlaster, tap. 12— IB. 



185 



sant er seinen Schatzmeister zü in, damit er sie ein wenif? be- 
giitiget. Sie aber waren senil i< her maß wiitend worden, das 
sie auch irar niemants mehr von dein konig wollen hören re- 
den, würäen auch iuji semiicher ungestüme Adoram den Schatz- 
meister mit steinen zt todt Und müst der konig nffi 
einem wagen entfliehen unnd ist also flüchtig gehn Jerusalem 
[22*=H1*] kämmen, und sind alle stammen der kinder von 
Israel Ton im gewichen bis an zwen, nämlich Juda und Ben* 
jamin. Dises kam im allein aus kindischem rhat. hoiFart imnd 
böser geselschaft't , die duini auch mit allem Ii- is zft nit i<lt ii lo 
ist. Davon lese man den Syracli ; daim er durchaus >ror 
schone und nützliche sprüch einzeucht, welche hie zü erzalen 
zü yil weren. 

Dieweil wir aber von ungeratnen kindem geb6rt haben, 
w611en wir auch etwas von den wolgezognen hören, damit das lo 
gfit dem bdsen deeter mehr ein arizney und widerstand sein 
m6g. Bann wie man sagt, kein man ist glückseliger, dann wel- 
chen eines anderen schad^^ n wiizii; machet, so ist der auch hoch 
zü loben, welcher die tugend liebet mmd die laster iiielien thut. 

Von Noah und seinem ungeratnen sün^ wie er von» 

im verspot worden. 

Das 13. capitel'). 

Erstlichen wollend wir für äugen stellen den gottsförch- 
tigen und gehorsammeh Isaac, den sün Abrahe; kan aber dan- 
nocht nit übergohn die guthaten der zweyer sünen Noah, nam- 25 

lieh Sem und Japhett 

Dann nachdem got der almechtig das grausam gewesser 
der süiidtdftt ab dem erdtridi liat <_ce\vendet und dem Noah 
den regen-[22'']b(iueii zfi einem gewissen und ewigen buiult- 
zeichen an den hinu 1 <;-estelt. hat der güt frum altvatter Noah ao 
angefangen Weinreben zü pflantzen und aus den zeitigen trauben 

* 

1) Boboams achatzmeister würdt mit steinen zn todt geworffen. 

2) Hols80hiiitt 11 (klein): der schlafende Noah und seine 
drei söhne. 

S) Genesis 9. 



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166 



ißtiorg Wickrajw, 



den inost oder satt't ijfotnicket, clen?«(*lbi<j:eii in gelels ^refasset. 
Und als er utt' einen tai^ niifc Inst davon ireirnni kf ii, ist im 
«ler starck genich von «lern wein Ober sirli in .sein lianpt «ge- 
rochen, also das er gantz truuckeii in seiner liütten entschlafien 
^' nnd seiner schäm gautzlichen empldlst nnder der In'ltten ^^e- 
legen. In disen- dingen ist von ungeschicht in die bütten 
kummen sein jüngster sön Cam genant Derselbig f5gt sich 
behend zd seinen brftderen und bewegt ^ie, mit im zft seines 
vatters h(rtt«n zft gehn. zeiget inen also mit vei-spottung seinen 

10 und ihr aller vutter. Discs ;il)rr band sein«' Iti-iider mit gros- 
sem nnwilleji von im nuHuriiummt n, ilir gewandt für die äugen 
geliebt, bienzügegaugen und ires vatters scbam zügedeckt und 
ireii brüder seiner nnzuclit und bolaheit gestrafft. 

Als aber nAn der vatter den wein auÜgeschlaffen hat, sind 

15 im solliche ding von seinen älteren sünen angesagt worden. 
Dises hat den gAten alten mann zA zom und Unwillen bewegt; 
hat demhalben angefangen seine beide mn, den Sem und Ja- 
j'h' L, ZU s« gncn und zu benedoven . Ar.i .Ütisten süii ubcr mit 
Unwillen angesclu-ii und gesaiiu ; "WM-Ilikhet st-y T-'nuaun und 

20 sey ein knerdit alier kiu rhi ander seinen bruderen.' Umid er 
sagt noch weitter: 'Uelobt sey gott, der berr des Sems, nnnd 
Canaan sey sein knecbt.' Auch sagt Noach; *Gott breitte 
Japhet aus und laß in wonen in den hütten des Sems, und 
Canaan sey auch sein knecht.' 

25 Hie nenimend eben war, was un-f23*]glOck8 disem spotter 
Cam von wegen seiner Verspottung gegen seinem vatter er- 
toltft! Er und sein gantz geschlerlit , seine sun und sinissun 
mussend diener und knecbt seiner bruder werden, die sollend 
über sie herrschen. Ach gott, solten yetz zft unser zeit die 

aovätter iren ungehorsamen kinden, so sie täglich durch grosse 
ungehorsam verspotten, auch daneben ander erber und alte 
lettt, ein solchen fluch geben, wie wOrd die sach so wunder- 
barlich sich zötragen! Es sind aber leider die &ltem selb 
schuldig daran, wie man das täglichen sehen und spuren thüt. 

3ö Dauu so sich bei weilen begibt, rlas die jungen knaben von 
iilnff, sechs jaren etwaim einem nachbanren sein weib, kind, 
gesind oder viebe beleidigen oder scbaden zäfugeu, mögend 
sie gar kaum vertragen, das man den kiuden sollichs mit trew- 



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187 



woiTrii und» rsai^t. Klajjft man »laiiii vaih-r (xlcr Hinter .solclu'ii 
schaden oder Hchmach. h:\](\ sliul sit- im harnascli, .spr*M li<']ul : 
'Wie gad es zä? Meiu kiud iiats als gethon. er ist allen nach* 
bauren ein dorn inn sugen/ Werffend auch von stund an ein 
haß auff diejenigen, so die bosheit irer kinder anzeigen, -wie- 5 
wol sie denselbigen den höchsten und gr&sten danck sagen 
solien. Solchen halstarck fassen dann die jungen geschwind, 
erwaclisen also darinnen auff, und so sie sich jetznnd selb 
empliiiilen, gebend sie weder umb ibr ;dteni noch aiidrr Imt 
straff nichts. Was aber zft Zeiten für initz daraus entsprinjjjt» lü 
:»icht mau leider zu vil. Den geuög. Uie bleib». 

Wie Abraham s^iuen liebsten Isaac opüeru wolt, aber 
aus gottes ordnuDg farkummen ward. 

Das 14. capitel. 

1 23' 1 9 gros gehorsamkeit, so Isaac seinem vatter ge- 15 
leist, ist nit gni^gsam zü verwundr' ii, wie wir lesen ^) Genesis 
am 22. ; und inn Josephe von den alten geschichten findt man 
dise histori gantz austruckenlichen. 

Wann als gott den Abraham jetzund seiner gehorsamkeit 
wolt versfichen, befalhe im seinen einigen and geliebten siknso 
Isaac in das land Moria zü füren . da solt er in zu einem 
biandupliVr auffopfferen. Abralüini L;it'ng eylends hien sampt 
seinem gehorsammen sön Isaac und zweyen knechten , nam 
auch mit einen escl, auff welchem sie ihr notturftt mit in füren 
iheten. Als sie min an das bestimpt ort kummen sind und 85 
Abraham yetzund das scheitterholtz zAm opffer gespalten, hat 
er das auff seinen sfln Isaac ge [24*] legt; seinen knechten aber 
befalh er an dem ort zA yerzielien, und hat er das fewr und 
Schwert, damit er das oplfer schlachten wolt, genunmien, also 
sampt seinem sön den beric hienauffgangen. 30 

AU aber Isaac das holtz, tewr und schwell vor äugen 

* 

1) HoUschnitt 12: Abraham wird vom engel gehindert« Beinen 
«ohn zu opfern. 

2) Qeneri« 22. 



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188 



Georg Wickram. 



gesehen, hat in verwundert, vro doch sein vatter das opffer 
nemmen wolt, dieweil sie jetznnd drey tagre^ sen gezogen und 
fifantz unbekant an dem ort waren: hat als ein fflrtdchtiiirer 

jUiigling seinen vatter unlieben zu fragen und gesagt: 'Mein 

ö geliebter vatter, mir baltpii hie huUz und t'ewr, ich sihe abpr 
noch kein lamb zum brandoptier.' Als wolt er sagen: 'Bist 
du doch in allem deinem thün ein fiirsichtiger weiser mann; 
wie hast du docli die ding il])erseiien ?' Abraham aber antwurt 
seinem sftn und sagt: *Mein lieber sün, biii on alle sorg! Gott 

lOwQrt im wol umb ein schaf zum brandopffer umbsehen/ Als 
sie jetz kummen sind an das ort, welchs im gott gezeigt hat, 
tiensr Abraham ;m einen altar daselbst hicnzöbawen. Und als 
er den ausgemacht, nam er seinen siin. band im seine hend 
und legt Hl autf das holtz. welchs er autl seinen eignen schul- 

lötern hienautf den berg getragen hat. Das het Abraham sclu u 
auff den altar gelegt, und was jetz nichts mehr zu handien, 
dann allein das Isaac get6dtet und verbrant wttrd. Aber Isaac, 
wiewol er yetzund ein starcker manbarer jtlngling bej fünff- 
undzwentzig jaren alt was, so das er sich durch seine sterck 

20 seines vatter» wol het erweren mid dem todt entrinnen mögen, 
hui er sich gar iji keinen weg gewidert, simder seinem vatter 
bili in den todt (fehorsam gewesen. 

Als nun gott ein solliche gehorsame an dem vatter und 
HÜn ersehen, hat gott ei- [24'' | neu engel gesandt, der röfft: 

2ä * Abraham, verschon des knabens und leg deine band nicht an 
in! Dann ich weis jetzund, das du gott fürchtest; dann du 
deines sAns umb meinentwillen nicht verschonet hat/ Und 
Abraham sähe umb sich und erblicket einen wider, wellicher 
sich mit seinen hornern in einer dornhecken verwieklei hat. 

ao Den^f Iiiigen loset er aus der hecken und schliu Iii et in, ojiti» rt 
den zu einem bruiuioptter. Aus diser beiden gehorsam er- 
folget, das gott dem Abraham verheissen und segnen thet, 
das er seinen samen auff erden so gros an vile der zal mehren 
wolt, gleich wie die stemen am himmel und der sandt an dem 

iK^gestaden des mors. Gott verhies im auch weitter, das durch 
seinen samen solten gesegiiet werden alle vÄlcker auff erden. 

Ilie merckend auÜ . ihr jungen knaben, was diser Isaac 
durch sein gehorsame gegen gott erlangt hat ! Dann aus seinem 



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HaupUaster, cap. 14—15. 



189 



stammen mid geschiecht ist uns nachmals unser aller tsälig* 
macher geboren worden. D16 sey vom Isaac gesagt. 

Von dem jungen Tobia finden wir auch, das er seinem 
vatter gehorsam gewesen, in alle wecr seiner lehr wargenum- 
nien. Nit minder haben im seine kinder nachgefoisrefc und 5 
seinf^r tiiKlerwei^iiivj; «gehorchet. Also ptlag auch Matliiitias 
seine »im in seinem le]}en auli liie gebot gotte.s zii weisen; 
und als er schon in sein to<ltbef^ 1 'imm<^n. hat er seine s&n 
im lassen bringen nud sie ireundtlich des gesatz imder«- 
richt David an seinem todtbeth berftfft auch zft im seinen 10 
sAn Salomon, underwis in gantz yätterlich, wes er sich nach 
seinem sterben halten solt. Dann das ist «gewesen ein ftlmem 
geholt im gesatz. wie wir lesen im ITkiüi . n büch Mosy am 4. 
1 25'' I eapitel ') . «las L-«'tt dem volck gebieten tliet, »ie »ulten 
ii'e kinder ziehen zu der ehr '''<»H*^s und in alzeit seine wun- 15 
derwerck verk findigen, damit sie im gesatz und der forcht 
gottes autferwuchsen. 

Wir wend aber hie auch besehen etlich ungezogner« mut- 
williger und ungeliorsammer sun leben und verdienst, damit 
die h5sen ein abschQhens und die gAten das recht dest mehr 90 
lieb haben, demnach da« erst buch beschliessen. 

Ettliche nutzbare sprüch, aus Plutiirclio und Fran- 
cisco Petrarcha gezogen. 

Das 15. capitel. 

Wiewol tornen von etlichen übelgerhatnen sünen anzeig 25 
ifethon . «o das alt testanitnt bescluribt . ursachet midi doch 
nit wenig, das ich auch aus anderen warhatVti<j:<'ii alten ge- 
schichtschreibem etwas harziVsetz. Dann mau sagt, und ist 
auch war: Eim vatter gcprhaten seine kind, nachdem und sie 
erzogen sind. Darumb sagt Plutarchus in seinem bttchlin, so so 
er schreibt von der kinder zucht : *Nön wil ich sagen', spricht 
er, Vas denen v&ttem begegnet, die ire kinder so böslichen 
auffziehen und leren lassen. Wann sie jetz manbar werden 

* 

1) Am 5. bäch Mosj aiu 4. capitel. 



Digiti^uu Ly LiUv.*v.i^ 



190 



Ueorg Wickram« 



und alles erbar leben verachten, ligen inn allem läder und 
mfttwillen, dann so kumpt der »pat rew die v&tier an, so €9 
keinen nutz mehr bringet. Also peinigen sie sich dann selb. 

Diiiumb r^a^f ich, (la.s ili ii v;ittoin lioch von noten, ire kiiul zu 
5 ^uti-ii lui^Liiden und der iehrung zu ziehen/ Kr sagt auch: 
'Wie man den j;ar jungen kinden ire glidlin, dieweil sie zart 
und lind sind, richtet |_25''J und strecket, damit sie ihnen nit 
krumb wachsen, also mag man auch die jugend mit sanfften 
Worten unnd ziralicher straff zfl dem göten anffiren, welches, 
10 so sie erötarri'ii , gar wenig vert'aheu mag. Ein pt'erl , uas 
jung ist, mag man mit gar leichter arbeit zeimen ; ob es sich 
gieichwol erstlich darab rüm[)tft , wUrt es doch des bis zürn 
letsten gewonen und lassen zA allen orten wenden, wohin man 
begert das z& fOren. Ein alter gaul aber, so zfi keinem bis 
lögewenet worden, mag nimmermehr imi gehorsamkeit bracht 
werden* 

Darumb sagt Franci.>( iis Pi tr.ircha in seinem andren büch 
von rhat und trost inn widerwertigeni glück an dem 23. ca- 
piteP), da er schreibt von der zarten tochter, sagt er: ^Also, 

20 lieber vatter, thft das best mit deiner tochter, halt sie am 
zaum und züchtige sie, halt auch gftte hftt mit ihr, damit sie 
dir nit zur schand gerhat I ünderhiß vatterliche straff iiiiLr. 
darzu vatterliche trew unnd ampt spar nicht! Daun es ist fast 
ein schwer ding, gavle unnd unzüchtige gmüter von unzüch- 

^tigen dingen zü verhüten.' item er sagt auch inn gemeltein 
bftch am 43. capitel"), das ein vatter nicht allein mit worten, 
sunder mit streichen und zttchtigen anhalten solle ; dann in 
disen zweyen stucken stand die gantz Züchtigung der kinder. 
damit mag man ir mutwillige liertzcn deniiih n und zur zuclit 

ao halten. '^Vo aber solche mittel iiit wölieud vert'ahen, mäd 
man solchem geschwer ein schwerer und scherpffer artznej 
und plaster überlegen, als nämlich die enterhung oder aber sie 
in gefencknfis einschliessen, ja auch nach gewonheit der alten 
Rijuier sie gar liinrichten.' Dis sagt Petra rcha. 

1) FranciBcus Petmrcha inn fteinem buch von dem widerwertigen 
glück am SS. 

2) Petrarcha 43. 



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Haupütittter, cap. lö— 16. 



191 



Nun fügt yich aber ofFt, das «'in |*2H'=rTl='| vatter die 
8ach sehr güt mit seinen siiiien gemeint, halt also mit emsi- 
ger ZQcht und straff an, biß er in sein leiste» beth kummen 
thfit ; dann befilcbt er erst auch seinen güten freunden, seinen 
verlaßnen sün in sorgen zd haben. Es gerhaten auch etHch 5 
derselbi^eii kinder |yfar wol : das widorspiel aber braucht t (U i 
mehrer theil. Des lialM U wir ein schon exempel an dem >un 
Marci Antonii, dem sibenz» licmlen romischen keyser. Derselbif^, 
alä er in üngerlaud kranck ward, beschwert in nit mehr dann 
die jugendt seines suns, dieweil er in vilen gedancken seinent- 10 
halben was. Erstlich sorgt er, seins geleichen jttngling, so 
täglich umb in waren, wtlrdendt in von den tngenden und der 
lehr abfören, daraus er in solche Unordnung kummen wdrde, 
der drunckenheit. dem spiel und andren lastren mehr dann 
der tugendt anhangen. Er befcraclitet auch ^antz fleissijLf, w ie i » 
es darvor andren jünglin^» 11 von königlichem und filrstlicliem 
-^nnmen nach absterben irer vatter gangen, wie sie umb ihr 
iiub u]id gut sampt dem reich kummen, auch etlich gar umbs 
leben. Dise sorg macht den gilten frommen keyser gar be- 
kümmert in seiner kranckeit, wie ihr dann soUiehs wol h5ren so 
werdt 

Wie Marcus Antonius , der sibenzebendt römisch key- 
ser, seinen jungen sfln in pfleg gab am todtbeth. 

Das 16. capitel. 

| 26 'J ') Als aber er jetzund an im selb beüiideuund merckeu iJ-i 
ward, das er des schweren und harten legers nit anffknmmen 
mocht, hat er bald nach seinen geheimsten und liebsten freun- 
den geschickt; und nach einer langen und freundtlichen red, 
so er mit inen seiner krankheit halben gehabt, hat er sie auffs 
freundtlichst [27"] ermanet . seinen siin inen anzeigt und ge- SW 
»agt: 'Ihr meine liebsten treund, ihr sehend hie in gegenwer- 

* 

1) Hol'/.hchnitt l;'»: nnff?orirlitot auf seinem bette sit/.tmdt-r 
greis redet 7.11 einem dancbt ii .-ttacadtu jüiicfliiif^e. — Au?' dem Ritter 
Tom Turn (.Stia.>Hburj;f 1519) bl. 111b, wo von Catos lehren an steinen 
aohn erziihlt wird. 



Digiti^uu Ly LiUv.*v.i^ 



1U2 



(jicorg Wicki'Hiu, 



tii(keit meinen allerlieh^ten sün, uelciien ihr aucli züui tlieil 
nelb erzogen. Näa hat er jetzuud den ersten stab seiner ju- 
;;en<lt ergriffen, ist warlich nun zür zeit in den allergrösten 
wallen des murs ; im ist auch nimmer grösser von nuten eines 

6 regieren, so in in pfleg bab, dann eben yetznnd, damit er nit 
ans unerfamtts von dem rechten weg abtrett und im selb das 
bos für (las giU erwelen tliii. Dieweil er min mich als seinen 
einigen Viitter verlieren würt, so hit ich euch iimh viltaltii/e 
i^ütthat, so euch von mir wiilert'aren i^t, woUendt ailesauipt 

10 seine vatter sein und ein vatterliciis uÜsehen auit' disen meinen 
sün haben. Daraus würt euch dann nit wenig nutz und frucht 
erfolgen; dann wo ihr in zü den tugenden und von den läs- 
teren abziehen, werdendt ir euch ans im einen nutzlichen keyser 
anffbawen.' Als min der giH fmmb alt keyser solliche er» 

15 maimnpen seines sftns halben mit grosser onraacht ans^ericht, 
ist im ein j^rosse unleidlit hc s( liw ;i( ii( it zugestanden, und kurtz 
dai'unch vor irer aller äugen verscheid« ii. 

Ljid als sie in mit grosser klag nach keyseriicher würde 
begraben, hand nie demnach seinen sän in pfleg genunomen 

» und gantz ehrlichen in allen tugenden und kttnsten ufferzogen. 
Es ist aber von allen Rdmem, reich und arm, ein j&merlichs 
klagen und weynen gehört worden nmb iren keyser, so mit 
todt abgangen was. Und ist also Antonius Oomodns, der sfin 
Antonii. ;m das reich kummen, hat sich erstlicheii last tugendt- 
lieh und wol geliulieii und gar in die füfastaplfen seines vat- 
ters getretten. Hat auch [27'] erstlich die alten treund und 
rhädt »eines vatters berftffen und ein gar schone red und ge- 
spr&ch mit in gehalten, sich auch simderlich in ihr freundt- 
schafft ergeben* 

M Diser güter willen aber hat nit lang blatz bey im ge- 
habt Dann es haben sollich gdt policey und Ordnung gar 

vil seiner diener nit wol mögen leiden, habend im mit falschem 
liebkosen enihsig angehangen, dnmit sie in aull ilir part bringen 
iii 'chten. Fiengend im an das huid, in welchem sie waren, 
^ kriegs halben zu erleiden imd im dargegen die statt Kom und 
gantz Italien hoch zft loben sampt seiner fnichtbarkeit , zeig*- 
ten im darbey gantz scbmeichlend an, wie dises gegenwertig 
barbarisch land gantz unfruchtbar und one allen wein wer, 



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Hauptlaster , cap. 16—17. 198 

misten alda des geironien uiul taulen wassers gelebeu. Durch 
sollich schmeichlen und liebkosen habend sie den jungen keyser 
heiiDlich hinderrucke seiner liebsten und getrewiston freund in 
solHcfaen anmftt und lust bracht, das er yetasund gantz zAruck'* 
schlagen ward alle die aiio^st und gfar, so sein vatter bestaTi- 5 
Jen: und das, so pv mit grosser niülie und arbeit nberkiiin- 
lueii, wolt der jung, sein sun, iu die schantz schlagen und 
verlassen allein umb des wollusts willen. 

Derhalb nani er sich gegen seinen rhaten und besten 
freunden an, als wann er wolt auß grossem eyfer, so er zürn lO 
römischen reich triig, sich gehn Rom verfugen, gleich als wann 
er sorget, im niocht in seinem ahwesfii das keyserlich liauß 
2Ü Rom abgeweitiget und eingeiiummeUf durch den gewalt zii 
ßom ein anderer keyser auffgewct Hi n werden, wo er sich nit 
m kOrte dahien verfüget , das reich selb besas. Ein sollichs 15 
ward im von den ge-[28'' Itrewisten seinen freunden widerrha- 
ten. Dann sie emianetten in, wie das alle Sachen zä Rom gantz 
;jlii( kliclien und gar wol stümleu : so wt-rou alle geschefft der- 
masseu von seinen freunden angeschickt, das kein unrhat ent- 
stohn möcht. Inn sunders sagt einer der ultisten seiner freund ao 
zft im, mit nammen Pompeianus, wie das in nit weniger in 
Min Tatterland gehn Rom belanget, als nämlich zfi seinem weib 
nnd kinden; dieweil aber die aufilendischen Sachen noch nit 
zum end bracht weren, gedacht er im. die /ü vulzielien mehr 
und hoher von nöten .<eiu dann heimzuzithen ; darneben wer 2ä 
auch sein entlich meinnng. an welchem end, ort oder statt der 
kejser mit eignem leib sein wonung het, daselbst wer auch 
Korn. Das was ein genügsammer und getrewer freundsrhat, 
dem bilHch solt gehorcht worden sein. Dises aber mocht gar 
nicht wider den rhat der lustgirigen schnu ichler verfahen, sun- so 
der es macht im der keyser mit gelt und anderen practicken 
m schnellen weg auö' Rom zü ziehen. 

Wie sich der jiiug keyser in seinem regiment so schandt- 
lich gehalten gegen seinen liebsten freunden und rbäteu. 

Das 17. capitel. S3 

Als aber nün menigklichen zQ Rom des newen und jungen 
WielBMii ni. 13 



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m 



Qeotg Wickraoi, 



keysers z6kimfft Temummen, sind sie im mit grosser frolockang 
ent<j^( gonkummeii , onzalbarlich blflmen imd krentz auff* die 

.sfcrai»sen gcstrewt: dann sie hoftteii, dir keyser wiiiti in seines 
vat-['28'*]Mters iüüütiijtfton trotten. Er erzeiijt sieh aiicli >elu- 

ö und über die maß freundtlit h; es bestimd aber M»k her «»ider 
atifanr^ nit lang. Dann er ward bald durch die schuieichler 
und liebkoser dahien berefch, das er seines vatters imd seine 
eygnen rhatgeben umbs leben unverdienter Sachen bringen lies. 
Dises alles aber geschah aus an-[29*]8chickung eines ob- 

loristen, des nammen was Perennins. Der was ein sollicher 
geitziger mann, das im kein schantlich noch lasterliche tlmt 
zu schwer was die zu volnbringen , allein das er .>eiaeii gelt- 
sack eriüliea niocbt. Diser aber kundt seinen willen kein> 
wegs ersettigen von wegen der güten imd getrewen freund des 

l&keysers; dann sie meinten die sach güt. Darnmb erdacht er 
im gar manchen schantlicben anschlag, damit er die freund 
des keysers gegen im verhafit machet. So het er auch ein 
sunderlichen nntz darvon, wann jemandt von dem keyser ver- 
danipt; zü stund so mocht diser Perennius alle sein hnb und 

20 g&ter anfallen und in seinen nutz verwenden. Dai uml» Israelit 
er den keyser in t(ar kurt/A r zeit darzä, das er alle seine freinul 
und günder zii todt »clilugen und erwürgen lies. Also kam 
gemelter Perennins in ein soUiclien grossen auffgang, das er 
sich yetzt auch understund, den keyser mit liinderlist umbzft- 

85 bringen ; wiewol ihm sein anschlag g&ntzlich zftmckgieng, dann 
er ward selb darob erwttrgt und umbracht sampt seinem sün. 

Es mocht aber dannocht kein bestandt mit dem kevser 
Commodo haben , dieweil er seine getrewen freund und alten 
rhat uiuliriK lit . mftst als ein kindt mit kindem refrif^en. Da 

au was niemandt niLdn*, .so in von den lästern abgewendet und zu 
der tttgendt gewisen het. Kam also von einem laster auif das 
ander; dann er schampt sich keiner unzucht mehr, er dorÜ't 
gantz nackend und mit empl6ßtem leib auft' die spilheüser 
gohn. ZAletst aber, als er einen haß anlf den mehren thail 

* 

1) Holzschnitt 14; am bette eines kranken mannci» o 1 -r hau 
Hteheu eine fnui und ein mann gestikulierend. — Aua dem Ritter 
vom Tum 1519, bl. 110a. 



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HaupUaster, cap. 17. 



195 



rhutslierren geworften, welche er all gur in ein pementins 
büchlein verzeichnet het, ist das [29"] von einem gar jungen 
kindlein, so noch nit reden kund, an den tag kommen. Dises 
aber geschah aoff semliche weys. 

Der keyser. als er eines tags allein inn seinem saal nach h 
meiner jjfewouiirit autl" tnjieni l)eth entschlaöVu, hut er gemeltes 
kiiulkin im zQ einer kurtzweil bey im behalten, welches kind- 
lein gautk: nackend im keyserlichen saal umbgeloffen Da 
nün der keyser entschlafien , hat das kind gemelts büchlein 
fanden, vileicht aus sanderlicher Schickung gottes, damit nit lo 
sovil nnschuldigs blAt vergossen würd. Das gemelt kindlein 
ist aus dem saal gangen unnd gedacht büch mit im getragen. 
Alsbald ist im begegnet eine des k6nigs kebsweib mit nammen 
Marti ä . welche das kindlein an eh seer liebet. Die hat es 
gleich iiuttgefangen und geküiit. das l)iichlein bey im ersehen; i« 
das hat 5?ie zft stund von im ucnnrnmen und uuilgeliiun und 
mit grossem schrecken die nanmieii der verge;^ejchneten er^ 
lesen, under welchen sie auch mit irem namen verzeichnet ge- 
wesen ist 

Bald ist sie in grimmen zom gegen dem keyser entzQndt, 90 
hat sich mit gemeltem büch verfüget zü denjenigen, so mit 
nammen inn dises blAtregister verzeichnet gewesen. Die haben 
die sach mit grossem schrecken vcrnummen unnd liieraufF gar 
kurt/ mit gemelter Marti a sich entsclilossen, wie doch die 
suchen derzeit anzögreitten. Also ward sie gar bald von den 2ö 
andern darzü envelet, das sie dem werck ein anfang zü geben 
am geschicktisten were; und ward also ein scharpffes mid 
schnelles gifft z&bereittet, das ward bis zü gel^^er zeit gar 
wol verwaret. 

Knrtz darnach fugt sichs, das der keyser aus dem badw 

gieng gaiitz liitziiL;- und durstig; [30*= Kl*] dann er eben dis 
murgens ault" drm gejagd gewesen war. Nfln was Martin al- 
zeit gewohn, so der keyser aus dem bad kam, bodt sie im al- 
wegen das drinckgeschirr dar; darumb meinet sie, diser zeit 
die sach am besten an ein ort zä bringen sein. Sie nam das 

* 

1) Antonius böser anschlag wUrt durch ein unmündiges kindleiu 
an tag bracht. 

13 ♦ 



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196 



Georg Wicknuu, 



bereit i^ifft, mischet das nnder das tranck. und mit freydiji^em 
aaji^esklit hodt sie das dem keyser imi soine haiul. Als er 
aber gantz hitzig und mit sehr grossem durafc bejschwert, hat 
er mit begirigem gemüt den guldinen becher erwischet unnd 
o mehr dann den halben theyl daran« getruncken, demnach sich 
auff sein beth gelegt und starck angefangen zfl schlaffen. Dann 
dis was sein brauch, so offt er ^badet oder snnst in einer 
voHeii zech gewesen, liat w kv\n y.o'n noch urdiuiiiLC im »chlaften 
hiiVtt. Ah er iiT>er jetzuiid etlidu- stmid gesclilatfen , hat 

10 sicli da^ liirtt gar starck in wirckung aller seiner glider und 
den gantsen leib auiägetheilt. und sind im solliche grosse 
schmertzen zügestanden, das er darvon ist munder worden. Er 
aber het auch yor dem, und ehe er sich zü beth gelegt, gar 
geitziglich die speysen, so im geschmackt, genossen. Derhalben 

loer. nachdem er anfferwacht ist, hat ihn ein grosser Unwillen 
und erbrechen ankumraen. Davon sind die gifftbereyter gar 
sehr er>^( lue« kt worden : dann sie sorü'ten, wo im gtnielt gifft 
kein scha<i >t'in, mustvn sif allsamiiitMi den todt leiden. lIa))on 
sich derhalben kurtz bedacht und yersclialit, das der keyser 

9>an seinem beth erwfJrgt mid umbracht worden. 

Dise histori hab ich auffs kürtzist fibergangen; wer aber 
die nach der leng begert zfi erfaren, der findt sie in dem 
ersten bftch Uerodiani. Hie mag man abnemmen, was nutz 
und wolfart f/30''] ans kindischem, unweisem rhat erfolgt, auch 

2ü SO niiui die gut wamiing der alt(*n leut verachtet. Dann diser 
Tomodtis. dieweil er in der gchorsamnio seiner la U^uji und 
getrewisten freunden lebet, ists im glücklich und wul gangen; 
gobald aber er derselbigen gilten rhat verachten und sie all 
umbringen lies, volget schantlichem und b6sem rhat, ist er 

10 ein gantz viehischer mensch worden unnd, wie er gelebt« also 
auch ein end genummen. Dises sey genüg von dem ersten 
theyl dises b&chlins. 



Von dem unersettlichen lasier des geytz» von seinen 

eygentschaüteu , und ^va5 grossen übels daraus er- 
8o wachsen. 



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Hauptlaater, cap. 17— IS. 



197 



Dus 18. cupiteP). 

|3r] Allen menschen ist von natur angeboren, das ein 

yetlicher, wo anders ein erbar gemflt ist, seine kinder gern 
mit arbeit emert, sie auch mit kleidunf? i.acli zHniicher iint- 
turtft versehen thflt, daniit sie sich vor übriger keUe und frost 3 
erneren mögen. Es trachtet auch ein yedor unib eiu sundere 
Wohnung, damit er mit seinem weih und kindren von andren 
abgesttndret seye, das wenig, so im gott bescheret, mit rhA ge- 
messen mOge. Es begibt sich auch zft vilmalen, das einem 
armen hansman bey seinem weih mmd Heben kindren an einem lo 
geringen tisdi bey schlechter fn^ber speis yil bas ist, hat anch 
mehr treud und iiiüt darhey tl uia etwan ein grosser gwalti- 
ger iicrr oder etwari reiclic karge liltzinaclier . welche kästln, 
keller, kisten und trog v(dl koni, wein, gelt und güt haben. 
Dann dieselbigen mügen weder tag noch nacht rhü haben, lö 
kein speis wttrt in zu lieb , kein rechten natürlichen schlafiT 
mügeud sie erlangen. Dann ir abgot gibt semlichs nit zö, er- 
manet, zopfft und stnpfft allen augenblick, damit der hauff 
nit kleiner werd, snnder t&glichen zöleg. Dargegen findt man 
auch vil reicher und mechtiger hen'en, so auch mitt grossen 20 
nnnd wichtigen hendlen undiiion ; sie aber sind die rechten 
lierreii. dann sie herschen über ir gftt . und das gut herseliet 
nit über sie; in iren gescheH'ten und huudlen sind sie nicht 
hinlessig. verschaffen alle ding zü gelegner und rechter zeit. 
So 68 aber leibs notturfft antrifft, lond sie alle geschefft vona» 
hertzen fallen, thiknd in selbs mit speis, dranck, Wartung, was 
darzA dienet, band ein gilten müt; sie Ubememen auch nie- 
mands unbillicher weis. Noch beschert und gibt | 31^] inen 
gott l)ey weilen mehr dann den kargen untreweii. 

Diser bederley roichen wend wir etlich exempel in der ao 
bibel, auch inn anderen historien besehen und dabey war- 
ne inen, welche under beiden teilen am höchsten z& loben und 
zä preysen seind. Wann wir aber besehen, was der prediger 
Salomon sagt Ton den reichen kargen filtzmachem ; dann er " 

• 

1) Ho IzBohnitt 15: ein von zwei knechten gehaltener Jüng- 
ling, der einen geöffneten geldkosten in den bänden h&lt, «teht vor 
einem bftrtigen forsten. ^) Prediger Salomo 5. 



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198 



Geoi^ Wieknuiif 



spriclit inn semern ftlnfffcen eapiiel also t * Wer gelt liebet, würdt 

gelts nimmer satt; imd wer reichtumb liebet, würdt keinen 
nutz duivoii haben. Das ist auch eitel; dann wo vil gftts ist, 
da sind auch vil, die das v<sm. Und was geneuüt sein, der 

5 es hat? Allein das ers mit aiigen ansieht. Wer arbeit, dem 
ist der schlaff süs, er habe wenig odor ti1 j^essen; aber die 
itllle des reychen lefit in nicht schlaffen. Es ist ein böse 
plag, die ich sähe under der sunnen : reicbtnmb behalten zAm 
schaden dem, der ihn hatt. Denn der reiche kompt nmb mit 

1(1 «j^rossem jamer. Dai*umb ist der ^'ur nit reich schetzen, 
welcher seines göts nit gebrauchen «Lirff: dann er ist ein ge- 
fangner knecht seines gilts. Ei* gewinnet aucli nimmer genüg; 
dieweil sein sack kein bodeu hatt , mag er gar nicht gefült 
werden.' Die mag man wol mit nammen nennen menner 

t5 grosses gAts mid nit grosses güts menner, wie Petrarcha spricht. 
Dann das güt halt und hebt denen, so sich dem geitz so gantz 
underworffen, mit eysenen ringen und starcken füßbanden, so 
das er gar nit mag ledig oder frey werden ; und so mehr das 
güt züiiimjit, so mit strengem liunden würt er erlialten. 

2<) Das man aber auch reich sein kan nn eyniche beschwer- 
nüs , habend wir ei*stlich ein schon und herlich exempel an 
dem ertzvatter Abraham, wie ich dann sollichs kurtz anzeigen 
wil [32'], 

Vou dem grossen reichtumb des patriarcheu Abrahams. 
s& Das 19. capiteP). 

Wir lesen in dem ersten büch Mose an dem 12. capitel, 
wie das der herr gott selb mit Abraham geredt nnd gesagt: 
*Gang aus deinem vatterland imd von aller deiner freundt- 

schafft, verla-s auch deines vatters haus und zUch in ehi land, 
so das ich dir zeigen wil ! Dann daselbst wil ich dicli zü einem 
grossen volrk machen und wil dich segnen und dir einen gros- 
sen nanmien machen, und solt ein segen sein. Ich wil segnen, 

[S2''J die dich segnen, und wil verflöchen, die dich verflAchen, 

* 

1) Holzschnitt 16: ein bauer treibt dr«i beladene eeel an einem 
fUrsten TorQber; links stebn noch zwei männer. 



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HauptUat^r, cap. 18 — 19. 



199 



und in dir sollend gesegnet werden alle gesehlecht autt' erden.* 
Hie merck eiu jeder verstendiger lein eben auif. Abraham 
het sehr grosses göt, heuser, acker, wysen, »über und gold; 
noch bezwingt in der geitz an difiem ort gar nicht. Dann er 
je dem goUichen befeleh nnd gebott nit widerstreben wil, snn- 5 
der zencht von allem dem, so er hat, Tertrant gott, er werd 
im nach seiner zösagung wol ander giU und hab bescheren. 

TjY nam auch mit im sein* ii vettern, den Loth , welcher 
pieiiK's i.duders smi was: derst-ilnLT s»'in bröder liies Arun, der 
wää ein leipJicher brüder Sare , Abrahams hauäfrawen. Als lo 
aber Abraham kein kinder von seinem ehelichen weih Sara 
Überkummen kundt, nam er gemelten seines bräders sfin, den 
Loth, an eines kinds statt anff, wie Josephus^) in seinem 
ersten bAch bezeuget an dem 15. capitel. Den gemelten Loth 
sampt seinem gantzen gesind hat Abraham mit im geföretu 
sampt irem viche, des sie dann zü beider seit ein grosse menge 
gehabt. Sind also in der Caldeer land auffbrochen und im 
land Canaan understanden ihr wonung zü süchen. 

Sobald sie nün kommen sind in das land Canaan, ist der 
herr dem Abraham erschinen nnd zü im gesagt: ^Dises land so 
wü ich deinem samen geben/ Bald hat Abraham einen altar 
gebawen. Als er aber nachmals weiter gezogen und seine 
zelten an einem berg auifgeschlagen, hat er noch e3men altar 
gebawet imd daselbst angefiingen von dem alnieclitigeji einigen 
ewigen gott zü predigen Es hat die weit kein juedig oder 25 
griuidtiichen bericlit vor nie Lceh«5rt. Nün was Abraham 75 
jar alt, als er [^S'^J das volck imderwisen, wie sie den nammen 
des hen*en sol ton anrufFen. 

In disen dingen begab sich, das ein mechtige teumng 

im land Canaan entstund ; da macht sich Abraham auff mit 

aller seiner freundtschafft und zohe hienab in Egypten, die- 

weil es wolfeQ darinn was. Abraham aber umljgab ein andere 

sorg seines weibs halben : dann sie was fast schöner gestalt 

von aiiLfesiclit. Darunih ton ht er soln\ waim sie die Egypter, 

weiciie dann nach Josephus sag ^) gautz frech und sunderlich So 

* 

1) JosephuB von den alten geschichten 15. 

2) Die erst predig von Abraham beschehen. 

3) Jo^t phas im 1. bfich von den alten geschichten 15. 



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200 



Georg Wickiiim, 



zur j^eylheit geneigt sind, sehen, ^^iir(l^'ll sie in zu todt schla- 
gen, damit sie das weib in iren gewalt mueiiteii bnngen. Sol- 
lichs zft fUrktunmen, sagt er zü seinem weib: 'Du mein li<'i>stf' 
Sara, dein gestalt ist über die maß fttrbttndig und schdn. Nün 

o weis ich, wes die Egypter gesinnet sind ; sobald sie dich sehen 
und dein schöne gestalt bedencken, werden sie mich umb dei- 
netwillen umbringen , damit du in beleiben mWgest. Danimb 
so bit ich, du wollest dich nit änderst dann für meine »chwe- 
ster ausgeben. Damit matr mir vil iriits von deinetw'egen zü- 

10 Stölln und mag ich auch mein leben vor dem egyptischen volck 
erretten/ Hie sihe zül Abraham was ein solcher ho(>hgeliebter 
gottes fremid, welchem gott ein solche tröstliche verhaissmig 
in seinem samen zflgesagt; noch laßt ihn gott inn ein solche 
forcht und schrecken fallen, das er sich auch seiner geliebten 

lo Sara, seines weibs. verzeihen will , damit er bev leben iinnd 
im lVi(l«'n das hmd Ecrypten bowonen niüg; daiv.ü hi-ilM und 
lehrt er auicli sein weil) die unwarheit zft saijen. Daran aber 
sollend wir uns gar nieht ergeru nocii einichen anstos ge- 
winnen: dann dises würt also von gott geordnet, damit [S3'*| 

20 die £gypter sehen mästen, das gott auch mit Abraham was, 
ja auch in Sachen, dazü er kein hoffnung hat. 

Dann nachdem die Eg>7)ter die schöne gestalt des weibs 
ersehen, band sie die ding fflr den k^nig Pharao bracht (dann 
also nanten sie alle konig in KLrypten), und sagt die bibel*). 

25 das die fürsten des konigs das weib in des kunigs haus liraciit, 
unnd Pharao thet dem Abraham vil gftts umb irentwillen: 
daim Abraliam hat srhaft' und rin<i< r. kiiecht imd magt, esel 
und kamel. Aber der herr plaget den Pharao mit grossen 
plagen und "sein gantzes haus umb Sara, Abrahams weibs, 

io willen. Hie sehend wir, wie unversehenlich got den seinen zfi 
hilff kummet, so sie in schon nit bitten. 

Josephus *) aber erstreckt dise histori etwas weitletlffiger 
im ersten buch am 16. ca])itel und sagt: Nachdem JMnnuo 
von der schone der Sara firehorl, hat er sich diser red nit set- 
tigen lassen, suuder mit ernst zür Sachen geeylet, damit im 

« 

1) Bibel, Genesis 12. 

2) Josephus von den alten geschickten. 



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HauptlAster, cap. 19. 



201 



das weib auch zö sehen worclen. Gott aber hat alsbald das 
fümemmen Pharaonis durch pestilentzische kranckheit und 
andre nodtwendig geschefft verhindert; dann er im entlieh für 
het genumen, Sara solt im zflm weih werden. Als aber die 

plag und kranckheit angaiigen nnd alle priester sich zürn opffer 5 
nach irem brauch gerflst, haben auch die opttor volnl)racht. 
ist nach ^ethonen oittrcren dem kouig von [iricsteni verkündet 
worden, wie gott hart über in, den konig, ergrimbt seye, hab 
auch die pestilentz allein darumb gesandt, das er. der k^nigt 
eines frembden unnd bilgers weib hab understanden irer ehren lo 
z& berauben. Von solchen werten ist der kSnig gar hart und 
[34*=L1*] seer erschrocken, hat alsbald die Sara aller Sachen 
nffe fleissigest befragt, wer sie seye, auch wer der sey, so sie 
in Eg}*])ten mit im br;i( lit liett. Als sie im nftn alle dinir zft 
erkennen gab, liat er eylfnds nach dem Abraham geschickt U 
und sich hoch gegen im entsclnildiget. Dann er sagt, das im 
nichts schantlichs gegen der Sara in sein gemüt kummen were, 
er aber het nit änderst vermeint, dann sie were sein, des Abra- 
hams, Schwester; darumb het er geeylet, damit er sie zt einem 
eheweib nem. Er schanckt auch Abraham gar grosse schän- SD 
ckungen und ordnet in nnder die weysen rh&t in Egypten. Also 
ward Abraham iiroß bey den Egyptern ; er lernet sie auch die 
kunst der arithiuetic. 8o vil schreibt Josephus darvun. 

l>ie l)ibel aber zeigt weyter an: Demnach ]*hanio^) dem 
Abraham sein weib mit grosser schanckuug wide r zügestelt, hat & 
er im etlich von seinem Yolck verordnet, welche den Abraham 
wider in das land Canaan beleitten solten. Also zohe Abraham 
mit sehr grossem gflt aus dem land Egypten; eS zohe auch 
mit im sein vetter Loth. Abraham aber fürt sehr groß gAt 
von viehe . silber und gold einen göten theyl , und er zohe ao 
iiiiiiier fort, luf.'i er kam gehn Bethel, an welchem ort er vor- 
mals >('iiie hiitten und zelten auffgeschlagtu het und gott rinon 
altar auffgericht und des iierren uaumieu gepredigt. Es het 
aber auch Loth, Abrahams vetter, gar ein grosse summen >4eh, 
auch eygne knecht und megt, desgleichen hatten und zelten, ss 

1) Josepbui nemiet disen konig Pharao , die bibel aber nennet 
in Abimelech. 



Digiti^uu Ly LiUv.*v.i^ 



202 



Georg Wickraiii, 



Darunib nKJchk'u sie nit blatz genü^ hal)» n . im huv} Canaan 
bey einander zö woneii: also p^oft ilir liab und vieh. So 
zanckten sich au< h ire hirten tiif^iich mit einander vou [34**] 
wegen der weyd. Dises und anders betrachtefc Abraham gantz 

i» fleiasig, und damit kein zanck weyter under in entstand, sagt 
er zfl seinem vettern : ^Lieber, laß uns die sachen anders an- 
jyfieiffen, damit kein 8olclier zanck under uns ont,stand, nam- 
licli zwischen deinen und meinen hirten, di* unl wir l)ruder 
sijid! Nftn ist das land offen. Hnh du dir die walil und sucli 

10 dir einen ort, in dem dir zu wonen liebet ! Wilt du zü der 
rechten, so wil ich zö der lincken; -wilt du zö der linrken, 
so wil ich z& der rechten/ Also erwelet im Loth die land- 
schaffb unnd gegend am Jordan, und schieden sie sich von 
einander. 

lö Hie sehend ihr, was grosser liehe und trew und freundtschafft 
zwnschen disen zweyen reichen und i?e\vf\lti<jen mannen cfe- 
wesen. Keyner hat sich seiner reichtunil) i'i herhaben , kein 
geitz liut bei iuen geherscbet , sunder habend sich irer reich- 
tum gantz m&ssig gebraucht. Dises sind die rechten menner 

»ittber grosses gAt, wie dann auch der kdnig Salomon hertz- 
lichen Ton gott dem herren bittet, da er sagt in seinen Sprü- 
chen am 80. capiteP): ^Zweyerley/ sagt er, *bit ich von dir; 
die w&llest mich, herr, geweren, ehe dann ich sterfo. Ab- 
potterey und lugen las ferne von mir sein . arm fit und reich- 

2.S tumb i>)b mir nicht, laß midi aber mein bescheiden theyl 
s])eis dahin nemnien I Ich möchte sunst. wo ich zö satt würde, 
verleugnen und sagen : Wer ist der herr? Oder wo ich zü arm 
würde, möcht ich steien, und mich an dem nammen des herren 
vergreifen.' Hie merckend auff ein weysen reichen k6nig, der 

ao alle seine reichtumb fOr nichts geschetzet, sunder gott darfßr 
mit allem fleifi gebetten ; dami er die reichtumb gemeint, welche 
das hertz mögen gefangen halten, die reichtumb |35'*] aber, 
über die ein mann herschet. hat er für kein reiclittimb geschetzt. 
Dises exeiHptd hah icli allein darum hargestelt, damit wir 

Zö die waren und recliten rtd( htuni mögen von den anderen ent- 
scheiden. Yedoch ursacht mich, noch weiters von anderen 

1) Proverbiorain 30. 



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Hauptlasier, cap. 19—20. 



203^- 



<;ott seligen mennern zA sdireiben, so (lann ancli mit grossem 
}£\\t von gott begabt gewesen sind, als namiicli Job und To- 
bia.^: (lise zwen liabeii auch ir liertz gar nit nach dem göfc 
Bericht. Von der reicht« m Salomonis aber ist nit zö schrei- 
ben, dieweil wir kl&rlich in der bibel linden, das er einend 
solchen schätz von gold gehabt, so das man des Silbers an 
seinem hoff nicht geacht habe; dann des sübers sey sovil zft 
seiner zeit gewesen zu .lenisalem als stein und des cederin holtz 
>Mvil als der wilden fevj^^'nbcum. Welclier da.« begert zi^ 
wissen, mag sich in der bibel ersehen, nämlich im dritten bücli lo 
von den königen das 10. capitel Sodann schreibt auch Jo- 
sepbns *) in seinem achten büch von den alten geschichten am 
sibenden capitel gar fleissig von der reichtumb nnnd herligkeit 
Salomonis, das er alle konig zu seiner zeit an weißheit und 
reichtumb übertroffen liabe etc. 16 



Von dem reicheu und kargen 2{abal und von der 
grossen fürsichtigkeit seines weibs Abigail ein sch5ne 

histori. 

Das 20. capitel. 

Ich kan nit gedencken, das man von einem reichem und ao 

kurgem filtzniacher gehurt hab «laiui <'l)en von dem geytzigeu 
Kabal. die weil in sein [35^*] ^) schantlicher überscbwencklicher 
ge^'tz nit allein umb sein hab und güt, sunder auch umb leib 
und leben bracht hat. 

Es begab sich, als David vor dem Saul fiachtig nmbher- a5 
ziehen thet, kam er mit seinem wenigen voick in die wfiste 
Tinan. Darinnen wonet zu derselbigen zeit ein reicher un- 
" dan^ kbajer kautz aus (\t^v Zipheer statt Maon, gar ein kai'L^pr 
ültz: er liet sehr vil viehs und liirten in der wüste golm. 
Pavid aber befalh allen denen, so bej im waren, sie soltenso 

* 

1) 3. Regum 10. 

2) Josephns in seinem 8. b6cb. 

3) Ho1ziohnitt 17: eine kdnigin steht mit einer begleiterin 
einer schar tob gewappneten reitem gegenüber. 



204 



Gtorg Wickram, 



gedeacken und disem Nabal sein vieh noch hirten in keinen 
weg beleidigen; er hat auch sunderlichen acht und giUe hdt 
zA inen, damit sie auch Ton anderen nit geschediget würden, 

meinet sollichs gefcen di in Xabal zu gemessen; aber sein hott- 

o nuntf AViis nml)suiist. I )aim t'> fiiirt sich eben in iler zeit, das 
Na-[36'*|bal seine harten .schaatt' alle züsammengetriben und 
bo>5cliar dio. dorhalben ein «i^osse menge der schaaffscherer bey 
einander het. £in sollichs ward David angesagt. Darumb 
schicket er etlich seiner diener zft dem Kabal; dann er wüßt 

lowol, das er nach der alten gewonheit dapffer zflgeschlagen 
und auff die zeit seinen schaaifschereren wol zöbereit het. 

Als nün die knecht Davids zil dem Nabal klimmen .sind, 
lialu'iid sie in gantz frenntlich gegrüßt, im und den seinen vil 
glilcks gewünschet, im dabey angezeigt, wie frenntlich »ie sich 

15 alwegen mit «einen hirten gehalten, haben die noch sein viehe 
nie beleidigt, davon mog er seine bii ten selb fragen ; derhalben 
so schick ihr herr zft im unnd las in bitten, das er im und 
seinem volck etwas mittheilen w611e. Nabal aber, gantz ein 
undanckbarer kttndiger mann, fragt, wer ir herr were. Sie 

20 sagten im , es wer der sön Jesse mit nammen David. Auff 
suUiilies gab Nabal gantz schmählichen aiitwoit und sagt: 
'Jetzuiid rikenn und .silic ich den stoltz und hochuuit der hin- 
tiUchtigen; dann sie wollend ein ihuni davon lialx ii, wann sie 
iren herren entlautt'eu. Was hab ich mit David, dem sftn 

a& Jesse, zö schatten?' 

Als nün sollichs dem David angesagt worden, ist er gantz 
erbittert, befalh von stund an seinem volck, sich zdr wehr zü 
rttsteu, unnd gleich daranff hat er vierhundert ge\N ii]metter 
knecht /.u im genummen und geschworen, den Nabal sampt 

:iü seinem gantzeii liauü /.li ertoten, welcher im aus vil empfang- 
nen "jfutthaten so ein schnartze und stoltze autwort embieten 
thet, ist also mit seinem volck fürgezogen. 

Dise ding sind Xabals weil» durch einen schaaifhirten ange- 
zeigt worden, nämlich das David z& irem [36*'] mann hotten ge* 

85 sandt und freundtlich von im begert, im und seinem volck speis 
mitzfithevlen, hat ihr auch alles göt, so im und seinen mitgesellen 
von David und seinem volck widerfaren, angezeigt ; dann sie bet- 
ten sie noch ilir hart nie beleidiget. Bald hat sich Abigail gerüstet, 



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Hauptlasier, cap. 20. 



205- 



die sach wider auff göte bau zft briagen, sagt aber irem mann 
gar nichts von irem anachlag; dann sie wufit sein tnmckene 
'Weis an im. Sie nam etliche mauleeel und lAd die mit allere 

band gaben von speis nnd getranck, eylet damit dem David 
entgegen, hat in ulso in einem eiligen uii<l liulen weg antroffen; .> 
dann er zobe mit vit-rliundert nianncn daher, den Nabal zCl 
überfallen und mit allem seinem ge.sind auläzüreuten. 

Bald in nun Abigail ersehen, i.st sie zuband von dem 
maulesel rab z&r erden gesprungen, auif ir angesicht niderge- 
fallen und mit grossem ernst angefangen den David zd bitten, to 
er weit sich ires torechten mans nnversinliche antwnrt nit so 
hart erzürnen lassen und von seinem grinmiigen zom ahston: 
dann ir man liette den namnien nit vergeblich NabaP), die- 
weil er inn hebreischer sprach ein narr heisset ; so weren ir" 
auch seine gesanten nit zu sehen worden : darimib wer sie 15 
güter und gwisser hoffnimg, Verzeihung zü erlangen. Auch 
ermanet sie den David freundtUch, das er gott dancken solfc, 
dieweil er in beh&t het, das er seyne h&nd nit mit mensch- 
lichem blAt befleckt hette. Demnach antwortet sie im die 
scheuchen und gaben , so sie mit ir von haus ausgefSrt hat. 90 
Dieselbigen hat David mit willen von der Abigail empfangen 
und zü ir gesagt: '0 weih. gott. der barmhertzig ist, hat dich 
auff heiit zü mir getrugen. Diuni du würdest den momdrigen 
tag nit [37*J gesehen haben, dieweil ich so theur geschworen 
hat, das gantz haus Nabais zü verbergen und gentzlichen umb- 2» 
zfibringen. Dahin deinen man sein grosse undanckbarkeit ge- 
bracht het, darzft der arge list, so er sich gegen mir und mei- 
nen gesellen hat gebrauchet. Du aber hast aus der Ordnung 
gottes ein semlichs vorkummen und abgewendel Jedoch würt 
entlich di.<ser Nabal ein andere straff von Lfott gewertig sein.' 80 

Nach diseii werten liut bicli Abigail wider mit erlaubniis 
Davids zü haus gewendet. Als aber sie ihren man im schlam 
unnd foller weins gefunden, hat sie alle Sachen berbüwen lassen 
und dismal nichts zft im gesagt. Des anderen tags aber hat 
sie im alle ding gar ordenlichen erzalet und im so angst ge- s» 
machet, das im alle seine krafft inn allen semen glidem ent- 

* 

l) Nabal heiGt inn hebreischer sprach ein narr. 



206 



Georg Wickram, 



gangen ist, und hat auch nit lenger dann zehen tag hernach 
gelebt und entlich gestorben. Aber kurtz nach diser geschieht 
hat David Abigail z& einem weib genummen. 

Also Überkam David alles gdt, ao Nabal ztvor mit grosser 

ö not und kargkeit zusammengebracht het. ünnd das wenig, 
an (Ifin sich David wf)l genüget het, mocht im diser filtz nit 
güniieii: I);ivi(l aber iiberkumbt aus gotte.s iürseheu seiii hub 
und giüt züsumpt dem l'ürsichtigen weib Abigail. 

Wie Gezi vonu wegeu seiues geytz äampt seine tu 
logantzen geschlecht mit dem aussatz geplagt ward« 

Das 21. capitel. 

[dl^i ^) Wir tindpH in dem virden })üch der konig^) ein 
schöne history von dem hauptman des konigs aus Syrien, der 
hies Naeman unnd was vor andren hauptlenten hoch geachtet 

lobey seinem herren dem könig; darzü was er ein gerechter 
fmmmer man, also das das gantz kdnigreich Syrien glück von 
im hett; er aber was geplagt mit dem aussatz. 

In der /cit wurcn etlich kriegsknecht aus Syrien haiHUs- 
nf.'talleu uii'l ein ranl> geliolet: under andren brachten sie auch 

20 mit in aus Israel ein schone junge magt, die kam an den 
dienst des hauptmans weib. Da sie nmi sähe den mangel unnt^ 
kranckheit an irem herren, het sie nit wenig mitleiden mit 
im. Sie sagt eins tags zO irer frauwen : *Ach, wer mein herr 
zü Samaria bey dem propheten, ich weis, er würd gesimdt 
werden : dann er künt in von dem aussatz reinigen.' 

Dise AS'ni ; kamen bald tur duu hanptinan. AI.-, er nun 
zü dem koni'4 kam, sagt er dem konig allr wort, su das meit- 
lein gesagt het. L)('r kbnig sprach zürn NhciucUi: 'Ich will 
einen brieff an den konig in Israel schreiben. Darumb mach 

w dich auff die fart und zeuch hien !' Alsbald lies im der haui>t* 
man ross und wagen z(l seiner fart bereiten, nam mit im zehen 

* 

1 ) H o I 7. » c Ii 11 i 1 1 28 (klein) : Naeman halt mit packrost^en nnd 
knechten vor einem huuse, aus dessen feuster ein luana kerauasieht. 

2) 4. Regum 5. 



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HaupUoster, cap. 2i. 



207 



Zentner Silbers und 8ecb8tau[38*BMl*]Bent guldin unnd zehen 
köstlicher feirkleider, auch den brieff, bo im sein herr der k6nig 

geschribeii het, und kam damit zü dem k6nig in Israel. 

Der konig empfieng den bricti': der was autl di»e meiniini; 
lautend: 'Ich enibeut dir, konig, sobald uiiiid dij«f'r l)riett' v.fi 
dir kumbt, das du meinen knecht Naemau, welchen ich zü dir 
gesandt hab, von dem aussatz reinigen wdllest' Alsbald aber 
der k6nig in Israel disen briefi' gelesen, ist er mit grosser 
forcht und schrecken ombgeben worden; er zerris seine klei< 
der und schrey mit lauter stimm: 'Bin ich dann gott, das ich lo 
t6dten und lebendig machen k6nd, das mir der könig aus Sy- 
rien seinen lniu|itnuin zur^chicket . das ich in von dem aussutz 
reinigen sol? Jetzund kau alle weit niercken, was ursaehen er 
au mich süchet, damit er mich niug überziehen unnd bestreiten.' 

Dise red kam i'Ur JbUisa den propheten , wie der könig la 
seine kleider zurissen und inn großen angsten stOnd. üli^ia 
der sandt eylents zAm könig und lies im sagen, warumb er 
seine kleider zerrissen het; er solt den hauptman zü im schicken, 
so müfit er gewar werden, das ein prophet inn Israel were. 
Bald kam Naeman mit rossen und wagen für des propheten Ä 
haus und liielt vor der thiir des pruphoteii Elisa. Also sandt 
Elisa einen hotten zu im und lies im sa^^en : *Far hin, unnd 
wann du kumpst an den Jordan, so steig herab vonn deinem 
wagen mind wäsche dich zü siben malen darinn! So du das 
gethon hast, wflrstu von deinem aussatz gereiniget werden/ ä 

Da das der hauptman gehört, ist er gantz ergrimmet und 
gesagt: ^Ich hab gehoffet, er wttrd etwas anders mit mir ge* 
redt haben und zü mir haranskummen sein und den | | nam- 
men des herren über mich angerilttet haben und mit iiu r 
band über mein ausj^atz i^^etaren sein und also hrnwcg liuljc-n au 
gethon. Sind dann mt eben so güte wassertlüs zü Dama.seu, 
als nämlich der Anuma imd Jpharphar, die da besser sind dami 
der Jordan V Also f&r Naeman in zom darvon; danner meinet 
ye, die wasser zfi Damasco weren hesser dann alle wasser inn 
gantzem Israel. Seine diener aber, so hey im waren, sagten »6 
zft im: ^Lieber vatter, nit also! Wann dich der prophet ein 
glosser ding geheissen het, dann das du dich im Jordan baden, 
du göltest dicii nit ge widert haben.' Also stig er von seinem 



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20B 



Georg Wickraiu, 



wagen und tauchet sich zA siben malen im Jordan, wie Elisa 
geret nnd befolhen het ; and sein fleisch ward gesund und rein 
wie eines jungen knaben. 

Bald sas er wider auff seinen wagen, kam mit seinem 
ügant/rii beer zö Elisa, dem jnopheten, bekant tVey vor im 
nnd siigt : 'Nun weis ich , das kein gott ist in keinem land 
dann allein in Israel. Darumb so nim hien von mir dise ge- 
schenck!' Wolt in damit lioch begabt haben. £r aber wolt 
gar nichts von im und behielt das mit dem eyd ; dann er meint 
10 in zö nötigen, aber er wolt gar nichts haben. AlsofftrNae- 
man hinweg. 

Nachdem aber der knecht des proplieten gesehen het, das 
sein herr gar kein gesohenck von dem haiiptman lu t nenien 
wollen, ist er heimlichen ohn seines herreji wissen dem huupt- 

lö man auff ein ackrrleng wegs nachgeeilet; dann er «gedacht: 
*Mein herr hat disem Syrer von dem aussatz gcholffen und 
gar nichts von im begert zft einer belohnung. So war gott 
lebt, ich will im nachlauffen unnd ein gab an in forderen.' 
Also lieff im [39*] Qezi aus lauterem grossem geitz einen gfi- 

2*) ten ackerfeld wegs nach. Naemnn aber sähe von seinem wagen 
hiiider sich und sahr, das im eiin^r so schnell nachjagt. Bald 
hielt er mit sciiifni waurii zcu;^" stil, stig von dem wagen 

herab, gieng dem Gezi entgegen, iiagt, ob die sachen nit recht- 
geschaffen zügienge. Er aber sagt: *Ja recht. £s aber hat 

s^mich mein herr gesandt, das ich dir sagen solle, das zA im 
kämmen sind etlich kinder der propheten, bit dich, das du im 
geben w611est nit mer dann einen zentner sUbers \md zwey 
feirkleider, damit er sie damit begaben nnd wider auff das, 
gebirg Ephraim zieh< n las^^e.' Unnd Naeman sagt zö ihm : 

30 'Lieber, nim zwen zfiüin r silbers !' T^nd er zwang ihn das zu 
nemen, gab ihm auch zwi y feirkleider darzü. Das silber aber 
thet er in zwen seck und bei'alhe das zweyen seinen knechten 
dem propheten haimzfttragen ; die trügens vor dem Qezi har. 
Als er aber kam bis gehn Ophel, nam er alles von ihn« 

8ä was sie trügen , unnd schickt sie wider zfiruck. Die gaben 
aber verbarg er im haus, und da er zü dem propheten kam, 
iiaui er sich gar nichts an. Klisa aber sagt zu iluu: *Woher 
kumbst du?' Uezi antwort: 'Ich kmn von keinem anderen ort ; 



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Hauptlaster, cap. 21. 



209 



dann ich bin niendert bingangen/ Elisa aber sagt: *Mir bat 
mein bertz gewandlet; , und icb weis, das Naeman von seinem 
wajjen gestigen und ist dir entgegenbangen. Sag mir. hast 
d l LTetlacht yefczund die rfvht zeit zü sein, silber und klcider 
7M nenien , damit du ölgarten , weinberg , schaff und rinder, b 
knecht unnd magt l>6kummen mochtest? Aber der anssutz 
Naeman wOrt dir anhangen nnnd deinem sanien ewigklichen.' 
Also gieng Gezi binaas von dem man [39^] gottes auasetzig 
wie sehne. Darbey ist entliehen abz&nemen, wie groslicheu gott 
den geitz hasset. lo 

Also finden wir auch von Achaii. Den veriuit aiu li der 
gf^ytz. da.s er von dem verbotn« n und v<.'il>anten gi'it «'inon nmn- 
tel und zweyhundert seckei silbers und ein guldine spang, 
fünüzig seckei schwer am gewicht, uam ; das trüge er in sein 
zeit lind Yergr&b das in die erden. Da ergrimmet der zom 15 
des herren über gantz Israel^). Josua aber was betr&bt und 
fiel anff sein angesicht nider vor dem berren. Da hies in der 
berr, das ef alle stammen aus Israel zfisammenfftret und Uber 
einen yeden stammen das los feilen. Da fand sich mit dem 
los der stammen Inda. Da ward da.-s los noch weyter außge- 20 
legt iil)er alle iresclileclit .Inda . nnd ward das geschlecbt der 
Serahiter getroUeu. Darnach wurlfen sie das los über alle 
hau&gesas ; da ward Achan getrotten. Als er nän von Josna 
befragt ward, kundt er nicht mehr leugnen, sonder möst seine 
missetbat bekennen. Da lies Josua Achan hienausfüren in ein S6 
weytes thal mit sampt dem gerh4t, so er von dem verbauten 
gestolen bat, deßgleich sein weib, kind, ochsen und esel, rin- 
der und schaatl, auch sein gezelt und alles, was er hat, nnd 
versteynigteu in ; das ander alles , was sein was , ward ver- 
brennet. Dises kam allein von dem geytz, das aus eines eintzi- su 
gen maus miühandiung das gantz beer in geferügkeit kum- 
men thet* 

Also finden wir auch im ersten büch der k6nig'), das 
gott dem k5nig Saul durch den Samuel verkOndet, wie das er 
die Amelekiter schlagen nnd inen obligen wttrd ; so das ge> ft 

1) Jo>ua 7. 

2) 1. Regum 15. 

Widiram Ul. 14 



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210 



Georg Wickraiu, 



Bcheh, aoii er alles volck , hab und ^üt, rinder uud scliaatl' 
verbannen, gar nichts außgenummen. Saul [40 *] aber gehorchet 
dem wort des herren nit, sonder schlüg die Amelekiter von 
Hevila an biß gehn Sur, den konig Agag aber nam erleben- 

ö dig gefangen. Aach läse er im ans , was feißt und göt rieh 
was. das verschoneteu .sie; diis untiulitig aber ward veibaiiiiet. 
Davon dci- liorr ergrimmet über den Sani und bctalch dem 
Samuel, mit baul auft' dise meinnng zO reden. 

Als aber Samuel zäm Said Icam, emplieng er in frenndt- 

10 lieh und sagt: ^Gesegnet seyest du, o Samuel, dem herren! 
Ich hab das wort erfült, so du mir in dem nammen des her- 
ren befalhest.' Da antwort im Samuel: *Was h&r ich dann 
für ein blerren der schaafP? Was ist f>lr ein brüllen der rin- 
derV Da sprach Ssml : 'Diü alles lialx'n sie bracht von ileu 

lü Amalekitem ; dann sie allsarnun n vei-schonetten der besten 
.scliaatl und rinder. damit sie dem herren fette oplter bringen 
möchten; das ander haben .sie verbannet.' Da spitich Samuel : 
*Las dir sagen, was der herr diser nacht mit mir ^eredt hat !* 
Da antwort Saul und sagt: *So sag har!' Samuel sprach: ^Da 

80 du noch wärest eines kleynen nammens, das du dich auch selb 
gering achtetest, damalen hatt dich der herr z& einem haupt 
jxesetzt under allen stammen Israel, und der herr salbete dich 
zum künig über Israel. Unml der herr sandte dicli hicn. die 
sünd der Amelekiter zü strattVn. nnch sie gant/ s,tiiij.t irem 

^ gut 7.U verbannen; die hastu nach dem wort (h-^ lierren ge- 
waltigklich überwunden, ^^";ln^nb hast du nit auch mit ihnen 
gehandlet nach dem befeich des herren? Du aber hast dich 
zfim raub gewandt und ttbel gehandlet yor den äugen des 
herren/ Da antwort Saul: ^Nftn hab ich doch gehand-fiO**] 

aolet nach dem befeich des herren und bin hien gezogen den 
weg, so mir der lierr befalch, hab au< h Ilagag, der Aniale- 
kiter kttiULr. n"t't"an<4"('n mit mir iKirbrueht, auch alles sein v<d( ]c 
ersclilairen uud verbannet. Aber das volck hat des ruubs u.-- 
nunimen, schaalf und rinder, das best unter dem verbauten, 

Sä damit sie das dem herren, deinem gott, optferten.' Samuel 
aber sprach : ^Meinest du, konig, der herr habe lust am opfier 
unnd brandopffer als vil als an dem, so du seinem wort ge* 
horsam bistV Sihe, gehorsamkeit ist besser dann das opifer. 



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Haoptlastert cap. 21. 



211 



und aafPmercken ist besser dann alles fett oder fta&t von den 
wideren. Dann ungehorsam ist ein Kanberische stind, unnd 

gottes wort widerstreben ist übgötterey und g«'tzendienst. Die- 
weil du nön des lierren wort verworffeu hast, so hat dich der 
herr auch verw'orfFen.' S 

Da so 1 liehe wort Saul vernam, du ward im erst hang in 
»einem hertzen, und hekant seine stlnd, wolt sich mit dem 
Tolck entschnldigen, wie sie im nit gehorsamen hetten w611en, 
so het er auch ein so grosse menge entsessen, batt damit den 
Propheten, mit im zA gohn nnd den herren für in zA bitten, lo 
Er aber wolt nicht: dann er sastt: *D« hast des herren wort 
vervvortVcii. (l.trumh hut dicli dor herr auch verworffen.' Und 
als Snniii'l j<-t/un(l von im ufohn wolt, huh in Sani mit i/e- 
wait bey >«'inem rock, hub in so starck, das er im » inen zijrtl'el 
davon reiß. Da sagt Samuel: *Also du disen zipttel von meinem 15 
rock hast gerissen, also hat auch der herr auff disen tag das 
konigreich von dir abgerissen und wflrt das deinem nechsten 
geben, so besser ist dann du. So leugt auch der herr nicht, 
so gerewet in auch nichts; [41"] dann er ist nicht ein mensch, 
das in etwas ^rewen solt/ Saul aber lag im so hart an, 20 
das er zületst mit im umbkeret. 

Vnnd Samuel <:j>rarh: 'Wo i<r Airair. der Amnlekiter- 
konig? Bringt in harl' Agag aber kam o]m alle i'orciit : dann 
er meinet nit« das im etwas beschehen wilrd, und sobald er 
des Samuels ansichtig ward, sagt er: *Also mAs man des todts a> 
bitterkeit entgohn.' Samuel aber sagt: ^Dn Agag, ein k6nig 
der Amalekiter, du hast durch dein schwert und mit hilff 
deines Tolcks mannichen umbracht und gar vil mftter betr&bet ; 
darunib nol auch heut auti" <lisen tag dein niuter betn11>t Aver- 
den.* Alsobald zerhüwe Sjunuel den Agag zu btikken vdrao 
dem heiTen in Gilgal. Demnach wendet sich Samuel vom >:inl 
unnd sähe in nicht mehr biß an sein end; er aber hat »ehr 
groi mitleyden mit im. 

Der herr aber sagt zü Samuel: *Wie lang wilt du noch 
trauren nmb Saul, den ich verworffen hab zAm künig? Fülle 1$ 
dein hom und gehe hien! Ich wil dich senden zA Jesse, dem 
Bethlehemiten ; dann under seinem samen hab ich mir ein 

14^ 



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212 



Ueorg Wickram, 



knniLi orsehea' etc. Da meynet der herr den David sm& 
welchem »tammen Christus, unser säligmacher, geboren wor- 
den ist. Also kam Saal von tag zA tag von seynem reich und 
ward auch fast geengstiget von seinen feinden, bü er zftletst 

5 sich vor unmftt selb umbracht mit «meinem eygnen schwert. 

In solchen tmfal nnd abgang i>iiicht in nidits änderst 
<1ann der jjjeitz, welcher da ist ein neehster iVruii<l der hoffart. 
TH*' linffart überwindet manchen menschen, nnd so er deren 
nit zu gewarteu hat, lallet im zä sinn und gedenckt: 'Moch- 

10 test du göt beknmraen , alsdann wer dir nicht mehr unmttg* 
lieb.' Damach [41''] facht er an seinen nechsten z6 über- 
nemmen, zA bescheissen unnd zd betriegen. Es bringt der 
schnöd geitz noch manchen man, das er dem Saul gleich würt, 
das er weder auff gott noch sein wort kein achtnng mehr hat. 

10 Es wHrt aiK Ii leyder manclier so im ^eytz vci scik ket. das er 
>i' Ii raulicns, steiens, murdens nii<l all« )" l^öseii stiKk befleyßt, 
allein das er der stinckenden liollart und dem unersettlichen 
geitz mi)^ * iit «.Genügen thön. Der geytz macht Judam zA 
einem dieb und verrheter; der geytz verfürt Ananiam unnd 

aosein weih'), das sie understunden den heyligen geyst zft be- 
triegen; kamen derhalben beyde gantz j&merlichen durch den 
gehen todt umb. Derhalben laßt euch den geytz nit über^ 
winden, damit wir nit dardurch in andere laster fallen! 

Der namhafftig geschichtschrf y li^ r Flavins .l(jseplius be- 

2o 8clir« il)et in drni 6. büch ein jamerliche gL^chiclit . so /u .lo- 
rusalem ist IQrgangen aus erregung des scliandtlichen geytz. 
Davon wdllen vrir ein wenig überlauil'en , damit man sehen 
mag, was der geytz ftlr ein abscheulich laster sey, das er auch 
in der allergr6st6n hungersnodt seine eygentschafft nicht lasset 

aobey denen, so sich im ergeben unnd underwüxflich gemacht 
haben, ob sie gleich das schwert, fettr und sterben vor äugen 
sehen. 

1) David der allerringeät under seynen brudreu gchalteo. 

2) Actorum 5. 



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Hauptlastert cap. 21—22. 



21B 



Von zweyen grossen b6ßwichten Symoni und Johanne, 

die zft Jerusalem in aller Zerstörung und beliigorung 
sich deä rauben, sieieu und mordens äohantlich und 

gewaltig gebraucht. 

Das 22. capitel. 5 

| 42* = N1']^) Die j^rausani antyst und trübsal, so zö Jeru- 
Bulem itlrgangen. hat in der Iicrr Christus, unser säligmacher 
und erlöser, zürn ietstenmal, als er aus Jerusalem gangen, sein 
krefltz auff im getragen, gäntzlichen mid gar scheinbarlichen 
vorgesagt Als in die weiber zfl Hiemsalem bewetneteUt sagt 10 
er zA ihnen: ^Dur töohter von Jerusalem., nit weinend über 
mich, sonder weinend über encb selbs nnd über ewere kinder ! 
l)i'nn sihe. es wflrt die zeit kiniimen. inii wcL In r imm sagen 
würdt : beliji sind die iinfriu litliarfii und die h'ilte, dit* nielit 
geboren haben, und die brüst, die niclit gesengt haben. I >iuin 1» 
werdend aie anfahen zö sagen zö den berg-[42^]en : Fallet über 
uns! und zA den httglen: Bedeckend uns!' etc. item zövor, 
als er am palmtag zA Hiemsalem einreit, weinet er Aber die 
statt und sprach: *Wann du es wüßtest, so würdest du auch 
bedencken zA diser deiner zeit , was zö deinem friden dienet ; ao 
aber nön ht i s vor d< inen äugen verborgen. T>eun es würfc 
die zeit lUx-r dich kiiinmen, das deine teind werden unih dich 
und deine kinder mit dir ein Wagenburg schlagen, dich bele- 
geren unnd an allen orten angstigen, und werden dich schleiften 
und keinen stein auff dem atuleren lassen, darumb das du nicht 2& 
erkennet hast die zeit, in deren du heimgesAchet bist' etc. 
Wejtet item Mathei am 24. und Luce am 21. zeigt der herr 
gantz b^rlieh ihr Verwüstung und gefencknttfi. Bey diser Zer- 
störung ist Flavius Joseph us selb ein obrister hauptman ge- 
wesen und von \ L'spa^iano gefangen wurden . hat auch selb ao 
von obgemelten zweyen grossen schalckeu geschriben auff nach- 
goude meiaung. 

• 

1) Holzschni tt 19: zwei reitergeschwader, auf deien fuhnleiu 
R. 1 und X sfpht . «]»rfn<rHn mit eingflc^tei» hin/.en auf *nnaiid> r !os; 
im vordei^M linde wird eiu tiompeter von zwei fu>«skiiechten mit .scluwit 
und Hpieää bedroht. 



Digiti^uu Ly LiUv.*v.i^ 



214 



Georg Wickiajii, 



Dise zwen böüiistigea und auifrümcLeu judcu hatten einen 
grossen a^hang, wiewol meniklich meinet, sie weren wider 
einander. Ihre anhenger und verwanten lieflfen in der etat 
umb ; da yetznnd schon der hunger am gristen war, beraubten 

• sie die lent, reich und arm, jung und alt, irer wenigen speis; 
wo dann etwas verborjfen war, zwangen sie die mit vil stich 
und wuiuleii. solielis liai iüi ziura^en. Ea waren etlicli judoii, 
so hey uueht :ius der statt kro» Iihi, umb der Römer lej^er das 
wild kraut, so doch vormals nieiuants gessen, ausrauütend, da- 

10 mit sie iren hunger bussen mochten. Denselbij^en namen dise 
auifrOhsehen allefl mit gewalt. Wann [43i^] sie dann begerten, 
das sie in nur den halben theil liessen, mocht in das nit ge* 
deien; dann sie meineten, es wer genüg an dem, das sie inen 
das leben irelassen hetten. Es was auch kein ersettigung bey 

lü inen. Dann so einer von dem Simoni seiner g&ter beraubt 
ward, nam im Jolumaes den iiberentzicron tlieil. Also ward 
kein erbarnuuig weder inn noch ausser halben der statt ^e- 
späret. und mocht auch die grausam nodt und fahr den schant* 
liehen geytz an disen räubern und auftrUrisclien scheicken nie- 

üomants gestillen. Sie haben auch den königlichen hofiP, der 
gantz feidi war, überfallen und yngenummen; dann es hatten 
vil reicher Juden ir giiter unnd sch&tz hinein geilöhet. Das 
alles haben die geytzigen auffrürischen Juden f^eraubt und ge- 
plündert und groß giU zu.sanunenbracht, wiewol gar kein hotf- 

a& nun«x was damit darvonzi'^loimmen : dann din statt mit bol- 
wercken und blochheuaeru zü ringsweis umbgeben was. Noch 
dannocht was der geytz so mechtig in ire ^einilter gewurtzlet, 
das sie davon nit lassen kundten und also darinnen gantz be- 
harlichen beliben, biß sie auch mit den anderen aufiFs letst 
jamerlichen umbkummen und von dem römischen volck er- 
schlugen wurden. 

DilA svy .ij^enni; aus Josepho, und wöUend besehen, was 
docli die alten pliilüsoplii von dem jjeytz gehalten, die als m'^r 
naeli dem natürlichen gesatz ir lebeji autt' ein erbar wcsen ^^h- 

9ö rieht haben. Agis, der letst «konig zä Sparta, hat under an- 
dren seinen gedachtnUßwürdigen reden au£f ein zeit ein güten 
schirmstreich wider einen ehrgeytigen Spartaner geredt. Der 
kam gantz ernstlichen zft im und sagt, wie künig Philippus 



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Hauptlaater, cap. 22. 



215 



aud Macedonia undeistünde |43'] sich den Spartaneren den 
weg zA verlegen, damit keia Spartaner in sein land kummen 
m6clit und nämlich in Greciam. Der gAt fromb kOnig, wie- 
wol noch sehr jung, gab disem geytzigen Spartaner antwort: 
^ Heber gast, wir benugcn uns doch an unserem Tatterland, & 
als wann wir «xl^'ich dort weren.' Dises wa.s ein red eines er- 
settliohen genuit- eines küniirs u(l« r tiUsten, deren man zi\ 
unser zeit vil anders gesinnet tindt. Dann man tindt deren 
vil, so sich nit an dem vatterland benägeu und settigen lassen 
an dem, so inen von iren &ltem verlassen worden, sunder lo 
nemmend ihn ftlr andere stett und länder zü bekriegen on 
allen ffig und recht, zA denen sie auch eynige ansprOch nie 
gehabt. Was geschieht aber zA zeiten? Sie mögen das, so sie 
begeren, nit überkummen, und das, so sie von ii'en altern er- 
erbt haben, verlierend sie darzö. 15 

Item ein anderer mit nammen Alcanienos- liat auch dem 
ge>'tz init wenigen worteu ein gAte kappen kauü't. Dann als 
er auch von einem geytzigen gefragt ward, wie doch einer 
sein reich lang in gAter rhö behalten möcht, hat er im geant-* 
wort: ^So du dein reich wilt lang rhAwig besitzen, mAatu des so 
gewins nicht hoch achten.' Diser hat gar ein weyse antwort 
geben imd gar mit deren nieinnng geweßt, so ire reich und 
liindtschaiften nit änderst wissen zü bet» stigen dann mit der 
armen undertliaii» n seliweila mid biut und dens^lbigen stetigs 
das niarck aus den beinen saugen. Durch solche tyraimey ist 2» 
nit wol mUglich, das ein reich lang besten mag. 

Es hat der weis mann Socrates gesagt und warlich recht 
gesprochen, man sol von den geytzigen kein wolthat oder 
ireundtstflck begeren, und |4 r | von den todten kein gespr&ch; 
dann ob man gleichwol lang mit einem todten red hielt, gebe 80 
er duck gar kf'r.i cintwort. Al>o wann man schon lang von 
einem geytzigen etwas l>egei» ii thöt, so gibt er doch uiehb; 
und ob man sclion etwas durch lang flehen und bitten von im 
bringt, ist doch wenig glücks darbey. Darumb dem geytz ai- 
zeit widerstanden werden soi. % 

NAn w6Uend wir auch gedencken etlicher Komer, die sich 
den geytz unnd zeitlich güt gar nit band fiberwinden lassen 
und so gar kein gedencken auff zeitlich gilt gehabt, das sie 



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216 



Georg Wickram, 



auch das. so siu wul mit recht lietten behalten mügen, m ge- 
meinen schätz der Romer überantwoit hal>pn. Pauhis Emi- 
lius, ein fUrtreffenlicher H6mer imd anschiegiger kriegsman, 
hat Macedonien , das mechtig kttnigreich, dabieu bracht, das 
5 er grosse und wychtige schätz von inen erlanget, aber gar nit 
in seinen, sunder in den gemeinen nutz verwendet. Und sind 
durch solliche scliiiiz die Schätzungen und tribut abgelcut wor- 
den: in sein liaiiü aber hat er ein ewigen nnauliliisch liehen 
guten naninien bracht. 
10 Nit niindrr hat sein eigener und natürlicher sön seinem 
vatter Paulo Emilie nachgefolget. r>:n;M er aus eroberung der 
statt Oartago gar kein reichtumb Qberkummen, so er im selb 
in sein hauß gefflrt, sonder alles in den gemeinen nutz ver- 
wendet. 

15 Also thet auch Lucius Mutius. als er die mechtig statt 
Corintus bezwang, begert aurh aus senilii hen reichtiinilx'n gar 
Tiiclits ni sein hnm. allein ward gantz Italien damit rcvhlirlien 
geziert, Diser teüreu thaten sind nit minder dann ir miltig- 
keit, so sio gegen dem vatterland geiibt haben, zü betrachten. 

ao Also handlet auch Quintus Cincinatus, ein [44"] tettrer 
mann, wiewol nit reich; dann er mit keinem geytz beladen 
was, Weichs dann sein that beweiset. Der ward auff ein zeit 
in grosser gfar von den Romern zö burgprmeister erwSlet und 
gleich das andor jai- tlaiimll" zu einem dietutur. Das was der 

2.'j höchst LTewalt trager. -«o in Horn was: dann er trüg ^^oiiigliche 
würde und gewalt, imd dorttt niemant von im apellieren. Disen 
Quintum, als man in verkündet, z& was hohen ehren und 
Stands er kummen were, fand man in auff einem acker sampt 
seinem weib Racilia genant; die trib im die ochsen, damit er 

sozfl acker für. Bald schickt er sein weib heim nach seinem 
besten kleid, das was ein mantel, und nach einem leininen 
tuch, damit er den staub unnd schweila aus seinem angesicht 
wüschen mocht. Als vv min angetlion was, gieng er mit den 
Komern in ein schon hau>, so man im liatt hissen ziil)ereiten. 

»ö Bald er nün der Konier anligen vernam , wolt er nit lenger 
verziehen, sunder ordnet alle ding nach dem ailerlusten, in 
summa er färt den krieg gantz glückselig hinaus durch sein 
fleissigs vorbetrachten. Und als er vil nutzer handel nit mer 



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Hauptlaster, cap. 22— 2ä. 



217 



dann um sechzelien tagen auürichtet, hat er den i^mischen 
burgermeistem allen gewalt unerfordret freywillig übergeben, 
und ist er mit gantzem ernst und fleis wider binder den pflüg 
geeylet, seine tag zA vollen in armftt hinbracht. Dises sind 
rechte und dapfere hauptleüt und kricirsfürsten gewesen, so 0 
allein nach ehren und nit grossem rticlitiunlj gekriegt hand. 

Wolan, wir wend hieniit gnftg von dem geitz angezeigt 
haben nnd ein anders yorhandoii nemmen, damit der leser und 
zfth5rer nit verdrossen werd. [45* | 

Von dem abscheulieben laster des neids unnd seinem 
sechsten yerwanten, dem zorn und haß. 

Das 23. capitel. 

Dem neid und haü ist angeboren, das er alwegen mit 
dem zorn gemeinschait't haben müs. Darumb wollend wir sie 
hie in ein wesen bezeichnen. Derhalben sol man entlich war- 15 
nemmen, wo Yon dem neid unnd baß meidung beschiebt, das 
alweg der zorn auch mit gemeinet würt, dieweil kein neid on 
ha£, kein hals on zöin runden ^viht. 

Jetziind Wollend wir besehen, was scliniier irialit dj^^e 
drey mit einander gtbeien, wo und w ann sie statt an einem 20 
ort haben. Rs hat uns dise drev schonen züchten in die weit 
bracht nnd ^^rboren der leidig teufel mit seiner sehSnen bül- 
scbafft, der Uotfart. Dann sobald er mit ir von himmel Ver- 
stössen ward und sie gemerckt, das durch den almechtigen 
6ch5pffer der mensch erschaffen worden ist, damit er besitz 
die ewigf glori und freud, von welcher sie (der tenfel und die 
bollarti Verstössen waiiii. hat sich der teufel, die grausam 
si ldaMii", au.s lauterem neid, liaf.i und zorn zu unser aller nnlter 
gelügt, wie oben gesagt, und iv gerhaten, den befelch des 
herren gotts zu verlassen, damit er den mensclien zü fall» 
bringen und in ewiges verderben füren m6cht. Im ist auch, 
wie oben gebart, solcher neidischer anschlag fürgangen; dann 
die stoltz fraw Hoffart säumet sich auch keins wegs, die ein- 
faltig £yam zft bereden. 

Diü ist die erst frucht, so der neid und haü auö' erden 



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^218 



Georg Wickram, 



L*^^*"] gepflanzet haben. Wir hetien ünmerwerende rhü und 
freud gehabt, darbey i^^antz onsterblich hüben, wo Eva der 

tausentlistigen sclilaiijjfen nit ires neidischen rhats getbljjt het. 
Daruüib wir billich dvm veiHiicliten neid inniinor statt geben 
ö soltcn. Dann wo er fiimial zü horbcrg in eines mensclipu 
hertz kumpt und angeniunmen würi, schlecht es gar wunder- 
selten 1er ans; er verbittert mit seinem gifft dasselbig hertz, 
das gar selten hieugadt, folget ein grosser schaden daraus. 
Dieweil wir augenscheinlich sehen, wie es zögath, müssend wir 

10 das bekennen: iieyd und lial.! die beyden achten wrder autf 
gott noch seine heiligen; sie achtend auch keiner person, wie 
erbar, züchtig die sey; neid und haß verschonen keines Stands, 
weder geystlicher noch weltlicher würde noch majestat. Ge- 
wint ein schlechter mann ein neid auif einen höheren, so in 

15 am stammen nnnd nammen weit und hoch übertreffen thfit, 
so sieht er sein |ierr>oii niclit an. sagt mit der unwarheit alles 
args von im. Wann er dann hört, das er von ander leutea 
gerümbt würt, niiii? or das in keinen weg leiden; er hasset 
alle die, so nit seiner part wöllen sein. U6rt er dameben 

20 einen, so jenem auch neydisch ist, den hat er gantz lieb nnd 
werdt; er mfls alwei^ zft nechsten bey im sein, kein güts biß- 
lin kan er ohn in essen. Dergleichen lasterlicher eigentschati- 
ivii lialjeii di.se drey teutelskinder, das Me niemands lobbreysun^ 
iuügeu huren, äuuder spreclien yedermau Übel. 

st& Darumb s])richt Salomon ^) am 14. capitel in seinen spra- 
chen : *£in gutiges hertz ist des leibs leben, aber der neyd iat 
eyter in den beinen.' Und weiter am 27. capitel *) gibt Salo- 
men dise schöne Schwestern auch zösammen; [46*a5 0l'| dann 
er spricht: 'Zorn ist ein wütend ding, und grimm ist nnge- 

üo«tUm, und wer kau vordem ueid hestanT Wann wir dann die 
alten gelerten heyden, so poeten gewesen sind, besehen, so 
finden wir gar schon bey ihnen die beschreibung, was der neid 
sey, wie und wo er seine behausung hab. Sodann schreibt 
der treffenlich lehrer Plutarchns in seinem b&chlin von un- 
nützen sorgeutriigeren , was der neid sey , und gibt im einen 

• 

1) Proverbioram 14, 

2) 27. 



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Hanptlaater, cap. '2$. 



219 



flollichen nammen: 'Neid\ sagt er, ^ist ein schmertz, der da 
kujnpt aus eines anderen wolfart; aber der hass ist ein lust, 
der da erwachfit ans eines anderen unfal und widerwertigkeit; 

beide aber entsprinjjfen sie ans der pausamen und bosisten be- 
girden, ilcr Ijuslieit." Sihe zü. wie fein er sie nucli imi oimaii i» 
bunt zusainiiH ii veikiiü}jtt*t. neid, hmn und bosheit, das ist der 
asoni ! Aber dannocht setzet er lianiju h underschidiicheu bass, 
welchen ein mensch sunder neid tragen mag. Der ein hasset 
dises, der ein andei s, und mag auch biliicher weis ein mensch 
gehaßt werden, welcher sich alles gftten entzttbet unnd gAte iv 
leer unnd wamung verachtet. Item es ist uns auch von natur 
angeboren, das wir die schlangen hassen, dieweil ir got der 
ainiechtig den flöcb geben Imtt; und wer auch gar j^'üt, wann 
wir die neidische schlangen . verstaud den teiitel . so uns in 
allen trübsal bracht hatt, recht hasseten, so da.s wir auch «eine Ii 
werck, zä denen er uns tugiich aufüri, lieasen taren. Da will 
es aber nit hin. Wir hassend in mit mund unnd widersagen im 
in der tauff , aber leider gond wir allen tag auff seinem weg 
und geschefften. Gott geb genad, das wir uns davon ab- 
wenden ! 80 

Weiter von dem hass, so sehen wir, ein thier hasset das 
[4*^''] ander, üb sie sjcliuii gleicliwul eines ;^c.sL'lil('< lits sind. So 
hiibbciul wir auch das thier, so dem mensclien schaden züiügt, 
als nämlich lewen. baicn. wolff, luchss, ratten und meüs. Das 
kumbt der merertheil aus der forcht, dieweil wir die anderen 2& 
wilden thier, als hirschen, reher, schwein, füchs und ander ge- 
wild nit hassen, wiewol man in auch von nutz wegen nach- 
stelt, so erwachßt doch der hai zfl den obgemelten thieren 
ans der forcht, dieweil wir wissen, das sie dem menschen ge- 
i'erlit li sind und nach dem leben stellen. Also sind auch nit ao 
wenig uuder den wilden thieren einander allein von wegen der 
lorcht und schrecken liassen, als nemlich der lew den hauen 
von seiner starcken stinun wocren hasset und t'6rchtet, der ele- 
fsnt die schwein von ires rühelens wegen unnd andre mehr. 

Der neid aber, * wo er mit zom und haß vermischt wttrt, «5 
ist kein bestia so schetttzlich noch gifftig, so disem an gifft 
und bosheit mag gleichen^ dieweil kein thier so bös nimmer 
l'unden würt, das dem menschen mehr begert zil verletzen dann 



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220 



Georg Wickram, 



sein leben, wiewol das bus goiiü^, thüt das aber ulloin von 
wegen seiner narung. Der neid aber understeht unnd bringt 
auch manig mensch nit allein nmb sein leben, sunder umb 
gliiniiif unnd ehr darzd. Der da neidischer art ist, hat yü 

ö mehr neid zü den «Gilten dann zu den bo.son «gleich den bren- 
n^'n<^'ll \v«'s]M'ii: so mehr süsser rin<l hesser die iVuclit ist, s«) 
elie sie die durchstichet und entliehen /n d< >n »'ii ni:u liet. Die 
spinn sitzt auch uff kein kraut, so von nutur gitttig und schäd- 
lich ist. 

10 Jetzund so wend wir ersehen, was doch ttlr schöner frücht 
aus dem neid erwachsen. Dieweil aber die history von Kain 
und Abel zAvor heschriben, wend wirs hie underlassen und ein 
ander vorhands nemen. [47"] 



Wie der g&t i'rum Joseph aus neid von seinen brü- 
13 dem in Egypten verkaufft würt. 

Das 24. capitel. 

Wir lesen Genesis am 82., wie der göt fmm Jacob jetz- 
und in dem hind Canaan. in wekdiem sein vutler Isaac ein 
fremdliuif gewesen was. wonet. Er het '/w«>lf' sim , aber sie 

•j'j waren niolit von einer müter: dann dacoh het zwev weiher, 
nämlich Jjea und Uahel. Es het aber Jacob sein weih Kahei 
>-il lieher dann die Lea, ihr scliwester; das macht, Habel was 
schön. Gott aber ersähe, das Lea unwerdt von Jacob ge- 
halten und ihr ire Schwester fürgesetzt was; darumb macht 
^ott die Rahel gantz unfruchtbar, dargegen die Lea fruchtbar. 
Dann sie j?ebar im vier s&n einander nach, nämlich Ruheri. 
Simeon, Levi und .Inda. Sollichs hekrnnuuit die gilt Kaurl 
gar s»*lir. lutl't ott't zürn herren, <]aiiiit er sie auch tVuciithar 
machen solt. Also erhört der herr ihr eml)sigs gebett, mmd 

soKahel ward schwanger und gebar den Joseph, von welchem 
dise histori sagt. 

Nftn hett Rahel ein magt mit nammen Bilha, die erlaubt 
sie irem mann Jacob, bey ihr zft schlaffen, ehe dann sie den 
Joseph empfieng; dann sie meinet nit, das sie in ewiger zeit 



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Hauptlaster, cap. 2S^24. 



221 



kinder geberen würd. Dies«lbig magt Bilha gebar Jacob einen 
sfln, den nant Babel mit seinem nammen Dan. Demnach vard 
sie wider schwanger und gebar im den anderen sün, den hies 
Rahel mit seinem nammen Naphtali. Als nCin Lea des ein 

V( i'<lniL"2 | t7"| gewann, «las ihrer Schwester niagt sovil kiiidtT 5 
^'^t'l>ar. iiam df rhallx'ii ii>' niaj^t Silj)a und gab sie auch irem 
manu, bej iiir zu schiatlen; dann sie meinet, sie hett schon 
auffgehort zü geberen. Also empfieng Süpa YOn dem 'Jacob 
mid gebar im den Gad und demnach den Asser. Darnach 
empfieng Lea wider von dem Jacob iren fünfften sAn mit 10 
nammen Isaschar und zQletst den Sebtilon. Aber nach disen 
sechs sflnen gebar sie im auch ein tochter, die hies sie Dina. 
Da gedacht der herr auch an die gilt Rahel, wie ob^n ge- 
nielt, das sie auch einen sCiii gebar, den nant si*> .b»s*'pli. Und 
als sie im (dem JucobJ den Joseph geboren, begert er an sei- u 
nen schweher, das er in einmal von im weit ziehen lassen, 
dann seine versprochnen jar werend jetzund schon verschinen. 
Als er aber mit seinem gfiten willen nit von im kämmen 
mocht, machet er mit seinen weibem ein heimlichen packte 
sagt in auch an, wie im der herr befolhen hett wider in seiner £0 
vätter land zü seiner freundtscliafft zu ziilien. Also sind sie 
mit hab und gut, knecht und nn gten darvong^v.ogen, und ist 
des sein schweinr erst am dritten tag iimen worden. 

Da ist Laban ser zornig gewesen, hat zu im genummen 
seine br&der und seinen tochtermann, auffs schnellist nach-% 
geejlet, hat den in siben tagen ereylt auff dem berg Gileat. 
Seine raach aber, so er im sinn gehabt, hat Gott fürkummen 
und des nachts im träum zü Laban geredt« er solt sich h&ten 
und gar nichts unfreundtlichs mit .Jacob fümeramen. Jacob 
aber rhöet an dem ort und liat yetzund schon seine zelten 30 
oder hütten aullg» schhij^rej). Also schlüg Laban nnd seine 
bruder ire hütten auch autt , meinetten sich des anderen tags 
an dem Jacob und sei-[4B*]nem wenigen volck zü rechnen. 
Das gesiebt aber, davon oben gesagt, macht den Laban und 
sein Tolck, des er vil bej im hett, wendig'); dann es trawetss 

1) Beiahe JoMphum von alten geschiebten 27> 



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222 



Georg Wickram, 



im gott, wo er Jacob mit seinem Tolck Uberfiel und mider- 
stttnd zA schlagen, wfird im gewiß hilff zdknmmen. 

Als es nün tag worden, hat Laban den Jacob beschickt 

und in wol etwas mit rauhen Worten anirofaren. iimb das er 

h SO lioimlich und stillschweigeiul von im cfoflolicn und nifc Ur- 
laub ^emimnifn. darzü im *^oinp sfottpr hipiiwf L^Lictrut. Dise*: 
alles hat .lacoh anffs ghnipflichest veraiit wort» t . auch seinen 
vollen gewalt geben, seine götzen zA söchen; denn im was 
verborgen, das Habel die mit ir hinweggefttrt hett. Darumb 

10 sagt Jacob: *Bey welchem sie ander uns fnnden werden, der 
soll des todies sterben.* Dises alles hatt Rahel geh5rt und 
von stund an die fetzen genummen. nnder die Settel der käme! 
verborgen uiiin! mit stro bedecket, hatt sicli darantf gesetzt. 
Als nun L:i)):in andere lifitten ersuebet bett; kam er aucb in 

V) die bütten luiliel, ersOcbt alle ding. Als er aber zö ir kanib, 
sagt sie; *Ach mein borr vatter, zilme nicbt nher micbl Dann 
icb kann meiner blodigkeit halb nicht antt'stohn/ Also fand 
Laban seine gdtzeu nicht. Zületst machet Laban und Jacob 
einen bundt mit einander, befestnetten in, und zog Laban dem* 

sonach wider heim. 

Also zog Jacob fHrbas unnd schicket botten und geschenck 
seinem brnder Ksaw , dann er forrbt sieb vor im. Aber die 
botten kamen wider mit den gesi lit iirken 7.f{ Jacob, sagten, 
wie ihm aein brüder mit vierbundert mannen entgegenkem. 

29 Da ward in erst grosse angst und forcbt lunbgeben, machet 
aus allem, das er bey im hatt, zwey hör imd bettet gantz 
[48**] emstlichen zü gott, ermanet ihn aller verheissungen, so 
er von ihm empfangen hett. Demnach ordnet er das vieh, 
so er seinem brAder schencken wolt, inn besundere hauffen 

80 und befalb seinen dieneren, die hauflen von einander zö siln- 
deren nml weit vor im har zil treiben, sagt ancb zü dem ersten: 
'Wann mein brüder dir eiit u 'jf('iikuml)t und fragt, wem dises 
viehe zügehor, so sag, wie ichs im als meinem herren zii 
einer scliencke unnd gaben zftsende; sag im auch, das ich 

8ö hernach kumb!' Dises befalh Jacob allen seinen' knechten, welche 
er den herden zflgeordnet hett. Also zugend sie mit dem ge- 
schenck vor ihm har. Jacob aber belib dieselbig nacht bey 
seinem beer, uiul in der nacht nam er seine zwey weiber und 



Hauptlaster, cap. 24. 



223 



die zwo mögt tiud 12 kinder, die eilff sOn und ein ioehter, 
die alle fftrt er durch das wasser über den f Art Jabok. Er 
bracht auch alles hindurch, was er hatt. In diser nacht hatt 
auch Jacob mit dem cn;^^( 1 jarerun^eii und ist sin seiner hnfft 

liiückend worden. Kr hatt auch endt riui^ seines namnienN •• 
von dem engel üherkiinnnen : dann er HH^tl *Du soit fürbas 
üit iner Jacob, sonder Israel haissen.' 

Als es nön tag ward, marhet sirli Jacob auff mit seinem 
gantzen hanffen und zohe fürbaß. Indes ersieht er seinen 
bnider von femifi gegen im ziehen mit einer grossen menge, lo 
Also ordnet Jacob seine mägdt mit iren kinden zd fordrist. 
demnach stellet er Lea mit iren simen, die Rahel aber unnd 
den Joseph stelt er zu hindrist. und er «^enjj^ mit seinem 
andren volck vor inen lier: dann er was noch in S'orj^en. Ksaw 
würd sich nit so freundtiich mit im halten. Darumb neyget l» 
er sich sibenmalen zur erden gegen seinem hrAder Esaw: dann 
Jacob be8or-[49*]get noch den neid, welchen Ssaw zft im ge- 
tragen umb des segens willen, so er von seinem vatter em- 
jd'angen het^). Esaw aber hett gantz keinen zom mehr, snn- 
der lieff seinem bröder entgej^en und fiel im umb den hals s» 
und kuüt in. fragt in aucli umb alle seino kindt r und weiber. 
Des alles berichtet ihn Jnco]>. Ah aber Esaw sich der schencke. 
so im entgegen kummeu was, wideret, notiget in Jacob, die 
von im zfi nemmen. 

Also zog Esaw widerumb gehn Seir und Jacob gehn Sn- 
chott, da bawet im Jacob ein hauß und machet seinem vieh 
hfitten und stell. Bald aber hernach zog Jacob gegen Salem 
zü der statt Sichern, daselbst rieht er sein l&ger an vor der 
statt. Sein thochti r Dina aber gantz fürwitzig bracht in auch 
mit irem spatzieren da hinweg; davon wirt haniaf h gesagt -'0 
werden. Jacob mit seinem gantzen hauÜen brach auff nach 
gottes befelch und zog gehn Bethel. Unnd zwischen Ephrat 
ein f» hlwegs gelag Uahel an kindswehen mid gebar gantz 
hartiglichen; dann sie mftst den hals darumb geben. Das 
kind aber belib lebendig und ward von seinem vatter Ben-s» 
jamin geheissen. 

* 

1) Genesis 27. 



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224 



Georg Wickram, 



Diß haben wir (larumb also anzeigt, damit man die zal 
der br&der Josephs wissen mog, auch von was mutern »ie ge- 
boren gewesen. Dann Josephs mfiter hat nit mehr dann dise 
zwen sun gehabt » nämlich den Joseph annd Benjamin. Als 

5 aber Rahel gestorben , hat Jacob den Joseph sonderlich lieb 
j^ehabt von \ve<;en seiner müter, oder hat es irott vileicht ans 
anderen nrsac ii<'u also schaffen nnd haben wolh ii. Jetz kiini- 
meud wir an ff den Joseph, wie es im mit seinen brüdeien 
ganijjen ist. [49'] 

10 Joseph was jetzund ein jüngling unib sibensehen jar und 
hüt seines vatters vihe. Er hielt sich den mehrer theü bei 
seinen stiefbruderen, den kinder Bilha und Silpa. Wann sich 
dann seine brüder unzimlich hielten, straffet sie Joseph dar^ 
unib, zei^i anch zu Zeiten solchs dem vatter selb an. So was 

15 ancli Joseph all»' seine briider in allem weit iilx'rt reffen. Er 
was ein »gerader schöner jUnglinjt( , eines iüriretlicljen unnd 
hohen Verstands, voller weißheit; darnnib in dann sein vatter 
vor all anderen seinen sünen liebet. Darzä hat er mancherley 
treum, so im des nachts erscheinen theten ; dieselbigen er als- 

so bald seinem vatter nnd zA Zeiten auch seinen brüdem zösampt 
der auslegung anzeigt. 

Zü einer zeit sendet in sein vatter mit den anderen bril- 
dern aus in die waitzonerml, die frücht einzusamlen. Danialen 
hff .Tosoph ein besunderr'ii träum und «gesiebt. Sobalü er nun 

25 auÜ'stund, saj;^ er seinen brädeni von dem träum, bei^ert von 
inen des gesichts bedentnng. Dann er sagt, im het ^otranmbt, 
yfie er ein waitzengarb z&sammengebunden und an ein ort ge- 
stelt, da weren ire eilff garben zA der seinen gelauffen, sich 
vor ir gebucket und angebettet, gleich wie die knecht pflegen 

so anzAbetten ire herren. Bald seine brnder di6 von im geh6rt, 
haben sie wol genierckt. das solcher träum nit ein kleine be- 
dentnng auff im haben werd, wiewol sie im ihr meinung gar 
nit anzeigt, haben aber von diser und ander ursach wegen 
heimlich gerhatschlagt, wodurch sie mochten di^ ttlrkimimen, 

So und sind im auch von tag zA tag je mehr nnd mehr hessiger 
worden. 

Aber gott, dem kein rhatschläg verborgen, verstund ire 
neidische anschlag am [oO*=Pl*] basten; darumb gäbe er 



Hauptlast er, cup. 24. 



225 



.Idscp]! jioch einen anclfion traiim und gcsiclit. Ofinn in bo- 
dauclit , wie das die sonn nnd der mon und oilÜ' stcrnon mit 
ilm herab auff die erden stigen und in anbettefcen, Dises ge- 
siebt hatt Joseph auch seinem vaier in bejsein der brüder 
angesagt, sieb gar keines argen zd inen verseben, begert aucb, b 
das im dises gesiebt ausgelegt würde. Der vatter batt still- 
schweigend grosse freud ab disem träum gehabt, auch inn 
seinem gem&t wol ermessen künden, was daraus werden wilrd, 
hat auch dem Josepli disen Uauai ansgelegt, dergesralt das 
es noch in künlVtii:;eni sicli dahin erstrecken würd, das im io 
(dem .Josepli) vatter, miHter und bruder dienen wUrdend, in 
auch fUr iren berren erkennen. Dann die sonn nnnd den mon 
bat er yatter nnd mfltter verglicben, die eütf stemen aber 
seinen andren br&deren, von de£ wegen das der mon alle ding 
wachsen macht, die sonn aber, das sie allen dingen form und li 
sfcerck gibt, die eil ff stemen aber den brudren, dieweil ir eilff 
an der zal waren und auch alle sternen ir kiallt von sona 
und raon empfangen. Dises was un^^elur die auslegung des 
Jacobs. Von solchen Worten aber sind die eilif bn'uler noch 
inn grosseren neid gegen dem Joseph enzflndot, aber gar keinsao 
wegs dergleichen gethon, damit er sich keins üblen zü in ver- 
sehe, nnnd haben im doch gar gr6slichen nach seinem leben 
getrachtet 

In disen dingen begab es sich, das sie mit iren schaaffen 
in Sichern faren theten, dieweil die waid für die lammer unnd 
srhaaff seer gut daselb?« was. Sic al)er liiilicn drni vatter sol- 
liilie.s nit oüenbart, damit er irenthulben traurig und angst- 
hafft werden solt. Also hatt der | 50' | vatter seinen si^u Jo- 
seph, der im der liebst was, zür herd geschickt, damit er er- 
kunde , ob all Sachen wol mit in stünde. Als nftn Joseph ao 
auff den weg kam, verirret er; dann seine briider waren nit 
mehr in Sichern auff der waid. Also kam er zft einem mann, 
der fragt in, weji er in der wühtiu süeliet. 'Meine In-iider,' 
sagt .Josejili, Miclx r, kanst du mir nichts von inen aTr/.ciLfcnV* 
Also sagt im der mann, wie sie von damien in Dothan ge-ai 
faren Averen. Also gieng der jttngling in Dothan und fand 
seine bruder. 

Wiclcnm Ut. 15 



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226 



Georg Wickraro, 



Von dem Deydischen auschlag der bräder Josephs. 

Das 25. capitel. 

Joseph mit grossem Tcrlangen suchet seine bruder, l>ii^ 
er sie von ferroin ersehen ward. Sie wurrlen auch sein gar 
»bald sichtig; bald hat in je einer dem andern gezeigt unnd 
gesagt: *Dort kumpt der trenmer. Kumpt eylens und lafit 
uns in erwQrgen!' Rnben aber, der älter sön Jacobs von der 
Lea geboren, als der solliehen (»rnst ersehen, ancli die /üsani- 
menrottuHg dw aii<lr< ii luiider vennerckt , also »las ni< li{s an- 

10 ders melir da zö gevvarteji was , dann das sie in gleich er- 
würgen und to(U schlagen wurden» hat er sie emstiich ver- 
manet, solch» übels nbzüstohn; dann es wer ein groÜt und 
frevel laster, auch ein allergr6ster grewel vor gott dem herren 
und vor den menschen ein bhUverwanten also j&merlich umb- 

lözdbringen; noch gransaraor aber wer es einen bröder also 
unverdienter saclion /.ii ermorden : dann wo dw vatfcer des 
hori» lit. wind er gewitUicli vor |51 | leid unib sein lelicn knin- 
nien. J>arzft ennanet er sie, das ein yeder hey im selb he- 
dencken und ermessen solt , wo einem ein kind so jamerlich 

SO und eines unzoitigen todts nmbknmmen solt, was knmmer und 
leid im sein hertz umbgeben wttrd. 

Als aber Kuben sähe sich gantzlich nmbsunst arbeiten, 
(dann sie allsampt einmStigklichen demias ftbcr in ergrimbt 
waren und begerten nichts mehr dann di n todt ires hruders) 

25 da sagt lJuben: 'A» h, folget doch nn'r nur an disem ort imd 
miltreud ein w(»nig ewen^i zoni, damii ir ewere hcnd nit so 
gar in ewers brud« rs bliU vermalgen! Dieweil aber mein für- 
nemen den knaben bey leben nit erhalten mag, so wollend 
mir in dem, so ich ftlrtragen wflrd, volg geben! Dann es nit 

ao so gantz grausam und unmenschlich geacht werden mag/ Ks 
hat aber die red Rüben etwas bey seinen brUderen verfangen, 
also das sie ztiletsten bewilligten nit band an in zu legen, er 
aber solt in seinen rliat er'dl'nen. sag! iiuben; 'Es ist 

von hinnen nit ser weit ein grüben , darin wend wir in ver- 

S» sencken und darinn sterl>en lassen.' Sie alle haben darein 
bewilliget und Huben gebetten, mit der sach tOrzüfaren. Als- 



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Hauptlaater, eap. 25^26. 



227 



bald hat Rüben den jfingling genunimen und gantz gewar- 
samlicb gebunden, damit er nit schaden an seinen ^lidern 

ompfieng, hat in also in ein dnukene grub oder cistcni dief 
Inenabgolasson. Demnach ist Ruhen liiensjangen , dem vich 
andere weid zil suchen; dann ^ieiii geduiuken waren gantz da- 5 
hien gewendet , wie er den jUnglüig wider ans dem cistem 
bringen und bey leben erhalten mocht Also fand Joseph 
under allen seinen br^dem nür den eintzigen brOder Kuben, 
welchem der neyd sein hertz nit g&niaslich Ter-[51^]bittert het. 

Hie mag man wol und fein abnemmen , was gifftigen to 
krauts umb den neyd seye. wo der wurtzlet, das er auch aus 
sovil briider lierfczen nit außzftjetten ist. Nu hatten .loseplis 
l>riider kein andere ursach zö im, das sie in aiso neydetten, 
aliein das sie im vergunten, das er solchen grossen ehren 
kummen solt; wiewol sie im das von gantzem hertzen ge- 15 
wünscht Sölten haben, darbey irer wolfart auch verhoffend, 
dieweil kein brAder an im selb so unthenr sein wttrd, wann 
er in sollichen hohen und herlichen stand keme, er wQrd seiner 
bruder und freund nit vergessen. Wie dann der giU fnmib 
Joseph illier hin<i; bew Isen hat, als seine briider im nnerkanten au 
den iuüi'al Iheten und korn von im zu kauften begerten. Da 
meinten sie nit, das er ein solchen grossen gewalt in Egypten 
haben solt; und den sie Tor langem todt schätzten, der ward 
erst ir nodthelffer; den, so sie erschlagen wolten, der halff 
irem vatter und mfiter, welb und kinden umb speis, damit sie 25 
ir leben mochten behalten. Sie verkaufffcen den göten Joseph 
nmb gelt; er aber thüt ihm w. it änderst, gibt in frnchfc und 
speis zu kaultVii. unnd so sie hainikununcii, liielcfi sie ir gelt 
wider inn iren seeken. Also kau goit mit seiner götlielien 
kralft noch auü' disen tag die seinen erhalten vor ireu l'eiiiden. au 

Joseph wiiit aus der cisteru gezogen und verkaufft. 

Das 26. capitel. 

|52''p) £s mäüt sich je nach goties Ordnung mit dem 

« 

1) Holzflchait.t 20 (kli in): .Tos<'iih wird von don hrflJfni aus der 
grabe gezogen; darüber steht die in»chritl: lOSJilPH. 

15* 



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228 



Georg Wicknun» 



gfttten Josepk volenden. Als er jetzund schon inn die grftben 
yeraenckt nnnd seine bruder sich gentzlich an im meinten ge- 
rochen haben, so kummen doiihar (vileicht aus anschickung 
gottcs) etliche arabisch kaufleut mit gar kostlichen waren, so 

5 sie in Syrien erkiiufl't und yetzund willens waren die in Egypk'n 
liiren und zö veikuutVen. l)ii's('ll)en ersieht Judu. der vicnl 
son Jacol)s ; der Iiut seinen brüderen geraten, sie sollen Joseph 
aus der grüben ziehen und den Midianitern z& kanffen geben. 
Dem haben sie seines rhats gefolget und iren brAder wider 

10 aus der grttben genummen unnd den Arabern umb zweintzig 
silberling verkaufft. Es hett aber Jacob seinem son ein ge- 
teilten rock von vilen färben gemacht; denselbigen haben sie 
im ausgezogen, als sie in inn die grüben gesenckt haben. 

luilx'ii a])«*r, als es naeht worden, ist er zu der grflben 

16 kumnien guter hoffnung, Joseph zö finden unnd im haraus- 
zühelffen. Als er ihm aber zil vilmalen rätfet und im Joseph 
nit geantwort hatt, ist im gleich der neid und hass seiner 
bruder fürgefallen, hatt auch nichts anders mer gedacht, dann 
sie haben in erwürgett, hatt also hertz-f52'']lichen angefangen 

»zft wainen und ist zA seinen bnidern gangen und gesagt, wie 
sie doch also iiuverschult iren brüder erwürget haben ; er hatt 
sie auch fast «laruni ^es* holten. Bald hnben sie ihm alle snvh 
erzalt, wie die ergangen scy; also batt itubeu auti'gehort zü 
wainen. 

Demnach habend sie angefangen zü bedencken, durch was 
mittel sie doch den alten iren vatter stillen wolten von des 
knaben wegen. ZAletst haben sie inn gmein under einander 
beschlos-sen und abgeredt, sie wolten den schonen i^^etailten 

rock neininen, weh lu r Josi ph^ t;* u rsen, denselbigen zerreissen 
30 und iiiit eines uiubne]»! a< liini ]»<)c lves blüt benmsgen, dem vatter 
den rock also blutig überantworten, damit er gedencken solt, 
J<>s< ph wer durch die wilden IVeysammen thier zerrissen unnd 
umbkummen. Disem ii'en bedrugiichen anschlag sind sie gantz 
ejlend nachkummen, dem gdten fruramen alten vatter, der 
95 dann zAvor seins liebsten sons halben in gronsen sorgen stund, 
dieweil er so lang über die bestimbt zeit ausbeliben, den rock 
zü haus bracht. 

AU er aber nach seinem süu fragt und im kein ander 



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HauptloBter, cap. 26 -27. 



99Q ^ 



antwort von in allen geben ward, dann das sie sa<,'tt n, sie 
hellen den Jiiseph nit gesellen, allein wer diser rock also mit 
blüt l)omasg('t von in t"inii]»'ii woidon, da ist dem Jacob alle 
hoffnung empfallen; dann er zuvor noch in einer zweiü'elbaff- 
tigen hoffnung gestanden ist und gedacht, sein son mocht» 
etwan von den raubem hingefürt worden und aber dan- 
nocbt noch bey leben sein. Als er nAn jetzund solche Wort- 
zeichen gehört, hat er sich niergend mit w611en tristen lassen 
und sich von dem Hecht abgesflndert, im finsteni sein leid in 
einem anzosfnen sack geklagt und seinen siln nit [53*J änderst lO 
bewemet, dann het er nit mer daiui ein miii g(*iiel)t 

Da sind erst die bruder in sich selb gangen und die wort 
Kuben bedacht, so er mit in vor verkauffung des jttnglings 
geiedt hat; dann sie sorgten gar sehr, der vatter wOrd vor 
grossem j&merlichen klagen auch sein leben enden. Das was lo 
yetzund der erst danck, welchen sie aberkamen von w egen des 
getragenen neyds gegen irem brüder. Es was sie yetzund 
schon gorewen , aber hit-nwiilcr kiMidten sie uit bringen; 
und den sie mit verbittertem nevd imd hass vermeint betten 
in ewige dienstbarkeit und knechtschairt zü bringen, den für- 20 
derten sie z6 den allerhöchsten und grdsten ehren. Also ge- 
schichts noch manchem neydler, so einem ein grflben dilbt,^ 
und ist er der erst, so hienelnfalt. Joseph wttrt in Egypten 
verkaufft, mAs wol ein Zeitlang etwas bitter nussen krachen; 
aber bald darauf? wilrt er ein mechtiger tilrst in Egyj)ten. so 35 
das Hieb auch seine brfider alle vor im bii< k< ii müssen. Und 
wie wol er sich umb djis übel , so im von inen hegegnet war, 
wol het mögen rechen, so lies er sie gar nichts entgelten. 
Das macht, das im kein neid noch hass nie in sein hertz gegen 
ihn kummen war. Er latat sie wol ein Zeitlang am kreutzw 
hangen; bald er aber meinet, des schimpffs sey genAg, gibt 
er sich inen zA erkennen, scheucht in gaben und ftilt in ihr 
Seck mit getreyd, schickt sie heim nach seinem gantzen ge- 
tichlecht; die kummen mit grossen iVeuden zd im. 

Ein ander exempel von dem kuiiig Sani und demsä 
David, wie im Saul so neydig gewesen. 



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230 



Üeorg Wiokrum, 



Das 27. capik'l. 
[SS**] Wer wult sich doch nit utiffn liuchst verwunderen« 

waiiii er l)Ocli'iclit ikii überschwenckliclieii «^nisseii ncvd des 
k«>iii«( Sjiuls, welcht'ii ijantz imvorsclnsMi zu (l» ni irntou 

a IVuimnt'n Diivid getraj^on, der doch biliicher eines aiidereu iohus 
8oU wertig gewesen seiul 

Dann als Saul von dem teufel besessen ward und so 
schwerlich angefochten, dos auch alle kunsigelerten doctores 
und artzet an im verzagten und im gar kein andren rhat noch 

w hilff anzeiji^n, dann das er im solt schawen umb einen kttnst- 
litlun harpffenschlager und senger, so im zü seinen haiipten 
Niiiiule, und >ol.)uld der tenirl kern, das er auft' der liarj-lfon 
unfaheu solt zü spielen und darein zö .singen , so nniüt der 
teufel von stund an von im binweielien. Das hat Saul mit 

lo frenden angenummen nnd eylends befolhen, das man im nach 
einem solchen geschickten mann umbschawen und sehen solt 
Also ist im von seiner diener einem der sän Jesse mit 
uammen David angezeigt worden ; sagt im dabey ^ wie er ein 
scboner jdngling wer, darzft in ainlci.a dingen nur ge&bt, 

2() desbalben er gar wul wirdig wer. unib unnd bey den» kunig 
zö wohnen; sodann were er aueb mit der bai jdlen und im ge- 
sang andre hoch übertreffen. Also bat Saul eyleuds betblben 
den sftn Jesse zü berüü'en. Als nün die gosanten zA dem 
Jesse knmmen sind nnd im des konigs befelch anzeigt, hatt 

& er seinen sdn vom viehe beruffen lassen und im etlich ge- 
schenck geben, welche er dem k^nig Saul bringen solt. 

Bald er nun zft dem konig knmmen. hat er sich <vui hoch 
erfrewet, gleich daraull den David zfi «einem MaftVnfrager ge- 
machet und mit vilen gfiteren vereinet; dann Öuui iiat groiwe 

»Ireud L54*=<)rl ab ihm. Lnsuuderheit wann in der teuffei 
vexieret unnd in anfiel, so was David zAgegen mit seiner 
harpffen unnd spielet darauff, sang auch seine lieder darein. 
Alsbald verlies die anfechtung und der tenffel den k6nig. Also 
hatt Saul zfim Jesse, des Jünglings vatter, gesandt und begert, 

ao das er im den Jüngling lassen wolt. Als aber Jesse dem kunig 
seins begerens mit fngfMi nit abschlagen kund, hatt er darin 
bewilliget unnd seinen mn David an des konigs hoÜ bcleibeu 
lassen, dieweü der kouig ein gefallens an im hett 



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HanpUtMter, cap. 27—28. 



231 



Wie David eiotziger person wider den risen Goliath 
streit, in überwindt, sein haupt abschlecht und das 

dem kuiiig Saul überautwort. 

Das -Ö. ciijjiiel 

Guit der almecliiiij:, welcher die »einen zft aller ntiind inn 9 
seinem sclmtz und scliirin lialtei, ist ;im Ii mit cliseui David 
rrewes( n ; und damit er j^ros bey dou menschen gesiclieu vviud, 
ücliicket got die saclien also. 

Dieweil David noch bey dem könig Saul war, haben sich 
die Palestiner mit einem ^'rausamen grossen haer [rjl' | iiffge- w 
macht, wider gantz Israel zu streiten, haben ihr Uiger ge- 
schlagen zwischen Socho und Äseka. Also isi Saul zum andren 
mal wider sie auszogen und die Pulestincr aus irem ersten 
hi»^er vertrib(n; hat also ein berg, so zwischen in war, die 
beiden hsier von einander geteilt. 10 

Es ist aber ein nnm sehr grosser ienge, nämlich sechs 
elbogen und einer spanneu lang, aus der Pulestiner liiger her- 
abgangen; der was auch mit waffen, haniasch mid wehr seiner 
grosse nach gantz gwaltig gerOstet. Sein nam was Goliath, 
aus Qeth der statt erboren. Uff semem haupt trflg er einen ^ 
ehren heim *) ; sein pantzer was sch&pecht unnd wag fünff- 
tausent seckel ertz, (liriii bauchharnisch bewarteu im seine 
schein kel, m was sein siliilt auch von ehr gegossen, densel- 
bigeu trüg or ull seinen schulteren. Er tnli; auch einen s^.ics, 
des grösse vergleicht sich einem webeibaum; so wag auch 2i 
das ejsen daran sechshundert seckel am gewicht So gienge 
sein schilttreger vor ihm har^). 

Biser Philister slalt sich gegen dem haer der Uebreer, 
mit grossem goschrey zü ihn rüffende: 'Jetsund wil ich euch 
des Streits freysagen. Dann warfiir ists nutz, das wir alle gar 30 
einander verwüst» n 1 Thxmd im also! Erwelet einen aus euch, 
der mit gewerter band zö mir hardret unnd mit mir streit, 
damit der sig nit in viler, sonder inn eines mannes band stand! 

« 

1) Holzschnitt 21 (klein): David kämpft mit Goliath. 

2) Im erst<jn biV'h Samuelis um 17. capitol. 

3) Josephas von den alten ge^chichUiu am 11. capitel. 



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232 



Georg Wicknun» 



Und so einer dem andren angesiget, solle im der ander ihail 
dienen und des streits gantss fiberwunden sein. Dann vil besser 
ist durch eins mannes gefahr den sig erlangen, dann das vil 
darob verderben und zö gnuidt gangen/ Nach semlicbem 

ö tlut/, mt er wider in sein zeit gangen. Des andren tags aber 
\at er \\i|r>5'Jder kuiumeii und das mit grossem spott und 
lion gleich wie vormals ausgeschiaweu, durzü versclimecUt er 
gaiitz Israel. 

Darab erscbrack Sani sampt allem volck. Nifc desiweni- 
10 ger ordnet er alles volck inn ein Ordnung, als wann sie den 
feinden yetz under äugen ziehen unnd angreilFen wolten, wie- 
wol es zfi keiner schlacht kam. Sau! aber het den David 

wider heim zö seinem vater gesandt, damit er im in seinem 
alter unicht zfi liilff kiininicn. (ricwcil sunst drei siln Jessc Itey 

l.j Saul im hj'ier waren mit namnicii Eliab, Abinudab und Samnia. 
Noch hett Jesse vier sün und den David, also da*i seijier sonen 
acht waren an der zal. Und David was yetzimd wider hin- 
gangen, des viehes zük h&teii. Sein vatier aber hett in gleich 
zA der zeit in der Hebreer läger zA seinen brudem gesandt, 

20 damit er in irs leibs narung solt bringen, nämlich etlich sanglat 
und zehen brodt sampt zehen frischer kas, die solt er dem 
hati]it!nan bringen und seine bruder bcsuthen, auch eben er- 
kuudigt'ii, was sie lebten. 

Als nün David ins liiger kunimen ist, hatt er erstlich 

2'. seins vatters befelch ausgericht. In dem ist der stoltz Phi- 
lister aber dahergangen imd gantz Israel geschmehet. Davon 
ist David in seinem gemüt erbittert unnd sagt daruff zft semen 
bHidem, er wer guntzlich willens mit diseni hochmutigen 
mann zA streiten. Als aber Eliab, sein ältester brAder, solche 

30 wort von im gehört hat, ist er unwirs über David worden und 
in seiner vermessciiliait gesirafVt : dann vv uieint, David wer 
der Sachen noch zi^ kiiKÜsch iiiin'l uniiei-t'ureii ; sagt im dabey, 
er solt wider haiin ziim vutter kercu und der schaafi' hätten. 
David seinen bnulern wilfarend ist hingegangen. [55"j Als 

8» er aber hört und sähe, das yederman ein entsitzens ab disem 
Philistiner gehabt unnd ye einer zAm andren gesagt'): *Lie- 

1) Bibel. 



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HaapUdtfier, cap. 28. 



233 



ber, hast du auch dben man gesehen ? Welcher disen schlecht 
und umbringt, dem will der könig sein reich vennaclu'n und 
im sein tochter geben und wil im aiu h beiiies vuttors linus 
frey machen inn Israel.' Du fragt David noch eigcntiic lau- 
binach, was man dem geben wttrd, der disen unbeschnitnen 5 
Philister umbrecht, unnd sagt : *\Ver ist doch diaer Philister, 
der das gants h&er des herren iestert ?' Da sagt im das kriegs* 
Tolck alle sach wie vor. Also zeigt David dem volck an*), 
wie das er nÖn entlich ftlrgenummen hett, mit dem ausbieten- 
den Philister zft kempfen. Die haben solche red eylentH fOr lo 
den konig bracht. Bald liatt Saul den jUngliiig bescliicket 
umid im befolhen, sein auliirt n fflrzötragen. 

Da hatt David zum koniLf gesaget: '0 k6nig, dein hertz 
soll unerschrocken sein unnd dir gar nicht iorchten. Ich will 
die ttberschwencklich hochfart dises unaers feinds durch den lo 
kampff zfi nicht machen und den hochtrabenden under mich 
werffen, damit er zft schänden kam unnd dein h&er herlich 
erfunden werd. Du wirst auch sehen, das diser, welchen kein 
kriegsmaii angreiften wil. von einem uneiiaracn überwunden 
und züm todt getürdret werden soll." Als nun t5uul den jün«^- 20 
ling so trostlich reden hört, hat er sich nit wenig ab seiner 
Ireudigkeit verwunderet, hatt sich aber seiner jugendt und als 
eines unerfarnen kriegsman entsessen, ihm auch das zA ver- 
stöhn geben. David aber sagt: *0 konig, du solt ab meiner 
jugent kein abscheuhens haben; dann ich mein hoffnung gantzs 
in den herren gott gesetzt hab, | 56* | des hilff und beistand 
ich iiucli crl'aren. Nim war I Ah ich meines vattei*s schaall" 
hütet und mir ein Icw meiner schäflein eines hatt erwiseht, 
hab ich autf in geeylet, in ergriff'en und im das lamb wider 
mit gewalt aus seinen y,v\\ou gerissen. Als mich aber der lew :)o 
auch anfallen wolt, bab icli in bey seinem schwantz erwischt') 
und auff die erden zerschmettert und gentzlich umbbracht. 
Also auch einen bäm, so mir dergleichen thftn wolt, hab ich 
auch zft todt geschlagen. Darumb, o k5nig, las ich mir disen 

* 

1) JoBCphus. 

2) Eine hf^rliehp that von einem jungen. 

3) Die Bibel sagt: bey seinem hart, Josephus aber aUo. 



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234 



Georg Wickrani, 



PhilLsler nit änderst sein dann diser iliier eins. Er hat lang 
unser liäer gelestert tind uusem gott geschuieclit : der würt 
mir ibn auch underwerffen/ 

Saul al>er ^ott hertzlichen anruffend, dus er dem jünj^'liu}^ 

ö in >('inoni voilialu ii jjnad und krafft verlihe, wupiiet ihn in 
«»^iü eyffeii pantzer und unibgrut in mit seinem scliwert, sat/i 
iui auch ein helmlin aulf sein liaupfc und schicket in hin iui 
nanimcn des lierren. David aber was diser waffen «rantz un» 
geübt, darzA beschwerten sie in fast. Darumb sagt er: ''0 

10 könig, dise Waffen und Zierden gezimmen dir vil bas dann mir 
anzAtragen und darinn zA streiten. Ich bit aber, wollest mir 
verj^lnnen, meines j»efallens mit disem Philister zu kempffen.* 
Alshahl leirt David alle ix<'\valir von im iiiitl hatt sein jieübien 
liiiteiistali zu liarulcn gfiiuumicn . sriiu' liirtcutaschen au hals 

lö gehoiickt, darin hat er tUnÖ" kiüiiiigstein aus dem bach «;e- 
uumnien und die schlencker in seine r^ rhie handt, drat mit 
gantz frolicheni angesicht gegen dem Philister. 

Als aber Goliath den David ersehen mit solicher unacht- 
sammer rüstnng unnd wehr ge<^en im kummeu, sagt er zA im : 

80'Wafnr hastu mich angeschen, das du mit einem |5()''] stecken 
zfl mir kumniest? Achtest du niidi dann für einen huudt?'') 
Er verachtet auch den David von wegen seiner jugent; dann 
er was ein knab brunlecht und schon. Er iMchet ihm bey 
seinem gott inmd sagt zü im: *Kum harl Dann ich wil dein 

25 fleisch geben den Voglen, so under dem himmel fliegen, und 
den thieren auff dem fald.' David aber sprach zA dem Phi- 
lister: *Du knmbst zA mir mit scliwert, spies unnd schilt ; ich 
aber kum zA dir in dem nammen des herren Zebaoth, des 
gottes des zeügs Israel, die du verachtet und mit s( Innach- 
wurlen angesproclien hast. Heut ull' disen tag würt dicli der 
lierr in meine handt geben*); dann auff heut wollen wir dir 
dein liaiipt abschlagen unnd den andren Üieil den künden (dir 
gleich) türwertt'en, und sol mentgklich wissen, das gott ein 
vertretter ist der Hebreer unnd ist alweg unser sterck und ge- 

dowor. Dann alles hncr und alle andere rüstung ohn beistand 
gottes vergeliens ist.' 



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Uaoptlaster, cup. 28. 



235 



■ 

Der Philister aber ttbcrladcn niit den waffen gar uit lauf- 

fen mocht, i»t derbalben al^emechliclien zft David j?an<(cn, ilin 
verachtet und ntzlidien vermeint, den nackenden jUnglin<jf 
on arUeit uiiib/übringen. Ks int im aber der jünglin^ mit 
^ut, seiiieiii lielffer, welcheu der iVind nit salje, entgegeukiuu- 5 
luen, und bait David von seiner iattcben einen atain ^enum- 
men, welchen er vom bach genommen bat, den mit seiner 
schlencker geworffen und eylends den Goliath an seine stimen 
getroffen, das im der stein gleich ins him gongen ist, also 
das ihm «ü^leich der schedel zerbrach und er für sich auffs erd* lo 
reicli nider viel*). Bald ist David aull' in gestanden; und als 
David kein ^ihwrrt iiui stMiur luuid bett, lieft* uiiiid v.n'^ 
dem [')7*] Pbilister ?>ein sciiwert aus der scbcideu und hieb 
im den kopti' daruiit ab. 

Als nAn die Pbilistinor irrsdien, das ir sterckister umb- 
kummcn war, band sie die tiucht genommen. Unnd die men- 
ner Israel und Juda machten sich auff und jagten ihn mit 
grossem geschrej nach bis ins thal, das man kumbt gohn 
Kkron; und sind der Pbilistuier bey dreissi.iitausent und)- 
kunimen und «elir vil vcrwimt wordf ii. Als aber Saul mit ao 
dem luu r wider imibkert, bat er der l'bilistiner Isiger geplün- 
dert und verbrent. Das baupt des Goliath hat David inn sein 
eygen zeit tragen unnd das glen gott auttgeoptterct. Es haben 
aber die junckfraweu und die weiber neid und hass gegen 
dem David erwecket; dann sie dem haer mit zimbaln undsa 
baucken entgegenzugen , und sungen die weyber: ^Saul hatt 
vil tausent erwl\rgt'; die junckfrawen aber sungen: *David hat 
vil zelientau.^end er.sclilagen.' 

Als Saul seniliebs gehurt, das im an d< r zal tnusent zu- 
geeignet und aber dem David zehentausent, liatt w ^^edacht, :» 
das im auff semlichs manigfoltigs lob nit änderst dann das 
konigreich manglen würd, hat also von stund an angefangen 
einen argwöhn auff den David zA gewinnen, hatt ihn auch 
nicht bey seinem vorigen ambt (als seinen waffentreger) be- 
leiben lassen^ damit, so er nit nahend umb in wer, er ihn dest 
minder mocht umbbringen. Er aber macht ihn zü einem 

• 

1) Bibel 2) Josepbus. 



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236 



Georg Wickram, 



liaupiman Ober tauseni Imecht, dumii er ein uraach hett inn 
gireit zfi tichickon und er dest ehe erschlagen wUrd. David 
aber hett gott zö einem wegfurer, ist allenthalben seinen fein- 
den obgelegen. Maninil) das volck sehr grossen last /ü im 

ö gowuaneii hnit; auch liutl des konigs t<x ht(M- fr>7''] aus liei)e 
sein begert, sich auch gegen nienigklichen der ding hören 
lassen I damit ir begird zum David dem vatter dest ehe fttr- 
kummen möcht. 

Als nün Saul der sach yetzund bericht worden, hat er 

10 im gedacht, yetzund am fuglichsten Ursachen zfi haben, dirn 
David zA t&dten, hat im auch gantzlieh fOrgenummen, im sein 
to( liier zu geben, sagt auch denen, so im das aiigt zciL'^t betten, 
die sach giintzlicli zu, dua ti im sein tochter zürn wt ih geben 
woU, wo er im sechshundert Inuibter, so ur den leinden ab- 

16 geschlagen, Uberantwurten würd. Als aber David ein solliche 
gar herliche anmütung vemummen, hat er im guntzlichen t'ilr- 
gesetzt, des kÖnigs anmütung nachzükummen, damit im des 
konigs tochter zfim weih vermehlet wflrd. Die meiniing aber, 
so der könig vor im hat, was gar anders gesinnet, dieweil er 

20 vermeint , wo sich David der dingen under/iehen , wllrdc im 
die sach nit miiglich zu volnbringen sein: dann wo er under- 
stllnd seohshmidert feind hau!)!» r zu iilu rkunmieu . würdo vv 
darol) zu grimd müssen gohn. Darumb lies er gleich den 
willen David erforschen, wes er doch gegen seiner tochter ge- 

20 sinnet wer. 

Als nön soUichs an in gelaugt ward, hat er den gesan- 
ten zft antwort geben: ^Lieben freund, achtend ihr far ein 
klein ding, des k6nigs tochtermann zfi werden, dieweil ich 

iiiii geringer gloii und ehr geziert binn?' Dise wort sind bald 

yo liii' den konig kummen. Der hat dem David wider sagen 

liisist'u: 'Ich bedarft* keiner reichtumb noch grosser ehren, 

allein süch ich meiner tochter einen mau, so mit sterck und 

anderer tugend begabt ist, welche dann gantz fQrtreffeniich 

an dir erscheinet, begere auch kein heurath, so er ans seines 

Sövatters [BS^sRl*] haus mit ihm bringen solt. Allein beger 

ich zA räch der feind sechshundert^) Palestinerheupter. Dises 

• 

1) Wir fnidon in der bibel nit mcr dann hundert vorbeut, aber 
hn Josepho 600 heupter. 



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Hauptlftster, eap. 28—29. 



237 



soll mir die ftlrnemist und manbaffÜgiBt gab sein; so wtlrt 
das auch meiner tochter ein grossere ehr sein, so sie einem 
solchen man, der den mg dennassen hezilget, vermahelt wnrt.' 

D;i (Ilse dm^f dvm David angesagt worden siiul, hat er 
f^ith nit lang zii bedfiickcn p^envimiiicn . siiiider den necli(^ten o 
mit seinen gesellen die ieiiid anzogen ; so was im aus güt- 
lichem beistand alle ding gantz leichtlich zä thän. Als er 
ndn den feinden angesiget hett und deren gar viel erwQrget^ 
hatt er sechshundert Philistiner kdpff abgeschlagen und dem 
kfinig die Überantwortet. Da hatt Saul Ton schäm wegen dem lo 
David m&ssen glauben halten, dieweil in unbillich daucht, das 
er als ein konig liegen solt; hatt ihm alsbald sein tochter 
Michol der ehe geben. 

Wie der könig Saul noch grösseren neid zöni David 
tragen und im hart nach seinem leben statt. 15 

Das 29. capitel. 

Von wegen der manlichen thaten nnnd herlichen sigs, so 
got dem David gegen seinen fciiKU'ii verlilion lictt, vermeinet 
er, als anch })ilHclien irewesrn werc. es solt seinen gunst ^ejjron 
dem konig grösser gemacht haben. Er aber ward im ye ienger 20 
ye neidiger, wiewol das David gantz verborgen war. Dann 
der kdnig het in yetamnd schon bevolhen umbztlbringen. Den 
befelch aber hatt er seinem söhn Jonathe geben mit [58"] 
sampt anderen seiner diener. Jonathas aber, welcher dem 
David gt^nstig als seinem bieder was, derselbi^ in gantss treu- 25 
liehen warnet, sagt im des koiiigs, seines vaiters. entlieh be- 
felch und fUrnemnieii und hies in ein Zeitlang ab dem weg 
gohn ; derweil wolt er seinen vatter understohn zu begütigen, 
ihn auch underston von seinem strengen fürnemen abzuwen- 
den. Also verbarg sich David, bis im Jonathas wider riethao 
herfürzfigon. 

Der zeit hatt Jonathas füglich weg und stund ausgetret- 
ten, in deren er mit seinem vatter von wegen Davids geredt 

hat, in vilerley ermanet, nämlich das er bedencken wolt den 
grossen nutz und freundtschaÜt, so im durch den David be-jü 



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238 



Georg Wickram, 



gegnet, auch was grossen glttcks im durch disen David wi- 
derfahren: erstlichen hette er im aus der grossen trubsall ge- 
holifen, den teuffei durch klang seiner faarpffen von ihm ver* 
triben, so hette er auch den hochmütigen Philistiner, so dem 

«janty.en haer <h'utz f^obotton, überwiindon; item vv hot im 
Si t lishmidort Plnlistinor baiptor übenintwort, zü dem weic er 
ftiR-h seiner tochter man ; scdt bedencken, wiiJi grossen janters 
seiiK-r tochter zftstohn würde, wo sie also In n liebsten ge- 
maliel unverschulter sach verlieren solt. Mit disen and der- 

10 gleichen Worten hatt der son sein vatter beg&tigefc, also das 
er seinen neid etwas gcmütert hat und den David gleich ftlr 
sich zfi klimmen verschaffet. Also giong David bey dem k6nig 
aus imd ein wie vornialt ii. 

In iliser zeit sind ilic IMiilistiii'-r züiii aiulren mal wider 

Ii, Israel aiiszdgen. i>a bat Saiil den David mit einen» luier wi- 
der die feind ausgesandt. Also batt David den feind bald 
angriffen und den sig behalten, den feind inn die [r)!)"] flucht 
gejaget, ist demnach wider zum konig kummen in hoffnung, 
freuntlichen von im empfangen werden. Der k5nig aber ab 

20 seinem glück nnd sig noch mer nnrafitiger ward ; dann er was 
stotigs in sorgen, David würd naeb dem konigreicli trachten. 
Als ibn al)er yetzuiid ein böser gaist anfieng zü peinii^« n. hat 
Sau! d. n David zü im in sein gemacb fordern lassen und im 
bevolhtJJi, zu singen nnd auff der barpllen zu spilen. David 

25 gantz gehorsam ist für den Saul getretten und bat angefangen 
uff der harpffen zä spilen und gantz lieplichen darein zA 
singen. Der konig aber het einen spies in der band, zucket 
den gantz mit grossem grimmen und meinet den David da- 
mit an die wand zft hefften. Er aber entsprang im, und der 

Jitj spies für in die wandt. 

David aber was iini sein bans gelloben, und Saul sandt 
eilents seine diener, mit gewapneter band (b'n David di«' uaelit 
Verb Iii en. damit er in morgens ffir in bringen und todtcn 
lies. Michol aber, Davids weib, gedacht, wie sie im darvon- 

35 helifen mocht; dann sie het in sehr lieb. Darumb sagt sie 
KÖ im: *0 David, nit las dich morgen den tag hie ergreiffen! 
8onst wttrd ich dich nit mer sehen werden. Darumb wil ich 
,iiir vor tag binaushclfi'en, damit du uit uuib dein leben kum- 



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Hauptlaeier, cap. 29—80. 



239 



mesL' Also volget David dem rhat seines weibs unnd lie» 
sich an einem sail hinab, damit er entrinnen m6cht. 

Miohol aber macht ein bildnüs xmüer die decke imd le<»et 
ein \varnu> Ivhvv von einer gais auch darniidcr. «laiiiit sicli die 
decki stctitjfs davon l)('\vcL''et , als wann ein nu'nscli diinnidiM' ä 
leg, so stetigs den athein an sich zug. Als nön der tag hfT- 
oinhracli, kämmen die knecht Saul und forderten den David. 
Michol aber zeigt in [59^] die lagerstat und sagt, wie er in 
diser nacht wer kranck worden. Dise ding zeigten sie eilents 
dem Saul an. Der sant hin nnd befalh, das man in also kranck to 
hrin^'i n s(dt, damit er in lies umbbrin<^en. Als sie aber jetx- 
inid wider kiuinnen sind, liand sie den betrufj fiindcn und dem 
konig die ding angesagt. Der ist nit wenig ülx r st in tochter 
erzürnet worden; sie aber hatt auch iren vatter mit einer 
glimpflichen antwort züfriden gemaclit. Also hat David ^or 15 
dem Banl fliehen miWen ein lange zeit, bi» das Saiü auch 
zületst gar nmb sein leben kämmen und sieh mit eygenem 
schwort selb erwGrgt hat. 

Dis sej also gnflgsam TOn David gesagt, desgleichen von 
dem grossen neid, so der konig Saul aus unverdienter schuld 
g<'u:<ii dem guten David getragen. J)arund) so h)nd uns dra 
s< hünlludien und gitiVigen wurm weit von uns treiben , damit 
(iv in unsere hertzen nit ynuisten thü. Nun w(dlen wir noch 
mer mid andre cxerapel nns(»hen, was doch der schantlich neid 
mit seinen b6sen eygentschatften zA wegen bringen thdt 2« 

Wie Ihivid nneh Absolons todt don 8eba uberzoh 
imd Aiiiasa zum iiauptmaun ei weiet; derselb aus iieid 
von Joab verräterlich ermordt ward. 

Das 30. capitol. 

Wir lesen eine schone histori im anderen hucli der knnig uo 

am 20. capitel und in .Josrpho in seinem 7. hfuh am 11. ca- 

pitel von den alten gesdiichten. Als Abnolon mit seinem an- 

hang seinen vatter Da-[60*]0vid lang verfolget und aber zA- 

* 

1) Holzachnit t 22: ein kv'u^rrcr wird von einem anderen am 
iialae gepackt und mit dem Schwerte durchbohrt. 



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240 



Georg Wicknuu, 



letst umbkam an der eychen, als in Joab mit dreyen spieesen 
also ann seinem hör hanggend dnrcbstach, da warff sich uff 
ein heyloser auffiräriscber mann mit nammen Seba« ein sfln 
Bichri. Der stund iinder allem volck und scbrey mit lanter 

.'i stimm: 'Wir haben doch keinen theyl an Diivid noili kein 
crl) an (lein sAn .lesse.' Demnach nani er seine basauntii und 
blies gautz liell darin und schrie, man wolt yetzund wider 
den konig David aasziehen. Also vielen ihm zü alles volck, 
allein belib der stammen Juda vest am k^nig haltend. 

10 Also erwelet der k(»nig im. einen hauptman mit nammen 
Amasa, dem gab er befeleh, das er im beruffen nnd zfisammen« 
bringen solt alle die manschafft in Juda, das sie in dreyen 
tagen beynander weren, damit man dem Seba mit macht nach- 
eylen mncht. Als sich aber Seba etwas viihindret, befalh 

lo der kujjig dem Joab, das er mit .seinem volck dem Seba uach- 
eylet, damit nit diso autfrür erger würd dann die erst. Also 
machte sich Joab autl' sampt seinem brüder, jagten dem Selja 
nach, damit er nit platz haben mocht, die besten stett einzft* 
nemen unnd em macht an sich zü hencken, also das im nicht 

20 mer zfl widerston wer. Joab [GC ] aber trikg heimlichen und 
grossen neid zöm Amasa allein darumb, das in der konig zrt 
einem i)bristf*n hanjdniaii erwelet het, gedacht ihm heimlich, 
wie er in niuclit uinbbringen, wie er dann vormalen den Ab- 
ner fälschlichen ermordet het. 

2S» NAn begab es sich, als Joab kam viertzig rossleüff von 
Jerusalem bey Qabaon dem flecken, ist im Amasa mit gros- 
sen freuden entgegengelaulfen und in als einen gfiten frennd 
(dann ihm Amasa verwandt was) gegnisset. Als ihn aber 
Joab, der neidisch und mörderisch man, ersehen hat gegen im 

ao kummen. liat er sein schwer! aus seiner schei'K n tallcn lassen, 
als wann im das \nn uniict'rnlt i- snrh brx liclicn sey. Und 
als Amasa zi^ im kam, iliet er, gleich als wann er im den 
kl IS bieten w61te, hat in bey Hoinem bart erwüscht und das 
aiift'gehaben schwert in in gedruckt, das im sein eingeweid 

3ä auff die erden gefallen ist. 

Bisen neidischen mordt hatt Joab hamach Ober lang bSs- 
sen mfissen , wte wir leson im dritten bdch der Kmig. Als 
David yetz seiut in son Salomun das reich übergel^en und im 



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Uauptlastcr, cap. 30—31. 



241- 



vor soinoni todt belcllH ii thet, wes er sich nach scMiiom nb- 
sterbeii halten sult, hat er im sonderlich bel'olhen, den Joab 
umbzäbriiigen, zeigt im an die ursach, womit er das verschult 
het, nämlich das er dise zwen frunimen haiiptleut so gantss 
mörderisch mnbracht hette. Also ward Joab inn der hatten 5 
des stiffts umbracht unnd erschlagen an dem altar, wiewol er 
die hömer des altars inn seine beide hend gefaßt het — AIro 
soll aller neidischer hertzen belonung werdtn, wie dann aiu li 
gcschach Athalia, dem bushiiÖtigen mürderischen weib 1.01 ). 

\ üii Athciliii, der bösen neydiscbeii müitlcrin, lo 

Das Sl. capitel. 

Im dritten hftch der k6nig am 11. capitel finden wir ein 
history von einer neydischen bdslistigen mOrdenn mit nammen 
Athalia, welche ist gewesen ein tochter Achabs, von der blut- 

hlintin Jezabel erboren. Als ir vorkündfc mid sie sahv, das K* 
aller konitrlidi sanieii unibkuinuien . so von iieni schlecht 
harrürte, auch ir sou Ahasja, bat äie ir Idi'^'eiuuumeu allen 
königlichen naninipn und stammen Dayid auszutilcken: ^ieng 
also in dos königlich haus, erwürget unnd bracht umb allen 
königlichen samen, das nichts fiberhelib dann ein junges kneb- sd 
lein eines jars alt mit nammen Joas; dasselbig kindlein het 
sein seiigam heimlichen verborq^en. Das ist von Joseba (oder 
wie sie Josej)hus nent, Jojad.ij, die da was ein tochter des 
konigs Joram, fanden worden und sani])t seiner sniwamniea in 
ein kamer verborgen , damit das kind von der mörderin nit liä 
fanden wQrd. Und sie imd ir man Jojada liaV>en dis kind 
aufferzogen sechs jar lang, das niemants nichts davon gewißt 
hatt. Als nfln kern könig vorhanden was, hat die schandtlich 
mörderin Athalia fiber die drey stammen zfl Jerusalem regiert. 

Im sibenden jar aber hat Jojada den fünff hanptlentcn so 
zu Jerusakiu die ding geöffnet, sie sampt den trabanten in 
den tenipel beiüfleii und einen bnndt mit inen gemacht, des- 
gleich einen st eitlen eid von in genummen. Und als er jetz- 
und trew und glaubens bey in versichert was, hat er nach 
allen priestem unnd Leviten, so im [Öl**] gantzen land gc-sd 

Wickran lU. 16 



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242 



Georg Wickratn, 



wesen, geschickt; und als die anch kummen sind, hat er sie 

gleich mit dem eyd verbunden, also das sie nlle ding in ge- 
heim liabcii Sölten. l)is er s(mii*iii \\illen ein i.n')ui<ren thun 
mocht. Demnach hat er alle porten am tenipei mit starcken 

9 hüten verwaren lassen und den ingang zürn königlichen palast 
gar mit hfitem verseilen , die übrigen , den jungen k6nig z(k 
verwaren, harfür bescheiden, mit ausgezognen schwerten des 
konigs zü verhüten. Damach hatt er den jungen k6nig har- 
fttrgefürt und gesagt: *Diser soll ewer k5nig sein aus dem 

10 geschlecht, von welchem ir wissend, das gott gesagt hat, das 
es lang tiher uns herschen sol.' Demnacli hatt .lojada die 
rüstkaiiier auH';^'^es( lil(i?!spn unnd den haupilenfen und tral)anten 
spies und scliilt harauf^geben ; haben den konig an ein seiilen 
gestelt und mit einer krönen geziert. Haid hat alles volck 

lä gantz fr61iehen geschrawen: 'GUick zu dem konig !' und ist 
sehr grosse freud bey menigklich erschinen. 

Dis freudengeschrey ist bald von der Athalia erh6rt wor- 
den ; ist mit grossem schroertzen umbgeben^ hat von stund an 
ir volck gemauft, mit ir zu ltoIih: sind also inn des herren 

20 haus oder tempfd geeylet. Als sie niui bineinkummen ist 
und hat das kiml gesehen mit i'iiier kuin<;ii(li<'n knnieii (ge- 
ziert, auch an königlicher statt, da hatt sie zu handt ir kleid 
zerrissen, mit lautem geschrey angefangen zö scbreyen: 'Aufl- 
rür, anffrör!' Jojada aber hatt z& band befolhen, das neydisch 

S5 mörderisch und b6s weih hinans fttr den tempel zd füren und 
sie umbzfibringen, damit der tempel mit irem mörderischen 
und neydischen blut nit vermaliget wtird. 

Also ward die scliekkin liinausgefürt inn |G2*=Sr] das 
tUal Cedron; da ward die schaiidtiieh zanberiseh morderin er- 

» schlagen. Dahien sie dann auch ir neidisch und verzweyl'let 
gemfit gebracht hat, wie es dann auch zAvor irer schandt- 
lichen mütter gangen ist, welche Jehu zfl einem thum zü Is- 
rahel rabstürtzen lies; den hunden zfi einer speis ligen belib. 
Darzfl sie auch ir neidisch hertz unnd gemöt bracht hat, als 

So sie autä neid die propheten, auch den guten fruraraen Naboth 
versclialVt bat unibzübrlngen, wie dann klärlich in der schrifft 
auiagewisen ist. 



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Hauptlaator, cap. 81—32. 



243 



Vou dem schaiitlichen und bossbaff tigeu Aman, wie 
er understund den gütea frummen Mardocheam umb« 

zftbringeu. 

Das 32. capiteL 

Dke Iiistori kan icli nns vilen wichtigen Ursachen nit» 
nnderlassen yon anfang biß z&m end kA beschreiben. Dann 
erstiichen zeigt sie gar fein an Ton der nngehorsamkeit der 
konigin Vasihi, demnach streicht sie auch gar fein und her- 
lichen heraus die deniütigkeit und gehorsame der kßnigin He- 
ster. Darzö \Yiirt oin yeder wol vernemmen, was hotl'iiit, neid lO 
unnd haß dem stoUzeii neidischen Aman ans dorn rhat, so im 
sein boßhatf'tig neidisch weib, Zarasse genant, geben hat, er- 
folgt sey. Sodann auch lindt man gar fein, das gott die seinen, 
so in in n6ten anrulfen und ihr bertzlich Tertrawen in in setzen, 
nit yerlaßt Darumb nemend war! 15 

Als der kftnig Xeraes in Persien mit todt abgangen ge- 
wesen, ist im sein sdn Cjrus im reich nachkummen, wellichen 
Cynmi die Grieclien Arthaxersem nennend. [62^] Als nun diser 
konig in Persien regieret, ist ulicin ji'nlischeii volck «•in grosser 
janier zugestanden , wie dann harnacii grüntlichen angezeigt 2ü 
würt. iu dem dritten jar seines reichs hat er in allen seinen 
konigrcichen alle seine fürsten und hauptleut berftffen lassen 
und in ein herlich malzeit zägericht; deren f Arsten er von 
bidia an bis in Ethiopia hundert und sibenundzwentzig ge- 
ordnet hat, die all zA disem mal und königlichen hoff berftfft 8s 
worden sind, desgleich alle seine freund. Dann er hundert 
und achtzig tilg seine reichtum zü beweisen sich gerüst hat. 
Demnach hat er in der stat Susis sil)en tag lang ein fyheraus 
kostlich malzeiteu gehalten, die volcker darzu berätieii. Er 
sandt auch aus Inn sein gantzes konigreich, allem Tolck züso 
gebieten, das sie etlich tag alle arbeit underlassen solten und 
Ton wegen des k6niglicben fests rhA unnd kurtzweil haben. 
Es was aber der platz und das ort, da dise malzeiten gehalten 
wurden, dermas zAgericht. Der kftnig het lassen machen einen 
taht 1 iiackol , deu.selbigen von güldenen und sillirinnen seulen aj 
zürichten und alles mit purpurfarben i'ürheiigcn untl himmcltzeu 

16* 



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244 



Qeorg Wicknun, 



bedeckt, damit vil tansont tisdi darunder stöhn mochten. Alle 
speysen wurden wurden in gold und edlem gestein fUrgetragen. 
Die tischdiener aber betten solchen befelch, das sie zft trincken 
niemands solten zwingen, sunder einen yeden speis imd dranck 

b nach seinem willen lassen gebrauclien. Es liet auch die ko- 
nigin Vnstlii den weibern in einem äiaulern tabeniackel ein 
kostliuli mal /A^rerichf. 

Als aber der koni^^ den iUrsteu, so mit im zu tisch sassen, 
wolt ein simdere ehr beweisen, liat er nach der k6nigin Yasthi 

10 gesandt, damit sie yon den [03*J tischgenossen gesehen wttrd; 
dann sie menigklich an sch6ne Übertraff. Die k6nigin aber 
dem gebott des konigs inn keinen weg gehorsamen wolt, da- 
mit sie nit wider der Perser gsatz handlet; dann dieselbigen 
verboten, das kein weib sich die auslciulischen menner sehen 

lö solten luüsien. J)er kouig aber, damit .si iii wil erstattet würd, 
hat er noch nier seiner eunut hen und kumerling zu ir gesandt, 
aufi's oÖ'termals ermanende, zu dem königlichen mal zu kummen. 
Sie aber gantz hartneckig umb keinerley fordrung nichts geben 
w611en. 

80 Darumb dann der k6nig nit unbillichen zft zom bewegt 
worden ist, hatt von stund an zft im berUffet die siben Perser, 
welchen sonderlich befolhen die gesntz zü l)ehalten unnd aus- 
zuapreclien, klagt in , wie er von seinem weib also .sclmialich 
wer verachtet worden , dioweil er züm offtermal nacli ir ge- 

2»sandt, het aber nie erscheinen wollen; hcfalh deshalben, das 
sie die gsatz ersuchen woHen und ein erkantnis wider die un- 
gehorsam k6nigin ergohn lassen. Qleich darauff hat einer aus 
inen mit nammen Nocheus also gesagt : *0 konig, dise schmach 
ist nit allein dir, sonder allen Persem beschehen; dieselbigen 

ao yetz ires lebens in gferden stöhn und von iren weiberen glei- 
cher gostalt vrrscliiiiiiclit woi-dfii. Dann yot/iiiiil,* sagt Nocheus, 
'würt sieli kciiis Pcist rs wt-ib mer scliaiiiiiit'ii . >ujider die ko- 
nigin wider dich, o kbnig, zü einem ewigen exempel liaben. 
Darumh, o konig, so sey ermanet wider die, so dich also vor- 

ssschmacht hat, das du dich mit höchster tadt an ir rechest 
und darneben allem voick verkündigen, was wider die k6nigin 
gehandlet seye, damit mentglichen ein abscheuhens davon 
nemme.' Und dis was eben der sententz, [05' J wellicher 



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Uauptlasicr, cap. 32. 



245 



wider die küiiijiriii ausgieiig. ii.tiulichen das sie von dem reich 
und allen k(miL,Hiohen ehren solfc Verstössen und einer anderen 
die krön übergeben werden. 

Der konig aber, dieweil er die konigin ausdermassen lieb 
het, was im dise artbeil gantz beschwerlich. Er aber kundo 
sie dem gesatz nach nit änderen, dammb er dann sehr traurig 
worden ist Als aber seine freund ein solche iraurigkeit an 
IUI gemerckt, haben sie im g«'rathen, das er im inn allen landen 
unil) ( in schone jimrkiVaw sehen wolt und die zu einer ko- 
iiiLrin klonen und MutViu nimen , a]<5(liinii würde er von wegen lo 
iier üchoni der kmiigin Va-stiii verm .Nx ri. Mit difom rhat hat 
sich der konig biegen lassen. Gleich darauif hat der konig 
befolhen, die allersehdnisten junckfrawen aus dem zimmer fttr 
in z6 bringen, aus denen man die schonesten erwelen solt. 

Als nön der junckfrawen ein grosse zal ist versamlet 10 
worden, hatt man zflletst eine funden gar fÜrbOmlig« r schAne 
und die andren weit flbertreffen. Deren waren bede ir Tatter 
und mütter mit tod ahgangen, sie aber het noch irs vatters 
brüder niii 11:1111111011 Mardocheus; der het die juncktViiw auff- 
erzogen in aller ziu ht und erbarkeit. Und der junckfrawen ao 
nam was Hcster, und was aus dem stammen Benjamin er^ 
boren. Dise ist einem eunucho Qberantwort worden, das er 
ihren pflegen solt. Derselbig versähe sie mit allem dem, so 
ir von n6ten was, als mit speis und köstlichem tranck, auch 
mit wolschmackenden salben und ander kostbarlichen spetzerey 2o 
auff sechs nionat lang. Der junckfrawen aber waren bis inn 
die vierhundert. Mrlclier gemelter rnnuchus oder versclmitner 
also pflegen muüt, bis .sie yet/und wirdig [fil'J wenn des 
konigklichen beths. Wann dann die zeit kam, wurden sie 
durch den eunnchen zu dem konig in sein schlaffkammcr ge- tto 
fttri Wann dann der kdnig eine beschlaffen, hat er sie gleich 
momdis dem eunuchen wider zAgeschickt. 

Als aber Bester zAm künig kummen, hat er sie mit höch- 
ster hegird vor den andern liebgewunnen , hat sie gleich für 
.Sein elieweib genummen und im zwelfften jar seines k6nig- 3ö 
reichs in dem mouat Adar horbzeit gebnlten. Er aber hat 
alle agari^) aufigesandt, welches postbottou gewesen sind, da- 

1) Agari sind bei den Persern po»tbotteii geweßi 



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246 



Georg Wickram, 



mit sie allen vfilckem gebieien Holten, das sie umb seiner 
hocbzeit willen solten fäst balten; er hatt aiicb die fümemb- 

sten in seinem reich einen j^antzen monat lanj^ auf!" seiner 
hochzeit belialten. Und als er die liest er in konigliclieii saal 

oynireftht, hat er ir gleich die guldine krön anff ir hanpt ge- 
setzt. Also hat Ueator bey dem könig gewuut, aber im gar 
nit angezeigt, von was gescblecht sie gewesen ist; dann sie 
hat mit fleis gelegener stund und zeit erwarten w6llen, wie 
sie dann von irem vettern semlichs ohn zweyfel gar wol un- 

lodcrricht worden ist. 

Wie Mardoeheus, der kdnigia Hester vetter, gohn 
Susis kummeu und wes er sich an des königs hoff 

gehalten habe. 

Das 33. capitel, 

ih Mardocheus, ein gottf6rchtiger frommer Jud, der was ein 
brdder gewesen der k^nigin vatter, der hat sich gohn Susis 

auÜs beldist vertagt ; dann [64*' J er was züvor in Babylonia 
mit haus gesessen, da>ell)st hott er die Hester von eim kindt 
anlierzogen. Bald er niui gohn Susis kummeii ist , hatt er 

ao sich an den konigUchen hoff vertaget und gautz Üeissig be- 
fragt, wie sich sein baas gehalten; dann er sie dermassen als 
sein eigne und leipUche tochter lieb het Der könig Artaxerxes 
aber het ein mandat an seinem hoff lassen ausgon, das nie- 
mants an seinem gantzen hoff dem könig geiiahen dorfft, wann 

2o er anff seinem königlichen stAl sass; sunst het er sein leben 
verwiicktt. Es liet aber der konig einen guldinin s>tab iji 
seiner handt; so dann einer vai im kam unberülfen und der 
konig denselbigen des gsatzes freyen und sein leben retten 
wolt, hat er den guldinin stab gegen im sincken lassen , da- 

90 mit er den anruret; so bald was er vor dem todt gefreyet. 
Es het der könig an seinem hoff zwen k&merling des 
Barthani; der ein hies mit nammen Begatheus, der ander Theo- 
desitus, die zwen waren dem könig heimlichen auffsetzig. Einer 
aber under disen zweyen liett einen knecht, welclu r von ge- 

3i schlecht ein Jud was imd het sunderlichc gute kuntschaüt ziim 



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fianpUaater, cap. 88. 



247 



Juden Mardocheo. Dersclbi«^ knecht merckei den auffbuiz an 
seinem heiTen und seim luitbelffer, diso ding hat er Mardocheo 
angezeigt. Der bat nit verzogen, Bunder dise ding seiner ba- 
sen, der k6nigin, geoffenbaret Hester aber bat dem k6nig 
alles, wta vorbanden was^ an^ezeifj^t. Alsbald hat der k^nigö 
die warheit erfaren inid bed k:im<>i linj^ krefUzii^on lassen. Dem 
Manlucheo aber ist knn amlipr danck b«'Ui.->t'ii worden unib 
»eine Warnung, dann das er seinen nanit n hat in die jarbücher 
schreiben lassen, hat im anrh <rewalt |.65'J geben, als ein 
nechst verwanter am hoff zCi beleiben. lO 

ZA diser zeit ist ein Perser gewesen mit nammen Aman, 
gar eines stoltzen, argen und neidischen gemüts. Dersdbig 
bet einen freyen zflgang zfim k6nig; darumb ward er von 
allen Persiem und frembden volckoroii in grossen ehren und 
wlnlcn gehalten: semlirbs vvult auch der könig also nach seinem lö 
beieich gehebt haben. Diser hoÜart übernam sich gedachter 
Aman gar viel ; waini im auch von } emants solcher e^ren nit 
bewisen, träg er gleich tÖtlichen neyd zü im. Als aber Mar- 
docheus aus Ordnung seines gesatz gedachtem Aman keiner 
ehren beweisen wolt , hatt er ihm nachfragens gehabt , wer » 
oder von wannen er sey. Und als er yetz erfaren, das Mar- 
dücheus ein Jud gewesen ist, liat er ein grossen hass uff in 
geworften, hatt auch den Maitludieum zü verwaren befolhen 
und gesagt: 'Alle freyen Persn- Ijettcn mich an, iiniid diser 
ist nicht mcr daini nur ein knecht unnd verschmacht mich. 2& 
Also nani im Aman gentzlichen für, das gantz jtldisch gc- 
schleclit auszütiicken. Dann es dauchte in gar von unndten 
sein, Mardocheum vor dem k5nig zft verklagen, dieweil er so 
meebtig mid gros beim k6nig angesehen was; so hasset er 
auch von natur das jüdisch volck gar sehr, dann er war von so 
der Amalechiter geschleclit, welches volck der merer theil von 
den .luden was ersclilagen worden. 

7a\ gelegner zeit hatt sie h Aman ^) fUr den koiiii^ LretTigt 
und angefangen die Juden auÜ's höchst zü verklagen und von 
ihn ausgeben, wie sie ein gar b6ses volck weren, jetzund in« 
alle land nnd k^nigreich ansgespreitet , dem k6nig und aller 

* 

I) Aman verklagt die Jaden mit der unwarheyt gegen dem konig. 



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248 



Georg Wickram, 



oberkeit gantz ungehoi-sam ; so lietten sie auch ein glauben, 
[65^] gcsatz und andere breuch, so sich mit keinem oder gar 
wenig v6lckeren vergleichen, sie weren auch den siliten seines 
volcks und allen menschen zAwider. ^Darumb, o k6nig, rhat 

5 ioh dir ^nntz in trewen, wo du deinen undertonen in deinem 
gniitzon rcidi will vni groj^se und nutzbare freundtschatlt bc- 
wtiscii. ><» las ein mandat. ausgon, ilas mnn allenthalben inn 
ailün deinen konigreicln n dises arglistig und schedlich voick 
gantz aus dem grund mit wurtzlen und stammen außreute, 

10 und das gar nichs von inen überbleib, auch keiner weiters 
zfir knechtschafft behalten werde Damit aber dir an tribut 
unnd Schätzung nichts abgang, so erbeut ich mich, yiertzig- 
tausend pfundt golds von meiner hab zd geben, an welchem 
ort du senilichs gebieten wiirst, wil auch semlichs gelt geni 

»ö unnd mit willen btzaleii , damit dein Ivoiiigrrich von sok liem 
übicu erledigt wilrt.' Der konig aber hat dem Aman autt' sein 
anbringen das jüdisch volck sampt dem gelt geschenckt* die- 
weil im der neid Amans gantz verborgen was. 

Als nfln Aman sein begird erlanget, hat er gleich man- 

sodaten lassen ausgon und dieselbigen dermassen so emstlich 
und scharpff gestelt, gleichsam weren semliche vom k5nig 
ansgangen. Dieselbigen waren uft' solche weis gestelt : *Der 
allermechtigest konig Artaxerxrs von India bis gohn Antio- 
piani den liundert und sibenundzweutziiit n landtfiirst<Mi unnd 

Sörichteren, die seinem konigreich underwortten sind, das hail. 
Als ich über vil vSlcker geherschet unnd alle weit meiner ge- 
horsam underworffen, hab ich mich nie der grössi meines ge- 
walts mißbrauchen, sonder mit gnaden und miltigkeit meine 
underthanen regieren wdllen, [66*=T1*] damit sie on alle 

soforcht das leben mit stilschweigen verschliessen . inen er- 
wünschten IViden bev allen menschen lubi ii nioi Ilten. AI0 ich 
aber ni< in.' rhat befragt, wie man darzß ki innneu niocht. hat 
einer, der in weißheit und glauben die andren übertruü" und 

nach dem kouig der ander was, mit nammen Aman^), mir 

* 

1) Sellin-, tentVl. ^qIuiy glUt an! 

2) Dil« tnüi<lit(t juandat Aiuan wider die Judeu, dardurch er 
uieiuet das gant^ .jüdisch f^tMcbkclit außzureutcn. 

3) Wie sich Aman der schalck selb rümet und küt/.let. 



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Hauptlaslor, cnp. 83-'34. 



249 



anzeigt, wie das ein volck in aller weli außgespreitet wer, 
welches unser gesaiz nit brauchte nnnd auch wider die ge- 
wonheit aller v61cker handlet, die gebott der Mnig verachtet, 

auch (\\e einhelHfirkeit aller nationen mit seiner mißhandlung 
schwt'chet. Als wir nun discs crkuiidigt nnfl fregeben, wie das 5 
eynig voick wider alle geschlecht der menscheu sich anffbau- 
meh verkcrter gesntz sich gebraucht und unserem gekeiss gar 
zöwider handlet, frid und einigkeit und die underthanen un- 
sers lands nnrüwig machet, haben wir befolhen, das alle die« 
so Aman, welcher alles lands landtpfleger ist nnnd der ander 
nach lins, auch unser vatter, anzeigen wUrt, das sie allgemein 
mit weih und Icinden oLii alle erbarniung von den feinden 
solirn umhraclit werden; und dises sol irc^chohcn ;nn virr- 
zehenden tag des monats Adar. in disem gegen wei tigen jai% 
damit die schandtlichen leut autt' einen tag zür hellen füren lo 
und widemmb frid in unserem k6nigr0ich werde, weiclis sie 
nnruwig gemacht haben/ 

Dises mandat ist bald in allen Stetten und auff dem land 
eischollen, und hat sich schon yederman gerilst, die Juden 
auff bestimbten tag unibzübringen. Es ist auch sollichsman-W 
dat in der statt Susis aussgeriifift wurden LöG**]. 

Wie Mardocheus das mandat vonn Aman ausgangeii 
vernummeu, hat ei* seine kleider ^erdäsen; wie die 
k6nigin der ding auch innen worden und wie sie ein 
diener zfi Mardocheo geschickt hat. sä 

Das 34. capitel. 

Dem Mardocheo ist von diser venhaterey nichts zü wis- 
tien gesein; dann er eben derzeit bey des konigs malzeit ge- 
wesen ist. Und als die mandaten anssgeschrawen warden, ist 
Mardochens von dem grossen rumor, so nnder dem volck sich so 
erhebt hat, bewegt worden auffzftstohn. Bald hat er die ur* 
sach der tumult veinumiiien, ist gar übel erschrocken und hat 
vor jamer sein kleidt zerrissen, hat einen sa( k anti;ez()u:t'n imd 
sich mit Tischen besprengt un«l also in der statt umbhergangen 
und auBSgeschrawen, wie das man ein volck, so da nit gesUn- m 



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250 



Qeorg WickraiD, 



digi hub, wolte umbringen, ist demnach wider 26 hoff gangen 
und heraussen vor dem thor bliben stöhn. Dann dieweil er 
also mit einem sack angethon gewesen ist, hat er nit in den 

k5nigklichen hoff gohn dUrffen. Bs haben sich auch dermas- 
6 son alle Juden gehalten, so ziTi Susijj wuuetton und auch in 
anderen .Stetten, da daim diü aiaudat was aussLrerüfVt ^vül•dL•ll. 

Disen MardocJieum hat der konigin kainerling einer ge- 
sehen in gemelten traurkleidern angethon vor dem königlichen 
hott* sitzen, hat seniliclis der kunigin Bester angesagt Davon 

10 sie dann nit wenig bekflmmemüs empfangen, hat von stund 
an iren vertrewtisten diener einen bingesant, dem gab [67*] 
sie befelch, irem vettern Mardocheo den sack abzüthün. Die- 
weil aber ein so gros übel vorhanden war, wolt er den nifc 
von im legen. Alsbald hat Hester den eninirlien Acratlieon 

i' Z.U im gesandt, das er in beiVaLTt t, wavS beküiuniernüs im zu- 
gestanden wer, das er den sack nit von im ablegen wolt, die- 
weil sie sollichs an in bogert liet. 

Mardocheus aber hat gedachtem Acratheon, dem kemmer- 
ling, alle Ursachen seines leids and traurens er6fi&iet, nämlich 

Sodas brief und mandaten wider alle Juden au&gangeu weren, 
80 weit imd der konig zu gebieten het; so hette auch Aman 
dem konii; tiii mercklich gelt veibeissen, damit er der Juden 
verderbuug zü wegen hracbl het. Auch bat Mardoclieus der 
konigin Hester ein aljscbriltt von disen briefeu überschicket, 

2ä wie die in der statt Susis angeschlagen waren , lies sie damit 
freundtiich bitten, das sie der siichen halben den konig bitten 
wolt; sie solt sich auch mit einem trawrkleidt anthAn, damit 
sie dem konig anzeigt, in Avas grossen geferligkeit die Juden 
stünden, welche Aman so hart und schwer gegen dem könig 

3Qverkhigt het, also das der könig gar Aber alle Juden er- 
grimbt wer. 

Hester aber mit gru^s.seni schiiiei't/en die liul iscliafU ein- 
pfungen liat, lies dem Mardocheo wider sagen, das siü autf 
dissmal vom konig nit brrütfen wer, und wo sie oder yeniands 
Standers unberäffet für den könig kern, mäßte sie oder diesel- 
ben sterben, es were dann das er eim den guldin zepter ent- 
gegenrecket; demselbigen wer sein leben vor todts gefar er- 
rettet. Mardocheus aber, dem die sach schwerlichen ange- 



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Hanptlasier, eap. 84. 



251 



legen, als er die antwort der kouigin von dem kammerling 
Yemitmmen, hat er der k6nigin, seiner basen, wider sagen 

[67''] lassen, sie solt ir nit ir heyl allein, sonder wie sie allem 
jüdischen volck aius anjj^st nn<l nudt helffen niücht, angclej^en 
lassen sein. 'Dann wo sie yetznnd'. sa^t t'r, 'diß nit tlnln ä 
würd und allem jUdiächen volck beistand cizeii^n n , so mociit 
gott über sie verhengen, das ilirs vatters gantzea bauß sampt 
irer freundschafift den iodt hierumb leiden mästen von denen, 
welche sie het verachiei.' 

Hester aber hat dem Mardocheo wider sagen lassen, das lo 
er alle Juden, so zü Susis weren, zusammen versamlen solt 
und inen allen gebieten, das sie drey tag für sie fasten .sol- 
ti'ii ; dassell)ig wolt sie ancli m\i iien nu'i'xdteii ilmn. Demnach 
Avolt sie im versprochen haben, das sie \vider den brauch und 
Ordnung des gesatz zürn kdnig gohn weit, und wann sie schon lä 
daromb sterben mA6t. 

Alsbald hat Mardocheus nach dem befelch der königin 
dem Tolck gemeinlich zft fasten gebotten und sie gott heisseu 
bitten, das er sie nit so in schwerlich verderben wolt kummen 
lassen, sonder sie von solcher nodt und angstbarkeit erlosen. 20 
wie er ihnen vormals oH't mit gnaden erschinen were : su hot- 
ten sie es auch in keinen weg beschnldet, wie sie der grimm 
und neidisch Aman gegen dem konig verkhigt hett; gottwüüt 
auch wol, das diss ihr angst und trubsal allein von dem Uber- 
mutigen Aman harkeme. Dann Mardocheus sagt : ^0 herr, So 
die ehr, so ich dir von recht erbieten soll, habe ich disem 
stoltzen unnd Übermutigen Aman nit anbieten wollen. Darumb 
ist er erzUniel über die, so deine gesatz nit übertretten wollen, 
hat darumb disen janier angericht.' Dergleiclien rftfit auch 
alle gemein jung und alt, so weit dann diss gebott ausge- ao 
schollen was, das gott das eilend, so sie vor au-| 68'Jgen bet- 
ten, von ihn abwenden wolt und in ire sün«! verzeihen. Es hat 
auch Hester gott mit grossem flehen und heissen trehen ernst- 
lich gebetten, in gantz kläglichen kleyderen angeton, uff der 
erden ligend. Sie hat auch in dreyen gantzen tagen weder d& 
speis noch dranck genossen und sich aller ergetzligkeit ent- 
schlagen, nichts änderst volbracht dann gott dun herren bit- 
ten, das er ir gnad geben wolt, damit ir bit und gesprech bei 



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252 



Qeoiig Wickram, 



dem k6nig angenem sein mficht und sie ir volck aus semlicher 
gfar erledigen ni6clite und sie auch der grossen geferligk(üt 
eiittrilnne, dieweil sie aich uiiderstünd, uiigeioiiliet zürn könig 
zö gohn. 

5 Nach (In vt n tnijen liat sie ir traurkleider von ir liinge- 
legt und sieli uufi's zierlicliost geschmuckefc und angeton in 
kuttigkliche kleidor, wie sich dann einer königin gezimmet. 

Wie Hester die koiiigiri iui* den könig Artaxerxeui 
kam 9 für das jüdisch volck z& bitten, wie ir der 
10 k^ßig das gnldin zepter bieten thet. 

Das 35. capitel. 

Hester die königin gantz voller unmfits, auch mit grossen 
sorgen nmbgeben hatt sich auffgemacht mit zweyen iren m^g- 
tcn; auff die eine leinet sie sich, die ander aber trfig ir den 

löteil an ircm rock, welches ir auft' der erden naclischleülfet. 
Sie al>m* ist also liinciii für den k/inig gegangen tfantz seliam- 
haiVtig und forclitsiuu. Der konig aber ist aiitf stineni siftl 
gesessen, mit guld und edlem gesteiu guutz reicliliclien glant- 
zend; darurab ist sein angesicht und gestalt dest zomweher 

so er-[68'^]schinen. 

Als er nün die königin mit so grimmigem und erschrocken- 
liclicm angesicht angesehen hatt, ist sie von grossem sehrecken, 
den sie davon empfangen , j^antz schwach worden inn allen 
glideren , ist also ui blitzlichen uutl* ire nn\gt , so hinder ir 

25 stunden, nid« Tjrosdncken. Aber der konig, als ich acht, hatt 
aus anschickung gottes sein genn'^ifc geenderet : dann er besor- 
get, der königin ninclit etwas uiifals zü band »tussen. Unnd 
damit ir kein unradt begegnet^ ist er von seinem st&l auffge- 
standen, hat die königin in sein schos genummen, sie er- 

90 quieket und gekoßt und ir damit freunUichen zögesproehen 
unnd hies sie eines göten mfits sein, dann sie dürfft sich keines 
argen besorgen derhalben , das sie nnberötft zA im kuinnien 
were; dann das ^rsat/, von wegen der undertlionen geben were 
unnd berürt sie gar nicht: dieweil sie als ein königin mit im 

8ö regieret, so hette sie aucli alle königliche frejbeit. Mit disen 



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Hauptl&Bter, cap. 85. 



253 



Worten gab er ir das guldin zepter üia die handt und hat ir 
demnach den stab anff iren nacken gelegt« damit er dem gsatz 
genüg thet und sie von des todts gefar erlediö^t were. 

Da luitt iiester ein hertz empfangen und y.öni kuiiiir 
yagt : '0 herr kunii^, ich hab nit platz zft erzelen tlius, so inu 
un versehenlich widerfaren ist. Dann bald icii dich, den hüp- 
stisten und allergrösten , ersehen hab, auch den erschrockea- 
lichen, ist mir mein gayst hingeflogen, imd hat mich meine 
seel nnd alle meine krafft Terlassen/ Diaes hatt sie mit 
schwacher stimm kanm mögen aussprechen. Semliches hat lo 
den k6nig angsthafitig gemacht, hatt deshalben z& Hester ge- 
sagt, sie solt nür getröst reden, er wolt sie alles des geweren, 
so sie an in muttet, und ob sie gleich das hall) theil seines 
ko-[()*J" Ini^^reiclis bcgeren wUrd. Da i)C'^rert Hester an den 
küuig, das er mit seinem vertrewtisten freund, dem Aman, 
bej ir essen weit, sagt dabey, wie sie im schon den nachtim- 
bis hett s&bereittet 

Als nün der k6nig der Hester bitt nit abschldg und uff 
bestimbte zeit zü dem nachtimbis kummen, ist er gantz 
lieh von fibrigem trincken worden, hat also an die Hester be- so 
gert , sie solt im ir anlitjen eröffnen; dimn er hett ir ziige- 
sagt, sie zi'i jxeweren, und ol> sie gleich den halben theyl 
seines königrei li- liegeret. Also hat Hester versprochen, autl 
den nechst künfftigen tag iren willen zü eröffnen, wo änderst 
der konig wider mit dem Aman zA disch kerne. Dias hat ir» 
der könig zfigesagi 

Aman aber ist gantz foller freud gewesen; danner über- 
hfib sich gross, das er allein hej der königin und dem k5nig 
essen solt und sunst keiner am guntzen hoff, dann er allein 
dos w iiiili^ were. Als er nfin zft Imiiü gohn wollen, hat er au 
den iMardoehenm am hol! gesehen, (k r hat im glcichwul kein 
ehr noch reverentz bewisen. Davon Aman in noch grossem 
neid und hass dann vormals gegen Mardocheo gefallen, ist 
demnach in sein hauß gangen und hat sein weib Zarassam, 
auch alle seine freund fttr sich berfiffen, und die ehr, so iAiSa 
von dem k6nig unnd der konigin bewisen, erzalet er inen mit 
grossem bracht; im allein aber hett nit gefaUen, das er den 
Juden Mardocheum am hoff luuden hett. Darauff autwort 



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254 



Georg Wickrain, 



sein weib Zarassa: ^So befilh«, das man «inen galgen mach 
fünffzig elenbogen hoch« und morgen, so du mit dem könig 
disch sitzest, so beger, das er den Juden Mardocheuro 
krentzigen laß!' Das was eine sch6ne rhatgeberin. Aman aber 

h lol)t sollicheii rhat uiul «jab von [69' ] stund an befelcb, riiu n 
solelien galgon zu ninrhi>n uimil denselbigen im boff auffricb- 
ten zur straft' Marduuiiei. 

Ks ist aber Anians hoffnung gantz umbsunst gewesen ; 
dann gott bat .sollicbs gar weit änderst geschickt. Gott bat 

10 dem k6nig dieselbige nacht den schlaff benummen. Der k6nig 
aber hat bevolhen, das im ein Schreiber seine jarbücher für- 
bringen und darinn lesen solt ; damit er nit Yergeblichen 
wachet, wolt er acbt nemmen, was sich zö zeitten in seinem 
konii^reicb zugetragen. Als nun der sthreilu r im böcb ge- 

i.'ie.stn, bat sich einer darinii heiunden, welchem von wegen 
seiner guthat etlich ai kcr sind zügestelt und verehret worden, 
und einem anderen hat der konig anch von seines elirliclien 
Terdiensts wegen kostlich scheuchen zftgestellt. ZAletst aber 
ist der Schreiber kumen an den Bagatheum und Theodestum, 

so die zwen kemerling, so dem k6nig heimlich betten nachge- 
stelt, welche Mardoclieus hat angezeigt. Diss hatt der schrei-, 
ber also gelesen, demuach auff" ein andre handlung knnimen. 
Der k(Snig aber hatt in heissen stilhalttiu und getragt, was 
docli dem Mardocheo für sein bewisene güfchat worden sey, 

25 ob semlichs nit auch verzeichnet wer. Antwort der Schrei- 
ber nein. 

Da hatt in der k&nig stil haissen halten und befragt die, 
so befelch betten der stunden acht zft nemmen, welche stund 
es in der nacht were. Sie sagten im, wie das der tag yetx 
sch(m hareinbreche. Da befalh der konig, das sie besehen 
Sölten, was für ein freund vor dem ImtV stiuid, das sie im den- 
selbigen wolten anzeigen. Also funden sie den Aman ; dann 
er het sich (iber sein gewonlndt frü auffgemacdit , damit er 
umb den todt Mardochei den k6nig bitten wolt. Die diener 
a& sagten dem kö-| 70*= V l*]nig an, wie das Aman vor dem hoff 
sttlnd. Da befalh der k6nig, man solt in hinein für ihn heis- 
sen kummen. 

Bald er nun hinein zürn kouig kam, sagt der könig: 



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HanpilaBter, cap. 85. 



255 



'Ich weis, das du ein gelnrewer freund bist So beger ich an 
dich, das du mir w611est rathen, wie ich einen gdten freund 
vwhren jw>1, der mir fast lieb i«t.' Aman aber bett «ich selb 

im zwcilVl. er wer von dem k(»iii^ als für (hu l)Psten frcuii 1 
geschet/i, gedaclit or, sein rath würd im bey dpin k()ni^ ^ros- 
sen nutz schaffen. Üurumb sagt er : 'O könig, wann du einen 
mann, so dir fast lieb ist, wilt nach deiner herligkeit ver- 
ehren, so la& in uif einem rofi, so mit deiner färb bedeckt 
ist, umbreiten, leg im an ein gnldines halsband, las im einen 
deiner geheimisten freund vorgohn und in aller statt aus- lo 
rfiffen, wie das der mann, so der k6nig verehren will, sem- 
licher guthat werdt sey.* Dis hatt Aman darumb gerathen, 
das er der hoffnung was, im wind s<dche olir widorfarrii. Der 
konig alnr hatt semlichen hesrheid von dein Aman fast gern 
vemnmiiieii und sagt zäm Aman : "Da liast du ein ross, ein li 
konigklifli kleit und ein güldenes halsband. So gang nun hin 
nnnd säch Mardocheum den Juden, bekleid in mit disem kleid 
und halsband und gang vor seinem ross har! Dann du vor 
den andren allen mein freund bist; darumb den radt, so du 
mir nützlich geben hast, wollest also auffs bäldist volstrecken. 20 
Dann (Hse ding solli u dt tu Mardocheo, welcher ein erretter 
meines leben ist, wider taren.' 

Disen befelcli hatt Aman wider alle seine hoffnung em- 
pfangen; darumb ist er in seinem hertzen gantz traurig und 
erschlagen gewesen , ist also mit dem ross und purpurkleid 2.'» 
hingangen, hatt den Mardocheum funden vor dem [70'] hoff 
sitzen mit einem sack bekleidet. Aman aber hies ihn den 
sack ausziehen unnd legt im das purpurkleid an. Mardocheus 
aber kondt noch uit grüntlich verstohn , dorfl't auch noch 
keinen glauben daran ff setzen; dann er entlielien meinet, der :{o 
Aman trilj seinen s})ot mit im. Darumb sa^t er: 'Du aller- 
bosister unnd iillersclinodister mensch, wiltu uns auch erst in 
unserem jamer verspotten Als er aber den rechten ernst 
vemam und auch bedacht, das im der konig dise ehr bewis 
von wegen der wamung, so er ihm geton, als er ihm sein 05 
leben vor den zweyen kamerling erredt, hatt er sich mit dem 
pvirpur, damit der konig offt bekleidt gewesen ist, angeton, 
das halsband umb sein hals gelegt, ist autl *\hh ]dert gesessen 



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256 



Georg Wickram, 



und allenthalben in der statt hanunbgeritten. Aman aber 
ist vor im hergangen wind schrie aus, wie das dem solche 
reiche unnd bSnigliche schenck gehöret, welchen der k6nig 

Heb liot und den dor konig also ehrwirdig achtet. 
h Als ;il)er Mardocheus alle statt durc liritttn, ist er wider 
an den hoti kumnien und f(ir den konig hiueiugetretten. Aman 
aber ist gantz schamrot heim zu haus gangen und seinem 
weih die ding mit weinen angezeigt, desgleichen seinen freun- 
den. Die bekanten, das es gott mit dem Mardocheo hielt, 

10 ihm m6cht auch derhalben nichts arges widerfaren. Wie sie 
dise ding also mit einander retten, sind der Hester k&merling 
knnimen und den Aman zöm nachtimbis erforderet. Ein k&- 
merling aber mit namnien Sabuchadar salie den auÜ'gerichttii 
galt^t n im hoff Aman, w cklien er dem Manloclieo bereit hett; 

u er betragt der kiiecht einen, wem diser galgen gemacht were. 
Als aber er vernnmmen, das er der |71'| königin vatterbrü- 
der autlgericht, nämlich dem Mardocheo, hat er nicht weiter 
darzfl geredt. 

Auiau wilrt durcii die kouigiii hoch gegen dem konig 
»verklagt und entlich an den galgen gehangen, wel- 
chen er dem Mardocheo aiill' het richten lassen . 

Das 36. c&])iteP). 

[Tl**] Aman gieng mit der königin diener zAm nachtim- 
biss, aber mit grosser forcht und schrecken umbgeben; so 
2r> stund er auch gantz schamrodt gt'gen menigklichen. Als er 

nftn mit dem kftnig und der königin gössen bat, fieng der 
knni«,' an zu frai^*'n, die koiUL^iii solt im ir besjeren «'rofriii'U, 
sagt ir auch vnn iitweu iliiiu;«'ü zu, mc ihres begereus /.ü ge- 
w<'rfMi. Da bat «lic königin zuvordrist die geferligkeit des 
30 jüdischen vtdckü abgebet ten , dietveü sie auch von jüdischem 

* 

1) H o 1 /, s r Ii 11 i 1 1 23: ein gcliänj^lor am «ijal^cn; auf der leiter 
steht noch der henker, der die solilin<ro iiotVstigt. Unten nehoint, eine 
von cinpni kn«'^«'!- mit einem Jichwort iM^wachto schar von jflngliiifron. 
dt'nrn dit^ liäiulo auf dorn rii«-k«'n },n']»iindtMT >ind, des gl»»itlien scliiek- 
HaU zu warten. ~ Auü dciu Hitler vom Tum (Strandburg h\. öUa. 



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HanptlaJiter, cap. 85— SO. 



257' 



geschlecht geboren wer; siinat mulit sie auch von not wegen 
in der verdampten Juden gfar sein; so were eben disa die 
ursach, danunb sie mit im reden wolt Sie sagt nnnd bat 
auch den k6nig, er wolt allein sie mit harter und schwerer 
clienstbarkeit. beschweren, allein das ander i'i})el der Juden ab- .» 
schaflTon. l)er koiiij^ aber hat noch nichts von Amans anß- 
gangnen brielen gewißt. Darumb hat er die Hester gefragt, 
ob dann solcher hoff lch außgangen, hat auch berrei-t zA wis- 
sen, wer den geben hab. Hester hat dem könig in beisein 
des Anians alle ding eröffne!; und den Aman in seinem bei- lo 
wesen hart verklagt, wie er so gar b661ich mit d^ Juden 
nnderstOnd zfl handien; sie hat in auch mit ruhen und harten 
Worten »einer missethat halben gestraffet. Der konig aber ist 
ab diser red nit wenig Itedrubt worden und eylendts vom tiscli 
auflgestumleri , in die luütgarteii sj)iitzieren gangen, hat den 15 
Aman bei der konigin in irem ginuch verlassen. 

Aman aber jetzund gar erhaßt batt angefangen die ko- 
nigin emsUich umb Verzeihung zä bitten ; dann er besorget 
sich jetz desB, so im zAhanden gon wQrd, ist also auff das 
bett nidergefallen und die k6nigin fast kleglich gebetten, [ 72* 1 20 
im auch gnad zA beweisen. Inn den dingen ist der k6nig 
wider aus den histgarten kummen und hat den Aman also uft* 
der konigin l)ett ligen funden. Darab er erst hart über in 
ergrimbt worden ist und in zorn zft im gesagt: 'Du aller- 
' gröster boswicht, wiltu erst auch gewalt an mein weib, die a 
kdnigin, legen Ab disen werten ist Aman gar erstarret, das 
der k^nig also str&flich hat mit im geredt, (dann er sich kei- 
nes zoms Yormal gegen im nie gebraucht hett) und hatt vor 
schrecken dem k6nig nit antworten m6gen. 

Inn disen dingen hatt Sabuchadar der kamerling auch au 
angefangen den Aman zu verklagen und gesagt , wie er dem . 
Mardoeheo einen ffalgen auÜ' hab richten lassen, in daran zö 
kreutzigen, der stand in sein, des Amans, hoff; sollichs hett 
er von des Amans knecht vemummen, als er den Aman cü 
der malzeit berüffet hett, zeigt auch an, das diser galgensi 
fflnffzig elenbogen hoch were. . Da diss der k5nig gehört, hatt 
er zft stund erkandt, das Aman die pen, so er dem Mardoeheo 

WkkfaB in. 17 



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258 



Georg Wickram, 



zägericht, selb solt leiden und an disem gaigen gekreütziget 
werden. 

Anff difien senientz schreibt Josephns') und spricht also: 
*Dannenher ich mich ab dein naminen gottes und seiner weis* 
«heit verwunderen mÖs und seine gerechtigkeit erkennen, das 

er uk allein die boswilliukeit Amans gestrafft, sonder uiuli 
die peiiiis^ung iiiiiid tornient eini andren zi^^erHst um\ auff ilui 
vorwendet liett, dujuit andre aueli vernenien solton, das offt 
einer, so wider einen andren etwas zürtlstet, wider sich selb 

10 angericht nnd ein sok hs befindet.' ^) 

Darumb Aman, der sich der ehren, so er vom konig em- 
pfangen, gr6slich mißbraucht, an sein selbs befolhnen auff- 
gerichten gaigen ist erhenckt wor-| 72'']den. Demnach hatt 
der konig des Anians guter nnnd Imb der künigin i^cschenckt 

ih und den ManltM lifUiu /ii ihm Ijcj'Ull'i'u, des Anians riiig. wel- 
clien er ans koniglitliein berelcli getragen Initt, im, dem Mar- 
docheo, übergeben; dann die 1 Tester hett schon den kunig be- 
richtet, wie nahend ihr Mardochens verwandt were. Es liatt 
aber auch die königin dem Mardocheo die besitzung geschenckt, 

so welche des Amans gewesen was. Demnach hatt sie den k6nig 
flei»8ig gebetten, das er wolt das jfldisch volck von den todt« 
geferden erledigen ; dann sie eröffnet im, was Aman, der yetz- 
nnd schon am gulgea uiliiiickt was, i'ür brirll und gebott in 
alle laiul liet lassen ansgon ; dann sie sagt, wo irer vatter ge- 

2ü Hchleckt iind)rauht werden solt, bette sie gar keinen lust mer 
zä leben. Da hatt ir der k6nig verheissen, das sie gar nicht 
umbsunst solt begert haben, so kOnt er auch gar nichts thän, 
so ir züwider were, hat ir alsobald befolhen, das sie under 
königlichem secret allen Juden schreiben wolt, auch in alle 

soseine k5nigreich senden; dann wer solche k6nigklichen brieff 

, mit auffgetrucktem des k('>nigs sigel lesen, würd sich senilicheni 
belelc h gar nit wuh t setzen. 

Alsbald hatt Ib'ster die koiiiglielion sehreib<'r benilltu und 
iifl'n befolhen, allen vulckeni unnd lürsten, aueh allen ober- 

Sä keiten von Ethiopia biss in Lidia in hundert unnd sibenund- 

* 

1) Josophtt« im 11. bftch von den alU>n geM-hiohten, das 6. capiteL 

2) Einem andren ein grftben telben und selbs darein fallen. 



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Hauptlosiär, eap. 86—37. 



259 



zwentztg lender z& schreiben. Dias ward also ejlents nach 
der k6nigin Hester befelch ausgericht, und wurden also alle 
.Juden in allen landen, so weit die vori);ren mandaien gangen 
waren, erledigt und von allem tn'ibsiil erlost. 

Hie habent ihr vil .scliimer wurliatni^er exenipel, was zft •'• 
aüeu Zeiten aus dem schantlichen neid [73'] erfolgen th&t. 
Durch neid, so die IMiariseer z\\ unserem herren trügen, ward 
dem Juda das geidt angebotten, der dann auch aus neidischem 
hertzen Christum verraten und verkaufft hatt. Was ist doch 
nit zü grund gangen, da sich der neid emb6rt unnd geherscht lO 
hatt! Schlagen nit, die beiden bnider, so die mechtig statt 
Ki'iii antVmklich Imnd erbawen, einander zü todt! Dann als 
litinus dem itumulu einen ;^'aben übeiMhrit, welclien er ge- 
macht, hatfc er einen solchen ueid auÜ' in geworffen, das er 
in gleich an der stat mauren umbracht. Julius, als er her- u 
liehen und dapferen sig an allen orten erlanget, ward er von 
etlichen seiner vertrewtisten freunden dermassen geneidet, das 
sie einen bundt zfisammen schweren theten, den keiser umb 
sein leben zft bringen, als auch gescliah. Was sage ich aber 
von solchen aU<en tres( hiehtenl Ein yeder sehe umb sicli, was») 
doch unradt aus dem neid in kurtzen jaren bey fürsten, herren, 
Stetten und landen ist erwachsen, so würdt mir ein yeder dess 
warhafftige zeugnuss geben. 

Derhalben w6llend wir jetz genfig von disem laster ge- 
sagt haben und ein anders, als nämlich die fresserey, f^lr dieffl 
handt nemen und durch etliche exempel ir tilgenden har- 
iiirbringen. 

Von dem schantlichen und sch&dliclicn verderblichen 

« 

laster der füllerey. 

Das 37. < iiutel. ao 

Die fuUerey und fräs, wiewol daü ser lang in der weit 

geherschet, so müssend wir doch gemeinlich und ein yeder 

bey im selb bekennen, das es ein sehr [73**] ^) sch&dlich laster 

* 

1) Hol X schnitt 24; Za vier bei tisch Hitzendcn (könig, kiinigin, 
Jungfrau, jangling) siarmt ein jfingling mit g<^zOckteiii scinvert herein. 

17* 



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260 



Georg Wickram, 



ist, dieweü es den menschen durch vil weg beschediget: erst«' 
lieh an seiner hab und gAt, zAm andren au glimpff und an 
ehren, sAm dritten an seiner vemtinfflb und verstand, zAm Vier- 
den an seiner gesiindtheit und xAm fQnfften an leib und an 

• seel, wie wir des genfigsamme und schAne exempel haben. 

Dieweil wir von der trunckenheit etwas hören wollen, so 
diinckt micli ^^üt sein das lastcr des niussiff'Tnnfjs mit einzö- 
füren, daraus durnaili ilic Unlauterkeit iren Ursprung und bruu- 
ut n hkr hat. Aus trunckenheit erfolgt die tragkeit und faul- 

10 lent?«; so ist der mnssiggang ein anfang der trunckenheit ; 
daraus erfolget dann, wann die beiden laster das hertz dos 
menschen Überwunden, das die Unlauterkeit mit gantzem gewalt 
hareinbricht. Dann es thdt mancher tmnckner [74*= XI*] 
mensch in trunckener vollen und tollen weis, so im harnach 
j(ar jrros.^i n ktminier, schuierfzen. schamni, forcht, schrecken, 
ja manclien von glimpft' und einen , leil> luul h ltcn brinj^en 
tbflt. Es beschicht auch vil malen, das einer in voller weis 
in fewr, wasser oder sunst den hals abfallet. 

Darumb der hejlig Jeronimus ') an die Eustochium, ein 

90 junckfraw, also vermanung thuet unnd sagt, einer yeden ge- 
mahel Christi, so junckfrawschafft hehrer zü halten, deren sej 
der wein nit änderst zA fliehen dann ein scharpflPes «^iHt; dann 
der unmessig trunck seyen die ersten waften des Ix'iscn geists 
wider die jnirendt; dann der jyreytz erschüttet einen nit also, 

9b die h(vtlui t blotät einen nicht also autt*, der ehrgeytz erlVewet 
einen nit also; dann wir der andren laster w(d gerhaten ken- 
nend, so wir aber den wein unmässiglich drincken, so haben 
wir schon unseren feind in uns verspert. Weiter sagt er: 
^Der wein ist ein anzUnder des wollusts, er steigt darnach auff 

80 die nechste Staffel der unmässigkeit unnd unordenlichen un- 
keuHchheit. Darumb die alten römischen matronen oder ehe- 
weiht r Ljfar keinen wein Imhen getruncken^ wie Valerius Ma- 
ximu.s darvou schreibt ^).' 

Das aber der wein so ein »chedlich getranck sei, das ist 
nit, so man ihn nit Qber die natürlich anmfittnng drincket, 

1) Bisa findeat du in Polidoro im S. tSch von erfindung des weins. 

2) Diies gebots werden unsere weyber gar nit eingon* 



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UüupUutiier, cap. S7, 



261' 



wie wir dann das «^';ir tV iii Huden in Jesus Syrach ') am uu- 
faug seines 31. eupitel; da spricht er: 'Mein kiudt, »ei kein 
' weinseulferl Wie die hshc brülei das geldt eyaenwerck, also 
prüfet der weia der frefelen herizen, wann sie truncken sind.' 
Und gleich darauff sagt er: ^Der wein erquickt dem menschen 5 
das leben, so man den m&ssigklichen trincket; unnd was ist 
das leben, da kein |74*'] wein ist! Der wein ist geschaffen, 
das er den menschen soll Frölich machen. Den wein zür not- 
ttirft't «rctnincken erfrewet leib unnd aeel; aber so man sein 
zu vil truicket, bnnget er das hertzeuleid.' Der königlich pro* lO 
phet David') zeigt auch gar fein und heitter an inn seinem 
104. psalmen unnd singt gantz frölichen under andren versen; 
*Herr, du lassest gras wachsen ftlr das viehe, unnd saat zA 
nutz den menschen, das du brodt aus der erden bringest, und 
das der wein erfrewe des nienschen hertz und seine gestalt lö 
sch6n werde von öl und das biddt des menschen liert/ sterck.* 

Item wir finden ;iu( Ii in ilcni cvan^jidicn das Christus s!im]>t 
seiner ausserwelten mütter, der reinen junLkfrawen Marie, 
sampt seinen geliebten jüngeren auff der hochzeit zü Oana in 
Galilea gewesen, wasser zd wein gemacht Diss ist auch, wie 
Johannes am andren bezeuget, das erst zaichen, so Christus 
unser herr geton, als er seine gottheit hat offenbaren w611en. 
So sind wir auch aus andren seinen werten grantlich bewißt, 
das vv vil nmU'U wein getruncken. Dann er sagt Matthei am 
20. als d«'r herr seinen lieben jüngeren nnder der gestalt liä 
des weins si-in war und kostbarliches blut zu ciiwv Ictzr geben 
hat, sagt er aiAm beschlus; Ich sag euch, ich werde von nön 
an nicht mer von disem gewechs des weinstocks trincken biss 
an den tag, da Ichs newe trincken werd mit euch in meines 
Tatters reich.' so 

Dammb selten wir bilHch den wein mit h6chster danck- 
sagung drincken, desgleichen das täglich brodt, dieweil uns 
Christus in disen zw t vcn stucken un^ das höchst güt verlassen 
unnd zd einer letze gegeben, damit wir in seinem vatters reich 

* 

\) Jesus Syradi am 81. capittrl. 
2) 104. psahn. 

8) Matthei 26. Hard U. Luce 22. 



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(Jeorg Wickram, 



auch mit im vuu [75* | tlein wein des newm ivbsitu'ks iriin ken 
inocliten u\u\ in (»\vi;^^M' glori die Iiimlisclu'ii uiizcrgfiicklu Ih'U 
liochzeiteji luilttJi. Darzü helff uns gutt der vatter, gott der 
sfln und goit der heilig geyst. Amen. 

« Durch wen der erst wein sey gepflanzt wurden uund 
}\aA unradtb im daraus entstandea sey. 

Das 38. capitel 

S(» maii die alten hystorien besieht, fint 111:111 ;4ar vil, 
welclien zugegeben würt. das .»«ic den i^oibniiieh des wein?; er- 

10 finiden haben. Wiewol giit zu luütiuassen, das iuu einem 
land diser brauch elie entstanden iat dann in dem andren, 
doch 80 wöUend wir der bibel als der heiligen schrifft am 
ersten glauben geben, demnach auch dem Josepho, der dann 
alles sein schreiben nach Ordnung der bibel haltet. Und wie- 

15 wol davomen meidung geschiebt von dem ertzvatter Noab, würt 
doch ursacli liailuMi sein wider gedacht. 

Dann nho spriclit Josephus''^) in scincui ersten buch von 
den alteu geschichten am 13. capitel: 'I^uclidem nun das erdt- 
rich zö seiner [75''] eignen natur widerkert (verstand nach 

SO verdrücknung der sündtflöt), hatt Noah angefangen zil ar- 
beitten ; und als er einen rebgarten gepflantzt hat und an reben 
gesehen zeitige frUcht, hatt ers abgeli erpstet Und als er 
wein daraus gemacht, hatt er vor essens geoptfert (das ist: 
er hat nüchtern gctiiincken), ist also dnmcken worde n und 

2j vom scliUiff hingetallon und sich empU'sset und ungescliickt 
dagelegen. Als in nun der jünger sön gesehen, zeigt er in 
den brüderen zö verspotten. Dise aber band den vatter zu- 
gedeckt Als diss Noah befunden, hat er seinen andren sünen 
glück gewttnschet, dem Cham aber umb seiner erkantnUss willen 

90 hat er nit gefldchet, sonder seinem geschlecht; unnd als andre 
der vermaledeyung entwichen sind, hatt gott die sQn des Ca- 
naneers (verstand des Chams) Verstössen. 

1) Holsschnitt = oben ü. 185» nr. Ii (Noab). 

2) Joitepbus am 18. von den alten geschichten. 

3) Genesia 9. 



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Haupiliister, cap. 88. 



263 



Hie sehend wir, was der zävii getruncken wein am an- 

fang zuj^ericht. Noali, ein verstendig und gotfilrclitigor alter 
iniin. Weichs got in der silndtflüt') iillcin sampt neineni haiiss 
verstlionefe (vcistaiul sciin's hausgeriintls), der wUrdt ein erster 
vatier uund pÜautzer dess weins, macht den zA einem dranck^ 5 
damifc er dem ganteen menschlichen ges( liK clit zö ergötzlicheit 
geraten m6clit. Was beschidit aber? Koah übertrinckl: sieb, 
vergißt aller seiner sinnen imd vemnnfft, legt sieb gantz un- 
verschampt under seine hCltten, wQrt von seinem sfin Cham 
verspottetf dardnrch hamacb sein gantzes geschleclit von got lo 
wärt Verstössen. Disss ist die erst belonung des zudrinckens 
gewesen. 

Weiter linden wir, das der icarus bey den Atheniensern 
den wein erstlichen eriunden unnd zä einem tranck gemacbet. 
Als aber das baursvolck [76"] des vor ungewonten drancks i« 
getruncken, sind sie gantz unsinnig und wftttend worden, haben 
in solcher unbescheidenheit den Icarum, ihren tranckmacher, 
zü todt geschlagen villeicht darnmb, das er sie ires unzim- 
liehen trinckes halben gestraft't hatt. Delahalhen warnet uns 
.fosus Syraili'') gar treulich am 82. capitel und spriclit: 'Schilte 20 
deinen nechstcu nicht bey dem wein inid schmiihe in nicht iu 
seiner Iread' etc. Dann wir sehen täglich, das mit keinem 
tnineknen mann nicht zä handlen noch anzäfahen ist. Darumb 
spricht man gemeinlieh: ^Einern truncknen man soll ein fftder 
hew weichen/ 2& 

Der tmneken mensch kan nit erkennen, was im zft scha- 
d«'ii. M luiiid oiloi* nachteil diciicu inair. Diss haben die zwo 
torlitt r Lolii-. ) wol beilarlit . als auf!' dem berg in dem 
hol ireu vatter truncken niauhlen unnd er sie beidsammon Ix - 
schlaffen thet. Dieweil sie in der erbarkeit erkantcu . das er m 
nttchterer weis scmlichs nimmermer understanden het, mästen 
sie die trunckenheit zü hilff nemmen. Also geschacb auch 
dem gAten firummen Jacob als im durch seinen schweher 
Laban die Rahel zürn weib versprochen ward, welche ir Schwe- 
ster an schone weit Ubertraff. Dess abents Hess sich Jacob» 

« 

1) Gcrn;»is 7. 

2) Syrach 32. 3) Goueaio 19. 4) iiüncsu 29. 



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^ 264 



Qeoi*g Wicknun, 



den wein ttberkuinmen. Dies nam »ein schweher e1>en war; 
unnd als man die braut zd beth f5ren solt, ward ihm die Lia, 

so an f^ostult lie^sslich und rinnende au<ifen hett, ziiLTcle^H ; Imtt 
also üuiii sch«jne braut, ninb w« U lie tr sibcn jar treflieut liet, 

ö in wein vcrtruncken und erst andere siben jar dienen müssen. 
AV^as ist dem Amon änderst in seiner trunckenheit guts wi- 
derfaren, dann das er von seines bri^ders knechten hinder dem 

' wein erstochen ward ! [76**] Der weinschlauch Holifemes ward 
auch in seiner tollen imd vollen trunckennen weis von der 

10 gottförchtigen Judith umbracht und die gantase statt Bethulia 
von .seiner tyranney erlost. 

WiXH soll ich sagen von (h ii kiiuleren Hiob M, die da kein 
andt'io autechtung noch sorg betten, dann wie sie einen jeden 
tag mit woUeben, fressen und sauffen zü end bringen moch- 

l^ten; und sobald der sc hlämm an einem ort aufl'hdrt, fieng er 
an dem anderen an. Wann sie dann also tag und nacht sunder 
allen schtth hey einander sassen, gieng der gAt frum Job des 
morgens unnd opfferet gott brandopffSer fOr seine sOn und 
tftcbter; dann er alwegen gedacht, sie mochten sich au dem 

SoluTiTn vtaüündiL^et haben. ZuK'r.st aber wolt ir mütwillen zu 
gros werden. Da gab gott dem Sathan gewalt, der bracht 
einen grausauinien grossen wind uff aus der Wilsten, der nam 
und ergriff das haus mit allen seinen vier ecken und stürtzet 
das zü hauffen. Dieweil des Uioben kinder inn allem schlämm 

z» waren, kamen sie also umb, das von allem hausgesind, knecht 
und m&gten, herren und frawen sampt den kinden nit mehr 
dann ein einiger knecht darvonkam, welcher dem Hiob disen 
triibsal verkündet. Da wu.s .'icbun dem schimpff der bodcn 
aus. Also lulnu't da>' fressen und sauffen unnd des bauclis 

90 gott allen seinen dieneriu , wie unser ersten mütter Eva auch 
geBclu'lien. 

Der gut Jacob ^) als er im auff ein zeit selb ein linsen- 
mflss gekocht het, kam sein brAder Esau vom föld und begert 
von Jacob, das er im auch von den gekochten linsen mittheilen 
36 wolt Da begert Jacob von im^ er solt im seine freyheit seiner 
ersten gebflrt darfür verkauffen. De^ was Esau willig; [77'] 

* 

1) Hiob 1. 2) Qeuesis 25. 



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Hauptkwter, cap. 88—39. 265 

dann in gelüstet ttbel und fast nach den linsen, und verkaufft 
im umb ein schflssel mit linsen seine erste ^ebdrt, die er umb 

^ross <(öt nit solt geben haben. Dahin dnuig m .nuleivs nichts 
dann der ^hist. Lieber, was haben die kinder EH^) an ireni 
mutwilligen geschleclc empiaiigtn unnd gewannen anders, dann 0 
das sie auff einen tag sampt irem vatter jämerlichen umb- 
kummen sind! 

Damit wir aber auch ein wenig von den alten liystorien 
b6ren, wil ich derselbigen, sovil mir zft wissen sind, melden, 
was fllr graiisammer mordt unnd erschrocklieber gscbicbten io 

allein aus dem unmenschlichen drincken entstanden seve. dar- 
durcli etwan land und Icut zü gnindt gangen, auch «tlicht» 
koiugrt'icli dardui cli zerstört wurden ^ind. Zum beschlus aber 
wend wir vou der langsanmien tragkeit auch eins theils an- 
zeigen unnd iren herlichen nutz an tag bnngen, desgleichen t6 
die Unlauterkeit mit iren schonen fruchten» die dann den merer 
theil aus disen lastren entspringet und iren rechten brunnen 
und quelle hatt. Dann wir sehen und erfaren die ding tag- 
lich ohn underlos : sobald der Bachus und die Ceres flberfaandt 
nemen, so ist die gailhait und ir göttin Venus vorhanden ; 2D 
inn niiissij^rlvli, liriij leben aber erkaltet sie, wie der poet »agt: 
'Sine Cerere et Bacho fnget Venus/ 

Von eiDOm schanilichen verzweifleten b6swicht, wel- 
cher ein scb5ne und keusche junckfraw in ires vat- 

lers schob jainerUchen ermorden thet, als er sich 25 

voller wein getruncken. 

Das 39. capiteL 

[77''j Plutarchus, der hochberumbt geschichtschreiber, mel- 
det inn seinem büchlein, des tittel ist Von tugenden und ehr- 
lichen thaten etlicher weiber, ein sehr erbärmliche histori von so 
einem grossen b^swicht, genant Lucius; derselbig was ein tra- 

bant des blütdihstigen t^raimeu iiristotimi. 

1) 1. bfich der könige am 2. 



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266 



Georg Wickrani, 



AIh derselbi'g der Elier land und f&rateutuii] mit gewali 
erobret unnd iunhctt ans hilff und beisinnd den königs An- 

tiijfoni, hut er sich seiner tininnei und i;i u .ilts isnv ffist iniLi- 
bnun lit ; dann er das arme ginn in vokk mit täi^liclirii newi n 
ö breuclien beschweret. Diser het an seinem hoti' einen auser- 
le^nen sclialck zu einem diener und trabank^n ; dann man sagt 
gemeinli( h : 'Wess der lierr gewinnet, also sind auch seine 
diener und ampÜeut»' Lucius (also bies diser trabant) der 
ward in grosser liebe enzOndet gegen einer zOcbtigen keusclien 

10 junckfrawen, Micca genant; dieselbig was eines f&memen 
burgers tochter mit nammen Philodemiis. Sie aber von wegen 
«einer s( liukkeit wenig achtung aull in liett und sein huld 
unnd irc'unts< liufft verachtet. Luciu» aber seiuea lüiuemeus 
gar nit wolt abston. 

Ii AufT einen tag hatt sich der schalck gantz voller wein 
gesoffen, schicket einen botten zft der junckfrawen, das sie 
gedecht zA im zft kommen, embodt auch iren älteren, das sie 
gcdecbten und mit irer tocbter verscbüffen, das sie nicht aus- 
blih, sonst würden sie schwerer straff von im warten miissen. 

i.'«)Mii ( a, sobald nie verstimd, das ihre alteren von torcht weisen 
bewilligen woU»ni . ist sie dem vatter zö füssen gefallen und 
gesagt: H) bert/.lieber vatter, nit wölb st deinen willen darein 
verbeugen, das mir mein junckfrewlich ehr von einem solchen 
laster-[78*- Y TjUchen unnd bosliafftigen schalck abgetnmgen 

2r>werd! Dann ich wil lieber sterben dann einem solchen scbant- 
liehen mann underworffeu sein/ 

Als nftn Micca zü kommen verzogen hcti, ist der bos- 
baHti;4 Lueius, der dann zuvor gantz weinscliellig was, gar 
unsinniLT und wiiitend selbs inn das haus Pbilodemi gelautren. 

30 Micca aber, wie ein forcbtsammes binilein liücht und'M <he 
flngj'l seiner miMter und beschirmerin, liett ir flucht, vor und 
ehe Lucius kam, zft irem vatter gehabt; dem ist sie also mit 
irem Haupt inn der schos gelegen voller kummer und be- 
schwemüss. Die hatt Lucius also ligen fanden und sie mit 

U gewalt understanden hinwegzAfören. Als sie sich aber weder 
an stille trawwort noch anders nit kereu wolt, hat er hand 
an sie gelegt, sie under-standeu mit gewalt auftzfireisseu : bat 
fiie sich im mit allen kreitten widersetzet, also das er ire kiei- 



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HaupilflAter, ctip. 89—40. 



267 



der ffar «errisse. Darab der böswicht; nocb mor orj^'riimiit, 
ztickt sein >( livvert. scl)lrt<L( (Ut tu<5eütj>iinmKii keussilieii jiinck- 
f'niwen fast s( Ihik rtzliclie wiiikIcji. Micca aber ^aniz willijr 
zä sterben, hatt also ab solchem scbmertzen keinen schrey 
gelassen noch zdm wenigsten erseufi'tzet« Ire alteren aber«* 
haben des gar gros beschwerd geDummen und sich gegen gott 
lind den menschen seuilicher unbillicben sachen beklagt. Der 
weinwütendt Lucius ab solcher der älteren weinen und klagen . 
gar zd keinem mitleiden noch erbarmung bewegt, snndererst 
cigrimmefc iinnd die juiuktraw pintz ji;r;iii.saiii in den aniicn u* 
irer altereu ermordet, darinn sie gantz erbarmklich ir lebeu 
eudet. 

Als aber senilitlio mörderische sach fUr den tjrranneu 
kam, liatt er seinem trabanten dess orts gar nit unrecht ge-> 
1 78*']äclietzt, sunder im der sachen recht gegeben, auch in t5 
grösserm zom und grimmen dann vormals gegen den frommen 
bürgeren gewütet ; deren vil, so die schantlich und mörderisch 
lianJluiig ?-tlialten, liatt er auch janirrliclicn erwürLren lassen 
und ein gros-t- /al diM'srlbigen weilMT Lfcfangen, dif niaiiu, so 
er bey leben gelassen , in das eilend verjagt. Diser jamer 2<j 
aller ist aus dem trnTKknni Lucio erwachseui im aber zuietst 
auch sein wolverdienter lohn worden. 

Wie der tjrann Aristotimus sampt allem seinem ao- 
hang umbkummen unil erwürgt worden mit weib 

uud kindeu. 

Das 40. capitel. 

Die armen verjagten bnrger mit höchstem fleis an den 
tjrannen werben Hessen, dieweil sie doch also im eilend sein 
musten, das er ihnen doch ihre weib und kinder volgen lies. 
Die biit aber mocht an dem tyrannen gar nicht verfahen. ZA- 30 

letftfc aber gleisnet er. als wann er die weiber sampt iren kin- 
den, hab und giU ziehen lassen wolt und wider zü iren man- 
nen klimmen Ion. Als sie aber autt' die sechshundert uft einen 
tag bescheit betten hiuweg zA faren, ire guter uud kinder 
auff die wegen geladen und mit freuden z& iren verjagten 95 



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' 268 



Georg Wickratn, 



luaunen faren wollen; welche aber xA faren nit vermoclitei], 
die trAf^n ire kinder aiiff den annen und in schliiigen, ver* 
mt'iiitcii, ir such wer «rmitz richtij^. 

Als sie aber etlichs wciX^ crezogen waren . scliitket der 

o iyrann seine lienckersbfiben mit gewerter huudt liinnch. Die 
flchreien die [79* J weiber mit grosser ungestümigkeifc an. das 
tde gedeucken und stUhalten und nicht weiter faren noch gon 
Holten; davon sie sehr und Obel erschracken« Die henckers- 
bAben trungen sie mit gewalt und gewerter handt wider hin- 

10 der sich und f Arten die wegen mit grosser ungestftme mitten 
durch den häuften, das vil aus den weiberen, so irc WLintiide 
kinder ann henden ITirtfii unud iitV den armen trügt ii , die 
fallen nnlsten lassen. Dieselbigen wurden von den rossen ujid 
wagen zertretien und zerknitschet, und mochten in ire eigene 

lomütter nit xü hiitf kummen; dann sie tnben sie nui stecken 
und rAten vor inen her gleich wie das unvemQnfftig vieh, biss 
sie alle kamen an ein ort, da sie der tyrann mit strenger hAt 
alt) in einem k&rker verwaret. Alles güt aber, so sie betten, 
nam der tyrann in seinen gewalt. 

2D Dis.s gesdiiay kam für die weiber, so dem Dionisio ge- 
wihet waren. Die underiijigüiid sich für die «refangnen weiber 
zu bitten; sie kamen an der zal secbzebue und trügen das 
heiliigtum ires gottes mit inen. Als sie dess tjrannen tra- 
banten ersahen, machtend sie in platz, damit sie onverhindert 

STi zfi dem tyrannen kummen mochten. Der empfieng sie erst- 
nialen gar göti glichen ; als er aber verstfind, das sie von wegen 
der gefangnen weil)er für sie zu bitten kummen , hatt er sie 
mit grosser unir<'>iume angefaren und fast über sein kriegs- 
leut gcziinit. das sie dm Avcilx-ren platz ^a^iiiacht betten, hat 

80 auch von stuud au befelch geben , das man die weiber mit 
dem beiitum vom platz jagen unnd jede umb zwey pfünt 
straffen. 

Es was aber ein alter man, Hellanicus genant, der ge*- 
dacht der saehen gantz fleissig nach, wie er die schantlich 
guthat an dem ty-| yG**! rannen rechen m6cht. Das mocht er vor 

andren aiicli am iuLrlit'list«'n zü wegen bringen; dann er was 
stetigs umb den iy rannen Aristotimum. Ks hatten arber die 
burger von Etholia ein sichern ort unnd platz eingenummen, 



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HfiaptloAtfT, cap. 40. 



269 



da sie der tyrann gar nit flberfallen mocht So samleiten sich 
atich 7st inen vil bürge r aus Elida, das in knrtzen tagen iren 

ein gewaltiger hauft'en ward. 

Darab der tyraTin nit wenig schrecken empfahen flief ; 
er fi'igt sieh zfi den j^etanirTiPn weiberen , so im korker oder 5 
gefancknüs waren, und mit grewlichen trauworten fieng er an 
mit inen zö reden, sie selten gedeneken iren mannen zu nchrei- 
ben nnd sie bitten von der belegerung abzuziehen; dann wo 
sie senmig daran weren, wolt er sie alle gar sampt iren kin- 
den erwürgen nnd zA todt schlagen lassen. Die weiber aber to 
gantz erstockt, Toller schrecken erstnmmetten der red Aristo- 
tinii. Er tiber voller zorn iinnd forrht hielt laut iilin, sie 
Sölten im ihr entlieh meiniin^ zu verstohn <;el)en, dann er den 
ein Wissens haben wolt. Noch dannocht wolt keine reden, 
aber mit wincken zeigten sie iren willen genflgsamiichen an, u 
das sie sich des todts gar nit entsatzten. 

Es was aber ein hertzhafft weih under in mit nammen 
Hegistona, ein gemahel Timoleontis, die von irer tugendt und 
adels wegen die ftlmenibst under den gefangnen weibem was; 
die sagt: '0 du tyrann nnd böser mensch, wann etw«as mann- » 
Jichheit in dir were, <ln würdest uns nit hrisson unseren nien- 
nem fürschreiben, wes sie sich halttn solten , sonder liessest 
uns zä inen als zu unseru heiTen und gemahelu gon. Das 
wer dir zwar ehrlicher und nutzer gewesen dann uns so schandt- 
liehen zft betriegen und zü be8ch&-[80']digett. So dir nAnS» 
alle hoffhong empfallen und dich grosse forcht umbgeben hat, 
understast du die armen gefangnen weiblein erst mit Worten 
zft betriegen ; du aber würst uns nit zft dem andren mal be- 
triegen. Du solt auch nit gedeneken. das unsere nienner ihr 
angeborne tVeyheit des vatterlands unib uns oder nnserer kin- 
der willen verlassen werden. Ob sie uns schon verlieren, wUrt 
es in doch nit ein solchen schaden bringen, als grosser nutz 
in daraus erfolgen wttrt, wann sie sich selbs und alle andre 
burger von deiner grausammen tyranney erl6sen.' 

Der tyrann ab diser red dermassen ergrimmet, das ers^ 
gleich befalh, der Megistone jüngisten sfln harzAfnren, und 
wolt in gleich t<)dt(n lassen. Da fimden in die dienor under 
anderen kiuden sitzen , kinderäpiel treiben. Die mutier rüttt 



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270 



Qeot^ Wiekmin, 



im sprechend: ^Kum har, mein lieber sön, und nim dein end 
zfivor, ehe dann du verstand überkummeet und diser grossen 
tyranney mfissest underworfTen sein. Die weil du eines solchen 
ehrlichen adels bist, wil ich dich vil lieber sterben dann einem 

h soIcIk'U schnöden tyraiincii dienen seilen.' 

Dise wort wurden mit dapterem und unerscluocknem ge- 
mufc von ir ausgesprochen, davon der tynuin dermassen wütend 
ward, das er sein schwert aaszucket unnd auf die fraw dringen 
thet. Kiner aber seiner diener, Cilon genant, underlietT im den 

10 streich und sagt: *0 herr, nit understand ein sollich laster£ 
Dann dir als einem gewaltigen fürsten will nit gezimmen seine 
h&nd mit weiblichem blfit bemasen/ Diser bracht den Ari» 
stotimuni vun seinem fUnieinrn. Der verliess die weiber und 
gieng in icvossem zorii von ilm liinweg. Es was aber gedach- 
ter ('ilon taglicli unib |8U' ] den tvrannen , nam sieli grosser 
ireundtschaftt gegen im an , was aber im iiertzen sein ge- 
ttchwomer todtfeind. desgleichen mit dem Hellanico in ver-» 
bundnem eyd wider den tyrannen. 

Bald darnach begab sich, das der tyrann bei seinem weih 

aoan dem beth l;ig. da kam ein mechtiger adler inn aller h5he 
Aber des? tyrannen haus fliegen , der Hess einen gi*08Sen stein 
aiiti' tlcss tyrannen lians aus seinen klawen fallen mit einem 
grossi n m sclirey. Dis« sahen die diener, so das naelitnial ])e- 
reitten tlieten. Der tyraim von dem get&mmel und des steins 

25 fal (M wachet; dann er gleich ob seiner legerstutt da er ge- 
rAwet hat, gefallen was. Als im ndn von dem adler anzeig 
gethon, hat er eylendts einen warsager beschickt, so im diss 
wunder auMegen solte. Derselbig aus forcht sagt dem ty- 
rannen, es wer ein sehr göte bedeutung ; wann er aber zü den 

yo buntgnossen kam, sagt er, der tyrann wiiid in gar kurt/.er 
zeit umb sein lelieji kuuinieii. Davon ward Hellanic ns sampt 
seinen bundtguosst-n hoch erfreuwet, und dunckt sie gerhaten 
«ein nit lenger in der aaeb zu verziehen. Also Schlüssen sie, 
am lu'cbsten tag hernach den tyrannen anzftgreifl'en. 

93 In derselben nacht traumpt dem Hellanico, wie seiner sun 
einer, so umbkummen was, z& seinen haupten stünd, als er 
schlieff, und sprach mit lauter stimm : 'Vattor, was schlaffest 
du? Waiitsest du nit, das du morgen ein fürst der gantzen 



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Hauptlanter, cap. 40. 



271 



aiatt sein wflrst?' Dis» gesicht gub dem Hellanico ein gantzen 

nnd auch gewissen trost , der Sachen dnpffer nachzäknmiiu ii. 

Ks k;iin aucli gleich zum selbigen mal dem Aristotimo 
ein |MK-^{, wie das im ( 'rat(Mus mit einem grossen beer zü hili'f 
kerne. Des ward er hoch erlrewet, meinet, es |.81*] mocht hu :» 
yetzund gar niemands mer widerstand thön, gieng also ge- 
tröst sunder alle trabanten auff den platz mit dem obgenan- 
ien Cilone, der die Megistona vor dem tyrannen errettet hat. 
Als nön Hellanieus meinet « das yetzund die recht stund und 
zeit vorhanden wer, hat er den seinen ein Wortzeichen geben lo 
und schrey mit uttgtstreckt^iu arm und Linter stimm: *() ihr 
nienner, was voizieheufl ir? Kylend und hcgond uff distii tag 
ein männliche that in unser statt!' Bald batCilon anit' eine«, 
so am neclisteii br y dem tyrannen was, geeylet und mit seinem 
Schwert nmbracht. In dem hat Chrasibulus und Lampidus auff l« 
den tyrannen eingedrungen. Als er diss mercket, ist er in 
des Jupiters tempel eylends gelauffen und vermeint, darin frey 
zA sein. Das aber hat in gar nichts mögen helffen; dann dise 
zwen habend in im tempel erwürget. 

Bald haben die buiidt-^a nossen seinen todten leib aiilt 20 
den platz geschleiitt, Hessen in allen gassen die bürge» Iii Ii 
ireyheit auüriiffen. Diss geschrey haben die weiber ebe dann 
die mann gemerckt imd mit gar grossen hauffen und frolocken 
hienzägelauffen, so das die mann nit wol hienzöknmmen moch- 
ten. Demnach ist das volck mit grosser menge des tyrannen a& 
hoff zükgelauffen. Als nAn sein weih das getilmmel erhört und 
wol abgenummen, wie die sacben standen, ist sie mit zweyen 
jungen des tyrannen snn» n in (»in kammer gelautten nnnd die 
thUren wol nach ir verspert, hat sich sampt den beden kna- 
ben selb erhenckt. !W 

Es het auch der tyrann zwo schöner und mannbarer toch- 
ter; die f Arten etlich jung gesellen aus einer kammer, sie zA 
schweehen nnd demnach zA ert6dten. Das kam ftlr die edle 
fraw Megistona, \ die kam bald nnd entledigt die beyden 
junckfrawen aus der Jüngling banden und sagt, sie theten un- Si 
recht und schandtlidi daran: dann inen gebürt nit solche 
schand zi'l volnbringen, dievveil sie sich eifi^s bnrgerlicben If- 
beuB uuderzUgen ; dann solche schand begingen aucii die aller- 



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272 



Georg Wickram, 



graiisammisien tyrannen nit. Al«o übergaben sie der Megi- 
stona die beiden junckfrawen. Die name sie mit ir in ein 
kammer und fi^ebodt inen, das sie inen selbs einen todfc anss- 

erwelon, welchen sie wolten, den miiüt ir ein jede selber 
6 antliön. 

Als nun die älter ihren gtirtel, damit sie umbgiutet was, 
wider auffgelolät, machet sie einen schlupff oder strick daraus 
und sagt zü der jüngeren: *Du mein allerliebste Schwester, 
ich bitt dich, wdllest mir in allem dem, das du Ton mir siehst, 

10 nachfolgen, damit du nichts handlest, so unserem geschleeht 
nachtheilig sein mog.' Als aber die jüngst semliche wort von 
ihrer Schwester hört, nam sie ihr den gürtel oder sträng atis 
der haiul umid sagt,: '0 du mein allerfronntlieliste liebe Schwe- 
ster, ich bitt dich umb aller liebe willen, mir vergUnnen w(d- 

11 lest, das du midi vor dir lassest sterben. Dann mir dein todt 
zfi sehen gantz beschwerlich sein würde.' Da saget die Uter: 
^Ach mein Schwester, dieweil ich dir all mein lebenlang nie 
nichts versagt hab, sol dir dise dein letste bitt auch nit ab* 
geschlagen werden. Danimb biss nur mannlich und mach den 

2«) scbliii>it nur geschwind, diunii du den todt dest ehe erleidest I' 
Hiihl sie nun das beredt, liat sieli die jung gantz uner- 
schrockeiilich selb umbbracht. Als uün die ander Schwester 
sähe, das sie schon versclieiden was, da nam sie ir den strick 
ab und bedecket sie auff das züchtigest mit kleideren. Dem- 

arinach hatt [82*^ ZI*] sie sich zd der Megistona gewendet und 
sie anffs freuntliehest gebetten, das sie so trewlichen an ir 
faren wolle, wann sie verscheiden seye, sie auch bedecken luul 
nit als schrintlidi oder nackend ligen lassen'). Alsbald sie ir 
min zusagt semlichs zft erstatten, hatt sie ir selbs den strick, 

3ü an dem sich ir srhwester erwürget, an hals geworifen und 
sich selb erwürget, das doch meines bedunckens ein gross 
unnd daplfer gemüt in beiden disen junckfrawen anzeiget und 
fklrwar ein erbermklich spectakel anzflsehen gewesen ist; ob 
gleichwol Aristotimus inn grausammer tyranney gewütet, so 

aü sind doch lUse jmickfrawen hodi zü erbarmen. 

1) Hic tnerck ein zOchtiges und darbey ntreng» giniit einer janck> 
frawen! 



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fiftttptla«ter, cap. 40—41. 



273' 



Dtser nnrat, jamer utul bhldtvergiessen allersammen, so 
wir den grimd besehen, kambt und entspringt allein aus dem 
weinsfiehtigen Lucia, dem mörder. Dann hett in Aristotimus^ 
umb seine misshandlang gestrafft, so weren die nacbgonden 

übel vermitten beliben. Derhalben sollen billich alle fürsten 5 
und berren, aucli alle ubeikeiten ire diener umb solche übel, 
so ftie es verschulden, mer geneigt sein zö straften dann den- 
aelbigen hiuüberzuhelffen, damit man uit sagen mUg: 'Der 
hundt wei6t seins herren siiten woF, unnd dann etwan auff» 
rhftren im gemeinen volck entstanden. lo 

Hie würde ich verursacht, ein histori, so sich auff dem 
reichstag zfi Wormbs zdtragen hatt under des allerdurchleüch- 
tigisten. grosmechtigs^ten, unüberwintlichsten Carolo dem füntt- 
ten im jar etc. 

Wie ein hethschier zu Wuriubb umb sein mißhand- lä 
lung aus bevelch römischer keyserlicher majestat aim 
einen bäum erhenckefc ward. 

Das 41. capitel. 

[Sä**]^) Zö Wormbs ufi' dem reichstag im 25. jar begal) 
sich, das etliche hethschiern (das sind die hundert, so utt'so 
römische kayserliche majestat zü ross und zü fflss warten müs- 
sen; zA ross fnrend sie glenen und zü föss partisonen) der- 
selbigen waren etliche, als sie mussig zeit hetten, in einer 
alten wittfrawen liaus, hetten einen schlam mit einander und 
dl IHK Iveii auch Uber das ziel . wie man saj^t. Nün hett man ^ 
in kurtzer zeit einen bur^er au.> der statt Wormbs in das 
götleuthaus oder lasary gethon ; derselbig het ein junge toch- 
ter in der statt dienen. Die begert auff ein feyrtag an ihr 
herschafft, sie wolten ir vergünnen, zA irem vatter zA gohn 
unnd im etwas zü bringen. Semliches ward ir bewilliget ao 

Als sie aber dui ch das quartier gohn muüt, darinn die 

* 

1) Ho 1 z c Ii 11 it t 25: nnter einem Hannie . an dem drei krieger 
hängen, sind zwei sulduten in iöini.«eli' r tim ht buäChäftig^t, zwei übenso 
gfeiüsttde, die aui* der erde sitzen, zu binden. 

WickTAtn III. 18 



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274 



Georg Wiekraau, 



heih-[83*]8chier lageu, stundeii der liethscbier zwea Tor ge- 
melter vitifrawen haus, fast wol (ich sagt scliifir, ttbel) be- 
dntncken. Die andren aber, so mit ihn geseclit, waren inder 

in ir losiinient gangtai. limdem uün dit- güt junckfraw da- 
it hei «rangen ist, haben sie die junckfraw mit gewalt hineinge- 
zogen und sie verwohnt , als wolten sie ir nur einen trunck 
geben. Sobald sie aber in die stuben kumnien, habend sie ge- 
waltige band an sie gelegt, mit gewalt aufi; die gatech ge* 
trucket unnd iren scbantlichen mutwillen mit ir understanden 

10 zü treiben. Als sie aber den ernst gespürt, hatt sie angeba- 
ben zA scbreyen. Bald ist die alt m die stuben gelauffea, 
understanden die tocbter ans iren henden zü reissen, aber 
unil)sunst gearbeit. Also ist sie hienausgelauffen . gewalt und 
moidt ge-schrawen, davon die naclihaiin'ii zugelautt'en, uanilit h 

lö ein hattner unnd ein weber. Alsbald hat der ein sein par- 
tason orwilseht, die beiden zü haufi' gesclilagen, also das der 
ein in kurtzer zeit todt gewesen, der ander aber schwerlich 
anffkununen des Streichs, welchen er empfangen. 

Bald aber r6miBche keyserliche majestat die ding erfa- 

so ren, bat ir majestat befolhen, eylends nach den zwe} en s&chem 
zu tjreiffen. Der ein aber, unnd eben der rechtschuldig, ist 
liiiiden durch die gürten, deren es dann selir vil zö Wormbs 
im Zwinger oder der vinckmmiren hat, hien und darvon kum- 
men; der ander gelangen und am andren morgen mit wenig 

25 geschrey hienaiis in husch gefart in einem gantzen sammaten 
rock. Nachdem er nfin seine sünd bekent und den wein fast 
und hart beschuldigt, hat im der hencker sein rock, wammas, 
schAb und hfit abzogen und ein strick angeworben und aus 
[83 ] römischer keyserlicher majestat befelch an ein bäum er- 

3u iiangen. 

Gott wol uns alle vor solchem s< li:idli( hen drunck behü- 
ten, damit wir imser siim und vernunftt tag und nacht be- 
halten. 

Oambises, eia kouig Tersarum, erschießt emem mech- 
S6tigeu landtherren seiuen sflQ, umb das er in seiner 
tronckenen weis gestrafft hat« 



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Haopilaster, cap. 41—42. 



275^ 



Das 42. capitel. 

Herodotus, ein ftlrtreffenlicliei gi iecfaischer gesehichtscliTei- 
bcr, schreibt in seinem andren und dritten böch von dem 
niechtigen könig Cambises, ein konif? der Pcrsier: der het ein 
sundere neygimg zi*^ der trunckenheit , niomtins aber dorfft in» 
darumb straffen. Diser het under den siben landtherren einen, 
dem er vor den andren gar tU lieiniligkeit verfraßet, und im 
auch fQr sie all angenem was; der hies mit seinem nammen 
Prexaspes, gar ein herlich und hochverstendiger mann. 

Denselbigen fragt der k^nig auff ein zeit: ^Lieber', sprach 10 
er, *was sagen doch die Persier von mir?' Bald sagt Prexa- 
spes : *() lierr k()nii(. davon is^t nicht zfi sa|?en, dann ewer lob 
bey alKn I'er.siern erseh.ilt biß in den himniel hienauff, und 
halten in allen dingen sehr wol von euch. AiUiii hfi))en sie 
disen maugel an euch , das ir euch den wein zä fast lassen 16 
Überkummen.' Di.s8 redt der güt Prexaspes gftter meinung, 
verhoffb den kdnig von disem laster auch abzüwenden, dieweil 
er im sonst in allen dingen so grosses lob veijehen het. Cam- 
bises aber nam im das zA grossem verdries auff und [84* J 
sagt : * Wie ? Sagen die Persier , das ich toU wein unnd ein lo 
trunckenboltz sey, so redend sie nit den andren Worten gleich- 
lurmig. Dann mir voritmls der 'jfantz rhat in beywesen des 
konigs Cresus das linchst lob verjelu n hat; dann sie sagten, 
wie das ifh meinen vatter in allem weit üV)ortrefF.* 

Alsbald saget der konig weiter zö gedachtem landtheiTen : 25 
*Damit du yetz sehen mögest, das die Persier inn dem nit 
war gesaget, so nim war ! Dort Stadt dein sAn under dem vor* 
schopff. Wann ich ihm seines hertzen fllen unnd dasselbig 
nit treffen wWrd, no haben die Pereier inn allen dingen war 
gesagt." Danut t üH er seinen bogen, unnd mit dem autt<^e- 30 
legten pfeil sclioss er des landtherren sön auff sein lincke 
brüst. Demnach lieiä er den jüngling in gcgenwertigkeit seines 
vatters auffschneiden. Da befand sich, das der pfeil gerad inn 
der brüst unnd hertzen des jungen stacke. Da hatt der könig 
Cambises gelachet und zü dem landtherren gesagt: ^SichstuSs 
yetzund, das die Persier mich mit der unwarheit einen drunck- 
"^nen boltz genant haben? NAn aber sag mir, welchen du doch 

18 * 



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270 



Georg Wickram, 



ander alkn Persieni also einen gewissen schützen mdgst er- 
kennen !' Der gAtt landtberr sähe wol, wie die sach geschaffen 
was, dorfft sich keines unmAts gegen im, dem k&nig, annemen, 
sunder sagt : ^0 k5nig, ich ghiuh nit, das der gott Jupiter in 

ä seinen schflssen so gar gewiß seye/ 

Am anderen tag aber hernach hatt der toll truncken 
Cambises in unsinniger weis nnrh zwolff edler Perj^ier also 
umb alle uufjiliuld jiiiuürlichen todtcn lassen und ihnen ire 
heupter lebendig lassen durchboren, TÜeicht das er in argwon 

10 gegen inen gewesen, sie haben sein Tolsauffen be-[84'' Jredt 
und ein miüfaUen daran gehabt. 

Daromb keinem foUen mann nicht eA sagen ist; dann ihn 
von irem gott über eingebunden ist, das sie frey reden, thün 
und lassen sollen, was in lieben und gefallen thÄt, der sie 

10 aurii züle}>l gar lioch darum belonen wil. \ on diser hohen 
})«donung d« s giits Liber (siuist auch Baclm?» mit heineni ge- 
meinen namnien genandt) hat gar artlich haraus gestrichen 
zA KiingeumUuster einer mit nammen Leonardus Schardtliu, 
in roinien gestelt; des büchieins nammen ist Künstlich trincken. 

20 Dieselbigen belonungen, wie die inn reimen verfaßt, will ich 
eins theils hiehar setzen; und redt der gott Bachus also: 

Bacbus zä dem vollen Sileno. 

Silene meiut venum mich recht« 

Du lieber voller werder knecht ! 
25 Las8 dein Werbung jetKund bey dir. 

Bis du zürn nechaten kumpst zft mir! 

Weil du mich yeis machst offenbar. 

Will ich mein kunst und nammen klar 

Jftxottd kürtslich anzeigen tV- v, 
80 Das man wi.ss, wer gott I5.i« hus sey. 

üott Bat-hum ninn mich -tctiü^^ ricTiiU 

l- niul mich danuit auch rtn lit ei keutlt. 

Ich ?:iinst auch andre naninien han, 

Dabey man mich erktunea kun, 
STi Er SC} von sprachen, wer er weih 

Hör, mein dieucr und guter gsell! [!'5a] 

So im die nammen werden gnendt. 

Gar bald er mich darbey erkendt. 

Ba«htt8 und Jachus sind fast gmetn; 
40 Noch mer vemim nit die allein. 



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Hauptlastcr, cap. 42. 



Bramias, £uaiin unü Lieas. 

Ich l.iinn zwar ein seltsaiDluer deoB. 
NictUius und Eleliua, 
Thioneus luid Eneus, 
Ni^eus luiml darzii I^iV.er. 
Wirwnl ii'b hab der naninH-n iDtn-, 
W.'lcli ich der küvtz halb yetz vei'tichweig, 
Will sajj:en von nifir alten geig, 
Di'* sti'tigK klingt von gutem wein 
^ Uniiii laudt nfir wol den prassern mein. 
Bricht mir ein se^'t, so gibts gethon 
Ein kQbel voll, sfi Zeiten zwen. 
Ich bring ineim diener ein toI glas. 
Sich, Misiee, wie gefeit dir dos? 
Solchs 8olt du lassen umbhargan; 
Frisch aufF, den nechsten solt 'bestan. 
Lass umbhargohn und mach» nit lang, 
Ist meiner geigen seyten klang. 
Merck, diss ist meiner diener Ion, 
Mir gadt keir unbcgaltt dürvnn 
Hieniit zur let/, thu ich si»- <j\veren 
Groslich, die mich lialieu inn ehren, 
Ich mein, mit prassen, bansen fein, 
Hand kübel, kanten voll mit wein. 
Der glimplt", gut, ehr für niehteu aclit, 
Wardt als von ihm vertspott, verlacht, [85b] 
Und acht auff schone Ueider neut» 
Ob er schon nacht« im mistpfftl leit, 
So halt ich ihn fUr klAg unnd bscbeid, 
Habs iHr mein rechte lehenleud. 
Dann ye unflatiger, ye besser, 
Ja ye sewischer arl. yo lieber. 
Der sich ft&m wüsten halten kan, 
Üör ist mein liebster lehenman; 
Der sey jung, alt arm otb-r r»»ieb. 
Begab ichs gwonlich alle ich. 
Drumb kf'inf^r mv'h verschmähen sol, 
Mein Iflu n nKi<^' cinj.fahen wol. 
.liic.lo. h i«:h gar kein abgang meruk, 
Daun da« sich meiu reich taglich sterck* 
Der gaiätlich häuft' veracht mich nit, 
Die schonen freulin auch damit, 
Der adel hoch und niders stand«. 
Mein register ist noch nit gantz: 
Die hoehgelerten all mit macht, 



' 278 



Georg Wickmm, 



D^r (loctor und magist ri bracht, 

Studenten, Schreiber, der gniein man 

Nemnien 'Uiich zfl irem «jrott an. 

All far^nn umbhar an iiirini t.iiit/ 
5 Unnd machend mir nu iii itvgen gautz. 

Dise, wie hoch uniul <_r1<»rt si»» «indt. 

Mach ich zöni narren uml zum kindt. 

Mit meiner kunst bring ich »ie all, 

Wie die schlang Adam bracht zil ralU 
10 Inn unghonam und alle eOnd, 

Deren ich nit wol zal hie find [86assAAIa] 

Den alten mach ich jung und gail, 

Dan er vergißt sein glQck und hail ; 
' Den jungen läppen lolm ich bas?« 
1» Die mich /.fil üben über dmass, 

Belon ich erst im alter wol : 

Hunger, annnt und kranckhcit vol, 

Händzittern unnd «chlottretten koptl, 
- Rodt aucren und ein doll> r troptt', 
2D Olscht'nL kl' ii, liylilm im anijHicht. 

!^ili ich dann, da» im mer gibriciit, 

So mOb er die frantzoseu hau, 

Die bocken, d lem wflrdts beston 

Inn grossen «chmertzen, ehe eir stirbt 
2b Unnd also NobishauB erwirbt 

Ist n6n das nicht ein waidlichs ding. 

Das einer diss so leicht und gring, 

So er mir volcrt. erwerben kan, 

So er sich meines diensts nimbt an? 

» l)isen Spruch aus obfifemeltem büchliii iiab ich uliein dii- 
riiiiib hieliar gesetzt, damit nuui in einer kurtzen summa ver- 
ston mog, was gott Bachus für ein danckbarer und weydlicher 
gott seye, mit was herücher gaben er die seinen ziert und 
belohnet. Sollichs haben wir auch in täglicher und eygent- 

85 lieber erfamüs. Weyter beschreibt er auch die eygenischaff- 
ien des weins auch in einem sprach auff nachgonde weift: 

Null hören /.u, wuh .sautl'en schiilll ! 
Gar oöt CS aus den menschen macht 
Sew, kilber, wolff, f&chs, esel, äff, 
M LeWf katzen, und gednltig schaff, [86b] 

Gins, irQtend hund, auch b&ren art 
Wflrt hie in keinen weg gespart» 
Der vollen secher sucht und schwenck 



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Hauptlaater, cap. 42. 



279 



Ein yeder bej* im selb bedenck 

Und schaw hie wol eins yeden schilt. 

So morckst <lu, was das wapp»»u gilt. 
Wio hpy in i-t verarht all ehr. 
Freundtöcliaüt, liebe gilt giw nichts mehir; 
Zfi trnt/pn, bochen stath ihr sinn, 
Tiiichttii nur stetz nach schaden hieu 
Eiui .reden, der nit stetz« mitlacht 
Und recht spricht, was eiu yeder macht. 

^ £ jgentscliaf f t der viehischen saufier. 

Der saw ein mietlach wol gezimpt, 

Ein dreck sie fOr ein perlin nimpt; 

Der gens schnatteren ist man vol, 

B&ren gnunmen, das waißt man wol, 

Darafl die k&lber bterren geni, 

Wolff rt'issen, darff gar keins bewera. 

Wiewol das schaff demQiig ist 

Nach seiner art, im nichts gebrist, 

So hatt es doch ein solchen fng : 

Der snnst if't tlaiitlt-r, weiß unnd klti«,', 

Sitzt weinü halb da gleich wie ein schaff, 

Als ob er hindrera tisch entschlaff. 

Der esell gar grob drucket für, 

Das ist keins dapffem mannes zier, [87a] 

Und der die gröate vitz soit bau, 

Nimpt sich des äffen gancklens an, 

^Dreibt boesen wie ein lotterknab, 
Meint, yederman hab gfallen drab. 
Der alt Hans gailt sich wie ein kindt, 
Sdcht lang, bis er die kappen tindt; 
Geschweig erst, was er forter treib, 
8o er anblickt ein junges weib, 
Wie niirrisili er '^'^ch dnr/d sfoU, 
Als sey er auch ein hüpjjch jung gsell. 
Die katz hnrt. muri, schnürt stet und lest 
Und will im öpiel atetz sein diu best. 
Und des faunds art man täglich aicht, 
Greinti, n&rt, so im schon nichts besehicht. 

"^Die haderm&tzen mein ich, secht, 
So alweg bhalten ir gebrecht 
Und weichend niemants nmb ein bar, 
Ihr leben ehe verüem sie gar. 

Jetzund habt ii fein abgemalet die art und eygen 



2ß 





280 



Georg Wickram, 



ten dev trincker, ich mein unzimliche drincker, die gar kein 
mass im drincken haben. Wann wir diser eigentschafffcen mit 
gantzem fleiß wamemen, würden wir vms gewißlich davon ent- 
ziehen, wie Aiuu liarsis, der weis philosophus, davon schreibt. 

ö Daun als er auÜ ein zeit befragt, ward, wie sich einer des /ü- 
drinckens und vollen weis am tuglichsten entschlagen niocht, 
hatt er geantwortet : 'So nim eben acht der sitten , weis und 
geherden deren, so druncken sind! Dann welcher derselbigen 
Sitten ermessen wttrdt, der wfirdt nimmer voller wein werden.' 

10 Er sagt auch, die weinräb trug alwegen drey-[87'']erley dran- 
ben: den ersten zAm Inat, den anderen zfl der fallerey, den 
(bitten zft dem verdniß. Dann er meinet, der Avein nach zim- 
b'cher nottui ft't g('truncken wer ein lu.s^tig ding üvni ineiist iieji ; 
so man sich aber desselbigen Uber die notturü't gebraucht, 

lo dienet zü nichten dann zü der ftiUerey ; und so man gar über- 
aus drttnck, brecht er unlust, zanck, hader und vil unrhü. 



Von Cyro dem könig, wie er durch suudre iüst, so 
er sieh gebraucht mit kostlichem wein und speis, 
der königin Tamiris haer überwand. 

■ 

so Das 43. capiteP). 

[BS'] Der könig Cyrus nachdem er yetzund ein mechtigen 
grossen theil der weit und königreich under seine berschung 
und gewalt gebracht, hat er im entlichen fCirgenummen, das 
kölligreich Scithiam auch mit hörskraif^ zft Aberziehen , wie- 

wol ini uuverburgf'ji was. das es ein gar ai iiit^h vulckk'in, dar- 
bey gantz gi'o)i«T violiisciier artt war. 8o was ir knnigin, so 
sie herschet, ein wittl'raw, die nit ))egeret ir konigrt-ich zü 
erweiteren noch yemands irer nachhnrschafft zö beleidigen; 
allein stAnd ir gemät, wie sie mit friden, rhft unnd gftter 
so poUocey ir armes völcklein m6cht zusammen halten. Die ding 
alle mochten den hoifertigeu und ehrgeyttigen Cyrum von sei- 
nem fümemen nit abwenden. Er- bedacht auch züvor die ding 

♦ 

1) Hoi^üchnitt ~ obeu ». 213, m*. 19. 



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Hauptlaster, cap. 42 — 43. 



gar fleissifx. was im zü senilichem zug von nottii sein würd. 
Er nain mit im die nllerstprckisteri nnä besten nein, welche 
dorn triühen und rauhen volcklin nie zükummeu waren, darbey 
die allerbesten inid schleckerhafftigisten speisen, so ihm müg- 
lieh waren anzAkummen. 5 

Als er nfln inn das landt kummen ist und die kdnigin 
Tamiris deren ding innen worden, hatt sie gar keinen anstand 
noeh friden nnderstanden zfl sfiehen: sie aber batt ron stund 
Uli alles ir volck, so tauglich zuiii streit gewesen . zusammen 
versaiiilet und einen gwaltigen hauten zusjaiunen geurdnefc tO 
und schürt iien sän zu einem t'tirer unnd hauptnian über sie. 
Der zobe dem feiud mit unerschrocknem gemüt entgegen; 
dann inen waren weg und schlüpff im land kundtbar, so dem 
k6nig Cyro nnnd seinem volck verborgen waren. Der kdnigin 
sün bette sie ancb mit den seinen wol flberwonden, wann er 15 
fßrtrecbtig-| 88*]lichen gebandlet und nit zA lang im arm- 
brost gelegen wer. 

Als nun Cvrns wol ubiKMne-i kundt. day sein volck in den 
ruhen unwegsaninien gel)üri:en nit lust zu streittm lieft, dar- 
bey auch gar nit geschickt darzft was, hatt er sich understan- 20 
den seines färgenumnen lists zä brauchen. Als der konigin 
sdu mit seinem h&er daberxohe, nam sich der kdnig Cyrus an, 
als wann in ein grosser schrecken und forcht umgeben, nam 
abo mit allem seinem gantzen bäer die flucht den Bchi£Pen zft. 
Der k6nigin sfin begert im gar nit nachzfteilen, dieweil er ein 85 
.sollich foll unnd reich lager sähe: er fiel mit seinem gantzen 
haer darein und Idündt rt das luieli seinem geiulien. Als sie 
aUer der kostlielieii s|>(is('ii und darzii des siissen li(l)liclu'n 
trancks gewar worden sind, alda hatt sich erst der bettler- 
dantz angefangen. Sie haben die nacht ihr läger an dem ortao 
geschlagen und dapfter angehept zil dempffen, weder an den 
feindt noch an ihr vatterlandt gedacht. Als sie nAn gar mit 
wein überladen gewesen, haben sie gemeinklich alle der rhA 
jund schiaffs begert und sind also, wie der truncknen und 
tollen leut gewonheit ist, entschlaffen. Bald hatt der könig 85 
€yrus senilichs durrh seine kuntschafft erfaren und ist mit 
seinem gantzeu hiier auÜ'gebruelieH , unnd also unij;e\vHmetter 
stachen überfiel er der konigin süu. Der lag ohu alle wacht 



282 



Georg Wickram, 



und Ordnung mit seinem gsntzen h&er gar foUer wein nnd 
ward von Cyro und seinem Yolck j&merlichen erschlagen; und 
hatt den könij^ Cyrum sein anschlag gar nit betrogen. 

Es sind abrr dise ding für die königiu Tamiris kunmien. 

h Die hat sich nh ein heldin in dvm Unfall gehalten und sich 
gar keiner weibischen klag noch an-[89']der dingen gebraucht, 
allein hatfc sie mit irem übrigen volck gerhatscblagt , wie sie 
den Cyrum auch mit gleichen lOsten hindergon m6cht. Bald 
hat sie wider ein mechtig h&er zftsammenbracht und den nech- 

Vi sten auff den könig Cyrum zü zogen. Der sich aber seines 
vorigen sigs mechtig ilberheben thet, rerhofft entlich, der 
kilnflftig sig wilrd auch inn seiner hand ston. Das glück aher, 
so gantz unhestendig in seinem wesen hoharret, hat sich yetz- 
und gantzlich von dem kunig Cyro gewendet. Di«' kunigin 

lö sampt irem volck griffen den kouig an, und bald sie zeit 
daucht, nam die konigin die flucht. Der ehrgeytzig und bl&t- 
girig Cyrus eylet mit gantzem hörskrafft hienach, woiig wufit, 
wo ans oder wo nan. Die königin Tamiris aber het irem volck 
die Ordnung geben, wann sie in die reuhisten gebürg kemen, 

80 Sölten sie sich wider zitsammen in ein Ordnung thfln und den 
zerstrewten feind, weklier i^mt k<'in «^elegenlieit in dem gebürg 
wüßt, niaiiniirhen an^rciffon. Diis i^eschach ; dann ihr vokk 
griff die Persier mit .solchrr giauöammer* und frrosser unge- 
stümigkeit an, das sie gar in keine Ordnung mehr kummen 

25 mochten, und wurden der Perser über die maß vil erschlagen. 
Der kdnig Cjrus ward auch eygner person erschlagen. Nach 
follbrachter schlacht lies die kdnigin Tamiris den todten leich- 
nam Oyri under den erschlagnen süchen; und als der funden 
ward^ lies sie im sein haupt abschlagen und in ein gefess, so 

■M mit menschenblät ausgefUlt was, stossen und aLso darein ver- 
graben, sprechende: ".Jetzund bistu menschliches blftts. diirnuch 
dich alwegen gedUrst hat, satt. Sauff dir yet/.und redit uenög!' 
Also kam der konigin sun über sei-fSD'^Jner lollen weis umb 
aus angerichtem list des konigs Cyn. Es mocht in aber sem- 

95 lieber list gegen und wider derkdnigin list gar nit gefristen; 
dann sie ihn mit noch mer geschwindigkeit, dann er sie, über- 
forteilet. 



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Hauptlaster, cap. 44. 



283 



Von Couiodo, dem foilen und tollen keyser, wie der 
auch in foUer weis hingericht worden ist. 

Das 44. capitel. 

Ich kan nit iinderlassen, die trmickenheit Coniodi des kejr- 
sers aiusflzeigen. Dafornen habend ir geh6rt, wie freundtlich» 
in sein liebster vatter ann seinem todtbeth seinen verwanien 
wid r&tfaen befolhen hatt, in in ^wter pfleg zA haben. Es 
^ irlig im auch nach absterben seines vatters fast wol und 
j?lücklich. solang und er dem rliat der alten gehorchet. Als- 
biild er aber denselben verhissi n, ist er inn alles verderben lo 
gefallen, wie oben gemeit. Wie er aber ^^öletdt ein end ge- 
nommen, wend wir jetz liorcn. 

Es hett das römisch volck am anfang des jars ein groü 
fest dem abgot Jano 2Ü ehren, welchen abgot sie alwegen mit 
zweyen angesichteren machen und mal^ liessen. Auff dises u 
fest was alle weit gantz fr6Iich, und ward je eines yon dem 
audeni mit icaben und sclieiicken verehrt , wie wir dann noeli 
utV das newc jar .solclis im gebrauch haltrii. I'ti' diss fest 
uani im der keyser ein gar «^raiisamme und immenscldiclie tliaf 
fttr. Dann er hett in) von reinem pergameni ein geschmei- '-^ 
diges bächlein lassen zurichten . darin verzeiclmet er alle die, 
so ihm semer onbülichen [SO^^^fiBl*] weis gütlich hatten ab- 
gestowt Dise het er im sinn anff das moroendig f&st nmb- 
zflbringen mit hiiff seiner f&chter, deren er dann ein grosse 
snmm bey einander het ; die vertröst er auch, er wolt der tun- ^ 
brachten guter under sie theylen, wann sie erschlagen weren. 
Ejs was der Ijraiich an L^i'daclitem fast, da» die keyser am 
morgen sich autt das allerzierlichest antheten und in irer kost- 
lichsten kleidung mit grossem pomp zü dem fast unnd under 
das Tolck giengen. Diser Oomodus aber was eines anderen«» 
Vorhabens; dann er nam im f(tr, dieselbige nacht bey den 
fechimeistem auff der fechtschftlen z& ligen und des morgens 
inn gantzem kOriss mit gewerter hand sampt seinen fechteren 
harftirzügohn, das dann gar ein unloblich ding bey den key- 
.SLTcii was. 35 

Disen seineu unschlag sagt er einer seiner kepsweiber, die 



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284 



Georg Wicki'am, 



im vor den anderen allen die liebst was ; danu er ir alle dig- 

nitet widerlaiH ii lies wie seinem eheweib, allein das man ir 
das feiir iiit Vditiagoji thet'). Als tlise Mai-tia (also was ir 
iianim) den willen und fürnemmen des keysers vemam, er- 
ösclirack sie fll)er die niass übel, und mit grosser bitt, weinen 
und fössfall understund sie den keyser von seinem bösen für- 
nemmen abzfikeren, aber alles umbsunst arbeitet; dann sie 
also angeschafft von im aus dem keyserlichen gemach gohn 
mdst. Bald nam er das blOtregister unnd yerzeichnet die giU 

10 Martia zu allert'ordrisfc darein von wegen ires güten und ge- 
trewisten rliats. so sie im geben bet. 

J)ania( li schickt er < vlond<j nach seinen zweyen vertrowtcn; 
t iner was obrister bauptman im zng und hüer mit nammen 
Letus. <h r ander was sein geheimister kämmerling Electus ge- 

ionant. Nach [90**] disen zweyen schickt er eylends, befalhe 
inen, sie solten im an einem gelegnen ort anff der fechtsclifllen 
ein schlaffbeth zurichten, dann er wolt seinen schlaff die kfinff- 
tiefe nacht darauff haben, damit er morgens als ein fechter 
rnider das voh k dr< ttrn muclit. Alsbald dise zwen des key- 

üi» I > üH'inung vcistainlLii , hahf ii sie nit wenig schrecken eni- 
piangen und also zit im augeiangen zu reden: '0 keyser, das 
wil sich gar nit gezimmen; dann es der keyserlichen dignitet 
gar züwider, dieweil einem keyser autt* disen tag gebftrt aufi 
den keyserlichen sälen zft gohn in seiner allerkostlichsten nnnd 

85 keyserlichen kleidung.' Von solchen worten ward der keyser 
in grossen zom bewegt, hies dise beyde in zom von im gohn 
unnd nam von stund an das blfitregiater und verzeichnet sie 
gleich nacli der Martia auch darein, damit sie drey die ersten 
sein solten, so da erwiirLrt umltracht würden. Es was aber 

»unoch ein sehr grosse zal in gemeltem buch vei-zeichnet; dann 
diser Comodus understund alle die zu ermt)rden, so im seiner 
schantlichen und lasterlichen weis einredtten , desgleichen die, 
so er meinet, die in ttber nacht straffen wfirden. 

Der k5nig zog hienaus auff das gejegd; und als er wider 

% heimkummen, ist er in das bad gangen, das bOchlin aber hat 

* 

I i Din römischen kcvserin haben im bruucU gehabt, \Xab inen in 
irom gohn Icür vorgetiagcu ward. 



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HaoptUwier, cap^ 44. 



285 



er auff seinem beth vergessen. Es bet aber der keyser an 
Aem hoff ein gar juii^^es kindlin, welches eben gehn kundt 

und yetziuKl anfienjjf zi'i reden : das was dem keyser so lyar 
lieb, da« er es zü zcit-ea zvi im mi «ein betli leget; dis»\s kind- 
lin wonet täglich imib den keyser. Der was yetzund schon 6 
auß dem bad kommen, und nach seiner gewonheit hett er sich 
schon füll weins gesoffen . hat sich demnach auch zft [dl*] 
beth gelegt und ist entschlaffen. In dem ist Tilgemelts Idndlin 
in den sal kummen, hat das büchlin auff dem beth funden 
Ilgen, das hat es genommen und gleich mit zfl dem sal hien- lo 
aiisgLUigeii. Von inigeschicht ist im die vilgedacht Martia 
beknmmen, die hat erstlichon das kiiidlin erwüstht und freundt- 
liclien zü ir ^^etruckt und [^ckiisset. demnach hat sie erst das • 
büchlin in seiner handt ersehen. Damit es aber nit et wann 
Ton dem kindt scliaden empfieng, hat sie im das abgeschwätzt i» 
und im vileicht etwas, so im anmutiger gewesen, darfUr geben. 

Als sie aber das b&chlin geöffnet und seinen innhalt Ter- 
merckt, ist sie außdermassen hart erschrocken, hat damit 
geeylet, den Letum unnd Electnm gesücht. Als sie die funden, 
hatt sie in gleicli das bAch gezeigt, damit sie des keysers vor- 2u 
hallen verston mochten. AU sie aber gemerckt, das mit der 
Sachen nit zu verziehen gewesen (dann sie nur ein eintzitje 
nacht noch tristuiig hatten), darumb habendt sie sich nicht 
lang herbaten, sonder ein starck und scharpfF gifft zübereittet 
und dasselbig der Martia gegeben, die solt im das, nachdem ii5 
er anßgeschlaffen het, darbieten. Dann also was sein, des 
keysefs, gewonheit, das im Martia in einem gnldinen drinck- 
gesohirr alwegen das drincken bieten thet. 

Martia gantz lleissig auil" den dienst wartend («Ltim es 
was ir nncli nit wenig von noten) stAnd in dem saal. Und so 
als der keyser yetzund erwacht was, drengt in noch der durst 
fast, dann er autf dem jagen und im bad gantz hitzig und 
durstig worden was; darumb begert er von der Martia zü 
trincken. Die hat im von stund den Tergifften dranck dar- 
gebotten, den hat er von ir empfangen und gar gejtzig-[91^] U5 
liehen in sich gesoffen, demnach wider entschlaffen. Als aber 
das gifft angefangen hat zd wircken und der keyser zflvor gantz 
foll gewesen, hat er angefangen hetitig zi\ miwillen. 



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286 



Geoirg Wicknun, 



Davon hat die Maiiia sainpt dem Lefco und Klecto nit 
wenig schrecken empfanden; dann sie haben gesorgt, das gifft 
werd nichts an im erechiefilich sein. Derfaalben sind sie zft 
red worden, haben einen frevelen jungen bestelt mit nammen 

ö Narei^sus, demselben haben sie vil schencken mid gaben zfi- 

j^estelt. Der ist gleich in den saal gangen, hatt dtii vcdleii 
ronntduni al>o an seinem betth erwürget. Also nani sein ty- 
rannev mmd drunckne weis mitnander ein endt. 

Uiemit wend wir gn&g von der trunckenheit gesagt haben. 

10 Von der tragheit, aus wellichem laster auch vil un- 

rbat erwachset« 

Das 45. cupitei. 

Es h.iben die altt-n gar tVin luid wol betrachtet , « iiiein 
yeden hauptlaster sein eygen thier zu geben, als nämlich der 

15 hoffart ein pfert, -^^^ytigkeit ein folleu und zerscliwolnen krot- 
ten, dem zom einen baren, neid imnd hass einen hundt, dem 
frass einen wolff, der nnkeuschheit ein wüste moren oder 
Schwein, und zületst der tragkeit einen esel, dieweil alle ding 
so gar Tertrossen nmb sie zflgath. Von diser tragkeit wend 

21) wir ein wenig erzalen, was doch ire frilcht sind, nauilich die. 
Sobald der venh'Uis.s das gennit so gar ttberkuiupt, so sitzt 
einer zil spintisieren, gedenckt hien und wider, was er an- 
fahen, damit im die lang weil vergang. Jetz uimpt |92"] er 
im für ztk gäten gsellen zü gon , da kummend wir dann zü- 

Säsammen, sauffen einander foil. Demnach begibt sicbs, das 
wir anfahen zA spielen, werden darob zft nnfriden, hawen unnd 
schlagen zftaammen, das mancher hinder dem tisch liegen be- 
leibt. Unnd ob schon kein spiel nit gebraucht, kumpts dan- 
nocht vilmalen darzii , das man mit Worten züsiunnienkunipt 

;x) und in gleicliem fall ein balfjens daraus würt. Discs sind die 
ersten und gewissisten t'rüclit, so wir aus dem iauiientzen mmd 
müssiggon erlangen; dann der müssiggang weib und mannen 
schädlich ist. Davon ich etlich schöne historien anzeigen wiL 



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Hiuiptlaster, cap. 44 — i6. 



287 



Von Dina, der .tochter Jacobs , wie die lust zt spa- 

cierea gewunnon und die töchteren des lauds zü be- 
sehen, uud wie sie geschwecht ward. 

Das 46. capiteL 

Wir linden inn dem er«rt;ea b&cb Mose am 34. capitel, ö 
nachdem Jacob aus Mesopotamia kummen was und, wie Jo- 
sephus daYon schreibt, hat er dem k6nig Hemer zü Sichern 
ein anzal groschen geben fflr etliche plaizung im bmd, damit 
er seine hfitten auffschlagen nnd seinem viehe weid haben 
niocht. Als er nön ein Zeitlang darinnen wonet kam es. das lo 
die zu Sicliem ein gross fiist betten. Da nljcrkani die Diiiii. die 
tochter Jacobs, aueb den faulen sieebtagen, und tieng unser t«>( liter 
an zö gelüsten, das sie die arbeit ein weil au ff ein scheittlin 
satzte und spacieren gieng; dann der fUrwütz trib sie, die 
t6chter des lands zA besehen. 13 

Al-[92^]^)80 thünd unsere t5chterlin noch heut des tags. 
Wo etwann hoehzeiten oder smist offen tentz sind, da lohnd sie 
vatter und muttur kein rhu. <lo.sgleichen meister unud frawen, 
iiiaii erlaul) ihn dann zft soldien hoppelreyen ; thünd sie es 
nit , so haben sie ein gantze wochen nichts göts an unser ao 
tochter. Darzü aber weis ich ein feino kunst; warm man nit 
mer dann gAt ungebrante äschen auff sie strewet, so yergadi 
in der rammel und mfltwillen gar fein. Ich wolte doch gern 
wissen, was gAts bey solchen offnen t&ntzen ausgericht wQrde, 
ich gescbweig, da wir unsere t5chter also fiber f&ld ein gantze 20 
iiu il \\•^^(: aiift" kirchweihen lauücn lond und weder vatter noch 
niuttei- bey iiitii ist. Wann nCin in senili( hejn fal einer [93*] 
tochter l)e«^e<inen solt wie diser Dina, wem wolt vatter und 
mütter die schuld geben? Wem wolten sie es klagen, dem es 
zh hertzen gieng? FUrwar niemants. Dann man sagt gewon- so 
lieh: Wann ein vatter ein Hebe tochter hatt, die zeit zA ver- 
sorgen ist, der behalt sie im haus; dann man sflcht die göten 
ross inn dem stall und nit auff der gassen. 

1) Holzschnitt 26: auf einer atrasse steht eine frwi im ge* 
spifteh mit drei jUnglingen. 



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288 



Geoig WickraoiT 



NAn wir kiunmend wider an unser junckfraw Dinli. Die 
zobe hien gohn Sicbem, spatzteret ein gaeeen aiifP, die ander 
ab; dann sie was auch ein wenig httpsch, das wu£t sie wol. 

Inn den dingen drüg sichs ebon zft, das sie des konigs Hemors 
ö siiu ('isehen Imtt. Dor fürt sie mit im zö haus, irab ir güte 
wort unnd redt ye so lang mit ir, bis er sie irrr ehvvu schwecht. 
Er gewann auch ein semlich inbrünstige liebe zu ir, das er 
an seinen vatter begeret, er wolt im das meitiin züoi weib 
geben. 

10 Jacob aber hett yetzand schon erfaren, das seine tochter 
geschwecht war« darron er nit wenig bekflmmert worden. Er 
aber hat seinen sQnen nichts darvon sagen künden; dann sie 
waren all auö" dem fald bey dem viehe. Als sie aber zü nacht«» 
heim kimieu sind, hnt er in ullc ding geoü'enbaret. Du halx ti 

15 ir *^fli< li geschwigen darzü, du; anderen aber haben mit tlei^ 
hinach gesunnen, wie sie semliche schmach an den Sicheuutem 
rechen mochten. 

Es ist; aber Hemor,. der könig zft Sichern, haraus zä dem 
Jacob kummen und hatt begert, das er seinem sün sein tochter 

ao zAm weib geben wolt. Die ettn Jacob aber haben im mit 
betruglichen worten und aus falschem hertzeti geantwort, wie 
das es ihnen ein grosser spott mmd verwiss were, so sie sich 
mit den unbesclmituen solten venuehelen; sie aber solten eins 
t]n*^n nnnd alles, was mennlich wer, be-f93'*]8chnriden hissen; 

& alsdann woiten sie in ire tochter zä weibern geben, hargegen 
auch ire tochter z& weiberen nemmen. Bald darauft' gebott 
der konig Uemor allem seinem Tolck, was mennlich was, das 
sie sich allsammen mflsten beschneiden lassen, und er selbs 
sampt seinem sün Hesse sich auch beschneiden. 

so Als es nfln ward am dritten tag, das der schmertzen am 
allergrosten bey den Sichemiten was, machet sich Simeon und 
Levi autt": dann dise zwen waren rechte linKler der Dina. Sie 
gurten ire ^cb werter unib sich, giengen in die statt und er- 
würgten alle menner, de^gleich den könig Hemor und seinen 

Sjsön und nammen ire »chwester Dinam ans dem haus Uemors 
und brachten die zö irem vatter. Als nön Jacob vemam, was 
sie gehandlet, ward er gantz angsthafft; dann er sorget, es 
würd sich alles volck im gantzen landt auffmachen tmd in tmd 



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Hauptlaater, cap. 46—47, 



289 



sein volck alles erwürgen. Gott aber kam zü im und befalhe 
im, er solt sich uffmachen mid solt gen Bethel ziehen. 

Sehend hie zö, was f^rossen nutz ans dem spatzieren diser 
Diiiji kam. wie manig man «lardurch ersclilapren ward, und kam 
die i)ina urab ihr ehrl Uns soUen unsere juiicklfaw t u l>illi(h ö 
bedrncken und desto weniger begeren also umbzufagiereii. Da- 
mit bliben sie inn einem güten röö , da siuist eine gar bald 
ein blichlin empfahet, wann sie sich zA böser gespüschafft 
gesellet. Wir sehen täglich, das manicher tochter ein ge- 
schrey wttrdt, die in allem irem leben args nie im sinn hatt, lo 
unnd jiescbicht ir allein darumb, das sie sich böser gespil- 
»chaö't anmasset. |_94'=CCrj 

Wie David jetzund auch taulleulzeii gieiig, inn dem 
obhsten gemach seines haus spatzieret, in dem ein 
weib ersehen, welche sich in irem garten waschen thet, 15 
nach deren er schicket, sein ehe mit ir brache. 

Das 47. capiteP). 

Der könig David, wie wir finden in dem andren bAch 
der könig am eilften capitel, was jetzimd auch faul und hien<- 
lessitr, hat sich am tag ein stund oder zwo an sein beth schlaf* 20 

fi-n ir* le<rt,. Demnach er wndov auffgestanden , ist er als ein 
Aoitiusjjener, tra«xer mann nmbhercrantren in das obrist thail 
seines gemachs, also von einem ort zu dem andern scIk 11 ward. 
Von unf^eschicht sähe er ein weih, welche gar schon |94'] 
was, sich nach der hebreischen weiber brauch weschen, und 25 
David ward von stund an gegen ir inn liebe entzündet. Er 
aber sante eylents botten hin und ließ fragen, ob nit diss das 
weib Urie wer, des Hethiters; und als er erför, das sie es war, 
hatt er sie zu im berdtten lassen und sie beschlaflfen. 

Aber kurtz daniadi briund sie, das sie schwan^-«'r wa^, ;5o 
und sie Ues ein semlichs dem könig ansagen; dann ir manu 

* 

1) Holzschnitt 27: David mit der harfe und ein andrer mann 
schauen von einem verdeckten gange auf die an einem bache sitzende 
Bathseba, hinter der zwei dienerinnen stehen. 

Wiokr*in III. 1^ 



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290 



Georg Wickram, 



was nAn laag zeit zft fald gelegen, David aber, damit er sem- 
lichen argwou von im ableinet, sante er lA Joab, dem ober^ 
sten földhauptman, und Hefi im sagen, das er im den Uriam 

den Il»»thiter schicken wolte. Das ^j^eschahe nach dem befelch 
des kuniir. Als nün Uria zö Davirl kinii, tragt in David, ob 
alle «rtcheii mit Joab und sunst im t'il«! recht zögiengen und 
aller handel wol stdnd. Uria zeigt im alle sach nach dem 
fieissigsten an, und der konig sagt 7a\ im : 'Gebe hinab in dein 
bans und wasche deine fiiss und hab einmal ein gfltten mflt 
mit deinem weib!^ Und Uria gieng hin, er aber kam nit inn sein 
haus, sunder legt sich vor der tbUr des k6nigs haus schlaffen. 

Der kÄnig aber hat im etliche geschencken nachgeschickt : 
dieselbigen kämmen wider mit drn geschencken. -aLjten dem 
konig, wie I ria sicli vor des küuig?> liaiis sclilatlen gelegt het. 
Sagt der könig zü Uria: 'Lieber, sag mir, kummest du nit 
erst einen l'erren weg über fald her? Warumb gast du nit 
hinab inn dein haus, damit du wider ausrhfigen nulgest':*' Da 
saget Uria: *0 könig, die lad «)uda unnd Israel bliben in den 
zelten, und Joab mein herr und meines herren knecht ligen 
zfl fald; und ich solt in mein haus gohn, das ich esse und 
trilncke und bey meinem weib leg? So [95*1 war der herr 
lebt unnd deine seel lebt, so wind itli seiiiliches nit thön.* 
David satt: 'So beleih hinaclit hie! Morgen will ich dich 
wi'ier inn das haer senden/ Also belib Uria zä Jerusalem des 
tagä und den ändert n darzü. 

Unnd David understünd einen anderen list mit im zü brau- 
chen, damit er ihn zA haus bringen möcht. Dann ab Uria 
yetz z6 tisch kummen was, macht in der konig gar truncken ; 
dann er meinet, er solt inn trunckenner weis heimgangen sein 
und sich zö seinem weib gelegt haben. Aber als man yetz 
vom tisch uuHstiind, legt sich Uria wider schlatien auli' sein 
lager und kam iiif in spin \i:ui<. 

Als nüu David sähe, das all*» seine anschleg umbsunst 
waren, nam er im ein böses und grosses mortstuck ffh- wider 
den göten frummen Uriam. Dann er schrib dem Joab, das 
er den Uriam in den streit stellen solt, da er am hertisteu 
wer, und wann es an ein angriff ging, solten sie sich liinder 
ihm abwenden, damit er umbkeni. Diss ward also nach des 



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Hauptlaster, cap. 47—48. 



291 



königs bevelch volendet, und ward der gfit Uria j&merlichen 
erm6rdet. 

Hie sehend wir aber, was schöner frQcht aus dem müssig- 
gaiig und fauUentzen entspringet. Wer David nit uiiif das 
haus j^anj^eu und sich eiiu r niössiifen faulen zeit angenninmen, » 
hett Nicli mit anderen des leichs gusrliedteu bemühet, ueie im 
das weih Bersabea nit zö gesicht kummen und wer er nit autf 
einmal ssfl einem ehebrecher und morder worden und het gott 
den herren nit so schwarlich erzürnet, wie im dann der pro- 
phet Natan bald harnach zü. Terstohn gab. Hie wend wir lO 
gnög von David gesagt haben und auch ein histori oder zwo 
aus alten ge^chichtbflcheren ensalen, darinnen auch die frucht 
dejs uiüssiggangs fein rausglantzet. [95'' J 

Von der schönen Helena aus Griechenlandt , wie die 
auch, als sie spatzieren gefaren, hinweggefürt wor-i6 

den ist von dem Paris von Troy. 

Das 48. capitel. 

Es haben sich die Trojaner mit einer mechtigen armada 
zögerüst des wilkiiö, iini Griuchuiilainl zu üchilfen; und was 
voniemlich das die ursach, als die (t riechen Troyani die statt ao 
ungewametter sachen überfallen und beraubt, den konig Lao- 
medem umbracht und seine tochter, die schon Hesionam, raub- 
lichen hienweggefürt, alles in abwesen irs bräders Priami. 

Als der nfln zA land kummen und statt und hmd also 
jameriich verderbt und verbergt, auch seinen vatter, den alten s» 
k6nig, erschlagen, sein Schwester Henonam hienweggefOrt, ist 
er gar ausdermassen übel und hart bekttenmert worden, hatt 
aber vor allen anderen dingen, solchen ungewarnteu überfal zft 
lürkummen, nocii ein mächtige maur uiiib die statt geffh'ct. 
Denniach hatt er den Antenorem iu Griechenland mit einem ao 
schiü' abgefertiget, und ist also Antenor von einem griechischen 
forsten zA dem anderen gefaren unnd die Uesionam begeret, 
damit er sie seinem herren, dem kdnig Priamo wider zfi land 
brecht. Antenor aber ward von allen griechischen fürsten übel 

19* 



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292 



Georg Wickram, 



ausgangen und von einem yeden in sunderheit sein land und 
atkbt i^ebotten zi'i räumen. Also zog Antenor wider zü land, 
bericlit den konig aller sacheu, was im in Qriechenland [96*] 
begofrnefc was. 

« Bjild rieht der IvMiiiiJf stanem sun Paris ein armuda zr. ; 
ilaniit für er inn Griechen uniid naiii ihm eben den schiÜpa- 
tronen. welchen der Antenor vuiinals <ii*habi, als er nach der 
Hesiona get'areii was. Ak er niUi in die insell Citheream kam, 
nam er im für. bey der Capellen der gottin Veneiis zft opfferen. 

10 Das gemein volck verwundret sieb mechtig ab der grossen ^ar- 
madi, fragten also nebenzü die kriegsknecbt, was doch diss 
far ein mechtiger herr wer und was seine gescbefft weren. 
Haben die kriegsknecbt geantwiirt, wie das diser wer ein sdn 
des konigs I'rianii von Troya und wer dariimb in Griechen 

r> kumniea, tla> >-v den Castorem und PuUiu rm inn bottseliulVt^- 
weis haimsücheii woit und etlicher s?;icheu halben mit in handien. 

Di SS ge.schrey kam lUr lieleiiam die konigin, wie ein sol- 
cher schöner junger mann mit einer gantzen armada ankom- 
men, der wer des konigs sön von Troja und opffert yetzimder 

i) in allen templen, so am Staden des mdrs weren. Die gftt He- 
lena kam anch ein glust an einmal zu spatzieren, damit sie 
disen schönen jüngling, von dem man so vil sagt, auch sehen 
m()clit. So hett sie uik Ii guten ])latz zu spatzitreu; dann ir 
mami. konig Mc ii' Iaiis. was yetzund nit anheinmiisch. dann »t 

555 was gon Pilum zu dem Nestori i'escliift'r. Also kam Heienu 
auch an den gestaden des mors mit vielen irawen und juuck- 
frawen sampt grossen imnd kostlichen schätzen. 

Bald wurden die ding dem Paris angesagt. Der gedacht, 
im möcht gelegnere zeit nit zflkummen, in deren er seiner schwe- 

90 ster Hesiona halben einen Wechsel trefiPen mdcht. Dammb hatt 
er gleich bescheit anflP allen schiffen geben, [96' ] das man die 
giuitz armada tertiir machen solt. dann sie wultt u inn der nai lit 
auö' sein. Als nün den Paris zeit p-edaucht liatt, ist er mit cineiii 
gerüsten volck inn den tempel gefallen, die weiht r sampt irf-ni 

5fc geschimir k mit gwalt harausgenummen. Er hatt auch die 
tempel beraupt und ein unsagUchen schätz darinnen funden, 
diss alles mit im hin und hienweg gon Troya gefürt 

Also kam dise Helena auch von wegen ires spatzieren 



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Hftuptlasteir, cap. 4d. 



293 



nnd mdasiggangs sampt den andren weibem in grosse gefär- 
ligkeit, wiewol das am wenigsten zfl achten gewesen wer. Was 
kam zfiletst daraus? Die Griechen samlotten ein solche uiizal 
von schiffen, die züsummenkaitien , »his man weder vor noch 
haniadi von kt iii. r solchen annadi ifehoii liatt, unnd ist in ö 
summa »lie statt Troya zelien «(antzer jur von den feinden be- 
lagert gewesen, alle iantschaft'ten , statt und Hecken, so den 
Troyaneren anhengig was, gantz verhergt und verderbt und 
Troya, nachdem grausam viel blÖt davor vergossen ward, durch 
ein hültzin ross gewunnen , mit fewi* angezttndt , geplündert lO 
und jamerlich geschleifft. 

Dises alles was ein Ursprung der fdrwitz flelene und ires 
spatzieren. Darum wer mein ixetrewer rhat an die zarten frew- 
liu. wann iie manner nit anlieimisch weren . d;ts sie im haus 
sich MuUen iiessen \\m\ nit also hien und wider auff kirch- is 
v.'oilien nnd andre tbntania i'Wvrn und lieffen. Dann wunder- 
selten etwas güts daraus erfolget. Damit sey genüg von di- 
sem laster gesagt. 

Die t&glich erfamiß zeiget fein an, was aus dem m&ssig- 
;rang erwachset, das gar manicher hausman. so vormals, ehe » 
daaii er hinder soldie volle und faule rotten kiimiiu'n, gar wol 
haus |97*] gehalten, geni daiiaimeii i))il»en. Innsunderheit findt 
man deren gsellen viel, s<i etwan gar arme iilteren hand. und 
kommend sie durch ir wolgestalt und person hinder reiche 
gestandene wittfrawen, dürti'end sich auch wol für reich mid8& 
hochvermfigens ausgeben, sind reich daheimen; wann es aber 
an ein darzalen knmpt, künnend sie ires vaters haus niendart 
finden, und wann sie gleichwol darein kummen, wer dem vatter 
baß von n<»ten, das der sUii ^« It brecht, dann das er im etwas 
hinausgeben solt. Dieselbiüfen i;sellen wissen sich gar fein 
einzüriicken l)ei den alten MiÜLt*rlin. Sie tliimd nm ersten, als 
wuUend sie alle ding zü silber und goldt machen. l>is sie alle 
heimligkeit von den alten weiberen erfaren und sie mit dem 
verborgen gelt harfUrkummen. Demnach fahend sie algcmach 
an den faulen Heinrichen zö sAchen, ziehend von einer Stuben % 
unnd wttrtzhaus zAm anderen, bis sie irs gleichen finden ; also 
knmmend sie dann fein algemach ins schiff. Erstlich wend 
sie bey den gsellen gesehen sein, und waiui sunst einer begert 



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*294 



Georg Wickram, 



ein Pfenning aaszügebent ist diser fertig drey darzüiegen. Ist 
" dann ein buisch da, sa begeret zA spielen, so will großhans 
aach nit der letst sein. Das scbimlig gelt, so das giU alt 

müterlin so laii^ zö stollen hatt ^rehabt ligen, mös einmal an 

ö die sun und under die weit kuramen. 

Bald sie dann .semliclis erfart, f^o hebt .sie Ii dann il* r ))t tt- 
lertantz und bochelmettin. Sie t'ahet an. ruptit im sein armüt 
auii': 'Ey du bettler,' sagt sie, *wilt mich auch zü armen tagen 
bringen? Du hast von jungem au£F des bettels gewont, das 

lohab ich nit; und wann dn schon zA armen tagen kumbst, s<i 
bistu erst wider inn deinem alten stodt. Du mfist mir [97**] 
nit also mit dem meinen haushalten; eh« will ich alle mein»' 
herren daruiuler unsüchon/ So zeucht dann der scut sr-^cl wider 
zu seiner geselschafft. laßt sich das alt weih daheimen selber 

16 fressen und fretten, und hat er ein leicliten miU mit spielen, 
schlemmen und prassen, gibt sich änderst nit, das er etwan 
eine an eim ort sitzen hat, so im hembder unnd fatzinetlin 
senbert. Das alt weih lanfft fflr die oberhandt, begert, das 
sie ir berhaten und beholflPen sein w^lle. Was geschieht? 

20 Man weißt sie fein tui!;<'iitii( h züsainmen. sairen: 'Liebe fraw, 
*feht im t^üto wort, behaltend in im hausl iJaniit spart er das 
sein. Dann ihr künnend nit sprechen, das er euch da«? eüwor 
verthöt; dann alles, was da ist uinid was ir hand, da ist er 
ein hcrr Uber, unnd ist als sein/ So zeucht dann das gftt 

» m&terlin wider heim« waißt nit, wo aus. 

Wann dann der man innen würt. das sie in verklagt hatt 
so ist dann erst aller frid und firenndtschafft aus. Er erdenckt, 
was er k.m nml nm^ , damit er nur nit im hau* sein dortie. 
Mancher nimpt sich kuiillinanshandt 11 an. achtet nit ^roß, er 

80 gewinn oder verlier: so thut ihm dannocht der bracht wo\. 
Wo er inn ein herberg kumpt, zövor da er mer in gelegen 
und sich hatt gegen knecht und mägten messen lassen, da 
lanfft im jederman entgegen; der Stallknecht empfachts ross, 
der hausknecbt nimpt ihm die bulgen ab, der tischbüb zeucht 

Sb ihm die stifel aus ; also würdt mein herr gar schon empfani^en 
imd gehalten. Das thut ihm fiel bas, dann dahaimen mit dnn 
alten weih stetig aus (l* r x hiinrr oder katzenschlissehMi e^-< i . 
Also kumpt er gar in die iauiheit, gewont des umbiierreiteiiii 



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295^ 



und «TÜteu lebens, das im daheiiuen zü bleiben [98 =DD l'J 
gar niramer liebet; kumpt also fein algeniadi unib das sein, 
darff nit sunderlicher grosser arbeit darzü. Wann es dann 
schon umb die barschaftt geschehen ist, so nemmen wir brieff, 
silbergescbier nnnd andere kleinoter, ist güt und bald bar gelt i 
danitis gemacht. Das treiben wir so lang, biß nichts merda 
anzugi^iffen ist. Dann ist erst göt dabeimen beleiben. 

Sodann tiiidt man noch andere crsellen, die sieb ancb des 
nmssig;jrangs annenien, loml in beyvveil» n (Icster wirs «*escbehen; 
wann etwan ein arheitiin kuuipt, daran sie etwas baben mil- 10 
gen, budlen und sudlen sie darvon nacht und tag, das es nör 
bald gelt geb. Es mag aber weih unnd kindt kaum ein brot 
darren werden, das ander ninipt der heilos mann, zeucht damit 
auff die stuben, kuinpt nit mer zü haus, er habe dann butzen 
und stiel verthon , macht er änderst nit dem wUrt ein ürtin i» 
oder zwo an die wand. D;ini;icb zencbt er zA baus foll und 
toll; dann mag im sein weil) hiebt wort geben, so scblecbt 
er sie iiir essen und für trincken. Was würdt aber zöletst 
daraus? Wann wir ein tacr oder zwen kranck sind, mös uns 
der pfaif utt der kantzel verkünden, und müs yederman ateurao 
und hilff thün, damit wir nit hungers sterben und verderben. 

Inn dise ding het ein oberkeit wol zü sehen, wo ein sem-'' 
lieber loser und vertoner vogel wer, so da gar nichts under^ 
stttnd zft ^rewinnen, snnder für und fttr bejrert zü verthün; den 
nioclit man an ein ort setzen und sein ailn it zülesjen . damit 25 
er nur für die lancrf» weil wercket ; dann er sunst nichts an- 
dern auff die letze gibt dann spiitalkinder. 

Hiemit wend wir genug von der tragkeit gesagt haben 
und das laster der unkeüschheit für uns nemen. [98'*) 

Von der unkeiischait und ireii schönen . früchten und ao 

eygenscbatft. 

Das 49. capitel^. 

[99*] Ir habend nün gnügsamlichen geh5rt und verstanden 

1) HoUechnttt 28: Feuer regnet auf Sodom. Au« dem Bitter 
von Turn (Strassburg 1519) bl. 48b. 



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296 



Georg Wickraiu, 



von den andren lastaren; nftn wöllend wir ancli ein wenija^ 
sagen van dem lastet der nnkenscbkeit und durch schöne 
exenipel erzalen. Zdm ersten solt uns die grausam und er- 
schrocken geschieht zö Sodoma und Oomorra wol ein ebenbiM 

« sein. D.anii da wah niclits dann miissicrijaup:, fressen, sautien, 
niikeiiscbbeit , und in .summa so waren sie mit allen lästeren 
behatlt; ein yeder thet, was in geliistet. Was ward aber züm 
leisten daraus? Gott mocht solcbe scband nit mer gedulden^ 
Hess ein harte und schwere straff üher sie gon. 

10 Dann also finden wir an dem 19. capitel in dem ersten 
bftch Mose, wie das zwen engell am ahendt spat gehn Sodom 
kamen. Wie sie aber zü der porten liineingiengen, sass Loth 
linder der porten. Als nun Loth die engell erseben ward, 
stönd m- auff unnd lieft' inen entgegen: dann er sähe an irer 

15 gestalt wol, das es engoll wnron. Er nam sie und fört sie 
mit UV. zü haus. Die andren Sodomiter alle meineten, es weren 
solch schöne jüngling. Als es nftu gar umb den finsteren abent 
ward^ rottetten sich viel h5ser hüben zammen, kamen fOr das 
haus Loth, wolten die jtlngling haranshaben. Loth aber gieng 

»hienaiis unnd batt sie, das sie züfriden weren; er weit in seine 
beide tochter liionuiisixpben, mit denen muclitrn sie nacli irem 
gelulieu handien, uliein solten sie diser menner verschonen. 
Sie aber understunden im die tliür abzäiauffen; aber die zwen 
engel zuckten ihn, den Loth, hienein, imd wurden alle die mit 

s»blintheit geplagt, so das haus understunden zA stttrmen. 

Des morgens namen die zwen engel den Loth, sein weib 
unnd seine [99**] zwo t5chter, f Arten sie aus der statt, ver- 
boten in, sie solten nicht liinder sich sehen. Lothen weib aber 
stünd ihr hertz hinder sicli inu die statt, und als sie sich 

3üumbsahe, ward sie iim ein saltzsaul verwandlet. Also kam 
iiiemants mit dem leben darvon dann Loth und sein zwo 
töchter aus allen fthilf statten. Da Hess der herr Schwefel und 
feur regnen auff die fünff stett und keret sie gantz unnd gar 
umb sampt allem gewechs, so auff dem feld war; das ward 

95 alles verderbet unnd zü gnmd bracht. Das alles kam von 
ihrem unordenlichen wesen, inn dem sie taglich t'llrt'aren theten. 
Da was kein gerechtigkeit mer, so was alle gottstorclit gäntz- 



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Hauptlaeter, cap. 49—50. 



297 



lieh bey inen verloschen; darnmb mocht gott iren lästern nit 

mer zusehen, keret die stett umb. 

Wie Joseph durch Potiphars \\G\h zft unkeubchheit 
augereitet, aber ihr widerstuDcl. 

Al"=5 Joseph Vüu seinen hinderen jctzinirl verkaulVf und ihn 
die arabischen kaufleut schon zürn andren mal verkauttt haben 
(dann sie betten in dem Potiphar, des konigs Pharao hoff- 
nieister, in Egypten verkauffet), als nAn Joseph in seines herren 
hans kam und nfin ein sehr kurtz zeit darinnen gewesen, be- lo 
fände sein herr, das als glück und [100'] heil was, so er an- 
irriff; dann ;^ütt segnet das gantze haus des Egypters von Jo- 
st j>lis wegen. Da machet in sein h^rr gros in soinnii haus 
und gab im alles, was er het, unüt i seine handt zu schulten 
und zu verwalten; alles gesiiid möst ein auitsehens aulf in iä 
haben tinnd seiner stimm gehorchen. 

Es het aber der Potiphar ein weih unkeusch und böser 
Sitten, die war£f ein aug auff den güten Joseph ihm gantz 
unwissend. Au£F ein zeit, als sie meinet platz zfl haben imd 
auch gar niemants umb die weg was, satzt sie un den jüim- 20 
linir. bat iji, das er bey ir schlaifen solt. '() tVaw,' sagl .lu- 
seph, *ein semliches will sich nit gebfiren; dann es ein gross 
mid schwere sllnd wer. Wo wolt icii mich ymmermer gegen 
got entschuldigen, ob gleich wol die sünd und scband vor der 
weit yerborgen blib ! Wie kttndt ich doch so b6ßlichen gegen 2» 
einem solchen frommen herren handien, der im selb under 
allen seinen gutem gar nichts Yorbehalten, sunder alles under 
meine band gegeben, allein deinen leib liatt er im /um voraus 
behalten!' Als sie aber durch maiicbfrley li>tiii<'r wort an in 
setzt und über gar nichts au im hallten wolt, hatt sie in nn- 
derstanden mit gewalt zü irem willen zü ziehen; sie hatt in 
bei seinem kleid oder mantei erwUschet und in mit gewalt 

* 

1> Holzschnitt 29: ein jüngling und ein mUdchen eilen m ein 
bans hinein. 



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^ 298 



Georg Wickram, 



understanden zft beben. !ßr aber lies ir das kleid in iren bän* 
denn und flöhe darvon. 

Bald nfin das boßbaffk weih gemercket iinnd gesehen, das 

ire ansclileg alle umbsimst sind gewesen, batt sie ein tumult 

b iinini niechtit; j^eschrey anjyet'an;4en, h.itt luicli ire klei<ler zer- 
rissen. Das Iraus'^psiinl ist yetzund mit hautfen herzö gelaullen; 
den hat! das st liainics weil) ire Inir^n und tadinsf an*?ezeij^t 
iinnd den guten | lOU**] Joseph gar hart verschreifc. Dise klag 
ist bald filr den herren knmmen. Der hatt seinem schalck- 

lohafftigen bösen weib glaubt und von stund an bevoihen, den 
Joseph in des k6nigs Pharao kercker z& fiiren. 

Dahin bracht in die unkeusch und arglistig fettel mit iren 
betrognen unnd erdichten Worten. Gott aber, der die seinen, 
so anff ihn hawen und vertrawen, w(d waißt zu erhalten, hat 

lö disen Joseph auff' das letst gros geniuiht. Dann gott hnlff 
ihm, duii er naeli zweyen jaren mit grossen frenden hu> dem 
kercker kam und nach dem konig der obrist und gewaltigest 
inn gantzem Egypten ward. 

Wie ^>amson durch ein weib bedoret ward, das er ir 
au anzeigt, warinu äeiue .stercku verborgen leg, auch 
wie sie in den Philistinern verriet. 

Das 51. capitei. 

Samson^ ein streitbar mann und richter in Israel. Sein 
erste kOne that, so er begangen, was dise. Als er sampt sei* 

2r>nem vatter unnd seiner mfltter bienab golm Timnath gangen 
imnd Samson ein weih tlaselliens nemmen wolt, als sie nön 
knniiiHii sind nahend hey Tiiniiatli /.wi.schen die weinherg. ist 
dem Samson ein junger iew J)rülend mit offnem raclien entgegen 
kumnn 11 lauffen, denselbigen hatt er angefallen und zerrissen. 

^ Als nun Samson, nachdem unnd die hochzeit vergangen, 
ein zeit lang nit zft seinem weib kam, fdr sein schweher zfi 
unnd gab sie einem anderen. Und als es nfm ward omb dil 
waitzenemd, nam Sam-[101*] ')son ein Jungs b^cklin von der 

» 

1) Holzschnitt 30: Delila schert dem in ihrem schoss ent- 
«chlafenen Simson die locken ab. 



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Hanptlaster, cap. 50^51. 



299 



berdt und gieng hinab z& seinem weib, gäter ding mit ir zfl 
sein. Aber sein schweher saget zfl ilira: 'Ich lasse dich nit 
zft ir. Dann ich hal) j^emeinot, du habst einen mißfallf n ;m 
ir gewiinnen; diinimb habe ich sie einem anderen mann geben.' 

Da m^t Samson : Motznnd bal) ich nrsach ^^enfi^^ an die ä 
Philiatiner.' Er bracht zftwegen dreylumdert füchs, banti ye 
zwen mit den ^vedlen zösammen , er band auch zwischen je 
zwen wedel ein brinnende facklen nnd lies sie also inn die 
frucht lauffen, yerbrant also den Philistern alle frucht so im 
f&ld war. Als sie sich nön versamletten nnnd in nnderstftnden lo 
zö fahen unnd nmbzftbrin<jreH. <la land er ein l)ein von einem 
esell. nanilirli ein kinbacken, den erwuscht er unnd erschlüg 
tausent mami damit. 

Item als er zft 1 101'' | Gasa in der statt bey der LTomoint^n 
roetzen verhiitett und sie in auch des morgens underständen 15 
mnbzflbringen, stftnd Samson anff nmb mittemacht, nam die 
beiden stattpforten sampt den nebenpfosten aus dem gnmd und 
kufr die weit von der statt anff einen hohen berg. 

Demnach jjewann er ein weib lieb an dem bach Soreck. 
die liios mit \vvn\ inuiiiuen Dalila. Die Philister kamen zu 20 
dri<f ll)i^'^on, verhiessend ir ^ran.^am sfroüi <;i5t, wo sie von im 
eri'areu mochf. worinn doch seine sterck verl)or<^en wer. Alsd 
kam sie mit listijjfen Worten an in, wie das dann semliche 
Weiber wol kUnnend ; und wiewol er ir einmal oder etlich falsch 
anzeiget, so lies sie doch nit nach mit t&glichem anhalten, biß 25 
er ir zürn letsten alle ding offenbaret. Also Überantwort sie 
in den Philistinem; die bunden in liiirt. stachen im seine beide 
aii^en uns und türten in mit in Iniial» ii(>lin Gasa. 

Bald hnrnach versamletten sich die fiirsten der Philistiuer, 
irem got Dagon ein sunderlich groß fest zü halten nnd im J» 
danck zü sagen, das er inen iren feindt also inn die händ hett 
geben. Es was ein m&chtig haus, uff wellichem sie das fäst 
begingen, also das etlich tausent menschen darauff wandlen 
mochten. Nün hett jung nnd alt ir fatzwerck mit dem gftten 
Samson. Es was ihm aber sein liar inn solcher zeit wider 
^(•waclisen. Samson sagt zu dem knaben. welcher in füret: 
'Li^^ber, iiir mich zö der seulen , anff welclie das haus «nestelt 
ist, das ich mich ein wenig daran lenen mttg !' Das haus aber 



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300 



Georg Wickraiu, 



Was linden und oben voller menner unnd weiber, auch die fttr- 
Aien der Philister, allein das sie Samson züsehen weiten. Samson 
aber rfifft an den nammen des herren nnnd sagt: [102*» £E 1*1 

'O herr, Herr, lyedeiick mein und storck mich mimen diss mal, 
:> damit ich mich für in** beide au^'cn an den Philistinerii moire 
rt clieii!* Damit tn<-( t i r die beiden «spulen, darntilV .sich das 
gautze haius erhalten miiüt, inn seine beide hkiid und sagt: 
*Mein seel sterb hent mit den Philistinem!' Damit risse er 
die seulen zu hautt'; da fiel das ^antze haus miteinander ein. 
iiiAlso bracht Samson fiel mer umb in seinem todt, dann er in 
seinem leben umbracht het. 

Diser Samson was zweintzig jar richter in Israel «Gewesen, 
und mochten im die Philister <^ar nichts abgewinnen, bis er 
durch das schantlicli wril. betroj:^en und iU>erlij>t ward, kam 
1.. dardurch umb seine .sterck und beide augeu. 

Wie Aniüu seine Schwester Thaunu- schwechet, dem- 

uacb von im sties. 

Das 52. capitel. 

Wen \v«dt aber nit i^nu^sam verwunderen ab der schant- 
20 Ii' Ii" 11 unkriischcii lirLiiifle des Amons, >«» <•)■ /ü seiner scliwester 
Tbaniar irewann I Dann er so inbrünsti«^ •^e'^en ir entzünt, das 
man ihm an seiner gestalt semlichs ansehen war. Dann sein 
freund donadab kam zft im und sagt: 'Lieber, was gebricht 
dir, das du so gar mager und ellent wttrst? Lieher, sag mirs! 
£> Vileicht hab ich einen rhat bei mir, damit dir geholffen würt.' 
Also sagt im Amon, wie er die Thamar, sein Schwester, so 
lieb jj^ewunnen hett. Bise Tliamar war nör sein Schwester 
vom vul 1 har, sie aber was des Absalons rechte scliwester. 
donadab sai^t zum Anmn: 'Thfi ihm also! Mache dich <xfiv 
5iü kranck und leii^e dicli auii dein i)ethl Wann dann |102''| der 
köni}^ knmjih dich zö trösten, so Ix'i^'er an in, das er dir dein 
Schwester Thamar schick! Dann du woltest gern von irer hand 
gekocht etwas essen.' 

Amon volget disem rhat, legt sich gleich nider zfl beth. 
Da diss dem kÖnig angesagt ward, gieng er eylents hien, den 



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Hauptlaster, cap. 51—52. 



301 



Amon zä besehen; und Amon redt gleich die ding mit dem 
k6nig seiner Schwester Thamar halben. Da lies sie der k6nijB^ 

von stund Uli bescliit kt-n und meinet, die stich stund also mit 
dem Amon, wie er anzeiget. 

Bald nun Thamur zü dem Amon kam, nam sie gleich ir ö 
bereitschafi't und machet im ein gericht unnd trügs im dar. 
Aber er widert sich sein zft essen; er aber hies yedermann von 
im gon. Thamar aber, die sich kems argen versehen thet, 
blib bey im in der kammeren; mid Amon sagt zür Thamar: 
*Bring mir har das essen, so du mir gemacht hast!' Und Tha* lo 
mar thet im also; und er ergriff sie unnd sprach: 'Kum har, 
mein Schwester, unnd sdilaft' bey mirl' Sie aber sagt: 'Ach 
nein, mein brüder. bring midi nit also zü scbaiukii! Red aber 
mit meinem vatter, das er mich dir züm weib geb! Er wiht 
mich dir nit versagen.' Er aber Uberweltiget sie. Von shind 
an aber, nachdem er seinen mfitwillen mit ir volnbracht, ward 
er ir yil grammer und hässiger, dann vor die liebe gegen ir 
gewesen was; und er sagt zü ihr: *Mach dich hienaus von 
mir hinweg!' Thamar gantz traurig und mit weinender stimm 
sagt zft im : *Das übel, so du yetzund an mir thöst, ist erger l'o 
und grosser dann das ander.' Und Aniun rütlet seinen knech- 
ten, befalhe in, das sie .sie liicnaus.stossen solten. 

Als sie nön hienausgetribeu was, nam Thamar aschen 
und warff die auff ihr haupt und zerriss iren geteilten rock, 
welchen sie anhet; fl<):i*J sie legt ir band auff ir haupt und^ß 
gieng daher und weinet j&merlichen. In disen dingen begegnet 
ir Absolon, ir rechter brAder, der fragt sie aller ding. Als 
sie ihm nfln die Sachen von anfang bis zfim end eroflhet, er- 
grimbt er sehr. Und Absolon trSstet sie und sprach: 'Schweig, 
mein Schwester, und nini dir die sach nit so schwerlich zü 30 
hertzen I* Und er iürt sie mit im heim und behielt sie also 
bey ihm in seinem haus. Er aber gedacht im Reissig nach, 
wie er sich zi^ seiner zeit an seinem briider rechen möcht. 



Wie Absolon seincD brftder auff der schaafföchereiea 

umbringt. 



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302 



Georg Wlckram, 



Das 53. capitel 

Abäolon hat zwei gantser jar mit der räch verzogen ge- 
gen seinem brüder. Über zwei jar aber hatt er seine schaaff 
dch&ren lassen und ein gross wolleben zügerichtet und den 
^könig sampt allen seinen kinden darauf geladen. Der konig 

aber widert sich, mit seinen dieneren zö kummen: dann er 
sortrt'. das er ime. dem Absoluii, ^^ir zu überlestig kuumien 
würd. Aiiu ljc<4rit Absolon an den konij(, das er [lOi:i' J seinen 
bröder Amou mit im wolt lassen gon. Also giengen alle kin- 

10 der des konigs mit Al>solon, damit sie frolich mit im sein 
wolten; dann sie sich keines solchen todtschlags versehen hetten. 

Es het aber Absolon einen solchen bescheifc mit seinen 
knechten getroffen, wann sie sehen, das Amon yetz von wein 
tnmcken wer, wolt er in ein warzeichen geben, so solten sie 

i.i lim den nechsten zü todt scldagen. Er ermanet sie auch, das 
sie nör dupticr di»- Nüch »ulten antjfreit'eri : (laiiii in wiird ^ich 
niemants widersetzen. Also ward <l»'ni bcsclu-it gelebt. Da 
Anum yetztmd wolbedruncken was, auch die andren briider gar 
güter ding, sagt Absolon zö seinen knechten: 'Greitfet zii ewer 

s»wehr und schlacht den Amon zü todtl' Diss geschach also. 
Da ward dem Amon erst seiner schantUchen und gwalt- 
sanuuen handlung, so er mit der Thamar begangen, gelohnet, 
wie dann billich kein semlich übel ungerochen bleiben soll. 

Von den zweien alten richtern, so die frum iind got- 
2ö i6rchtig Iraw Öusanna ialschlieh und mit uurecht be- 
klagten des ehebrachs halb. 

Das 54. capiteL 

Biilichen und von rechts wegen gedenckt man diser zwever 
alter unkeuschen schalck allein von irer bossheit wegen, me 
so man auch des Pilatus gedenckt im Credo. 

Joachim ein sehr reicher und gerechter mann; sein wo- 
nung was zA Babylonia. Und dieweil er ein gantz geschickter 

* 

1) UüUschnitt = oben «. 289, nr. '22 (Joftb tötet Amaaa). 



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HaupiUsier, cap. 68^54. 



308 



maun was, auch ein sch&n weit haus [104*] hei, sind die el- 

üsten ans dem yolck täglichen ssft im iraii<^'eii, rhat in seinem 
haus gehalten. Ks het aber Joachim < iii iiljcrauLi schon züch- 
tig und tVimib weib mit naniiiien Susaima. eines daplieren und 
weydlichen geschiechts. Nim waren zwen alter menner eines b 
gantz erharen ansehens, aber zwen gross schäick in der heut; 
dann sie hetten heimlich, das keiner von dem andren Wissens 
het, ein aug anff die keusch Susanna geworffen. 

Es f5gt sich an einem tag, das aber ein rhat in Joachims 
haus beynaader gewesen unnd yetzund alle geschefft ausge- lo 
rieht hetten. Susanns aber het allen tag zft derselbigen zeit 
im biiiuch. in iren crarten zü spatzieren und sich in den lu- 
stigen kui(-n beehlin zii erliistigen mi'l zu erkulen. Dis.s wußten 
die alten schäick beidsammun nvuI, und hett iren yeder im 
sinn, heimlichen sich in dem garten zü verschlagen und auö' lä 
Snsannam zA warten. Doch wuüt keiner nichts von des an- 
deren fQrnemmen, und nam sich ein yeder an, als wann er 
grosser nStiger geschefft halben zA haus gou m&ste, schHch 
also einer nach dem anderen in den gaii»n. Als sie aber ehl- 
ander ansichtig worden sind, hat sie nit wenig schamm umb- » 
geben, und haben einander ir anligen und schmertztn geoifen- 
baret und in stillem rhat beschlossen, auflf Susannam zu warten, 
in kurtzer zeit ist die gut traw kiimmen, wenig umb den fal- 
schen ansclilag, so über sie erdacht, wissen getragen. Mit ir 
sind zwo irer junckfrawen gangen; unnd als sie zä dem brun- 2& 
nen kummen ist, hat sie die beiden mägt wider zAnickgeschickt, 
seyffen und wolschmackende salben zd bringen* 

Als n(kn die beide junckfrawen hinwegkumen sind, haben 
sie die thilr nach ihnen zöges])erret. Des haben die alten 
|104' ] bald warL^c niniiuirn, sind hinder der liurst. da sie ver- 80 
borgen gewesen sin«!, hertingewüscht, zö der Susanna gangen 
und mit gar sü.ssen Worten an sie gesetzt und gesagt, wie das 
sie drey gantz einig inn dem garten weren; deshalben döril't 
sie sich vor niemants nit schewen, sie solte ires willens sein; 
dafür versprachen sie ir grosse ding. Susanna aber irem schaut- k> 
liehen anmftten und begeren sich gewaltig widersetzet. Als 
sie nAn merckten, das sie gar nichts an ir erlangen kunten 
mit liehen und bitten, habend sie mit trewworten an sie ge* 



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304 



Georg Wickram, 



setzet; und gesagt, wo sie ires ivillens nit sein w6Uei werd sie 
ir selb ein grofi leiden anrichten; dann das mOfit einmal ge- 
schehen, oder sie wolten flhgeben, wie sie einen jüntrling bei 
ir in dem x^^rten fanden hetten, so sie beschlaffen und die ehe 

:> mit ir gebrochen het. Da sprach Susanne: Wülaii, diewtii 
dann eins nnder zweyen sein müs, will icii mir das wetjst er- 
woien. Thft ich, nachdem ir begeren, so fall ich mit macht 
in die schwer nrtheil und straü' gottes : gehorch ich dann ewer 
stimm nit. so fall ich inn menschliche straff. Nän ist mir tU 

10 weger, in der menschen händ dann in gottes schwere straff 
zü fallen.* Damit hdb sie an gott umb hilff zd bitten. 

Da n^n die alten iren fttrsatz gesehen, habend sie gleich 
ein groß tiimiilt und geschrey angefangen, und der ein schalck 
lieft* der garten thUren zö unnd schloss die auff. In dem erliurt 

lö (las vok k im haus das gesclircy : kanunen ernstlich ge- 

lotlen, zu sehen, was irer fraweii begegnet wer. Da tingen 
die alten huswicht an zü sagen, das sich auch die knecht 
schamnietten; dann es war de^leich von Susanna nie erhört 
worden. 

ao Am anderen tag des morgens kam aber alles Tolck zft- 
sam-[105"]men in Joachims haus. Und die zwen alten sch&lck 
ständen uff und begerten, das man Susanna für die gantz rer- 

samlung beruö'en solt; daim sie hetten wider sie zu klagen. 

Susauna würdt von den alteu iiilschüch verklagt, 
25 aber durch Daniel den jungen erlöi^t. 

Das 55. capiteP). 

flOü ] Susanna sampt irem mann, kindon und freundn; 
kam dahergegangen für die gantz gemein. Da stunden auti 
die z\\ rii alten boswicht und begerten, das man der Susauna 
80 den Schleyer aus den angen rucken solt ; dann sie noch ein 

1) Holzschnitt 81 : var dem throne deü btliiigen richtm steht 
der kleine Daniel den beiden alten zugewendet: auf der andern seite 
die gefesselte Susanna» von zvei m&nnem herbeigeführt. — Aus dem 
Ritter vom Turn (Strassburg 1519) bl. 81a. 



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HaupUaitter, cap. 54 — 55. 



begird an irer >,cli()ii lietten. Alles volck aber, so zflgegen 
stönd, weinetten umb sie. Also legten die zweii alten die haud 
aiiff sie. Susanna aber het ir vertrawen zä gott, sie sähe gohn 
himel und weinet hertzlichen. Die alten fingen an ire lugen 
fttrzAtragen and sagten: ^Wir beid giengen allein in dem gar- & 
ten, und Susanna kam mit zweyen mägten, die schicket sie 
gleich von ir, nnnd sie schlos den garten zö. Bald kam zA 
ir ein schöner jüngling, so im garten verborgen gewesen was; 
der legt; sieh zu ir. Und wir beid liettend hiiizü. uiiderstünden 
den jungen zu fangen. Er aber wim uu.s zu niuclitig und riss lo 
sich von uns, sprang der tliüren hienaus und sprang dar- 
von. Sie aber haben wir zu red gesteU, sie soli uns anzeigen, 
wer der jung wer; aber mt habens von ihr nit erfaren mö- 
gen. Dise ding zOgen wir auff sie.' 

Also glaubt alles volck den worten der alten umb ires is 
erbaren ansehen« willen, nnnd ward die g(kt Susanna zAm todt 
verurteilet. Sie aber ruftet an den nammen des herren und 
schrey mit lauter stimm: '0 herr, ahiieclitiger gott, der du 
kennest alle heimligkcit und waist auch alle ding zuvor, ehe 
dann sie geschehen, du herr waist, das dise zwen talscli zeug- so 
nus wider mich geben haben. Und nün sihe, ich mfls sterben, 
so ich doch mischuldig binn, das sie böslich über mich ge- 
logen haben.' 

Also erhört gott ir rftffen. Da man sie yetz hienaus zA 
dem todt fOren wolt, da erwecket gott den geist eines [106*] 2S 

jungen knabens, der hies mit seinem nammen Daniel. Der 
tieng an mit lauter stinun zu äclirejen : 'Ich will unschuldig 
sein an distin Idiit.' Und alles volck wendet sich umb zii dem 
kuaben, damit sie seine wort höreton ; dann sie fragten in, was 
er mit solchen worten meinet. Daniel aber stilnd mitten under au 
sie und sagt: ^Sind ir von Israel solche narren, dos ihr eine 
tochter Israel verdammet, ehe dann ir die sach erforschet und 
recht gewiß werdend? Kerend wider umb fttr das gericht! 
Dann dise beid sind falsch mit irer zeugnttß.' 

Also kereten sie wider umb für gericht, und sie namen Si 
den Daniel und satzten ihn zü in au dits gericht: dann sie 
Spünden den ,t:;eist goUcs un im, darumb betirrten sit- bt-riclit 
von im zü empfaiien. Und Daniel befalh, das mau eyieuts die 

Wickram UI. 20 



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306 



(ieorg Wickram« 



alten schalck von einander fux ii solt, damit sie sich nit mit 
einander kunten underreden ; nnd IJaniel fragt den ersten nnnd 
sagt: ^Du böser alter schalck, yetzund treffen dich deine sOnd 
und bosheit, so du vor langem getriben hast, da du mit un- 
5 rechter urteil die unschuldigen Terdampt hast und aber die 
schuldigen ledig gosproclien, so doch der herr yerbotten hatt, 
die fnimmen und viiist Imlditjen nit zü todten. Sage du nun 
au. lia.<?tn die zwev ln'V finaudcr lunden, uuder was liaunu-s 
ist diis geschehen?' Kr antwort: *ünder «iiicm lindcubauni. 

10 Da antwort Daniel: '0 recht! Der engel des herren wUrt dich 
finden unnd zerscheiteren; dann du dich mit deinem liegen 
selb umb dein leben bringest.* 

Als nfin diser hienweg war, hies er den anderen auch für 
sich bringwi; zA dem sagt er: *0 du Oanaans art nnd nicht 

15 ,Juda, die nberRchweiicklich scli6-[106*']ne di.S8 weibs luut tlich 
betöret, und die bösen list band dein bertz verkerct. Also 
sind ir mit den tochtem Israel nmbgangen, habend sie mit 
forcht zü euerem willen bracht; aber dise tochter .Inda hatt 
nit in ewer b&berey und bc^heit bewilligen w611en. N6n sag 

90 an, under welchem bawni hast du die zwey beynander funden?* 
Da sagt der alt: *Ünder einer eychen/ Da sprach Daniel: 
^0 recht I Der cu^ol des herren wilrdt dich zeichnen und würdt 
dich zerhauen : dünn mit deiner lu'ji;en bringest du dich selb 
umb das leben.' Also wurden alle umbstender got breysen 

Sä und loben; und iört man dise zwen alten sch&ick hienaus unnd 
versteinet sie nach dem gesatz Mose. 

Diss kam in von iren unkeuschen hertzen und gedancken. 
Sie waren eines glaubwirdigen ansehens, so waren sie eines 
zimlichen alters, das in gar niemants der ding vertrawet h<»tt; 
yederniun siitzt glauben auti" sie, und hett sie niemants nn /i^ 
der unwarhf'it. Dannnb *:^laiiht die gantze gemein, Susanna 
wer des zigs schuldig, welchen sie auff die güt Husanna er- 
dacht hetten : und ward die unschuldig also zü dem fodt ver- 
dammet. Gott aber, ein erkenner aller hertzen, halffe der nn- 

S5 schuldigen aus n6ten, und eben zü der zeit, da sie sich alles 
trosts verwegen und nichts anders mer dann des todts und 
letsten abscheids wertig was. 

Derselbig gütig un«l barmhertzig gott wolle allen un- 



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UauptlaHter, cap. 55. 307 

schuldigen bekümerten uniid betriibten hertzeii mit öenieai heil- 
sammen trost zö hfl ff kninmen, auch alle lakchen urteiUpre- 
eher und Verräter schänden machen, wie er disen zweyen 
geton htkt Er aber verleihe auch uns armen sflnderen aei- 
[107']nen heyligen geist and göttlichen segen , damit wir hie 5 
in disem jamerthal unser leben dahien richten, das wir nach 
dem zeitlichen absterben freud und wunne bey ihm haben 
ewigklicli. Diirm lieltte uns gott der vatter, gott der sön und 
gott der heilig geist! Amen. 



Gedruckt %ft Stnutftbiii^, in 10 
Knobloch» drucker^, Im jar, 
M. D. LVI. 



20* 



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308 



Georg Wickram, 



• 



[A Hegiöter 

über diss büchlin. 

Cup. 8cile 

tWidmttng] 149 

£in kui*tKe Torred über dist» bachlin mit cntscbuldigung des 

dichter«, in reimen verfaast 152 

[I. V on der hoffart.] 

1. Wie Lucifer, der achoncst under allen engten, mit eoinem an- 

hang von bimmol verfttosson von wegen irer grossen hof- 
fart am 1. blftt 156 

2. Wie Adam und £va von der schlangen betrogen worden 

sind ani 2. blat 157 

3. A\'i*> Kva aus anstiflitung der schlangen von der verbotnen 

Iruclit gOHseu, auch ircm mann darvon geben, und wie gott. 

«Ifui menschen und der schlangen den fluch geben hat bl. 4 160 

4. Kin lu rlu lic Iiistori von zwcvfn nnnwirdigen weibern de» alten 

te.Htainfnt>, luuulich Delbore unnd Jael bl. 5 lü2 

Di*' jj:>'iiit'in (Inn Rahab errettet die zwen kuntschiülter />u 

Jericho vor dvm kouig • bl. 8 16o 

6. Von dem fürsichtigeu rhat und anschlag des weibs Pithei, 

dardurch das gauts land rhjlwen kämmen ist . bh 10 169 

7. Von der wunderbarlichen malxcit des weibs Pithei . bl. 12 171 

8. £in exempel von grossem eyfer und raehsal Timoclie von 

wegen itet abgedmngenen ehren bL 13 173 

9. Gewaltige räch Chiomare an dem» so ihr ire ehr mit gewalt 

abtrang bl. 15 176 

10. Wes sieb Adam und Eva gebaiteu haben, als ^,ie au» dem 

iv,ira'li.s gentossen wurdon ....... bl. 16 [A4b] 177 

11. Kinder gebercn ist ein siimlt n- _(ab gollüs, waiui »ie wol ge- 

rhaten; diivon etliche exeiui' -1 bl. 18 ISO 

12. Von dem «chaadt liehen rhat Achitopliels, Uardurch grol^ aii^st 

und not entstaiulen iüt bl. 20 lb2 

13. Von dem Noah und seinem ungerhatuen sfin, wie er von im 

versi>ottet worden ist bl. 22 185 



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HaupUaster, register. 



»09 



U. Wie Abraham seinen liebsten sun iHtvac opffern wolt . iiboi* 

wiH gottes ordnnng fOrkumtnen ward . . . . bl. 23 Ib7 

15. Etlich nutzbare sprach, aus Plntarcho und Frnnciseo Petrarcha 

gesogen bL 25 189 

16. Wie der Harens Antonias, der 17. romisch keyser, seinen jun- 

gen snn in pfleg gab an seinem todtbeth . . . bl. 26 191 

17. Wie sich der jung keyser in seinem regiment so schantUch 

gehalten gegen seinen liebsten freunden und rhAton bl. ?8 193 

[IL Vom geis.] 

18. Von dem unersetlichen laster des geitz, von seinen ejgeut- 

schafflen nnnd was Qbels daraus erwaehsen . . . bl. 30 196 

19. Von dem grossen reicbtnni des patriarehen Abraham bl. 82 198 

20. Von dem reichen und kargen Nabal und von der grossen fQr- 

stehtigkeit seine weih« Abigail ein schone hystori . bl 85 203 
21* Wie von wegen smes geyts sampt seinem gants[ASa]en 

geschlecht mit dem ausnatz geplagt ward . . . bl. B7 206 
22. Von zweyen grossen boswichten Simon und Jobanne, die %A 
JiTii^-nlpm inn aller xerstorung und belegerang «los' 
rauben, st* l* ii und moi'dens schantlicb und gewaltigkiich 
gebraucht haben bl. 41 21ä 

[IIL IV. Vom neid und xorn.] 

28. Von dem abscbewlichen laster des neids unnd seinen nech- 

sten Terwanten, dem som und hass bl. 45 217 

24. Wie der gfit frum Joseph aus neid von seinen bröderen inn 

I^orpten verkaufft wOrdt bl. 47 220 

25. Von dem neydischen anschlag der br&der Josei)ha . bl. 50 226 

26. Joseph wQrt wider aus dem cistem gezogen und verkauHt bl. 51 227 

27. £in ander exempel von dem konig Saul unnd dem David, wie 

im Sani so neidig gewesen bl. 53 229 

28. David streit eintziger person wi<l> r «Ion n^pn Holint., den 

überwint . im sein haupt abüchlecht und dem könig Saul 
flberantwurt bl. 54 231 

29. Wie dtT konig Saul nuch grosseren neid ziim David getragen 

und iui hart nach seinem leben ötalt bl. 58 237 

80. Wie David nach seines s6ns Absolons todt den Sabeam [!] Über* 

zoh und Amasa z6m hauptman erwelet, [A5b] derselb aus 
neid mörderisch und yerrh&terlich durch den Joab ermordt 
Wardt bl. 59 239 

81. Von Athalia, der neidischen und mörderischen boswichtin bl. 61 241 

82. Von dem schandtlichen und boshafftigen Aman, wie er under- 

stdnd den gAten frommen Mardocheum umbzAbringen bl. 62 243 



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310 . üeorg Wickraii], 

33. Wie Mardocheue, der konigin Hesier veiter, gon 8u8m kaxu- 

men und wes er sich an des küniga hoff gekalten hab bL 64 246 
84. Wie Mardocheus das' mandat yon dem konig ansgangen ver* 

numen, hat er seine kleyder -/.enissen , und wie die ko- 
n'u/m der ding auch innen worden ist, einen diener cA 

Mardocheo geschicket hatt bl. 64 249 

35. Wie Hest^?!' die konigin für den kftnif^ Artaxerxem kam, fl\r 

die Juden yä bitten; wie ir der konig das gnldin xeptcr 
liieten thet hl. 6Ö 2.j2 

36. Aman würdt durch die konigin luieh gegen dem kJiiii; ver- 

klaget und entlieh an den galgen erhencket, wykhen er 
dem Mardochco auff hett richten lassen .... bl. 71 256 



[V. Von der füllercij 

37. Von dem schanUicben nnnd schädlichen verderblicben lasttr 

der iHUerey bl. 73 259 

88. Durch wen der erst wein gepflanzet worden, und was un- 

rhats im daraus fnt.^tanden «ey bl. 75 262 

39. Von einem KchniitHehon und verzwcifii'ttf'ir tninclcnrn fA6a] 

hftswicht, weiclit v » in schön»' und kfuxchc juncktVaw in ire»? 
vatters schoß jinin i lieh ennörden thet bl. 77 265 

40. Wit» dtn" (yraun Aii.^tutiunis sampt allem seinem anhang umb- 

kummen und erwürgt worden mit weyb und kindeu bl. 78 267 

41. Wie ein hethschier sft Wnrmbe von wegen seiner mißhand* 

lung aus befelcb romischer keyserlicher majestat an einen 
banm erhenckt ward bl. 82 273 

42. Cambises, ein kftnig aus Persien, erschieOt eines mecbtigen 

landsherren sfln, umb das er in seiner tranckenhdt ge- 
strafft hatt bl. 83 274 

43. Von dem konig Cyro aua Persien, wie er durch «undern list, 

deren er sich gebraucht, durch starken wein unnd kostliche 
sjuMs der koniijin Tniniri« ^.nit/.ps hacr überwand bL 87 280 

44. Von Coniodo, tlcni vollen unil tuiltn keyser, wie derselb auch 

in voller wciä hiengericht worden int bl. 89 «283 

[VI. Von der tragheit.] 

45. Von dem schantlicben laster der tragkeit, ans wellichem anch 

viel tmrliat ervs-achsen thut . . , bU 91 286 

46. Von Dina, der tochter Jacobe, wie die lust xtt Spatsieren ge- 

wunnen, die t6chtem des lands z& besehen, und geschwecht 

worden ist bl. 97 2ö7 

47. Wie David yetzuml muli t.iiiUentzen gieng in dem obersten 

tbail Seins gemachs spatzieret, in dem ein weib ersehen 



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Hauptlaiiber, reginter. 3J[]^ 

C«p. Seite 

hat, welche sich in ircin j^artfu waschon ihct« nncli tlcn n »n* 
Hf^birket mu\ sein rho mit ir brach .... hl. 94 [A6I1] 2b9 
4b. Von (1- r s' hinu ii llt Ini.i auH Grioohenhiml , (lie auch, 
hU »w. is|tat/.ic'ii"u gtlareu, hinweg gcfürt worUon ist von 
dem Paris vou Troja bl. 95 291 

[Vil. Von der unkeuschheit] 

49. Von dur unkfutichhmt und iren »chuftdcn frllcbten und ey> 

gvnttfcbafrton bl. 98 295 

&0. Wie Joseph in Eg}'pieii durch diui unkeuHch weih des Poti- 

phars achwcrlirli anjnrereitzet ward bl. 99 297 

51. Wie Samson durch ein weib betört ward , da» er ir an/.eii{t> 

worinn «ein ntorck verborgen leg, und wie aie in den Phi- 
li^tinern verrhaton hatt bl. 100 298 

52. Wie Anion nein schwester 'i'lianuir m hwecht und «ic darnach 

von im atics, des er umb »»ein icben kam . . . bl. lO'J 300 

53. Wie Abholon sein brnder Anion autl' der sciiaH'ischeretten 

umbracht bl. 10:i 301 

54. Von den xweyen alten ricbteren, welche die fnunb und gots- 

forebttg fraw Susanna falschlich und mit unrecht beklagten 

des ehebrucha halben bl. 103 802 

53. Wie Suaanna aufft» h6ch«t von den alten achälckcn verklagt, 
aber aus anachickung gottoti [det»] allmechtigen durch den 
jungen knaben Danielem erloset warde . . . . bl. 105 304 



End des regi^tera *). 



1) Voigt ^et/.und ein kurtxc vorrcd. 



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312 



Georg Wtckinoi, 



Anhang verwandter stflcke. 

I {min RoUwageubacblein cap. 2). 
Gelübde iu was^eisiiot. 

(Collofiuia Erasiui, veiJeütscht durch Jusium Alberti, Auij-purg, 
« H. Btayner ]546 fol., b1. 62b— '63a t ans dein 11. gosprftch *Schiffbructi\) 

. . . [Adolphus.] Die schifleui sangen Salre regiua, 
riefften an Mariaiu, die junckfrawen und miÜtter, baissen sie 
ainen stem des mers, ein kttnigin des bimels, ain frawe und 
berscherin der weit, ain port des haylß, nnd mit vil anderen 

W titteln liebkosseton sie ir. ^velche ir doch die Udtlielie haylige 

sf briffto RTi km'noiii ort /.ii^'^i^MTi [bl. 03*] Ettliclie 

tlieiteii nil uiidcrs, (binii das sie überjj^abon, kotzeten; vil andere 
tbeten grosse gelübde den hayligen. Iis war auch ain Engel- 
lender da, der verhieß gülden berg der junckfrawen zu Wal- 

lö samganiica, wo er lebendig wider land kerne. Ander ver- 
biessen vil anders dings dem hayligen cretttze, das an dem 
ort was; die andern aucb defagleichen, das an jbenem orth 
was. Deßgleichen geschach auch mit Marien der junckfrawen, 
die da herscliet an vil cndLii; und sie mainten. das glübde sey 

20 ver'^eldi«'!) , wo sie nicht die stett eigentlich iM siimmeteii und 
auüti iiekieii. — Antonius. Das ist fiirwar spoltlicb, gleich 
als wouten die hnvliiren nit im himel. — Adolpbus. Es 
warn auch etiiciie, die wolten carteüser werden. Es war ainer, 
der verhieß steh, er wolt Sauet Jacob baimsftchen, der da 

K wonet '£Ä Gompostel, mit barfftssen blossen f&ssen und baubi, 
allain wolt er den leib mit einem eisern bantzer bedecken und 
wolte die speise betteh. — Antonius. Gedacht niemant 



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Rollvagenbüohldin, fuhnng I~*n. 



313 



de» Ohrieioffels? — Adolphus. Efnen ich, und nicht 

oliiR' lachen, der mit kliiK r sHiiim , il tmifc diis er ja wo! ji^e- 
hort wurde, verliieü dam Cliriötoifel, der zft l*aM> ist iim (1<t 
höchsten thiimbkirchen , nier ain berg dann ain bilde, ain 
wachßliecht so groß als er were. Wie er das mit heller stimm ö 
räft', so laut er kundte, und das vil mal vemeüwet. war ainer 
da, der villeicht am necbsten bej im was nnd in kante; der 
stieß in an mit dem arme nnd vermanet in : ^Sihe', sprach er, 
'was du gelobest! Dann so du auch all dein gfttt sÖsaroen- 
schraeltzest , so kllndtest dn doch solchs nicht bezalen/ Da lO 
sprach jener, aber mit sentfter stimm, danmil» das es der Chri- 
istoff nicht höret: 'Schweig', sprach er, Mii iian l Maiiistn. dji« 
ich solchs von rechtem hertzen oder gemiit sage? VVtic ich 
äinmal wid* r zü lande, ich wolte im nicht ( in unschletliechfc 
geben/ — Antonius. 0 welch ain grober tolpischer ver- 18 
standt und art! Ich halt, es sey ein Holländer gewest — 
Adolph US. Nain, aber es war ain Seelender. . . . 



II (zu cap. 2). 

Dos gelübde des t$eefahrei*s und des baueni. 

(Joh. de Bromyard, Smnina pxedicantium o. o. and j. (Baael am 20 
1480) P 7. 75; d. i. bd. 2, artikel Penttencia § 75.) 

Secundo: in promissioue et conditione cuiusdam trufu- 
toris, de quo fertur, quod in mari in periculo exbtens sub- 
mersionis deo proroisit oblationem cerei ad magnitudinem mali 
navis, et alio dicenti, quod omnia bona sim ad hoc non snf-ss 

ficerent, resjjomlit: 'Si haberem pedcm in terra sicca, uoii 
haberet pro me candclaiii pm Iccto suo.* Tfa isti in periculis 
et in vinonlis et in carcciil)us et infirmitatibus et confessio- 
uibus multa deo promittuut et vovent, de quibus, cum liberaii 
fuerint, minimiim non solvunt. * . . uo 

Tertio: in conditione et promissione alterius deceptoris, 
de quo fertnr, quod in periculo submersionis existens in pere- 
grinatione quadam versus sanctum Michaelem sancto Michaeli 
primo yaccam suam promisit se daturum, periculo yero cres- 



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3U 



Georg Wickraiii, 



ceute adiunxit et Titulum, poriculum vero evadens dixH: Neque 
vaccam iieque vitulum. 

III (zu cap. 2). 

Gelübde iu wassersuot, 

ö (lii'^or il«; abuiul.iiitia exoinploiuia ma^istri Albert i M »i j n i K.ilirii». 
fpiricuiii [wolil chui" voti Hubertus de liumanis vert"as.-jtj. thu, Zaincr 

O. j. bl. Ga: 'de timore scrvili.') 

Item similes sunt cnidam rnstico tni&ton, de quo dicitur, 
quod, cum duceret vaccam et vitulum ad montem sancti Mi- 
luchaelis in littore maris intra fines Britannie et Normatiie et 

appropiiiquarot ad loLiiin et Iluxiis maris. (iiii ((uaiul()(|ue viani 
illaiu attii^^it, euni in vaib-ret, oxclaiiians dixit: '0 hcatc Mi- 
chael, libera nie, et dabo tibi vitulum.' Liberutvis autem dixit: 
^Bene fatuus erat beatus Michael, si credobat, quod daretur 

15 ei vitulum meum'. Kt ecce iiuxus iterum quasi involvens eum. 
et exclamavit diceiis : *0 beate Michael, libera me, et promilto 
tibi vaccam et vitulum'. Liberatus autem dixit: *0 Michael, 
uec vaccam nec vitalum habebis.' Cum autem sie quasi se- 
cnrns ce^eret, ecce fluxus involvens suffocavit eum et vaccam 

20 et vitulum. 

IV (zu cap. 2). 

Vom tot exeiti2)el. 

(Mci.sterlied von M. Boll a im vor 1174 in Michel IV-hauis verkerter 
wciti gedichtet. — An- dm Müm luM r ood. gerni. 291, bl. 150u, 1; 
2» steht auch im Heidelberger cod. gem. 312, bl. 72b.) 

* 

1. 

Hie horeni ein exempel wild, 
P«y dein nemet ein cbenpild! 
Nach poy dem mer in dem gcvild 

'JO Und an des meres statlen 

So woU an Pinem morgen IVu 
l'iin uuwi i?';r mit seiner kehu 
Und auch mit spincju elu lbleiu czn 
Sttnd Michels perge hiulten, 



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liollwagenbüchlcin, auluing III— 



Zq mEttkfc wolt en verkauffen. 
Iloit, wie ging ea im anf der vart! 
Das mer Ueff ans nach seiner art« 
Des der ann ser erschreket wart; 
Do er sach seinen schaden. 

2. 

Do raffet er: *Sant Michael, 

Hütt' mir aus diaes \v'aH!$ei's quel! 
Mein kelbcl ich dir ophern sol, 
Tuatu mir helfens phlichte. 

Do er »o vlfMVsifrcloirhen put, 
Sant Michfl macht in sor<^'on niat; 
Das mcr li'^f widor in si-in stut. 
Als es vor was ^'oweseu. 

Do LT dc45 wa,H gonesen, 
Er uprach: 'Michel, du piät ein ior, 
Das du solches wenest ftirwar, 
Das ich dir geb mein chelblein swar; 
Ich gib dir sein mit nlchte.* 

Mit disem Tich fnr er sein stroif, 
Do kam aber des meres flost 
Das wart so nngestflm and gross, 

Das er want zu crtnnkcu. 

Sant Michel ruft er aber an 
Und »pnich: 'Michel, du guter man, 
Du will leicht chii und chelblein hon» 
Die muter zu Ueni chindc 

Von der not mich cnpimle, 
»So gib ich dir sy piiidL' saiul, 
Wann ich wider chum auf da^- land. 
Darumb thu mir dein hiltt' pekand 
Und lara mich nicht versinken T 

4. 

Sand Michel aber im erschin, 
Do er helffens pegert an in. 
Und das wasser Ueff aber hin. 
Do er nit sach sein sterben, 

Er sprach: 'Michel, du wilt zu vil. 
Du wonst leicht, ich dir geben sil 
Chu und chelblein. Nain, ich enwil; 
Dn machst mir nicht ein cloen 



G6org Wickraxu, 



Abschrckon oder droen.* 
Do er woni aller licbersi sein, 
Do wart aber dos wasser scbcin 
Und xukt in mit dem vioh binoin, 
h Darinn mnet er verderben. ~ 

5. 

Also C8 ilucli dem sundei* pfot. 
Den pot straft umb sein uuHüclot 
Mit krank;) it also loibe« not, 

lü J)cv got amurt'<;n tute; 

So t'i- in noten ist potrübt 
Und got vil pesj^erung vi rliibt. 
Wann «ich d«inu got erczaigt und übt 
Und da ist »ein erloser 

U Und er darnach ist poser 

Und got «"czumet über in. 
So er sein aller mynst bat ain. 
So cbumpt der tott und zakt in bin 
Den leib mit sampt dem gute. 



SU V (zu cap, 5). 

Der abeuteuier uüt der Maria Aioäidel. 

(Auonymej4 ujoisterliod im geschwinden thon Fraucnlobs, am 4. augUbt 
1569 gedichtet. — Auh der Dresdener b». M 5, s. 474.) 

2a Einaidel [in der Scbweis] ist gesesaen 
2ä Zu unser frauen ein wahlfaii. 

OnLTf' r kam auch dahin 

Ein abendeurer in schali >it erlesen. 

Bei einem wirt beherbergt ward. 

Nun waren auch darinn 
80 (»ar vil der bilp^er an dem ort, 

Die fingen an zu itMlcn wol 

Von der Maria diese woit, 

Wit' sie wor gnaden vol. 

Auch von denn wiin<lei/,cichen (wiht), 
JI5 Welche sie het gcthone 

Zu Kinsidel vorone. 

Da sprach der gut gesell dansu: 

*HOret gar fru. 

Wann ich euch thu 
40 Sagen mit ru, 



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Kollwagi'nbQcblt'in, anban^ IV— V. 



Das die Marga au Kinsidel 
Mein liebe sebweater UiV 

2. 

Ob der red ersclimcken die biiidcr aUe, 
Die er so IVevenlieli bet thou 
Vor idermann gemein. 

Die led kam aucli bin für den apt gar balle, 
Der Hß in gfengklicb nemen an 
Und ließ in legen eui. 

Frtl stdi er in für einen rati 
Und verklaget in mit geferd 
Und epradi: ^Diser gesaget hat, 
Wie die Maria werd 
Zu Einsidel sein Schwester eei/ 
Hin rat fragt in der mere. 
Da saget t r ) Id here: 
'Nit allein die Maria ist 
Mein Schwerter. Wist, 
Mercket on bat 
Zu diser frist, 

Der grosse gott zu ScbailliauHen 
I«t aucb mein brudcr freL 

• 

8. 

*Mer wil ich euch aucb Kasren uii dfu orten, 
Das der groü dcutel zu CoRliiit/. 
Aneh nnwr brader ist' 

Ein ratt entsetzet sick ob diaen werten, 
Sprachen: *0 gsell, du redst on witx/ 
Da sagt er seinen list: 

*Mein vaiter ein bildbaner war, 
Der uns alle gemachet hatt. 
Drum sein ^vir vier geschwistert gar. 
Des muüt hieben ein ratt. 
Und lie^«■n in frei ledig gon 
Und scbenckten im ein zerung, 
Künff batzcn zn vcrornn«;. 
Also «ler «xut gesell kam UUÜ, 
(iiii<^r ms wirtshauß, 
Lebet im saub 
Und kam nit rauB, 
Hiß er das gelt v«*rz«*ret bet. 
Darnach zog er darvon. 



318 



Georg WickrAiD, 



VI (su cap. 9). 

Einer bezait mit essen eim abt ein schuld unwUseud. 

(M.M>tprlipcl in lUn- tVüsrhw. iß Friui-nloKs, am G. soptoiiil»or 1609 vom 
Nürnberger goltlrdsHer H.Mi.-dict von Watt irraichtrt. — Aus dem Ber- 
- liner niscr. germ. lol. 24, bl. 238b.) 

Zwen bauren auif einem dorff weit 

Die waren einem abt vor seit 

Rtlich kinß schuldig, die bereit 

Sie schon hetten vereeseen. 
10 Als das gelt bei in hindersohlug, 

Da wurden sie so rath mit fugt * 

Den abt zu biten umb versug, 

Ihr lenger zu vergessen. 

KiiniHii dar fürd cloater /.war, 
l'^ iSie wurUt'n eingelasst n. 

DifMiial »'S war cs-tMis/.'-it gar, 

.^if kaiiM'n für «Ii»' >tra.s8(Mi 

An dius üit, da der übt mit sein 

Kdlen zw disch saü in gemein; 
20 An einem besundem tisch fein 

Die diener alein assen. 

2. 

Ab den abt der ein bauer snrh, 

Da wnrde vor tchrcrkon schwach, 
g. Oin<? widt r luinvfg; hiin'in stach 

Durch die dient r d» r einv, 

iSot/t sich zwischen Hie zu tiscli dar, 

Aß, sam het er zinß gebracht gar. 

Als nun der abt .sein ward gcwar, 

Sprach er zn eim alleine: 

»Lieber, secht, wie der bauer hie 

Sich hinein hat geflicket 

Wol under die diener, doch ie 

Zu disch wie er sich schicket! 
jj. Nichts mehr ist mir schuldig der thor.* 

Da.s fasset der bauet ins or 

Und nach dem essen anfl" dem gspor 

Sich auß dem dosier swicket^ 

8. 

Und knm wider heim an getiuciit. 
AU er witier ward angr'!*ucid 



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Bonwag«>iibflchleiii, anhanir YI-VlII. 



319 



Uuib die schuld, da sprach er mit zueht 
Zu dem abt unvergessen: 

*<inediger herr, was sol das seinV 

Kiior cmadfn ist kund alein 

Das ich onch nicht.s bin schuldig fein. $ 
Dann ir neulich l)eini ossen 

Spracht auft" der bau zum edelraan, 
Der neben euch thet ;jitzen : 
*Der bauer schon ist mir forthan 

Nichts schuldig/ Dises Fritzen 10 
Lachet der abt und tiefi es swar 
Darbet benien gantz und gar. — 
Wer kan sagen, das der baur war 
Einer von kleinen witaen! 

Vn (zu cap. 10). ih 

itiisticus tirigit se ieprosum. 

(Joh. Rulsbusch, Sjrtva sermonum iucundissimorum 1568 p. 45.) 

Contigit qiiendam mercatorem CMHiitare per paj^um in Ba- 
varia, nbi erat clatnim prope domnm nistici , quod nequibat 
aperire. Vocat riistieuin, iit aperiat. Kusticus alta voce ac- ao 
clamat ei dicens ; 'Nemo est donii praeter me, familia ei^ in 
campo, et ego decumbo hie leprocnis.' Quaerit mercator, 
qnamdia laboraverit eo morbo. ^Crastinus/ inquit rusticns, 
^erit nonns dies." Quare cogebatur sibi ipsi clatrum aperire. 
Hoc facto discedens acclamat rustico: *En tibi in clatri poatesg 
aiireum imum. Cape eum et ciira tuam leprain I' Nihil tarnen 
posuit. Aiidiens lioc rusticns exilit ex domo volens adferre 
aureum. Sed clusus est a raercatore. 

VIII (zu cap. 11). 

Einer veikiiuÜt seinen gesten ein traclit nnib einen ;;g 

taiier. 

(Moistcrlied im blawen thon Frawenlobs, 1609 den 7. September von 
Benedict von Watt gedichtet. Steht mit melodic im Berliner mscr. 

germ. fot. 24, bl. 241b.) 

Autr ein zeit i;nt nachpamen »ich 
Verein ij(ten, wie si«' (^rntsdich 



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Georg Wicknmi, 



Mit einander in frenntligkeit 
Kin malzcit wolten halten, 

Und dingtens an in eiiu wirtshanü. 
Alles mau wol zurieht durehauü. 
AIh sie zu tisch susson dir /eät, 
Vor Avirf jtinj;on und alten 

VVul auldrutr, si.' rct offt an er, 
Sie Sölten triiiieh leb- n. 
Umbsunst ging es noch allej« hei, 
Biü das er iu thet geben 
Und fürsetzt eui bratnen kappaun. 
So ^[a;ich der wiri: *Habt keinen lann! 
Da« kost eben einn taller fein. 
LasBts denn lieben gott walten!* 

2. 

In (Ifin ein kutschen voll kaufttcut 
KiUüt'ii ; dt'B wnr<1 wirf orfVrut, 
Lift!" hinauü und ' luptloiig die gest. 
iNiclit ungeschwinU war einer 

Der gebt und den kappauuen naiu, 
Verbarg den. In dem der knecbt kam 
Und scbencket wein ein auft' das best. 
Ein gast saget: 'Du feiner, 

Bring mehr xu essen V Der baußknecht 
T^fF behend in die kocben 
Und bracht den gesten eben recht 
Ein reyüniuß one buchen 
Mit gebachnon fischen umbiegt. 
Und als nun die gest hoch bewegt 
Wnl LT» li'l)i.'t betten bequem, 
M;uigel hete ir keiner, 

3. 

Die zech biessens machen den wii't. 
Der sprach zu in gleich gcvexirt: 
'Was ir habt truncken in gemein 

Und gesHon, euch auß gnaden 
D«'r lieb gott gesegne und sey 

Kuch geschenckt, on alein darbey 

Der kivppiiun, der kostet alein 

Kin taller wol beladen. 

Und habt aUo l'üi ;^'nt !' (leschwiud 

.Sprach /nm wirdt der mi r, innen: 

'Mit dem kappauu un.-^ uiciit, nieui kind! 

Wir wollen den kappauuen 



KoUwagenbaoblein, anhang VI1I-~1X. 



321 



Nicht m thewr.' Vvm] ihn dem wirt gab. 

Der n'.iiii in wiilrr, ilorii darab 

Nicht uol zut'riden. • — Sein maul frech 

Briugt uoch manchem in 9ehaden. 

IX (zu cap. 13). 
Von deß pfaffen drei stuck in der predig. 

^Ationjnies lufisterlied im rosenton H Sachsen. — Aus der Erlanger 

hanilschriit 1668, bl. 572a.) 

1. 

Kinn pfarrherr in einem «lorff wasse, 

L»t r mit sein l>ain-fe]u die nacht Hiisae. 

l>ab herrieia sufV -ich hefftiiF voll; 

Ala er mor$T*'ii> j>r«-.ligtn .«.oU, 
ö Hett er [gai] nicht viel gestudieret, 

Doch dfe baur[ejn »ehi- reformieret. 
Nun bort fleissig Tan allen Sachen, 

Wie er einen anfang thet machen 

Seiner predig gar wol bewehrt! 
10 Sprach: 'Dis boU euch werden verUert 

In drey artiekel ; im anfange 

Die zwea sind kurtz, der dritt nicht lange. 
Der erst ist mir allein bekannt, 

Von dem wist ihr nir-hts allesandt. 
lo Aber den andern thiit ihr wi^j^pn 

Unnd ich nirht/ spraeli der pfatf gefliessen. 

'Denn dritten weder ieli noch ihr 

Wissen, das seit ihr ^H iiiben mir. 

Nun will ich euch mit rechtem fjiunde 
20 Die drey artiekel machen kuude. 

2. 

•Der erst, denn ich allein thu wissen, 

Daß ist : mein hossen sein zerrissen, 

Da wist allesam nichts von ihr» 

Daß mein hembd herausheneket mir; 
2ö Dann ich ein langen rock thu tragen. 

Den andern kann ich gar nicht sagen. 

Ob ihr euch wollt so frenndlich schicken 

Und mir dieselben lassen flicken; 

DoHselb ihr nun auch allein wist. 
J» Der /wpit[e] artiekel es ist. 

Derselb iat mir auch unbekaiiote. 

Wickram III. Ol 



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QeoTg Wickram, 



Weid'-r >*> vcriKMuet allsante 

Auch deß Uritlen artickela äum! 

Daß ist daa evangolium, 
•■ü Da8selb[e] ich nie leinen wäre, 

Versteh die gchriffi nicht gants nnd gare. 

Denselben wiss^ ihr auch nicht 

Sowoll ala ihr, ich euch berichi 

Nun wollen wir von disem lone 
4» Unnd einn andern text fangen ane. 

8. 

Ihr baoem seit so gar erhitzet 

Über einander, wan ihr sitzet 

Bey dem wein, so heist ihr darob 

Einander lügen «o gar grob. 
4o Thiit nicht, .sondern unverdrossen 

PfeitVl ülx'i" liifx<n'lirlir' possenT 

Sprach: Ith will < iich vor nllen dingen 

Ein uraltes • x.-mpt l luincren. 

Do gott geiiiacht hat dfim Adam, 
öO Leinet er den (luercket alUam) 

An einen zaunn/ Als daß die baur[e]n 

HOrten, do hub [hahl] aus den laur[e]n 
Einer zu pfeiffen an. Hernach 

Sähe sich der pfaff umb und sprach: 
ö* *Oho du grober narr unzogi n. 

Meinst du, ich hab jet/.t auch gelogen?' 

Der bau[e]r sprach: 'Herr, sagt mir noch, 

VVtn* discn zäun hal» gemacht do( b, 

Weil Adam der erst w;ir ir'^-t^hatlt'ii T 
60 Die baur[u]n war[e]u gleich dem pfatten. 

X (zu cap. 16). 

Die schwerhörige schneidersfraii. 

( Afeisterlied im grünen thon H. MügUngs , ir>10 am 1. tcbruar von 
Benedict von Watt gedichtet. — Aus ilcm cod Will III. 7Ö4, 
bL 510 b der Nürnberger atadtbibliothek ) 

1. 

Ein schöne junge fraw 
Het ein alt p^rhnider :tchneider, 
Der war kari^^ inui genaw, 
Kein nascherey woU er ihr nie zulassen, 
ö Ein» tags gab er ir gelt 



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BoUwage&baefalein, anluui|( IX— X. 



Zu kaiifien faden. Fladen 

Snh onj^ftM- die gemelt 

Hoch warm, di»^ rochen ir starck iu Uie naaen. 
W**il •*ie lii^t tlarzu •/.waTiij^'. 
10 Kauftet sie fl. uU'u und brticht sie d.u hailüe. 
Der alt fluchet ir iunge, 

Sprach: 'Ich hieß dich faden kauften durchause.' 
Sie Bpradt: '£y lieber manue^ 
loh habe also ▼ernumen. 
13 Eb laut gleieh (hOre aane) 
Faden, fladen in sumen.* 
Der mann lieO es got sein, 
Und im herpet gab er ihr gelt aller musen. 

2. 

'Kauff niir zwiren*, er sprach. 
20 Auif dem marck glate drate 
Sie und alda feil sach 

D'w ^chäuffon hiren ; sie mocht es nicht laateOf 
Kautit bircn umb das gelt, 

Sit' liriiii frcschlachte brachte. 
2."> Der iiuuni mit y.oren luclt 

Sprach: 'kh läeli dich zwiren kautfen dermassen, 
Und nicht biren.' Sie saget : 

'Ffirwar ich hab biren verstanden, schauet 1* 

Da dacht der mann betaget: 
30 'Zwiren, biren, es laut fast gleich vertrauet.* 

Umb sant Martins tag entlieh 

Scliickt er auß sein weib wider, 

Netz zu kauffen bekentlich. 

Sie gedacht: 'Dein mann bider 

Hastu zwcynial genarret grini. 

Was sich zweyU dreyt sich gern. Das muti ich fassen' 

3. 

Und kautit ein «^nns. Da si»* 

Die heim bracht munder, wunder 

Nams den man; der spraf Ii : 'Hie 
40 Hieli ich dich kein gan« kantV»?n allers thoren.' 
Sie sprach: 'Ich hab es zwar 

Überhört; feine meine 

Ich, es laot fast gleich gar.* 

Der mann sprach: 'Ich muß dir offnen die obren, 
*» Das dn nicht werdest taub 

Und seine eUn ihr umb den kopff thet schlagen, 

Auch zu jedem streich: 'Olaub 

Faden, fiaden, zwiren, biren' thet sagen, 

21* 



d24 



Georg Wickram, 



'Netz, gans!' Da- tri?» er immer, 
öl) Biß nie silnic: 'Tim uaclilasaenl 
Die obren siiul mir lüiumer 
Dick, sonder (iiiiin ; dermassen 
Wil ich fort recLt uiercken.' Gezem 
Ward aie und tbei m; dum sie forcht sein toren. 



XI {zu cap. 16). 

Von einem b6sen wiederspftnstigen weib. 

(Qabriei Voigtlander, Allorhand odou vimd liedec, Sohra 1642 

«. 87 nr. 75; mit melodie.) 



1. Ein Hchneider hat ein böses weih. 
Vorwitzig, «toltz, doch fein von leib, 
Sehr eig"cnwiUig, frech und geil, 
Trug ihre ehr auch zimlich feil, 

6 Stets ihrem ninnn zuwider lebte, 
In allem sie ihu» widerstri'litr: 
Kein ding er ir befehlen kuud, 
AUieit sie das unrecht verstund. 

2. Sie soU ihm einmal bringen 
10 wach«, 

Da kam sie heim und brachte flach8; 
Noch einmahl schickt er sie nach 

zwOrn, 

Da brachte »^i»^ dagegen biirn. 
lö Nie ^i'lt ihm weisse seyde Itohlen, 
Sie bracht f s.'iitcu uubcfuUlen; 
Sie seit ihm hohlen eine scheer, 
Sie aber bracht ihm ein pfmid 

scbmer. 

^ 8. Er sprach einmahl zu ihr mit 

fleiß: 

'Mach riltnuU mir ein eisen heiß!' 
Sie hie!> 'in fi^fii machrii balt, 
Der Schmidt brachts hm. >la war 

es kalt. 

£r sprach: 'Ich hab zuvor guug 

eisen, 

Ich hab kein newes machen beisen. 
Mein weib mich nimmer recht ver- 
]jQ steht, 
Mit allen sie den krebsgaog gebt/ 



4. £ins sprach er: 'Gib mir her 

die elir 

Da liracht sie ihm lißbouisoh öhl. 
Mehr i»agt er: 'Dieses klcid zer- 
trenn!" 

Und üie verstund: 'Das klcid ver> 

brenn!' 

Alsbald warff sie daerolb ins fewer. 
Das kam den Schneider an sehr 

thewer; 

Er hieß sie bringen ander tuch 
Zum kleid, sie aber bracht ein buch. 

5. Er hieße sie früh auff/Ai>tehn, 
Zur predigt in die kirch zu gehn, 
Die kindor aber bringen hin 

Zur schiih n, was zu lernen drinn. 
Diti kiudur iu die kürch sie führte, 
Sie aber in der schul studirte. 
Eins folgt er ihr nach auff dem faß 
Und sah, was daß ihm bracht 

verdruG. 

6. Als' 7.U hniisf» wnh'r kam. 
Geschwind er dir tlarhsluich»-! nam, 
Schlug ihr damit den koptf und leib. 
*0 weh, was thustu,' sprach das 

weib. 

Er sagt: 'Ich muß mich nun be- 

mtthen, 

Den flachs fein durch die hftchel 

sieben.* 



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Uollwogenbflchieiii, nnliang XI— XIL 



325 



Sie rieff: *0 weh, wehmeiiier itllnir 
Er aprach: *lch speise dich mit 

bUrn*. 

lüi 7. Sie rieff: *0 weh, mein rück 

und <f'it !' 
Er »prack: 'Wie klingt die zit- 

tei-Hait ?' 

Sie »chrie: 'Schlag mich duch nicht 
40 so sehr V 

Er sprach: 'Das leder darf viel 

scbmeer." 

Sie baih, er wolt ihr gnad erweisen ; 

Er sprach: *Ich schmied ein newes 
45 eisen/ 

Sieschrey : '0 daß es gott erbarm!' 

Er sprach: *£« ist noch nicht recht 

warm.' 

8. Sie rieti': 'Ich geh autf mein 
SO seei; 
Er sprach : 'Ich heil dich mit dt ui 

Ohl; 

Sie bad : * Vergib mirs nur dißmahir 
Er sagte: 'Mir das kleid bezahl!* 
55 Sie sprach: *Die schuld will ich 

bekennen.* 
Er sprach: *Das heist mira kleid 

veibreanen/ 



Sie bad: 'HOrt auff! Ich schaff 

euch tuch.* 
Er sprach: *Ich leß in deinem buch/ 

9. Sie schrie: «Erwürge mich 
nicht gar!' 

Er sprach: '.Soniniiii (Icr kÜrchon war 
Und lerne da nicht in (Im- ?^chuhl 
Sie sprach : -ich hab Ja keinen 

fituhl.' 

Er sprach : 'Du sollst die predigt 

hören, 

So lest du dich Studenten lehren/ 
Sie sprach: 'Es soll nicht mehr 

geschehn/ 
Er sprach: 'Ich kan dich nicht 

verstehn/ 

10 Also ein böses weib wo! käin 
BöÜ machen einen l'romnipn mann. 
Hat dir-ie fraw von schlügen sich 
ückciiit , daß soll fast wundern 

mich. 

Denn man schlegt wol rauß einen 

teuffei. 

Sechs aber drein ohn allen sweiffel. 
Doch die den mann will folgen 

nicht, 

Ist Werth, dass er sie schlage ticht. 



XI l (zu cap. 26). 

Der pfaff mit dem eheprecher-pengel. 

(Meistf ilitid im knrtzen thon Hans Vogels. 1545 von Honx Vog(;l 
gedichtet — Au« dei Droädener hs. M 5, a. 815. Steht aucl» in der 

Dresdener hs. M. 8, 534 b.) 

1. 

Zu Danni'lo « in pfarrher sa», 
WelcluT ali'/eit was 
Zornig aa uUeu tuten 

Auf die chbrecher groß und klein, 
ä Redet in dapffer ein 

Und schalt sie sehr mit werten. 

Eins dags er xu seinn banren sprach: 



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326 



Geoig Wieknun, 



'leh sieb ein gro^nen firecbea 
Bei euch; der erloß mone 
10 Die »^h giir offt thet brechea 

Wirst nit lassen darvonf. 

So wil ich iznnd warlich dich 

Vor idenneiiiirklicli 

Zu schaud machen mit grosser schmach." 

2. 

15 Denn ;m'l» r» n ^uuntag hernach 

Der pfarlieiT aber sprach 

Zu der gemain mit zoren: 

'Du bchalck, ich bich dich aber wol, 

Des laaters «teckat du vo\, 
20 Ich bab dir nun gesehworen, 

leb wU dicb machen oftenbar. 

Dmmb kumpt auf die neehat predig! 

So wil ich in euch nennen. 

Er «ol mir auch nicht ledig 
2& Der grossen schau. 1 . ntrennen.' 

Die nechst predig der bauren *al 

Kam dar mit ühpr^fhwal. 

Dab die kircheu bchir zu eng war. 

8. 

Dor pfalf liiiiciit ein brngel mit im 
ao Und Hprach mit laut' r stini: 

*lch wag euch bey laeim engel, 

Welcher sich duckt, der ist der recht. 

Auf denbelbigeu bccht« 

So ich wirff mit dem bengelT 
a» Als er aufhob den bengel schwer, 

Det in «am werffen xncken. 

Die bauren all durchause 

Deten sich forchtsam bncken, 

Lieffen zu der thür nauKe. — 
40 Ich sag derhalben, 8olt jezt man 

Solch ilinr^ noch -/pipen an. 

Die kirchen wiird oü't werden ler. 

Xm (zu cap. 37). 

Ein peyspil von eim mesner, und perurt des teufeU 

triegnus. 

(Meisteriied M. Bebaims, in IGchel Pehams hofweis. — Ans dem 



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RoUwagenbttcbleiBt imhang XII— XIII. 



327 



Münchner cod. germ. 291, bL 270a; steht auch im Heidelberger cod. 
germ. 312, bL 224a und cod. germ* 334, bl. 317d.) 

1. 

Horent ein peyspil wild, 
Das sagt von einem mesner. 
Der da was ein verwesner 
Und einer kirchen chnecht! 
ä An einer heiigen necht 
Die lichter er anprante, 
Die kercsen alle sante 
Vor allen pildn also 
Do 

10 Oie der mesuer jo, 
Do er ein tiefei vant 

Gemacht an einer wnnt. 
Und L'zunt im auch t'iii kerezen 
Und sprach in »einen nchf rczen : 
1« 'Du mufit uuch hon ein licht.' 

2. 

Nun horent ein geschieht. 

Die dem mesner peschahe! 
An einem tap: rlarnache 
Wart er geladt -n ans 
20 In ain feins fi-fumlcs haus. 
Ein wirtbchutVt wart erdachte. 
Der Tuosner da penachte 
Und ander gest auch mer. 
Der 

2& Wart mit grosser er 

Gephlegen mit wacheit, 

Sy wurden senft geleit. 

Nu horent, wy der trokner. 

Der teufel, disem glokner 
80 In seinem taraum erschein! 

3. 

Im daueht> wie er allein 
Denselben teufel sehe 
Und wie er csu im jehe: 
*Du hast mir dinst geton, 
85 Darumb gib ich dir Ion; 
Ein schacz nmstu hie haben. 
Weis ich dich aus czu graben. 
Wol auf, gang mit mir her!' 

Er 



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028 



Georg Widanun, 



40 Furt in iin den ker, 

Do diser schiicz «olt sein, 
Und spnieli : 'Die «tut nyni ein 
Und merk sy niq-ptitlpichon ! 
Darauf so Iüü: <Mn reichen, 

4.) Das du sy vijidest bie ! 

4. 

*\Vie wiltvj yaicliru die? 
Wiltu ein htain d;i lassen, 
Den nioeht ein yMiv leicht stüüsen 
Mit einem fus davon, 
ot) Legstu ein holcz darftn, 
Das tregt ein alcz weib dairnen, 
So 8y ein feur wil prennen. 
Wiltu durch recht czeugnis 

Bis 

ö* Hintes sein gewis, 

So soltu scheisstMi dar; 

So pleil)ct dir furwar 

Das zil auf disem placze 

Und vinde.>t du don 8ch;u ze, 
I» Wann du in graben wilt." 

5. 

Der Tnp'^npr want, er c/Mt 
Sein Lv.aichea an diser sici«", 
Da schais er in das pete 
Und wart czu f<chanden gar 
<V) Vor aller diser schar 
Des Volkes, die da waren, 
Darpey mügt ir wol hären, 
Was (uner da gewint, 

Vint 

70 Der dem tf?ufel dint, 

Wann seinen dienern da 

Lont er allen al«a. 

Wer im dint czu dem ende, 

Den» ionet er mit schfiule 
7.J Und gott [LgeitJ im ewig peia. 



XIV (zu cap. 37). 

Der träumeude Schatzgräber. 

(Aus dem gedichte des Nürnberger hutmaehers Asmus Mayer: 
*Ktn newer spnich ( von der Zauber^ | vnd dem vnglauben.* | 7 bl. 8*. 



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RollwageubfieUein, anbang XIII^XIV. 329 

Qedrackt dnrch Hans 1 Gnldenmnndt (um 1580. Berlin Th 596). — Mayer 
folgt in der anfss&hlung der abergl&ubiachen brftuche den 1486 ge- 
druokten 'Pluemen der tugent' Hans Yintlers (v. 7714—7954 ed. 
Zingerle 1874) wörtlich, wenngleich vielfach kürzend, und hat auch die 
folgende geschichte YinÜer (v. 3247— SSaS) nacherzählt.) 

[A6a] Und was der teüttel loiicr ibt, 
m liu buch der tng^ent •) man es list. 

Zu Modem Ha(> oiii burg«;i- reich, 

Dem was keiuer an gut gt»leich, 

Des was er auch gauti^ wolgemiltk 

Und alä er nan verthet sein gut, 
19» Schlftg er in sich und gieng dahin, 

In ein Capellen was sein sinn, 

0nd glaubt, er wolt alda erwerben 

Grossen reicbtumb vor seinem sterben. 

Ein band toI liecht er mit im nam 
2i)0 Und in ein Capellen er kam; 

Dieselbig lair m huumu hag. 

Und es gesohach an eim saniVi-tag. 

Er sprach: 'Ich wil nach reichtunib ringen. 

Dem heylingf ein liechtlein bringen.' 
205 Das thot fr uiul luendt an vil licht. 

Zulrt/.t er Liu;iler dort sieht. 

Gemalt an einer eyson ketten, 
[A6b] Den tbet er mit wurt' ii anbeten 

Uiul ÄÜndet im auch uu alda 
210 Ein liecht seiner memoria, 

Das er im helff zi\ gold und gAt. 
Der barger gieng heym wolgemilt, 

Legt sieb schlaffen z8 seinem weyb. 

Z6 nachts der teOffel nit außbleyb 
215 Und thet Ionen dem diener sein, 

Der im het gebrent em liechtlein. 

Der teüffel kam, sprach: 'Gee mit mir! 

Des liechtes wil ich Ionen dir.' 

Den bnrger dancht im nchlait' bald, 
220 Wie er gieng mit im in ein wald, 

Darinnen st'inden vil der bäum. 

Der teullei sprach: 'Scbaw. dich nit saum 

Und grab unter dem bäumen ein! 

Da findest du einen hört uit klein.' 

1) 'Flores virtutom oder das buch der tugent* ist der Augaburger 
druck Vintlers betitelt. 



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Georg Wicknuu, 



225 Der burger »praeb: 'Es ist entwicht; 

De» baumes kenn ich morgen nicht/ 

Der teüffel Hprfich: 'Wiltu in linden, 

So scheyß unten zu seiner rinden, 

So kan?tn in k'.'iiiu'n de« baG.' 
23<> Der bur^'rr eylt und war nit laß 
[A7a] Und thet. wie iii d>i tfutb l lert. 

Seinem weib er den luckeu kert 

Und ließ von im, das was nit klein. 
Damit tnilf era wcyb an ein bein. 
8S9 Die erwacht nnd xuckt fainder sich, 

Scbrey laut : *Han» wie bescheystu mich 

Und veronreynst uns unser pefcT 

Der man erwachet an der stet, 

Dr-r erschrack seer und was doch fro 
ÄIO Und ^aget seinem weyb aldo 

All ding, sie solt nit zornig sein. 

Die fraw sprach: Auti die trewe mein. 

Der teüÜfl liat dir ^'tlont recht 

Und hat gtlunt t ><'in*»m knecht, 
24Ö Der im zii eer lin Hecht thet brennen; 

Also kunstu dein herren kennen. 

leb biH dich, hüt dich, laß darvon! 

Da waist, er hat kein andern Ion. 

Dann die umbgeen mit zauberey, 
250 Den wonct stets die annftt bey 

Und ein verwiit versagt gemfit. 

Wer aber hofft auff gottes gut, 

Der hat genftg; wo manfrol I>t 
[A7b] Und frid und eYnigkm-t all friüt« 
20-'» Da^elVist wonet all/t'vt got. 

Der hiltit auch aul^ in aller not.' 
Don wolltn wir auch rüffen nn. 

Wann Uli- >un)st niemundt helffen kan 

Von zauberey und teiiffels leer, 
980 Spricht Asmus Mayer hütmacher. 

XV (zu cap. 37). 

Der geiczig in der schaczgrabea. 

(Namenloses meisterlied im blUenden thon H. Frauealobs. — Ans dev 

Dresdener bandacbrillt M 5, s. 818.) 

1. 

Nun hört wunderaelczame ding. 



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RoUwagenbttchleui, anhanif XIV 



Wie es einem geiczigen ging* 

Der am gut kein benügen het, 

Im nur serrisnen woU. 
9 Einsmalf im in clrm sclilaf tnikam, 

T)nrc!i einen dramn pewib vernam. 

Wie itu h;iu(> iindm lif^en thet 

Ein scliiU'z von klarein gold. 

Der man in grossen freuden lag. 
10 Als nun anbrechen thet der tag, 

Gax bald aufstund der mann ; 

Denn echaex xu graben er b^ert, 

Lief linden in das hauß hinab. 

Der geies im tU zu schaffen gab, 
ih ünd er auch mit im selber ret : 

'Wo sol ich fangen an 

Zu graben in die ert?* 

2. 

Bucht im hauß nnden hin und her. 
Schlag auf die erd, wo es hol wer, 
20 Da würd der »chacz verborgen sein. 
An der Icczt »«r hinknm 

Über fla.s gwclb zu tlt'Ui ^i»;irhli.mi> 
Darautt' sclilug er on foreht und graul». 
Oben hub er auff » tlich stein. 
25 Als er das loch veruiim, 

Daranß ein grosser gestände gin^. 
Der mann erst dnen drost empHug 
Und meinet auf der fart, 
Es wer außgfaren der böß feind, 
DO Ret verlassen ein solchen gstanck. 

Der mann ward darvon mat und kranck, 
Ex het kein glück ; das gwelb brach ein, 
Darein fiel er gar hart. 
Der mann schrei laut und weint. 

S. 

3« Inn jammer, ang«t und grosser klag 
Gar dief in dfr schnczgruV-en lai^ 
Und im alifin iiirht. hcläeu kuud, 
Must aino leiden not. 

Seines lebens end nahe war. 

■M> Vü Tolckes kam geloffen dar, 
Funden in im loch su der stund, 
Der war gancz und gar dot. — 

Ach got, man fint der leut noch mer, 
Die nach seitlichem gut und er 



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332 



Geoifg Wicknun, 



4o Stellen gar iruczigklich; 

Ir hrrcz wedov rtr noch rast h■^\, 

Und müssen <!»'< h in «li'^^er weit 

Hinder in In^si-u <^ui nud irclt, 

Wenn sf.Mlt.n. Dann wirt ir munU 
50 Erfüllet mit t ri rieh. 

Der vor nie gelts wart satt. 

XVI (zu cap. 46). 
Der pfaff in der Wolfsgrube. 

(A : .ms (Irr Woimari'r handschrift Q. lUt'. deicu inhalt Wattenbach im 
Auzciger f. kundc der d, vorseit 18ä0, 2^9 nur itiilweise angiebt, bl. 25b.) 

6 es tum. Nobilis quidam iuxta Castrum suum foTeam 

hiporum fodere iussit. qui uxorem cum ancilla babuit sacer- 
doteiu amantem. Ancilla })Ost Inpnni intra tVrvtHiii cecidit, 
cum sacerdotem allntura oxot. Ooiiiiiiii vcro inoraiitis ancille 
grave [i] suspicioae permota sacerdotem aggredi vestinans si- 
militer cecidit. Servi hoc de castro videutcs ad foveam ac- 
celerare per dominum prohibid sunt, qui se dicebat plus et 
verius cognoscere [?] posse. Tandem saeerdos tedio ductas et, 
cur ancilla pro eo non mittere[tur], dubitando iter arripit et 
dominam, quam amabat, agjypredi ardens [ ?] in foTeamqne ca- 
dens eam cum ancilla atque lupo reperit. Maritus autem con- 
vocatis et uxoris et sacei dotis aiiiicis querit . nimi eas inter- 
ficere vellent iitriusque cum amatore ; a regalibus rrtractiis hoc 
eftecit, ut saeerdos castraretur et unus tt sticulusi super latus 
uxoris Buspenderetur , alius super ancille Collum tabricaretur 
ad sempitemam infidelitatis memoriam retinendam. 

(B: aus der 1575 angelegten hsl. Sammlung des benediktiners Anton 
Huseroann im Mttnchner cod. lat. 1280, bl. 7 abgedruckt von Mone, 
Anxeiger für künde des mittelalters 1839, 10&.) 

ParvuB limes erat, quo presbyter ire solebat 
Et lupus, hic ad oves, presbyter ad dominam. 

Rusticus hoc sensit, foveam facii Ecce sab alta 
Nocte lupus veniens cecidit (!] in foveam. 
5 Sicut erat solitus, et presbyter ibat eodem, 
Qaoque lupus cecidit, presbyter ipse cadit. 

Dnmque uioram faceret, ancillam rastica misit. 



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KoUwagenbachlein, anhang XVi—XYII. 333 



<juid tuiic? Hate «'tiaiu turrnit in foveara. 
Ad toveuiu vir muue redit, lieb iiiveiiit uiiu8: 
lU Haue fugat, buac iugulat, huicque pudenda secui. 

XVII (zu cap. 56). 

Duo furea pellunt a sacerdote podagram. 

(Joa. Hulabuscht SyWa eermonum tuonndiBsimoram 1568 p. 78.) 

Fures duo pariter i'urati sunt longo tempore, partientea 
furta ex aequo. Venienies semel in oppidulo qnorlam non 
reperiebant, quod esaet in rem soam. Coacluserunt [79] ergo 
adire pagum satis magnum exereentes ibidem sua negocia, quo 
possent discedere sine dedecore. Tarn bene erant illis iam 
omnia nota, ut unos animadTerteret acervnm nucum inglandium 
in erate quadam, ad quem patuit sibi accessus noctu. Alter 
dispexit ovile, in quo erant ovcs ac arietes pinj^ues, qiionini 
destinabat furari unum nocto: et mane intendebant divt iidcrt' 
nuces ac oves in oppidulo. V erum nesciebant certum locum 
in pago, ubi possent confenref quod nocte nacti essent. Tan* 
dem conveniunt in eo, quod deferrent in ossuaria atque ibi- 
dem se mutuo expectare. 

In eodem pago decumbebat praediYes presbyter ex po- 
dagra, qui babuit penes se duos fortes iurenes inservientes 
sibi levando et deferendo, quod libebat. Cum iam obscurum 
esset et satis scruin. ])rot^rediuiitur i'iin s iid auu neji^ocia. Qui 
nuces fnratus erat, ^nior erat jiaratus : deferens magnum sae- 
cum nucum super ussa et expectans socium suum fregit nuces, 
comedit nucleos di'^iiciena putamina sparsim per ossuariaiu. 
Contigit sacerdotis lumen extingui nocte illa negligentia fa- 
mnlomm, nec babebani, quo illud redintegrareni Quare com- 
motoa saceidos iubet alterum adire lucemam penailem prope 
ossuariam, allatum lumen. Festinat ille versus ossuarium et 
audiens fnrem confringentem nuces ratns spiritnm esse per- 
territus recurrit al)sque lumine. Irascitnr ilominus et audita 
causa mittit amlx) |80) siuiul ullatuai lumen. A))eunt, ap- 
propinquant ossuariae, sed audientes furem frangere nuces 
illico lecurrunt absque lumiue. Iratus dominus « quod ambo 



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334 



Georg Wicknuu, 



frustra fuissenfc, iubet puiviuaria imponi teretro fimario et se 
desuper collocari portarique in ipsam ossnanani. Inssa exe- 
qnuntur, deferunt ossuariam usque. Für, qui in ossnaria erat, 
ratnB socium advenire cum ariete vocat: ^Kesta paolulam, 
resta! Ego te iuvabo portare/ Portatores aodientes hoc pn- 
tantes cacodaemonem esse deposnemnt onus et anfngerant. 
Fnr descenilens ex osaiuiiia tuniultum oxcitavit ux collisione 
ossium et appropriims quausivit submi.s.siori voce: 'Estne 
pinguis ?* Timuit sacerdos et udeo puvore correptvis pst, 
ut oblitua podagrae saae recurrif donnim instar dementis. lii'ur 
rattts sodom 8anm esse, qni nollet illum participem furti sni« 
inseqnitnr clamans: *£stne mihi pars in illo?' — ^Non/ in- 
quit sacerdos, ^tu maligne Spiritus, nuUa est tibi pars*. — ^Nec 
tu/ inquit für, ^habebis partem in nucibus.' Tandem Tenit 
socius, cni rem omnem narrat; et mane erat constans fama, 
sacerdotem sanatuni a podagra sua. 

XVm (zu cap. 56). 

Der lahme und üie diebe auf dtjui kirchhofe. 

(A: Job. de Bromyard, Smnma predicantiunit o. o. und j. [Basel um 
1480) 0 2, 6; d. i. bd. 2, art. Odum § Q.) 

Si enim illiini clHudum, de quo fertur, quod se deportari 
fecit, ubi dice>):itMr. quod demon de nocte ambulabat in ci- 
miterio timore iihus iiitronis, qui portantem socium estiiuabat 
cum ove in coUo venientem, a quo et quesivit, si pinguis esset; 
ita fuit perterritus, quod deiectus citius ad domum yenit quam 
baiulus 8UU8. 

(B: Johannes Junior, Scala celi. Ulm, Zainer 1480 bL 102b: 

De furto $ 5 ) 

Legitur, quod, cum dno latronee convenissent , nt fura» 

rentnr nuces et alter carnes. preveniens ad fores ecclesie , ipii 
furatus fuerat nuces, incepit tranigere et comedere eas ibi. 
Cuius jsonitum auditiis iüe, qui cnstodiebat ecriosijnn. cmlens, 
quod esset denion, ingressus est chiu.strum et tuiduiu claudo, 
qui ire wm potuit. et forti rustico videnti nuncinvit. Tune 
duo volentes ire claudus supplicat, ut portetur. £t dum in- 



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Rollwagenbüchleiu, ^bang XVllI— XlX. 335 



gressi fuis^ent ecclesiuni, latro comcdebat iiuces. credens, qaod 
esset socius suus, qui ptutaret arietem, incepit clamare : 'Estiie 
bene pinpiis, quem porUs?' Tunc rusticus territus, qui por- 
tabat dandum, credens, quod esset demon: 'Nescio, si est 
piBgius Tel macer; sed nunc relinquo eum Tobis.' Et proiecto 
claudo ad terram tibiam aliam Bibi ftregit. 

XIX (zu cap, 56). 

Dei" lahme und die diebe auf dem kirchhofe. 

(EocharioB Ejring, Copia proYerbiorum, dritter thei), Eißleben 1804» 
8. 175—177: 'Lieb und notb meielem alle gebot/) 

Zweeii dicb die machten einen bund, 

üaü sich jeder fleiÜ, wie er kund. 

Aiiff gleiche beut zu atelen aaGgiengen, 

Der ein ein sack voll nnß seit bringen, 
b Der ander ein gemestes schafT. 

Dem nuGdieb sein sacli bald zutraff, 

Die nüß gar bald znwegen bracht, 

Mit den i«ieh autl' den kirchhoff macht. 

Daselbst nach ihrer lo^ung bed 
10 Autt' Bein gesellen warten tbet. 

Und weil er nicht bald kommen wolt^ 

Das fpistf «cliatt" IhtV)! iiij^i'u solt 

Und iliiii die weil allein lang war, 

Kui kurt-iweil er anfieng aldar, 
IS Die welschen nttß zu klopüen aulieng. 
Ein trunckner muuu i'ürübergieng 

Über den kirchhofF heim zu hauü, [176] 

Der hOrt das klopffen gantz mit graufi, 

Bald wideromb zurück da kehrt, 
20 8agt seim g[e]selln, was er gehört: 

Als er anff den kirchhofF wer kommen, 

Hett er ein groß geklopti' vernommen 

Von geistern der verstorbnen leut, 

Vor den er «ich aus furcht gescheut 
a> Und widerkommon an das ort. 

Als aolchs ein lahmer mann gehört. 

Von mutterleib her lahm gebnrn, 

Hat er geredt, daran geschwttin : 

Er hab von geistern viel vernommen, 
SO Doch kein gesehu noch zu ihm kommen 



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336 



Georg Wickram. 



Er wolt ein gQlden danu wagen. 

Wer ihn auff den kirchhoff wolt tragen« 

Den gei»t zn hOren oder zvl sehen* 

Dem Toln, der vor in forcht thet stehen, 
8» Der golden fast geliehen thet, 

Damit sein /.cch bezahlen hett. 

Der Bprach: 'Kum her und hock iiuff mich! 

Zum geiat wil ich [hin] tragen dich.' 

Und eilt mit ihm zum kirrhoff' tlar. 
40 Als »ein der nußdioli iimen war. 

Meint fr nicht anders bey der nacht, 

»^ein g>' H «Icr hett das feist schaff braolit : 

'BringhtusV Lang, hiü luichs stechen!' 

Als er diß wort uerlich thet sprechen, [177] 
45 Den lahmen fallen ließ der voll 

Und lieif sum wirtßbanft, wie er toll, 

Den wirt und seine gest da bat, 

Dem lahmen helffen aus der noth. 

Und als er gleich ins wirtßhau0 kam, 
oO Da saß schon allbereit der lahm, 

Darein ihn die gro^sse noth getrieben, 

Vorn geistern fortan sicher blieben. 
Darbey man mprrkt ohn allen spott. 

Was es sey umb di»' grosse noth, 
ö5 Die krancke kii\]»i)('l macht ge^*nnd, 

Die lahmen lautiend bald \on stund. 

XX (zu cap. 56). 
Die zweu dieb im bainhauß. 

(Meist^^rlied im robcnthon Hans Sachfien , unter/,eiciinet K. K., d. i. 
vielleicht Kaspar Krewitzer oder Kuspar Kleibich oder Klippisch. — 
Aus der Dresdener hs. M 5, 8. 654.) 

1. 

Zwen dieb die machtcii riuen bände, 

Wif Hip k<*nion /n ain*»r stunde 
Zu imi lit antl »leim kirehhof hinoin : 
1)' \ dem beinhaub auf eim grabütciu 
ö Kiut r de« andren warten solte 
buil bringen, was er stehlen wulte. 

Der erst ein sack mit nüsseu brachte 
Auf denn kirehhof bei finstrer nachte, 
Sich auf ein grabstein niderseczt, 



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BoUwagenbacblein, anhang XIX^XX. 



337 



10 Wart auf sein g«ellen und zuleczt, 

Der ein feisten Hemel wolt bringen; 

Dem dct auch aho frei gelingen. 

Die nüß der erat autklopttt und aG. 

Ohn iiU gefer beinah sieb, du?* 
iö Ein mann denn kirchhof ging binüber 

Und sacb den dieb gegen im nüber. 

Er meint, es wer ein böser gaij^t, 

Ein betrieguus, wie rnana denn haist. 

Vor forcht det er hinder sich lauffen, 
20 Det befftig aitteren nnd schnaufen. 

2. 

Und klopffet an vor einem hause. 
Man det im auff. Er sprach in grause: 
*Ein gespenst ich gesehen bab 
Auff dem Idrcbboff auff einem grab.* 

95 Da war ein alter lamer mone. 

Der keinen dritt nit mer kunt gone, 

Der sprach: 'Ich möcbt ein g»penst wol sehen.* 

Ein jung frechor ban- r det jphpn; 

•Was wolt ihr mir s^ebt-n V h \i wil 
80 Euch dahin tragen in der stil, 

Auf das das gspenat mögt sehen ihre.' 

Er sprach : 'Zweu gülden gib ich dire.' 
Auf seinen rflck da nam er in^ 

Löf eilenez auf denn kirchhof bin. 
85 Der dieb rauscht in den nittisen sere, 

Durch die finstemua sah, dns mere 

Einer etwas drug auf dem hals. 

Er ni''iut. wer sein gscll, nachmals 

Der denn faisten hamel solt bringen. 
40 Hört SU von wunderlichen dingen! 

3. 

Der dieb schri laut zu di^em trager: 

'Ist der hnniH faist oder mager? 

Wirft' liiilcr in, il;»;^ ich in >tif'h I' 

Er-t dist'r baucr iüichtot ?»icli. 
4.> S. iii ganczer leib zittert durchabe, 

Wurft' denn lamcn muuu auf ein grabe, 
Sprach : *£r sei mager oder feiste, 

Ich wart dein nicht, dn bOser gaii^te.* 

Lieff also wieder heim zu hauß, 
dO Vor forcht, dtter und grossem grauß 

Er schier nit ein wort reden künde, 

Biß er sein selb wider empfunde. 
Wiekram III. 22 



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838 



Georg Wickraju, 



Do t-r dvt ihn ili-' «tuln-n <z »ii, 

Saü schon tlaiinn de» laiiu- niun. 
bo Het (Ion i;'«nn'len weit üV)eiloÜV'n. 

Da?? wuiil allem vokk kund und otlt-ii; 

X)rauü iät worden ein Sprichwort gut, 

Wie d88 not eisen brechen thut 

So geschach auch dem lamen note, 
60 Vileicht wer er sunnt bliben dote. 

XXI (zu cap. 56). 

Die zwen Studenten. 

(Anonymes nieinttirlied im süessen ton Härder», — Aus der Dvesdeuer. 

b8. M 5, 8. 704.) 

1. 

Hört zu, es waren auf ein zeide 
Zwen Studenten, die eich kunten genslich 
Nicht mer nehren mit dem geaang. 
In dem begab es sich, 
ö Das sie zn rat wurden all baide, 
Wie sie sich neren mochten in armut. 
Der ein sa<;et: 'Ich weiß fQrwar 
Ein sack mit nllfien gut,* 

Der ander sprach : *So wil ich mich auch schwingen. 
10 Kin Iianirl weiti ich, den wil ich bald bringen. 
Dnrli w.inn uns dut g«*Hn<x<'n. 
AV.t wollen wir dise ding dragen ein?' 
i>tr ander »piach: *In die capel, 
Do die doteupein aein/ 

2. 

lo In «U'Tii, «nbfiM es nun wur'l nachte. 

Km idi-r tlift narli st'inom tlitiil hin gon. 

Der ein die uiib « iilapen thet 

Und !«ie dnige darvon. 

Kaut in die capel und gedachte 
20 Die nüO zn Tersuehon, obs weren gut, 

Biß eine auf. In dem da kam 

Der mesner wolgemut 

Und wolte dise capelen zuschliessen. 

Der Student thet mit nflssen nach im schiessen. 
8» Den mesner thet6 verdriessen, 

Erschrack ser» gedacht, der deufel da wer. 



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BoUwagenbacbiein, aubang XXI— XXli. 



3S9 



Uiul lief toreht^um zum pt'arrer bin, 
äaget im disQ uxev. 

B. 

Und jiprach: 'Mein ht ir. nun u^elit ge^äohwinde 
3<) Und beHchwprpt den gei»t, das er lar auÜI' 
Der pfai IM -jnacb : 'Das tbu ich nit. 
£ä ist gar kotig dauß, 

Und hab erst gwascheu mein l'Qß linde. 
Aach ist es seit, das ich tbu selilaffen gon.* 
85 Der mesner saget: *0 berr mein, 
Ich wil eucb dragen thon.* 

Und als die beid kamen sa der capele. 
Der Student dacht» sein gtei brecht den bamele. 
Sprach: 'Leg in. >tich in scbneler 
40 Der ptaft' erscluai k, lief heim sampt dem kircbknecbt 
Mit gwa sehnen füssen durch das kot. 
In ge»cbacb beiden recht. 

XXII (za cap. 56). 
Die zweu dieb iu der dotteugrub« 

(Anonyme?» meiäterlied in der lewenweiß Peter Flaischers, — Erhalten 
A) im Weimarer mscr. Q. 574, bl. 144a; B) im Weimarer mscr. Q. 

577c. bl. 77a.) 

1. 

Nun hört, zwen dieb, ein ßayr nnd am h ein Schwabe, 
Machten ein bund; was si" stalen für habe, 
Aul ilen kirchhof bei nacbte 
In der dotenbein hanß 
ö Ider sein diebstal biacbto, 
Den theilten sie da auß. 

Eins abends sprach der Schwab: 'Heint wil ich stelea 
Ein sack mit nfiß ; glaub, en werd mir nicht feien." 
Der Bair sprach zu den dingen: 
10 «Eim schafstal schleich ich sn. 
Ein hämel den wil bringen 
Ich heut noch vor tag freu* 

Ein ider ging auf seinen strich. 

* 

Abweichungen von B: 1 H9ret 8 Dasselbig sie zu 
nachte 6 Undt deilleten durchauO 7 Der Schwab sprach : Diese 
nacht so wil 8 nüß, hoiFes soll 11 den wil] will ich 12 Noch 
beut vor morgen fra 18 anf J nach. 

22* 



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340 



Georg \Vicki:aui, 



Dt-r 8ch\viil' ili'' uüb bracht dure 
Ib Und daniiit in d.ts beiuhauß scblicb, 

Üeina gsellcii warten wäre. 

Er warff den sack auf der dotenbein haufren« 

Stig hinauf, saß darauf mit {nassem »chnauffen, 

BiBs auf die nllß und a»6e. 
20 Dm wiriBbauO fast darbei 

Voll trunckner bauten saese. 

Die redten mancherlei, 

Ww ottt ein sei ging auf dem kircbhof mne. 

Darbei sab der pfarln r contract und krume, 
2» Der straftt die bauren lugen, 

Sprach : *Ich w olt /.alcu wein, 

Ilnt ich l<Mit. fli<* mich drUgen 

Aut den kui »t hinein.' 

Kin star* k« r l>;vuor sprach : 'Ich wil es wag<ru'. 
80 Der tht't den ptatleu untf dem rucken tragen 

In da» beinhuuß umb zweiten. 

Der dieb nttß beiasen ward 

Und warff berum die ftchelfen: 

Die Bwen erscbracken hart 
85 Der Schwab mein[t], sein gnel brecht herbei 

Den bamel auf dem rucken, 

Sprach : 'Wirf in auf die erden frei, 

Thu im duK maul zutrucken, 

Das or nicht schrei! So wil ich ihn gern tttech»'n/ 
40 Vor fnrcht det dpn 7Wt>ifn der ftchweiß außpiecheii. 
Der baur «leii vollen pt'atfen 
Warff nider im beinhauß. 
Entiüf, thet nicht umlii^arteu, 
Forcht im »er überauß. 

3. 

45 Als herali'i i»i^en wolt der Hehwebisch giimpel. 
Da maclit er in den beiiicn ein gerümpel. 

17 Stieg auff den beinhauffen der Bchwebtsch gtmpeU 18 Macht 
in den tottenbein ein groß gerOhmpeU 20 fast] nah 2S Wie 
auff den kirchhof gingen die t^eellen ume 24 Der pfaff saß bey 

ihnen 25 Er hieß die 26 Ich will 29 £in voller SO Wiil 
den pfaffen auf meinem 31 Es war zu nachts umb 32 Der 
Schwab 33 warft' heriib 40 Den zweyen thett vor anij-t der 

43 l'üd thett schnell darvonlautten 44 Es kam in un ein L^rau» 

45 Als woldt rabstcigen 46 Macht er in tottenbein ein groß. 



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Rollwflgenlsflchleiii, anbang XXII— XXIII. $41 



' (iroß sorg engatet den pfaffen, 
Seiner kranckbeit vergnfi, 
Det auch schnei darvonlanffen, 

.VO Dpn man vor dragen was. 

Der Schwab sprach: *HaV» ich keinen theil an dire?' 

'Nein/ sprach der pfaff, 'du hant kein tbeü an luire.' 

D»M- pf.iff kam vor dem bauren 

Wid»:r iu d.is wirt/hauß; 
•M Da ^sagten die /.wen laiuen 

Forchtsame ding durchauß. 

Der pfaff spraeb: *Dises ort bat krailtv 

Das zipperlein an wenden. 

Wer mit der kranckbeit ist behafft^ 
60 Den wil icb dahin senden. 

So Wirt er ledig seiner not nnd peine.' 

D«n- pfarher /alet noch drei viertbel weine. 

Die bauren theten sagen 

Dem pfarher dartür danck; 

Ider tült ^.'inen kragen 

Durch diseu guten »cbwanck. 



XXIII (zn cap. 60). 
Der Schwab mit den goteszehein. 

(Meisterlied in der nmj'enweis .lörfr ■'^< iiiliersi, 1560 von [Hans?] Vogel 
gedichtet. — Au» der Dresdener hs. AI 5, a. Ö76.) 

1. 

Ein gut, fnini und einfeltig man 
Thet von weih und kind wählen gan ; 
Doch ch er thet ziehen darvon, 
Macht er behend ein teatamend, 

5 Niini sein aV>=;chi(l darnach. 

XU <-v /.o^r ;>i!f> d.'iu ächwabenland. 
Kam in Italien /.uliand. 
Bei einem wirt er herbeig land, 
Der war durchab ein nasser knab 

hi Und zu dem gaste sprach: 

'Hein lieber freund, wo zieht ir her?* 

m 

47 Groß forcht entstundt 49 Und thet schnei 51 sprach: 
Gsell, hab ich kein theil mit dire 56 Schrocklich ding überauß 
57 Diser 61 not] ang^it 62 DerpfafFderzalet noch sechs 64 Dem 
pfaffen lob nnd dank 65 F&ldten erst ihren kragen 66 Durch] Zn. 



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342 



Georg Wickram, 



Der .Schwab untwort on als jjefer 
L'ikI sapft im, wie er ein Schwab wer. 
Der wirt f1*»t l:irh>'n -ein; 
lit Was der Si hwal» hujrt, v^nstinul <t gar, 
Dann «^r m11> aui h ein Deutscher war, 
Und hib iu zu disch siezen dar. 
Der seczl sich bchon gar obenan 
Fat alle gest gemein. 

2. 

90 Und rIk man nun droge %n duch. 
Kapaun, hflner, wUdprefc und Tisch, 
Dann die besten wein gar friacb, 
Gut Reynfal schir nnd Malvaair, 
Schmeckten dem Schwaben wol, 

& Und als sich vol het dronchen er, 
Det der Schwab fragen nngefer 
Den wirf, was dises fllr wein wer. 
Darein er sich «o schnelligkiich 

Het dnnicken <r.-.chwi(lcrt vol. 

80 Der wirf «prnch: 'Lieber ^uste mein, 
Kh sind die j^ot - -zfher r«^in. 
Die er verrert iuil i rdcn it iu.' 
Der Schwab »juach mit andacht : 
*Wie das du nit im Schwaben laud, 

85 Mein got, auch weinen thetst «uhand* 
Solch zeher ich nirgend fand. 
Urlaub er nam und zog gen Rom 
Und sein wahlfart verbracht. 

8. 

Als er wider heim kumen thet, 

4U Zu seinen nachbauren er ret 
Im dorfF. wie er gedruncken liet 
Gotefl zeher im hind on gfer, 

Welfichland mann nennen thut. 

Sein nnoh]ionren sprnfb<'n mit Bin: 

4ö NarhViaiK'v, weiß uns aurh liahni, 
Ob ua.Hti herrgot uns au* h i^rin, 
Da« wir alsand drincken ini Iniid 
Gotea zeher so gut!' 

Und als er in das sagen was, 

60 Machten sich ir vil auf die stras, 
Das sie auch drencken solcher roas 
Die seher gotes klar. 
Das Sprichwort uns klerlich bedeut 
Wie das man noch dut finden heut 



RoUwRgenbfichletn, anhnng XXIII— XXV. 34S 



06 Solich schlecht einfeltige leut. 
Die alle ding erlauben gering. 
Was man iu augt für war. 

XXIV (zu cap. 68). 

Der singende priester und der tote esel. 

(Godescalci [Hollen] Precepionum 1489 bl. llOa, 1: Preceptum 4: 
Quibus de cauaie ia ecclesia cantus uaurpatur.) 

. . . Huius ('X(Mii[>limi patet in (|iuKlain .«acerdote, qni pes- 
sime cantabrtt sieut usinus, tarnen videbatur sibi, quod optime 
caneret, et maitum delectabatur in voce sua asinina. Qui cum 
semel in missa cantaret pretationeni, mulier quedam audiens 
ineepit dure fere et lachr^rmari. Quod percipiens sacerdos pu- 
tabat eam proTOcatam ad devotionem ex suo cantu et ex dulci 
8ua inelodia, et ob hoc sacerdos magis elevabat vocem suam, 
et mnlier altius clamabat. De quo sacerdos in cantando mis- 
.*;aiii habiiit iiiiigiiuni vunüni <4:loriain. Et statim post missani 
vocavit eam sacerdos coiuni toto |h»|»u1() et potiit ab ipsa, 
quar»' ita dvive fleret. Tui dixit nniliiT: 'Domine, ego suui 
ista iiitVlix ui ulier, que perdidit altera die asinum suum, quem 
comederunt. iupi. Et quando audio vocem restram, recordor 
asini mei; ideo quando audio tos, innovantur dolores mei de 
asino amisao. Ideo eogor flere.' £t sie coram omnibus fuit 
confasus* Ideo dicit Esopus: Displicet iuipmdens, unde pla- 
eere patat. 

XXV (zu cap. 65). 

Der Welsch beim bal bierer. 

(Meisterlied im verschieden ton Paulus Sehuiid«», 157b von W[olfjjrang) 
B[autner] gedichtet. — Aus der Dresdener hs. M 5, 8. 3d3.) 

1. 

Zu Hejland im Welschland 
£in reicher kanimann sasse, 
Het einen sun zuhand, 
Zimlich geleret wasse, 
h Den er anß<( liicken wäre 
Zu eim kaaftuann aleine. 



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344 



Georg Wickraui, 



Vm] an dem ort er s*ach 

Km luailandischen luane. 

Der kunt die welschen sprach. 
10 Den ret er auf wetsch ane. 

Im za sagen, welch« dare 

Wirtshäuser theten sein, 

Darin er einen gaten uiut kflnt haben 

Mit anderen erlichen kaufmansknaben, 
1" Kl an[tlwort: 'Wo du an eim hauß 

Kiivn schilt siehst hanj^en herauOi 

Am selben ort einker.' 

Narh (l»'Tii «nhc rr hangen 

Ktlichf iM'ck niimni'^r 

An i'\u< balliierers »taugen. 

De?* ward er frölich gare, 

Ging in das hauß hinciue 

2. 

Lud in die stuben drat. 

Man thet in schön empfangen, 
89 Dan man gefraget hate, 

Wamach er bei verlangen. 

Da deut er auf sein munde 

Und meinti man solt im bringen 
Essen und drincken her; 
80 Man kunt in nicht verstane. 

Do meint der balbierer, 

Es thet im wo oin /ane; 

Auf *'iiien sr-ssel ruinU'! 

Sec7,t er in und thet gpringen 
iS.» Und bracht den zeug, darnjit man zcn aubpriohte. 

Als der Welach das sach. wolt er halten nichte, 

Schri und schlug umb sich imerdar. 

Do sprach der balbierer: »FQrwar 

Der ean thut im gar we/ 
40 Und im ein heraaßsnge. 

Deß schrie er noch tü me, 

Hat wirtshauß genüge 

Und ging herauß zustünde, 

Fluchet ser zn denn dingen 

3. 

43 Und gedacht im gar baLt: 

'Hat es in dem wirtshause 
Alhif» ein solche gstalt, 
iSo wil ich bleiben ranse. 
Ich kern in angst und sorgen. 



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RoUwagenbQcblein, anhang XXV— XXVI. 



.VJ Mir wünlen zen zeninnen/ — 
WB Di-uiu ich got lob«?n fiol; 

I« ii w. iß in diser state 

Ale wir(slien«;r>r wol. 

Doch 7.11 l im Wirt cindnite 
5") Ich einsmals nn eim morgt^n. 

Der ist niclit weit von hinnen; 

Mit deniöclbtji war ich niclit wol bckaud. 

Ich het kein gelt, do nani er mir ein pfände. 

Dann ich ging an ein rock düi vono 
«0 Gleichwie der Welsch an einen zun. 

Derhalben so hab ich 

Mir genczlich ffirgenumen, 

1 h wil ftlrbas warlich 

In koin \\irf^?haut« mer kumen« 
6ö Dann die wirt niclit mer borgen, 

Das bin ich worden innen. 

XX\'I (zu cup. 71). 

Bullenzecb. 

(Joh. Jacob Weidner, Teutscheu poetischen Uistgärtleins ander 
theil. Nürnberg 1621, bl. Jijb uo. 94.) 

Hör zu. ^'ünstiger le^^er mein I 

Ein kautliuan V>cv eim wirth kehrt ein; 

So oft't derselb nun saß inn>j nial, 

Nam er sein felliß mit uUuihI 
5 ünd legt es nebn sich auff den bauck. 

Der wirth erdacht gar bald ein ranck 

Und thet ihni doppelt zech an machn. 

Deß thet der kauffman nicht fast lachn. 

Er sprach mit »om: «Qmach an, herr wirth! 
10 Wie komts, daß man mir zweymal »chirt? 

Was ist das für ein weiß und lehn. 

Das ich zwifache zech soll gebn?' 

Der wirth doi- -ai:t : -Mein lieber gast» 

Ihr müsjit diuml» /.iini.'ii nit -^o l'ast. 
lö Kur bull nimt auch ein tcins ort ein, 

Ein gast könnt sonst noch wol da sein. 

Und wo die siben han gezehrt, 

Da hett der acht sich ebn auch gniihrt.' 

Der kaufiman dacht: «Ists umb die zeit, 
20 Der wirth soll mir nicht sein zu gscheid. 

Was gilts, ich will ihn wider findn 



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346 



Georg Wtckram, 



Und ihm auch einen beem aubincin!' 
Als nun die malzeit war voll« udt, 

Nani der kiiuffman sein f»'lli- bhcnd 
2» Und thet dasselbig lären auü. 

Nun höret weiter zu dem atrauri! 

Als er wider zur malzeit kam, 

Das leer fellis er mit ihm luun 

Und thet desselben nicht vergesan, 
30 Kr legt was drein von jedem essn 

Und sprach: *Hör8tB, bull, weil d*aech must gebn. 

So nimb das bin, thu wol mit lehn!' 

Als nun der wirth diß ward gewar. 

Fiel er ihm selber inn die haar 
8» Und sprach zum gast: 'Was soll daa sein? 

Man darll' hie nicht so schieben ein'. 

Der kauttmau sagt : 'Seydt ir ^'o tVenh 

Und dörtlt der buUn nnch r. r;hnen /.ech, 

Warumb «ollt ich niclit x-in so keck. 
40 Daf.^ ioh vom tix li wa> ncm hiiuveck 

Und ließ es inn die imllen lalhi, 

Weil sie euch je die zech muß zuhln?* 

Der wirtli der kundte nicht hinnmb 

Und sagt zum kattffmaim iwi der summ, 
45 Es soll nicht« mehr in d'bulln einfassn, 

So wOll er auch sein rechnen lassn« 
Also ward von dem kauffman bald 

Der wirth fein artig wider zall. 

Wer nun hie lernen mag, der lern, 
3() Daß untrew treff sein eignen herni. 



XXV II (zu cap. 74). 
Schlachtens spielen. 

(Ein erachröckliche histori von einem kind, welches kindtlicher weiß 
ein ander kind nmbbracht, zu einem lied gemacht durch mich J[5r- 
gen] von und zu flelmstorff den jOngereUt und ist im Hanß 
Sachsen oder frawen Ehm thon zu singen. — Aus den\ Berliner mscr. 
germ. qu. 402, bl. la. Ein andre» meisterlied desselben Verfasser« steht 
in Freys GartengeseU^chaft 1896 s. 194.) 

1. 

Merckht auf, ir herren allgemein, 
Ir mannen und ir frawen, 
Ir knaben und ir tOchterlein. 



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Kulhvageubüclilehi, aiihaiig XXVI -XW il. 

£iii kl&gliche histori, 
o Was sich vor kurtzer zeitt begeben batt 
In einer gtatt Franicker gnandt, 

Ist veftt und wol erpawen. 

Gelegen in dem West-Frießland; 

Mier saget mein memori 
10 Von einor ^^ar ei'schröckhenliche[ii] ladt. 
Alda liimtt' junge bey[ei]nun(ler waren 

Von 4, r>. r> oder von si>'l)t'n jari n. 

Die schert /.ti'H mit t iiiiuuler imf «l'-r giUc>en, 

Gleichwie (liin thuen die junge kind, 
l.'i Die noch iiit so veniüntt'tig sind. 

Und fiengen an m haudlen solcher müssen. 

2. 

Kin kneblein thettens ordnen schon, 
Das solt der inet^üger seine, 
Kin anders knübiein wolgethon 
2ü Solt koch sein in dem spile, 

Da« dritt die saw verordnet su dem tbodt; 

Das vieidt ein junges megdlein was» 
War köchin in gemeine, 
Das fümfft vnd lest (nun merckht fflrbaß) 
25 Machten sy in der stille 

Zu einer undterköchin in der nott. 

Die solt d»*8 kinde.s bluett gar flei^nigkieiche 
In einem gschier einpfahm seUberleiclu'. 
Darauß sy dan die bluettw iir^t köndteii macheu. 
3U Von stund a^n nimbt der nit t/^er acht 
Des kindleins und bald aneiacht 
Zu rQs»teu aich ; des thettens» alle lachen. 

• ). 

Und nimbt al^o da» junge kind. 
Reist« uider zu der erde, 
Sa Die andre kinder unbesindt 
Hielten die saw mit gwalte. 
Das es sich also gar nit veren kundt. 

Mit ein^ kleinen messerletn 
Schneidt er im on geferde 
40 Den halß ah und die gurgel sein; 
Darnach die köchin balde 

Empfieng das bluett auß seinem zarten schlundt. 

In df^in da geet gleich ein herr von dem radte 
Hintiir und kumbt zu diser ybelthatte 
4.) Erblückht die kind, sieht an <]n< ^rrob eilende 
Und uimbt aUbald den nietzger dar, 



848 



Geoi'g Wickram, 



Der (liscsi inordts <3a schuldig war. 
Und ftlerei in sum obristen behende. 

4. 

Als nun der obrist dtser statt 
TjO Den gnindt vernommen hette, 
Versamblet er den gantzen radtb, 

Unil siasscn all zupanieii 

Ob <liseiu liandel. Doch ir kainer wust, 
Auch ktMiier tla ans.^prcchen kandt* 
•Vi Wie mau der siich«;n tlictt»': 

Daun die thadt uioniandt rocht vcrstundt. 

.Sy sprachen all mit nanieu: 

•Das urtlicyl ist vcr|u^cbens und iiiub^*ust.' 
Sy >4ahen vvol, da^ es kindtlichcr wciso 
6f) Gedcbehen war. In dem ein alter greyse 

Gab disen radt den herren in gemeine, 

Der oberat ricbter fiolte bald 

Ein rotten apffel wolgestalt 

Nemen in dhandt nnd rechte finger Meine, 

5. 

Und in die ander handt eolt er 

Nemmen ein gülden rotte 

Von gold und rieffen zu im her 

Dan kind und beyde hende 

Aisdan zugleich außstreckhen gegen im; 
TO Nihu di^ea kind den apffel zartt, 

Solt e» schon von dem t uUi^ 

Loß Hcin gesprochen aut der fartt; 

Näm f^« dan an d»MU ende 

Den }jul(l' n. so srdt »'»^ mit ^Ififlifi* «tim 
7"> On all'' \viili vi"''il Lrcthüit''t wt«!»-:!; 

M.in vvuicl wül seil« a au der^ kiudls «^eperden, 

O'j di'^e thadt auß aiut'alt gdcheheu wäre 

Oder auß muettwilliger weiß. 

Dem wierdt gefolgt nach Aetneni gheyß. 

Von stund ergreiflTt das kind on als geföre 

6. 

Den rotten aptlel, und zuhaudt 
Huebs frölich an zu lachen, 
Wierdt also von dem radt erkandt 
Quitt, ledig und auch freye; 
85 Dan man dach wol des kindes Unverstand. 
Lehr. Auß diser gachicht man lernen soll. 
Die kinder frumb zu machen, 



RoUwagenbttcblein, anhang XXVII->XXVIU. $49 



Dh^ man [sie] straif und ziehe woU 

Und in ir biebeieye 
90 Kit gstadt. das ay erfiiren öchmacli uml srhand. 
HiMpt v soll auch die oLrigkheyt lictrachten, 

Die alten in dem ladt nit zu verachten. 

Zu dem so hoU auch uit halten ringer, 

Dil» ay zum ^traUen lHug»am sey; 
Vö So wierdt ir gott auch wonen bey. 

Also dieht J0rg von HelmstorfP der jttnger. 

Aimo saUitii^ 156Ö, lU. aprili{>. 

XXVm (zu cap. 79). 
Der pfail', der kupte macheu kouute. 

(Meisterlied im strengen ton Hans Vogels, 1547 von V. K., d. i. viel- 
leicht Veit Kessler, gedichtet. Aus der Dresdener hs. M 5, s. 883.) 

1. 

Hört, ein selczame abentheuer 
Hub ich vernumen heuer 
Von einer jungen peuerin, 
Die war gar einfeltiger sin, 
5 Saß in eim dotff bei Gnnsenhausen. 
Eins dags sog ir baner in krige, 
Wolt auch erlangen sige. 
Des wurd der pfaff im dorff gewar. 
Der macht Kich zu der frauen dar, 
10 Det mit scbmeichlerei umb sie mausen 
Und sprach zu ir: 'Herczliebes weihe* 
Eiior man dut an euch unrechte, 
Da- t r t ni h W^i mit schwangrem leibe 
Und ^'ilit sieh »mder die landsknechte. 
lo Ir dragt ein kind. da-« hat kein köpft"; 
DuH hat nil aubgeumcht d».*r drupti", 
Darzn wirt er lang bleiben ausen.* 

'I 

Die beurin sprach; 'Mein lieber herre. 
Weil dann mein man ist ferre 
20 Und kein koptl' hat gemacht meim kind, 
Wie thet ich im? Bat mir geschwind, 
Das ich es gancz dete geberenV 

Er sprach: *Zu disen bösen thaten 
Wil ich euch dreulich raten; 
2» Dem kind kann ich machen ein hanht.* 



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850 



Georg WicJQH.111, 



Dit» h*»!nin •'»•itiim wuteii glaubt, 
Dct in iiiu h ><'iiu willen goweren. 

NiVi h dem ist sie des kinds gelegen. 
In miüer zeit do kam ir moue. 
90 Sie sprach: 'Der denffel sol dein pflegen. 
Dm du mich liest in nOten atone! 
Unser kind bat gehaht kein kopfl'. 
Danck dem pfarherr, du loser dro[p]ftt 
J)er hat im den kopff gemacht geren V 



Sä Der bauer sprach mit grossem zancken: 

'Der deuftel thu ims daiukcii ! 

Meim kind darW ' i machen kein kopflf. 

Geb acht auft' mich der alte droptF; 

Dann ich wil im reiss«^n ein /.oten.' 
40 Der piafF het gntrr küli wol siben. 

Als man die auß het driben, 

Der bauer ein hacken nanfi drug 

Und den ktten die köpft' abtscblug, 

Det darnach auch des pfaffen spoten. 
45 Der pfaff sprach: 'Des thtt ich nit lachen. 

Gedenck, besale die kQh mireT 

Er sprach: 'Henr, kttnt ir kindskOpff machen, 

So künt auch kflhkdpff machen ire/ 

Der pfaff m liwifj stil und ging darvon, 
öO Gedacht : 'Ein alt» «prichwort sagt maot 

Widergelten ist nit verboten.* 



Ein weib hies ihren man aus dem haus bleiben, biß 
der böse rauch und staub in der stuben verginge. 

(Dieterich Mahrold, Schmahl vnndt Kahl Roldmarsch Kasten 1608 
nr. 51. — Casseler ms. poet. ioL 21, bl. 174b.) 

Es war ein kurUweilg junger man. 
Der newlieh erst wahr kommen dann 
Inn die haashaldtnng inn die eh. 
Der dann sum weib (mich recht versteh) 

9 Kin widtfraw hatt genommen ihm. 
Weiche einn bawersmann vorhin 
Zum mann gehabt; undt dieser war 
Ein guther ninhler undt war gar 
Ein uaßcr undt vieRihrlich comp, 



8. 



XXIX (zu cap. 91). 




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Rollwagenbachlein, anbang XXVIII— XXIX. 



351 



10 Daß auch die frau gen ihm stet« brombt 

rnt.lt war nitt gwobnt der malerey. 
Blieb uff ihrni altton brauch darbey. 
Und wann sie früh kehret undt fegt 
Die stuben, sie gar daptler regt 
Ih Den staub undi Ah- «loch nitt begos. 
Davon auch diimi tiii äiaub gar gros 
Krhube in der ntuben sieh. 
Weichs dann die mahler »uadterlich 
Gern in den färben haben ie 
SM Undt ahn der arbeit» aucb wenn Bie 
Von Ohlfarben was mahlen dann. 

Eins abents halt der guthe mann 
Sieb inn wein flbersoffen jo, 
Daf.i er den kiinffbgen morgen so 
Whü lenger lag and schlief im bett* 
Als er sonst sein gewohnheit hett. 
l'ndt als er jetzt wahr gstandten auff 
Indt sich hatt ahngethan daraiiff, 
Wih! **r gar eylpndt'^ As ischen hin 
UU I ber dein nTitii^ aibeit drin 
Undt eylet in dif stuben baltf 
Die hat nacl» ihrer gwohnheit allt 
Sein lieb fraw allererst gekehrt. 
Die dann von ihr nitt bgoßen ward, 
SS Daß also ein groß staub ondt dreck 
War in der ttubn ahn allem eck. 

Der guth man wnrd gar zornig baltt < 
Und ein unflatb sein frawen scbaldt. 
.Sie fuhr geschwindt im zorn heraus 
40 Undt sprach: 'Kanstn dann nicht hienaus 
Kt?i weil .spntzier gehn ahn ein st^id, 
Ulli hi«*r i\t'v stauV» tindt rauch vorgeht?' 

Der guthe comp iaüt (lux die wortt 
Inn seine öhrlin undt hintort 
45 Sein rock undt langen degen nahm 
Undt zu sein zechgaelln wieder kahra 
Undt wieder gleich ahnfing die sach. 
Da er sie dann den yorgen tag 
Gelafien hett, undt triebs alßo, 
¥i Biß schier vier wochn vergingen jo. 
Als nuhn die dritte woch war hin, 
Nahm er sein naße bursdi /u ihm 
Undt sie nach haus mitt ihm fuhrt heim. 
Es lag aber die stoben sein 



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352 



Georg Wickram, 



o5 Gleich untten uff der erd, daß mann 
Gar wohl hinein kundt sehen dann. 
Ali^ er nuhn kahm toi k hu ose sein, 

Sties er ei-st seinen kopif hinein 
Zum fenster, sprach zur fraw«>n nuhr: 
(jy 'Fraw, ist der staub vergnrifx»'n ^chier» 
So wihl \oh nuhn kommen hiiu in ' 
Dil- » y^ou."»iniii»ch weib sprach iein: 
•Ja, lieb Hans, er ist gtiv hinweg. 
Geh nuhr herein! Ich dir erreg 
6» Kein iolchen «taub mehr in dem haus 
Und wihl die »tuben fiberaus 
Hinfortt uffe best begiessen fein. 
Ach mein lieb Hans, geh nuhr herein T 
Also nahm der guth Hans forthin 
70 Sein guthe bursch inn^ haus mitt ihm. 
Gab ihnen ein guth zech demnach, 
Undt wahr t^r richt und <»t;uhlichtt all sach. 

Durunib, ihr weiborlein, 
»Seyt jo von iiiilir i,'r\\a!nf't fein! 
7.1 ]lal>t ihr rauch (mI. i- f-taub im h;ui-. 
Heißt drumb im /.oiu nitt flux hinaus 
Die menner gehn! Denn ihnen (wibt) 
Souiät von uatur ahngborn jo ist, 
Daß sie nitt gern bleiben daheim 
8U Undt stets bey guter bursch woU «eyn. 



XXX (zu cap. d4). 
Der münich mit dem e^el. 

(Meisterlied in der hagelweis Hüh in gs, unterzeichnet J. Schreiber. 
— Aus der Dresdener bs. M 5, 8. 745.) 

1. 

in Esopo ich klerlich fund. 

Wie das bei einem kloster stund 

Ein wirtf^hauß. »'in bautleu 

Nunnen wnnMi ihuiiui. 
5 \V:nin iiwn in dem i;h)>t-Mve 

Das beteu und tasten thit we, 

Den tletens eilend lauften 

Zu diüem wirtshauß hin. 

Da dmnckens fflr den durst ein wein. 
10 In die grentx kam ein bruder* 



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BoliwagttBbQeUein, uibang XXX. 



Der kert auch in das wirtshauß ein. 
Sacht ein biff für sein rüder. 

Als er da fand 

Ein hürlein, die war nicht last groß« 
15 Under sein kuten er sie >chloß 
Und thet sie rait im d ragen 
In nein cloater zuband. 

2. 

Der münieh lieff on alle ru 

Gar eilend seiner zellen xn, 
20 Des weibs füß theten ragen 

linder der kuten rauß. 

Er eilet sehr, denn sie war schwer. 

Der apt bekam im nnji^fer, 

Fnipt, was er da thet dragen. 
25 Er antwort im an »rauß: 

•Ich drag ein satti 1. secz mich drautf, 

Wann ich morgen uuüreitti,' 

Er sprach: 'So zeuch die steigreiff nauff! 

Dann es ist grosse seite. 
90 Wenn die andren 

HQnch erspeben den sattel dein. 

So wolt ider anch reysig sein; 

MOcht euch auch nicht verdragen 

Umb den satel alsden.* 

3. 

S5 Er dni£? heim di^en fifitcl >em 

Und rit darnuH die nacht alain 

Wol in dem finstren walde, 

Het doch kein gferten nicht. — 
Ja, solt ich icat ein satler sein, 
40 Ich kauift vil solcher setelein. 

Ich wolts verdreiben balde. 

Doch hat man mich bericht, 

Man fand iczt Kolcher »etel vil. 

Daruni ich mir gedacht, 
45 Dio nintx h der keu^cheit vol und atil 

Kt'itt n ni< iit bey der nacbte. 

Doch i>t 'Ii«' zeit 

Kumen und ist genmin am tag. 

Das sie füren die grrtsten klag, 
30 Das niemand bei in nuchet 

Zucht, schäm und geistlichkeit. 



854 



Georg Wiokram, 



XXXI (za cap. 103). 
Ein pfaff und sein mesner werden mit einander zu 

unfrideo. 

(Meisterlieü im kuptferthon Fraut« nlob am 22. octobri« 1601 von B o- 
nedict von Watt gedichtet. — Aus dpin I^iliner mscr. germ. 
fol. 24, bl. 234b, wo auch die meiodie steht.) 

1. 

Kar[g]heit halher so lu tt«- 
Kiu uießpfatl' piv koin köchiu lut, 
Die im ziuiclitfu thrte 
Die öpeiü, weil ti in der kirch war. 
h Uud daruiu, wann er firu 

Heß halten wolt* so kaaffet 
Er vor anif dem marckt ein biemtt 
Geaotne epeiß fein kauffet; 
Die scbnb er in einen sack dar, 
10 Welchen er bei (merck du) 

Inwendig fein am rocke sein 
Gent'et. Darum alle 
Hunde, 80 dann waren etwan 
In der kirch on znmalle, 
lä Heckten ir nasrn nach der speib. 
Ofl't ward <l» i hund der herr 
Un<^'.'iluh lg und nie mit fleiß 
Von im hindribe ferr. 

2. 

Ale er einsmals meß läse, 
ao Hei er bvaiwttrBt in seinem sack, 

Inn dem bei eich zu mase 

Am meßgewand etwas dreet um; 

Das wolte rucken recht 

Der meßner. Da gedachte 
2» Der pfaff, ein hnnd ging nach dem gschmack, 

Drat hinder sich ungschhiclite 

Draff anft" dif^ bni t d^n nieuner tbum» 

Das fr /.ur rid tiel (secht). 

Deb bo<-rii da lacht ides ja, 
}jO Der nie-uei auch mit ijieu ; 

Ita- ht doch: Harr, ich zal noch fein dich!* 

Kl west in seinen sinen, 

Das der pfaff in dem summer thet 

Kein hosen tragen gar, 
85 Sünder nur ein kittel anhet 

Als in der mesner zwar 



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Rollwagenbüchlein, anhaug XXXI— XXXil. 355 



3. 

An eim sontag rechtgschaff^m 
Anlegt, hefflet er das meßgwand 
Sompt dem kitel dem pfaffen 
40 Zusamen mit eim ejsren drat 

Als das ampt war Tolent» 

Der pfaft' das meßgwand legen 

Wolte au Ii' den altar, znhand 

Zog CS alles dargegen 
4.'> T"1h'i- den köpf und /»'igt t'Hiii glat 

i>em volck .-^"'iii arß um ent. 

JedcM meint, iler pfatt' ganz doli wer, 

Liotl zu, hl zu beschemen. 

Der mesner gsehwind, daa Terbrent kind, 
50 Dei den drat heranßnemen, 

Das deO niemand weiter nam war; 

Hat den pfaffen also 

Fein widemm bezalet bar, 

Bas en nicht erfahr do. 

XXXII (zu cap. 107). 
£x paradiso venit quidam pauper stiidens. 

(Joa. Hulsbusch, Sylva sermonuin iucundissimoi uui 1568 p. 42—44.) 

Pagtun pertransit quidam pauper studens non multnm 
oneratas viatieo, qui potios anlasset pedes habere sub mensa 
bene uistmcta eibis et potu quam legere libros. Cum iam 
interius esset in pago, sistit se casa ante ianuam divitis cuius- 
dam nistici, qui tum temporis erat in sylva lignatum. Uxor 
vero, quiie antea habuit aliura raaritum, erat in horto et con- 
spicatii liunc sfcudentem accedifc ad enm ro«j^!uis . quid velit. 
*Efto,' ifUjuit. '.Silin |):iii))er scholasticus v»*iiionH ex Parisiis. 
Simplex matrona, quae mn bene inteilexit verba iuvenis, putabat 
enm reyexsmn ex paradiis, hoc est ex paradiso; quare ulterios ro- 
gabat eom, nnm veniret ex paradiso. Respondit se venire ; subo- 
levit enim simplicitatem rusticae. ^Aocede ad me/ inquit illa, % 
hoc hypocanstam ! Nam ego a te tilterius quid scisdtari volo/ In* 
tränt ambo. lubet iuvenem residere atque ita est orsa: ^Habui 
alinm virura ante hnnc nomine Joannem. qui tribus abhinc 
aniiis e vita hac decessit. iSit Deus aiüinae tuae j)ro|>itius, 
chare Joannes! bcio eum paradisi iucoiam propter suam pro« 

2a* 



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356 



Georg Wiekram, 



bitatem. Putasne, noveris enm, aut Yiclistiii ibMem?' Juvenis 

qinierit ajrnompii. h'o^pondet, vocatum fuisse Joannem Gnt- 
schaaf (hoc ost bonain ovem); erat quoque Insciosns. Juvenis, 
quasi cogitabundus inquit: 'Pol, iam memiiii me nosse oun- 
dem.' — 'Ecquid valet)' inquit illa, 'meus iUe chanis [43] 
Joannes?' Schoiasticus ait: 'Sat tenue. Destitutus esfc miser 
ille et Testibus et argenio; ni boni aliquot consortes ei asti- 
tissent, pereundnm illi erat fame. Ubi enim convirantur, qui 
frontem volunt exporrigere, ibi agit ministrum adferendo, quae 
petunt.' Audiens hoc rustica coepit flere dicens: *Eia, mi 
Joannes, nil tibi defuit toto tempore, qnum penes nie esses. 
"Eni tibi iam egendum in altero mriiidol Si lior si ivissoni. fuisset 
tibi abunde provisnm de victu ac vestitu ; nam habes (laus 
superis) satis bonas vestes. Imo si salteni possein nancisci 
certuni aliquem nuncium, niitterem tibi Testes et pecunias/ 
Scholasticns andiens baec dicit vetuiae: ^Si restat hoc solum, 
ut nuncius reperiatur, ego tui causa atque Joannis tantum 
fecero, ut perferam ad eum, si quid mittere vis. Ego enim 
molior paradisum versus, quo e^^o pro aliis portaturus sum, 
quae Tiiilii commissa sunt.' Quod ut audivit rustica. laeta- 
bnndii j)rotVTt iuveni ad edendnm nc bibendiira, iubons so bono 
unimo reticere, ipsa interira aptaret, quae mittere vult. As- 
cendit ergo conclave, ubi ex vestiario profert aliqua indusia, 
duo paria caligarum, tunicam subductam una eum aliis mi- 
noribus rebus, quae quam compressissime sarcinat, quo fa* 
cilios gestari possini Promit quoque aliquot Teteres ducatos 
HuDgarioos, quos insnit panniculo lineo; quae omnia tradit 
scbolastico deferendum non sine mercede. Postquam iam re- 
fectus est, capit fascem in [44j humeros suos, agit gratias 
atque abit. 

Quum haec aguntur, instabat tempus prandii. Kedit hos- 
pes ex sylva, cui occurrit rustica dicens: 'Mi vir, est quod 
tibi significem. Fuit apud me iuYenis, qui redit a paradiso 
novitque meum Joannem piae memoriae significavitque labo- 
rare penuria. Quare misi per eundem Joanni nostro vestes 
suas una cum aliquot ducatis Hungaricis, qui tibi celati erant«' 
Rusticns indignabnndus infit: *R€m landabilem designasti, ut 
te dii perdanti' Simulque dicto arripit Optimum equum et 



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Rollwagenbüchleixi, anbang XXXil-XXXllL 357 



insequitur scholasticum. Ts autem respiciens subiiide retro 
(praesagiebat enim aminus boc fhtaram) vidit rasticum inse- 
quentem; quare deücit fascem inter Tepres et fingit se ▼en- 
farem velle ezonerare. Qaum roaticoB iam adeaset, rogat, num 
Yidiaaet qnendam praeterüre oneratnm fasee. *Vidi,' inquit, ^et 
quum te unimadvertisset, tran^iliit lianc fossam et intravit syl- 
vam'. — 'Eia,' iiujiiit. 'tene mihi pqiiuni nieuiii I Ego festinabo 
post eum/ Sunuiquo traiij*iliit fossaiü et intrat sylvam. In- 
terim recipit iuveoia fascem, ascendit equum et avolat cum 
eodem. Rusticus post loogam quaeBitionem nihil rcperiens 
revertitur et videt equum una cum custode abiisse et se elu<- 
Bum esse. Quum rediret domum, quaerit uxor, num reperisBet 
iuyenem. ^Reperi,' inquit, *et tradidi equum, quo magia ac- 
celeret iter suum/ 

XXXm (zu cap. 107). 

Der landsknecht von Paris. 

(Anonymes meisterlied im spiegelton Frauculob»; aus der Dresdener 

bs. H 5. 742.) 
1. 

In einem dorff ein bauer war, 
Dem stände sein sinn imerdar 
hak kvig, kauffb im eins mala bamiscb und were 

Und nam nrlanb von seinem weib, 

b Zog bin mit wolgt i nstem leib, 

Kam in d&s Welschland zu eim grossen here. 

In einem scharmQt/el eins mals 
So ward er bald rr^clilaf^on. 
A\ti die beurin vcniame dm, 
10 Wie ir bauer umbkumen was, 

Nam sie ein andren man in kurtzen Uagen. 

2. 

Nach ilfiu über ein kurtze zeit 
Kam ein landsknecht auß dem krio^ weit. 
Und ging zu garten in dem doiU Lerumen. 
15 Ais er kam für der beurin bauß, 
Do ginge sie su im berauß. 
Sie fragt in [bald], Ton wannen er tbet kumen 

Und wo er docb itzund berzflg. 
Er antwort ir mit fleise 
90 Und spracb: *lcb zeueb ber von Paria.* 



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858 



Georg Wie kram. 



Die beurin verstünde gewis, 

Er kerne di^er fon dem paradite. 

8. 

Sie sprach: 'Habt ir nicbt auch mein man 
Im paradeiß sehen umbgan? 
S6 Hat er darinnen drauren oder leiden?* 
Es gebt im nicht woV saget er» 
*Danii er geht zerrissen daher*. 
Sie gäbe im gelt und ein newea kleide, 

Sprach: 'Li* Im r frmindt und das bringt im, 
9Ü Da« er ein zelinui^ habe!' 

Du liinrlskn^clit iiaiu liald 7.\\ im das 

Und öcm weg dtiruiit ziehen was; 

Sie bei im auch gcäcbenckt üiu gute gäbe. 

XXXIV (zu cap. 108). 

Eiu Joseph wirt mit seinem Chris Lkiutl zu unfrideu. 

(Meisterlied im Erail.n thon Fniuenlobs, 1609, den 8. September von 
Benedict von Watt gedichtet. — Steht mit melodie im Berliner 

mscr. genu. foL 24, bl. 242 b.) 

1. 

Dem son gottes almechtig 
Die ßchnOd bescboren rot 
Hie alles will on not 
Naththon. und doch bestehen 
ä Kntlich mit schänden sie. 

Wie <l;\nn iioch i-t bedeohtig 
Mit einem weyuai htkind 
Im stiti't Cölen, ich üud. 
Da man wolte begehen 
10 Die war geburt Christi, 

In der Christnacht das kindelein xu wigen. 
Da namens an «tat deß kindleins an liegen 
£inn corschuler nicht klein 
Und legeten in ein 
15 Wiegen recht zum betriegen, 
Maria wiegt es fein. 

2. 

Hefitig fing an zu schreyen 

Dag angemas^tt' kind. 
Der pfei'fisch Joseph gschwind 
20 Loff einen brey zu kochen 
Seinem newen Jesu. 



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RoUwagenbficbUin, anhtmg XXXIV-^XXXV. 3$9 



Den tbets hefi'ti^ geheyen. 

Dann je hett'ti<?er er 

KtM.'iu't. mehr schrie der 
2ö In drv wit L:i ii vt rilrochen, 

Joscpii loH bald hijiiiu 

Das kind zu schweigen uiid thet voll brey haben 

Ein Itfffel gants heiß und stieO ihn dem knaben. 

Also heiß d^ alt gaul 
30 Verbrennt dem kind das maul. 

Dem verging durch das laben 

Das schrejen, und nicht faul 

8. 

Dos kind wfifcht auß der wiegen 

Und fure grimig gar 
86 Dem Joseph in das bar, 

Kinaiider thetens sclilagen. 

Aber das kind war doch 

Dem Joseph in dem kriegen 

Vil zu starck ; dann e^ in 
K) Wartfe zu boden hin 

Und thet im dapfter zwagen 

Undeu und oben hoch, 

Das die bauren in der kirchen dem frumen 

Irem Joseph da musten zu hilff kumen. — 
46 Also dift affenapil 

Ein end nam und ward stil. 

Also noch allen tbumen 

Der deuffel lohnen wil. 

XXXV (zvi cap. HO). 

(^uomodo sartor intraverit coelum et deieceuit sca- 
bellum sedis Dei in vetulam quandam. 

^^Joa. llulsbusch, iSylva üei-monum iucundiKsimorum 1568 p. 96.) 

Quodam die sereno ac 8udo contigit Deum velle deam- 
bulare, sumitque secum apostolos ornnes ac reliquos divos, 
nt nemo relictus fuerit praeter unum diTum Petrum ; cui man- 

dat, ne quem intromittat se absente. atque abit Interim venit 
sartor quidani pulsaiis tures codi. Diviis Potni.>s quaerit, quis 
öit quidve velit. Respondet, se sartorem [ense] optareqne in- 
gressiim coeli. (Jui divus Petrus ait: 'Non audeo quenquam 
intromittere. Dens enim abeat et [97] discedens dedit in man** 



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360 



tieorg Wickram, 



datisi ne quem adiuittam in coelum ae absente. Non destitit 
sartor precari tandemque obtinuit, ut adiiiitteretur, ea tarnen 
lege« ut quiete se resideret in angulo post ianuam, ne rerer- 
sus Deus animadverteret eum et moveretar erga se. Promisit 
se facturam hoc. AdmissuB componit se post ianuam. Petro 
vero absente snrgit sartor et lustrat omnia curcumquaque ; 
tautem venit i\d sedes niultas elegantes ac preciosas, inter 
quas, quae inediii erat et anrea, caeteris erat preciosiiis oniata 
omnis freneris lapidilnis prrc iosis et caeteris eminentior , sub 
qua scabelium erat aureuni; in ea resedit Deus, quando domi 
erat. Substitit ante sedeiu sartor aliquantulnm contemplans 
«andern; prae caeteris enim arrisit illi. Post longam contem- 
plationem se loeat in eadem et contemplatus in terram videt 
cnncta, quae ibidem aguntur. Inter caetera videt vetulam 
furto auferentem a vicina sua rbombi subligamen fili. Ad quod 
commotus sartor deiicit scabelliim, quud est sub pedibns, in 
eam. Videiis sjm ih recuperandi scabelli ablatam subducit se 
tacite ex sede, relocans se in angulo post ianuam simulans 
se nou abfuisse. Keverso ergo Deo, uon animadvertit sar- 
torem, sed locans se in sn i ^ede non reperit scabellum. Rogat 
Petrum super scabello. Negat se scire. Quaerit, num quia 
istic fuerit, nnm quem intromiserit. Bespondet se neminem 
intromisisse praeter mium sartorem [98] residentem post ianuam. 
Sciscitatur ergo Deus a sartore, quid de scabello actum esset. 
Attonitus sartor titnms ac trini« ns rcspoiulet dicens: 'Loras i 
me in tna sedo. o l)t'u.s, et vidi in tt-ria vetulam aufen nlcni 
a vicina sua riiomlfi suljUgamen tilorum, ad quod ego com- 
motus deieci scabellum in eam.' Irascitur sartori Deus di- 
cens: 'Eia nequam, si toties in te deiecissem scabellum, quo- 
ties tu sategisti conscindere Testes in oculum coniicere, non 
essent mihi nec scanma nec sedilia reliqua.' Eo modo extru- 
sus est sartor extra coelum et eins vitia palam facta sunt. 
Praestat ergo Catonis [I, 5] uti consilio dicentis: 

8i vitom iiiBpiciaa boroinnm, si denique mores, 

Cum culpant alios, nemo sine crimine vwit 

Alludunt et hae facetiae ad illud Otridii [Trist. 2, 33] : 
Si, quoties peccant bomines, sua fulgnra mittat 
Juppiter, exigao tempore inermis erit. 



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KoUwagenbüchleiD, antnerkongen (1—2). 3^1 



Anmerkuügeu. 

1) Wie ein gut f r u in m m nun a iu K o c h e r s p e r g einem 
guten einfältigen ein \v ;i 1 f a r t v e r di n c t z A 8 a n t 
Veiten zu wallen. — Abgednn kt in: SciiimiitV un«l tinst, üurch 
alle Welthandel, Fianckfurdt, W. Hau lOGÖ bl. 12öa==l ')G:i bl. ISSa = 
1597 bl. 163b. Goedeke, Schwänke des IG. juhihuudeitti 1879 s. 187. 
Bobertag, 400 gchw&nke des 16. jhs (1887) b, 157. — Über den tvi 
der Koche raberger banem vgl. Frey, GariengeselUcbaft 1896 s. 600, 
wo noch auf den Kochersberger tans (BSbme, Gesch. des tanze« 2, nr. 
288 f. Zs. f. dt«ch. phil. 26, 205) und Spaniers ausgäbe von Murnera 
NarrenbeechwOrung 1894 s. 359 h&Ue verwiesen werden können. 

2) V ü n e i a e m , k o in w a s s e r s n 0 t 8 a n t C h r i « t o f 1' e 1 
e i n p r o ß w e c h s i n Hecht verhieß. — Abgedruckt bei Bo- 
berUig, 400 schwänko 9. 160. Merkeus, Deutscher humor alter zeit lb79 
s. 171. — Quelle: Erasmus, Colloquia 1676 p. 218: ^Naufragiunr; ver* 
deutscht von J. Alberti 1546 bl. 62b oben s. 812 nr. 1. Vgl. Brom- 
yard, Summa predicantium vol. 2, P 7, 75 = oben s. 313 nr. II. Pog- 
gins, Facetiae nr. 207: »Yotum* (Opera 1588 p. 474 =s Facetiae 1798 
1, 214. Irländer gelobt der Maria eine kerze) nnd nr. 208 (haus dem 
h. Cyriacaa zu Ancona). Bebel. Facetiae 2, 41 'De rustico s. Nicolaum 
invocante' (karren im nioragt). Pauli, Schimpf und ernst nr. 304 (stürm, 
öt. Niclaus). H. Sachs, Die gros kcrz im schitf (meisterlied, 1544. Kel- 
ier-Goetze 25, 162 no. 1490. Schwiirik<> 4. im. 171a). Waldis. Esopus 
3, 51 V. 35 fwie Pauli). Kirchhof, WeiHluniiiut 7. 127, Lundorf, Wiss- 
badi?-ch wiseiiK>iünh;in 2, nr. 49 (1611; nach l";ra>uui-^; vn>K R. K5hl»»r, 
Kleinere schiiftea 3, 72). Paiit.ili-on Candiiiu-, NavigiUis vovct iDeli- 
tiae poetarum germanorum 2, 131. 1612\ Ahr. a S. Clara, Uehab dich 
wohl 1787 B. 349 (sL Nicolaus). Vademecum ftti- lustige Icute 3, nr. 148 
(1767 und 1781. St. Iliclas). Limberg, Denckwfirdige reisebeschreibnng 
1690 s. 365 (Dooaustrodel; kerze der Maria). Kristensen, Jyske folke- 
minder 6, 247. 8, 395. 

Entfernter stehen: Fabukve Aesopicae ed. Halm 1852 nr. 49: *Av^f 
ddüvaTQc iiitx'(f6}Mnz'j':>;; (kranker gelobt hekatombe und weihgeschenke) 
= Quicciardini, Erquickstunden verteutschet durch Federman 1574 s. 416. 
Jacques de Vitry, Exempla ed. Crane 1890 nr. 102 (ein nach M ont St. 



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362 



Georg Wickrum. 



Miclit'l in ilrr Nnnuanili«' /.i*'h>'n(lor Innicr ^elolit beim nahen tlcr wt'l- 
Icii kuh und k.ilb; uui .sicheioui IhxI. m nift er: Ni' !;i \ ache ue le vcclj 
= 8chöubuch. Miscellen aus Gramer hi.-.. lÜuO 8. 9J (Milt. des bist, v- 
f. Steiei mui k 4S). Ktienue de Bourbou, Anecdotes hiatoriques 1877 nr. 10. 
Lecoj de la Marche, L^sprit de nos alenz 1870. nr. 108. Job, Jonior, 
Scala celi 1480 bl. 57b: de conversione 1 (nach Stepb. de Borbone, mit 
dem scblufise: Tunc aubito ventt fulgur et interfecit eos). Pauli, Schimpf 
und ernst nr. 805. Albertus Magnus, Liber de abundantia exemplorum 
bl. 6a = oben s. 814 nr. III (der höhnende bauer wird schliessUcb 
samt kuh und kalb von einer veüe hinwe^jrerafft). Martinus Polonus, 
SermoiK's cum promptuaiio exemplorum Prompte cap. 1, (i (ebenso*. 

Herdt, Promptuarium exemplorum 1481 litere V oxemplum4l = Wri.rlit. 
Latin .«tnn> > 1><4*.* nr. 70- 'Po voto rustiri' i I*ercy society S\ M. Be- 
haims meiöteriied — (>1mmi s. Ml [ nr. IV. Lt säing, Morydan 1751 (Wr-rkf 

1, 188 ed Ti<iohniunn-Miiiirker; vgl. Albrecht. Lessinjfs plapiate ISUl 

2, 512. .S» t tiiiavi gclubt <lem Neptun sechs rinder). Fliegende bliitt»*r 
28, nr. 653. Ch. Reade, The cloister and the hearth 2, 74 (Tauclmit/ 
edit. 710). — Bei Odo de Ceritonia (Hervieux, Les fabulistes latius 
4, 2*28. 826 nr. 56b. 155) gelobt ein seefahrer, gottgefällig zu Id^en, 
nimmt aber auf dem lande sein versprechen zurilck. Bebel, Facetiae 
8» 179: 'De sancto Nicoiao et qnodam equum ei vovente* (er kann sein 
pferd erst aus der kapelle entfernen« nachdm er 40 gülden erl^ hat). 

8) W i e e i n p t' a f f u n t e r h t ü n d m i t f il n f f w ort t» n i n 
himniel /, fl kommen. — A^iri'drnokt in: .'^■rhiiiiptl und ernst ]5fiO 
bl. 12Ga = i:.f,:i M l."..M> = l.-.'.*7 1.1. IGla. Bobertag, 400 schwäuke 
s. 161. Werkens, i>eut>^clier humor alter zeit 1879 s. 151. 

4) Von einem radtsherren, der mit einem kind 
i n g — Abgedruckt in: Kintzwciliij'^ nntl iTtrherliche geschieht, 
Frankfurt 1583 fol., 8. 530. Bobertag, 400 Hchwänk.- s. 1G3. — Über- 
setzt in: Groot klugt-boeek. Amsterdam, M. de Groot 168U h. Hl: 'Van 
een raets^-heere, die kint drocLjli. fiid»' i.s ghenoeghlijck om lesen.' Ge- 
reimt von II. Sachs. Üer m'Iiw mgcr purger zu Co^'tnitz (155<>. Ki llt-r 
Goetze 25, 499 nr. 489s). — Vgl. Nicolas de Troye-, Farangon de» iiou- 
velles nouv. 1536 nr. 4 (ed. Mabilh» 1869 p. 140). (ianz dieselbe ge- 
Hchiehte wird, wie II. Kurz bemerkt, von dem berühmten arzt Michael 
Schuppach im kanton Bern als eine wahre thatsacbe erzilhlt. Von den 
sahü'eichen schwänken von angeblicher mftnnerschwan gerschaft 
und vertauschtem urin (Marie de France, Fablea 42. £nikel, Welt- 
chronik V. 14948. Boccaccio, Decam. 9, 8. Warnko, Quellen der M. 
de France 1900 s. 88. t. d. Hagen, Gesamtabenteuer 2, IX. 8, GXXIX. 
Landau, Quellen des Dckameron 1884 ». 152. 1001 nacht übers, von 
Henning 23. 138. Wyle. Tran.>^!at5onen 1861 8.18.368. H. Estienne, Apo- 
logie pour HerodotH 1879 1,317. Ki vpi idia 2, 91: 'Le recteur en mal 
d'enfaut*. Liebrecht, Germania 30, 352. Lundorf, Wiesenbrilnnlein iOlU 



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RollwagenbOchlein, amnerkungeii (2~9). 363 



1, nr. 25; vgl. R Köhler, Kl. Schriften 3, 65. Happel, Akademischer 

roman 1690 p. 747") iintf»r8cheidet sich tm«re frzflhlting dadurch, diiss 
dort einem torichtt-n manne durch /,ut'itl]i^« ii iiiilas-s orl*»r nnttwilli^e 
neckerei eingebildet wird, er trage ein kind, währtutl hier • in li.-ti;^« r 
mann mit seinun li- llcr seiner jrattin diesen glauben beibringt, um 
seine buhlerei mit der magd zu verbergen. 

6) Von einem abentheOrer, derbewert, daß der 
teüfel zu Content/, und der groß golt zfl Schaffhueen, 
auch die Mary z6 Einsidlen und er gesch wintert weron. 
— Abgedruckt in Sfhiniptt" und erni^t 1560 hl. 112b = 1563 M. 1^8 a 
= 1597 bl. 143a. Hub, Die kom. und huniori.'^ti^cho littcratur der 
deutschen prosai?,tou des 1«;. jalub. 2 (1657), .s. 34. Altdeutsclirr -.cbwank 
und scherz 1880 s. 72. Bob.ütag. 400 schwilnke s. 165. K. Melkens, 
Deutscher humor (Mejers volksbQcher 805) s. 36, Von Hans Sachs 1556 
als meisterlied 'Mariapild zu Ainsider im reuterton des Kunz Fülsack 
(MG 15, 294bb Eeller-Ooetse 25 , 501 nr. 4928. iBerliner mgq. 588, 
bL 282a) und 1562 als spmebgedicbi «Das Mariabild zn EinBider (Folio 
5, 2. 335b s 20, 545 Eeller-Goetze = Fabels 2, 254 nr. 275) bearbeitet. 
Ein anonjmea meisterlied *Der abenteorer mit der Maria ku Ainsider 
(1569) im geschwinden ton Frauenlobs = oben s, 816 nr. V. Wolfg. 
MfiUer von Königswintor, Dichtungen 3. 15: 'Der schelm von Schaft- 
bausen* (1873). Memel, Lastige gesellscbaft 1660 nr. 173 = 1701 nr. 167. 

6) Von Kweyen zenckischen bauren, deren einer 
des bn rgemeisters fraw fragt: Sind ir ntt aucb ein 
hftr? ^ Abgedruckt bei Bobertag, Scbwftnke s. 166. 

7) Von einem lantzknecht und Herr gott behüt 
uns. — Abgedruckt bei Goedeke, Scbw linke 1879 e. 197. Bobertag, 
Bchwftnke s. 166. 

8) V o n b r Ü d i- r I i v h r t r e u. — Abgedruc kt bei Bobertag, 
8< lnviiiik<' s lf)7 ]) 'r l.uchdrucker Mathia.s Apiarius war 15;UV-o7 
in Slras^bll^i^ . ilaun in Llern und Basrl tätig und starb 159iJ; vgl. 
Kuüi, Aicliiv 1. gesch. des dlsch. buciinan.iL;!» 17, 26 und Fluii, Berner 
taschenbuch 1897. Zu der antwort des Ypocras vgl. Falstaffs schlag- 
fertige erwidemng bei Shakespeare, Heinrieb IV. 1. teil III, 8 (W i r- 
tin: Er sagte neulich, ihr wäret ihm tausend plund schuldig. Prinz 
Heinrich: Was ? fiin ich euch tausend pf und schuldig ?— Falstaff, 
Tausend pfund, Heinz? Eine miUion! Deine liebeist eine niiUion wert, 
du bist mir deine liebe schuldig), worauf H. U. , Jahrb. der d. Shake- 
spearegesellsch. 1^ 280 hinwies. 

9) Von zweyen bauren, die einem apt schuldig 
waren. — Abgedruckt bei Bobertag, 400 schwinke s. 167. Nieder* 
Iftndisch im Groot Uugtboeck 1680 s. 150: 'Van twee boeren die eenen 
abt schuldigh warea* 1609 von B. Watt in einem oben s. 318 nr. VI 



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364 



Georg Wickrauit 



abgeUrucktrii inf i>t*'ihede bearlifittt. Fi aM/.ösi<ili bei A. Tyiuii. K».'- 
cufil de p]u-i*'ur- |>lai«iiutes< iiuuv. llfsi, Auveru 15D1 bl. 90ji: 'De iltux 
villageoiä qui f.stoient ilebteur» dun abbü' (Stiefel, Archiv f. ueuere 
sprachen 94, 133. 138). 

10) Von eine ni b e y e r i s e h e n h ;v n r «Mi , <\ c r ii e n n tag 
ein 1 ä s e r w a s. — Abj^edruckt bei Uoedeke, Schvvänk«' < 17 t; 
Bobeitaj^, .ScliwHuke n. 168. Niederdeutsch im Wegekörter dt; klene, 
Hamburg 1592 bL K 5b (Nd. Jahrbuch 20, 135). Lateinisch bei Huls- 
buach, .SylvA sennonum iucuDdissimomm 1568 p. 45: 'Rusticus fingit 
se leprodum [!]' = oben s. 819 nr. VIT. 

11) Von einem w i r d t , der seinen g c s t e n ein t r a c h t 
u m b ein t a 1 1 c r v e r k a u t' f t. ~ Abgedruckt in Scbimpff und 
ernst 1560 bl. 64b =s 1563 bL 80a =s 1597 bl. 82b. Goedeke, Schenke 
8. 133; Bobertag, Schwftnke b. 169. LatemiBch bei Hulsbusch , Sylva 
1568 p. 46: *Pandochu8 vendit suis faoapitibus fercnlum nno dalero sea 
aureo iusti ponderis.* Niederländisch im Groot klugt-boeck 1680 s. 151: 
*Yaii eenen veert, die «ijn gasten een gherechte verkochte cm een 
daelder.* FranzOsitch bei A- Tyron, Recueil de plaiBantes nonvelles 1591 
bl. 91a: 'D'un tavernier qni vendoit 4 ses convivan^ un niets ponr on 
daldre'. 1609 von B. von Watt in einem oben s. 319 nr. VIII mitge- 
teilten uieisterlu^dp b!';nl».'itet , ebenso 1626 von Ambrosius Metxger 
(Göttinger ms philol. 196, 521). 

18) Von kau f'm ann s k n e eh t en, die von Franckfurt 

a u f e r e f u Ii Ii e i m z n g e n , wie sie b e y eine m w i r vi t 
nichts anders h a Ii e n w I 1 n « s e n dann t r e u s c h y - 1 ä- 
b e r 1 e. — Abgedruckt in: Kiut/Avt iliL,'..- und lächerliche gCächichten 
1583 s. 531; Bobertag, Schwanke ». 169. 

13) Von einem pfarrherrn, der seine underthanen 
straffet, « v sollen e i n a ii d i- n i t so f r ä f e n 1 i c h h e i s s e n 
liegen; so doch e i n e r 1 e ü g t , solle? g I e y e h d e r a n d e r 
dar?, ü pfeitten. — Diese geschichte wird im eap. 38 nochmalg 
er/iihlt, utul deshalb ist in D nr. 13, in den diuckcii ECiHIKMNO aber 
nr. 38 ausgelassien. Abgedruckt iu: Selampö' und ernst löGU bl. Iü9a 
= 1563 bl. Uu9a = 1597 bl. 'J16b. Bobertag, Schwanke 170. Mer- 
kens 1879 s. 170. Merkens, Deutscher bumor o. j. ti!. 33. Lateinisch bei 
HulsbuBch, 8ylva 1568 p. 47: 'Paroecus niralis prohibet suos tarn te- 
niere conviciari et dicere Tu mentiris, sed eins loco iubet fistolare ad 
mendacium.* Gereimt von H. Sachs, Der pfarrer mit den ligmden 
paum 1556 (MG 15, 801. Keller-Goetze 25, 502 nr. 4980) und Ejrlng, 
Copia proverbiorum 2, 58 (1601). — Vgl. das anonyme meialerlied 'Von 
des pfatfen drei stuck in der predig* s oben s. 821 nr. IX str. 8 

* 

1) Die beiden ersten strophen behandeln den schwank von den 
drei teilen der kurzen predigt und der zerrissenen hose 



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KoUwagenbflcbleiii, aamerkimgeii (10<-16). 365 



Harsdöi ffer, Schauplatz lust- und lelu r* i( h< r i^ox liichte 1660 2, 40 
nr. 110, 8. Kurtzwoiliger zeitv«>rtreiber 1666 s. 74. F. J. Boihmami, 
Der lufitige philosophas 1715 s. 48. . 

14) Von Kweyen landsknech ten» die mit einander 

in krieg zogen. ~ Abgedruckt bei B. Hertzog, Scbiltwacht 1560 

nr. 50 (Montanus , Schwankl)ücher 1899 s. 649). Scliinipff "und ernst 
1560 bL 109b = 1563 bl. 134b = 1597 bl. 189a. Üoedeke, Schwanke 
«. 195. Bobertag, Schwfliikn ?. 171. Niederdeutsch im Wegekörter 
15'J_' i.l. Dia nr. 16 (Nd. jb. -Ju. 1J^4>. T.atoini..rh bei Hulj<lvi!>fh, Sylva 
1500 p 225. Niederlruiili-ch in (Iroot kbi^^t-liocck . Am^ti'nl;iiii l(V>^«i 
p. 152: 'Van twee laiij^knechleu die fsaiu*n Ifr uüiloghe ü-ockeu". — 
Ein«.' üluilii he pointe bietet Montanus, GartengeseilBchatt cap. 67 (a. 
610 ed. 1899). 

15) ^ () 11 e i n e m 1 a n d s k n e c h t . d e r n n r drei \v o r t b e- 
g e r t m i t seine ni h a u p t ni a n n /. n i e <1 >■ n. Abgedruckt bei 
Bol»ertng, Schwanke s, 172. Niederdeut-ieh im Weg' köit'-r 159-2 bl. C 8ii. 
Danach Gerlach. Eutrapeliao 1662 1, 1:^8 nr. 595. Lyium larum o. j. 
nr. 254. Hemel. Lut^tige gesellscbaft 1695 nr. 361. Abraham a s. Clara. 
Judas 2, 389 (1752) und LauberhQit 1, 88 (1826. Die kurze audienz. 
*Beficheid*). Jaaander, Der teutsche hiBtorien^zcbreiber 1728 nr. 68. 
Helmhack, Fabelhannz 1729 nr. 14. — Vgl. Pauli nr. 64 (Oezterleys 
citat atta der Scala celi 1480 bl. 158 ist falsch); danach H. Sachs, MG 
tO, 53 (1548). 

16) Von einem Schneider, dem sein frau fladen für 
faden kauft. — Abgedruckt bei Bobertag, Schwtlnke s. 178. Nie- 
derdeutsch im WegekOrter 1592 bl. D4b nr. 20 (Nd. jb. 20, 184). Ge- 
reimt von r>. von Watt 1610 im grünen ton H. Müglings ^ oben s. 322 
nr. X. — Vgl. Waldis. Esopus 1548 3, 98: 'Von einem Schneider und 
seinem weibe' (/.wim-birn, wachs-flachs, scher-schmer, kirche-schule). 
G. VoifrMänder, 0']*^n und lieder 1642 nr. 75 (nach Waldis) = oben 
8. 324 in. XI = AriÜMi-Hrf^ntnnn. WiiiMlerhorn 2, 69^ ed. Hirlinger-Cre- 
celiu». Philipp Wahrmund , Compendiösea historieubuch 1722 m*. 21: 

♦ 

de» Predigers; vgl. unten nr. 51. Widiunnn, P<'ti'i ii- w (um 1558) cap. l8 
= Dubertag, Narrenbiich s. 135 (ohnr di-' Vi"tteleij. Öandrub. Delitiae 
bist. 1618 cap. 18. Ait«l- nUcher schwank und scherz 1880 h. III. 300 
hist^rien (hs. von etwa 1770 in msinem besitze) nr. 298. Aurbacher, 
VolksbUchlein " 1, 123. Kamp, Danske folkeminder 1877 ». 31 nr. 86: 
'Kirken i FilskoT og den faltige prae8t\ Skattegraveren 10, 212 (Kol- 
dbg 1888). Asbjdmsen, Norake folkeeventyr nj samL 1871 nr. 82: 
*Knlbraenderen* — AsbjOmsen, Norweg. Volksmärchen übers, v. Den- 
hardt 1881 s. 286 f. Aberg, Njl&ndska folksagor 1887 nr. 292. 8ie- 
benbflrg. korrespbl. 1898, 42. R. Köhler, Kleinere Schriften 1, 484. 
Hasset, Reme des trad. pop. 17, 93. 



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S66 



Georg Wickram, 



•Die i\b» l-li<>rende Jüdin' (linsen-kurbis, leuchlcr-Baba). Nikarclios. An- 
tiiologia palatiiui 11, l-i (TupoOg-irupoug , -v'Yavov-ty^Yavov . öt:öv-öoxöv, 
Xdxavov-Xdaavov, Sgog-idgov)^ deutsch von A. Uivinu.-^ l loiil.;^'ium grae- 
colaiinuui 1651 p. 1241 = Rubensohn, Griechische epigraiume 1897 
s. 72) und G. Thudichum (1870). 

Verwfindt sind die vielen schwänke von dem den frager missver- 
stehenden tauben banern: H. Sachs 15&S nnd 1555: Fabeln und 
schwänke 1, 480 nr. 1&6 nnd 6, nr. 854; nach Paub', Schimpf und ernst, 
anhangt nr. 26 (Stiefel, Studien z. vgl. littgesch. 2, 177). J. Ägricola, 
FOnfhundert Sprachwörter 1548 bl. 29a nr. 25: *Ich frage nach epffeln, 
und du antwortest mir von bim.* Luther, Werke , Erlanger ausgäbe 
81, 254; vgl. Zs. f. d. dtsch. unt.nricht 2. 294. 7, 272. Eyring, Copia 
piöverbionini 2, 118 (16U1>, Zincgref Woidner, Apophthegmata 4, 275 
(1683). Talitz, Kumv. reysprosspahn 1015 s. 2ü9. Sinnei-sbrig, Belusti- 
gung vor frauen/.inimer 1747 s. 396. 8oninierklee 1670 s. 76 nr. 94. 
Bhinekardu"'. Neuer histor. lustj^arten 1701 s. 307. Hnleeius Eyer-Plntz 
(J. P. \Vahiii.iim\ Pickelherinj? 1720 s. 175 nr. 100. Kuckard, LiK lu-nde 
schule 1725 nr. 128. Hulsbusch, Sylva I5ü8 p. 257. Faseiculns far. tia- 
rum IGTü p. 130. Z.s. d. v. für Volkskunde 8, 68. Dähnhaidt, Volks- 
tümliches aus Sachsen 2, 98 (1898). Blätter f. pomm. Volkskunde 10, 
22. Grundtvig, Danske folkeminder 1, 106 und Danske folkea^ventyr 
1884 8. 24 'Den döve mand' und 20 'Ben döve kone\ Svenska lands- 
malen 13, 1, 48 (Waltman 1894). Aberg, Nyl&ndska folksagor 1887 
nr. 847~S4& Watlonia 1, 34. Revue des trad. pop. 7, 687. Rolland, 
Rimefl do renfance 1885 p. 261. El folklore andalus 1882-88 s. 182. Rad- 
ioff, Sodsibirien 6, 229. Dschelaleddin (Wiener «it/-ungaber. 7, 654). — 
Sommer, Emplastrum Comelianuml605 nr. 31 : 'Von drey tauben männemV 

17) Einer leidt mit seiner frauen liejb und leid. — 
Abgedruckt bei W. Wackernagel, D. lesebuch 8, 1, 448. Hub 2, 28. Goe- 
deke, Schwanke 1879 s. 85. Bobertag, Schwanke s. 174. Danach Grimm, 
KHM nr. 170: <Lieb und leid teilen* (zuerst 1840). Vgl. Kurtzweiliger 

zeitvertreiber durch C. A. M von W. 1666 s. 869 = 1668 8. 415 = 
1683 8. 442 : 'Kine andere verklagt»« ihren mann gleicher Ursachen we- 
gen. Der richter sagte, sie solten friedlich \f\^t^n und lieb und leid mit 
einand» ! ausstehen, oder wann nie ferner mit solchen unnützen klagen 
würden .LntVLr''?'^^.7f'n komni^n, wolte fr si'^ beyderseits mit geranjrnifj 
«trafFen. Kni.siuahlh giengen sie zusummeii autf das feld ; da hub 
der mann steine autt" und warft" der frauen einen nach dem andern nuff 
den puckt'l. Da lietf sie abermals vor den richter; und als der nuiun 
auch vorkam, entschuldigte er sich und sagte, er wäre deß richters ab- 
schied nachkommen, denn er habe sie nur geworffen. Hätte er ihrer 
gefehlet, so wilre es ihm leyd gewesen; hätte er sie aber getroffen, 
wäre es ihm lieb gewesen. Der richter sagte, er solte sich fortpacken 
und sie mit guten Worten straffen. Bald darauff kamen sie wieder xu 
streit; da schlug er sie mit der biebel, sagte, er wolte nicht hoffen, 



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BollwageDbüchleiDf anmerkiing«ii (16—22). 367 



daß ein böse wort in der biebel stünde.' — Weitere nachweise bei 
Montanus. ?chwnnl<l>n('h. r 11^99 ?. 5R0. nr. 2Vt. H 8achs. Falx-ln und 
schwanke 1, l")"^ nr. ;i8G. AWendstundeii 2, 'Mb (1767). Hennenberger, 
Erclt Miiii^' (ler preus!«. iandtattul 1595 s 402 = Grändc, Sageubuch des 
preUbÄ. Staats 1871 2, 626. 

18) Von p i n o ni n r nj e n e d o 1 in a n n , der g e 1 d e n 1 1 e n e t 
bat. (Er Vuttrt dvw </**rich*'^bott'ii zu w.irten, «ein bart volb'nds 
gchciiuren . — Abgclnickt bei \Vcick<'inagel, D. lesebtich 8. 1. 148. 
Hub, Die koiu. litt. 2, 28. Bobertaj?, Scbwänke 8. 175. — Lateinisch 
bei Hulsbusch, Sylva sermouuui 1568 p. 49: *De nobili nou adeo di- 
vite, qui pecttniifcfi cepit luiitno.* — Vgl. De nieuwe vaakverdrjrver 1669 
8. 803 (Jude und edelmann). Antidotum melancholiae 1668 p. 14: *Biu-ba 

'decepttt» JttdaeuB*. Bouchet, Serres 4, 202 ed. Roybet 1881. — Zink* 
greff, Apophthegmftta 1, 48 (1628. Rudolf l. verBpricbt einem Zürcher 
Schonung, bis er die hosen aufgezogen hat). Lehmann, Florilegium 
]>oliticuin 1662 s 948: zusats. In verschiedenen märchen vom gevatter 
Tod verspricht der arzt, dem tode zu folgen, wenn or das Vaterunser 
ausgebetet habe: Oering, I.^^lendsk nventjri 1683 2, 151; Haaae, Volks- 
tämlichos aus Ruppin 1, IUI. 

19) Von einem landfarer, der hundsthonier fQr 

k a t z e t h 0 n i e r den k tt r ß n e r e n v e r k a u f f t. — Abgedni- kt 
bei Goedeke, Schwanke s. 112; Bobertag, Schwänke s. 176. — 'Vom 
katzonthoni (chalcedonier) ein baternoöter' begegnet auch in dem liede ; 
Bragur 7. 2, 9) f1f*0'2l t'ber die neckerei d«'r kilrs ebner m\t den 
k atzen vi,'l. (Jrimm DVVb. untor 'kat/onncbindcr' ; Montanus, 
Schwunkbücher n. 468; Kirchhof. Wendunniut 1, 242. 

20) Von t» i n e m ni ü n c h . d <; r einer t o c b t e r ein dorn 
auß (1 f ni t ü ß z o c h. — Abtr.'ilrm'kt bei nfvlx'rtMcr. Schwanke 9. 177. 
— (icreiuit von D. Mahrold, K<jlduiiu.*«ch ka-tcn nr. 52 (Frey, Gar- 
tengesellschaft 1896 s. 271). — In di-r verwamlleu eizählung bei Wal- 
dis, Esopus 1548 4, 22 *Wie ein möncli küß bettelt' soll der mönch 
nicht einen dorn aoBziehen, sondern das faule m&dchen mit der rute 
zachtigen. Vgl. Sacchetti, Novelle nr. III. Marguerite de Navarre. 
Heptamöron nr. 46. Montanus, Schwankbflcher 1899 s. 274 (G. 12). 
Eyering, Proverbiorum copia 1, 45 (1601). 

81)yon eim au ß g e lau f f nen münch, der mit der 
gsohrifft llberwunden ward. — Abgedruckt bei Wackernagel, 
Ptsch. lesebuch 3, 1, 445. Bobertag, Schw&nke s. 178. t3bersetzt bei 
Hulsbusch, Sylva 1568 p. 51: *De apostata victo scripturis.* Polnisch 
nach Hulsbusch von Mikol Rej, Facecye 1574 (Chrzanowski, Roxprawy 
akad. uroiejetnosci, wydzial tilologiczny ser. 2, tom 8, 863. 1894). Ge- 
reimt von H. Sachs, Der münich mit schrift überwunden (mei«terlied 
1556. MG 15, 291. Keller-Goetze 25, 501 nr. 4919). 

SS) Von einem banron, der wachendt schlieff. — 



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368 



Georg Wickram, 



A^rff'fl ruckt 1>pi (Inodclcp, Schwlinkf» f. 175; Bobertatr. Sclnvilnkf s. 179. 
Übcrnoiuiix n in div iSchiltbürtrer 1")'JS «. Ifi9 (Bolintiig, Voiksbü(Mior 
des 16 jalirli. 18S8 8.398): 'Ein Sehiltbürger wolt von dem andern ein 
wagen entb-hnen'. Witzenbnij?or 1, cap. 41 (Com. Ajjyrta, Grillenver- 
treiber 1670 1, 140). Wolgemuth, llauptpillon 1669 s. 2H9 (5, 44). Zinc- 
greff- Weidner, ApophthegmiiUi 5, 113 (1683). Hemel, Lustige gesell» 
Bcbaft 1660 nr. 481 = 1701 nr. 442. 

Eine wiUige pointe fQgt Qnicciardini, L*hore di ricreatione 
Paris 1624 bl. 276b (Belieferest 1594 bl. 188a) hinxn: ^Le capitaine 
Tarquin Abbatonio se reposant nn jour sur le Hct« Ik dessus arriva iin 
Soldat tout escbauffe, qui venoit de jouer, etdit: Ho capitaine, dormest- 
vouz? Poarquoy? luy responditril. D'auiantqoe jeroudroi^, adjousta 
l'autre, que voiis nie prestassiea dix escus, pour nie rachepter du jeu« 
Je dor."«, respondit le c.ipit ■ ine.' — Ebenso: Gaidoz-Söbillot, Blason po- 
pulaire de Uv Vrance 1- l [>. 242 = Mebisine 1, 270. h?-'^. Beauquier, 
Blason popiilaire de Fiaiu be-Conile l^S^l p. 230. Fl. un . Litt, orab^ 
de la Basse Nonnandie 188o p. 206. Uevue des laiiL'iK s lomaiies 4, 459 
(1873). Boira. Kl libio de los cuentos '.i, 58. Vade iiKcum tür lustige 
leute 5, 77 nr 138 (1783). Diermisscu, Ut de Musskist 1862 8. 76 (Na- 
bcrscb, älöpt se all? Nä. Naberscb, kann's mi nicb en brod doen? Ja, 
ik slap all). Scbutenburg, Wendisches Volkstum 1882 s. 48. — Das 
citat aus Gräbels Gedichten 2. SO (1820) bei Kurs ist falsch. » Ober 
die formel *Sleepe you, wake jou, er be not you within* vgl. Ohild« 
£nglisb ballads 2, 1, 240 au nr. 80, 4 'Old Robin of Foriingale*. 

88) Von eim abentenrer zfi Venedig, der sich stalt» 
als irereertodt, damit er seinhaußainszalt. — Ab- 
gedruckt in Eartzweilige und Iftcherl. geschichten 1588 s. 582. Bober- 
tag, Schwanke s. 180. Übersetzt bei HuJsbusch, Sylva 1568 p. 52 : *J>e 
tecbna cuiusdam hoapitis Venetiani fingentis se mortuum, ne solveret 
locationem domus 8uae\ Den luelancolyen-verdryvor (Vcrmeerderde ne- 
derlandscben weg-korter, 2. deel. Amsterdam 1734, 1770 u. ö.) nr. 11: 
'Van een avonturier der tot Venetien , die hem hield of hy dood had 
geweest , danr niede hy vry kwani om zijn hnys ohyns te betalen' = 
Groot klügt-l)üeck. Amsterdam lö^'O p. Int. B-'.ubeilet von Hans Sachs 
1556 in einem meisterliede 'Der vertorbi.n wirt mit dem centelon' (MG 
15, 291b. Keller-Goetze 25, 501 nr. 4920) und 1562 in einem spruch- 
gedichte (Keller-Goetze 17, 264 = Schwanke 2, 2c^5 nr. 284). — Die 
list des sich tot (oder todkrank) stellenden Schuldners begegnet 
schon in der farce von Patelin; vgl. Bolte, Veterator und Advocatns 
1901 s. VIP. Polivka, Archiv f. sUv. pbiL 17, 580 nr. 178. 22, 805 
nr. 124; Zs. f. österr. volksk. 8^ 147 nr. 15. Veckenstedt, Sstukoris 
1885 s. 28. 1001 nacht fibertr. von Henning 28, 221. — Über das ge- 
gtoldene schaf in der wiege ö. Kölbing, Zs. f. vgl. littgesch. 11. 187. 
Hemel, Lustige ge^ellschaft 1660 nr. 93 = 1701 nr. 92. J. Prätorius, 
Abentheuer!. glUckstopf 1669 s. 299. Angenehmer seitvertreib in 300 



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BoUwagenbachlein« anmerkniigen (22—26). ßgg 



rftUeln 1748 a, 189 nr. 5. Roaeggdr, Schriften in gteir. mda. 8, 120 
C1896>. BiAtter fttr pommersche volkBk. 10, 52 (Mshaf im sarg). Nieuwe 
snaktryen of venuakeljke historien, 3. druk, Keulen (um 1700. Ber- 
lin Zh 6144} 8. 6. L'enfant saus soucy 1682 p. 801. 

24) Yon eim, der dem andern halff sein armflt essen. 
— Abg* <l nickt bei Goedeke, Schwanke s. 194. Bobertag, Schwänke 
8. 182. Übersetzt bei Hulsbuscb, Sylva 1568 b. 55: 'De eo, qui iuvit 
alium consumere paupertatem suam\ 

86) Von einem ffirman, der nit die recht straß ge- 
faren war. — Abgedruckt bei Bobertag, Schwftnke s. 188. Über« 
setst im Groot klugtboek 1680 s. 157: *Van eenen voer-man, die de 
rechte «träte niet was in-ghereeden.' 

26) Von einem m ü n c h , der die L u t e r i s c h e n mit ei- 
nem p a u t 0 t* f e l w o 1 1 g e w o r f t' e n Ii a n. — Abgedruckt in 
Schimpff ond ernst 1560 bl 169b = 1568 bl. 210a = 1597 hl 217b. 
Hab, Die kom. litt 2, 86. Altdeutscher schwank und scherz 1880 s. 78. 
Bobertag« Schwanke s. 184. Merkens 1879 s. 172. — In Heinrich Kauf- 
ringera (ed. Euling 1888 s. 80) drittem gedieht droht ein pfaff von der 
kanxel, einen gottlosen bauern, den er nicht nennen will, mit einem 
steine zu werfen und ihn dadurch kenntlich /.n machen , worauf »ich 
der bauer duckt; Vgl. Euling, Studien über H. Kaufringer 1900 s. ö8| 
wo auch auf Wickrams vorrede (oben s. 5, 6> verwiesen wird. Wickrams 
wendnnp. (laf^-s iiirht ein, sondt i'ii viele schuldige «ich vor rlf>ni steine 
(küittt l. MIm I) in »Irr i rhobeneii hitnd des predigers ducken, Hndet sich 
sichüu in I.uthvi» Ti.si Im'den 2, 46 ed, Förstemann: bei H. Sachs. Der 
pfarrer mit tien epreclier paiii « n (m6ii»t4:^riied \-Ai. MiJ G, 207. Hrhw-nike 
'd, UV. 170. — schwank 1544. Keller-Goetze 5, 1H7 mit falschem 
datum. Schwänke 1, 232 nr. 76. — fastnachUpiei 1554. Keller-Qoetse 
17, 156. Fastnachtsspiele 6, 28 nr. 65); Hans Vogel, Der pfaff mit dem 
eheprechcr pengel (1545) = oben s. 325 nr. XU. Waldis, Esopus 4, 
98 (1548). Lossius, Epigrammata p. 255 = Melander, Joci atque seria 
1643 % 95 nr. 76: 'De quodam rustico fure.* Uanlius, Locorum com- 
munium oollectanea 1590 p. 442. Kirchhof, Wondunmut 5, 284. Har- 
ten, Fünffzig newer historien 1603 8. 36 (4, 1): 'Von einem exempel, 
so herr Hans von Maria Magdalena fürgebracht'. Sandnib , Delitiae 
historiciK- lG]j^ nr. 74 (äpfeldieb). Memel , Lu-stige gesellschaft 16G0 
nr. 5. Kuizw. /.eitvertreibcr 1666 s. 70. Schreger, Zeitvertrrib. r 1753 
8. 518 (17, 1). Lyrum iarum o j. nr. 260. Vorrath artl. ergül/.lich- 
keiten 1702 p. 20, Docta«- miga.* 1718 p. 112. Hottmann. Lustiger 
historicaschreiber 1717 s. Du (1, iöj, iL Estienne, Apologie poui He- 
rodote 1566 p. 5o4, Branthöme, Oeuvres ed. Merimee et Lacour 11, 232. 
(Dainpierre,) L'^cole pour rire 1679 s. 17. D*Ouville, J^ite des conte« 
ed. Brunet 1888 1, 44. Gontes k rire 1752 1, 246. Nonveaux contes 
rire 1702 p. 97. Nieuwe snakeryen (um 1700. Zh 6144) s. 121. 

WioknMD III. 24 



S70 



Georg Wiokram, 



27) V o n e i n e 111 , d e r h ii r i n feil hat. — Abgedruckt bei 
Bobertagt Schwänke s. 105. Übersetzt bei Hulsbusch. S>ylva 1568 p. 56: 
'Quidani vendidit haleca eine coniiuodo'. Wef^körter 15*JJ bl. E8a 
nr. 30 (Nd. Jahrbuch 20, 135). Groot klugtboeck 1680 ». 158: 'Vun eenen, 
die harinck te koop badde ende alle sijn gelt verdaeu hadde/ 

28) Von einem einfaltigen bauren. — Abgedrackt bei 
Goedeke, Schwänke s. 171. Bobertag, Schwanke s. 185. — Vgl. Frey, 
Gartengesellschaft 1896 nr. 101 mit anm. Montanus, Schwankbücher 
1899 8. 289 (G. 85). 

29) Ein Stattvogt tranck laugen für brauutenweiu. 

— Abgedruckt bei Bobertag, Schwttnke a. 185. Übenetst von Huls- 
bttsch, Sylva 1568 p. 56: *Dinasta bibit lixivium pro aqua vitae.' — 
Vgl. Frey, Gartengesellschaft 1896 nr. 22 mit anm. Sylvano» Das ver- 
wöhnte mutter*sOhngen 1728 s. 185. 

80) V o n /. w e y e n h ü s »• n n u c h b a u r c n. — Abgedruckt bei 
Bobertag, Schwänke s, 187. CberactAt im WegekÖrter 1592 bl. D3b 
nr. 19 (Nd. jb. 20, 134). 

Sil \<iu /.writu 1 o a t a u c h e r n, die schelmen tausch- 
ten. — Abgedruckt bei Goedeke, Schwänke, s. 119. Bobertag, Schwanke 
8. 187. Übersetzt im WegekÖrter 1592 bl. D8b nr. 2a. Groet klugt- 
boeck 1680 s. 159: 'Van twee peerde-tnysschers.* ~ Vgl. 1001 nacht 
flbertr. v. Henning 19, 5: *Von den beiden betrflgem, die sich gegen- 
seitig betrogen* (tauschen zwei ladungen mi«t). 

3Ü) Von einem, der ein cerlichtt erbieten an die 
herrn thet, er were sonst gehenckt worden. — Abge- 
druckt bei Bobertag, Schwänke s. 189. — Vgl. Antidotnm melancholiae 
1668 p. 88: «Patibulo affigendus\ 

88) Von eim kauffmann, der sein lebtagniehett 
tenger den gesehen. — Abgedruckt bei Hub, Die kom. lit. 2, 85. 
Bobertag, Schwänke s. 189. Übersetzt bei Hulsbusch, Sylva 1568 p. 58: 
*De mercatore et magna ulna*. Groot klugtboeck 1680 s. 160: *Van eeu 
koopman, die van alle sijn leven gheen langer eilen ghesien hadde\ 

84) Von e ine ui p t af f en, der sich erbot, sin under- 
thonen das sacrament in dreierley geatalt aA geben. 

— Abgedruckt bei Goedeke, Schwänke s. 231. Bobertag, Schwänke 
8. 190. — Vgl. Zincgroff- Weidner, Apophthegmata 5v III (1688). 

85) V o n e i n e m f a c k i u e n , d e r b i c Ii s t a 1 1 , a 1 a k u u d t 
er nicht redet!, und darmit einer grossen straff er- 
ginge. — Abgedruckt in Altdeutscher -schwank und scberx 1880 s. 75; 
Bobertag, Schwänke s. 191. Übersetzt bei Hulsbusch, Sylva 1568 p. 60: 
*Fackin quidam simulat se nescire loqui, et evadtt impunitus.* Groot 
klugtboeck 1680 s. 161 : * Van den arbeyder, die hem gheliet, als of hy 



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BoUwageubUcblein, anmerkangeti (27—87). 371 



niet spreekeii en konde\ — Vgl. Memel, Lustige gesellschaft 1660 
ar. 510 SB 1701 nr. 4B0. 

36) V o n ein <? m , d r ein f fi r s p r e c h e u li h »• r 1 i t <' t , u n il 
h 41 t t in der 1 ii r s p r e c h das s e U» s ^ o 1 o r t. — Abgedruckt hei 
Wackenmgel, Losebuch 3, 1, 447. Hub, Die koui. litt. 2, 29. Bober- 
tag. Schwanke s. 192. Übersetzt bei Ilulsbuach, Sjlva 1568 p. 61: *De 
eo, qui advocatttm decipiebat nia proprift teebiia,* Groot klugiboeck 
1680 a. 168: *Hoe een man «joen advoca«t bedroegli mei de leaae» die 
hy hem geleert badde/ Über diesen zneret in der farce von Patelin, 
in Reucblins Scaenica progymnasmata (1497) nnd in dem Lueemer 
spiele vom klugen knecht etaebeinenden sebwank«toff vgL Bolte, Ye« 
terator und Advocaiu» 1901 8. VII f.; femer J. Pontanas, Atiica bei- 
laria 1644 8. 227 (ö, 69: 'ex germunico', verniutlich nach W. Bfituer, 
Claus narr). Brunk, Garzigar 19<jl s. 21 (kalb neunmal verkauft; der 
advokat rät den» butier, iinm^T pst zu sagen) = Hliitter f. poiumersche 
Volkskunde 9, 5.3. Kurumrow. Si?;fi^i Sifl it-^i im Koga.scner familieu- 
blatt 1898. nr. 20 8. 77. Angt n. Inner /.tit vertreib 1748 f>. 147, nr. 12 
(der .i«lvijkat rät, die schuld nl./ult.ugiien, dn der gläubiger keine vtr- 
schreibung besitzet Nieuwe .^uükoryen [um 1700. Berlin Zh 6144) s. 
185: 'Wat belief je?' Coruelissen-Vervlict, Ylaamsche volksvertelsels 
1900 a. 145 (pfeifen). Ornndtvig, Dantke folkeseventyr 1884 8. 27 (kuh 
eecbsmal verkauft. *Ja p} t ). L*enfant san« soucy 1682 p. 81 (leugnen). 

37) Woh er e « k u rapt, das man spricht: Ey du armer 
t e ü f f e 1 r u n d h e r w i d e r u m b : Das ist e b t? n d e (i t e ü ff e 1 8 
danck. — Al)gedrnrkt l)ei B. Hertzog, Sohiltwacht 1560 nr. 79 (Mon- 
tnnn>j. Srhwnnkbücher 1899 s. 651). Bobertag. Schwänke s. 198. Über- 
setzt von lIiil-buHph, Sylva 1568 p. 62: 'Unde venit hoc dictum: Eia 
miscr daetuu«»! vi aliud: Kae sunt daemonis gratiae.' — Der .schwank 
besteht aus zwei teilen, die auch einzeln vorkommen: ai dem teufel 
ein licht anzünde ns Mumer, Narrenbescbwerung 1512 cap. 64. 
Pauli. Schimpf und erust nr. 94. H. Sachs, meisterlied von 1554 (MG 
14, 167. Keller-Goetze 25, 454 nr. 4429). Bebel, Facetiae deutsch 1606 
s. 495. Vademecum fQr lustige leute I, nr. 108 (1767).j Nieuwe snakeryen 
(um 1700) s. 168. H. Estienne, Apologie pour H^rodote 1879 2, 325. An- 
toine de la Sale, Cent nouvelles nouvelles nr. 11 (mit andrer fortaetzung). 

— b) des s ch a t zgräbe rs tr a u m : Poggius, I";ic et i.i.' nr. 180 'Aureuin 
eotnniunr. Frey. (iurt»'ng''sellschaft 1556 nr. 77. Kej. Facecye 1574. 

— Verbunden sind beide teile in Hans Vintlers Pluemeii der tugent 
(v. 8240— !'.888 ed. Zingerle, vi;!, s. 851). A-^rmis Mrsyf-rs dnnnis schö- 
pfendem i*pruch von der zaubt-re} (iiiii lö.iUj — abgeilnu kt ola n s. 828 
nr. XIV, Marius Phib-lfus' Epistolae (Basrl 14S9, bl. 0 7;iK Michael 
Behaims (geb. 1416, geat. nach 1474) meisterlied von einem niesner und 
dei teufeli triegnus = abgedruckt oben s. 326 nr. XIII, in U. Sachsens 
meisterlied Der «pieler mit dem dewfel (1589. Schwanke 8, 282 nr. 108) 

24* 



372 



Georg Wickram, 



und seinem gleichbntitolten spruchj^t iliriite (1557. Polio 2, 4, 7ul> — 
Srliwiiiike 1. 517 nr. löl: vj^l. Stielel in der leeUclirift H. Sachs -for- 
Bchungcn 1891 <*. IH2), H. Morliuus' N tv. IUin 1520 nr 10. Arlotto, Fa- 
cpiie (Viiietria, liiiuloai bl. L7b: Facelia dt.'l stcrco) u.a. meine 
Fiay 1896 n. 2-43 f. und Stiefel, Zs. f. vgl. üttgesch. 12, 
173 f.; ferner Schimpff und emrt, Frankfurt, GOllFerich 1549 bl. 20S»a 
=s 155e bl. 170b nr. 426). Hei leven van Jan Tamboer 1664 b. 27 « 
deutsch (um 1690) b. 27. Abr. a b. Clara, Etwaa fttr alle 8, 123 (1711). 
Meletaott (= J. L. KoBt), Tugendachule (om 1730) b. 479; *Oie Übel 
belohnte verehrang\ Firmemcb, Germaniens völkerstinuncn 2, 266. De 
Mont CD De Cock, Vlaemsclie vertelsels 1898 b. 41^5. G. d'Aurigny, Le 
tuteur d'amour 1546 bl. 97a: »D'un qni songea avoirtrouve un tiesor'. 
Recueil von allerli. collectanei.«! 17, 87 (1720). Plancher de Valcour, 
Le quit:p fCoiitf? en vtri" iniit^'^ dn Moyen de parvenir 1874 p. 90; 
vgl. H"_>: lircroint . Boira, Et libro de los cuentos 1S02 1. 165 'Kl tesoro' 
(gedieht). Krvptadia 6. 130 » J899. Rul^nirisch). — Enttcrntt r *»teb»'n: 
Sacchetti, N<>vt lit' nr. lt>4; ein nauitnlufte.'! meisterlicd im blühi iidcu 
ton Frauenlübs 'Der gcitxig in der schatzgruben' = oben s. 380 nr. XV ; 
Melander, Joci atiiue Beria 1608 nr. 15 (verliebter BOldat). Merkens, 
Detitscher huinor b. 101 nr. 126. 

38) Von einem p f a f f e n . d <■ r n i t w o H 1 d e n , das 
8 e i u b a u r e n e i n a n d e r n Ii i e » « e n liegen, > u n d e r s o 
ü i n e r e t w a n n i t d i e w 51 r Ii (• i t k a g t , h o 1 1 «1 e r a ii d e r n u r 
mit dem maul w i s p e 1 e u oder p f e i 1 1\' u , damit d i s e r 
selbs merckt, das er darneben geredt hett — Abgedruckt 
bei Waekemagel. Lesebuch 8, 1, 448. Hub, Die kom. litt^ 2, 29. ~ 
Vgl. oben zu nr. 18. 

39) Von einem e i n f e 1 1 i g c n b a w r e n , der da b c i ( h t 
und kund nit betten. — Abi:''dru( kt bei Goedeke, Schwänke 
f. 171. Bobertag, .^iliwäuke «. 194. Melkens 1879 .s. 153. M^iktiiH, 
Deutscher hmnor o. j. 8. 31. — Frei übersetzt im Cluchtboeck, Ant- 
werpen 1576 B. 68 nr. 86: 'Yanden boer ende den priester, die hem 
hadde leeren bidden' (TijdBchrift 10, 133) =s Groot klugtboeck 1680 
a. 69; danach A. Tyron, BecneU des nouvellea, apophthegroes etc., 1591 
bl 46 nr. 83 (Herrigs ardiiv 94, 138). Thresor de recreatiouB 1611 p. 
284. — Vgl. Kirchhof, Wendanmut 1, 244. ZincgreiT-Weidner, Apoph- 
thprrmuta 5, 110 (1683). Vademecum f. lustige leute 1, nr, 152 (1767), 
Jdcrkens, WaH sich das volk erzählt 1, 251 nv. 298. A bundred mery 
talys ed. Oe:iterley 1866 nr. 67. D'Ouville, Elite des contes 1, 72 ed. 
Brunet ivs:^. Nasr-eddins schwänke Ubers, von Camerloher 1Ö57 
nr. 105; vgl. H. Köhler, Kleinere schritten 1, 497. 

40) Wie einlandsknechtmit «einem wol springen 
ttmb ein echOne« meit.lin kam und niAst die nacht ne- 
ben einer süwateigen über nacht ligen. — Abgedruckt bei 



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Rollwagenbfichleiii, aninerkiiiigeii (88—45). 373 



Hüb, Die konu Ht. 2, 38. (ioedeke. Schwanke 8. 204. Bobertag, Schwanke 
«. 195. Alldeutscher schwank und scher/ 1880 «. 69. Mcrkfiis 1879 
B. 154 r= Merkenp, Dnnt<?«^hfr hmnor o. j. s. fiK'rset'/.t bei Iltih- 

Vuisch, Sylva 1568 p. 6'«: 'C^iioaiodo iuvenil qiiidain ?-iio «altu asrili p«'r- 
didit Bcitam puellaai et coactns erat pem«M tar<' in pnixili'. Grot»t 
klugtboeck 1680 i«. 164: 'Van een lantsknecht, die met sijn welspringhen 
een «choone maecht verloor'. — Vgl. Midrasch Echa rabbati flbettr. 
▼on A. Wttiwche 1881 s. 49. 

41) Von einem f ü r m .i n n , welcher einem p f a r h e r r 
nit hundert ostgoten füren wolt. — Abgedruckt bei Bo- 
bertag, Schwanke s. 197. 

42) Von einem grossen m a r t e r h a n s o n , wie p r in 
einen e r n o r oder b e i n h a u ß gefallen i a t — Abgedruckt 
bei Bobert^g, Schwanke g. 199. 

43) Ein baur underatAnd ein kriegsmann nmb sein 

p f e r d zu b e t r i e g e n , die s a c h aber g 1 0 n g w i d e r h i n n 9 
h i n a u ß. — Abgedruckt bei Goedeke. Schwanke b. 207. Bobertag, 
Schwänk« 8. 201. Übersetzt bei Hulsbusch, Sylva 1568 p. 66: 'Buaticus 
tentat circumvenire miiitem in emption« equL' 

44) Einer vertreib seinem alten weib das hanptwee 
(durch scblftge). — Abgedruckt bei Hertxog, Schiltwacht 1560 nr. 80 
(MontanuH, Schwankbücher 1899 8. 651). Bobertng, Schwanke s. 208. 
Übersetzt bei Hidsbnscb, Sylva 1568 p. 68: 'Qnidajn sedat vetnlae snae 
dolorem capitis'. 

46) Ein mftder fand zwen kOpff an seinem bett. aU 

er morgens von der matten kam. seinen wet/steinsft 
bo!pn. — Abgedruckt bei Bobertag, Schwanke h. 205. Gereimt von 
Mahrohb Roldmnrsch kästen 1608 nr. 12 (Frey, GartengeBellschaft l^J^»^ 
8. 2r.Sl — Vrd. .Jacques de Vitry, Exempla ed. Crane 1890 nr. 251 = 
Wright, Latin «tnrip* nr. 14 fPorry society 8. 1842). ^^(Ii. Scotns, 
Mensa philohophica 4. 19 (Heidell. t.'. 1489 bl. 04b: 'herb i k i- v e le' *)). 
J. Sommer, Emphistrum Curneliantua IbU") nr. 81 (kervel). Hagen, Gesamt- 
abenteuer 2, 361 nr. 88: 'Weiboilist' (kervelkiiU). II. Sachs, Der pawer 
mit dem plerre (1548: Schwänke 4, 431 nr. 530. — 1553: Fastnachtspiele 
5, 45 nr. 54; vgl Stiefel, Germania 86. 85. 37i 212. Zs. f. Volkskunde 
8, 79). Fischart. Oeschichtklitterung 1590 s. 285 = 1891 s. 281 (ker- 
belkrant). Tb. Hock, Schönes blnmenfeld 1601 cap. 84 ^ 1899 s. 121 : 

1) Dem kerbel schrieb man mancherlei Wirkung zu; eine nmden* 
tang aus korb bei Grimm, DWb. 5, 560 (kerbelkraut). Mnsicalischer 
lenthe spicgel 1687 nr. 9: *Das kOrbelkrant die buhler thut angehen*. 
R. Pieper, Volksbotanik 1897 s. 83 (fumaria officinalis) und 225 (an- 
thriscns eerefolii). 



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374 



Georg Wickramt 



'KörblkrAiit. J>if [uiiL'-tituf gattiiij mahlt ihm für «lif .lu^nii »-in 
schein, das all 'lin^' ilin «luiickt zwifach sein.' 8»*bilIot. lu-vu«- il»-- tra-l. 
pop. 9, 348 (hi heilut'i. Moltzer, De middehicdeilainischc <li amat i-' lie 
poezie 1875 ». 60: Lippijn (die gevatterin erklärt den bubler lUr ein 
alpgespennt, *ene elvinne*). — Entfernter etehen andre sinnestRu 
Bcbungea, die eine ebebrecberin ihrem gatten einredet: Boccaccio 
Decamerone 7, 9; Liebrecht, Znr Volkskunde 18798. 185; Baaset, Reine 
dcB trad. po|». 17, 156; R. Kfihler, Kleinere achriften 2, 669. JeUinek 
fiupborion 9, 162 t 

46) Ein voller p f a f f w o 1 1 z fi einem k fl n i g r e i c h ') 
g o n , f a 1 1 i n o i n w o 1 f f h g r ü b e n . als v r v o r iii e i n t , e i n 
e n t f n z ii Iahen. — Ab(r<»drnrkt liobtTtag. Srlnvänko s. 205, 
I l»( r>ttzt von HulsbuHch. Sylvii 1506 8. 12; '.Sacerdos vultn« comesga- 
tioiu tii adire incidit in luvtanr. — Im gedichte *.Sacerdos et lupus' 
(Griimu ^5chnjeller, Latein, gedichte 1888 s. 340) langt ein priest« r einen 
wolf in seiner grübe, ätUvzt aber gleicht'aJU hinein; als er ang.-^tvoU 
betet, sx'''i"K^ ^^^^ «einen rAcken und dann aus der grübe hin' 
aus. Einen 1447 in Wicoet (Ricoet) bei Aeist geschehenen Vorfall be- 
singt der Brüsseler Schulmeister Reiner in distichen (Magistri Renen 
de Bruxella Tragoedia ed. L. Tross, Hamm 1848): ein wandrer, der 
eine Ober einer Wolfsgrube angebundene gan- ><*dilen will, fallt hinein; 
bald darauf folgen ein wolf und ein französischer kranicr mit eisernen 
töpfen: als am morgen die bauern hinzukommen, will der dorfrichter 
die bei<len nilinin'r zuerst als diebc hinrichten lassen. begiiÜLrt '«ich je- 
doch dann mit ihnm <:f.^li1i' iniri den t">pf»»Ti: d»^r wolf abrr wird ge- 
tötet. Dagegen Ktürzen in <1< r vfibreiteten er/iililnng votn »• h e 1» r 
cheri wehen pfaft'en nach einander wolf. iitiitl.'. iu.i^mI un-l eUi-Urau 
in die Wolfsgrube und wt^rden vom ritter gefunden und beaii.ilt : Eticnne 
de Bourbon, Anecdotes hiist, ed. Lecuy de la Marche 1877 p. 403 ur. 468 
(strafe nicht angegeben). Lateinische prosa des 15. jahrb. oben s. 832 
nr. XVIa. Lateinische distichen, 1575 von A. Husemann aufgeteichnet 
bei Mone. Ans. ;1839, 105 oben s. 832 nr. XVlb. Bosenpiat, Von 
der Wolfsgruben (Keller, Erzählungen aus ad. handschriften 1855 s. 865. 
Auch in der NQm berger hs. 5839a, bl. 122a). Hans Sachs, Der pfafT 
in der Wolfsgruben (1548. Fabeln und schwanke 1, '298 nr. 103 und 
4, 824 nr. 458; vgl. SÜofel. II. hs-forscluingen 1894 s. 100. In all 
die'^f^n fftfsungen wird der pfatte entmannt). A. de la Sale, Gent nou- 
velles nouv. nr. 50 («11<^ \\<-r irefangenen werden verbrannt); naeher- 
zählt von Kirchhof, Wendunmut 2, bi und Maleapini, Ducento no* 
velie 2, 1. 

* 

1) i her das wort 'königreich' vgl. Frey, Gartenfr''«ellschaft 1896 
n. 300; dazu noch F. Ortlcpiu.s, Freyhens- oder hochzeitformular (Helm- 
stadt 1Ö9B) bi. d6a: *bey königreicheu oder andern Wohlleben'. 



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Kollwagenbüchleij), anmerkungen (4&— 53). $75 



47) V () n e i n m ii ii <: *■ 1 <■ r t e n p f a f f e n , der den k a- 
lendcr nit verstiiud. — Ali£r<'<lnKkt V»ei Hertzog, S<hiltwao]it 
1560 nr. 81 (Montanus. Sc-hwankhüfli-i 1^99 s. 651). Wuckirnai^r.^, 
Lesebuch 3, 1, 449. Hub, Die kom. lit, 2, au. MerkeiiB 1879 s. 157. Mur- 
kens, Deutlicher hninor a. 37. übersetzt bei Hulsbusch , Sylva 1568 
8. 74: *Indoetus presbyter ignorat eunin diannm seu kalendarinm.* — 
Vgl. Bolte xtt Frey, Oartengoiellschaft nr. 14; ferner H. Sachs ed. Kel< 
ler-6oet£e 25, 280 nr. 2666 (= Frey s. 170). Ana 1, 827. Hang, Spiele 
der laune 1826 s. 94 Meyrac, Traditione popw des Ardennes 1800 
p. 442. Ispirescu 1875 p. 86 (Mag. f. d. litt, des ausländes 1879, 595). 
R. Köhler. Kleinere Schriften 1, 484 (Nasr^eddin nr. 9). Revue des 
trad. pop. 17, 97. 

48) Einem Juden büßt einer den hfisten. — Qereimt 
von H. Sachs, Der Jued mit dem regen huesten (1556. MQ 15» 812a. 
Keller-Goetxe 25, 508 nr. 4941). 

49) Ein einfaltig weib berichtet, wie sie in der 
fasten fleisch hett gessen. — Abgedruckt bei H. Kuns, Lit- 
tei-aturgescbichte 2, 157. Goedeke, Schwanke s. 181. Qereimt von H. 
Sachs, Des pabst flaischkanff (1556. MG 15, 813b, Keller-Qoetse 25. 
503 nr. 4943). — Vgl. Chph. Lehmann, Florilegium politicum 1, 224 
(1662. 'Fragen', 16). Ziiiosreff-Woidner , Apophthegmata 5, 97 (1683). 
Hemel, Lustige geseUschaft 1660 nr. 481 = 1701 nr. 401. 

60) Ein edelmann verbot seinenbawren sft schwe- 
re n (erlaubt ihnen aber schliesslich pestileus und franzosen). — Ab- 
gedruckt bei Ooedeke, Schwanke s. 177. — Niederdeutsch im Wege- 
k5rter 1592 bl. E2b nr. 24 (Nd. jahrb 20. 135). Gereimt von II. Sachs, 
Der vogt mit sein floehenten pawren 1556 fMG 15. 303b. Keller-Goetz© 
25, 502 nr. 4982). — Vgl. Bülte xu Frey, GartengesellKchaft. nr. 19. Hier. 
Wolf, In Ciceronis Offieia conmientarius , 1584 p. 378 ~ Mclandor, 
Joei at<{np s»^rin 1603 nr. 161: 'De rusticia quibusdttm aaxonicis.* Bebel, 
Facetiae deutsch ICOC s. 32. 

51) £ i n g e i t z i g e r verzagter p f a f f k 1 e p p e r t mit 
beiden henden auf der kantxlen zuHammen und achipy: 
*Gelt har! üschu t* i n d p 1 e t z.' — AU^*-dnukt bei H<rt/)Lr. 
Sehiltwacht 1560 nr. 82 (Montnnn-. Srhw.itikl.ür lu;r 1899 s. 651). — 
Vgl. d.i« Tiipisterlied 'Von deß pt;itl. n drei stuck in der predig oben 
8. 321 nr. IX und dazu s. 364 anm. 1. 

58) E i n e r s a t /. t seinem g e f a 1 1 e r n ein h i n \ t 
b r u nt 7. a u f f den k o p f f in einer a b c n z e c h. — Vgl. 1' i - y. 
6artenge.«sells^chaft nr. 77 und 90. Zu 68, 31 vgl. den kurz zuvor .m- 
geführteu Grobianns von Dedekind-Soheidt (linil; neudruck 1882) rand- 
note 2U V. 3590: 'Je wü«ter, je lieber'. 

58) Ein gftter schlemmer dichtet ein liedlin, da* 



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376 



Georg Wickram, 



mit ward sein würt bezalet von <} o n Fuckern 'Orniipn- 
wuklt in Augsburg». — Abiff^drncki in n Km t/.wf»iligen luul ImoIkt- 
lichen geschichttMi 158:* s. öHii; Arnim-Brent iino . D'-s knaben wuiuler- 
horn 1 (180G), vorrt-de; Uhland, Volkslieder 2,619 iir. 238 (1844): Wa- 
ckernagel, Lesebuch 3,'l, 451; Kurz, Litteraturgescbichtc 2, 156: Mer- 
kens, Dt8ch. hnmor 1879 a. 160. Vgl. Uhland, Schriften 2, $92. 3, 455. 
4, 216. 

Die historischen facta nnd personen, der Augshurger reichstag von 
1580, auf dem Karl V. im hause der brOder Raimund (1489—1585) und 
Anton n493 — 1560) Fugger wohnte, die er kurz mvot in den reiche« 

grafenötand erhoben hatte, und der herzog Wilhe 1 ni IV. von Bayern(geb. 
1493, gest. 1550) sind iu Wickranis er/.ählnng richtig wiedergegeben; 
nur der musiker N. G r iin en w al dt ist, wie A. Sandberger (Beiträge 
zur ge.xchirhtp dt^r l»;iyprisch«Mi hofkapelle unter Orlando di Lasso 1, 
17. 1894) bemerkt, nrich rinf rlw.is in A>*v bift stf^lipndf por^-önlirbkeit. 
Mit dem 1530 zu Kulstein als wit^dertäuter verbrumitt ii -< hii-t<'r Cieorg 
(CJ i iniiwaldt . der das lied 'Kombt hrr zu mir, spricht gottes söhn* 
^V.lckernagel , Kirchenlied 3. 128 nr. Iflß) dichtete, wird ihn iiaiürlich 
niemand identificicren wollen; aber auch an den 'instrumentisten Jörg 
Grunwald von Ifümberg*, der sich im niai 1581 um eine anstellung an 
der Stuttgarter hofkantorei bewarb (Bessert. Wflrtterabergische vier- 
teljahrshefte für landesgcschichte n. f. 9, 288. 1900) , darf man aus 
chronologischen grOnden kaum denken. Diesem Nürnberger GrOnwald, 
Uber den sich leider im Nürnberger Stadtarchiv keine urkundliche 
nachricht auffinden liess, gehören dagegen offenbar ein 1569 gedrucktes 
lied von der Budit iil<liiiu'.' bei Nürnberg (Bolte, Alemannia 20. 163), 
ein von Leonhard Lo(*hner 1576 komponiertes Ii» d mit fl* r nnterschriti 
Gru:' ') und neun weitere iiebealieder an, die A. Kopp (Zs. i*. dtsch. 

1) L. Lechner, Neue teutsche lieder zu drey stimmen nach art der 
welschen villancUen 1 (Ntlrnberg 1576) nr. 17 = Lechnt r. T-^utsche 
villanellen mit dreyn stimmen (Nl>g. lä'^r,) nr. 38 = 1590 nr. 38: 

1. Mtisicn kliiiig, liebliclier gsang 
Kri|\ii('kt all/.« it wo irübäal leit. 
Und thut dariiiu ertrewen. 

Kein falsches hertz, sonder bewerts 

An dem, ders meint in trewen. 

2. Drumb komm zu mir, . ist also dir; 
Bist trabselig, gar nit fr61ich, 

Mach dir selber nit schmertzen; 

Vnd wann man singt, daß lieblich klingt, 

Wirst freud haben im hertzen. 
1580 komponierte Lechner auch einen für die pfalzgräfin Dorothea ge- 
dichteten achtstrophigen text Grünwalda vierstimmig (Uhland. Schrif- 
ten 4, 217). Mustert man Lecbners sonstige texte, so gerät mau leicht 



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RoUwagenbfleblein, anmerkuiigeii (58—55). 377 



phil. 82, 241. Archiv f. neuere sprachen 107, 1) scharfsinnig' auB flüg- 
blatt^rn und bss. der «weiten hälfte des 16. jabrbunderU zasamnien- 
gesiellt hat>): 

Dantz, niävfllfin, «lantz (13 ftr.). 
Gur hi*ti;^' ist -)>:i/.i»'i t'ii gehn (8). 

Glaub nicht her/.lieb, sagt man viel arijs vini mir (8). 

Guter gesell, thu mit mir gehn (7). Gedruckt i.>G9. 

Gut gesell, und du must wandern (9). Ambraser liedeibuch 

1582 nr. 250, 
leb bab mir ein maydlin anßerwöhlt (6). 

Mein feine Heb ist von Flandern (7). Von Georg Hager nacb* 

geabnii. 

Mein berts ihut aicb erfreuen (18). Verfaaserechaffc unsicher. 
Mir liebt im grünen mayen (14). Nach Hans Sachs. 
Mnsica klang, lieblicher gsang (2). Gedruckt 1576. 

Nun giüß dich polt im her/.eii (4). 
Fa«t alle diese lieder sind dur'^h akrosticha f^Grnmvnldi od( r anspif- 
huisfpn nnf df*n grfinen wähl oder •■ndlich Hiirrli (iir.-kti' ii.mu iisnrnmjng 
(am -^rhlur-sc' von *lch hah mir': .löii; < tnini-nwalde) j^fkeiuii'A'it liiut. 
Somit haben wir tU"ci dicliti r deH 10 j ilnhundcrt« zu unterschpidmi. 
die den mimen Grünwald trugen: den witiit'rtäut'cr, der 15S0 aul kU-ui 
«cbeiierbaufen endete » den MOnchner hofmusiker unsrer erzälduug 
und den NQmberger inetrumentieten, der 1581 noch am leben war. — 
Das poem des sechlustigen MQnchners 'Ich stAnd auff an eim morgen^ 
isti wie schon oben bd. 2, XXXV* bemerkt ward, nach der weise des 
verbreiteten abachiedsHedes *Ich stAnd an einem morgen* (BOhme, Alt> 
deutsches liederbnch nr. 269. Erk-B6hme, Liederhort nr. 742) gedichtet. 

64) Ein wUrt zft Ingelatatt bracht mit listen ein 
ketten von einem jungen edelmann, (der ihm die zeehe 
eehnldete). — Abgedruckt bei Goedeke, Schw&nke 1879 8> 125. Über- 
eetst bei Hulsbusch, Sylva 1568 p. 76: Tandocheus Ingolstadiensis arte 

quill] iim jMititur eathena anrra'. Groot klugt-ltoeck, Amsterdam 1680 
8. 167: 'Hoe dat etui weerdt binnen Ingelundt[!] met practijcke eenen 
gouden keten kreegh van eenen jongen edelman.' 

55) Ein grawsame und ers cbro ckenli c he htstory, 

* 

in versuchiiijg. uubtini dichter noch andre stucke zii/.u \v«'ist'i), in denen 
die grüne färbe gepriesen wird; bo Canzonen 15S6 nr. 4: •Gott grttss 
mir die im grünen rock*; nr. 5: ^Welcher wird mir eins bringen'; nr. 
U: 'Ich weiß ein blum*. Newe teutsche lieder 1581 nr. 16: 'Ich gieng 
einmal spacieren* (abgedruckt bei Goedeke, Liedeibuch aus dem 16. jb. 
1867 s. 3L 189. 82. 81). 

1) Nur darin irrt Kopp, dass er diese erotischen poesien dem schon 
1580 hingerichteten wiedert&ufer xuschreibt. 



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S78 



Georg Wickram, 



HO fä i c h a M !• h v <• ii w «• g v u e i n e s k a ii 1" t s o d e r t a u sehn 
ziigetraj^en hut — Übersetzt im Wegekörter 1592, bl. D6a m. 22 
(Nd. jalirbuch 20, 1^5). 

M) Wie f w 6 n d i o l) p i n c ui p f a f f e n das p o d n g r u ni 
vertrieben, [iiU er sich von seinen knechten in dn« boinhnnR tra- 
pen . wo d«'r rin** di«'l) nüss^e knackte uml den liäuinieldi«'! > .t- 
wartete]. — Al•^'<•^l^uckt Ijiei Hertzog, .Schiltwacht 1560 «r. 1^6 (Muuia- 
nnH, Seil wHJikbik her 1809 s, G."»!). Wackernugel, Lesebuch 1. 455 
Hub. Die koin lit. 2, 32. l'bersetzt von HuUbusch, Sylva 15G8 p. 78: 'Duo 
fureu pellunt a sacerdote potlagram' = oben fl. 333 nr. XVII. — Vgl, 
Bromyard, Summa predicantium 0, 2, 6 = oben b, 8S4 nr. X Villa. 
Jobannes Junior, Scala celi, de forto = oben e 884 nr. XVIlIb. Pauli. 
Schimpf nnd ernst nr. 82. H. Sachs, Die pachanten im kerckcr (1582 
im langen ton des Hopfgarlen : Schwanke 8, 93 nr. 31. — 1«'>48 im ro- 
senton H. Sachpen: ebd. 4, 317 nr. 449. Keller-Qoetze 25, 271 nr. 2569 
und als j^prnchgedicht: .Sehwiinke 1, 292 nr. 100. — ir,r,8: M. 
2, 58 nr. 210: vgl. Stiefel, H Siichs-forschungen 1894 8.93). Drei ano- 
nyme meisterlicder : im rosrnton H. Sachsen 'Die zwen dieb im bain- 
haub' (ül)eTi s. nr. XX), im süssen ton Härders 'Die /.wen studenten' 
(oben 8. nr. XXlj und in der lewenwcivs Peter FI' i-chers (oben 

s. 339 nr. XXII I. Kvrinif, (^oj»in ]>rov^ rbii>i um 3, 175 (1004) = ol>en 
s. 3;i"> ni. XIX. Moiii.ugluu Ivavjuiud , I'.ibliaux 4, ^^7 nr. 96 *Estula' 
(IS'^O). iiiib^-rt, Nüuvelles historiettes 1781 p. 77. Langbein , Feier- 
abende 1, 199 (1798): «Bist du da?* = Gedichte 1820 2, 171. Grübel, 
Gedichte 1. 31 (1802): 'Der geiObock und die todenbeine*. Scbnieller, 
Die mundarten Bayerns 1821 s. 438: *Die hcilung vom podagra\ W. 
J. Wilms, Een dOntje Tan Malljann (Leopold, Van de Scheide tot de 
Weichsel 1882 2, 62). Finnenich, Germaniens vdlkerstimmen 8, 75. 
476. Jahrb. f. landeskunde von Schleswig-TIobtein 4, 16*? nr. 68-69 
(1861). Jahn, Volkssagen ans Pommern 1889 nr. 635. Haas. Sehnurren, 
schwanke und erzählnngen von der insel Rügen 1899 nr. 14 und 18. 
W'iAf. Deutsche hausmiirchen 1858 t04. fJnmni, KHM. nr. .59 'Frie- 
der und Cathcrlieschen' , schluss, (iruii<lt \ itr . (J.imlp dauske minder 
1. 107 nr. 115 *H:«^selnftdd''i ne" (1861). Aslijoi n , n-AJoe . Norwegitiohe 
vulk.">iniirchen L', Ii nr. 3J (1847). Wigström in Svenska landsmalen 
r>, 1, 90 (1884). Notes & (lueri»'.- 5. ser. 5. 49<». 9, 154 ((hoker, Killar- 
iiey legends c. 7 u. a.). Hlade, Contea pop. de la Gascogiu; 3, 389 
(1886). Fineau, Contes pop. du Poiton 1891 p. 280. S^billot Litt 
orale de la Haute-Bretagne 1881 p. 118. 182 und Revue des trad. po- 
pnlaires 9, 844. Imbriani, Napoli letteraria 1885, nr. 2. A hundred 
mery talys ed. Oesterley 1866 nr. 18: *0f the mylner that stale the 
nutt VB and of the tayler that stale a 8hepe\ Macropedius , Bassoms 
154U. actu.s 4. sc. 5 (der voni listigen kUster Bassiirus getraL" '!.- ]iudar 
grische pfalV Hieronymus hält den auf dem kirchhofe nü«se knrH kenden 
knaben Fhorus für den teiifel^ dieser fragt: 'Ipsum habes?* Bassarus: 



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BollwagfsnbÜchleiD, luunerkungen (56—59). 379 



*Habeo*. Pbonta: 'Num pingnis est?* BaaBaruB: ^Sea pingais aut ma> 
cilentus est, habeto eiim.* Damit wirft er den HieronymiiB troto Beines 

fleheiis liiii, und die angiit macht dienen »ein podagra vergessen). 

H. Kurz vermengt hiermit die erziihlung von den beiden mönchen, 
die ein gesprilrh ilucr f^hr-amon wirte vom s c h w e in e sc h 1 ii c h t t»n 
auf sich btv.icht'ii : Mai uMK iit»' irAiigoul^me, Hf'ptnmeron nr. 34. iJ Üu- 
ville, L'elit«' lics contus cd. iirunet 188H 1. 85. Lesj recreations tVan- 
voises 1662 1. -10. Cuts bei J. van Nyenborgh, Tooneel der ambaehten 
2, Hü (1659). Wolgemuth. Haupt-pillen 3, 73 1669 s. 139). Langbein, 
Schmolke und Bakel (Gedichte 1820 1, 252) = Firmenich, Germaniens 
▼dlkeratimmen 1, 19. Montanus, Vorzeit von Cleve-Mark 2, 499 (1839). 
P. L. Conrier, Oeovres 3, 172. 

57) Ein F r a n c k h a t s i c h a u s e i m b f c h e i k i a ii k g e- 
trunken, — Abgedruckt bei Goedeke, Sehwänke 1879 s. 1;}U. l'ber- 
setat bei Hulsbusch, Sylva 1568 p. 80: 'Potator insigui» vult ex men- 
Biira bibere.* — Nr. 57, 58 und 00 beruhen auf dem meisterliede deB 
H. 8aeh8, Die drey scbwenck (1586. Sohwänke 8, 144 nr. 58; vgl. EeU 
ler'Goetze 25, 79 nr. 716. Stiefel, H. Sachs-forBchungen 1894 s. 148), 
das auf Paulis Schimpf und ernst nr. 234, 288 und 285 zurückgeht 
ünsre nr. entspricht der ersten atrophe und Pauli 284. — Vgl. Anti« 
dotum melancholiae 1668 p. 17: *Bibo lepidus*. 

58) Ein Bayer as» salz und brot, damit im der trunck 
schmecken seit (als das schiff unterzugehen drohte). — Abge- 
druckt bei Goedeke, Schw&nke 1879 s. 254. — Vgl. Jacques de Vitry, 
Exenipla 1890 nr. 208. Broniyard, Summa predicantium T 4, 17 = 
Wright, Latin stories 1842 nr. 142. Mich. Sootus, Mensa philosophica 
p. 229. Yincentius Bellov., Speculum morale 8, 4, 4 p. 1154. Bebel, 
Facetiae 1, 34: 'De quodam in tempestate marie deprehenso' und 8, 1 
(ausführlicher). Gast, Convivalium senn, 1, '281 (1549\ .lae. Pontanus, 
Attica bellaria 1644 1, 5, 59 p. *2'25. Pauli, Schimpf und ernst nr. 235. 
H. Sachs, Die drpv schwenk str. '? (1.586. Sehwänke 3. 144 nr. 58). 
.T. Sommer, Emphifduni Corii' li.inum 1605 nr. 74: 'Von einem fäclulF- 
knecht'. Memel , Lustii^r lls( haft 1660 nr. 706 = 1701 nr. 657. 
Lehmann, Exilium luelaneholuie 16t»9 t«. 518. Vori-ath artlicher ergötz- 
lichkt'iten 1702 nr. 144, Riederer, Poetisches H< liertzcabinet 1713 nr. 64. 
Siuneräberg, Belustigung vor frauenüimmer 1747 nr. 658. Lyrum larum 
Ijrissimnm (Merkens s. 80). Angenehmer zeitv^treib 1748 s. 155 (kinds- 
mdrderin, die ertränkt werden soll). Domenichi, Pacetie, mottt e burle 
1581 p. 91. (Dampierre,) L'^cole pour rire 1679 s. 65. L*enfant sans 
Boucy 1682 p. 2. Contes k rire 2, 68 (1752). Roger Bontems 1731 
p. 125. Certayne conceyts p. 4 (Shakespeare^s jestbooks 8. 1864). 

(9) Von einem, so gottfar seiner armtitdancket 
(als ein reicher domherr plandemng durch die Franzosen fOrchtet). — 
Abgedruckt bei Goedeke, Schwftnke 1879 s. 289. 



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380 



Georg Wickraas, 



00) Ein Schwab b e k 1 a p t «ich, das g o 1 1 ii i t a u i Ii i ii 
S c h w a b e n 1 a n d g w e i n e t Ii e t t als w o l als in 1 t a I i e ii. 
— Abgedruckt bei üoedeke. Schwanke 1879 s. 266. — Quelle ist, wie 
SU nr. 57 bemerkt var, H. Sachtem raeisterlied 'Die drey schwouck' 
(1Ö36) Str. 2. Vgl. unten nr. 98. Pauli, Scbinipf und ernst nr. 233 = 
1545 bl. 80a. Scberts mit der warbest 1550 bl. 74a. H. Vogel. Der 
Schwab mit den goteüzehern (1560) = oben t. 841 nr. XXIII. Memel« 
Lustige geselluchaft 1660 nr. 884. Biederer. Das poetische sohertz- 
cabinet 1718 bl. B 10a nr. 40: *Die schwäbische einfalt*. Yademecum 
£. lustige hüte 3. nr. 145 (1707 u. 1781). Schnieller, Die mundurten 
BuyeniK 18*21 s. r).V) : 'Jacob beim wein'. Ditfurth, Alte schwank und 
uiäHein IS'77 p, 176: 'Juckele'. Aurbarher. Ein volksbüchlein ' 1, 183 
(1879). 8imrock, Die sehwiniixche Ilia.s 18.')i) s Iii. Langiu.«*, Deino- 
critus ridens 1089 p. -^24 (1, luv». 30 ). Paran«;on tles uouvelles honuestes 
1531, ed. Mabille I80ö p. 159 (nach Petrarca?). 

61) Ein reisiger k n e c Ii t reit ein b ü c h s e n s c h u t z 
von C o hu n r . e n t s c h 1 a f f t . k u in ni t wider hinein, meint, 
er 8ey •. u Schlei stett. — Überfietzt im Wegekörter 1592 bl. 
E5a nr. 20 (iNd. Jahrbuch 2ü, 135). 

68) Von der beflrin und der süssen Martinsmilob 

(die ein drescher nachts über sie BchiUtet). — I hersetzt bei Hulsbuüch, 
Sylva 150S |i. rusiica et didci larte divi Martini* und im Groot 

klugt-boi'ck, Anifiterdani 1080 169: Van een boerinne ende s. Mar- 
tenavondt.H soete -melck.' CH-reinit von H. Sachs. Di r dre.-<cher mit der 
niillich (1550 In ']<'r sclirinfkwi i^' Rönifr-;. K('ll»'r-Go«'t/.e 25, 501 nr. 
4921. — 1551». Krllri Guet/.e 9. 514 ^ Schwanke 2, *209 nr. 259: -Die 
pewhn mit der dicken niillich'. Stiefel . H. Sachs-forschungen 1894 
e. 161). — Vgl. Kirchhot*, Wendunmut 1, 197 wozu Oesterley falsch- 
lieb auf Memel 60 verweist). Blätter f. pontmerbche Volkskunde 3, 21 
(1895). Mont>Cock, Tlaamsche vertelsels 1898 s. 279. Revue des trad. 
pop. 12, 175. Morlini, Novellae 1520 nr. 59 (kuchen). Straparola, Pul* 
cevole notti 13. 8. Krvptadia 2, 197 (1884). 4, 61. 375 (1888). 

63) Von einen» laut sc h r e y enden m U n c h a u f f d e r 
kantzlen und einem alten weib. (Sie weint in\ andenken 
an ihren escl). — Abgedruckt in Schimpff und ernst, Ff. 1560 bl. 165b 
:= 1.568 bl. 195a. Wackernagel, Lesebuch 8, 1, 457. Hub, Die kom. 
litt. 2. 34. — Vgl. Vitiy, Kzempla 1890 nr. 56 es Scala cell 1480 bl. 
25a: *De cantu vano*. Magnum speculum exemplorum 1610 p. 91 
(Cantus 9). Hollen, Preceptorium 1489 bl. 110a = oben s. 843 nr. XXIV. 
Sermonum (1517) pars estiv. 4, H; pars hyeni. 7, E: De dedicatione 
ecclesiamm sernio 8, F. Hervi< nx. Les fabulistes latins X 350 nr. 43: 
'De sacerdote horril>iliter cantnnfo'. Bareletta, Serniones 1505 Id. *25b. 
Kecull de eximplis 1881 nr. 99. Hemmerlin. De nobilitate et rustici- 
tate (um 1480; bl. 8a. roggiuf», Facetiae nr. 230 (179Ö 1, 2B4; vgl. 



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RoUwagenbQcliloui, aanurkaagen (60—66). 3g 1 



2. 2-20— 223). B. de Iii Monnoye, Oeuvreg choisies 1770 2, 329: 'Cantor 
lacriniaä elicienM'. Boner, Fabeln nr. 82 (vgl. Waa^, Die quellen der 
btisy»iele Boners, dis». üiessen 1897 8. hl). Pauli. Schimpf und f*rn:<t 
iir. 576. L. Lo88iu8, EpigraoimatH p. 230 = MelandiT. .loci atque seria 
lt>45i 2, 3 nr. 2: 'De sacrificulo iiuod.tm, cui iti»l>'iii vux tuit iuuieabili.s'. 
J. P. de Memel, Luatige gesellHchaft 1660 nr. 170 — 1701 nr. 164. 
Gerlach, Kutrapeliae 1, 552 (1656j. Antidotum melancbuliae 1608 p. 21. 
Abr. a «. Claira, Judas 3, 107 (1692. Nach Qotbobaleaii Hollen und A. 
Yalerio« Prato fiorito fol 415, 2); Etwas fOr alle % 141 (1711. Sänger). 
Cbpb. Friedertcif Oel und wein gegossen auf die wunden 1, 85 (1719). 
Vademecum f. lusL leute 1, nr. 174. Pfeffel, Poetische versnobe 1, 128 
ri802). Herkens» Was sich da» volk erzfthlt 2, 113 nr. 132 (1885). 
Nienwe snakeiyen (um 1700. Berlin Zb 6144) t*. 125. Merv tales and 
qnidce auswerea nr. 31 (Shakespeare"« jestbooks 1), Joe Miller 384. 
Sainct Gelay«. Oeuvres 1873 1, 274 — Kitn» r, 60 chansons zu 4 stimmen 
1899 nr. 29. (Dampiorre.t I/ecole pour rire 1679 ^. 15. D'Ouvillf. ('on- 
tes 1883 2. 297. Cuntes a nre 1.242 (1752). D' \.|iiin fb- rhateaui.\..n. 
Contes 1775 nr. 71. Ana 3, 130 U7öy). Revue de?* tmd. pop. 15. 
L enfant s. soney 1682 p. 80. Casalicchio, L'utile 1, nr. 34. Rej. F\i< . eye 
1574 (nach l'uggiu. Clii^anow^ki 1894 s. 339). Swynnertou, iiidian 
nigbts' entertainmentä 1892 nr. 6. Cloaston, Persian garden 1894 p 71. 
— Anders Merkens, Deutscher huinor s. 96 nr. 113 (*Hein brod brennt 
unterdes an'). NoSl («1 Poggius) citiert noch: Cabinet satyriqoe 
2, 34. Roger Bontenis. Parival, Histoires fac^t et morales 1669 p. 18. 

64) V o n e im- ni l) a u r e n, e 1 c Ii 0 m das ivi a n I 11 n \v i g- 
send aus d c m a n *• l k a m , n n «1 w i c im wider ge b o 1 Ifen 
ward. - Al.i:' <lru< kt in Sciiimpf und emst, Fl". 1563 bl. 100a = 1597 
bl. 103b. GoeUckt', iichwüiike 1879 s. 243. 1 hersetzt bei Uulsbusch, 
Sylva 1568 p. 83: 'De runtico, euiu.s os ignoranter dislocatuni est, et 
qnomodo curatns sit\ — Vgl. Fauatbuch 1587 s. 154 cap. 42 = g. 85 
ed. Milchsack 1592; danach F. Beer, meisterlied 1588 (Kupborion 6, 679). 

65) Einem w a r d e i n % a n wider seinen willen aus» 
brorhen, als er gern g e s s c n hctt. — Abgedruckt bei (loe- 
deke. Schwanke f«. '266. TMitn-^^'tzt bei Hulsbu-^fh , Sylva 1568 p. 85: 
'Quidam esurit. et exeritur t i invito dens'; \Veg«ik6rter 1502 1»1 J)'^ü, 
nr. 18 (Nd. jb. 20. 134 . Clu( ht l. H ck , Antw. 1576 nr. 87 (Tijtl.. hnft 
10, 134. 138) = Groot klugt-bueck 1680 s. 69. Thresor des recreations 
1611 s. 223. — Vgl. Bebel, Facetiae 3, 138: *De tnbas Bavaris" = Doctue 
nogae 1718 p. 48. H. Sachs, Dem Payren praeh man die sen aus (1547. 
Fabeln 4, 814 nr. 447). Kirchhof, Wendunmut 1, 200. Wolfgang Bant- 
ner, Meisterlied im verschieden ton Paulus Schmids, *Der Welsch beim 
balbierer' (1578) » oben s. 843 nr. XXV. Harten, Historien 1603 s. 80: 
'Von einem bawren, der gott dancket, dass er ein chriätenmenschen 
hdrte\ J. V. Audreli, Turbo 1616 p. 62 (II, 1); danach J. Mylius, Ger- 



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382 



Georg Wickram, 



uiiiuui luxurians 1075 akt II. 6 (v^l. Bülte. Nd. jb. 11. 164. Göckeiei, 
Ein Marbuigtji Urauiutiker. diss. 1092 s. 35). Gepflückt« fineken 1667 
8. 94 (1. tracht, ur. 75}. Giimmelshausen, Teut«icher Michel 1678 (= 
Schriften ed. Keller 1854 2, 1055: Franzose in Köln). Conlin, Narm- 
weit 1706 8. 219. 

66) Von einem scherer, der seiner milinen senf 
nnder das blfit sehn it. 

67) Von einem pf äffen, der by nacht auf einem 
Wasser seltsam obentheür erfaren hat. 

68) Von einem, der 8 c i n schuld b e y c h t c t (iind ein- 
fiUtige initw<)rt<>n fii' Vit). — Abpedruckt l»ei Hert/Of^, Schilt warbt 1560 
nr. 54 (Mnutuntis l&Jd s. 649. Hnlsbusch 1568 p, 2*27); (ioracke. 
8ch\vänk«; 182. — Zu dem dialoj^c "Wie heisst du? \Vii' iiirin va- 
ter' etc. vjjfl. Ammann, Volks>-i luius^piele aus dem liühuicrvvabl m, 21 
(I90O. Der bairisehe Hie«iel. 4 iuit/.ug). La riote du mondf (Zü. f. ro- 
man. phil. 8, 275 v. 17): 'Coment estes tus apellee? Sire« come cely 
qe m*ad Icvee. Gesti qe te leva. quel nonn aveit? Itel come je, sire, 
tot dreit*. Comedia von Aminta und Silvia IV, 2 (Liebeskampff 1630. 
EUinger, Zs. f. dtsch. phil. 20« 311): *Ich bin daher, wo mein kleiner 
bruder her ist*, Harleqoins hochzeit 1693 v. 898 und 405 (Bolte, Sing- 
Kpiele der englischen komödianten 1893 s. 161): *Mein vater heisst wie 
ich'. Chr. Beuter, Schelmuffsky et Schlampampe rei)res. par uno opera 
(um 1697) 8. 86: 'Ich heinse wie mein vater , . . Mein vater heis.st wie 
ich'. l)(>n .luiin (PupptMi.spiele bsi». von Kralik und Winter 1885 s.'90): 
'Wie heissst denn sein vater? !^a. ^viid so wie i. Wie heisst hernach 
denn du? Grad jso wie mein vater. Aber wie heis^st denn ihr beide 
alle zusammen? Bei un^ zwei da i« tmr kau unterschied, da heibt aner 
wie der andere.' Vennakelijke kliuhtvertelder (Gent um 1890) 8. 25: 
'Klucht van eenen beer eneenen waalschen knecht.* L'enfant saus soucy 
divertissant son p^re Hoger Bontemps 1682 s. 212: *Je m*appelle comme 
mon parrein\ Palcinella molinaro (Kopisoh, Agniroi 1837 s. 326): *Come 
ti chiami? Comme se cbiammava patemo. E tuo padre? Comme me 
chiiimmo io. E tu e too padre? Nee chiammammo de la stesita ma- 
nera.' Rolland, Rimes de Fenfance 1883 p. 801. 222. 227. Ähnlich 
Strauitzky, Ollapatrida Fuehmundi (1711) 1886 s. 6. 

69) Von einem knäblein, das meisterlich wol keg- 
le n kundt, wasabernoch zu jung au lernen b e tt eji. 
— ÜberBctzt im WegekOrter 1592 bl. D5b nr. 21 (Nd. jb. 20, 135). 

70) Von einem geschwinden jungen gsellen, der 
einen löffei mit ailber beschlagen in busen sties, 

d a ju i t er einen (jf e s t < i 1 1 n »■ n 1 ö f f e 1 h e r f fl r b r a c h t. — Ab» 
gedruckt bei Goedeke, Schwank.^ -. 128. (iereinit von H. Sachs. Der 
gestolen silbren löft'el (1556 in der hopf'enweis M. Vogels. Keller-Goetze 
25. 5U1 nr. 4917. — 1568; ebd. 17. '4%L Schwanke 2, 891 nr. 314. 



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Rollwagenbflcblein, anmerkongen (66—74). 383 



Stiefel, H. Sftchs-forsch. 1894 s. 170). — V|^l. MpttipI . f.ii'^tijip presell- 
Bchaft 1701 nr. 401. Hebel, Werko o.l. B.-luiu'h.-l L'. Kis m-. 'JS. - An- 
ders die geöchichten, in denen ein gast zu .-,( in. r l>< s( hinnung eines 
lötfei diebstahla t'ilUchlich bezicbtijrt oihn .lunh list, vrie Ben- 
jamin von JoBepb. ül»'r iTihrt wiid: Vaukverdr^ vtr IGüi* h. 419. H. Köh- 
ler, Kl. schritten 226. Kallas, Verh. der estnischen gee. ÜO. 141. 
148 (190U). 

71; V <> u einem r e n t e v , li c r » e i ii «• ii Ii u ii •! auch an 
das b e t t 1 e er e t. — Abi:» 'Iruckt l)«*i Gucdokc. bthwäuke «. 136. 
t'bertjet/t bei TIuUl)U.sch , Sylva 1568 s. 39: 'De e'inite, qui recubuit 
caneiu »uiau in lecto'. Groot klugtboeck, Amst. 1680 a. 139. Tyron, 
Recueil 1591 bl. 85a (Herrigs archiv 94, 133). Gereimt Yon H. Sachs» 
Der hund im i>ett (1556 im frischen tone H. Yogels. Keller^Ooetze, 
25« SOI nr. 4918. 1563: ebd. 17, 365. Schwilnke 2, 395 nr. 815. 
Stiefel H. SachS'forsch. 1894 s. 170). — Einigenuassen erinnert hieran 
die erzfthlung von der tasche, fiir die der gast das essen mitbe%ab- 
len soll, und die er nachher vull speisen »»topft. H. Sachs, Der schuch- 
macber mit dem köcher (1550 MG 11, 176a. Keller Goetze 25. 335 
nr. 3236). Lindener. Katxipori 1558 nr. 48 (s. 105 ed. Liclitenstein) — 
\h v\7.ofr, .Scbiltwacbt 1560 nr. 45 (VTontnnn-* . 55rhw;iT!kbnrher ^. HIS). 
Eyrinif, Proverbiorum ropia 2, 28: "Km betrug bfirt u^'t den andern'. 
J. J. Weidner. Poet, lubigurtlein 2, nr. 94 (1621) = oben >. 345 nr. XXVI. 
J. P. de Memel. Lustige ge.scUschaft 1701 nr. 447. — lie/.ahlung eines 
groben wirts durcb unflat: Frey nr. 33 mit annierkung. 

72) Y o u einem e i n s i d e 1 , der s «« i n e i p" o n » w e t r» r 
erniort. lEr sollte zwischen liunkenheit, ehebnich und inord wühlt n i . 
— Abgedruckt im .<ehimpt und nn.t. Ff. 1.56U bl. 141b = 1563 bl. I7')l» 
= 1597 bl. 181a. — Vgl. Pauli ur. 243. Montanun , Scbwuukbü* h' r 
ä. 583. 657. Forner ein meiaterlicd des Uauj* Sachs 'Der priester mit 
der peckin* 1554 (Keller-Qoetse 25, 450 nr. 4878). Y. Uerberger, Epi- 
stolische hertz-postilla 1697 3, 409b. Dunlop-Liebrecfat s. 413 f. Gold- 
ziher und C. v. Landberg, Die legende vom möncb Barslsft 1896. Velten, 
Märchen der Suaheli 1898 >». 47. Vjs. f. Htg. 2, 505. Stud. z. vgl litg. 1, 29. 

73) Von einem gar geleerten manu, derüuSpeyr 
mit listen ein lantzknechtischen edelmann strieff 
seins sobwerens halben. — Abgedruckt in den Kurtzw. und 
Iftcherlichen geschichten 1583 s. 529. Goedeke, Schw&nke s. 178. 

74) Von einem k i u ti . das k i n d 1 1 i e h e r weis e i u .i n- 
der kind umbringt, (aber nach einer probe mit apfel und guldeu 
freige^iprochen wird). — Abgedruckt von A. von Arnim in H. v. Kleists 
Berliner abendbl&ttem 1810, 13. nov. nr. 38 s. 148 f. (*aus einem alten 
buche*, mit Verweisung auf Zach. Werners 1809 gedichteten 24. fe- 
bruar; vgl. E. Schmidt. Vjschr. f. littgesch. 1, 503) Kleist, Werke 
4, 317 ed, Muncker (vgl. Steig, Kleists Berliner kftmpfe 1901 s. 201 f.) 



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3Ö4 



Georg VVickram« 



= luiiiiui, Killdur- uud hausiaiuclitu 1812 1, 101 nr. 22, 1: 'Wie kinder 
äclilucbteuä mit eiuaudtT guäpiclt haben' (vgl. uubaiig 8. XVI = W. 
Orinim , KL schrifben 1, 362) ^ PrOhle, Deatsche sagen 1)363 nr. 83 
= 1879 nr. 9:3. Goedeke, Schwänke a. 3d. Übersetzt im Wegek^Srter 
1592, bl. C7b nr. 14 (Nd. jb. 20» 184). Gfoot klugt-boeck 1680 s. 141. 
Vermeerderde nederlandschen wegb^korter (AniBterd. 17S4, 1770 n. d.) 

1, bL D6b nr. 22. Tyron. RecueÜ de nouTelles 1591, bl. 86b (Archiv 
f. neuere spr. 94, 13.''). Wendinimutb oder Hanns j?iikk in die weit 
^. 104 ( Wiickeniaj^el, Die ]«?hensiilter 1SG2 s. 46 f.). Dykatra, Uit Friea- 
lanÜH volkt-leven 2, 97 (1895;. Gereimt l.'>68 von Jörg von llelmstorlf 
= oben s. o4G nr. XXVII. — Vgl. Kuntzow, Ponieraiiia ed. Kosegsirt. n 
1817 2, 74 (Gr*'ifswHld nm 1451; andr»' prolje «1er •/.nrt'rhnunpsfäiiij;- 
k'-it"»: in KrtTit/.n\\> \oii (i cbi-l 1897 lifiausiregebeuriu ..ni^inül»* 1, 280 
-T» lit mir « iiic kuizi; iiu<.lcuUing 'j. — Zur w a b 1 /. wi^clira api'el 
lind giiM< u als priU'ung der zurecbnungsstÜbigkeit vgl. Hypt'rides ed. 
Blass 18M Ir. 201 = J. Pollux, Onoinasticon 9, 79; dazu Willerö, Nu- 
niMinat. xs. 81, 311 (Wien 1899. Puppe und tetradraohman) und Ae- 
lian, Taria historia 5, 16 (spieUeug, wttrfel und gold). Chr. Weise, 
Erznarren 1673 s. 69 =s 1878 s. 51 (apfel und roaenobel). Ulr. FQetrer 
spricht im Lanselet (Aretins Beyträge zur geseb. 9, 1218. 1807) van 
kiudern, *den man pewt ainen apfel rot, laasen das gold in uns den 
henden nemen\ Heselin v. 54 ((iesanitabentouer 2, 6): 'Ein kint den 
apfel luinnet, und nilnie ein «i viir des rieben laut'. Hernuinn der Da- 
UH Ti (M8H 8, 170b): 'Und wiere golt Kaukasus der berk, . . . des ruo' hte 
*r luiiiner wann ein kint, da/, /.uo dem apfel kÜJiit. e d;ni ob güldm 
\\ [i-v<- .'in tram wnt vor im ln^a»*' T.i»'<1»'rV>!irh d>>r llatÄlt rin 1840 ». 243a: 
•Au« leiehter -clmld d:t« |kuulj himU r kitui, das en am rotten apttel 
näm fttr tusejni niaick ;,H>kle!5.' Opitz, Poet, wiilder 8 (Poemata 1644 

2, 149): 'Die kiiidbeit der gcdancken, die obat für gold erkiest*. — 
Enikel, Weitchronik ed. Strauch 1900 6745 (gold und gltthende koh- 
len). Chalatianz. Za. f. Volkskunde 12, 265. Ahr. a St Clara, Jadas 
1, 24 (1752). Liebrecht, Germ. 1, 475. 6, 209. 14, 894. 18, 180 

» 

1) l ber eine andre unbewui^st von spielenden kindern verübte 
mordtat, das hängen 8 spiele u, vgl. H. Köhler, Kleinere ttehriften 
1, 210. 585. 

2) Über die freundesprobe durch einen geschenkten apfel 
vgl. Gonzenbach, Sictlianische m&rcben nr. 80 und R. Köhler, Kl. 
Schriften 1, 444. 2, 167; Uber die gehorsams probe Vitry, Bxempla 

1890 nr. 128. Salomo erprobt durch zugeworfene iipfel da« gescblecht 
der kinder (Stapfer 159s bei Bäthtold, Gesch. der d. litt, in der Schwei» 
1892 8. 3ö7. Folklore 1, 183. 354), andre ebenso das eines als frau 
v«'rkleideten liLubcrs (Dykeitra, Uit Frieshinds volkslevcn 1895 2, 91. 
Kri t*'n oij. G nnle folkefortiellinger ou» det iy«kf :ihntit»liv 5, 184. 1894 
uad Jyäkc fulkeminUer b, 14ö). Aplel als spieli^eug der wieder- 



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Rollwagenbfiehleui, anmerkungen (74). 



385 



In andern erzählungcn bleibt die kindliche mordthai nicht straf- 
los, sondern bildet den anfang zu einer grauenvollen familientra- 
gödie. Bei Aelian, Varia historia 13, 2 (griechisch zuerst 1545 pe- 
dnickt; lateinisch 15561. ntis- dfm Holtzwart fLnstf^art 156^ bl. IIa) und 
Hondorff (Prompt uarimn i-XiDipl. 1572 bl. ;'.'22b. l^fitTicr Strinlinrf- K]n- 
tomc histor. 1596 bl. 314a) schöpfen, .spielLvn die b' i Ii n .■^ühllr des ruch- 
losen priesters Makareus in Mytilono opfern. Als d i ältere dt;u jün- 
geren geschlachtet, erschlägt ihn die herbeieilende mutter. Darauf 
tötet Makareus sie , auf der folter bekennt er seine vei brechen. Im 
8ee1entn>ist 1484 bl. 194 (r= Bentsche mimdarten 2, la nr. 86 (1855) 
= Goedeke« Schw&nke «. 87) ist ein lateinisches epigranitn angehängt, 
daa J. Macoehins (Epigrammata antiquae urbis 1521 bl. 88a) als eine 
auf dem Maisfelde zu Rom befindliche insehrift anflihrt: 
Yervex et pueri, puer nnus, nupta, maritus 
Cultello, lynipha, fune, dolore cadunt. 
Zimmerache chronik 1869 2. 221 = 1881 2, 175 = üoedeke, Schwünke 
8. 40 (Bremen, um 1520). K»)d. 1869 2, 220 — 1881 2, 174 = Goedeke 
f. o9 (Hechingen, um 1560. Ohne die verae, mit der apfelprobe). .loh. 
VVoltius, T.pctioncs memorabiles 1600 = Schuppius , AbfjenfHhigte eh- 
ronrettuug IGtjO a. 95; Schrifften 1, 65B = Zeiller, Miscellanea 1601 
b. ;5SS = Wahrmund, Comppiuliöses historienbuch 1722 nr. 41 = Grimm, 
KHM. 1812 nr. 22, II mit den vei sen: 'Su.s, pu- ri t)ini' etc. Nugae ve- 
iiaXe» 1648 p. 97: 'Hircus cum pueris, puer unu.s, j>ponsa' etc. ohne 
geschieht«. Fiucelius, Wunderzeichen 1566 2, bl G4b (dorf bei st. An> 
nenberg 1540. Nach der absehlachtung des a&uglings kriechen die 
kinder in den backofen und ersticken, als die heimkehrende mutter 
dort feuer anmacht) ss Hondorff, Prompt eiemplonim 1572 bl. 188b 
SS 1598 2, 68b s= Tragica 1598 s. 680 Meigerius, Nucleus historiarum 
1598 8, 143 = Zanaeh, Histor. erquick.tunden 8, 835 (1618). Dorf- 
xeitnng (Hildbnrgbausen) 1876, 12. l'ebr. (metzger in Rödelheim). 

In weiteren parallelen berichten ist eine versehentliche, zufällige 
Verwundung dnreb ein meiner (oder oohw»»in) ati stelle des ein- 
leitenden kinder9chlachts<piel>' ^etieten : Brevio, Trat lato «lella misoria 
umana21545, nr. 2 = Fr. Tlahn. Werke 12, 241 (zuerst Jb. f. ruman. 
litt. 6, 279>. J. Maiiliu>, Lororuni eoinuiunium coUectanea (1562) p 327 
(zum 5. gebül: C\Muieacj ~ liuuduiti' 155)8 2, Gob = Tragica p. ü2'J 
= Meigerius 3, 144 = Zanach, Histor. erquickstunden o, 838 (1618) 
= Melander , Joci atque seria 1643 3, 386 nr. 840 (Mark) = Krnst, 
Histor. bilderhaus 1675 1, 754 (Dauzig) = Blanckardus, Neuer bist. 
Instgarten 1701 s. 288 nr. 88 (Neumark). Paradinus, Memoriae nostrao 
1. IV. 1548 s. 140 (Troyes. Schwein tötet den Säugling, geschwister im 

* 

erweckten kinder: Köhler 2, 169. Kinea apfel reicbl im Pervonto- 
marchen (Köhler 1, 588) öfter das kind dem unbekannten vater: 
Kohler 1, 200 etc. Apfel ala preis des narren: Gestsi Romanorum 74. 
WiekrftTM III. 25 



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386 



Georg Wickram, 



backofen) = J. Gastius, Convivalium sermonum 2, 241 (1548). Hulm, 
Lyrische gedichte 1786 h. 235: 'Kunigunde' (abweichend; vgl. R. M. 
Werner, Hahn 1877 s. W). — Bei H. Estionne, AjMilntjif ](onr Hörodote 
1^79 1,401 (T?.'iiu>-<t') — Krnst 1G75 1,760 or^^elila^n ik>r jähzornige 
vater den kiuiüen und erhüu^rt »\vh. \\v\>hv\, Werke 1891 9, 164: 
•Die kuh' (1849). Dorfzeitung ^^lI^labu^^^llilu^^n) 1888. 27. febr. s. 4bS 
(töcliterchen eine;* bahuwilrters in Ungarn vtibrennt papiergold). 

75) Von einer gr&fin, die einem jungen edelmann 
ungewarneter sach vermechlet ward. — Abgedruckt in 
den Knrtzw. u. lächerl. geschichten 1583, s. 529. Cberspt/t im Groot 
klugt-büi'(k Ifi^'O 8. 142 = VernK't rtlt rd»» nedorlandschcii wogh-korter 
1734 2, M. U:A) nr. 10: Tvron, Reeuril ir>91 bl. 87a (Archiv 94, 133). 

— Vgl. Boccaccio, Dccamcroiie 5, 4. üagen, Gesamtabenten^^r nr. 25. 
Varnhagen, Longfellows talea 1884 ». 98 f. Jellinek, Euphoriou 9, 159. 
W. Bütner, Epitome Imioriaruiu 1576 bl. 345a (Archiv f. üttgejich. 6, 
823). Vergier, Conte« noavelles et poesies 1, 864 (1743). Qamerra, 
Comeide c. 26 (1781). 

76) Von einem w y c h b i s c h o f f, dvv die k i r c h und de n 
k i r c h h 0 f g e w y c h t hat, hat aber kein b e g r e b n u s den 
unschuldigen kinderen geordnet. — Abgedruckt bei Goe- 
deke, Schwanke 1879 n. 171. — Vgl auch Eberlin, Schriften 8. 175 (1902). 

77) Von «' i 11 f III ]i f ;i f f (• n , der s p r i c h t : 'Herr j]f o 1 1, 
w e e r du «Ii < h d a h i u tl i' ii , i c h w i 1 1 m i c h d ul o r u c n w e e- 
r ü u.' — Abgedruckt bei Goedeke, iSchwänke s. 193. 

78) Von einem pfaffen» der den styl vom wykwadel 

i n d a s w y c h w a 8 9 e r 8 t i e 8 u n d die 1 e u t d a m i t b e s p r e n- 
get. — AbiTodruckt in Schimpff und ernst 1560, bl. 167a — 1568, 
bL 207a = 1597 bl. 214b. 

79) Von eint' III pf äffen, der köpft' kondt machen. 

— Abgedruckt in den Kurtzwcilig»'n u. läclierl. geschichten 1583 s. 530. 
Zanach, Historische erquickstunden 4, 2, 583 (um 1620). — Vgl. ein 
im (Strengen ton Hans Vogels 1547 von V. K[eissler] gedichtete» nieister- 
lied (abgedrucktoben «. 349 nr. XXVIII) und ein andres 'Der ptali n)it 
den kindes- und Schafsköpfen', da^ A. Pnsf lniKinn am 1. januar 

(zu Isiirnberg?) in seiner lilgenweise vc-rfn—tc Mi.». t/,e, X. lau-it /.mai;a/iii 
53. 108: vgl. 8n. Dah itAv kümite Wiikraiii vorgelegen lial)rii, wiih- 
rend das zweite wohl auf Wickrams erzähhing beruht und houiit ein 
beleg dafftr sein würde, dass die ausgäbe B, die Hans Sachs erst vom 
mai 1556 ab benutzte, noch im jähre 1555 beendet ward. A. de la 
Sale, Cent. nouv. nour. 8. Straparola, Notti piacevole 6, 1 (Raa, Stra- 
parola 1898 s. 57 f.). Maleapini, Ducento novelle nr. i5. Bataechi, 
Novelle galanti 1800 nr. lOtx« *I tonfi di san Pasquale* (R. Köhler, Kl. 
Schriften 3, 168). De Theis, Le sing«» de La Fontaine 1, 124. Kvyp* 



RollwagenbQcblein, anmerkungen (75^83). 3g7 



tatlui 1. 117. 141. i'ol. 4. LMO. Heiniscli. 'Afnrspraclie (Wiener SB. 
III. 90). Ihirtajann, Z?. 1'. vulkakuude G, 2ö8 (ötuniino. Miirchpn tlrr 
Schluh 189Ö nr. 22). — Die beiden teile des achwankes kouinien auch 
einzeln vor; a) Nasi suppleineiit ura. Popr^n'ij*. Facetiae nr. 223 
(1798 1, 227), wozu ebd. 2, 21B purallelun von UciurUus Dicaeiis (Pnr- 
tuB imperfeetiM)» B. des Periers (Nouvelles rccrcations 1558 nr. 9), La 
Fontaine (Le faiseur d'oreilles. Contes 2, 1 s Oeuvres ed. ßeguicr 
4, 158) und Grecourt (LeB cfaeveux. La reponse impi^vue) nadigeviesen 
werden. Farce da m^decin qui fait le nes (Recueil de pi^cea raras 
et faceüeitsea 1872 l. S). Fr. Dellcado, Lalozana andalusa 1528 (trad. 
par Bonneaa 1888 2, 254). Fortignerra, Ricciardeito 1738 canta 80, 
88—101 (dentech von Gries 1881-33 3. 320. UnvollHtandig). h) Ver- 
geltun!7 de« eboniannr s Poggius, Facetiae nr. 156 'Talio' (1798 
1, 164 Cinzio dei Kabrizii, l'iüvcrbi 1526 nr. 16 'Chi non ha Ventura, 
non vada a peacar*. H. Küticnuc, Apologie pour Uerodote 1735 2, 841 
=-. Ib79 1. 313. 

80) Einer kennt seine eygene handtschuch nimmer. 

— Abgedruckt bei Goedeke, Schwänke b. 209. Übersetzt bei Huls> 
baBcb, Sylva 1668 s. 86: *Qtiidam non agnovit proprias chirotheeas.* 

81 ) i ii e i i i u 8 für V i c r / »• Ii n b a t z p n k r a ni e t v o g e 1. 

— Abgedruckt bei Goedeke, Schwäake s. lG(i. Übersetzt von HuIh- 
basch, Sylva 1568 ». 87: 'Qaidara comedit pro quatuordeciin batzeu 
tordo«. Est autem bat» nommus, quorum qnindecim valent uno floreno 
aureo vel insti ponderis.* Groot ktuf^-boeck 1680 b. 172. 

82) E i n o 1 n a m o i n p a r Ii a n d s c Ii u z u 1 o h n u n d w o 1 1 
f u r e i n e <1 1 m a n n in dir hell f a r e n. — I^bersetzt bei Huls- 
busch, Sylva 156<5 s9: 'Quidam oop\t par chirothecanun pro salario 
et vüluit adire infeiiiuui pro iiuUili iiuuUam'. (iroot klugt-bot'ck IGöO 
sj. 173. — Vgl. die ausführung über die Vorrechte der prälateu bei Got- 
Bcaleos Hollen, Preceptoriuui 1489 bl. 164b, 1: . . . habent Ticarios 
snos beneficiis eorum, et si nolunt visitare chorum in propt ia persona, 
habent vicarios suoe in choro, in omnibus babent Ticarios dempto in 
ono, quod non habent vicarios in tormentis infemalibtts. Aadivi de quo« 
dam ditissimo prelato ifildensemensM eodesie, qoi iaeait in agone et 
circumsteterunt eum plnres sni vicarii. Qoi dixit ciB! *Vo8 vicarii mei 
fuisiis; iam nni ve^trum vellem dare deoem milia florenortim, ti aliquiH 
veilct pro me ire ad diabolnm et esse apud illum vicarius ineus." 8ed 
talem vicarium habere non potuit; ergo desporatus dixit: 'Vt-niat dia- 
bolus. quicnnquo vult, et portet me secum in regnum üuumi' Et mox 
iogulatus est. 

83) Wie ein geschwinder kund in Italien die Juden 
umbgroBgt'it brarht. das ttic im mit gutem willen 
gaben onverdient. (Kr soll einen prediger Tergiften, thuts aber 



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388 



Georg Wickram, 



nicht). — Abgedruckt in .Schimpf und t i nst 1580, bl. 116b = 1563, bl. 143b 
=: 1597» bl. 148a. Übersetzt iin Groot klugtboeck 16Ö0 8. 176. 

84) Von einem grossen cyfcrer, dci nit leiden 
mocht, das andere mann mit seine ni weib guier din- 
gen waren, (Er /ifht mit ihr davon). — Abgedruckt bei Merkens, 
Dtsch. hunior 1879 s. 104. rhorsetzt bei Hulsbusch, Sylva 1568 s. 91: 
'Zelotypus noa pote.-t pati iix os aliorum vironim cum iixore sua'. — Zu 
«ler Schilderung do8 pifcrsüchtigen vgl. Wirkiains losbuch 15S9 bl. B Ib, 
V. 240 f. In einem dänischen schwank«' (Skattegravereu 0, 128. 18!:^6) 
will der eifersüchtige seine frau toten , weil sie gleichzeitig mit dem 
knecht gegähnt hat, und führt sie iu den wald. 

86) Wie ein pfaffcnniagt im baurenk rieg in einen 
Ii u n i g 1» a f e n hofiert. — Übersetzt bei Hulsbusch , Sylva 15G8 
8. 93: 'Focaria quaedam esacerdotis dccipit rusticos olla mellita'« Da- 
nach Rej, Facecye 1574 (Ghraanowski 1894 a. 364). 

86) Von einem, so seinen fr ündcn um seine xwan- 
tzigjiirigo hanshaltong rechnnng gibt. (Er hat nur 
swanzig gülden verthan). 

87) Ein junger gesell seh lug sein braut vor der 
k i r c h e n in A ;\ 9 a n g e s i c h t (wi il der geibtliche sie anlacht). — 
(if!n'ini( von D. MaliroM 160S m-. tA) (Frey, fJarteng-escUschaft 189R 
fi. 270). — Bei Kirchhot'. Weiiduiiniut 1. 362. in einem meiäterlictit^ von 
A. Mot7.{?er (1626. Göttingcr uva. philol. 196, 121) und bei Zincgref- 
Weidiier, Apophthcgmata 5, 74 (1683) schlägt einer «eine braut ins ge- 
siebt^ weil sie, um sich die herrschaft im hause m. sichern, die formet 
murmelt: 'Ich greiff an dise thttr, all raein will gehe f&r.* 

8H) P', i II (• r Ii a t <• i n e n guten f u r s a t z (= fenstervorsetze r. 
Spottet den beichtvatera). 

89) £iner hat ein heissen köpf (Schandene in Kaisersberg). 

90) Eine kluge antwort eines ratsherrn (Ich folge 
dem abwesenden bl&rgermeister). — Vgl. Frey, Gartengesellsoiiaft nr. 
118, wo dieselbe antwort, aber gedankenlos gegeben wird. Holberg, 
Der politisclH- kannengiesser 172S akt 2, 1. Nyrop, Nej, et motivs hi* 

storie 1891 s. 108 (Schupp und französische anekdote). Bismarck, Ge- 
danken und erinnerungen 1898 1, 7 (Ich stimme wie der koUege Tem* 
pelhof). Vaakverdryver 1669 s. 451. 

91) Ein weib hies Iren man ans dem haus beleiben, 
bis der staub vergieng (Er bleibt eine woche im wirtohaus). 
^ Übersetat von Hnlsbusch, Sytya 1568 s. 95: 'Jnbet muUer virum snum 
deambulare, usquedum pulvis residat*. Gereimt von D. Mahrold 1606 
nr. 51 (Frey, Gartengesellschafb 1896 s* 271) ^ oben s. 850 nr. XXIX. 



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Rollwagenbfichlein, anmerkmigen (di— 97). 389 



— Vgl. Kirchhof, Wendunmat 1, 373: *Ein frauw verjagt iren mann 
mit dem raacb\ 

98) Von einem, densein eigener vatter in «einer 
kranckheit nit wolt zn im lassen (weil er einen sterbenden 
mitshandelt hat). — Vgl. Wuttke, Der dtscb volksaberglaabe 1869 § 723. 

93) Ein Schwab fragt, wasReinfal für ein trank 
wer. — Vgl. oben nr. 60. 

*M) K i II ai ö 11 c h wolt ein a 1 1 e l h t* i tu l i r Ii u n d v c r- 
b o r g tMi in »In*, k 1 o h i e r t r ;i ^ f ii , den verraten die 8 t e cj. 
reiff (Er trügt oiae diine unter btiuer kutt«). — A'>^'' dmckt : Kurtz.w. 
und Uicherl. geschichten lö88, s. .534. l'bersetzt von Hulshusch, Sylva 
1568 8. 98; *Monachus volebat deferre ephippium in cocnobium, quem 
aecnsant pedes*. Danach Kej, Facecye 1574 (Chrzanowski 1894 s. S64). 
Gereimt von D. Mahrold 1608 nr. 54 (B rey 1896 s. 271). — Vgl. Waldis, 
Esopus 4^ 89 (1548). H. Sachs, Der mfinich mit dem satel 1552 in der 
flamweis Wolframs (Keller-Goetse 25, 407 nr. 8942). Ein gleichbetitel- 
tes meisterlied in der bagelweis HOlxings ist oben s. 352 nr. XXX 
abgedruckt. Je. Stigeliun, D«^ quodam inonacho S'vlva carminnm in 
nosti'i tf'inporis t ornmtclas 1553 p. 87 = Stigeliua, Pocmata 1. 5 
G4b. 1569 = Melander. Joci atque seria 1603 nr. 22). P'rischlin, Fa- 
cetiai' 1602 ji. 21 nr. 42: 'De ca«titnte ninnachoninr = Sommer, Km- 
}dn-'truni ( "onielianum 1605 nr, ö'.). I*;nnphiiu9 Mttnnif/^feind. Tra<Tico- 
inoedia von einem visitiitoroin vi-nertMini 1»)17 bl. A 7b. Huuenrrvrrrv 
1618 I, 2 (Bolte-Seelniann, Nd. öchaunpiele 1895 s. 89 und •42). Zeit- 
vertreiber 1666 H. 414. Lustige gesellschaft (um 1700^ b]. BHb. Erus-t, 
Hiator. lusthaus 2, 902. Bildliche darstellungeu (sagt iL Kurz) Hiebt 
man Öfters bei den bilderh&adlem anf Jahrmärkten. Bei Enr. Cordus, 
De Franciscano (Epigrammata 1529 bl. N8a, lib. 7 =s Opera poetica 
1616 p. 868) trftgt dagegen der bauer, ohne es «u wissen, seine frau 
in einem strohbnnde ins kloster. 

9.5 ) Ein narr k o n d betten, w u s t u 1) e i n i t . w o 1 c b e ü 
binden oder v o r n o n jjehftrt. — rbei>>etüt von HulsbuHch. 
Sylva 1568 p. 99: '.Stultns .|iudain tseiebat orare. h«m1 nesciebat, quid 
priuH vel post. riiiH oranduui esset.' — Vgl. Meiuul, liUstige gesellschaft 
lt>60 nr. 128 = 1701 nr. 127. 

96) Einer verwart der statporten schlissel im thurn 
(als er selber ins gerängni» gesetzt worden war). — Ubersetst TOn 
Hulsbascb, Sylva 1558 p. 99: ^Qoidam servat claves oppidi in carcereV 

97) Einer trug leid f ti r s e i n e u vatter in einer gel- 
ben kappen. — l'bersetzt von HuUbusch, Sylva 1568 p. 101 : 'Qui- 
dam designat pro patre in fulvo bardocncnllo'. — Vgl. Bebel, Facettae 
1, 16: 'Inaulsom dictam*. Sommer, Emplasimm Comeliannm 1605 nr. 65. 



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390 



Georg Wickratn, 



08) Ein tröscbor füll von Gincm kornstock (und 
schreit: Brecht mir das maul auf!). 

99) Ein kauffnian BchÜtt bruntx in ein gwandkasten 
(weil er die iH;branktQr nachts flkr das fenster hält). — Niederdeutsch 
im Wegekarter 1592, bl. D2a nr. 17 (Nd. jb. 20, 184). Hulsbusch, SyWa 
1568 p. 102: 'Mercator infundit lotium in theeam vesttariam*. 

100) Ein baur fand ein krentslin aaff einer hochxeiti 
geriet im dardurch, das er ein gut mal asa (weil man ibn 
auch flir einen ga«t hielt). ~ Übersetst bei Hulxbuscb, Syka 1568 
p. 103: 'Busticus reperit redimiculum in nuptiis, cuius gratia obtigit 
illi bona tefecUo'. 

101) Ein maier wust keinen teutschen man in seiner 
kleidnng zu malen (weil alle tage eine neue mode aufkommt). 

— Abgedruckt bei Goedeke, Schw&nke b. 296. Herkena 1879 s. 166. 

— YgL Dedekind-Scheidt, Orobianua 1551 bl. B2b: «Teutschen haben 
kein eigen kleidung*. Musculus, lIo»enteuffel 1555 (Theatrum diabo- 
Innun 1575 bl. 432b). Westphal. Hoffartsteufel (obJ. 899b). Strauss, 
Kieiderteuffel im (Th. diab. 1588 bl. 65a). Sack, Erklcrung Ober die 
Hontaf^fi cvanpelia 1595 bl. 6G2. Fischart, Geschichtklitterung cap. 23 
(1590 8. 804 = 1891 8. 247). Kiudennann (E. .Schmidt^ Charakteristi- 
ken'' 1. 68). KuHzweilij^cr /.eitvcrtrciber lG6r» h. l'J'l Kirchhof, Wond- 
iinninf 1, 15S ^lair im alI}:r«Miioint'n). — I ber du' damals ant ki>nini'.'ndf 
liioii-' <i' r 1 u d f r 1» o H f> n v»;!. Mux uIuh, Uüsenieufel (15.^5) und dm 
H<,*d 'W.is soll ich abti fiiigtMi' bei Uöhine , Altdeut-rh< s liederbiich 
1877 iir. 414 = Lhland nr. 192; Osborn, Die teutellitteiatur 1893 8. 
96 f. — Dahs gerade damals das intercsse für eine Sammlung der ver- 
schiedenen Volkstrachten sich ku regen begann , beseugen uns 
Kahlreiche bsK und gedruckte trachtenbflcher: das 1560—1580 in Nürnberg 
entstandene des malera Sigmund Heidt (Katalog der freib. Lipperheide- 
8chen kostümbibliothek 1, 5. Berlin 1901)» der gedruckte Recueil de la 
diversit^ des habits (Paris 1562. Wolfenbüttel), BertcUis (Omnium fere 
{gentium habitus. Yen. 1568), Ammans (Nürnberg 1577), Bruyns (Co- 
loniae 1577), Boi«8ard8 (1581) u. a. werke. 

102) V o 11 »• i 11 e in - v h ii r e r , der e i n i d ij i t t r ;i w »» n 
ein c n d o r u a u s e i ii i; m f n s / o h e (wobei ihr ein wind ent- 
fährt >. rberHotzt von lliil>l>Uöt Ii, 8ylva 156S p. 87: 'Barbitonsor 
exerit tiu ex |H de ninticac'. (»root kluptVioeck 1G80 9. 138. — 
Vgl. Fivs, <{artenge>^elUehaft 1556 nr. 60. II. Sachs (Keller-Goetae 
25, 543 nr. 5262 und 5499) benutzte Frey und nicht das rollwagenbQch« 
lein; vgl. Stiefel Zs. f. vgl. littgescb. 12. 170. Dedekind-Scheidt» Gro- 
bianus 1551 v. 3462 (ed. Milchsack 1882) randnote: «Der ist herauß'. 

109) V o n h e r r Ii a u h e n , d er \v ü r s t t i u g i ni sack und 
weit m e s.s halten. i^Er stüsst den ^igristen, den ur für einen liund 



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Rollwagenbüchlein, aameritungen (96—107). 391 



bilt). — Übersetzt von HuUbusch, Sylva 1568 s. S8: 'Saccrdos eelebrat 

Sacra Habens farcimina mh vestibuH'. D.in.n Ii Rt J , Fic t cve 1574 
(Chrzanowski 18Ö4 »62). — Vjjl. Kirclihot',\Vi iidinnn«t 1. J, 11» (156H. 
Oesterloys Verweisung auf H. Sachs 2, 4. 70 i-t iirij?). B. v. Watt, 
meisterlied 1601 = oben s. 354 nr. XXXI (nach Kircbbof). 

104) Von einem trammentchlftger, dem etlich 
wBlffnacheylten, er aber mit seinri- trummen fiel 

— Übersetzt von Ilulsbusch, SyWa 1568 s. 39: Tvinpanotriba fugat 
Inpos se insequentes*« — Vgl. Vademecnm ifkt lustige leute 2, ur. 68 (1768). 

105) Von dem narren im sack. ( VerrUt sieb, als der kur- 
fBrst fragt). — Abgedruckt in den Kurtsw. und Iftcherl* gescbichten 
1588 8. 528. Übersetzt im WegekOrter 1592 bl. C6b nr. 18 (Nd. jb. 
20, 134). Groot klugtboeek 1680 s. 140. Tyrou, Recuoil 1591 bl. 86a 
(Uerrigs arebiv 94, 138). Hulsbusch, Sylva 15G8 s. 40: 'De stulto in 
sacco'. — Von Claus narr, der 1515 fast n* in ■■Tjrihrig sUub, be- 
richten Bebel . Auriroln f1.V29), Pauli 15331 P. t. Ackermann (1536'. 
Luther. II. Such-, Kirehhof (lo'ioK Mnnlius, HiH'i r (1.572) verschiedene 
jiclivN äiikf , unter d.Mn ii aber iiiisre erzäbluug tehlt; vgl. Scbuorr v. 
Carül?*feld, Arcliiv f. iittgesch. Ö, 277 f. 

106) Voneinem, so ein stutenkauffon [woltjund 
u n d 8 e i n 8 u n 8 c h 1 u g , 8 o a u f f dem f ü 11 y r ey t e n w o 1 1. 

— Abgedruckt bei Goedeke, .Schwiluke s. 4M. llbers' t/t bei Hulsbusch. 
.Sylva 1568 s. 45: *(^)iiid;!m voleliaf emere e<iuani im t« ni irn? filiurn eo 
<|u<)'l vt l!et iii','4iiiture jjullo e»iuiii't.' — ^"^Pfl- 7^^ ]\b jiit uiu», ."^chwank- 
bücber h. 014 (G. 78); ferner Jurkschat, Litauische märchcn 1, 127 
nr. 61. 

107) Von ei n e m a r m c n Studenten, o a u (.^ d e ni P a- 
r a d y ß k a m , und einer re y e heu b e ü r i ri. Abge<lruckt bei 
Goedeke, öcliwänke ts. 240. l'l»ers<-t/.t im We;r,.i^örter 1592 bl. G2a 
nr. 9. (Nd. jb. 2U, i:i4^. Groot kiugL-bueck IG-So s. 144. Tyroii. l{e- 
cueil 1591 bl. 88a (HL-ings archiv 94. 1:«). IIul>l>uch. Sylva \:m 
s. 42: 'Ex paradiso venit <iuidam pauper .'>tuden!5' = obeu s. 355 nr. 
XXXn. Vgl. Holte zu Frey, GartcngeselUchaft nr. 61. Stiefel, Zs. f. 
vgl. littgchch, lÜ, 170. Ferner U. Sachs, Fabeln ed. Goetze 5, 5 nr. 
596. Rin meisterlied im spiegelton Frauenlobs (oben s. 857 nr. XXXIU) 
macht den sindonten zu einem landsknecht. Prossscbwank im Ber- 
liner mgq. 616, s. 114 nr. 189. Langbein, Feierabende 2, 218 (1794). 
Andersen, Samlade skrifter 12, 74 (1879: *Manden fra Paradiis,* 1830). 
Wünsche, Allgeni. ztg. 1894, nr. 129. R. Köhler, Kl. heliriften 1, 247. 
883 f. Schmeller, Mundarten Bayerns 1821 435. Stibit/., Zs. f. hd. 
mdu. 2, 146. Bunker, Zs. d. v. f. Volkskunde 7, 308. Weimarer aeitg. 
Dent^cliland 1877, 5. febr. Wis^-r, Die h-Minat 11. 177 f. (Kiel 1901). 
Blätter t iit ]»nintii»M -^che volk^kumle 9, 28 ( iUtll : *V<»m liinim»-! hoch 
da komm ich her.' isd. kbl. 21,73.00. Dykstra, Uit Fricüland^i voiks- 



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392 



Georg Wickrain, 



leven 2, Ö4. Wallonia 4, 105. Oraiii, Contes ile rille-et-Vilaine 1901 
8. 177. Aberg, Nylündska folksogor 1887 ». 8% nr. 315—319. Archiv 
f. slav. pbil. 21, 268. 22. 310 zu 696. Bezzenberger, LitatL fonchungen 
1» 38 nr. 4 (1882). — In Ferd. Crendels Dillinger schnldnuDa Abuloja- 
treiitea (1588) wird ein bauer durch einen untergeschobenen brief seines 
in Paris'ParadieR studierenden söhne« geprellt (DQrrwächter, Jahrb. 
des bist Vereins Dillingen 1897, 52). — Zum Schlüsse unsres schwankes 
vgl. noch Moni-Cock, Vlaamsche verkelsel« 1898 s. fi06w 

108) Von einem we ih enacht kind nnd dem Joseph, 
wie er im ein miißlin kochet in der kirchen und ein* 
anderen in der kirchen schlugen. — Übersetzt von Huls' 
bnsch, Sjlva 1568 p. 49: 'De pnero natalieio et Joseph, q^ai se mutuo 
verberant*. Gereimt von B. von Watt 1609 = oben s. 858 nr. XXXIV. 
— Vgl. Eulenspiegel 1515 nr. 18 (osterspiel); dazu H. Sachs, Fabehi 
8, 228 nr. m (ir)H9) uml B. v. Watt, im Berliner mgf. 24, bl. 286b 
(1601> Bebel, Facetiae 2, 86: *De «acenloto ot schola^^tico' und 8,84: 
*De rusticf). •[ui Christi personain agebat in spectaculo.' Zimmersche 
Chronik 1869 2, 509. 

109) Von dem narren im taubhaue. — übersetzt bei HuU- 
busch, Sylva 1568 p. 93: 'De stulto quodam in columbario.* Wege- 
körter 159l', bl. E3b nr. 25 (Nd jb. 20, 135). Groot klugtboeck 1680 
s. 18G. Gereimt von Mahrold 1608 nr. 53 (Frey, GartengeselUchaft 
1896 s. 271). 

110) Wie ein sehne y der inhimmelkumptundun« 
sers her rg Otts fußschämel nach einer alten frawen 
hftrabwirft — Abgedruckt bei Hub, Die kom. litt 2, 40. Alt- 
deutscher schwank und scher/. 1880 s. 66. Merken» 1879 s. 167 = 
Merkens, Deutscher hnmor a. 34. l'J" i >etzt von lliilsbusch, Sylva 1568 
p. 96: 'Quomodo sartor intraverit coelnm et deiccerit Kcabelluni scdis 
Dei in vetulam quandum' = oben s. 3')9 nr. XXXV. — Vgl. Bolte zu 
Fr.'y 1896 nr. 109 und Z.H. f. dtscb. phil. 'VI, 349; ferner H. S'aeh?. ed. 
Kelb*r-<ioetze 2o, H'.O nr. 3460. Sklarek, l'n«f;ui;i he luärcheu 1902 
m: 24. Orain, Contes ile rille-el-\ ilaine i'.iUl ^^3. 

111) V 0 n c i n e m d o c t o r , d e r s i c h z u V e n e d i g u n tl e r- 

R t u 11 d , einen h n n p t ni a n n s b u 1 s c h a f f t z u b e s e h 1 a f fe n, 

a b «' r e f < h l e t i ni h e Glich (In eint r tnih*' versteckt und het - 
inn£r"-fb^'i»i»t j. — Ab'jedriK'kt in <h-u Kmt/.w. und lächi'rl. «beschichten 
löfeti f •)'-7. l ber-t'l/-t im fimnl klngt-l»ueck l68vJ ». 13.'). Tyroii, Re- 
eueil 1591. bl. 83a dbnii:. iuvliiv 94. IS'i). — Klingt wie die inlialts- 
ancrabe einer italitiu^chcn kuuiüdie. Vgl. im allgemeinen Val. »Scliu- 
mann, Na. hibüchlein 1893 nr. 'JO und 47; dazu Frey li<96 a. 281. 2^6. 



Zugabe (xum Wegkümer de« Uontanus). 393 



Zugabe. 

Bie erste ausgäbe des Wegkftrzers Ton Martin Montanns. 

In meiner ausgäbe von Montanas schwankbUchern 1899 
s. XIX bezeichnete icli den originaldmck des 'Wegkürzers' 
vom jähre 1557 als veriuitii. Nachträglirli ist mir jedoch ein 
sammelbaud der U 1 m e r stadtbibliothek bekannt geworden, 
der an zweiter stelle den ältesten druck von Montanus An- 
dre Qtzo (Hontaniifl 1899 s. XXIII: nr. A) und an erster die 
vermisste editio princeps des Wegkttrzers enthält Diese trägt 
weder eine Jahreszahl noch einen druckort, ist aber zweifellos 
1557 zu Augsburg erschienen. Von ihrem titel gebe ich ein 
facsimile, in dessen erster zeile leider die untere hälfte des 
buchstaben z weggefallen ist. Rot gedruckt sind die Zeilen 
1 — 3 und 8 — 9 (vom worte ^Durch' an). 

(Vgl die abbildung auf seite 894.) 

Das aus vielen kleinen, z. t. reeiil uniiatigen tiguren zusam- 
uieiigeset/.te t i t e 1 b i 1 d , in dem ich beziehuiigen zn den ein- 
zelnen schwanken des Weg kürz eis nicht zu entdecken vermag, 
bildet die vorläge für den holzsclniitt der vermutlich in Frank- 
furt entstandenen nachdrucke BCD des WegkUizers, der auch 
fttr den titel der nachdrucke BCD von Valentin Schumanns 
Naehtbüchlein (s. 1 meiner ausgäbe von 1893) benutzt ward. 
In dieser nachdunung sind die einzelnen gruppen etwas ver- 
grüssert und anders angeordnet. 

(VgL die abbildung auf seit« 395.) 

Dagegen finden wir in dem 1559, also zwei jähre nach 
dem Wegkttrzer, zu Augsburg erschienenen originaldrucke Ton 



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394 



Oeoig Wiek ru III, 



S c Ii um aiins Naclitltüelilt in « iiRii aiideni (1898 in meiner 
ausgäbe s. IX reproducierten) titelholzäclinitt, der wohl von 

(^en/t)nauf ^€m5el^/^errltl(it03aUfftt/ 
gefd)tibrn / t>nO ntiilitp ^ufamtn gc« 
fcQC/ Durd) tlTdrti'ftttm tlloil« 




derselben band herrtihron mag, aber zum inlialte des buche« 
in iiUlKTcr bczirlimin* stellt, da er ausser einer im freien ta- 
felnden i^ebellseliatt illustrat innen zu den sclnvänken nr. 1. 7, 
10 und 19 enthält. Es bleibt also noch zu untersuchen, zu 
welchem zwecke jenes zum WegkUrzer so wenig stimmende 



Zugabe (nun Wegkflner des Montanns). 395 



titelbild gezeichnet und geschnitten ist Beruht es auf freier 
Phantasie de» kUnstlers, oder war es fnr eine nie zum drucke 




gelangte oder seither verschollene Augsburger schwanksamm- 
lung bestimmt? Eine offene frage bleibt femer, welcher Augs- 
burger drucker den WegkQrzer herstellte, und ob Jörg Willer, 
der vermutliche Verleger von Schumanns NachtbQchlein (1893 

8. XI). auch für dies werk thätig war. 

DvY erste driuk des WegkUrzeis ist, wie icli (Montamis 
1899 s. XIX) scliou SUIS einem citate daraus t'ulirorte, ciiLrcr 
gesetzt als BCD; er enthält l-^'/s hoL^en 8", 4 bogen weniger 
als BCD. Die zeile s. 6, ji lautet hier: 'Am 112. blat wirt 
sy iren anfang hon . Auf die anfahrung anderer Varianten 
muss ich verzichten. 



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ßlBLlUTilEK 

DES 



LITTEßARIÖOHEN VEREINS 



IN STUTTüAttT. 



ccxxx. 



tCbinoen. 

UF.DKUCKT ATF KOSTKN DKÖ LllTF.IlAlU.s«'!! KN VKKKJN.S. 



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PROTBCTOR 

DES LITTKaAJfctISCUKN VEKÜliSS IN ÖTÜTTGART; 
SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG. 
« 

VERWALTUNG : 

Präsident: 

Dr. H. Fischer, professor an der umversitftt Tübingen. 

Kassier: 
Uechnungsrat H ü c k in Tübingen. 

GESELLSCHAFTSAUSSCHUSS: 

Dr. G. T. Below, profesaor an der univerritilt Tabin^^on. 
Professor Dr. G. Böhmer in Lichtenthai bei Raden. 
Dr. Bolte, professor in Berlin. 
Oherstndienrat Dr. Hartmann in Stuttgart. 

Director Dr. W. He yd in Stuttgart. 

Dr. Murtin, profe-^-^or an di-r univorsität StraOhurg. 

Dl. (i. Mevor von Knonau, professor an ib r Universität Zürich. 

Dr. H. Paul, professor an der univer.^iUlt München. 

Dr. Sie Ter b; professor an der Universität Leipzig. 

Dr. Steinmeyer, professor an der Universität Erlangen. 

Dr. Strauch, professor an der Universität Halle. 

Dr. To hier, professor an der univprsität Berlin. 



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GEOßö WICKßAMS 

WERKE. 

VIKRTKK BAiiD 

(JLOSBUCU. VON i»£H lUUMifiMiELT. HER IKß BEUBXUE 

PILOEB) 

HERAUSGEGEBEX 

VON 

JOHANNES BOLTE, 



GRDRÜCKT FOR DKN LITTERAR rSC BEN VEREIN IN .STUTTGART 

T 0 B 1 N Q G N 1903. 



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ALLE KJbOHTF. VORBEHALTEN. 



DRUflK VON H. I.AUPP JR. IN 1*0bINGSN. 



1. LoBbuch (inhall). 



V 



Vorwort 

ft) Der inhalt 

Nach der j^ossen zabl der auflagen zu urteilen, deren 
sich mehr als 24 nachweisen lassen, hat Wickrams losbueh 
nicht nur alle ähnlichen versuche auf diesem gebiete in den 
schatten gedrängt, sondern auch eine grössere Verbreitung ge- 
wonnen als seine Itbrigen werke einschliesslich des einem ähn- 
lichen zwecke der geäelligen Unterhaltung dienenden liollwa- 
genbüchleins. 

Unter dem nuuien '1 o s b ü cli e r' wurden im 15. und 
16. jahrh., wie man aus der diesem bände angehängten über- 
sieht erkennt, zwei ganz verschiedenen zwecken dienende arten 
von Spruchsammlungen verstanden. Die erste klasse, die den 
anspruch erhebt, gläubigen fragem die zokunft zu enthüllen, 
nimmt ihren Ursprung aus griechischen und römischen orakel- 
bUchern , deren gebrauch durch die biblische crzählung von 
der loswahl des apostels Mattlii;is vorttidiirfe wird, und erhält 
im 12. jahrh. neue anregung durch die in Italien eindringende 
und bis auf den heutigen tag verbreitete piinktierlehre der 
Araber. Neben diesen trüben, von der kirche bekämpften 
von aufgeklärten geistern ') verspotteten aberglauben tritt seit 
dem 13. und 14. jahrh. in Frankreich und Italien, dann auch in 
Deutschland das heitere gesellschaftsspiel der gldckszettel und 
wOrfeldeutungen^), die dem frager ein mehr oder minder schmei- 
cht lhiiiic^i purträt eutgegenhalteu oder ihm in schalkhafter weise 

* 

1) Vgl 8. 283. 309. 33r» 338. 

2) Wie Rabehiis 1546. Doiii 1552, Fisohart 1591 (». 347, 340). 

3) Vgl. 8. 277. 302. 342. 344. 347. 



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VI 



Vorwort. 



ein freundlich« .s otKr traurige» «cliicks^al verheissen. Oft wird 
hierbei der feierliche U>n der eigentlichen orakelbUcher zum 
scherze nachgeahmt, so dass die absieht de» Verfassers für uns 
nicht immer klar hervortritt; und neben den würfeln und ge- 

zoj^eneu lusen oilor Spielkarten werden auch die aiulern los- 
iii.*<tru»i»'n!.' iK r ti^u ii klasse benutzt : dio stlHÜ'" mit dreli- 
haroui zeiijfor. die geonismti^eheii liuiirt n, .si-blios.slicli st>gHr der 
künstliche appaiat der tiugenli^sten und verwickelteji berech^ 
nnugen. Auch der na nie der zweiten klasse scliwankt ; neben 
jeu d'aventures (s. 342), jeu de fortune (302), libro di Ventura 
(305), giuoco della sorte (342). gellickeboeck (325), glQeckh- 
zetln (277), glncksnidlin (331) u. u. begegnet die zunächst der 
errstcn klasse zukommende bezeiebnnng sorti (306 f.), sorti- 
le^iimi (^^-<>) (»der Insliuch 'o2i. :>:!<"). :;:',0), während einige 

di'uilvcr des lö. jalnli, (:»'J0**'. IVJC»*) w w ans Verlegenheit 
das \>m']\ überhaupt iin!» iit^It in die weit geh< n lassen. Wick- 
rani hat seinem werke den dun !i;ni^ zutretVenden titel *Kurtz- 
weir verliehen, der erst in der Mülhuuser bcarbeitung von 15r»9 
durch den seitdem üblich gewordenen ^Das weltlich losbuch' 
ersetzt wurde, und sich auch sonst ^) nachdrücklich dagegen 
verwahrt, dass er für sein buch ein gleiches vertrauen wie 
die bibel bennsprucbe. 

Betiaclihn wir null <iie anla<_re d«r \\ icK i .misfhru 'Kurtz- 
wcil von ir>3i) im einzehien, inJein wir liin und wieder einen 
vergleichenden blick auf die älteren loshüeher hinülierseliweifen 
lassen! Das »tiittliche foliotbrniaf riUkt jene in die niihe von 
Lorenzo Spiritos Sorti (1482) und seiner nachfolger Fanti und 
Marcolini , sowie der geistlichen parodien Vogtlierrs und 
Pambsttf, hinter denen die übrigen deutschen losbftcher in for- 
mst und bilderschrauck zurückstehen. Gleich den meisten 
losbilchern der zweiten klasse verziehtet Wickraiu daraui', eine 
reihe \»>n lrat(en dem lu jiutzer zin* wähl vor/,uletifen ; «lafOr 
teilt er jedoch in origineller weise die benutzer in vier grup- 
pen (männer, tVnu» n. jun^f<j;esellen und jmigfrauen) . während 
ein franz(">sisches losbuch des 15. jahrb. (s. 345) die antworten 
zugleich für männer und frauen einrichtet und nur Marcolini 

* 

1) In V.48 und 2^ f. Vgl. dazu s. 321. 824 otion. 824*. SS7. 888. 



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1. Losbudi (inhalt). 



VII 



(8. 306) Ton vornherein zwischen männlichen und weiblichen 
hemiizern Bcheidefc. Als losinsirument verwendet Wiek- 

luiii eine Scheibe, die in vier konzentrischen kreisen 4 X 10 
Ituilistaben enthält, und einen vierfachen, von der rUrkspitc 
des )>hittes ans zu drehenden zeiger in frestalt eines einliunis, 
das mit hom, maui und füssen auf jene kreise hinweist. Auch 
hier geht^ or soine eignen wege, da sonst nur Scheiben mit 
einer einzigen reihe von zahlen oder buchstaben (U, 8. 329) 
und als drehzeiger entweder eine band (PU, s. 324. 329)« ein 
tierkopf mit ausgestreckter zunge (0, s. 323) oder eine engel- 
figiir (EFTX, s. 315. 318. 326. 336: glttcksgöttin 334, ka- 
valier i). s. 325; unbestinimt GSZa, s. 318. 325. :U 1 : 297) 
h(>^'e<_riu'ii. Hnt ]inn der fragstoller den buchst alxMi nrcl'uinU'n 
und in der ersten spruchreihe naciigeschlagen, so empfängt er 
nicht sofort seineu bescheid (wie in H.lKLMNOPQRSUVWYZa, 
s. 319 f.), sondern wird darch eine vierzeilige antwort auf 
diesen vorbereitet und an eine zweite spruchreihe von 40 nuro- 
mem weiter gewiesen. Dies weiterschicken des fragers von 
einer Station znr andern ist in vielen losbflehem (s. 297. 305. 
ABCDEF'i TZ. s. 311 f.) üblich, doch erscheinen hier durcli- 
weg drei «xlcr mehr reihen. 

Eine fernere nenernng Wickrams besteht darin, dass er 
den endlichen bescheid nicht einfachen abbildmif^en von wei- 
sen, heiligen oder königen (wie s. 295—300. 305. ABEFGJ 
KTUWZZa, s. 311 f.), stembildem und tieren, besonders vö- 
geln (s. 292. 300. 308. ODLMNOQHS, s. 313 f.) oder kar- 
tenbildem (PT, s. 324. 386) in den mnnd legt, sondern ko- 
mische f i g u r e n in ungewohnter, widersinniger und daher 
zum lacluM iri/rnder haltung und ^ruppierunfif voil llirt, die 
als typen einer verkehrten weit teilweise lännst in «l«'r volks- 
phautasie lebten, teilweise von Wickrani neu erschatfen worden 
sind, ^^'ir kiMinen drei arten davon unterscheiden: menschen, 
tiere und leblose wesen. 

1) Menschen. Hier erscheint der narr als Personifikation 
der Völlerei, nnfläterei und Hebestorheit in einem topfe (nr. 25) 
oder einer Weinflasche steckend (3) . auf einem dreck reitend 
(9), in einem lierzeii steckend (15: vgl. lo| oder durch ein 
sieb fallend (27j; der r Itter, dessen heim ein bieueukorb mit 



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VIII 



Vorwort 



einem gefldgelien herzen ist, auf einem krebse reitend (17); 
der mdncU') spinnend (1), eine spinnende nonne im rflcken- 
korbe tragend (32), im weinglase auf der gans reitend (26); 
das kind fröhlich auf einem habne reitend (14), badend ^86), 

inusicierend (30). die «locke iLfeiren den klüj>pel schlagend (18). 
einen dreck bc\vaclioii(l d'i . einen iinp^oniessbaren mostrich 
fiibricierend (22), wehrlos in eiiu ni fai?f>e geschaukelt (11). 

2) Tiero: der tölpelhafte hund im topt'e (nr. 5): die 
katze Würste bratend (23) oder den mausen ablass erteilend 
(39) ; die gans in der topfsehlinge (6); der Ziegenbock 
laute spielend (34); die sau orgelnd (10), predigend (35), 
badend (28) und vom wolfe gekrönt (40) ; die kub als Sin- 
ger (2) oder auf dem dudelsacke blasend (8); der esel pau- 
ken sclilugcnd (12). guni wid^t h.d (31) oder auf einer gans 
in den kämpf reitend (7): der krebs auf vögel schicsseiid (33); 
der hase als postreiter auf einer sclmecke (4) und als iahnen- 
trager (21); der äffe als arzt (29); der bär mit Weinglä- 
sern (19). 

3) Tjeblose dinge: das herz in einem schraubstocke von 
einer zange gepackt und mit dornen gekrönt (37), von einem 
haspel durchzogen tmd auf stelzen gestOtzt (24), von einem 
l)ienenkorbe (dem Symbole der unstetigkeit, vgl. 17) gekrönt 
und von zwi j narren getragen (13); ein bauni. an dem der 
ehrensciiild. das schwert und die kröne hangen (.20); ein blü- 
hender nelkentopf (38). 

Für die Vorgeschichte und die Verbreitung dieser bilder stelle ich ein 
paar nachweise zusammen, die ich kundicr<'r(<n zu fugüiizen überlasse. 
Narr im topfe: Manier, 8chehnon/nnft 1567 bl. G3a: 'Eini oin bad 
überhencken' ; mit fla-f^lieiiriomcn : Murner, Niirrenb<^^ch\verung 1518 
cap, 18; einen «Ircck liittclnfl Murnor NB l.'ilH r. 08, vgl. Sclielmen- 
zunft c. 9;i und 11; durch » inen korb fallend: 'gemalter brief bei H. 
Sachs 21, 259 *d. Kcller-Goetze = Fabeln 2, 554 (vgl. das sieb 

der vermintt au« Ptlruicas glücknbuch bei Hirth, KuUurgeBchichtliches 
bildurbuch 1, ur. 358); auf einem krebse reitend: ürant, Narreuschift' 
c. 57 und Doni, l marmi 4, 19 (1552;. — MOnch und nonne werden 
schon auf einem um 1470 zu Basel oder Freiburg gedruckten bilder- 

* 

1) I)o«!3on bchwin h. u Wickran« 1588 in seinem t'a>tn:»eht«piel vom 
narrengicft.'.en v. 324 1. nicht verspotten wollte ('Wir gwünii. u siiust gar 
vil zä sichaÖcu mit in . . . öye wend nit mit in scUimptien ion ). 



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1. Losbueh (inbalt). 



IX 



bogen (Wien. Schreiber, Manuel 2» d03 nr. 1960) derb ▼erhOhnt Ein 
feister abt, der von sieben nonnon uuf einem »ob litten flbers eie ge- 
zogen unil geschoben wird , ruft: *(L]eidt mich mit giUcleni fleys, Das 
nit mit mir brecb das eyß!' Die nonnen vorn antworten: 'Er will vns 
werden zu schwer, Die flesch ist vns wordtn l»>r.' Die hinten: *Mir 
welleiKl <V]vh fifren wnll, Watyn <h\ \>\>f ireschwi»Ilt'M vnd foll.' Kin im 
eis eini,'i lirofln n<M- imimicIi iiii«] ein waiitirer nifoii : 'Lieben Hchwef*tern, 
^end vn> /li ti . m k - n. lu ili-ni eyß well mir ver>iii('ken'. — Auf einem 
etwas spiilfieii ähnlichen hol/.schnitte (Wien Alijcitiuu) lul't der von 
den nonuen «jezop^eue übt: 'Ee das ich wolt gnt leben sparen, Ich wult 
ee auf aiu rozkin l'aren; Ks friert mich vast an heud vnd fieasen. 
Ziehet» schwesters, od verdriea^en! MOgiir mich ab dem eys« bringen, 
So well wir trankin mettin itingen. Ziechtt jr himmel hAren all, Li1gt, 
das ich nit vnders eytz vallT — Spinnerin im korb: H. Sachs 
(1569) 23, 459. Hahnreiter: HOfler nnd Bolte, Zs. f. Volkskunde 
12, 86. — Qansreiter*): Meissner, Herrigs archiv 58, 242. Lennep 
en ter Gouw. De uithangteekens 2,356 ;18G8). — Glocke mit fuchs> 
schwänz al» klöppeh Brant. Narrenschirt' c. 41. Munier, Narrenbe- 
schwerang 1512 c. 7". .Müller-Fraureuth, Lügeudichtungen l^-Hl <. 90. 

— M 0 H t r i c h f a b r 1 k : Wright, Hi»toire de la caricature 1875 p. 87 
nach E. de la yueri(''r<% Enseigues des maisons particulieres 1852 p. 68 
(aus Beauvais), — Kind. gH=<'hankelt : Lennep en ter Gouw 2, 166. 

H u II (I 1111 topf: r,eiiiiep en ter Gouw 2, 24. — Katz den mäu- 
M ii auf t innii diidt lsack vm>]>iolend : nid. bilderbogen dei> 15. jhs im 
Ciothaor siuunitlbaude 2, 19o (v*;l. Tijdsehr. voor ndl. taalk. 14, 12ü •). 
Meissner, Herrigs archiv 58, 249. Überhaupt begegnen muaicierende 
tiere häufig auf chorstühlen und in handschriften des mittelalters: 
Otte, Kunstarch&ologie des ma.* 1, 495. Wright, Histoire de la cari- 
cature 1875 p. 95. 178—177. K. ausm Weerth, Kunstdenkmftler des ma. 
in .den Rheinlanden 1, 10 taf. 15. 2, 18 taf. 23» Meissner, Herrigs 
archiv 56, 275. 58, 248. 65, 218 f. 229. Adeline, Les ^culptures grotes- 
ques (Ronen 1878) s. 2S1. Cbampolliou-Figeac, IjOuis et Charles d'Or- 
leans 3, i>l. 29. SO (1844). Fleury , Les mscr. de Laon 2, 101 pl. 45 
(1863). Lennep en ter Gonw 2, :VJ9 FTochzeit Karls des kühnen 1468 
bei Mich. Sachs, Kaiserchrouik 4, 261 = J. D. Emst, Uistor. bilderbaus 

« 

1) Dass der titelholischnitt des um 1560 zu Strassburg erschie' 
neuen Finkenritters (K6nnecke, Bilderatlas 1887 s. 109. HQller- 
F^aureuth, LQgendichtungen 1881 s. 15) nach nr. 7 von Wickrams los- 
buch kopiert ist, scheint bisher nicht bemerkt /.u sein; nur ist aus 

dem esel eine menschliche gestalt geworden. Vgl. uuc Ii unii n XIV. 

— Dagegen ist die ähnliehkeit des paukenden und pfeifenden kindes 
nr. 30) mit dem holzschnitte des Bacchusknaben in A 1 c i a t o s Em- 

blemata (1534 71 bärtig ohne pfeiie; 1551 f 31, re) r by 11. Green, 
Uoibein-society 4—5, 1870—71; X608 nr. 25; wohl zufällig. 



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X Vorwort. 

1. 2ttr) (1675). Eyriii^, Proverbioniin copin 1. 2H'2 (IWl): 'Dt-r csel 
will (iio liiutL'ti fichliii,'t'n . . . Di»« saw aviI in t iii >a» kj-tciti i>t'citt'cn* ; 
vgl. 1, 5U3. 58ü. Eik-iJuhiur. Mrderhuii lu. UOf^: 'Doi k.itn- wird die 
messe siiiffon . . . (irr t'sel wiiil die huite schlagen.' — li(»r k mit laute : 
Muriier, Scbelmeuzunft 1567 bl F2b: 'Autt'8 teuft'els schwaii/. buuden'. 
— Sau prediirt: Jubinal, Mystdrea 1, XL. (Fuchs als prediger häufig; 
bahn als predigei- bei CbaropoUio]i>Figeac 3, p1. 29; baae als prediget 
bei R. Z, Becker, Hokschnitte ges. v. Derscbau 2» D21). — Sau «pinnt: 
H. Sacbs 23, 587 zu ». 444. Auf einem bclsscbniUe um 1490 (Wien, 
t^chreiber, Manuel 2» 315 nr. 1982) sagt die «pinnende «au «u den 
ferkeln : 



Hort, liebi' M'v vnd liebo kiiiili r. 
Eh ist Will ia, vnd ist nit luviul-T, 
Hielt vdenuann seiu rcclite stai, 
6o wer so tewr nit die leinwat. 
Die weit facht aelUem sitten an, 
Die fraw ist herr vnd nit der man. 
Darumb ao spind/ wie ich euch 

meld ! 

Es «tat fast vbel in der weit 

Oben sieht: 
[lata nit ein wunder, liejben her* 

ren? 

Die sey die mueasen spynnen le[ren] 

, >....■.• • 
[Die] mann band weder hembd noch 

pruch. 

Die [weiberj 

. . . andern machen nynuen, 
L>ie man dann trcy[ben . . . ] 

er tlachs. 

Vor zeittenu maid vnd kinder 

8pa[nnen], 



[Da spann das \v]eyb vnd het 

ain gl scliwey, 
Die hchwiger dar zu, so «?end ir 

drey, 

Sy lere, 

Ee das sy spynnen eins fnrdungs 

schwer. 

Unten .steht : 
[Hort zu, irj mann vnd junge 

knftben 

Vnd etlicb, die nit weyber haben, 
Hiet euch vor solche [affenspil?]! 
Dan alter kuplerin ist vil 
Die machen aim ain^ vber pain. 
Das er kumpt fro[Uch nymmer] 

haim. 

Den «jolben solt ir nit vil trawen; 
Nempt wttr vnd beyspil bey den 

[Vnd hietenjd kiu<l, maid vnnd 

kiiecht. 

So schickt sich aller handel recht. 



Lennep en ter Gouw, riil ngteokens 2, :>'21 ( itlV) und 343. (Spinnende 
kuh im verwunderung!*lic'de : Wossidio, Mecklenburg, volksüberliete- 
rungen 2, 208. 217. Vlotcn, Nederl. kinder- en bakerrijmen* ?«. 151). 
— Sau von ein*Mii narron gekrönt: Ürant Narrenschiit" c. 72. Muni«'r. 
Narrenbeschwerung 57 ; Schelnienzuntt c JI. — Kuh «iufTcnd; Frei- 
dank 139. 20: H. Sachs 23, 459 (I56U); dudel-ark l>las.Mid: Wickram, 
Losbm Ii V. 11,^2 und bd. 2, 105, i. Murner, Schelmtii^uiüt 1567 bl. F8b 
\Sich «elbs kutzlen". — Al'fe als arzt: Meissner, Herrigs archiv 58, 
251. 253. Erk-Böhme, Liederhort nr. 1108: 'Der atfe wird ein doktor 



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1. Lo8buch (inhalt). 



XI 



8eiii\ (Esel uls ars&t; ChampoJlion>Figcac 3, pL 27. 28. Frosch iüb 
arzt vgl. unton s. XIV). — Bär trunken: Strauch, Yjscbr. f. litgesch. 
1, 76. 

H f i /, l»rciin«'n<l. vnn zange und haiumtn' gepackt: ^irckheyincrs 
t'iubleiu. 15B1 {geschnitten; s. Bolto, Tijdsehr. voor nederl. taalkutide 
14. mul H. Such- 7. 4*24 ium\ 'J:^. Auf rinn s. IX erwähntoii 

uKl. bililcrljofjfen \^i.f otliarr -•tuiniirlt'iunl L', ll'.li sirht man ein gefluj^eltes 
herz, von einem pf»'i! «imciil»ulirt, unten teuer, oben sonne, feiner ein 
<;ektünie8 her/, an Ueni ein ächloüia hängt, zu beiden Helten einen flii- 
gel und be-^cn etc. 

Den iiilialt dor diesen fignren in den inund gele^-te)) vcrso 
be/.eiclinet Wickram selbst s. 8, als ein 'gedictit auft* alleriuuuil 
arten oder gebUrten der iiuturen', d. Ii. als eine Schilderung 
verschiedener menschlicher Charaktere, ^fan mnss in der that 
die glHckliche erfindungsgabe und die leichte hand des Oolmarer 
dichters bewundem, der vierzig verschiedene persönlichkeiten, 
abwechselnd tadelnd und lobend ^) vorzuftthren weiss, die wohl 
hie und da an die kla.ssifiziernng der narren ') bei Hrant, Mur- 
ner und in stijuui ei^pien fastnachtspiel vom narren ^xiessen 
(1538) gemahnen, aber kaum Wiederholungen aufweisen. Tn 
dem behaglichen plaudertone der lebensfrohen bürgerlichen 
gesellscbaft des Elsas.ses, der vor einem derben .scherze nicht 
zurUckscbeut, aber bald wieder begütigend einlenkt und nie 
eigentlich unflätig wird, neckt er die verheirateten mit heim- 
lichen liebschaften (v. 309. 472. 529. 661. 768.-847. 1123), 
die frauen mit der flatterhafbigkeit ihrer gatten (926. 1039), 
die jüuglinge mit iiüchtliclien liebesabenteuern (1520. 1765), 

1) Die ungeraden nummem werden vom tadel getroffen , die ge- 
raden vom lobe. 

2) Narrenkappe v. 687. 1165. 1378. 1748. 1887; narrenscheibe 2454. 
An Momer mahnt v. 258 gimchniatt, 817 kniiiflt autf des teflfels öchwan« 
(Schebnen/.unft e. 82). — Narrolfu>< v. .j8(>, Schweinhardun (Hautfen, 
Scliei.U 1880 s. 'J2. An/, f. dtseh. idt. :17!>) und sant Überwiest 2189, 
Haut .^ionnin 999 (noUe. Zs. f. volk^knnde 12, 29ß). — Nicht bekannt 
ist mir «his v. 1811 erwähnte lied von der Iran, die ein pfund vcne- 
discher seife verV>nuioht. • - 'Au v 164«) vgl. Hautien , Seheidt s. 86', 
y.n IOkO »'bd. 120. — Zu 24iJ9 vt:l. das scldenunerbed 'Wo sol ich mich 
hinkihiLn' (Hrk-Böhnie, Lie«b'ihort nr. 1170) fiv. 2, auch Nigrinus, 
Wider die rechte baehauten lööU s. 25; Euling, Hundert piiauicln 
1887 nr. 48. 



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XU 



Vorwort. 



berichtet von der üblen oder guten nachrede (471. 1^05. 1462. 
1732. 2447), mahnt von eifersucht (271) und immassigkeit 
(305) zu lassen. Er verheisst ein geschenk von lieber band 
(1130. 1142. 137:i. 1937. 2053. 2177. 2297), liebe.sglilck (1715 
u. ü.)^). ein ^rhliumifs wiü) (1870). kinderspcjeii UHU), ge- 
winn aus ( iiiein bergwerk ^) (417. (174) oder durch auttindeu 
eines Schatzes (413. 1246), luid /war oft zu einem ganz be- 
stimmten Zeitpunkte (neujahr J373, Januar 503, homung 1354, 
märz 679. 1129, april 655, mai 21B5, fastnacht 607, frOhling 
1713, Pfingsten 1195, herbst 825. 655. 1257; lebensalter 1867. 
1896. 1979); als schicksalsboten erwähnt er träume (330. 387. 
445. 619. 1945. 2115), vögcl (321. 427. 728. 831. 1013. 
2165. 2347. 2:»I:i), ein wüimlciü (441), sterne (301. 711. 
1009. 182rj), einen zaubei^pieLCcl (295), » injitichlt scherzhafte 
Zaubermittel (791), nnicht gebraucli von der farbensymbolik ') 
(braun, blau, rot: 789. 1021. 1859. 2301. 2525), gelegentlich 
auch von der antiken mythologie (Cupido 1924, Helena 1346, 
Orpheus und Demodocus 906) usw. 

Die einzelnen abschnitte sind dem räume genau angepasst. 
Jeder sprucb nimmt ein folioblatt ein; auf der ersten seite 
steht das bild und verse, aal der rückseite 36 in vierzeiÜ'^e 
abschnitte «x* gliederte verse. Der erste feil schlies.st jedesuiai 
mit der auttorderung, das blatt umzuwenden und auf der näch- 
sten Seite genaueres zu hören. In den späteren quart- und 
oktavausgaben, die jene Seiteneinteilung nicht beibehielten, 
musste natürlich die aufforderung durch ein ^Far fort* oder 
*Les fort' ersetzt werden. 

Es nimmt bei Wiekrams sorgloser arbeitsweise kaum wun- 
der, dass wir iu dem Strassburger drucke A, dessen herstellung 
er zudem schwerüch selbst überwacht hat, auf verschiedene 

* 

1) Der liebc»brief im Bcluieebal] v. 1490 erinnert an Gabrioitos 
liet (bd. 1, H. XXXUl f.). 

2) Vgl. dazu Wirkrums fastnachtapiel vom nan'Cngiessen 15.38 
V. 601 und die ausführliche beschreibung bei Holtzwart, Lustgart deut- 
scher poeterei 1568 bl. ii4a— 27b (auch bei Men, progr. Bappoltsweüer 

1885 8. 15). 

3) Vi;l. S. elniiiun, Jahrbuch f. ud. sprachlorschuug 28, IIÖ uud 
Zs. f. voiksikunde 16, lOö (über Gloth). 



i. LoBbueh (inhalt. drncke). 



unliebsame yersehen stossen. Nicht bloss stehen vor t. 15S 
and 185 falsche Verweisungen anf die holzschnitte der nr. 25 

lind 38, sondern wir tiiuUn auch unter den für die jini<i;t^e- 
sellcii bostimniten «pi iklu n einen (nr. 24) , der nur uut' ein 
mädchcn passt, und unter den sprilchen der jungi'rauen drei 
(nr. 31. 32. 35), die für jün^rlinge berechnet sind. Ebenso 
widerspricht in nr. 17 v. 1149 dem späteren v. 1200. In 
Oammerlanders Überarbeitung v. j. 1543 (B*") sind diese fehler 
zumeist gebessert. 

Ffir die dauernde beliebtheit des Wickramschen los- 
buches, dem auch Fischart 1591 lob spendete (unten s. 340e 
zeupft die lange reihe der auflagen. Sein erster kuüktirrent 
sclit'int der Strassburgcr rnaier und dichter lleiuricli Vogtherr 
gewesen zu sein, der im selben jähre 1539 ein 'christliches 
losbuch' (s. 336) herausgab, dessen format und einrichtung 
(scheibe mit 24 buchstaben, eine kürzere und eine längere 
spruchreihe) deutlich an Wickrams werk erinnert, wie er auch 
in der vorrede wider die m *zergenklicher kurtzweil* dienenden 
losbttcher polemisiert Da Vogtherrs buch am 6. august 1539 
im druck vollendet war. muss Wickranis Kurtzweil* schon zu 
an taug des juhres erschienen sein. 

b) Die drucke. 

Soweit sich nach dem vorliegenden materiale urteilen 
lässt, zerfallen die drucke des Wickramschen losbuches in fünf 
gruppen : 

1) die foiioausgabe von 1589 (A). 

2) die überarbeitete quartausgube ( ' a lu ni e r 1 a n d e r s 
(B^BCE), die «chlechtweg 'Kui-tzweil' betitelt ist. Hier sind 
zwei umstellunneii vorgenoninien . indem der abschnitt 24 mit 
31, sowie 27 mit 35 vertauscht ist (vgl. h. 9 f. 52. 57); ein- 
zelne versehen von A sind gebessert (s. 10, vgl. auch v. 275. 
1071), gelegentlich Zusätze gemacht (e. 20. 57); regelmässig 
sind die aufforderungen , das blatt umzuwenden (v. 238, 296, 
354, 411 etc.), abgeändert, da die Verteilung des textes anf 
die Seiten von A abweicht. 

3) die neue bearbeitung, die Peter Schmid vor 1559 



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Vorwort. 



11. d. t. 'Daa weltlich lossböch' herausgab (FG in 4«; JLOP 
in 8*). Hier ist nicht nur ausdruck und metrum jfebessert, 

sondern auc h die zahl der antworten von 40 anf 18 vermehrt. 
Die hilder zu diostii /ji^ätzen (unten s. 82—98) stallen dar 
einen schneckentreilier (vgl. Meissner, llerri^« arehiv 58, 242), 
einen geizigen esel (nach Alciatus. Eniblemata 1534 s. 55 
*In avaroe' == 1551 s. 93 == 1608 nr. 85; vgl. Holbein So- 
ciety 4 — 5), einen sich lausenden mann (Murner, Schelmen - 
2unft cap. 17 *Leuß in beltz setzen'), einen krebsjäger, einen 
frosch als arzt (H. Sachs 23 , 459. 1569; vgl. oben s. XI), 
einen von hnnden anf^efallen^n naiTen, den st(U'zenden Icarus 
(uacli Alciatus 15:U s. in astn»logos' = 1551 s. 113 = 
lt)U8 nr. l(>;i) und ein stoichgericlit. 

4) die undatierte, vor 15SÜ erschienene ausf^ahe Thiebolt 
Bergers *Da.s gldckradt oder weltlich lnv->l,ii( h* (IIKMNQU), 
die zu Schmids bearbeitung stimmt und wahrscheinlich aus ihr 
geflossen ist, zu den reimen des titelblatts indes auch Cani- 
merlanders ausgäbe benutzt. Ein druck von 1702 (U) ffigt 
zu den 48 antworten noch eine nene hinzu. 

5) das aut Beriiors ausi^ahe zui il« Ivl;» hciidc ivnrtzweilipfe 
loli- oder i^r«iil>iu h!»'iii' 1()7l (S1\\\'X). das den 'be- 
schlus.s' lortliisst und <ias 7. bild (vgl. «. IX' und nnten s. 23) 
den ^Finckenritter auft' der fjfnnLV nennt. In ST ist jedoch 
statt dessen auf bl. C2a irrtümlich das bild des mönches 
auf der gans (unten s. 55) eingesetzt. 

A) ir»89. - K.Tn Sclir>n<' Viuid ( UiA sehiinpfliclie kiii-t7.w<^il , so 
durch viubtreibOM rvii | »»r scin-iiii'n, Allt<Mi vud Jungen, nKinn 
woiblicheu personeu: Auch | den Züchtigen .lunektViiwen, /u tr.iurigeu 
zeitten, vil lächeriger vund J 8chiiiipfliclier ^prUch va fürbildtnüssen 
ffirbringet . den meoBchen | kurtzweil sftmachen , vnd die trattrigen 
echlaferigen | gcmAter, widerumb zd lachenden fre\ - | den sfl bewegen 
vnnd erweck- | en. Vmb kurtsweil | an tage ge | gebm. | [Hol 
»chnitt auM vierstQcken zuBammengeKetzt ; aau auf der kanzel, sau 
Orgel »piolend, esel mit der garnwinde, aife iin eessel, ein hamglas bc> 
schauend ; vgl. unten ». 70 nr. 35, 28 nr. 10, C4 nr. 31 und ()0 nr, 29} 
(M.D.XXXIX. I 47 ungezähllt? blätter i'olio, ii;inert A bis Die 
bogen A hU D. F, (J haben je C, E und H je 4 blattcr. — Auf bl. J 3a 
steht: (ietruekt au Str.ißl)urg, Im Jiir man ' zaU nach Christi vn^er* 
herrn p'>bMrt. | M.IK xwix. ] — (B;(s('l, i;» rlin Na 4241. Wernigerode). 
Wer der ungenannte drucker die»ier origiaahiUKgabc war, ob Jacob 



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1. Lotbuch (drucke). 



XV 



Frölich oder die ^offieina £nobIoc]uuia\ an die mftn angesichts der 
fettetehenden Terbindnng Wickram« mit beiden firmen') ranftchst denkt» 
wird sieb vielleicht noch ans dem früheren Torkommen der lettem und 

der schon ziemlich abgenutzten randleisten entscheiden lassen. Neu 
geschnitten »ind. wie es scheint , die in den drucken B*, B, C, E wie- 
derum benutzten holzstöcke der bilder über den einzelnen antworten 

und der scheibe mit dem drehbaren zei^ror. Zu unsrer reproduktion 
der letzteren auf s. 5 (in hulber lincargrüsse) bemerke ich noch, das» 
das horu und der link*- fus-, t iTihoins t rgänzt Hind. ab^r . wie das 
mir leider zu spät bekannt g».'vvordene Wiener exemplar von ü* lehrt, 
nicht ganz richtig. 

B*) 1548. — Kurtsweil. | [Zwei h o 1 z h c h n i 1 1 e : a) ein esel 
wickelt garn, auf der garnwinde sitzt eine cule; b) iu einem flachen 
korbe sitzt ein iiKuu h mit spindel und haspel. Vgl. unten s. 64 nr. 81 
und s. 1?. ni. l.| I Was »thont jr hie vns zilgaff'en an, | Es gieng jeder 
wol sein*' bau, [ l\icket ^ich mit t lini hcvm in sein hauß \ Ehe wir jm 
den buben ii Uzten auß. | Es sei gU'ich frawen oder man ! Des vns hocli- 
niuts nit wil orlan | Der ziog mit freuden das Ainhoru, | Vnd hut ^ieh 
schon für grossem zorn, | Ob wir dann »agten das jm nit getiel. | So 
schissen wir doch zum rechte ziel. | Jorg Wickgiaui von Culmar, | 
8 -f 52 blätter s=: 15 bogen 4^ signiert ij, a und A bis N, mit holz- 
schnitten, 80 seilen auf der seite. — Auf bl. Ndb (= &lb) steht: Qe- 
tnickt zu Straftburgk bey M. | Jacob Cammer Lander. | Anno. M.D.XLiij. 
I Dann folgen drei holzschattte: mOnch mit einer nonne im 
rttckenkorb (unten s. 85 nr. 32) > mOnch mit haspel und spindel, esel 
vor der garnwinde; auf bl. N4b steht Cammerlanders drockerzeichen : 
die geflügelte glflcksg5ttin auf einer kugel hält einen schild, der einen 
schuh und fQnf sterne zeigt*). — (Wien SA. 7. G. 7). 

Der mngister Jacob C a m m e r 1 a n d e r aus Mainz, der in Strass- 
bur^ vrm 15?,*? bis l.'jlS als bu^^lidi neker thitti? wnr") nn<l 1543 auch 
ein inoralisicrendeH kartenlo»(bu(-li (unt^n 336) herausgab, hat zu tien 

* 

1) Vgl. bd. 1. V». 2, XXI und XXVII. 8, XVIII und XXX. 

2) Beproducieri bei Heits und Barack, Klsässische bOchennarken 
1892 tAf. 24. 

3) Vgl. B. MTenzel, Cammerlander ond Vielfeld, Rostocker disti. 
1891 und Heitz und Barack, Elsllssische bQchermarken 1892 s 48. — 
Zu den dort verzeichneten drucken Cammerlander.:« trage ich nach : 
1537 Eyn newes Complexion Büchlein (4 -f- 30 bl. 4". Berlin kupfer- 
»ticbk;.b.> — 1538 P. Kärtzenmacher, Alchimia (4 ^- 44 bl. 4«. ebd.); 
Die Sieben weisen Mey.ster (16 bogen 4*. Zwickau) — 1542 Polychorius, 
Amoenissiiiin et pudica iocornm facetiannn*|ne sylva (7 -f- 114 bl. 12". 
München. Stiefel, Zs. f. d. pli. 3'». Rl). - o j. Kyll newe Spinstüb (10 
bogen 4^ Ulm, Zwickau. Serapeum 1862, 9U). 



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XVI 



Vorwort 



bilderu dieselben stöcke wie in A benutzt , nur ohne die reiche um- 
rahniunj^ von weinlaub und rankenwerk \) ; die Seitenleist <mi dai^ej?«-« 
sind schmaler als in A. — Leiilt r erhielt der hernnsjjobor von üieM i 
ausgäbe B* erst künde , als der druck des textes s^chou beendet war. 
Sie stimmt durch we$f /.u B. 

Bi 1540. — Kurtzweil. j [Zwei hol/schnitte wie in H'J ] Was 
stöhnt jr hio vti> y.ü gaffen an, | Es gieng jeder wol sseine bau, | Pa- 
cket sich mit » lini h( ym in st-iii liauli | Ehe wir jui den buben tilt^teu 
auß. I Et» s*\v crlfii Ii tViiwi ii U'l' i man | Der vn8 hochmuts nit will er- 
lan I Der /.ieg uut treuden das Ainhorn, I Vnd hut sich schon tur gros- 
sem zorn, 1 Ob mir dann nagten das ihm nit gtiel, | So schissen wir 
docb zäm rechten ziel. ) Jdrg Wickgraro von Colmar. | 8 4- 51 biAtter 
s 14^4 bogen 4^ Bignicri wie in B*, mit holsschnitten. — Auf b1. 51b 
steht: Oetraekt zA Strabburgk bey M. | Jacob Cammer Lander. } Anno 
M.D.zIt. ( [HolzBchnitt: narr mit kolbeauf einem dreck reitend: 
'ich kam von kieaen*. Vgl. nnten a. 27 nr. 9.] — (Bremen.) 

C) 1550. — Knrtiweil. | Was stohnd jhr bie vns zft gaffen an, | 
Es gieng jeder wol seine ban, | Packet sich mit ehren heim in sein 
haus I Ehe wir jm den buben filtzten auÜ. | Es sei gleich frawen oder 
man j Der vns hochmilts nit will erlan | Oer zieh mit freuden das Ain* 
hom, I Vnd bftt sich schon fttr grossem zorn, .| Ob mir dan sagten das 
jhm nit gfiel, | So schiesnen wir doch zum rechten /iel. | Jorg Wiek* 
gram von Colmar. | [Zwei holzschnitte: a) eine kuh mit einer 
brille steht vor einem lesepult, b) eine ziege spielt auf der laute. Vgl. 
unten s nr. 2 und h. m nr. S4]. 8 -j- 51 (oder ÖL>) blätter = H'/* 
bogen 4" mit hol/scliiiittcn. 'ni hrfsirb benchädigt -) ; auf bl. 52 stand 
wohl das hu;i lit'iausgexchmUcue und auf r'm weisses blntt geklebte 
buihdruckcr<ieichen Rihels'). — Auf bl. 5Ib s'teht: Getruckt zu StraÜ- 
burg bey | Wendel Riliel. | Anno. M. D. L. | [Holzschnitt: ein blumeu- 
topf; vgl. unten s. 75 nr. 38.]. — (München.) 

C verwendet dieselben typen und holzstdcke wie B* und B und 

1) Die holzüchnitte auf bl. Ü5a, D6a und J2a der ausf^nbe A sind 
von Canmterlantb'r riucli in Brants Marrenspiegel (15i5bL TÜb, F3a und 
alb) lienutzt, der dritte ferner in Murncr.>< Alt und new schelmenzuntft 
(o. j. bl. H:ia). Dir- bf 1(1*11 kb^nf^n weirirclM rdcisten (1539 l>l. Bla, 
K3a II. '(^.) kelirf u wifiU-r in Scli. rtUnH Vol l)i n<lcr><chatf"t (1548 bl. A 4b. 

rti-.i. Ibaut« Narienf^piegel (1545 bl. iijii, A la, B3a etr\ Miirnrrs 
ScIit'lnn'Uiiiuitit (o. j. bl. Alb, B la etc ). im Bruder NuUiaid (o. j. 
bl. c3a, dl'b etc.); der an weinrunkeii euiporkletterude bär (1539 
bl. Bla u. ö.) im Bruder Nolhard (o. j. bl. A2a). 

2} Es fehlen dadurch die verse 45—56, 1055—1074, 1085—1144, 
1208-1204, 1232-1234, 1713—1724, 2189-2204, 2246 -2304. 

8) Vgl HnU und Bamck. Elsüssisohe bUchermarken 1892 taf. 29. 



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1. Losbuoh (drucke). 



xvn 



«timmt übjnbaupt mit B* und B weiten- und zeüengetrou überftin. — 
Wendeliii Rihel, der die hol/nt^cke offenbar aus Gammerlandera 
naobla<«f' ei"W'orben hattt;. druckte von 1585 bi> l^^o zu Strasaburg 
(Archiv tür gescb. des dtsch. buchbandels 5, üi. 139). 

D) 1557. Das Weltlich Loßbnch. Wickram Ton Colmar. 

Strabb. 1557. 4*' (nach Gae<bkr, CirundrisB 1859 1, 869 = 1886 2, 461 
in 6«>rlin vorhanden; doch ist diese angäbe den katologen der kgl. 
bibliothek zufolge irrig). 

£) 1559. — Kurizweil. | Was stond jhr vi» i3 gaffen ao, | 
£s gieng jeder wol seine ban, ) Packt sich mit ehren in sein hausz, | Ehe 

-wir im den bfiben filtzen ausz. | Es sei gleich frawen oder man, { Der 
vm hochniuts nit will erlan, | Der ziech mit frenden das Einhorn, | Vnd 
hiit sich schon £&r grossem zom, | Ob mir »agien da.s jhm nit gfiel« 

I So 8c!üej»den wir doch zum rechten ziel. | J o r g W i c k g r a m von 
Colmar. | [Holzschnitt: orgelspieh-ndes schwein ; vgl. unten 
28 iir. 10] ! G et r u c k t z ii Strasburg j !ii .1 a r 1 M. P. IJX. 1 
(Titel rot und srhwarz.) « 56 bliitter 8^ 2« /. il. n .luf d>-r >.'!te. — 
Auf bl. .%<jii >t' l:t ; (ifinirUt zu StralM.uri,' «liirch ( .lo-i;iiii liihel. ] Im 
jar M. D. Lix. j — (Burlm Na 4247 Ji:lckt. München au l'O. lat. 390). 
Zu^^deu bildern sind dieselben holzstöcke wie in AB*BC benutzt. 

Josias Rihel, der zweite söhn Weudelin RihelSt druckte von 1558 
bis 1601 (Archiv f. gesch. des dtsch. buchhandels 5, 38. 148). 

F ) 15G0. — Da« W e It 1 i < 1. ^^^||^ | L o h z b ii c Ii. | 

Jc'trg Wickgram von Cohnar. | [Holzschnitt schwarz und mt. si<rniert 
lA 1557. Die irb""'k«i;"tttin auf der kugfl. mit verbundeiRu angen, in 
diT link«Mi ein jsegfl iialuiul. zieht an rim in x-lle, da> «iit- kinb»d eines 
von acht tiirurrn boet/ten glücksrads in b^jwigung setzt.] j (jotruc kt 
z i1 M ü 1 h u s e u i ni o b e r c u | E 1 s a L> , durch Peter S c h m i d. 
I ANNO. M.D.LX. ) (Titel schwarz nud rot). 2 bogen -f 6Ü bl. kl. 4* 
mit bildern und randlfisten, iiü zeilen auf der seite. Auf bl. QOa steht : 
Getruckt zii MOlhuscn | im obren Elsaß, durch | Peter Schmid. | — 
Auf bl. 60b ein druckerzeichen ') : in einem ovalen kränze schreitet 
eine danie, die in der rechten band zwei herzen, in der linken violino 
lind bogon trägt, über musikmstmmentc hinweg; Umschrift: 1558. VT 
IN VELAlUU) OLKARll. - (Die defekten exeuiplare in Berlin Na 4248 
und WolfenbiUl.'l ("im. 108 ergänzen einander; jt-nem fehlen die vier 
letzten, diesem die drei erhten blätter. Vgl. aucli unten s. ?,?>ii\) 

I ber d*'n drucker Peter Sehmid vgl. bd. '6, >. XX f. Da^^s Peter 
Si lnnid /nsanmK'u mit ilans S( hirenl>rand in tlen jähren 1557—59 
st hun vinv frülirr»' ausgiilie des losbii'lic- veran.staltft hatte, 
ergibt hieb au« dem 1559 uufgenommeiiuu inventar ihrer druckerei: 

1) K«'iiri)dueit'rt Oet ib'itz und Barack. El-iWsisclie l>üciM i marken 
18'Jl' laf. 75. Die um.Hchrift stammt au.s Plautu^ Captivi 3, 1. 29. 

\Vi(.'krjiiu b 



xvm 



Vorwort 



SioJ lusbiicij. it 1 ballfii. 1 ryss, 6 buocli, constat 17 11. iiml zu 
Frankfurt : Luböbücher 12 rvson' (= 853 exfniplave zu lotis. 4*', jetlej* 
'4 kreuzer. Coudre, Bullditi du uiUf»'«' ijifit<»nijuo d«» MuIIiou.hc 2, 51 f. 
75. 1877). — I ber ^chiuids zusiltzc vgl. oben s. XIII 1. 

G) I564.~]p)^p Das Weltlich p^^p i Lo««sbi1ch. | 

J6rg Wickgrani von Colmar. (P)|^ | [Hölzschnitt wie in F.] 

] Gedruckt zAHfilhausen im oberen l Elsaß, durch 
Peter 8cbmit ) ANKO M. D.LXIIIL } (Titel schwarz und rot.) 

2 bogen + 60 blüttor 4", sicruiert A bis R mit holzsehnitt^n und rand- 
loiston. Auf bl. f><>n stfht; (iodruckt zn MülhauRon | im obren Elj^af», 
durch t Peter Sohniid. | Auf bl. 60b dasselbe druckerzoiohcn wie in F. 
— (GOttingen; doch fehlen diesem ezemplare bl. A2 und A3). 

H) 1560—1586. — Das Glückradtj oder Weltlieh 
Lasxbfich. | Wolhar jhr Eeuffer, Weib vnd MaÜ, | Nempt euch 

si^himpfts N-nd kurtzweil un, | Vnib wenig pfenni«; schatl't euch freud» 
I Selber findt sich allzeit leid. | Durch .1 o r g Wickgrani von 
Colmar. | [Holzschnitt: vUw juii<rrniu lässt zwei narren durch ein 
Hieb fallen ; vgl. 'u nr. 27] | (t e t r u »• k t z ü St r u s b u r g b e y 
jThiebnlt B (• r t" r. [ Tiltl >-(liw!iv/ und rut.i bo<jpn mit 

neitenh'i^tl■Il und liülzHciuutreii : dir lilTilti r B2 bis JH snui num-Tiert 
(1—61). Aul bl. J7b steht: Getruekt zu Stnw- | bürg bei Thiebolt | 
Ücrger. | — (IJerlin Na 42 >4). 

Ks fehlt bl. A4, auf dem wie in Q die sclieibr mit dem zeiger 
angebracht war ; dtk» letzte blatt J 8 enthielt wohl wie in V das zum 
ausschneiden bestimmte bild des drefazeigers. Der text beruht auf 
die holzschnitte sind nach A und F kopiert. — Diebolt Berger kam, 
wie mir K. Schorbach freundlichst mitteilt. 1551 nach Strassburg; bi« 
1564 druckte er am BarfÜsserplatz (1562 Wickrams Tobias^, von da ab 
am Weinmarkt zum TrObel bis mindestens 1584. Bald darauf mum er 
gest-orben sein; denn 1587 treten seine erbrti steuorzahh'r auf. Die 
holzstöcke von H sind noch 1702 in U wieder benutzt. 

J) 1586. — Das Weltlich Loßbuch , durch Jorg Wickgram von 

Colmar. 8"*. Franckfurt bey Niclaß Bassoe (Catalogus novus nundinarum 
vernalium Francofurti 1586, bl. F4b. Auch in den» in» herbst 1587 
verötfentlichti'u messkataloge von N. Bassee: Mitt. d. v. f. geMch. in 
Krankfurt a. M. 6. 106. 1881). 

Von Ni<!ola« B n h e auM Valencif'mio< (seit 1561 Frankfurter 
bürger, gestorben 16U1) rühren auch L und O her. 

K) 1589. — Da8 Glückraht oder Weltlich Loßbueh. Franckfurt 
a. M. T O S'» (Weller, Annalen 2, S78). — Der titel ist der gleiche 
wie in UMNg. 

L) 1592. ^ Titelblntt fehlt. 9 + 62 bl. = 8V» bogen 8^. Auf 
bl. J7ii steht: Gedruckt zu ! Franckfurt am Mayn, | durch Nicolaum 



1. Loabudi (dincke). 



XIX 



Bas- I 8»am, im Jahr. ] □ | M.D.XCII. | (Wien). — Nach Pet Kopff 
(CoUectio in unum corpus omnium librorum, qni 1500 utque 1602 ve- 
nales extiterunt, 1602 2, 291 = CleasiuB, Elencha« consunimatiBuma« 
libronim 1602 2, 291) lautete der titel wie in J: 'Das Weltlich LoObuch\ 

M) ir>93. — Georgij Wickgraiu von Coliuar lilückiaUt oder wolt- 
lieh Loßbuch. Strasburg, Anton. Bertram 1593. 8^ (Kopil', Colleetio 
libroTum = Glessius, Elenchua 1602 2, 276). ~ Vielleicht identisch mit N. 

N) ir»94. — Üas Glückrad oder weltlich Looshuch. ."Straääburg, 
Hertriiiii 1">1)4. 8" (K. A. Pibert, Allgeni. bibliographische« b^xikon 2, 1075 
iir. 2Hi>71). 18:W. Goedeke. Grundriss« 1. 869 = * 2, iGl behauptet 
nilschlich. in WoHenbiittel befinde sich ein exempbir dieser ausgäbe). 

O) l.-^9r>. — Weltlich Loßbuch. Franckfort, Nico]. Bass 8" 1595 
(im Catalogns nundinaruni vornaliuni Francofurti 1595 bl. D4b ohne 
nutornanien anp^efQhrt: doch macht die vergleichungf von J und L un> 
zweifelhaft^ das« Wickrams werk gemeint ist). 

P) 1611. ~- Das weltliche LoObnch. Magdeburg, Joh. Franck 
1611. 8* (Weller, Annalen 2, 378). 

Q) 1618. — Das GlQckradt | oder Weltlieh Laßbuch [!] 
{ Wol h&r jhr Keuffer. Weib ynd Mann, | Nämpt euch schimpffs vnd 
kurtzweil an. ) Vmb wenig pfenning schafft euch freud, [ Selber find 
sich allzeit Leid. (Durch Jorg Wickram von Colmar. | [Holz- 
schnitt: eine frau iftsst xwei narren durch ein sieb fallen.] | Gedruckt 
zu S t r a ß b n r }r , b e y ] Mar z von der Heyden am Kommarckt, Im 
Jar I 1618. 1 (Titel schwarz und rot.) 9 -{- 62 bl. =s 8V» bogen 8« mit 

holzschttitten. Auf bl. J 7b steht : (pj^^ Gedruckt zu | Strassburg, 

bcy Marx \ von der II. yd. n am Korn- | marckt. | — (Jena). 

Q scheint aut HKMN /.urilck/ugehen. — Marx von der Heyden, 

ein jlinj^erer bru(b^r Clnistojdis und ein verwandter des kupferstechers 
.Tacob V. d. H.. geb. 1598, druckte bi^^ gegen 1648 (Hcit/ und Üarack, 
F.lsäisttische büchermarken 1892 s. XXllI). Auh diesor iius^.ibo sfbpin'Mv 
die 7 bnl ,'-!tft<-k«' zu Wiekranis losbuch her/m ühn n , H''il>s |_Origi- 
nalabdnak vuu tot nischneiderarbeiten des IG. u. 17. jli:*. n. f. 1894 
taf. 89-90), ohne ihre herkunft zu erkennen, reproduciert hat: *>ie 
entsprechen den bilderu auf bl. ^Ob, 7b, 57b, 48a, 49b, 32a, 14a in Q. 
die man unten s. 47, 22, 79, 67, 69, 48, 83 beschrieben findet 

R) Leipzig 1626. ö<» (wo?). 

S) 1671. — Ein Kurtzweiliges Loß- oder | ü rehbuc hiein. j wel- 
ches ni i t e i n e m Giü cks« I rad durch viel wunderseltsame Vi' j 
guren, Sehimpflsweiü einem jeden seine | Art anzeigt , auch was ihm 
sein Ijebenhuiir ' filr <!lnfk uml Vugluck bepf«crii»'n werde ' Dnvoli | 
G e o r g W i '• k v ;i m . v <> ii V o I iii ,\ r | Wolher ihr Kautlcr W'eil» und 
Munn, I Nmubt euch !<chimptte.s und Kurtzweil an, | Vmb wenig l'ten- 



XX 



Vorwort. 



ning schafft ottob Prewd, | 8elber find sich atkeit das Leid, j [Hok- 
schniit = bl. H6b nr. 41: swei fraiuMi halten ein ^icb, durch das drei 
narren hmdurchf'allcn.] | G e d r u o k t Im Jahr 1671. | (Titt^l 
«chwar/. und rot). 9 Ixigeii 8^ mit holzsi linitton. — (iJerlin Na 42.'»8). 

Die finzi'luen abteihingon sind hrtitflt : 'Vornnle an d^'U «j^utluMl/.i- 
♦j«>n l-f^er", *l'nt*rricht zu diesem Lop oder Drebbiichleiti'. "Erinne- 
luig', li'^ffi^^ter /II die^^Mn LoL-bucli o.l.r Dr./hbüthlein' {uv. 1—47), 
dann <li'- i Circkel (ur. 1—48 mit neueu hoizs.). Weggelasüen ist dt-r 
bf -rhlii.-a. 

T) 1676. — Titel wie in S; nur steht in z. G tur | Gluck — 9 
C o 1 1 ni a r — 14 G e d r u c k t i ni J a h r 1 6 7 6. Titel schwarz und 
rot). 9 bogen b** mit holasclmitten. — (Ötrastiburgj. 

V) 1702. — Titel fehlt mit dem ganzen ersten bogen: ferner die 
bogen CDEF. B"/, bogen 8» mit holzschnitten. Auf bl. J7b steht: Ge- 
druckt vnder der Preß, | 1702. | Auf bl. J Sb ist die zum ausschneiden 
bi'stinimte drehscheibe mit dem einbom und deren lückseite gedruckt. 

— (Basel). 

V ^tiTiuiit in der druckeinrichtung zu II imd (> iin<l enthilU iin 
gegeii^iit /.I' /.u ST auch den 'Bt'schhiß'. Wie eine g'-uiuii-i'- hetrachtnti^ 
der hul/.M- liJiittr ergibt, »ind fast dnreljweir die liMlz-tTu ke ThiebuU 
Bergers (in H) benutzt , .so das« man VLimuten dar! . aiioh l' sei in 
Slraf^jiburg gedruckt. Den 48 Sprüchen ist jedoch hier noch ein wei- 
terer hiiuugefügt: 

[Blb] Z 

Ich bin gt'lautl'cu wie ein schweiu. 

Dein glnck s* soeben, wo es mdcht seyn, 

Durch grosse wasser \ingeheur: 

Bekommst vtei glucks, kommt dir zu steur. 
(Such die saw mit dem pfawenschwants 49) 

[.I6a) (Ii ii 1 z s c h 11 i t t : ein schweiii mit ptunenseliwanz hiuft 
durch eine lache. Rohe auslühruug.j 

49 

a Willkomm, mein schöner sonnenglantz! 

Frewst mich wie ein lowen der tantx. 

Keines glucks kan ich dich berichten. 

In deim planet find ichs mit nichten. 
[J6b] Dein tugend-schftne i&ieret dich 

10 Oleich wie dieser idawensj-hwanta mich. 

Du gh'ichest mir doch also wol. 

Bist all meiner tugemh n voll : 

Siht man an deiner gbar»! \uu\ weib. 

Die ihi tnlirest mit gant/eni tleiü. 
iö l)Ar&u bint ein gar hauli liehe diru, 



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1. Losbuch (drucke). 



XXI 



Im jalii- »tpianst kauiu ein lohtlein zwirn, 

SchaflVt, liüiij^iit das hnuß zu offt an halv; 

Dann wilt es beschnarchen alle, 

Das fcn«tor an hals thust z hiu^ messen, 
2U Förchtst, «rjun*,'tMi «^sfllen dein vergessen, 

Wilt von jt'dt rniiui ^seheu aeyii. 

Gleiciiwol s»o iiclitet niemand dein, 

Wtjil du unüätig luit dir selbst bist 

Und 8 bauß machet aller voller miät, 
25 Mit koht bestreichst dein beyde eeiten ; 

Dammb so tbu ich mit dir streiten. 

Ifit rotx und feißte sehmierst das maul, 

Bist darzu auch so leiden faul; 

Wilt da gleichwol ein bulerin seyn, 
30 Lädst junge gesellen ssu dir ein. 

Wer war der, dem «assest in der Mchoß, 

Da d'haußthür liesäest stahn am schloß 

Und du gar wo) wärest besagt? 

AIB er solchen weinschlanch geHchmackt, 
85 Hat er dein schon so gar genug, 

Er ward froh, dein abkam mit fug. 

Auch hätt>t 80 ein wei>« hemmet an, 

Ich wischtt' nicht den iiiudcra »Iran, 
[J 7 tij Laull'est damit auch au den tanti^. 

40 Dich ziert auch wol dein bort und krantz, 

Wie der pfawenschwantz mich schOne saw. 

Ton hoffart und stolts stinckest du, 

Kaust ihm doch kein gestalt nicht geben, 

Dann du fuhrBt ein ungrahtnes leben. 
4ö Wiewol ich bin ein arme «av, 

Bin ich doch viel gschickter dann «lu. 

Ko< hst Innt und vieh, auch mir und dir 

Aliensamt in einem geschirr. 

Wann du schon etwas reines ha^it, 
ÖU Wird es von hund und kat/en ifnas< lit. 

Wollet all tag gern haben ein mann; 

AV« M wolt ein solchen unlust hau! 

Wciu uiilKiter gefalhm wol, 

Dem wünsch ich hof imd häuser voll. , 
65 Darumb raht ich dir, jungl'raw fein, 

Wollst mir [L mit] dir selbs gerabtner seyn. 

V) o. j. (lö. jh.) -- Ein kurtaweiUgon Los- oder j Dr ebb&ehlein, | 
Welches |Hit einem Glücks-Rad,! durch viel vunderseltsame 
Figuren | Schimpfl's-weis einem jedem seine Art an- 1 zeiget, auch was 
ihm sein Lebenlang für Glhck | und Unglück begegnen werde. ) Durch 



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xxu 



Vorwort 



' (j e o r L' W i «• k r a in von C r>\ m n r. ' Wolli«*r. ihr Käutter. \\ • ili 
un«l Miuiii. N« linit euch SchimitlV> - uihI Kuit/weil an, ] L')n wcni;^' 
Ptennig li.itlt . m h Fn'uti, | Sellni linUt ^rli ill/.- it «la» Lfid, [ [Hoi'.- 
scbnitt : Zw» i li.uicii drei narren (lur< h i m >ieh fallen ] ] (i e- 

druckt in di»'seni J .i Ii i ^U.) | (Titel seliwai/. und rot.) d Bogen Ji** 
mit holÄSChnitten. — (Berlin Na 4'26'J.) 

V ist wie die ausgäbe S (1671) eingerichtet; die faolsschnitte «iud 
ebenfalU slemlich sorgiTiitige nachschnitte von S. 

W) o. j. jb.) — Kuitzweiliges | Loos- oder Dreli- | liiieh- 
1 ein, 1 Weicht'S | Mit cinvni Glucks- Ka<l, , I) u rc h viel wunder- 
Heltxame Figuren, | SchiwpüVi-weis einem jeden seine Art anzci* 

j get, auch was ihm sein Lebenlang für Gluck und Un- [ gliick begeg- 
nen werde. | Durch ) Georg Wiek r am von Colmar. | Wolher, ihr 
Käuffer, Weib nnd Mann, Nehmt euch Schimpffs und Eurtzweii an, | 
Um wenig Pfenning schafft euch Freud, ) Oelber find sich allzeit das 
Leid. I [HolzBchnitt : zwei frauen lassen drei nan^n durchs sieb fallen.] 

i Gedruckt in dies-eni Jahr, j (Titel schwarz und rot.) 9 Bogen 8* mit 
holz^^ebnitten. -- (Berlin Na 4265, am Schlüsse defekt). 
W ist wie STV eingerichtet 

X) 0. j. — KunweiUges | L oo s* oder Dreh* ) Büchlein, ] 
etc. wie W. bis; auf folgende abweicbungen ; wunderselxame — Schimpfs 
— an- I zeiget — Gliick | und l'ngliu-k — KTiufer — Schimpfs und 
Kurzweil — Gedruckt in diesem Jahr, (ü) \ (Tit. 1 -rinvarz und rot.) 
9 bot»«Mi 8" auf* <bM>clben presse und mit densclln'n bol/.schuitten wie 
W. Der text scbliesst auf bl. J 71t; auf J 8b sind die beiden teib' des 
dr^lizfisr' vs abgedruckt. — (Berlin Na 4266, Bremen, Colmar defekt, 
Wernigerode). 

cj Lesurieu. 

Unsrem abdrucke ist natürlich die allein Wickrams ur- 
s|>i iiiiL;li( ln' w icd^TLrebf-iido tolioausoaltc vun 1539 (A) 

zu gniiiib' u'rb'Ljt. lji<>:^-st' (Imckttliler .^iiid u^ebessert, gr<)>sere 
Umstellungen und einschah untren von (Jainnierlanders bear- 
beitung unter doui texte notiert, während die sonstigen ab- 
weichungen der drucke BC£F in den kritischen apparai ver- 
wiesen wurden. 

Ausserdem erschien es dem Herausgeber als pflicht, Ober- 
kail die achtzahl (bei klini^endem flchlnsse neunzahl) der silben 
in Wickrams verseil diut hzutiihrt n. 'Ganz ausser zweit'el stellt', 
sagt Minor von der veibtechiiik des 16. juhrh., 'dass die 

1) Nenhochdeutsche metrik 1902 a. M2. — Vgl. Rebhuns dramen 



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1. Losback (lesarien). 



XXITT 



silbenzähluQg uIm prinzip ffwtgehalten wurde , so oft auch die an- 
zahl der silben in den handschriften und besonders in den drucken 
(Iberschritten wird/ Wie bei Hans Saclis fallen bei Wickrain, 
der als nieistersängor doch ^leiclifalls metrische sorL;tiilt zu 
Oben pfloirte, die vei>.ir»>M' L^ei^en ilie .si Ibenzahl sicheriich zu- 
meist d^^L Beizer zur last. Und da ausserdem Wickrams dicht* 
werke fem von seinem Wohnorte gedruckt wurden, ist es 
sehr unwahrscheinlich, dass der Verfasser selber eine durch- 
sieht und korrektnr der druckbogen vornahm. Auch lässt sich 
in der regel die richtige silbenzahl durch Streichung oder hin- 
zufügung eines unbetonten e oder einschaltung eines wertes 
leicht lierstellen : nur wo eine gewaltsamere änderung erfor- 
derlich we.M ii wäre (v. 227—229. 235. 649. 650. 730. 1178. 
1667), habe ich die überliefenmg nicht angetastet. Auch der 
reim bUeb ungeandert, z. b. 278. 496. 877. 

Widmung, s. 8^t Ehrenueaten, wolwejsen F — 8,t geburten 
CEF — 3,8 oneraehener C. vneraechner F — 8,9 scbertaigß sehertzigs 
CE — eine« yeden alphabets F — 8,10 erstlichen) fehlt BCEF — 3,ie 
höchst BCEF — wa CE — Z,n ab ab A — 8,«i »fipehen. Hab derhalben 

mich 7M vor, nachrede zu vermeiden, verwaren wollen BCEF. 

Vor red. üeberschrift fehlt A — v. 1 schon F, fehlt ABCK - 4 
mossen BF — 8 verstohn E — 10 thäta ABCEF — 15 jnnLktVowelin 
ABCE, jugkfrmiwlin F ~ '30 da^shcHiiir F — 22 eyner A, einer BCEF 
— 'U riechst ]'] — ;?3 /.iech E, aeüch F — kryß A — 35 gebort CE - 
;S6 nuissen dfrawen EF — 37 tritt ghort A, drit ghort BCE — jungu 
A — 30 Trittts ABCE — nit) uin E. 

Anweisung, in C auügcrisaen. — 47 wor BF — 50 verstohn 

1859 8. 188 f. und die in Strickers Dttdeschem schlömei- 1889 g. *57 
ansanimengeatellten Zeugnisse ans GrefT, Pondo, HoUoniuB, Rinckliart, 
in denen der lenei' nni Verbesserung derartiger druckfehler gebeten 
wird; dazu noch S/aniatolnki, Hutten« deutsche »chriften 1891 s. 127. 
J. V, Schwarzenberg, Der teütsch Cicero 1534 bl. 162 b: 'Es seyn auch 
sunst allerli V nV)er-;ehunir inn diseni eil halben geschehen. . . . 

sunderlich iiin etthchen reynien überig od» 1 -im wenig vocal unnd biich- 
üUiben jietriukt worden, dardurcb die achtsylbeten reymen inn der 
zal irer ^>lbt;u veikert . . . Der gütig, verstendig und niiissig leser an- 
der da.s alles selbst nach seiner gelegenheyt' (vgl. bl. *3a und 99 b). 
Ferner Montanu.s, Schwaukbücher 1899 0. 4G3, 472 und Titelias, Jcph- 
tes 1592 bl. H 9a: 'Wo sonsten nebr ein bncbstab mag zuviel ge^^etvet 
oder auQgelaasen sein, wird ein jeder selbst wissen xn corrigiren.' 



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XXIV 



Vorwort 



K — r)2 wiirzu E, warzü F — 53 bis 5tf io £ auAgelüSüou — 54 du« 
selbst nit habät F. 

£ r^t e r 0 i Ii e. Uebersohritt: Der niannoii < irckel HCKF — Die 
von uns eingoklaninuntcn hinweise '.Siich den inünch" ».'tc. stehu in 
lU^EF nicht vor. Hondern t^tets hinter dfu vier verscn. zu denen si<; 
gehören. - 5S hiind F — 60 kein] nit F - 64 wuit CK -- 67 ichl 
fehlt A — übt drum BCE, oV» darum F — vor 69 auft" der t^v lim ( k«!U 
reitten BCKF — 70 srüte A — 71 <sch»dl A — 72 buhl] schnuil F — 
vor 78 tiuch den halicuretf A — 74 nit L'KF — küutest CE — Ü'i will] 
Witt F — »Ö dmit ßO — 89 huß F — 90 gwult B — hinuO P — 91 
vewtan F — 92 gan F — 94 orgelen AB — 95 wurt CE — 96. 136. 
176. 216 die zjxfMze von F b. unten e. 82 f. — 97 Lebest BCE, Labest 
F — 98 hüls BC, hilfft EF — nit CE — vor 101 hordnimmen BCE — 
101 nun] fehlt ABCK beimlicli £ ~ 104 Niemants uU der dir sol- 
ches weeret F — vor 105 die) den £F — Nnren A — im korb] fehlt 
BCEF — 109 jauch] ju F - 110 atuh-rstwo BCE — 1F2 sungost F — 
reycn EF — vor 117 Such] fehlt BCEF - IJl d.-n] rin BCE - \U 
glück dz gnindt H. .rlüek <his grün 1 TK, gh'iek da gränt F — vor 137 
erteil] lies has.'n? vgl. don liolzschnilt zu v. 1:J77 — mit den A — 1:^8 
niergan A, ni< i Lr«'nt K, nien»Mi F — vor 141 slossen BCE, stossend F 

— 143 'j:ni V 144 vorhin F — vor MO vgl. die fussnote — lo'J 
widerfann A — vor 15:; vgl. dif fussnote 10:^ Ehe AHCEF -- l"»'» 
onfall B(," — vor 161 vgl. die fiis.snoii' - w • iblin] fi!i wHii IH E — lÜl 
ninuuer] nit BCE, gar nit F - 16:^ liiukvM lU'EF — h>clicid CEF — 
164 Was dir ziihandun gabt BCEF 105 begert ßCEK - 166 wurdest u 
F — 169 mach A, muß BC, mÄß EF — 172 ich im .-ej ch BCE — 174 
kummen BCF — nach 176 fehlt in A die aberschrift — vor 177 vgL 
die fassnote — 178 boscheyt A — 181 so] fehlt BCE — sprach BCE 

— 183 beHchercn BCE — vor 184 vgl die fussnoto ^ 184 dus] da« 
BCE ~ 191 gboren F — vor 198 vgl. die fassnote — 195 lossen A -~ 
106 inochest B — vor 197 veir A — kindlein BC — 2u0 rdVtlich BGB» 
oHt tlieh F — vor 201 vgl. die fussnote — vor 20o Siich] ft-hlt A — 
N irten A ~ 200 Srogen C — magst CE - vor 209 Bischiffshut B — 
211 hiitt A — 213 Vom A. 

Zweite r (»i h e . nr. 1: vor 217 Dn niiitu^en cirek<l] felilt A - 
21S drunib wolstj woJli^f F — 22«) ehren C — 221 henne dotz BCEF 

— 223 std. ts A, steh.'ts BC, stellt.^ E — 221 knchin F — 225 statigs 
F - 226 spindh n F — 231 schüßhn V HCE — windlen F 
• - 235 inn] an F -• 238 Far fort an. ich riir duii BCE. Far weyter 
an F - 240 hodt A — 241 jctz ABCE - 243 früd A - 246 yii A — 
248 Htehet A. steht C, IVhll E, htlits F — 250 zu A — 252 ghuien F ^ 
auff die BCEF 253 .-orgst CE, sorgtist F - gfrcssen CEF — 255 
deinem E — 259 fromer BC — 264 seeij fehlt ABCE 266 d] fehlt 
EF — nachbawren ABCE — 268 ehe ABCE, ee F ~ 278 Traw EF. 

Nr. 2 : 275 miximasy] astrobolcy BCEF — 276 berbey BCEF — 



1. Losbucb (lesarten). 



XXV 



278 all F — 270 gesuch BG — 282 gesessen BC — 288 wflrfflen CEF 

— argnirt C£ — 288 auff BCEF — 289 einem £ — 291 in der astro- 
bolin BCEF — 292 mein CE — 296 Leß fort BCE, Liß fort F ^ 299 
Danimb so F — ein CEF - 800 gesetzt BCE — 901 gabt EF - 802 
mercklicfas CB - 303 ein F — bogeren BCEF — 309 außerkorn F — 
310 gpschwüren BCK. gschworn F - 311 stühet B, steht CB, statF — 
320 wol tbon F ~ 325 herbt A — 327 den] dein K. 

Nr. 3: 333 voll hiiglin BCEF - keinen ABCE — 836 gelegen CE 

— 339 stan F - 340 türgaii F 343 ich nun bin BCEF - 344 «echst 
nur in8 loch lnn»'in BCEF — 340 Dü A — 353 fleschrini BCE. flesch- 
rit*ni mir F — 354 Far luit was dir BCE, Far für wa.s dir F — 355 
ebd alt A, ehed alt BCE, ee dalt F — jor F — 358 daran ABCE — 
:m seüwbrey F — 364 Achtest F — 3G7 werst BF, werest CE — 368 
nimbst BCE - 370 uüt F — 372 hauptwehe ABCE — 373 gemeyne A, 
gmeine B, gemeine CE — bauchwehe ABCE — 876 einr B» einer CE, 
der F — kuw B - 879 frawe A — erf^ A — 388 verest E, werist 
F — im F — 389 sonder] one F. 

N r. 4: 896 hie] feUt BCEF — 401 zfigel BCE — 408 lanffen £ - 
409 gesegnet BCE — 411 Leß fort an biß BCE, Liß weyter an biß F 

— 414 Da BCEF — 416 Gschicht E — 419 sollichs E, da« F — 428 sie 
Af ttei BF — 430 jagt.sts F - 440 vgl. die fussnote 444 eynem ABCE. 

Nr. 5: 450 niit anbricht F — 45a angcnem E — 456 Dweyl F — 
457 wos dir F - leit CEF — 466 seiest E, «ygst F — 467 Gehalten 
AFCEF — m muo A - 460 ilu] f.ddt E — 470 Far fort und l)esich 
weitter^- l.l.K HCEF — 472 dieg>i ihiist E, thüest F - lieb ABCE 

— 474 kiiestal A — getagt BCE, tagt F 478 anderer AHCE — 483 
dein^j beßlin CE - 484 zu A — 486 giltn F ~ 496 ncit BCE — Ais 
ich so hilftts dich nit ein meyt F — 40.^ Darz,u A — 5U4 wirst F — 
betrübter £F — 506 bewaret A, bwart BC. 

Nr. 6: 514 behut BCE - 515 freantlich] traatlieb F — 520 borsttt 
A — doch] fehlt F — 524 yn glych F - 526 gehört AB£ — 527 
Drumb CE — gelingt BCE, lingt F — 528 Yetamid F — wol weitter 
rennen BCEF — 580 gesagt BCE — 581 gnant ABCE, gnennt F — 
584 gemacht £ — 585 tu A, zum F — meßkrom BE — 542 schee A 

— darinnen ABCE — 54-1 nit B — wir A, wart C — 551 fruden A — 
555 für BCEF - V,i f<.in BCEF - 562 /eygen BCEF - 564 Dann E. 

Nr, 7: 567 gehört E 571 m A - 575 nichf<] fehlt BCEF — 
arges CE — 576 meinst CEF - /.u A — 578 niüchteHt E — 579 ho- 
schilt/t EF - 582 stich CE - 585 Kur fort im Idat BCEF — 595 ge- 
spotts F — 506 weists E — 602 solche gschichten E — 606 vngcaigen 

— 608 her A ~ 611 fründ F — 616 andre ABCE, ander F ~ 618 
schein C — tobend E. 

Nr. 8: 623 tauscnt molcn BF — 625 »ackpfeiflcu E — 627 subtil 
F — 628 utyl F ^ 630 gut £ 683 sprechen A — 634 new ABCE 
~ 641 gewesen E — so] fehlt F — kunstreycher F — 648 gleichen 



XXVI 



Vorwort. 



E ~ 644 Far fori ich will BCEF — 646 Deio«« E 648 andeni wo 

BCE — 667 muß C - 672 trackeut BCEK - 678 den glück A. 

N r. 9: 6>fl nia-^] nums CK — 6D4 s. i,<t K — tiUs s. hlapp HK 
70U etwan Clut' — 7ü6 kmult] kumi-t BF, kompt CE — 709 lieb] wen! 
F - 713 /rtoyl BCE — 715 dt.v, di.h A - 716 p'has.set V — eyu] 
t-hlt BCKF 720 arg A - 728 he\>>en iU KF - 724 rei^seu BCEF 
72fj tn r] loß F — 7^0 Du wurdest von dcim' öeüweyß hui F — 736 
du] iehli Alit E. 

Nr. 10: 744 urgol F — 746 iinii^ B, mus C — 747 fn-und E — 
im Far fort hin BCEF — 7örf so du ABCK — 771 schon ABCE — 
77«j kernest B — 779 geneytP — 780 bleet BCE, bleit F— 7bl ftinea 
BCEF - 785 leb] sei BCEF - 788 deiner CEF — 789 kleiden E - 
794 werden BCEF — 796 zus&tee von F aaf s. 83. 

Nr. 11: Tor 797 Der frawen circkel] fehlt A — 799 stosaen CEF 

— 807 Niemant BCEF — 813 dir ritter BCE ~ 815 Wa CE — 817 
pleist B — Penn mA«t das hauß bald räumen zwar F — 818 Leß fort 
ich BCEF - berichten gar F — ?^21 drinckt C, dringt E — 822 weus 
ABCE. schnellt F - b:}5 gewaltig ABCE — 8B6 wollen HCK. wend 
F — dir anlegen CE — 840 sod auß] so dust A — ston BCE — 844 
genäg A — 847 nini] num A, nimb BC, nimmer F » gnaden BCEF 

— 849 ander»' AHCE — ^'<' - • I1.en AHF. 

Nr. 12: böö Dein uiiL,'li'n k CK — nahe BCEF — ^"n lu rboyten 
B, arbt'itt.u BE, heerb.m. k- n F — empfahe BCEF ^.J7•al.• . i n BCKF 

— 800 g» tHiirii E — biil teuüel BCEF — giuucht AB — 86:^ i:r.-chlecht 
E — 806 gewiß CE ~ 867 d;is ist als] ist alles F — wox HCEF — 
870 Und vil hüpscher F — achier] fehlt BCEF ~ 873 also ABCEF — 
antiiKt BCE — 876 Far fort und besieh das naher ort BCEF — 879 
■onder] one F — 882 gar] dar F 883 bistu auch so CE 885 
gleichen ABCEF - 897 Wa CE — deil A - 900 eym A 901 behflt 
BCE. 

Nr. 13: 917 umb] an F — 920 euch BCEF - 921 an) fehlt BCE 

— korb die imben feyn F — > 924 narren EF — 929 die imben in F — 
930 eynflug stätigS F — 981 behenckt BCE 938 onmöt C — 984 
Far fort, lug was da nnrher ataht BCEF — 939 gscht-yb F — 94n oyn 
ABCEF — 945 Ewer ABCEF — uiitt F - ihnen E - 947 nechst mals 
BCEF — 9o2 mann» E - 954 Ewer ABCK 955 verlon A — 956 
gschworn ABCF — 95*^ Dfimal A, Daiseninl BC. Da/finial K, Dovimal F 

— iri li.iiiset E — 965 her glosievt BCE, lo^^ii it F 966 bscheussei A. 
v. rlürt BCEF - 968 Wii- weud F — narren EF — 969 Die imben F 

— 970 werd ABCEF. 

N r. 1 1 : 976 lang ABCE - 977 deü F — 980 keinen BCE ~ 985 
ligt CEF — 991 Far fort und BCE — 998 sindt BCE — 999 schafft 
ABC — 1008 zweyfach B — 1009 stem F — 1017 gebort BCEF — 
1019 gfatter CEF ^ 1028 lyb und seel F. 

Nr. 15: 1029 behut CE — 1030 hertzen E ^ 1082 sind F — « 



1. LoBbach (losarten). 



XXVII 



taiiaeni mol BG6F - 1038 zorneni zomet C£ — 1042 anderer £, 
andrer F — 1047 so] fehlt E — 1049 befa&tten E — lO&O Kert nmb] 
Far fort BCEF — bieten B, hatten CE — 1051 schons F — rewet 
ABCEF — auch] fehlt ABCE 1058 jn an BEF — 1059 verbunat 

BP — 1067 Hettst BEF — die däschen be:*ucht BE, die taschen bsficht 
F - 1060 trefabt ABE — 1071 Straßbui^r] Franckfurt HKF 1078 
Aber ABEF — 1074 gwißiich kramet F ~ 1079 eyner ABCEF — 1088 
t'incr A — Ein beltz kroniljt er zu necliston spat BCEF — 1084 Den 
.'in >ch'',ii.' iiiarft v-'nlif nct hat BCEF — 10Ö5 dein E — 10Ö6 erlrost 
B, tii'trüit.'st CK, t'iliurst F. 

Nr. 16: 1(»H9 M»>in ABE — 1093 /.le^' B, /iech EF ~ llUU .^unst 
BF — 1108 WtiiU uuibj Leih fort BEF — 1119 iieii] pegen ABEF — 
1123 deini F — biilen du keiist AliKF — 1126 gedencken E — 1129 
frosch E — 1132 würdig BE — 1136 tViden E — 1140 nur] nun F. 

Nr. 17: 1146 Das mir mein ABCEF ^ 1149 eyn man] ein «eyb 
BCEF — 1150 Der aU ihr anachleg feien weit BCEF — 1151 gbrecht 
BCE — 1152 meutt CE ^ 1153 schwindelhim CE, schwirbelhim F — 
1159 deinen £ ^ 1168 Dann F — 1164 getbonE 1166 Left fort ich 
BCEF — 1168 deiner ABCE 1170 bstahst E — 1172 grathen C, 
ghraten BF — 1175 in F — 1177 geschlichkeit B — soy ^rkych F — 
1178 neirn C - 1179 und] fehlt BCEF — 1180 ungeschic kt K - 1181 
dir EF — 1184 Jungs BCEF — öchitzelt A - 1187 wolt4 CEF ^ 1193 
dwyl.'! F - 1194 Ehe ABCK - 1195 pting^t. n BCE — 1196 lautf A — 
1197 lauflt A, laufle BC — 119ö andere ABCK F. 

Nr. 18: 12U3 fvaw A - 1210 z.'regi.ivn BCE — 1211 gwalt. 
ABCE — 1212 i?efalt BCE - 1226 Wend umb] Far fort BCEF 
— 1231 dein.Mi -odancken F - 1232 gewißlich E — 12H3 (b in ^'.ber- 
den F — 1235 sylber ABCEF — 1239 es] er F - 1240 .So lug für dich, 
das eben behalt BCEF — 1242 emem E — 1245 grÜne] fehlt BCEF — 
1252 die maß BCE — sein A» biß F - 1255 nenfln A — 1259 anfagst A. 

Nr. 19: 1268 aöm BCE, «Orn F — 1266 ber&m F — 1267 mit F 
~ 1268 fraw leisen BCEF — 1269 xoment BCE, sQmend F — 1279 
schnurren BCEF — 1282 Wend umb] Far fort BCEF ~ 1287 frennt- 
lich] fleyssig F — 1288 gschlagen AB — 1291 dem herd gesessen F — 
1292 im ancken gfressen F — 1298 Deini ABCE — gabst ABCEF — 
1294 auch] fehlt BCEF — 1801 gedanck E - 1304 trunckcn ABCEF 
-1311 dicht F - 1814 Muß ein pfond venedisch sejif han BCEF — 
1316 Wenn b,', F. 

Nr. 20: 1320 Auff (bn- BCEF — grünt A, gmndt BC, grundt E — 
1323 stehet B. steht CK - Lj.M v rht CE — 1338 sprossen BCEF — 1340 
Far fort BCEF — 1342 hiriyn F — 1345 co] t. hlt ABCE — 1348 ge- 
falt E — t?. berd BCE, berd F — 1351 sollich E — geniahel E — 1354 
darauf uicick F — 1356 btriegen ABC — 1359 bekleidt F — 1360 deüt 
F — 1362 halten CE — gestalt CE — 1868 jaren A, jarn CE - 1375 
schencke ABC — 1876 die xusiltae von F s. unten s. 86. 



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XXVIII 



Vorwort. 



Nr. 21: vor 1377 Der jungen gesellen circkel] fehlt A 1378 
muß] wil F ~ »ich dbalcken mochtend F — 1886 deinem CE — 1890 

dein» E - 1391 einer CE - 1897 Wen«U blait unib] Far Coit balt BCEF 

— \m sond] sol F — 1408 einer CEF — Jevchcn ABCEF — 1404 
Das dich mochtest F — 1407 deinem F — 1400 keyn ABCE — 1410 
keyn ABCE - 1415 leernen F — 1417 lernen F — 1418 Vermeinst F 

— 1426 dein trrindt EF — 1429 boJ fehlt F — 1430 üe«; dich in der ? 

— 1432 t<ill| voll K. 

Nr. 22: Ii:-;:) Hin et E — 1488 scnifl* A - iiU ABC, iß E. issz F 

— - 1439 piiiiu ht AllH — 1440 amlere ABCE. an.lre F — 144G vil so 
glübk A — ^lücks KF — 1447 wa« anlachst CE — 1456 Wend unib} 
Far fort BCEF — 1458 »olicbs P — 1459 adcliche ABCE - 1461 ge^ • 
weaen CE — 1467 hapcb A — 1469 aber] fehlt BCE — 1478 tfinor E, 
swor F — 1479 glOk A — 1481 teflte F — 1484 es] fehlt ABCE 

nit F — 1489 hettestn E — gnlden BCE 1488 laugen BF, langnen 
CE — 1491 Da C. 

Nr. 28: 1494 soll] so F — billich AfiCK - 1497 einer CEP - 
1498 sieb] fehlt BCE — Da sich deint halben F — 1499 gunmmaul A 

— 1502 soll E — 1504 b. lialt BCE — 1508 gwiß AB - 1509 gKchicht 
ABC — ■ dcim] den BCEF — 1510 So] Die F — 1513 lassen CEF — 
1514 Wend ninb] Leß fort BCEF — anblasen CF, anbiaßen E - 1516 
vil mob'n HCEF — 1517 und ^jp'^fdK h. n ARCE — 1524 znacht E, nacht 
F — 1526 nieynst BCE — auß/.etraUen F— 1527 hustu ABCE — 152« 
donij fehlt ABCE ~ 1532 Müstu E, Miisl du F